Kleinwaffenmunition wird typischerweise mithilfe einer Zündladung
aktiviert, der die Hauptladung in der Kartusche zündet. Üblicherweise werden diese
Zündladungen durch das Auftreffen eines Schlagbolzens gezündet. Mit der wachsenden
Verwendung von elektronischen Feuersystemen wurde die Entwicklung auf Zündmischungen
gerichtet, die zur Verwendung in Kleinwaffen geeignet sind und die die gewünschte
Kombination von verlässlicher Zündung und Unempfindlichkeit gegenüber verirrten
elektrischen Ladungen aufweisen. Typischerweise wurden elektrisch zündbare Zündladungen
mittels explodierender Brückendrähte oder Heizdrähte in Verbindung mit einer halbleitenden
Mischung, Pyrotechnischer Mischung oder leitender Mischung. Derartige elektrisch
zündbare Zündladungen wurden bereits benutzt in militärischen Anwendungen wie Hochgeschwindigkeitsschießen
mit Großkaliberartillerie, Sprengoperationen in Bergbauarbeitsgängen, zum Zünden
und Aufblasen von Automobil-Airbags, seismische Kanonen, Darristolen und pyrotechnischen
Anzeigen. Es existiert jedoch ein kontinuierliches Bedürfnis nach einem einfachen
und verlässlichen Zündsystem, dass für Kleinfeuerwaffen wie Gewehre, Pistolen und
Schrotflinten geeignet ist.
Zusammenfassung der Erfindung
Die vorliegende Erfindung stellt eine elektrisch zündbare Zündladung
zur Verfügung, die zur Verwendung in Kleinwaffenmunition geeignet ist und die eine
wünschenswerte Kombination aus Sicherheit und verlässlicher Zündung bietet.
Insbesondere stellt die vorliegenden Erfindung eine elektrisch zündbare
Kleinwaffen -Zündladungsmischung 30 bis 40% Bleistyphnat, 4 bis 12% Antimonsulfid,
40 bis 55% Bariumnitrat, 4 bis 8% Aluminium, 0,5 bis 2% Ruß und bis zu 1% Binder
umfasst, wobei die Mischung im wesentlichen frei von Tetrazen ist.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
Die vorliegende Erfindung gründet sich auf dem Befund, dass Mischungen
der genannten Komponenten, in den angegebenen Mengen, unempfindlich gegenüber Niederspannungszündungen
sind, jedoch bei höheren Spannungen eine verlässliche Zündung des Bleistyphnats
gewährleistet, das die Hauptexplosionskomponente der Mischung darstellt.
Bleistyphnat sollte mit wenigstens 30 Gew.-% bezogen auf die Formulierung
vorhanden sein. Im allgemeinen gewinnt man beim Einbringen von mehr als 40% Bleistyphnat
nur wenig Nutzen.
Antimonsulfid wird in der vorliegenden Formulierung als Treibstoff
verwendet. Es wird zum Zuschneiden der gewünschten Stoß- oder Detonationsgeschwindigkeit,
des Detonationsdruckes und der Ausstoßtemperatur verwendet. Im Allgemeinen sollten
wenigstens 4% dieser Komponente vorhanden sein, wohingegen mehr als 12% nur geringen
Nutzen zur vorliegenden Formulierung zufügen.
Mit der vorliegenden Zündladungsmischung kann das in Zündladungsmischungen
normalerweise verwendete Tetrazen beträchtlich eliminiert werden. Diese Komponente
ist auch als Tetracen, Tetrazolyl, Guanyltetrazenhydrat oder Tetrazen-1-Carboxamidin-4-(1-H-Tetrazol-5-yl)monohydrat.
Bariumnitrat ist in der vorliegenden Formulierung in Konzentrationen
von 40 bis 55% vertreten. Die Funktion des Bariumnitrats ist die eines Oxidationsmittels.
Die Zündladungsmischung wird im allgemeinen bei Konzentrationen von weniger als
40 Gew.-% nicht vernünftig zünden, während Bariumnitrat Konzentrationen von mehr
als 55 Gew.-% keine befriedigende Explosionsausbreitung zeigen.
