Die Erfindung betrifft einen Brauereiprozess, bei dem das bei der
Gärung entstehende Kohlendioxid (CO2) gesammelt, weiterverwendet und
weiterverarbeitet wird.
Bei der Herstellung von Bier fallen in den Brauereien große Mengen
Kohlendioxid, ungefähr 2,5 kg je 100 Liter erzeugten Biers, an. Dieses Kohlendioxid
wurde in der Vergangenheit gesammelt und zumindest teilweise als Inertgas in den
Flüssigkeitsleitungen der Brauereien, insbesondere bei der Abfüllung des Biers in
Fässer, Flaschen oder Dosen verwendet.
Das Kohlendioxid wird zu diesem Zweck in einer Rückverflüssigungsanlage
unter einem Druck von etwa 20 bar oder mehr in den flüssigen Aggregatzustand überführt
und in Tanks gespeichert, anschließend bei Bedarf als Inertgas verwendet.
Jedoch wird nur ein Teil des anfallenden Kohlendioxids als Inertgas
verwendet, so dass ein Überschuss von etwa 0,5 CO2 je gebrautem Hektoliter
Bier verbleibt. Dieser Überschuss wurde in der Vergangenheit in die Umwelt entlassen
oder aber in flüssigem Zustand abtransportiert.
Der Transport des flüssigen Kohlendioxids ist jedoch aufwendig und
kostenintensiv, da das Flüssiggas als Gefahrgut eingestuft ist und daher nur unter
strengen Auflagen transportiert werden darf. Zudem erfordert der Transport des Kohlendioxids
über die Straße oder die Schiene die Bereitstellung großer und aufwendiger Lagerkapazitäten
beispielsweise beim Erzeuger und bei einem Trockeneishersteller, da der Abtransport
nur diskontinuierlich erfolgen kann und eine Lagerung in Druckbehältern erfordert.
Diese Behälter unterliegen ebenfalls der Gefahrgutverordnung.
Es war daher eine Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Weiterverwendung
und Weiterverarbeitung von beim Brauen von Bier anfallendem Kohlendioxid zur Verfügung
zu stellen, welches die oben beschriebenen Nachteile des Stands der Technik nicht
aufweist.
Diese Aufgabe wird durch einen Brauereiprozess mit den Merkmalen des
Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung finden sich in den
abhängigen Ansprüchen.
Es wurde in erfindungsgemäßer Weise ein Brauereiprozess geschaffen,
der eine Weiterverarbeitung des überschüssigen Kohlendioxids zu Trockeneis vorzugsweise
auf dem Gelände der Brauerei und bevorzugt in den Brauprozess integriert, ermöglicht.
Das so erzeugte Trockeneis kann zur Kühlung von Lebensmitteln, zur Prozesskühlung
oder zur Trockeneisreinigung verwendet werden. Der Brauereiprozess stellt somit
eine besonders kostengünstige Möglichkeit zur Verfügung, das beim Bierbrauen anfallende
Kohlendioxid an Ort und Stelle zu einem Endprodukt zu verarbeiten.
Es war dabei für den Fachmann äußerst überraschend, dass bei dem erfindungsgemäßen
Brauprozess nur geringe Mengen an gasförmigem Kohlendioxid in die Umwelt entlassen
werden müssen. Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt somit eine nahezu vollständige
Verwendung und Weiterverarbeitung des überschüssigen Kohlendioxids, ohne dass gebührenpflichtige
und umweltschädliche Emissionen erfolgen müssen.
Die Erfordernisse des Kreislaufwirtschaftsgesetzes können daher vollständig
erfüllt werden. Darüber hinaus kann der Transport des Trockeneises mit deutlich
geringerem Aufwand erfolgen. Dies folgt sowohl aus der Tatsache, dass nach der Herstellung
von Trockeneis geringere Volumina transportiert werden müssen als auch daraus, dass
der Transport von Trockeneis keinen besonderen Auflagen unterliegt.
Dabei wird der Prozess des Bierbrauens von der Weiterverarbeitung
des Kohlendioxids nicht negativ beeinflusst; vielmehr besteht die Möglichkeit, den
Prozess unabhängig von der bei der alkoholischen Gärung anfallenden Menge an Kohlendioxid
durchzuführen. Vorzugsweise wird die gesamte anfallende Menge an CO2
gesammelt, verflüssigt und ein Teil, vorzugsweise ca. 80 Gew.-% als Inertgas eingesetzt.
Das überschüssige Kohlendioxid, vorzugsweise ca. 20 Gew.-% wird zu Trockeneis weiterverarbeitet.
Bei dem Brauereiprozess gemäß der Erfindung wird Bier in der dem Fachmann
geläufigen Weise und unter Verwendung der dem Fachmann bekannten Ausgangsstoffe
gebraut. Dabei wird der aus dem Malz gewonnene Zucker in einem Sudhaus zur Lösung
gebracht. Unter Zugabe von Sauerstoff wächst auf dieser Lösung der zuvor zugegebene
Hefepilz.
Durch einen anschließenden Entzug des Sauerstoffs setzt gemäß der
Reaktion:
C6H12O6 → 2C2H5OH
+ 2CO2
die alkoholische Gärung ein. Hierbei entstehen üblicherweise etwa 2,5 kg Kohlendioxid
je erzeugten 100 Liter Biers.
