Die Erfindung betrifft einenKopfhörer mit zwei, den Ohren eines Nutzers
zugeordneten rechten und linken Gehäusen, die Schallwände aufweisen, in denen dynamische
Schallwandler angeordnet sind, die jeweils einen Hochtöner und einen koaxial zu
diesem angeordneten Mitten-/Tieftöner umfassen.
Stereo-Kopfhörer weisen üblicherweise eine Anordnung der Schallwandler
im Zentrum der Gehäuse des Kopfhörers auf. Diese herkömmliche Anordnung hat den
Nachteil, daß von ihm erzeugte Schallereignisse von einem Nutzer als oben im Kopf
lokalisiert mit einer gewissen Differenzierung in einer nach hinten gerichteten
Hemisphäre wahrgenommen werden. Das heißt, Schallereignisse, die etwa eine vor
einem Nutzer angeordnete Bühne wiedergeben sollen, werden bei Wiedergabe über einen
herkömmlichen Stereo-Kopfhörer nicht vorne lokalisiert. Dies widerspricht dem normalen
menschlichen Hörempfinden, weshalb Kopfhörer von großen Kreisen der Hörerschaft
als unnatürlich abgelehnt werden.
Als Ursache für das Phänomen der Im-Kopf-Lokalisierung von Schallereignissen
bei Wiedergabe über Kopfhörer ist verantwortlich, daß üblicherweise wahrgenommene
kammfilterartige Effekte aufgrund Ohr- und Körperreflexionen bei der Schallrezeption
über Kopfhörer vom Ohr nicht verarbeitet werden können, da sie diesem nicht zugeführt
werden.
Es ist bekannt, diesen Nachteil dadurch zu überwinden, daß die fehlenden
Kammfiltereffekte dem dem Kopfhörer zugeführten Signal hinzugemischt werden. Dies
erfordert einen hohen schaltungstechnischen Aufwand. Ein weiterer Nachteil dieser
Vorgehensweise besteht darin, daß eine Anpassung an das individuelle Ohr des Nutzers
vorgenommen werden muß, um auf diese Weise zu einer befriedigenden Vorne-Ortung
per Kopfhörer zu gelangen.
Auf den Erfinder der vorliegenden Anmeldung geht ein völlig anders
gearteter Vorschlag zur Erzeugung der Vorne-Ortbarkeit per Stereo-Kopfhörer zurück,
der beispielsweise in der EP 0 484 354 B1 offenbart ist. Gemäß diesem Vorschlag
werden die zur Vorne-Ortbarkeit benötigten kammfilterartigen Veränderungen bei
vom Kopfhörer abgestrahlten Schall dadurch hervorgerufen, daß die Schallwandlersysteme
in beiden Kopfhörergehäusen ausgehend von der herkömmlichen Anordnung zentral am
Außenohrrelief in Blickrichtung nach vorn und unten um vorgegebene Beträge verschoben
angeordnet sind. Durch diese relativ einfache Maßnahme wird die bislang Oben-im-Kopf-Lokalisation
in ein im wesentlichen horizontal vorne ortbares Hörereignis umgewandelt.
Nach diesem Prinzip arbeitende Kopfhörer zur Vorne-Lokalisation von
Schallereignissen haben sich bewährt. Für Kopfhörer kleiner Bauform, beispielsweise
für auf dem Ohr aufliegende Kopfhörer von Walkmen und dergleichen ist eine nach
vorne und unten verschobene Anordnung der Schallwandler jedoch weniger gut realisierbar.
Ziel der vorliegenden Erfindung ist deshalb, diesen Nachteil zu überwinden
und eine Vorne-Lokalisierbarkeit mit einfachen Mitteln ohne Einsatz von Elektronik
auch für Kleinkopfhörer zu realisieren.
Weiteres Ziel der Erfindung ist, einen Kopfhörer mit steuerbarer Lokalisierbarkeit
eines Schallereignisses zu schaffen.
Weiteres Ziel der Erfindung ist schließlich die Schaffung eines Surround-Kopfhörers
mit Vorne-Lokalisierbarkeit der vorderen Kanäle und eines Mittenkanals sowie einer
hiervon getrennten Lokalisierbarkeit von Surround-Kanälen.
Um die vorstehend genannten Ziele zu erreichen, schafft die vorliegende
Erfindung einen Kopfhörer mit den Merkmalen des Anspruchs 1. Dieser Kopfhörer erlaubt
das Steuern der Lokalisierbarkeit von mit dem Kopfhörer wiedergebenen Schallereignissen
durch kammfilterartige Einwirkungen auf den Frequenzgang deds Wiedergabeschalls,
erzeugt durch gezielte Abschattung des abgestrahlten Schalls. Hierbei kann es sich
um einen Kopfhörer kleiner und kleinster Bauform handeln, da die koaxialen Schallwandler
im Kopfhörer in herkömmlicher Weise angeordnet sind und die Steuerung der Lokalisierbarkeit
des Schallereignisses dadurch realisiert wird, daß Bereiche des Tief-Mitteltöners
sowie des Hochtöners in gezielter Weise abgedeckt bzw. gedämpft werden.
