Die Erfindung betrifft stickstoffhaltige Langzeitdüngemittel, Verfahren
zu ihrer Herstellung und ihre Verwendung.
Düngemittel mit Langzeitwirkung haben gegenüber konventionellen mineralischen
oder organischen Düngemitteln viele Vorteile. Sie bieten eine bedarfsgerechtere
Anlieferung der Nährstoffe an die Pflanze und verbessern dadurch die Nährstoffausnutzung.
Dies führt zu einer Verringerung von Nährstoffverlusten, wodurch die Umweltbelastung
reduziert und die Effizienz der Düngung gesteigert wird. Außerdem erlauben sie
es, Arbeitsgänge und Betriebsmittel und somit agrarwirtschaftliche Kosten einzusparen.
Eine Langzeitwirkung von Düngemitteln kann auf unterschiedlichen Wegen
erreicht werden. Eine Möglichkeit ist es, in Wasser leichtlösliche granulierte
Düngemittel mit einer wasserunlöslichen Hülle zu umgeben. Die Nährstofffreisetzung
aus solchen umhüllten Düngemitteln erfolgt verzögert, da die Nährstoffe erst durch
die Hüllschicht hindurch diffundieren müssen bevor sie von den Wurzeln aufgenommen
werden können. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Nährstoffe in Form von
chemischen Verbindungen auszubringen, in der sie zunächst nicht pflanzenverfügbar
sind. Erst nach Ablauf eines vorgelagerten Freisetzungsschrittes, z.B. einer chemischen
Hydrolyse, einer enzymatischen Spaltung und/oder einer mikrobiellen Umsetzung,
liegen die Nährstoffe in einer für die Pflanzen verwertbaren Form vor. Derartige
Düngemittel werden auch als chemische Langzeitdünger bezeichnet.
Die Idee der chemischen Langzeitdünger stammt bereits aus dem vorigen
Jahrhundert. Damals regten Liebig in Deutschland und Murray in England an, Nährstoffe
in Form schwerlöslicher Salze für die Pflanzenernährung einzusetzen, siehe auch
Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry 1987, Vol. A 10, S. 363 ff. Das
erste Patent über einen Langzeitdünger mit geringer Löslichkeit auf Basis Harnstoff
und Formaldehyd wurde 1924 von der IG Farben, heute BASF, angemeldet (DRP 431585).
Die kommerzielle Produktion begann in den fünfziger Jahren in den USA durch die
Firmen DuPont und Nitroform Corp.
Heute werden eine ganze Reihe von stickstoffhaltigen Substanzen hergestellt
und als Langzeitdünger vermarktet. Die drei mit Abstand wichtigsten sind dabei
die Kondensationsprodukte aus Harnstoff und Formaldehyd, Isobutyraldehyd bzw. Acetaldehyd,
die als Methylenharnstoff, Isobutylidendiharnstoff (IBDU) und Crotonylidendiharnstoff
(CDU) bezeichnet werden.
Weltweit wurden im Düngejahr 1995/1996 etwa 317.000 t derartiger Langzeitdünger
produziert, davon 225.000 t Methylenharnstoffe, 82.000 t IBDU und CDU enthaltende
Düngemittel sowie ca. 10.000 t Düngemittel mit sonstigen Verbindungen.
Unter den in kleinerem Maßstab hergestellten Substanzen finden sich
sowohl cyclische als auch nichtcyclische Strukturen. Zu nennen sind hier Oxamid,
Acetylendiharnstoff, Melamin, substituierte Triazone, Ethylendiharnstoff und Triuret.
Diese bekannten Stickstoff-Langzeitdünger unterscheiden sich zum Teil
stark in ihrer jeweiligen Wirkungsdauer. Während bei Substanzen mit einer kürzeren
Wirkungsdauer die Wirkung relativ rasch nachlässt, zeigen sich bei einer alleinigen
N-Düngung mit Verbindungen mit längerer Wirkungsdauer häufig Stickstoffmangelsymptome
am Anfang der Kulturzeit, da die Mineralisation aus diesen Materialien heraus oft
erst verzögert einsetzt. Außerdem sind nicht alle diese Verbindungen uneingeschränkt
pflanzenverträglich, sondern führen in Abhängigkeit von der Aufwandmenge und der
gedüngten Kultur zu Pflanzenschäden.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es daher, Düngemittelzubereitungen
bereitzustellen, die als N-Langzeitdünger geeignet und den bekannten Substanzen,
vorzugsweise im Bereich Pflanzenverträglichkeit, Wirkungsdauer und Gleichmäßigkeit
der Nährstoffanlieferung, überlegen sind.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein stickstoffhaltiges
Langzeitdüngemittel, enthaltend ein Gemisch aus Acetylendiharnstoff und mindestens
einem weiteren organischen stickstoffhaltigen Düngemittel.
