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Dokumentenidentifikation DE10161677B4 28.10.2004
Titel Verfahren zur Bekämpfung von Schädlingen in Bienenvölkern
Anmelder Rümmelin, Karl, 72555 Metzingen, DE
Erfinder Rümmelin, Karl, 72555 Metzingen, DE
Vertreter Rilling, F., Rechtsanw., 72762 Reutlingen
DE-Anmeldedatum 14.12.2001
DE-Aktenzeichen 10161677
Offenlegungstag 26.06.2003
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 28.10.2004
Veröffentlichungstag im Patentblatt 28.10.2004
IPC-Hauptklasse A01K 51/00
IPC-Nebenklasse A01M 1/22   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bekämpfung von Milbenbefall bei Bienenvölkern.

Varroasis ist ein parasitärer Befall europäischer Bienenvölker (Apis mellifera) mit den ektoparasitischen Milben, die zur Ordnung Acarina (Varroa jacobsoni) gehören.

Die Varroa-Milbe stammt aus Asien und verbreitete sich von dort aus auf fast alle Länder, wo die Bienenhaltung mit Apis mellifera praktiziert wird. Neben dem Befall von Varroasis kann auch anderer Milbenbefall, wie jener von Acarapis woodii (Luftröhrenmilbe) die Gesundheit von Honigbienenvölkern signifikant beeinträchtigen.

Die Varroa-Milben nähren sich gleichermaßen von der Hämolymphe der sich entwickelnden Bienen und der erwachsenen Bienen und können zu einer erheblichen Verminderung des Bienenwachstums, zur Infektion und zum Tod von Bienenvölkern führen.

Nach unumstrittener Ansicht in der Fachwelt ist Varroa-Befall heute weltweit die ernsthafteste Beeinträchtigung der Bienenhaltung.

Derzeit sind verschiedene Behandlungen für die Bekämpfung dieser Erkrankung verfügbar.

In der Regel handelt es sich um eine Behandlung aufgrund chemischer oder biologischer Substanzen, insbesondere sind dies Produkte auf Basis der Pyrethroide Flumethrin, Taufluvaliant und Acrinathrin, aber auch Cumaphos, Amitraz, Malathion, Chlorfenvinphos, Brompropylat, Fenpyroximat und verwandten Molekülen.

Die bestehenden Verfahren erfordern für die Varroa-Behandlung von Bienenvölkern entweder Mehrfachanwendungen oder hohe Anwendungsdosen. Dies hat unerwünschte Nebenwirkungen zur Folge. Aufgrund des massiven Einsatzes oben genannter Wirkstoffe, entwickelten sich in bestimmten Regionen von Südeuropa bereits Resistenzformen der Varroa-Milbe.

Zum bekannten Stand der Technik gehören aber auch verschiedene Verfahren, bei denen die Bienenvölker verschiedenen akustischen Signalen ausgesetzt sind. Bekannt ist ein solches Verfahren aus DE 198 00 293 A1. Hier wird mit einer akustischen Beschallung unter einer statischen Frequenz von bis zu 20 kHz gearbeitet und damit nicht im Ultraschallbereich. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass dieses Verfahren wenig wirksam ist, da der Milbenbefall in diesem Frequenzbereich nicht auf Dauer signifikant gesenkt werden kann.

Auch das Verfahren nach DE 38 39 601 A1 arbeitet mit einer akustischen Beschallung der befallenen Bienenvölker. Die Erfindung arbeitet aber nur in einem Frequenzbereich bis zu 45 kHz. Typischerweise arbeitet der in DE 38 39 601 A1 beschriebene Oszillator mit einer festen, vorher einstellbaren Frequenz. Dies führt jedoch dazu, dass über die Beschallungsdauer nur mit einer statischen Frequenz gearbeitet werden kann. Eine andere Frequenz muss mühsam einzeln mechanisch von Hand eingestellt werden.

Insoweit spricht auch das bekannte Verfahren aus DE 198 00 293 A1 nur von einer variierenden Frequenz in einem, Bereich bis zu 20 kHz. Damit ist auch hier die Beschallung nur auf eine bestimmte Frequenz einstellbar.

Hier setzt die Erfindung an. Aufgabe ist es, für die Anwendung in der Bienenzüchtung ein einfach anwendbares, wirtschaftliches Verfahren zu entwickeln, das die Schädlinge wirksam bekämpft und gleichzeitig keine für die Bienen unerwünschten Nebenwirkungen verursacht. Dabei sollen die Nachteile der aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren, wie nur statisch einstellbare Frequenz und zu niedriger Schallbereich vermieden werden.

Diese Aufgabe wurde erfindungsgemäß bei einem gattungsgemäßen Verfahren dadurch gelöst,

  • – dass die befallenen Bienenvölker mit Ultraschall mit einer automatisch wechselnden Frequenz im Bereich von 20 kHz bis 80 kHz über einen längeren Zeitraum direkt bestrahlt werden.

Dabei können die grundsätzlichen Nachteile, die sich aus chemischer und biologischer Schädlingsbekämpfung ergeben, vermieden werden. Insbesondere kommt es nicht zu Resistenzbildung bei den Schädlingen oder zu toxikologischen Einwirkungen auf die empfindlichen Bienenvölker selbst (Bienen, Bienenlarven). Der Honigertrag bleibt frei von Rückständen aus der Schädlingsbekämpfung. Dies gilt auch für das Bienenwachs.