Kohlendioxid ist nach den Verordnungen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes
ein klimagängiges Gas, wodurch die Notwendigkeit besteht, die im Werk anfallenden
Mengen zu sammeln und einer Weiterverarbeitung zuzuführen. Alternativ hierzu kann
auch die gebührenpflichtige Emission des Gases in die Umwelt erfolgen.
Der erfindungsgemäße Brauprozess sieht die Sammlung der gesamten bei
der alkoholischen Gärung erzeugten Menge an Kohlendioxid und ihre anschließende
Verflüssigung, bevorzugt in einer hierfür vorgesehenen Rückverflüssigungsanlage,
vor. Hierbei erfolgt die Änderung des Aggregatzustands des Kohlendioxids von gasförmig
zu flüssig unter Beaufschlagung von Druck in dafür verwendeten Druckbehältern.
Das derart verflüssigte Kohlendioxid kann anschließend
in Tanks gespeichert werden und aufgrund seiner Eigenschaft als Inertgas gegenüber
der transportierten Flüssigkeit als vorzugsweise konservierendes Inertgas im Brauprozess
insbesondere in den Abgefüllten Gebinden eingesetzt werden.
In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird das Kohlendioxid
als Inertgas bei der Abfüllung des gebrauten Biers in Fässer, Flaschen; Dosen oder
dergleichen verwendet. Hierdurch wird in vorteilhafter Weise auch bei der Abfüllung
und anschließenden Lagerung ein Kontakt des Biers mit dem Luftsauerstoff weitgehend
unterbunden.
In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird das
nicht als Inertgas verwendete Kohlendioxid im wesentlichen vollständig zu Trockeneis
weiterverarbeitet.
Die Herstellung des Trockeneis erfolgt bevorzugt mittels einer vorzugsweise
direkt an die Rückverflüssigungsanlage angeschlossene Trockeneispresse. Ganz besonders
bevorzugt erfolgt die Herstellung des Trockeneises auf dem Gelände der Brauerei.
Der Fachmann versteht dabei, dass die Trockeneisproduktion derart zu dem Brauprozess
benachbart angeordnet sein muss, dass ein vorzugsweise kontinuierlicher Transport
des Kohlendioxids durch Leitungen vom Brauprozess zur Trockeneisproduktion und vorzugsweise
eine Rückführung des gasförmigen, nicht zu Trockeneis umgewandelten Kohlendioxides
in die Rückverflüssigungsanlage möglich ist, ohne dass hierzu Tankwagen oder dergleichen
verwendet werden müssten.
Bei der Trockeneisproduktion wird in einer besonders bevorzugten Ausgestaltung
der Erfindung das flüssige Kohlendioxid in einem Entspannungszylinder zu Kohlendioxidschnee
entspannt. Dieser Kohlendioxidschnee kann anschließend zu Trockeneis verpresst werden.
In einer ganz besonders bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen
Brauereiprozesses wird das bei der Trockeneisherstellung entstehende gasförmige
Kohlendioxid wiederum gesammelt und rückverflüssigt und schließlich ebenfalls zu
Trockeneis weiterverarbeitet. In einer überaus bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung
werden so mehr als 90 %, vorzugsweise mehr als 95 % des überschüssigen; d.h. nicht
als Inertgas verwendeten Kohlendioxids zu Trockeneis verarbeitet.
Die Erfindung wird im folgenden anhand der 1
näher erläutert. Diese Figur stellt jedoch lediglich eine beispielhafte Darstellung
des erfindungsgemäßen Verfahrens dar und schränkt den allgemeinen Erfindungsgedanken
in keiner Weise ein.
1 zeigt ein Flussdiagramm des erfindungsgemäßen
Brauprozesses.
In 1 wird ein Flussdiagramm für das bei
der alkoholischen Gärung in Brauereien entstehende Kohlendioxid gezeigt. Das gasförmige
Kohlendioxid wird als Prozessgas 1 aus dem Brauprozess 2 in eine
Rückverflüssigungsanlage 3 geleitet und hierin unter einem Druck von mehr
als 20 bar zu Flüssiggas 4 verarbeitet. Dieses Flüssiggas 4 wird
in speziellen Flüssiggastanks 5 gespeichert und vorzugsweise ca. 80% als
Inertgas 6 bei der Abfüllung der diversen Gebinde verwendet. Dieses Kohlendioxid
verbleibt vorzugsweise zum größten Teil in den Gebinden. Das nicht als Fördergas
6 verwendete Flüssiggas 4 wird in die Trockeneisproduktion
7 gepumpt, in der das Flüssiggas 4 mittels eines Entspannungszylinders
zu Kohlendioxidschnee weiterverarbeitet wird, welcher anschließend zu Trockeneis
8 verpresst wird. Hierbei werden etwa 40 % des Flüssiggases 4
zu Trockeneis 8 verarbeitet. Das bei der Trockeneisproduktion
7 entstehende gasförmige Kohlendioxid 9 wird gesammelt, im Kreislauf
in die Rückverflüssigungsanlage 3 geleitet und schließlich erneut in die
Trockeneisproduktion 7 geführt. Durch diese Kreislaufführung werden schließlich
97 des nicht als Inertgas benötigten Prozessgases 1 zu Trockeneis
8 verarbeitet.
1
- Prozessgas
2
- Brauprozess
3
- Rückverflüssigungsanlage
4
- Flüssiggas
5
- Flüssiggastank
6
- Fördergas
7
- Trockeneisproduktion
8
- Trockeneis
9
- gasförmiges Kohlendioxid aus der Trockeneisproduktion