Gleitmittel für feste Oberflächen, insbesondere für Ski, enthaltend eine teilfluorierte Verbindung der Formel 1 RF - (A)a - (O)b - (B)c - (D)d - (RF)e, wobei RF ein perfluorierter Rest der Formel F(CF2)n-, n eine Zahl von 1 bis 20, A C1-C30-, vorzugsweise C1-C18-Alkylen, B Arylen mit 6 bis 14 C-Atomen oder einen gesättigten oder ungesättigten mono- oder polycyclischen Kohlenwasserstoff mit 3 bis 30, vorzugsweise 3 bis 18 C-Atomen, D Wasserstoff oder C1-C30-, vorzugsweise C1-C18-Alkyl, a 0 oder 1, b, c und d 0, 1 oder 2 und e 0 oder 1 bedeutet, mit der Maßgabe, dass b und c nicht gleichzeitig 0 bedeuten.
Beschreibung[de]
Die Erfindung betrifft die Verwendung teilfluorierter Verbindungen
als Gleitmittel für Ski.
Skiwachse werden eingesetzt um die Gleiteigenschaften von Ski zu verbessern.
Konventionelle Skiwachse enthalten im allgemeinen höhermolekulare Kohlenwasserstoffe
wie Paraffine, Fettsäuren, Fettsäureester und Fettalkohole oder Mischungen dieser
und ähnlicher Verbindungen. Als äußerst effektive Skiwachse haben sich bestimmte
fluorierte Verbindungen erwiesen, die besonders im Hochleistungssport zum Einsatz
kommen. Der Grund für die hohe Effektivität fluorierter Wachse ist die Beschichtung
des Skis mit einer fluorierten Oberfläche mit sehr niedriger Oberflächenspannung,
wodurch die Reibung stark vermindert wird. Durch Beschichten mit Fluorchemikalien
lässt sich die Oberflächenspannung von z.B. Polyethylen (31 dyn/cm) auf Werte von
6-18 dyn/cm herabsetzen. Der Wert von 6 dyn/cm wird bei einer Oberfläche erreicht,
die aus perfekt orientierten CF3-Gruppen aufgebaut ist.
Es sind bereits einige fluorierte Verbindungen bekannt, die als Gleitmittel
für Ski eingesetzt werden können. WO 89/10950 beschreibt beispielsweise den Zusatz
von PTFE-Mikropulver zu nicht fluorierten Skiwachsen. Das Molgewicht des PTFE liegt
bevorzugt bei 50.000 – 400.000 g/mol und die Teilchengroße bei kleiner 15
&mgr;m. In EP 0 132 879 wird die Synthese
von längerkettigen Perfluoralkanen der Formel F(CF2)nF beschrieben,
sowie deren Verwendung als Gleitmittel für Oberflächen. In EP
0 444 752 wird die Verwendung fluorierter Diblockverbindungen der allgemeinen
Formel F(CF2)n-(CH2)mH mit n = 3-15
und m = 5-23 als Skiwachs beschrieben. Diese Verbindungen weisen den Vorteil auf,
dass sie durch den Kohlenwasserstoffblock mit nicht fluorierten Paraffin-Wachsen
verträglich sind. DE 4 139 765 beschreibt
Oligomere von fluorierten Olefinen der Formel F(CF2)n-CH=CH2.
Das Produkt kann durch radikalische Oligomerisierung der genannten Olefine hergestellt
werden und eignet sich als Schmier- und Gleitmittel für verschiedene Oberflächen.
