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Dokumentenidentifikation DE10204784B4 02.12.2004
Titel Verfahren zum Fixieren von Minen mittels Mehrkammer-Kunststoffbehälter für expandierende Schäume
Anmelder Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium der Verteidigung, dieses vertreten durch das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, 56068 Koblenz, DE
Erfinder Wolfrum, Johannes, Dipl.-Ing. Dr.-Ing., 84149 Velden, DE;
Lauterborn, Elmar, 84416 Taufkirchen, DE
DE-Anmeldedatum 06.02.2002
DE-Aktenzeichen 10204784
Offenlegungstag 14.08.2003
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 02.12.2004
Veröffentlichungstag im Patentblatt 02.12.2004
IPC-Hauptklasse B65D 81/32
IPC-Nebenklasse B65D 77/08   

Beschreibung[de]

Die Erfindung beschreibt ein Verfahren zum Fixieren von Minen und deren Komponenten, insbesondere mechanischen Minenzündern, Drähten, Schiebern durch schnellhärtende Schäume, vorzugsweise Polyurethanschäume, die durch eine Reaktion zweier Komponenten aufgrund einer Polyadditionsreaktion entstehen.

Behältnisse mit vorkonfektionierten, zweikomponentigen Kunststoffen sind in vielen Bereichen der Technik bekannt. Zweikomponentige Polyurethansysteme sind vorkonfektioniert zum Beispiel als sogenannte Bauschäume erhältlich. Dabei werden in einer druckstabilen Dose, der sogenannten Mischkartusche, über einen mechanischen Schieber die beiden Komponenten miteinander vermischt und der Schaum tritt unter Druck über ein Spritzdüsenventil aus dem Behälter aus. Zudem sind Lösungen bekannt, bei welchen die beiden Komponenten nicht innerhalb des Behälters vermischt werden, sondern erst außerhalb, in sogenannten statischen oder dynamischen Mischern (CF 135 Stop and Go Schaum, Firmenprospekt, Hilti Deutschland GmbH, 86916 Kaufering; CF 162 2K Füllschaum mit Fingerstück, Firmenprospekt, Hilti Deutschland GmbH, Hiltistraße 2, 86916 Kaufbeuren; Statische Mischer zur 2 K-Verarbeitung, Firmenprospekt, GLT, Rennfeldstraße 18, 75173 Pforzheim; Primix – ein Unternehmen im Wandel, Firmenprospekt, Nijverheidsweg 17-f, NL-3641 RP Mijdrecht, Niederlande).

Es ist ferner bekannt, dass zweikomponentige Epoxydharze in vorkonfektionierten Glaszylindern als Verbundanker zum Setzen von Schwerlastdübeln verwendet werden. Dabei wird der Glaszylinder, in dem sich die beiden reaktiven Komponenten befinden, in das Bohrloch eingeschoben und durch das Setzen des Dübels zerstört. Dadurch kommt es zu einem Mischen und Aushärten der Komponenten (Einführung zur Schwerbefestigung Firmenprospekt, Upat GmbH Freiburgerstr. 9, 79312 Emmendingen; HVA Verbundanker, Firmenprospekt, Hilti Deutschland GmbH, Hiltistraße 2, 86916 Kaufering).

Aus der europäischen Patentschrift DE 697 06 532 T2 ist weiter ein Formverschäumungsverpackungskissen bekannt, bei dem zwei durch ein Sperrmaterial vorher in einem nicht reaktionsfähigen Zustand gehaltene Schaum-Vorprodukt-Zusammensetzungen durch zerbrechen eines Versiegelungsmittels zusammenführbar sind und in einem elastischen Beutel Schaum bilden, während Gase aus dem elastischen Beutel entweichen können. Das Formverschäumungsverpackungskissen dient zur Fixierung zu verpackender Gegenstände in Kartons oder dergleichen, wobei zum Schutz der Gegenstände ein Austreten des Schaums aus dem elastischen Beutel verhindert werden muss.

Weiter ist aus der europäischen Patentschrift DE 695 19 109 T2 ein Verfahren zur Ausgabe einer Dichtungszusammensetzung, die durch Zusammenmischen vorbestimmter Mengen zweier Komponenten erzeugt wird. Die vorbestimmten Mengen befinden sich in temporären Hauptkammerabschnitten, die im einsatzfähigen Zustand eine Hauptkammer bilden in der die Komponenten vermischt werden und die in einen länglichen Zylinder eingeführt wird, der Teil einer Ausgabevorrichtung ist.

