Die Erfindung betrifft einen Strömungskanal für Flüssigkeiten.
Flüssigkeiten oder auch Gase werden bekanntlich in den unterschiedlichsten
Lebensbereichen durch unterschiedlichst gestaltete Strömungskanäle hindurchgeleitet.
Zweck ist dabei häufig ein Stofftransport und/oder Energietransport. Beispiele für
Strömungskanäle für Flüssigkeiten sind Rohrleitungen etwa in der Haustechnik oder
Verfahrens- oder Energietechnik oder Strömungskanäle in Strömungsmaschinen wie beispielsweise
Wasserturbinen oder Kläranlagen. Im biologischen Bereich sind Strömungskanäle beispielsweise
in Form von Adern zum Bluttransport realisiert.
Eine entscheidende Kenngröße von Strömungen durch Strömungskanäle
ist der im wesentlichen durch Reibung und Umlenkungen bedingte Strömungswiderstand,
der häufig in Form von standardisierten Kennwerten wie dem Widerstandsbeiwert ausgedrückt
wird. Die Berücksichtigung des Strömungswiderstandes ist für die Auslegung von Strömungskanälen
wie Rohrleitungen und die Dimensionierung von Pumpen oder anderen druckerzeugenden
Organen von zentraler Bedeutung.
Der Strömungswiderstand und die bei der Strömung entstehenden Reibungsverluste
müssen selbstverständlich möglichst weit minimiert werden, so dass beispielsweise
der erforderliche Energieaufwand zum Pumpen somit letztlich der Energieverbrauch
für eine Anlage möglichst klein gehalten werden kann. Dies ist bei der Gestaltung
von Strömungskanälen zu berücksichtigen.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen Strömungskanal für
Flüssigkeiten oder auch Gase bereitzustellen, der so gestaltet ist, dass möglichst
geringe Verluste bei der Strömung, insbesondere geringe Reibungsverluste auftreten.
Weiteres Ziel der Erfindung ist es, einen Strömungskanal für Flüssigkeiten anzugeben,
bei dem sich unterschiedliche Strömungsbereiche einstellen.
Die Erfindung löst die Aufgabe bei einem Strömungskanal der eingangs
genannten Art dadurch, dass mindestens eine den Strömungskanal begrenzende Wand
derart ausgebildet ist, dass sich bei Durchströmen einer Flüssigkeit mindestens
ein Strömungsbereich ausbildet, der eine axiale und gleichzeitige tangentiale Strömungskomponente
hat.
Überraschend hat sich bei den Versuchen ergeben, dass durch einen
erfindungsgemäßen Strömungskanal aufgrund dessen Wandgestaltung wenigstens abschnittsweise
eine Strömung mit axialer und tangentialer Strömungskomponente entsteht, wodurch
der Strömungswiderstand gegenüber herkömmlichen Strömungskanälen signifikant verringert
wird. Diese Verringerung des Strömungswiderstandes bewirkt in vorteilhafter Weise,
dass die energetischen Verluste der Strömung, die Druckverluste und der Widerstandsbeiwert
reduziert sind. Es ist somit eine geringere Pumpenleistung zur Erzeugung eines bestimmten
Volumen- oder Massenstroms einer Flüssigkeit erforderlich, als bei herkömmlichen
Strömungskanälen. Damit kann beispielsweise bei Rohrleitungen die aufzubringende
Pumpenleistung deutlich verringert werden. Aber auch bei Strömungsmaschinen, Wasserkraftanlagen
oder dgl. sind die Strömungsverluste erfindungsgemäß reduzierbar und somit die Wirkungsgrade
erhöht.
Vorzugsweise ist bereichsweise oder vollständig eine zirkulierende
Spiralströmung ausbildet. Experimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass durch
eine Wandgestaltung, die eine Art von zirkulierender Spiralströmung durch den Strömungskanal
verursacht, geringere Strömungswiderstände und somit Strömungsverluste auftreten.
Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird vorgeschlagen,
dass die Länge eines vollständig einmal in sich verwundenen Rohrabschnitts (Wellenlänge)
in einem bestimmten Verhältnis zur Länge der kleinsten Halbierenden der Querschnittsfläche
des Strömungskanals steht, welches im Bereich 6 bis 7, besonders bevorzugt im Bereich
von 6,44 liegt. Durch die nicht zylindrische Ausbildung des Strömungsquerschnitts
und einer Tordierung oder Verwindung in axialer Richtung lässt sich eine wenigstens
teilweise spiralähnliche Strömung mit axialer und tangentialer Strömungskomponente
mit geringem Strömungswiderstand auf konstruktiv einfache Weise verwirklichen.
Es hat sich auf aufgrund von Versuchen gezeigt, dass sich bei dem
oben angegebenen Verhältnis zwischen Wellenlänge und Ausdehnung der Querschnittsfläche
besonders geringe Widerstandsbeiwerte erzielen lassen. Eine konstruktiv und strömungstechnisch
besonders bevorzugte Ausführungsform zeichnet sich dadurch aus, dass die den Strömungskanal
begrenzende Wand so geformt ist, dass der freie Strömungsquerschnitt des Strömungsrohres
im Wesentlichen oval ist. Eine solche ovale Gestaltung bei gleichzeitiger In-Sich-Torsion
des Strömungsquerschnitts lässt sich besonders gut bei einem Strömungsrohr verwirklichen.
Bei einer Weiterbildung wird vorgeschlagen, dass das Verhältnis der
Länge der längeren Achse des ovalen Strömungsquerschnitts zu der Länge der kürzeren
Achse des Strömungsquerschnitts deutlich größer als 1, vorzugsweise größer oder
etwa √2 ist. Auch hierdurch lassen sich die Widerstandsbeiwerte des Strömungskanals
minimieren.
Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird vorgeschlagen,
dass sich der Strömungsquerschnitt in Strömungsrichtung verjüngt oder erweitert.
Dadurch lassen sich bei Beibehaltung der erfindungsgemäßen Vorteile die Strömungsverhältnisse,
insbesondere die Strömungsgeschwindigkeit erhöhen bzw. verringern.
Die Erfindung löst die Aufgabe ferner bzw. wird weitergebildet durch
einen Strömungskanal für Flüssigkeiten, der so ausgebildet ist, dass sich innerhalb
des Kanals bei Durchströmen einer Flüssigkeit im Wesentlichen zwei Strömungsbereiche
ausbilden, die sich nicht oder kaum durchdringen und die nach Art einer Doppelhelix
umschlungen sind.
Durch eine solche Ausbildung des Strömungskanals und einer Strömung
mit im Wesentlichen zwei Strömungsbereichen lassen sich ebenfalls geringe Strömungswiderstände
erzielen, so dass letztlich Pumpleistungen reduziert und Wirkungsgrade von Strömungsmaschinen
verbessert werden. Darüber hinaus können unterschiedliche Phasen einer Strömung,
etwa unterschiedliche Flüssigkeiten teilweise getrennt durch den Strömungskanal
hindurch geführt werden oder trennen sich in mindestens teilweise unterschiedliche
Phasen sogar bei Durchströmung des Strömungskanals. Eine solche Trennung kann beispielsweise
dadurch erfolgen, dass sich unterschiedliche Bestandteile einer Flüssigkeit mit
unterschiedlichen Materialeigenschaften wie Dichten oder Viskositäten bevorzugt
in bestimmten Bereichen des Strömungsquerschnitts bewegen, so dass eine Entmischung
entstehen kann.
Der erfindungsgemäße Strömungskanal wird dadurch weitergebildet, dass
sich innerhalb eines jeden Strömungsbereichs weitere Unterströmungsbereiche ausbilden,
die ihrerseits wiederum miteinander verschlungen sind. Hierdurch lassen sich die
Strömungsverhältnisse weiter verbessern und ggf. die zuvor beschriebenen Trenneffekte
verbessern.
Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform wird vorgeschlagen,
dass die beiden Kernströmungskanäle im Wesentlichen kreisrund ausgebildet sind und
einen Hauptfluidstrom bilden, und dass in dem Bereich des Strömungsrohrs, der nicht
von den Hauptstromkernen besetzt ist, sich ein oder mehrere Nebenströme ausbilden,
wobei zwischen einem Hauptstrom und einem Nebenstromgebiet kein oder bevorzugt nur
ein geringer Fluidaustausch stattfindet und bevorzugt im Nebenstromgebiet Fremdkörper
im gesamten Fluidstrom transportiert werden. Auch auf diese Weise können sich feste
und flüssige oder unterschiedliche flüssige Phasen der Strömung ausbilden.
Die Erfindung ist nachstehend anhand von Ausführungsbeispielen unter
Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben. Es zeigen:
1 eine schematische Darstellung eines
in einem Strömungsrohr ausgebildeten Strömungskanals;
2a – 2f
unterschiedliche Beispiele erfindungsgemäßer Strömungskanäle;
3 Messergebnisse von Versuchen mit erfindungsgemäßen
Strömungskanälen
4 eine in einem erfindungsgemäßen Strömungskanal
schematisch dargestellte Strömung mit unterschiedlichen Strömungsbereichen und
5 eine schematische Querschnittsdarstellung
der in 4 dargestellten Strömung.
1 zeigt in einer Seitenansicht ein Ausführungsbeispiel
eines Strömungsrohres 2, in dem ein erfindungsgemäßer Strömungskanal
4 ausgebildet ist. Durch das Rohr 2 bzw. den Strömungskanal
4 können Fluide, d. h. Flüssigkeiten oder Gase hindurchströmen. Dabei kann
es sich auch um mehrphasige Strömungen mit unterschiedlichen Flüssigkeitskomponenten
und mit Festkörpern, etwa Partikeln oder dgl. handeln. Auch kann beispielsweise
eine dreiphasige Strömung mit flüssigen, gasförmigen und festen Komponenten durch
Strömungskanal 4 hindurchströmen. Das Rohr 2 kann aus Kunststoff
oder Metall gefertigt sein.
Das Rohr 2 ist vorzugsweise so ausgebildet, dass der Strömungsquerschnitt
im Wesentlichen oval ist, wie dies in den schematischen Darstellungen gemäß
2a) und 2b) gezeigt ist.
Das Rohr 2 ist, wie 1 schematisch zeigt, in
axialer Richtung, d. h. in Richtung der Längsachse 3 in sich tordiert oder
verwunden.
In dem in 1 dargestellten Abschnitt des
Rohres 2 ist das Ausmaß der Torsion durch die Linie 5 veranschaulicht,
die über die dargestellte Länge des Rohrabschnitts eine vollständige Drehung um
360 Grad vollführt; diese Länge einer einmaligen vollständigen Torsion wird hier
auch als Wellenlänge bezeichnet. In der Seitenansicht gemäß 1
ergeben sich aufgrund des ovalen Querschnitts (2a und
2b) und der Torsion Rohrabschnitte größerer
Breite und geringerer Breite. In 2a und 2b
sind die Längen der kürzeren und längeren Achsen des im Wesentlichen ovalen Strömungsquerschnitts
eingetragen. Durch experimentelle Untersuchungen ist herausgefunden worden, dass
das Verhältnis der Länge der längeren Achse a zu der kürzeren Achse b vorzugsweise
größer oder gleich √2 sein sollte. Die Gestaltung der Wand des in
2a dargestellten Rohres 2 ist etwas weniger
gekrümmt gegenüber der Gestaltung der Wände gemäß dem Ausführungsbeispiel nach
2b).
Bei Durchströmen einer Flüssigkeit durch den erfindungsgemäßen Strömungskanals
4 bildet sich in dem Strömungskanal 4 eine Strömung aus, die nicht
nur eine Strömungskomponente in axialer Richtung, d. h. in Richtung der Achse
3 aufweist, sondern auch eine Strömungskomponente in tangentialer Richtung
bezogen auf die Achse 3. Dies ergibt sich aus der tordierten Gestaltung
des Strömungskanals 4 bzw. des Rohres 2. Diese ist in den
1 und 2a schematisch
durch Pfeile 7 dargestellt. Es ergibt sich damit in dem Strömungskanal
4 im Wesentlichen eine zirkulierende, spiralförmige Strömung durch das
Rohr 2.