In US 5,502,225 und DE
100 29 623 werden fluorhaltige oligomere Urethane beschrieben, die durch
Addition von fluorfreien Isocyanaten und fluorierten Alkoholen als wesentliche Komponenten
erhalten werden. EP 0 421 303 beschreibt
die Verwendung teilfluorierter Polyacrylate. Die Herstellung erfolgt durch radikalische
Copolymerisation von fluorierten Acrylaten wie z.B. 2-Perfluoralkylethyl-acrylat
mit nichtfluorierten Monomeren wie z.B. langkettigen Fettalkoholacrylaten. Skiwachse
können außerdem mit verschiedenen Zusätzen versehen werden, um die durch die Reibung
entstehende elektrostatische Aufladung zu verhindern, die zu einem Anhaften eines
Wasserfilms führen kann. So beschreibt CH 660 018 beispielsweise die Verwendung
von Graphit zur Erhöhung der Leitfähigkeit.
Es wurde nun gefunden, dass bestimmte teilfluorierte Verbindungen,
überraschend ebenfalls als Skiwachse eingesetzt werden können. Es handelt sich um
Kopplungsprodukte eines oder mehrerer Perfluoralkylreste mit einem fluorfreien Alkyl-
oder Arylrest. Das Kopplungsprodukt darf außer aus Sauerstoffatomen in Form von
Etherbindungen ausschließlich aus den Elementen Fluor, Kohlenstoff und Wasserstoff
aufgebaut sein. Der fluorfreie Alkyl- oder Arylrest muss, sofern keine Etherbindung
enthalten ist, mindestens ein mono- oder polycyclisches Strukturelement aufweisen,
das gesättigt, ungesättigt, aromatisch, evtl. verzweigt und mono- oder bifunktionell
sein kann.
Gegenstand der Erfindung sind Gleitmittel für feste Oberflächen, die
eine teilfluorierte Verbindung der Formel 1
RF-(A)a-(O)b-(B)c-(D)d-(RF)e(1)
enthalten, wobei
RF ein perfluorierter Rest der Formel F(CF2)n-,
n eine Zahl von 1 bis 20,
A C1-C30-, vorzugsweise C1-C18-Alkylen,
B Arylen mit 6 bis 14 C-Atomen oder einen gesättigten oder ungesättigten mono- oder
polycyclischen Kohlenwasserstoff mit 3 bis 30, vorzugsweise 3 bis 18 C-Atomen,
D Wasserstoff oder C1-C30-, vorzugsweise C1-C18-Alkyl,
a Null oder 1,
b, c und d Null, 1 oder 2 und e Null oder 1 bedeutet, mit der Maßgabe, dass b und
c nicht gleichzeitig Null bedeuten.
Bevorzugt sind Verbindungen der oben genannten Formel, worin a = 1,
b = 0, c = 1, d = 1, D = H und e = 0 ist, wobei die restlichen Symbole die oben
genannten Bedeutungen haben.
Die Synthese der Verbindungen der obigen Formel kann prinzipiell auf
mehrere Arten erfolgen. Am gebräuchlichsten ist die Addition von
Perfluoralkyliodiden an olefinische Doppelbindungen, z.B. radikalisch oder metallkatalysiert
und Substitutionsreaktion von Perfluoralkyliodiden an aromatischen Systemen, die
z.B. metallkatalysiert durchgeführt werden. Selbstverständlich sind auch andere,
hier nicht genannte, dem Fachmann aber hinreichend bekannte Arten, Perfluoralkylreste
mit fluorfreien Verbindungen zu verknüpfen, möglich.
Überraschenderweise wurde nun gefunden, dass die oben beschriebenen
Verbindungen hervorragend zur Beschichtung von Ski zur Verbesserung der Gleiteigenschaften
geeignet sind. Der Effekt lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass die Fluorreste
sich zur Luft hin orientieren und durch die so gebildete CF3-Oberflächenbelegung
eine energiearme Oberfläche mit sehr niedriger Oberflächenspannung und zugleich
guten Gleiteigenschaften entsteht.
Je nach Schnee und Wetterbedingungen sind die Anforderungen an die
physikalischen und chemischen Eigenschaften eines Skiwachses stark unterschiedlich.