Die vorhandenen Lösungen haben den Nachteil, dass es sich um vergleichsweise aufwendig gestaltete und damit teure Lösungen handelt. Die Behälter sind größtenteils aus Metall oder Glas eigens gefertigt und damit nur mit hohem Aufwand sehr spezifisch oder nur in geringer Anzahl auftretenden Problemstellungen anzupassen. So ist sowohl die Bereitstellung des Schaums in genügender Menge mit den vorhandenen Lösungen nicht möglich alsauch die Handhabung zu umständlich.

Der im Patentanspruch 1 angegebenen Erfindung liegt das Problem zugrunde zur Sicherung von mechanischen Minenzündern schnellhärtende Schäume einsetzbar zu machen. Es besteht derzeit keine Möglichkeit eine gefundene Mine, die zum Beispiel als Drahtmine verlegt sein kann, zunächst zu sichern um in einem gefährdeten Gebiet weitere Minen oder Stolperdrähte ausfindig machen zu können.

Eine sofortige Räumung der Mine muss insbesondere dann vermieden werden, wenn andere, noch nicht detektierte Minen, durch aufgeschleudertes Erdreich verdeckt werden könnten, oder wenn es gilt Verwundete aus dem verminten Gelände zu bergen.

Dieses Problem wird durch das im Patentanspruch 1 aufgeführte Verfahren zum Fixieren von Minen und deren Komponenten, insbesondere mechanischen Minenzündern, Drähten, Schiebern durch schnellhärtende Schäume, vorzugsweise Polyurethanschäume, die durch eine Reaktion zweier Komponenten aufgrund einer Polyadditionsreaktion entstehen wobei zwei Kammern einer Behältervorrichtung durch einfaches Drehen, Knicken oder Schlagen verbunden werden, die Komponenten in den vereinten Kammern vermischt werden, aufschäumen und vor dem Aushärten aus der Vorrichtung ausgegossen werden, gelöst.

Der Vorteil der Erfindung liegt insbesondere darin, dass eine Möglichkeit geschaffen wurde eine gefundene Mine, die zum Beispiel als Drahtmine verlegt sein kann, zunächst zu sichern um in einem gefährdeten Gebiet weitere Minen oder Stolperdrähte ausfindig machen zu können. Dabei ist die Einfachheit des Verfahrens ein wesentlicher Vorteil. Neben den fixierenden Eigenschaften des austretenden Schaums sind dessen Klebeeigenschaften ein weiterer Vorteil der Erfindung.

Eine vorteilhafte Ausgesaltung der Erfindung ist in Patentanspruch 2 beschrieben. Die Verbindungsstelle der Behältervorrichtung mit zerstörbarer Trennwand kann als Schraub- oder Steckverbindung ausgeführt sein und zwar in derart, dass durch das Zusammenfügen der beiden Kammern, erfindungsgemäß durch Drehen, Knicken oder Schlagen, beispielsweise Dorne die zunächst verschlossenen Kammern innerhalb der Verbindungsstelle zerstören, sodass ein Vermischen der beiden Komponenten über die Verbindungsstelle der beiden Kammern möglich wird, wobei das Austreten des Gemisches aus den verbundenen Kammern zunächst vermieden wird. Erst nach Aufschäumen durch die Reaktion wird der Kammerinhalt nach Aufreisen oder Platzen über die Minen und deren mechanische Komponenten, beispielsweise mechanische Minenzünder, Drähte, Schieber, gegossen.

Patentanspruch 3 beschreibt die vorzugsweise Ausgestaltung der Erfindung, wenn die zweite Kammer mit einer Einrichtung, vorzugsweise einer Lasche, zum aufreisen der Kammer vor dem Übergießen der Minen ausgestattet ist. Nach dem Zerstören der ersten Kammer durch Drehen, Knicken oder Schlagen und dem anschließenden Mischen der Komponenten A und B wird, vor dem undefinierten Platzen der Vorrichtung während der anschließenden Reaktion der Komponenten A und B, die Zweite Kammer durch Aufreisen definiert zerstört, um den Übergießprozess zu vereinfachen.