Die in den 2c – 2f
dargestellten alternativen Strömungsquerschnitte führen gleichermaßen zu einer erfindungsgemäßen
Strömung mit einer axialen und tangentialen Strömungskomponente, mithin zu einer
Art Spiralströmung in dem Strömungskanal 4. 2c
stellt einen rechteckigen, 2d einen quadratischen,
2e einen dreieckigen, 2
feinen achteckigen Strömungsquerschnitt dar. Auch eine sechseckige Gestaltung des
Strömungsquerschnitts bzw. eines entsprechenden Strömungsrohres 2 ist erfindungsgemäß
möglich. Auch diese Ausführungsbeispiele sind vorzugsweise so gestaltet, dass der
Strömungsquerschnitt in axialer Richtung (Achse 3) in sich tordiert ist.
Das Verhältnis der Wellenlänge zur Länge der kleinsten Halbierenden
der Querschnittsfläche des Strömungsquerschnitts 4 steht in einem bestimmten
Verhältnis, welches im Bereich von 6 bis 7 liegt.
Ergebnisse experimenteller Untersuchungen mit erfindungsgemäßen Strömungskanälen
sind in 3 dargestellt. Es sind Messungen der Leistung
einer Pumpe mit herkömmlichen zylindrischen Rohren sowie mit erfindungsgemäßen ovalen
und in sich tordierten Rohren vorgenommen worden, wobei Wasser als Flüssigkeit verwendet
wurde. In der Abbildung ist auf der vertikalen Y-Achse die aufgenommene Pumpenleistung
und auf der horizontalen X-Achse der Mengenstrom des Wassers durch die jeweiligen
Rohre dargestellt. Kurve 8 zeigt die aufgenommene Pumpenleistung für unterschiedliche
Volumenströme für herkömmliche zylindrische Rohre und Kurve 10 zeigt dem
gegenüber die Pumpenleistung für unterschiedliche Volumenströme für erfindungsgemäße
ovale Rohre. Die Querschnittsflächen der zylindrischen bzw. ovalen Rohre sind konstant
geblieben. Es ist erkennbar, dass die aufgenommene Pumpenleistung gemäß Kurve
10 für erfindungsgemäße Rohre bei gleichem Volumenstrom geringer ist als
bei herkömmlichen Rohren.
Die 4 und 5
zeigen weitere erfindungsgemäße Strömungskanäle und darin sich ausbildende Strömungen
mit schematischer Darstellung. Bei einer Verdrillung eines Strömungskanals bezogen
auf die schematisch angedeutete Längsachse 3 eines Strömungskanals bilden
sich bei Durchströmen einer Flüssigkeit zunächst im Wesentlichen zwei größere Strömungsbereiche
12, 14 auf, die im Verlauf der Strömung umschlungen sind nach
Art einer Doppel-Helix. Die Durchmischung der Bereiche 12, 14
ist gering. Innerhalb jedes Strömungsbereichs 12, 14 bilden sich
Unterströmungsbereiche 16, 18 bzw. 20, 22 aus,
die ihrerseits wiederum nach Art einer Doppel-Helix umschlungen sind. In diesen
Unterströmungsbereichen 16–22 können sich wiederum ihrerseits miteinander
verschlungene Unterströmungsbereiche ausbilden.
Wie die Figuren veranschaulichen, sind die beiden Haupt-Strömungsbereiche
oder Kernströmungskanäle 12, 14 im Wesentlichen rund im Querschnitt
ausgebildet. Benachbart zu den Kernströmungskanälen 12, 14 können
sich Nebenströme oder Nebenstrombereiche 24, 26 ausbilden, in
denen sich ggf. bestimmte Komponenten, beispielsweise feste Bestandteile ansammeln
können. Auf diese Weise ist eine Trennung von Bestandteilen der Flüssigkeit möglich.