Das handelsübliche Ultraschallgerät wird mit Lautsprechern versehen, welche die Beschallung ausüben und vorteilhaft innerhalb des Bienenstocks platziert. Das Gerät arbeitet zweckmäßig mit einer automatisch wechselnden Frequenz im Bereich von 20 kHz bis 80 kHz und mit einem Schalldruck von 2 × 130 dB = 260 dB. Die Beschallung kann zu jeder Zeit erfolgen, dabei ist die Wirkung unabhängig von der Dauer der Beschallung. Eine Bekämpfung der Milbe erfolgt sowohl in der geschlossenen Wabenzelle als auch an der Biene selbst. Durch die Beschallung kann auch ein noch nicht befallener Bienenstock von den Milben frei gehalten werden. Die automatisch wechselnde Frequenz führt zu einer besonderen Effektivität des Verfahrens. Durch den laufenden Wechsel der Frequenz wird der gesamte Ultraschallbereich gleichmäßig abgedeckt und so auf die vorhandenen biologischen Variationen Rücksicht genommen. Dadurch kann über einen definierten Zeitraum eine höhere Anzahl von Schädlingen abgetötet werden.

Ein sinnvoller Einsatz der Erfindung wird in Schutzanspruch 2 beschrieben, wobei das Verfahren nach Schutzanspruch 1 dadurch gekennzeichnet ist,

  • – dass es zur Bekämpfung des Befalls von Varroa jacobsoni und Acarapis woodii eingesetzt wird.

Die Wirksamkeit des Verfahrens zeigt sich insbesondere im Bereich des Befalls mit den in Schutzanspruch 2 genannten Parasiten. Diese bilden auch die bekannten Hauptschädlinge der Bienenvölker aus dem Bereich der Ectoparasiten. Das Verfahren ist äußerst wirksam in der Bekämpfung von pyrethroidresistenten wie auch resistenzempfänglichen Varroa jacobsoni-Milben. Das Verfahren ist darüber hinaus auch gegen Luftröhrenmilben, A. woodii wirksam, welche durch biologische oder chemische Substanzen nicht bekämpft werden können.

Das Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2 ist gemäß Schutzanspruch 3 dadurch gekennzeichnet,

  • – dass es zur Bekämpfung von Varroa jacobsoni und Acarapis woodii eingesetzt wird.

Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ergibt sich aus Schutzanspruch 4. Es hat sich gezeigt, dass die bekannten Verfahren anfällig gegen den Einfluss der Witterung sind, da die Geräte zum Teil außerhalb der Bienenstöcke aufgestellt werden. Hierdurch kommt es zu einer Verminderung der Wirkung und der Funktionsdauer der Geräte. Es stellt sich daher die Aufgabe, das Ultraschallgerät so zu installieren, dass es von äußeren Einflüssen geschützt ist und seine Wirkung maximiert werden kann.

Die Lösung dieses Problems wird erfindungsgemäß in Schutzanspruch 4 dadurch gelöst,

  • – dass, ein Ultraschallgerät (1) in einem Wechselrahmen (2) in ein Leermagazin oder als letzter Rahmen in eine Hinterbehandlungsbeute eingehängt wird.

Dadurch kann das Verfahren nach der vorliegenden Ausgestaltung ganzjährig angewendet werden. Das Gerät ist damit universell einsetzbar. Insbesondere kann der Einsatz durch die Verwendung eines Akkus optimiert werden. Dadurch wird es unabhängig vom Einsatzort. Durch die Installation des Ultraschallgerätes innerhalb der Beute ist es geschützt und kann ohne Wirkungsverlust unmittelbar auf die befallenen Bienenvölker bzw. auf die Parasiten einwirken.

Im Folgenden wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der Zeichnung näher erläutert:

1 zeigt einen so genannten Wechselrahmen in Vorderansicht,

2 zeigt den gleichen Wechselrahmen in Rückansicht.

Der Wechselrahmen gem. 1 besteht aus dem Rahmen, an welchem das Ultraschallgerät (1) angebracht wird. Die Rückseite (2) wird mit einer beweglichen Klappe versehen, die die Bedienung und Wartung des Gerätes ermöglicht. Die Vorderseite und der offene Teil der Rückseite werden mit einem bienendichten Netz (4) bespannt. In dem Rahmen werden dann die Lautsprecher installiert.

Der Wechselrahmen kann dann in ein Leermagazin eingehängt werden, welches über den anderen Magazinen installiert wird. Er kann auch als letzter Rahmen in eine „Hinterbehandlungsbeute" eingehängt werden.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Bekämpfung von Milbenbefall von Bienenvölkern dadurch gekennzeichnet, dass die befallenen Bienenvölker mit Ultraschall mit einer automatisch wechselnden Frequenz im Bereich von 20 kHz bis 80 kHz über einen längeren Zeitraum direkt bestrahlt werden.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es zur Bekämpfung des Befalls von Varroa jacobsoni und Acarapis woodii eingesetzt wird.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass es zur Bekämpfung von Varroa jacobsoni und Acarapis woodii eingesetzt wird.
  4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass ein Ultraschallgerät in einem Wechselrahmen in ein Leermagazin oder als letzter Rahmen in eine Hinterbehandlungsbeute eingehängt wird.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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