Ein Stereo-Kopfhörer zur Vorne-Ortbarkeit von von ihm erzeugten Schallereignissen
wird durch die Merkmale des Anspruchs 8 bereitgestellt. Demnach sind die durchlässigen
Bereiche bzw. abgeschatteten Bereiche der Schallwände des Kopfhörers so angeordnet,
daß Schall in gezielter Weise abwärts abgestrahlt wird. Hierdurch wird überraschenderweise
eine Vorne-Ortbarkeit in derselben Qualität erreicht wie mit dem einleitend genannten
Vorschlag des Erfinders, Schallwandler nach vorn und unten verschoben gegenüber
der herkömmlichen Anordnung anzuordnen.
Ein Surround-Kopfhörer mit der Möglichkeit der Vorne-Ortbarkeit der
vorderen Stereo-Mitten-Kanäle und einer Ortbarkeit der hinteren und der Seitenkanäle,
der sogenannten Surround-Kanäle getrennt hiervom wird durch die Merkmale des Anspruchs
9 geschaffen. Ausgehend von dem Stereo-Kopfhörer mit Vorne-Ortbarkeit wird gemäß
diesem Vorschlag ein zweiter Satz von Schallwandlern gespiegelt in einer Horizontalebene
zum ersten Satz von Schallwandlern an einer Horizontalebene in bezug auf den Kopf
eines Nutzers angeordnet, um die Surround-Kanäle getrennt von den Stereo-/Mitten-Kanälen
lokalisieren zu können. Doch hierbei handelt es sich um eine extrem einfache Maßnahme
zur Differenzierung von per Kopfhörer wiedergegebenen Schallfeldern in wirksamer
Weise.
Nachfolgend wird die Erfindung anhand der Zeichnung beispielhaft näher
erläutert; es zeigen:
- Fig. 1
- eine Draufsicht auf eine Schallwand von einem von zwei Gehäusen eines Kopfhörers,
der als Stereo-Kopfhörer mit Vorne-Ortbarkeit nutzbar ist, und
- Fig. 2
- eine Draufsicht auf eine Schallwand von einem von zwei Gehäusen eines Kopfhörers,
der als Surround-Kopfhörer mit Vorne-Ortbarkeit nutzbar ist.
In Fig. 1 ist die Schallwand von einem der rechten und linken Gehäuse
eines Stereo-Kopfhörers in Draufsicht gezeigt und allgemein mit der Bezugsziffer
10 bezeichnet. Bei der dargestellten Ausführungsform besitzt die Schallwand im
wesentlichen die Form einer Kreisscheibe. Alternativ kann die Form der Schallwand
10 auch Ellipsenform besitzen. Innerhalb ihre schallundurchlässigen Innenrands
umfaßt die Schallwand 10 Abschnitte hoher Schalldämpfung und Abschnitte freier
Schalldurchlässigkeit. Soweit vorliegend die Rede von freier Schalldurchlässigkeit
ist, kann es sich im Vergleich zu den Abschnitten hoher Dämpfung auch um solche
wesentlich geringerer Dämpfung (unter Dämpfung ist vorliegende Schalldämpfung zu
verstehen), jedoch nicht vollständig ungehinderter Schalldurchlässigkeit handeln.
Auf der Rückseite der in Fig. 1 gezeigten Schallwand 10 (unterhalb
der Zeichnungsebene) befindet sich ein koaxiales Schallwandlersystem, umfassend
einen Mitten-Tieftöner 12 und einen Hochtöner 13. Der Mitten-Tieftöner 12 besitzt
naturgemäß einen größeren Durchmesser als der Hochtöner 13 und er schließt sich
einwärts unmittelbar an den Innenrand 11 des schallundurchlässigen kreisförmigen
Bereichs 11 der Schallwand 10 an. Im Zentrum des Mitten-/Tieftöners 12 ist der
Hochtöner 13 angeordnet. Unter Aussparung des Hochtöners 13 weist die Schallwand
10 zwischen dessen kreisförmiger Außenkontur und der kreisförmigen Außenkontur
des Mittentieftöners 12, entsprechend dem Innenrand des kreisförmigen Bereichs
11 einen ersten Abschnitt 14 hoher Dämpfung auf. Der erste Abschnitt 14 hoher Dämpfung
erstreckt sich bezogen auf das Zentrum der Schallwandler 12, 13 auf einen Kreisteilbereich
größer als 170° und kleiner als 340° unter Freilassung eines allgemein V-förmigen
bzw. trapezförmigen Bereichs 15, der keine, oder im Vergleich zu Abschnitt 14,
nur eine geringe Dämpfung besitzt. Dieser V-förmige Bereich 15 besitzt einen Öffnungswinkel
< 170° und > 20°, bevorzugt < 100° und > 50° und besonders bevorzugt
von etwa 70°. Bei der dargestellten Ausführungsform ist der erste Abschnitt 14
hoher Dämpfung begrenzt von geradlinigen Rändern 16a und 16b, die den trapezförmigen
Bereich 15 seitlich festlegen der an seiner großen Basis durch ein Krfeissegment
15a und an seiner kleinen Basis durch ein Kreissegment 15b des Hochtöners 13 des
Innenrands 11. Die Ränder 16a, 16b enden innenliegend am Rand des Hochtöners 13,
der durch den ersten Abschnitt 14 hoher Dämpfung nicht abgedeckt ist.