Durch geeignete Wahl des fluorierten- und des fluorfreien Wirkstoffteils lassen
sich die physikalisch-chemischen Eigenschaften in weiten Grenzen leicht variieren
und an die Erfordernisse anpassen. Es können auch Kombinationen von zwei oder mehreren
der beschriebenen Wirkstoffe eingesetzt werden. Langkettige Perfluoralkylreste ≥
C8F17 erhöhen z.B. die Härte des Wirkstoffs. Durch den vorhandenen
fluorfreien Teil kann zudem eine Mischbarkeit bzw. Verträglichkeit mit fluorfreien
Skiwachsen erzielt werden.
Die beschriebenen Verbindungen können in an sich bekannter Weise auf
die Gleitfläche des Ski aufgebracht werden beispielsweise durch Aufschmelzen dieser
Verbindungen, somit sie in fester Form vorliegen, mit einem heißen Eisen und Auftrag
auf den Ski. Alternativ hierzu können die beschriebenen Verbindungen als Lösung
in einem oder mehreren organischen Lösemitteln, vorzugsweise in einer Konzentration
von 0,5 – 5 % oder als Feststoff auf den Ski aufgebracht werden. Soll das
Wachs in Form einer Lösung verwendet werden, muss ein geeignetes Lösungsmittel gewählt
werden, abhängig vom Fluorgehalt. Bei hohem Fluorgehalt kann es erforderlich sein
fluorierte Lösemittel wie z.B. Perfluorhexan, 1H-Perfluorhexan oder Frigen-Typen
zu verwenden. Bei niedrigem Fluorgehalt eignen sich auch nicht fluorierte Lösemittel
wie z.B. Ethylacetat, Butylacetat oder THF. Es können auch Gemische aus zwei oder
mehreren Lösungsmitteln eingesetzt werden. Weiterhin ist es möglich den Wirkstoff
in Form einer Suspension oder Dispersion anzuwenden. Die beschriebenen fluorierten
Verbindungen können allein oder in Mischung mit anderen fluorierten oder nichtfluorierten
Skiwachsen kombiniert werden.
Die beschriebenen fluorierten Wirkstoffe eignen sich nicht nur als
Skiwachse, sondern außerdem zur Beschichtung von Oberflächen der verschiedensten
Art wie z.B. Metall, Kunststoff und Glas. Durch die Beschichtung wird ein hydro-
und oleophober Film auf die entsprechende Oberfläche aufgebracht, der die Reibung
stark herabsetzt.
BeispieleSynthese
Die Verbindung 1 – 6 wurden synthetisiert durch radikalische
Addition von Perfluoralkyliodid an C-C Doppelbindungen mit nachfolgender Hydrodehalogenierung,
nach Reaktionsschema I und folgender allgemeinen Vorschrift.
Reaktionsschema I:
Allgemeine Vorschrift für die Synthese der Verbindungen 1 –
6: Perfluoralkyliodid und Olefinkomponente werden im Molverhältnis 1:1 mit 5 Mol-%
Percarbonat bzw. Peroxyd Radikalstarter (z.B. Dilaurylperoxyd) 2 h bei 100-110°C
reagiert. Dann werden weitere 5 Mol-% Radikalstarter zugegeben und erneut 2 h bei
100-110°C reagiert. Nach Abkühlen auf Raumtemperatur wird die 1,5-fache Masse
Isopropanol, die 0,5-fache Masse Essigsäure sowie 150 Mol-% Zinkpulver zugegeben
und 1 h gerührt. Dann werden weitere 3 h unter Rückflussbedingungen reagiert. Nach
Abfiltrieren unlöslicher Anteile wird das Lösemittel abgezogen und der Rückstand
im Hochvakuum von nicht umgesetzte Edukte und Nebenprodukte befreit. Die Reinheit
des Produkts liegt zwischen 85 und 95 %.
Synthese von Verbindung 7
Verbindung 7 wurde nach einer Vorschrift aus „J.Org.Chem. 6,
(2002), S.7185-7192" durch Kopplung von 2 Mol RFI und einem Mol Biphenyl mit Kupfer
in DMSO als Lösemittel hergestellt.