Durch Vernachlässigen der zusätzlichen Lasche werden die Kammern durch den inneren Druck der während der Reaktion der beiden Komponenten A und B entsteht platzen. Dieser Vorteil kann besonders bei Vorrichtungen gemäß Patentanspruch 4 vorteilhaft genutzt werden. Durch das Anbringen einer Verschlussvorrichtung kann eine Sollbruchstelle auf einfache Art integriert werden.

Selbstverständlich kann eine Sollbruchstelle auch an jeder beliebigen Stelle angebracht werden oder die Vorrichtung kann auf eine solche Sollbruchstelle verzichten und die Kammern nach dem Zufallsprinzip aufplatzen. Jedenfalls schließt sich der nachfolgende Prozess des Übergießens an.

Zwei Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt und werden im folgenden näher beschrieben.

1 beschreibt ein Ausführungsbeispiel, bei dem die beiden Ausgangskomponenten A (1) und B (2) in einem flexiblen Kunststoffbehälter im Ausgangszustand im richtigen Mischungsverhältnis getrennt voneinander vorliegen. Die Trennung der beiden Komponenten A (1) und B (2) in der zweiten Kammer (3) erfolgt über eine einfach zu zerstörende innenliegende erste Kammer (4). Durch eine manuelle Bewegung, zum Beispiel ein Drehen, ein Knicken oder Schlagen, wird die innenliegende erste Kammer (4) zerstört und die beiden Komponenten können durch Schütteln miteinander vermischt werden. Durch ein Auftrennen der zweiten Kammer (3), zum Beispiel durch das Abreißen oder Abknicken einer Lasche (5), können die miteinander vermischten Komponenten vor oder während des Schäumens ausgegossen werden. Die Trennstelle der zweiten Kammer (3) kann dabei so ausgeführt werden, dass sie sich auch selbstständig durch den expandierenden Schaum öffnet (self pull-off).

2a zeigt ein Ausführungsbeispiel, bei dem die beiden Ausgangskomponenten A (1) und B (2) in flexiblen Kunststoffbehältern im Ausgangszustand im richtigen Mischungsverhältnis getrennt voneinander vorliegen. Die Trennung der beiden Komponenten A (1) und B (2) erfolgt in der ersten (4) und zweiten Kammer (3). Über ein Zusammendrehen der beiden Kammern an der Verbindungsstelle (6) mittels eines Gewindes (7) wird zunächst über einen Dorn (8) die erste Kammer (4) und anschließend, ebenfalls über einen Dorn (8), die zweite Kammer (3) zerstört. Die beiden Komponenten können durch Schütteln miteinander vermischt werden. Durch ein Auftrennen einer der Kammer (3/4), zum Beispiel durch das Abreißen oder Abknicken einer Lasche (5), können die miteinander vermischten Komponenten vor oder während des Schäumens ausgegossen werden. Die Trennstelle der Kammer (3/4) kann dabei so ausgeführt werden, dass sie sich auch selbstständig durch den expandierenden Schaum öffnet (self pull-off). Hierfür bietet sich die Verbindungsstelle (6) vorteilhaft an.

2b zeigt die Verbindungsstelle (6) als Schnappverschlussausführung, bei dem das zerstören der Kammern und das anschließende Mischen durch einfaches Zusammendrücken eingeleitet wird.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zum Fixieren von Minen und deren Komponenten, insbesondere mechanischen Minenzündern, Drähten, Schiebern durch schnellhärtende Schäume, vorzugsweise Polyurethanschäume, die durch eine Reaktion zweier Komponenten aufgrund einer Polyadditionsreaktion entstehen wobei zwei Kammern einer Behältervorrichtung durch einfaches Drehen, Knicken oder Schlagen verbunden werden, die Komponenten in den vereinten Kammern vermischt werden, aufschäumen und vor dem Aushärten aus der Vorrichtung ausgegossen werden
  2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei eine Verbindungsstelle der Behältervorrichtung mit zerstörbarer Trennwand, an der Oberfläche mindestens zweier Kammern, mit einem Schraub- oder Schnappverschluss ausgerüstet ist, bei dessen Betätigung die beiden Kammern verbunden werden.
  3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, wobei das Ausgießen des Schaums nach dem Aufreißen der Kammer erfolgt.
  4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, wobei das Ausgießen des Schaums nach dem Platzen der Kammer aufgrund des Aufschäumens während der Reaktion erfolgt.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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