Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung von Gallussäure
zur Stabilisierung von Chrom-III gegen unerwünschte Oxidation in chromgegerbtem
Leder.
Stand der Technik
Bekanntlich versteht man unter Gerbung einen mehrere Stufen umfassenden
Prozeß, der dazu dient, das instabile, leicht verderbliche, der Fäulnis und
Zersetzung unterworfene Kollagen der von Haut und Haaren befreiten tierischen Haut
dauerhaft zu konservieren.
Die zur Gerbung verwendeten Gerbstoffe bewirken dabei eine Vernetzung
der Kollagenmolcküle der Haut und damit die Stabilisierung der kettenförmigen Strukturen
des Hauteiweißes.
Jede Gerbung verläuft in mehrere Phasen, die zum Teil deutlich voneinander
getrennt sind, zum Teil aber auch ineinander übergehen. In der Vorbereitungsphase
wird die Hautsubstanz durch Weichen, Beizen, Äschern, Entkälken, Waschen, Pickeln,
Vorgerben oder Konditionieren in den für den Prozeß erforderlichen Zustand
gebracht. In derTransportphase wandert der Gerbstoff durch Diffusion zu den
Bindungsstellen. Dabei ist das Transportmedium stets Wasser, wobei Zusätze von diffusionsbeschleunigenden
Chemikalien möglich sind. Die Bindungsphase beginnt meist schon, bevor die
Transportphase abgeschlossen ist. Transportphase und Bindungsphase können in gewissen
Weise als "eigentliche" Gerbung verstanden werden. Üblicherweise erfolgt nach dem
Einbringen der gerbenden Stoffe auch eine Nachbereitungsphase, die durch
Vorgänge wie mechanische Bearbeitung, Neutralisieren, Nachgerbung, ggf. Färben,
Fettung, Fixieren und Waschen gekennzeichnet ist.
Die Gerbung wird überwiegend als sogenannte Chromgerbung durchgeführt,
bei der Salze des dreiwertigen Chroms (Chrom-III), zum Beispiel Chromsulfat, zum
Einsatz kommen. Nach wie vor ist die Chromgerbung mit einem Anteil von über 80%
die wichtigste Gerbart und auf Grund ihrer technischen Vorteile und vielseitigen
Verwendbarkeit chromgegerbten Leders herrscht in der Fachwelt einhellig die Auffassung,
daß sich in absehbarer Zukunft an der dominierenden Rolle der Chromgerbung
nichts ändern wird.
In der Fachwelt entstand in jüngerer Vergangenheit eine Diskussion
um eine mögliche Bildung von sechswertigem Chrom (Chrom-VI) in Leder. Anlaß
dieser Diskussion waren Publikationen, in denen auf eine Bildung von Chrom-VI bei
Einwirkung energiereicher Strahlung oder Wärme hingewiesen wurde:
C.Hauber, H.P.Germann, "Untersuchungen zur Entstehung und Vermeidung von Chromat
in Leder", Leder und Häutemarkt 1999, Seite 25-30
Schill & Seilacher, "Trivalent chromium to hexavalent chromium?", Leather
1999 (Heft 12), Seite 33-34
D.Graf, Dr. Boehme, "The influence of relative humidity of air during storage
on the formation lowering of CR(VI) in chrome tanned leathers", World Leather 2000
(Mai), Seite 38-40)
Da Chrom-VI toxisch und damit ein unerwünschter Schadstoff ist, widmet
die Fachwelt Methoden zur Stabilisierung von Chrom-III gegen unerwünschte Oxidation
große Aufmerksamkeit. Es besteht daher ein großes Bedürfnis, Verfahren
bereitzustellen, durch die eine solche Stabilisierung gewährleistet ist bzw. Substanzen
oder Zusammensetzungen bereitzustellen, die im Zuge der Lederherstellung in das
Leder eingebracht werden und als stabilisierende Additive für Chrom-III wirken.
Beschreibung der Erfindung
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung hat darin bestanden, ein Verfahren
zur Stabilisierung von Chrom-III in chromgegerbtem Leder bereitzustellen. Eine weitere
Aufgabe hat darin bestanden, Substanzen oder Zusammensetzungen bereitzustellen,
die im Zuge der Lederherstellung in das Leder eingebracht werden und als stabilisierende
Additive für Chrom-III wirken.
Es wurde gefunden, dass Gallussäure, die genannte Aufgabe ausgezeichnet
löst. Sie bewirkt eine effektive Stabilisierung von Chrom-III, ohne sich negativ
auf die Anwendungseigenschaften des Leders auszuwirken.