Synthese von Verbindung 8
Verbindung 8 wurde nach einer Vorschrift aus „Organikum, Wiley-VCH,
21. Auflage, 2001, S.375" durch Friedel-Crafts Alkylierung von Perfluoralkylpropylchlorid
(Hergestellt durch Umsetzung von 3-Perfluoralkyl-1-propanol und Thionylchlorid)
und Decylbenzol katalysiert mit Aluminiumchlorid hergestellt.
Synthese von Verbindung 9
Verbindung 9 wurde nach einer Vorschrift in Anlehnung an „Organikum,
Wiley-VCH, 21.Auflage, 2001, S.239" durch Umsetzung von Perfluoralkylpropyltosylat
(Hergestellt durch Umsetzung von 3-Perfluoralkyl-1-propanol mit p-Toluolsulfonsäurechlorid)
und Dodecylphenol in Aceton mit Kaliumcarbonat hergestellt.
BeispieleVerbindung 1:Produkt aus RFI (RF = F(CF2)n, n = 63 % 10, 30
% 12, 7 % ≥ 14) und StyrolVerbindung 2:Produkt aus RFI (RF = F(CF2)n, n = 63 % 10, 30
% 12, 7 % ≥ 14) und 4-Phenyl-1-butenVerbindung 3:
Produkt aus RFI (RF = F(CF2)n, n = 8) und 3-Butenyl-dodecylether
Verbindung 4:Produkt aus RFI (RF = F(CF2)n, n = 63 % 10, 30
% 12, 7 % ≥ 14) und &bgr;-PinenVerbindung 5:Produkt aus RFI (RF = F(CF2)n, n = 63% 10, 30%
12, 7% ≥ 14) und CyclooctenVerbindung 6:Produkt aus RFI (RF = F(CF2)n, n = 8) und 3-Butenyl-(Dodecylphenyl)etherVerbindung 7:Produkt aus 2 mol RFI (RF = F(CF2)n, n = 8) und
1 mol BiphenylVerbindung 8:Produkt aus Perfluoralkylpropylchlorid und Decylbenzol (RF = F(CF2)n,
n = 7 % 6, 63 % 8,28 % 10,2 % ≥ 12).Verbindung 9:Produkt aus Perfluoralkylpropyltosylat und Dodecylphenol (RF = F(CF2)n,
n = 7 % 6, 63% 8,28% 10,2% ≥ 12).
Anspruch[de]
Gleitmittel für feste Oberflächen, enthaltend eine teilfluorierte Verbindung
der Formel 1
RF-(A)a-(O)b-(B)c-(D)d-(RF)e(1)
wobei
RF ein perfluorierter Rest der Formel F(CF2)n-,
n eine Zahl von 1 bis 20,
A C1-C30-, vorzugsweise C1-C18-Alkylen,
B Arylen mit 6 bis 14 C-Atomen oder einen gesättigten oder ungesättigten mono- oder
polycyclischen Kohlenwasserstoff mit 3 bis 30, vorzugsweise 3 bis 18 C-Atomen,
D Wasserstoff oder C1-C30-, vorzugsweise C1-C18-Alkyl,
a Null oder 1,
b, c und d Null, 1 oder 2 und e Null oder 1 bedeutet, mit der Maßgabe, dass b und
c nicht gleichzeitig Null bedeuten.
Gleitmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine
Verbindung der Formel 1 enthalten, wobei a = 1, b = 0, c = 1, d = 1, D = H und e
= 0 ist und die restlichen Symbole die in Anspruch 1 genannten Bedeutungen haben.
Gleitmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich um
ein Skiwachs handelt.
Gleitmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Gleitmittel
als Feststoff, als Lösung oder als Dispersion vorliegt.
Gleitmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Gleitmittel
weitere fluorierte oder nichtfluorierte Gleitmittel enthält.