Die vorliegende Erfindung gründet sich auf dem Befund, dass Aluminium
einen sekundären elektrischen Pfad wirkungsvoll zur Verfügung stellen kann, der
bei der Verhinderung von Niederspannungszündungen hilft. Aluminium sollte in Mengen
von 4 bis 8% anwesend sein. Aluminium liegt typischerweise in Feinpartikelform mit
Partikelgrößen von 5 bis 40 &mgr;m vor. Diese Partikelgröße passiert ein 325 mesh
Sieb.
Die vorliegenden Formulierungen enthalten 0,5 bis 2% Ruß. Zusammen
mit Aluminium hilft die Gegenwart von Ruß bei der Zurverfügungstellung von sekundären
elektrischen Pfaden zur Verhinderung oder Minimierung von Niederspannungszündungen.
Ein breites Spektrum von Rußen kann in der vorliegenden Erfindung eingesetzt werden.
Ruße sind kristallographisch mit Halbleitern verwandt. Sie werden üblicherweise
über ihre Herstellungsmethode beschrieben und charakterisiert.
Beispielsweise ist Lampenruß der Ruß, der in dem Glaskolben einer Lampe gebildet
wird, während Azetylenruß durch sauerstoffarme Reduktion von Acetylen gebildet wird.
Jede Herstellungsmethode ergibt etwas andere kristalline Strukturen des Rußes. Unterschiedliche
Strukturen sind für unterschiedliche Anwendungen nützlich. Ein als Pigment verwendeter
Ruß sollte gute Lichtreflektionseigenschaften haben, während ein Ruß als Absorptionsmatrix
viele kleine Poren haben sollte. Ein elektrisch leitender Ruß erfordert ebenfalls
spezielle Eigenschaften, wie Partikelgröße und Anteil an flüchtigen Stoffen. Ein
höherer Grad an elektrischer Leitfähigkeit wird mit einer größeren Oberfläche, größerer
Struktur und niedrigerem Anteil an flüchtigen Stoffen erreicht. Eine größere Oberfläche
wird durch die Bildung eines Partikels mit vielen Poren erreicht, und eine größere
Struktur bedeutet, dass die Kohlenstoffpartikel zu einem signifikanten Maße aggregiert
sind. Ein niedriger Anteil an flüchtigen Substanzen bedeutet weniger an der Oberfläche
der Partikel chemisorbierter Sauerstoffkomplexe. Dieser chemisorbierte Sauerstoff
kann als Isolator wirken, der den Ruß weniger Leitfähig macht. Ein Anteil an flüchtigen
Substanzen von weniger als 5%, insbesondere weniger als 2% wird bevorzugt.
Der Grad, zu dem der Ruß elektrisch Leitfähig ist, hängt ebenfalls
vom, durch die Kohlenstoffatom- Aggregate in der Matrix, gebildeten Netzwerk ab.
Der Elektronenfluß wird durch Aggregatkontakt und kleinen Trenndistanzen zwischen
den Aggregaten erleichtert. Je mehr Kontakt zwischen den Aggregaten, je dichter
die Aggregate angeordnet sind, desto besser ist der Elektronenfluß. In der vorliegenden
Erfindung wird Hochofenruß bevorzugt. Den in militärischen elektrischen Großkaliber-
Zündern verwendeten Azetylenruße fehlen die für die Kleinfeuerwaffen benötigten
elektrischen Eigenschaften. Pigmentrußen fehlt typischerweise die für Kleinwaffenzünder
benötigte Leitfähigkeit. Die Partikelgröße des Rußes ist vorzugsweise 10 bis 30
nm. Die Oberfläche eines Rußes wird üblicherweise als Stickstoffoberfläche gemäß
ASTM-D-3037 gemessen. Stickstoffoberflächen von mehr als 1000 m2/g wurden
als zufriedenstellend gefunden. Ein besonders bevorzugter Ruß ist einer mit einer
Stickstoffoberfläche von ungefähr 1475 m2/g.