Es wurde erfindungsgemäß gefunden, dass sich die Wirkung von Acetylendiharnstoff
mit weiteren organischen stickstoffaltigen Düngemitteln nicht nur additiv aus den
Eigenschaftsprofilen der Einzelkomponenten ableitet, sondern dass sich darüber
hinaus synergistische Effekte zeigen, die zu einer unerwartet starken und lang
anhaltenden Unterstützung des Pflanzenwachstums führen.
Das mindestens eine weitere organische stickstoffhaltige Düngemittel
kann aus allen bekannten geeigneten derartigen Düngemitteln ausgewählt sein. Vorzugsweise
ist das mindestens eine weitere organische stickstoffhaltige Düngemittel ausgewählt
aus Methylenharnstoff, Isobutylidendiharnstoff, Crotonylidendiharnstoff, Oxamid,
Melamin, substituierten Triazonen, Ethylendiharnstoff, Triuret oder Gemischen davon.
Besonders bevorzugt ist das mindestens eine weitere organische stickstoffhaltige
Düngemittel Isobutylidendiharnstoff.
Derartige organische stickstoffhaltige Düngemittel sind beispielsweise
von Scotts, Agra, BASF, Vigoro und Chisso erhältlich.
Für eine nähere Beschreibung von Oxamid kann auf EP-A-0 578 240, für
Acetylendiharnstoff auf JP-A-62 288 184, für substituierte Triazone auf US 4,778,510,
für Ethylendiharnstoff auf JP-A-49 013 268 und für Triuret auf JP-A-90 35 152 verwiesen
werden.
Acetylendiharnstoff und weitere organische stickstoffhaltige Düngemittel
liegen vorzugsweise in einem Gewichtsverhältnis von 1:9 bis 9:1, besonders bevorzugt
1:3 bis 3:1, insbesondere 3:2 bis 2:3 vor.
Die erfindungsgemäßen Langzeitdüngemittel können außerdem weitere
Bestandteile enthalten,wiesieüblicherweiseinEinzel- und Mehrnährstoffdüngemitteln
vorkommen. Beispielsweise können sie zusätzlich Harnstoff oder Stickstoff, Kalium,
Phosphor und/oder Magnesium in Form anorganischer Salze, oder Gemische davon, enthalten.
Leicht lösliche Stickstoffkomponenten sind beispielsweise Ammoniumnitrat, Ammoniumsulfat
oder Harnstoff. Weitere einsetzbare Salze sind beispielsweise MAP, DAP, Kaliumsulfat,
Kaliumchlorid, Magnesiumsulfat. Diese zusätzlichen Bestandteile können neben den
erfindungsgemäßen Gemischen Hauptbestandteile der Langzeitdüngemittel sein. Ferner
können neben den Hauptbestandteilen noch Sekundärnährstoffe vorliegen. Beispielsweise
können Sekundärnährstoffelemente ausgewählt sein aus Ca, S und B. Es können auch
Spurenelemente, ausgewählt aus Fe, Mn, Cu, Zn, Mo oder Gemische davon in Form anorganischer
Salze vorliegen. Geeignete Mengen für die Sekundärnährstoffe oder Spurenelemente
sind Mengen von 0,5 bis 5 Gew.-%, bezogen auf das gesamte Langzeitdüngemittel.
Weitere mögliche Inhaltsstoffe sind Pflanzenschutzmittel wie Insektizide oder Fungizide,
Wachstumsregulatoren, Nitrifikationsinhibitoren oder Gemische davon.
Weitere mögliche Inhaltsstoffe der erfindungsgemäßen Düngemittel sind
beschrieben in Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, 5. Auflage, 1987,
Band A10, Seiten 363 bis 401, DE-A-41 28 828, DE-A-19 05 834, DE-A-196 31 764.
Die erfindungsgemäßen Langzeitdüngemittel können auch ganz oder teilweise
beschichtet sein, wie es in EP-A-0 877 722 oder DE-A-196 31 764 beschrieben ist.
Die erfindungsgemäßen stickstoffhaltigen Langzeitdüngemittel können
als weitere übliche Düngerkomponenten beispielsweise Einzel- als auch Mehrnährstoffdünger
enthalten, die einzeln oder gegebenenfalls in Kombination Nährstoffe wie Stickstoff,
Kali oder Phosphor in Form ihrer Salze enthalten. Beispiele hierfür sind NP-, NK-,
PK- sowie NPK-Düngemittel wie Kalkammonsalpeter, Ammonsulfat, Ammonsulfatsalpeter
oder Harnstoff.