Durch den ersten Abschnitt 14 hoher Dämpfung wird erreicht, daß von
dem Mitten-/Tieftöner 12 erzeugter Schall ausschließlich bzw. zum größten Teil
ausschließlich über den V-förmigen Bereich 15 an das Ohr eines Nutzers gelangt,
der den Stereo-Kopfhörer aufgesetzt hat. Dies hat den Vorteil, daß eine relativ
große Fläche, nämlich die Fläche des Abschnitts 14 und die Fläche des Innenrands
11 als Schallwand für tiefe und mittelhohe Töne dient.
Der Hochtöner 13 ist ebenfalls partiell abgedeckt, und zwar durch
einen zweiten Abschnitt 17 hoher Dämpfung. Dieser Bereich 17 kommt im Bereich der
Spitze des V-förmigen Bereichs 15 zu liegen und läßt zwischen 5% und 50%, bevorzugt
zwischen 5% und 25% des Hochtöners, und besonders bevorzugt etwa 15% des Hochtöners
frei. Hierdurch wird erreicht, daß der größte Teil des vom Hochtöner 13 abgestrahlten
Schalls ungehindert zum Ohr eines Nutzers gelangt, der den Stereo-Kopfhörer aufgesetzt
hat, wobei dieser Anteil des Schalls in Fig. 1 im wesentlichen abwärts gerichtet
ist. Es wird davon ausgegangen, daß der Nutzer den Stereo-Kopfhörer so aufgesetzt
hat, daß die Schallwand 10 die in Fig. 1 gezeigte Ausrichtung besitzt mit abwärts
weisendem nicht abgedeckten Teil des Hochtöners 13 und aufwärts weisender Spitze
des V-förmigen Bereichs 15. Die Praxis hat überraschend gezeigt, daß durch eine
derartige gezielte Abschattung des abgestrahlten Schallereignisses die bei herkömmlichen
Kopfhörern angetroffene Im-Kopf-Lokalisation überführt wird in eine Ortbarkeit
des Schallereignisses vor dem Kopf eines Nutzers des StereoKopfhörers.
Wie in Fig. 1 gezeigt, ist der zweite Abschnitt 17 hoher Dämpfung,
der vor dem Hochtöner 13 zu liegen kommt, durch einen geraden Rand 18 begrenzt,
der bei Nutzung des Stereo-Kopfhörers in etwa in einer Horizontalebene, bezogen
auf den Kopf des Nutzers zu liegen kommt.
Fig. 2 zeigt eine Surround-Variante des Kopfhörers von Fig. 1, bei
welchem das koaxiale Schallwandlersystem doppelt vorgesehen ist. Für gleiche Teile
sind in Fig. 1 und Fig. 2 dieselben Bezugsziffern verwendet.
Die Schallwandlereinheit 12, 13 von Fig. 1 ist in Fig. 2 entlang einer
Spiegelebene S gespiegelt unter Erzeugung einer zweiten Schallwandlereinheit 12',
13', die denselben internen Aufbau auch bezüglich der Abschnitte hoher Dämpfung
besitzt, wie die erste Schallwandlereinheit 12, 13, jedoch in bezug auf diese auf
den Kopf stehend. Das heißt, der V-förmige Bereich 15' der zweiten Schallwandlereinheit
12', 13' weist mit seiner Spitze abwärts in Richtung zur Spitze des V-förmigen
Bereichs 15 der ersten Schallwandlereinheit 12, 13, der zweite Abschnitt hoher
Dämpfung 17' weist zum zweiten Abschnitt 17 hoher Dämpfung der ersten Schallwandlereinheit
12, 13, so daß die freien, schwach bedämpften bzw. nicht bedämpften Bereiche der
zweiten Schallwandlereinheit 12', 13' in Fig. 2 nach oben weisen.
Ein auf Grundlage von Fig. 2 aufgebauter Kopfhörer ist als Surround-Kopfhörer
nutzbar, wobei die erste Schallwandlereinheit 12, 13 den Schall für einen vorderen
Kanal bzw. den vorderen Mittenkanal abstrahlt, während die zweite Schallwandlereinheit
12', 13' einen Surround-Kanal abstrahlt. Hierdurch wird erreicht, daß die vorderen
Kanäle bzw. der vordere Mittenkanal eines Surround-Schallfeldes vor dem Kopf eines
Nutzers ortbar ist, während die Surround-Kanäle im wesentlichen in einer Ebene
ortbar sind, die hinter dem Kopf eines Nutzers sowie seitlich von diesem liegt.