Es soll in diesem Zusammenhang betont werden, daß auch dieser
letztgenannte Punkt für den Fachmann überraschend ist, da der Fachmann davon ausgeht,
daß jedes Einbringen von Substanzen in das Ledergefüge dessen Eingenschaften
- zum Teil sehr nachhaltig - ändert. Nach Untersuchungen der Anmelderin haben beispielsweise
vegetabile Gerbstoffe einen gewissen Effekt im Hinblick auf eine Stabilisierung
von Chrom-III, jedoch haben die mit vegetabilen Gerbstoffen nachbehandelten Leder
signifikant schlechtere anwendungstechnische Eigenschaften: die so behandelten Leder
weisen nämlich - im Vergleich zu Gallussäure - neben der geringeren Wirksamkeit
der Chrom-III-Stabilisierung eine geringere Fülle und eine schlechtere Färbbarkeit
auf.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist zunächst die Verwendung
von Gallussäure zur Stabilisierung von Chrom-III gegen unerwünschte Oxidation in
chromgegerbtem Leder.
Gallussäure kommt die folgende chemische Struktur zu:
Sie kann im Rahmen der vorliegenden Erfindung als solche oder in Form
ihrer Salze eingesetzt werden.
Die Gallussäure kann erfindungsgemäß an beliebiger Stelle im
Zuge der Lederherstellung eingesetzt werden. Es ist jedoch bevorzugt, Gallussäure
im Zuge der Nachgerbung in chromgegerbtes Leder einzubringen.
Die Menge der Gallussäure richtet sich im wesentlichen nach der Menge
des im Leder vorhandenen Chroms. Vorzugsweise setzt man Gallussäure in einer Menge
ein, die 40 bis 50 Gew.% - Gesamtmenge von Gallussäure bezogen auf das bei der Gerbung
ins Leder eingebrachte dreiwertige Chrom, wobei dieses Chrom als Cr2O3
berechnet wird - beträgt.
In einer weiteren Ausführungsform setzt man Gallussäure in Kombination
mit Reduktionsmitteln ein. Unter Reduktionsmitteln sind Stoffe zu verstehen, die
in der Lage sind, hexavalentes Chrom zu trivalentem Chrom zu reduzieren. Beispiele
für geeignete Reduktionsmittel sind Na2S2O5, Na2S2O3,
Schichtsilikate, Na2SO3 sowie Eisen-II-Salze.
In einer weiteren Ausführungsform setzt man die Gallussäure in Kombination
mit Radikalfängern ein. Unter Radikalfängern sind Stoffe zu verstehen, die in der
Lage sind, freie Radikale zu binden. Beispiele für geeignete Radikalfänger sind
Vitamin C, Vitamin E, sterisch gehinderte Phenole sowie die dem Fachmann bekannten
HALS-Verbindungen ("hindered amine light stabilizer).
Ein weiterer Erfindungsgegenstand ist ein Verfahren zur Behandlung
von Leder, wobei man wet blue an einer beliebigen Stelle im Zuge der weiteren Bearbeitung
zum fertigen Leder - vorzugsweise im Zuge der Nachgerbung - mit Gallussäure behandelt.
Der dem Fachmann geläufige Ausdruck "wet blue" wird im Rahmen der Erfindung für
chromgegerbte Häute verwendet, unabhängig davon, ob man diese Häute nach ihrer Herstellung
direkt zum gebrauchsfertigen Leder weiterverarbeitet oder ob man kommerziell erhältliche
chromgegerbte Häute, also wet blue im engeren Sinne, zu einem späteren Zeitpunkt
zum gebrauchsfertigen Leder weiterverarbeitet.
Im Hinblick auf eine mögliche Mitverwendung von Reduktionsmitteln
oder Radikalfängern gilt das bereits oben Gesagte.
BeispieleBeispiel 1 (B1)
1000 g Wet blue (Herkunft: Türkisches Rind, gegerbt mit 8% Chromgerbstoff)
wurde mit 20 g Gallussäure nachgegerbt und anschließend mit einem Fischölsulfitat
gefettet.
Das so hergestellte Leder wurde hinsichtlich Weichheit und Fülle geprüft.
Das Ergebnis kann Tabelle 1 entnommen werden.
Des weiteren wurde das Leder 24 Stunden bei 80 °C gealtert und anschließend
auf seinen Gehalt an Chrom-VI untersucht. Das Ergebnis kann ebenfalls Tabelle 1
entnommen werden.