Die erfindungsgemäßen Langzeitdüngemittel können nach allgemein bekannten
Verfahren erhalten werden. Sie können beispielsweise durch Vermischen von Pulvern
oder Granalien bzw. Granulaten der Ausgangsverbindungen und gegebenenfalls nachfolgendes
Granulieren hergestellt werden. Die Herstellung von Düngemittel-Granulaten ist
beispielsweise in Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, 5. Auflage, 1987,
Band A10, Seite 374 bis 385 beschrieben.
Die erfindungsgemäßen stickstoffhaltigen Langzeitdüngemittel können
zur Düngung einer Vielzahl von Pflanzen bzw. Böden eingesetzt werden. Bevorzugt
werden die Langzeitdüngemittel zur Düngung von gärtnerischen oder landwirtschaftlichen
Kulturen, insbesondere Rasen oder Zierpflanzen, verwendet. Sie werden dabei üblicherweise
nach den allgemein bekannten Verfahren auf landwirtschaftlich oder gärtherisch
genutzte Flächen aufgebracht, siehe auch Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry,
5. Auflage, 1987, Band A10, Seiten 398 bis 401. Wegen ihrer hohen Pflanzenverträglichkeit
eignen sich die erfindungsgemäßen Langzeitdüngemittel nicht nur für Düngeverfahren,
bei denen der Dünger annähernd gleichmäßig auf die Agrarfläche verteilt wird, sondern
auch für die gezielte Ablage in der Nähe der Pflanzenwurzel.
Die erfindungsgemäßen Langzeitdüngemittel können grundsätzlich in
allen Bereichen des Pflanzenbaus wie der Landwirtschaft und des Gartenbaus eingesetzt
werden, beispielsweise im Obst- und Gemüseanbau.
Beispiele geeigneter Kulturen sind Zierpflanzen, Rasen sowie Verzehrskulturen
wie Apfel, Birne, Erdbeere, Tomate, Paprika und andere.
Die erfindungsgemäßen Langzeitdüngemittel zeichnen sich dadurch aus,
dass sie eine besonders wirtschaftliche intensive Nutzung von landwirtschaftlich
und gärtnerisch genutzten Flächen ermöglichen, wobei eine Belastung der Umwelt
weitgehend vermieden wird.
Die erfindungsgemäßen Langzeitdüngemittel werden nach üblichen Methoden
auf die landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen aufgebracht oder
in das Substrat von Topf- oder Containerkulturen eingemischt oder aufgestreut.
Für eine optimale Wachstumsförderung der Pflanzen reicht es im allgemeinen
aus, die erfindungsgemäßen Langzeitdüngemittel einmal pro Wachstumsperiode (bevorzugt
zu deren Beginn) auf die Agrarfläche aufzubringen, weil der Nährstoffbedarfsverlauf
der Pflanzen und der Freisetzungsverlauf der Düngemittelwirkstoffe übereinstimmen.
Die Erfindung wird nachstehend anhand von Beispielen näher erläutert.
Beispiele
Zur Demonstration der guten und lang anhaltenden Wirkung der erfindungsgemäßen
Zubereitungen wurden umfangreiche pflanzenbauliche Versuche durchgeführt. Es wurden
Isobutylidendiharnstoff (IBDH), Acetylendiharnstoff (ADH), Ethylendiharnstoff (EDH)
und Triuret als alleinige Quellen von Langzeitstickstoff sowie Abmischungen mit
IBDH im Verhältnis 67%/33% (Gefäßversuche) bzw. 60%/40% (Feldversuche) geprüft.
Die Dünger enthielten in gleicher Menge die anderen Haupt- und Sekundärnährstoffe
sowie etwas leichtlöslichen Mineralstickstoff für eine Anfangswirkung.
Die Gefäßversuche wurden mit Weidelgras als Prüfkultur in Mitscherlichtöpfen
angelegt, und das Gras wurde in regelmäßigen Abständen geschnitten, seine Trockenmasse
wurde bestimmt, und es wurde auf seinen N-Gehalt analysiert. Über.beide Größen
errechnet sich die aufgenommene N-Menge pro Schnitt, die Addition ergibt die Stickstoffausnutzung.
Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 dargestellt. Aus Tabelle 1 wird deutlich, daß
bei Einsatz von IBDH + ADH in Kombination die Stickstoffausnutzung der Düngung
deutlich höher liegt, als wenn eine der beiden Stickstofflangzeitformen allein
gegeben wird. Dabei beträgt die N-Ausnutzung 75 %, theoretisch errechnet sich aus
den gegebenen Anteilen der jeweiligen Langzeitdüngerkomponenten eine Ausnutzung
von nur 59%. Die Kombinationen von IBDH mit anderen Stickstoffformen, ohne ADH,
zeigen diese Vorteile nicht.
Stickstoffausnutzung durch verschiedene Langzeitdüngerkombinationen (% Stickstoff
in Blättern von Weidelgras in Relation zur insgesamt ausgebrachten Stickstoff-Menge;
Mitscherlichgefäße; 5 I Boden; 2,4 g/Gefäß N; 9 Schnitte: 23 bis 207 Tage nach Düngung) Langzeitdünger-Verbindung,
Anteil N-Ausnutzung
%
gemessen
(real) N-Ausnutzung
%
Vorhersagewert
(rechnerisch) 100 %IBDH-N54- 100 %ADH-N70- 67 % + 33 %IBDH + ADH-N7559 100 %EDH-N68- 67 % + 33 %IBDH N+ EDH-N5658 100 %Triuret-N38- 67 % + 33 %IBDH N+ Triuret-N5048 100 %CDU-N58- 67% + 33%IBDHN + CDU-N5455
Neben Gefäßversuchen wurde die Düngerkombination auch in Feldversuchen
an Rasen geprüft, einem Haupteinsatzgebiet von langsamwirkenden Stickstoffformen.
Beurteilungskriterien hierbei sind der farbliche Aspekt für die optische Qualität
sowie die Wuchshöhe als Maß für die Regenerationskraft der Grasnarbe. Die Dünger
wurden in einer Aufwandmenge von 20 g/m2N in einer Gabe gegeben. Die
Ergebnisse sind in Tabellen 2 und 3 zusammengefasst. Die Zahlen in den Tabellen
2 und 3 lassen erkennen, dass sowohl beim Farbaspekt als auch bei der Wuchshöhe
bei der Kombination von IBDH und ADH Werte erreicht wurden, die über der Erwartung
lagen.
So lagen die realen Boniturnoten des Farbaspektes in Tabelle 2, außer
an dem Termin 124 Tage nach der Düngung, deutlich über den errechneten Vorhersagewerten.
Auch hier war zu erkennen, dass die synergistischen Wirkungen bei den anderen Kombinationen
von Langzeitdüngerformen nicht auftraten. Ein vergleichbares Bild liefert Tabelle
3 bei den Wuchshöhen der Rasennarbe (Tab.3).
Anspruch[de]
Stickstoffhaltiges Langzeitdüngemittel, enthaltend ein Gemisch aus Acetylendiharnstoff
und mindestens einem weiteren organischen stickstoffhaltigen Düngemittel.
Langzeitdüngemittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das
mindestens eine weitere organische stickstoffhaltige Düngemittel ausgewählt ist
aus Methylenharnstoff, Isobutylidendiharnstoff, Crotonylidendiharnstoff, Oxamid,
Melamin, substituierten Triazonen, Ethylendiharnstoff, Triuret oder Gemischen davon.
Langzeitdüngemittel nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das
mindestens eine weitere organische stickstoffhaltige Düngemittel Isobutylidendiharnstoff
ist.
Langzeitdüngemittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass Acetylendiharnstoff und das mindestens eine weitere organische stickstoffhaltige
Düngemittel in einem Gewichtsverhältnis von 1:9 bis 9:1 vorliegen.
Langzeitdüngemittel nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
dass es zusätzlich Harnstoff oder Stickstoff, Kalium, Phosphor und/oder Magnesium
in Form anorganischer Salze, oder Gemische davon enthält.
Langzeitdüngemittel nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass es zusätzlich Sekundärnährstoffelemente, ausgewählt aus Ca, S und B,
Spurenelemente, ausgewählt aus Fe, Mn, Cu, Zn, Mo oder Gemische davon in Form anorganischer
Salze, Pflanzenschutzmittel, Wachstumsregulatoren, Nitrifikationsinhibitoren oder
Gemische davon enthält.
Verfahren zur Herstellung von Langzeitdüngemitteln gemäß einem der Ansprüche
1 bis 6 durch Vermischen von Pulvern oder Granalien der Ausgangsverbindungen und
gegebenenfalls nachfolgendes Granulieren.
Verwendung von Langzeitdüngemitteln gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6 zur Düngung
von gärtnerischen oder landwirtschaftlichen Kulturen.