Die Zündladungszusammensetzung der vorliegenden Erfindung kann darüber
hinaus bis zu 1% Binder zur Staub -Minimierung enthalten. Üblicherweise werden 0,5
Gew.-% verwendet. Verwendbare Binder können aus einer Vielzahl von Kautschuken ausgewählt
werden, wie Gummi Arabicum, und insbesondere Gummi Arabicum (acacia), wie auch Polyvinylalkohole
mit Guargummi. Es wurde jedoch gefunden, dass Gummi Arabicum besonders zufriedenstellend
war. Der speziell verwendete Binder wird nach maximaler Kompatibilität mit der vorbereiteten
explosiven Formulierung ausgesucht.
Die genannten Komponenten können mithilfe von Standardmixern mit geringer
Scherung Mixern unter Anwendung herkömmlicher Vermischtechniken für Explosivstoffe
kombiniert werden. Bei diesen Techniken werden die explosiven Bestandteile im allgemeinen
zuerst vermischt, gefolgt von den Treibstoffen und abschließend den Oxidationskomponenten.
Die Zündladungsmischung der vorliegenden Erfindung zündet im allgemeinen
bei einer Gleichspannung von 100 V oder weniger. Die Mischungen zeigen im Vergleich
zu normalen Zündladungsmischungen eine verringerte Stoßempfindlichkeit, vor allem
aufgrund der Verminderung oder Eliminierung von Tetrazen aus der Mischung. Die vorliegende
Erfindung wird durch die folgenden spezifischen Beispiele näher erläutert, bei denen
Anteile und Prozentsätze in Gew.-% angegeben sind, solange nichts anderes angegeben
ist.
Beispiele 1–4 und Vergleichsbeispiel
Zündladungsmischungen wurden aus den in Tabelle 1 angegebenen Komponenten
und Mengen gebildet. Diese Formulierungen werden unter Verwendung einer Computerdatenbank
evaluiert, um die Charakteristika für die optimale Zündung der Treibstoffe zu bestimmen,
annähernd eine Standard -Stoß-Zündladungsmischung. Die Ergebnisse werden in der
Tabelle zusammen mit parallelen Berechnungen für das Vergleichsbeispiel A zusammengefasst,
welches ein momentan zur kommerziellen Herstellung von Stoß- Zündladungen verwendeter
Bleistyphnat-Zündlandungsmischung ist.
Tabelle 1
Die Zündladungsmischung von Beispiel 4 wurde in zwei Zündladungs-Metallkartuschen
ballistisch getestet. In der in Beispiel 4A verwendeten Ausgestaltung verlief der
Leitungsweg von einem leitfähigen Zentralstab durch die Mischung in die Seitenwand
des Zündhütchens, welches am Boden befestigt war. In einer zweiten, in Beispiel
4B verwendeten Ausgestaltung verlief der Leitungsweg vom Zündhütchen durch die Mischung
in einen ringförmigen Stab, der am Boden befestigt war. Die ballistischen Ergebnisse
des Zündens dieser Mischung sind die folgenden:
Anspruch[de]
Elektrisch entzündbare Kleinwaffen-Zündladungsmischung, die 30 bis
40% Bleistyphnat, 4 bis 12% Antimonsulfid, 40 bis 55% Bariumnitrat, 4 bis 8% Aluminium,
0,5 bis 2% Ruß und bis zu 1% Binder umfasst, wobei die Mischung im Wesentlichen
frei von Tetrazen ist.
Zündladungsmischung gemäß Anspruch 1, die zumindest 1% Ruß beinhaltet.
Zündladungsmischung gemäß Anspruch 1, wobei der Ruß im Wesentlichen
aus Hochofenruß besteht.
Zündladungsmischung gemäß Anspruch 1, die zumindest 0,5% Binder aufweist.
Zündladungsmischung gemäß Anspruch 4, wobei der Binder im Wesentlichen
aus Gummi Arabikum besteht.