Vergleichsbeispiel 1 (V1)
Beispiel 1 wurde wiederholt, wobei jedoch auf die Zugabe der Gaallussäure
nach Beispiel 1 verzichtet wurde (Blindprobe). Das Ergebnis kann Tabelle 1 entnommen
werden.
Vergleichsbeispiele 2 bis 6 (V2 bis V6)
Beispiel 1 wurde wiederholt, wobei anstelle der Gallussäure folgende
vegetabilen Gerbstoffe eingesetzt wurden:
*) ppm Chrom-VI im gealterten Leder (bestimmt gemäß DIN 53314)
Aus Tabelle 1 geht hervor, daß das erfindungsgemäße Beispiel
1 im Hinblick auf den Gehalt an Chrom-VI den Vergleichsbeispielen - zum Teil sehr
deutlich - überlegen ist. Als weitere positive Wirkung fällt auf, daß hinsichtlich
Fülle und Weichheit des Leders das erfindungsgemäße Beispiel 1 nur unwesentlich
von Vergleich 1, der Blindprobe, abweicht. Der Einsatz von vegetabilen Gerbstoffen
(Vergleiche 2 bis 6) zeigt dagegen qualitativ schlechtere Ergebnisse bei Fülle und
Weichheit des Leders.
Individueller Stabilisierungstest
Untersuchungen der Anmelderin haben gezeigt, daß die Wirkung
von Additiven zur Stabilisierung von Chrom-III im Leder durch eine in-vitro-Untersuchung
simuliert werden kann, bei der man jeweils 0,5 g der zu prüfenden Testsubstanz für
30 Minuten bei 20 °C auf eine wäßrige Lösung, die 25 ppm Chrom-VI-Ionen enthält
(hergestellt durch Lösen von Kaliumdichromat in Wasser), einwirken läßt und
anschließend den Gehalt des Systems an Chrom-VI bestimmt. Die Ergebnisse dieses
individuellen Stabilisierungstests können Tabelle 2 entnommen werden.
Verwendung von Gallussäure zur Stabilisierung von Chrom-III gegen Oxidation
in chromgegerbtem Leder.
Verwendung nach Anspruch 1, wobei man die Gallussäure im Zuge der Nachgerbung
in chromgegerbtes Leder einbringt.
Verwendung nach Anspruch 1 odaer 2, wobei man die Gallussäure in Kombination
mit Reduktionsmitteln einsetzt.
Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei man die Gallussäure in Kombination
mit Radikalfängern einsetzt.
Verfahren zur Behandlung von Leder, dadurch gekennzeichnet, daß
man wet blue an einer beliebigen Stelle im Zuge der weiteren Bearbeitung zum fertigen
Leder mit Gallussäure behandelt.
Verfahren zur Behandlung von Leder, dadurch gekennzeichnet, daß
man wet blue im Zuge der Nachgerbung mit Gallussäure behandelt.
Anspruch[en]
Use of gallic acid for stabilizing chromium-III against oxidation in chrome-tanned
leather.
Use claimed in claim 1, characterized in that the gallic acid is introduced
into chrome-tanned leather during retanning.
Use claimed in claim 1 or 2, characterized in that the gallic acid is
used in combination with reducing agents.
Use claimed in any of claims 1 to 3, characterized in that the gallic
acid is used in combination with radical traps.
A process for treating leather, characterized in that wet blue is treated
with gallic acid at any stage of its subsequent processing to the finished leather.
A process for treating leather, characterized in that wet blue is treated
with gallic acid during retanning.
Anspruch[fr]
Utilisation d'acide gallique pour la stabilisation du chrome III contre l'oxydation
dans le cuir tanné au chrome.
Utilisation selon la revendication 1,
dans laquelle on intègre l'acide gallique dans le cuir tanné au chrome au cours
du retannage.
Utilisation selon la revendication 1 ou 2,
dans laquelle on utilise l'acide gallique en combinaison avec des réducteurs.
Utilisation selon l'une des revendications 1 à 3,
dans laquelle on utilise l'acide gallique en combinaison avec des capteurs de radicaux.
Procédé de traitement du cuir,
caractérisé en ce qu'
on traite du wet-blue avec de l'acide gallique en un point quelconque au cours
du traitement ultérieur aboutissant au cuir prêt à l'emploi.
Procédé de traitement du cuir,
caractérisé en ce qu'
on traite du wet-blue avec de l'acide gallique au cours du retannage.