Die Erfindung betrifft ein Multifunktionsradarsystem.
Es ist deshalb Aufgabe der Erfindung, ein Multifunktionsradarsystem
zu schaffen, mit der die beschriebenen operationellen Nachteile überwunden werden.
Diese Aufgabe wird mit dem Multifunktionsradarsystem nach Patentanspruch
1 gelöst. Vorteilhafte Ausführungen der Erfindung sind Gegenstand von weiteren Ansprüchen.
Das erfindungsgemäße Multifunktionsradar umfasst zwei baulich integrierte
Radarsubsysteme. Im Falle einer Zielbekämpfung wird über ein Rundsuchradar die Zielsuche
und Zielverfolgung ohne Einschränkung sichergestellt, während ein zweites Subsystem
für die Nachsteuerung von Lenkflugkörpern (Lenkflugkörper- Uplink) und/oder Zielbeleuchtung
übernimmt. Das zweite Radarsubsystem kann darüber hinaus auch als ergänzendes Radar
eingesetzt werden.
Jedes der beiden Radarsubsysteme umfasst die üblichen Komponenten
eines Radars, insbesondere Antennen, Einheiten für Senden, Empfangen, Signalerzeugung,
Signalverstärkung, Signalverarbeitung etc. Die beiden Radarsubsysteme sind jedoch
als physikalische Einheit integriert, was mit dem Integrationsvorteil von Multifunktionsradaren
vergleichbar ist.
In einer besonders vorteilhaften Ausführung wird die bauliche Integration
der beiden Subsysteme derart realisiert, dass auf einem kuppelförmigen Radom, welches
die Antennen des ersten Radarsubsystems abdeckt, das zweite Radarsubsystem installiert
ist. Das kuppelförmige Radom des ersten Subsystems dient somit als mechanische Basis
für das zweite Subsystem. Die Radome können vorteilhaft aus frequenzselektiven Materialien
hergestellt werden, um die Eigensignatur (Radarrückstreuquerschnitt, Infrarot, optisch,
akustisch) der beiden Radarsubsysteme zu reduzieren.
Durch die beschriebene mechanische Anordnung wird eine gegenseitige
Abschattung der Antennen der Subsysteme vermieden. Außerdem wird eine einfache Schnittstelle
zur Plattform, z.B. Schiff, erreicht.
Für eine Anwendung auf Schiffen kann die Antennengruppe des erfindungsgemäßen
Multifunktionsradarsystems auf einem einzelnen Mast installiert werden.
Durch die Erfindung werden die oben beschriebenen operationellen Nachteile
eines Multifunktionsradars vermieden, aber die Vorteile aus dessen kompakter Bauweise
beibehalten.
Das erfindungsgemäße System kann in verschiedenen Konfigurationen
realisiert werden. Das Antenne des Rundsuchradars kann z.B. ein oder mehrere Antennenflächen
für Primärradar aufweisen. Im Falle von zwei Antennenflächen können diese z.B. in
einer so genannten Janus-Konfiguration (back-to-back-Konfiguration) angeordnet werden,
wodurch die Raumabtastungsfolge vorteilhafter gestaltet werden kann.
Des weiteren kann das erfindungsgemäße System eine IFF-Identifizierungseinheit
(IFF: Identification of Friend or Foe) mit Interrogator-Antenne und Transponder-Antenne
umfasssen. Interrogator-Antenne und/oder Transponder-Antenne können in einer vorteilhaften
Ausführung mit der Antenne oder Antennengruppe des ersten Radarsubsystems baulich
integriert sein. Dies kann z.B. derart realisiert werden, dass eine oder beide IFF-Antennen
innerhalb des kuppelförmigen Radoms, welches die Antennen des ersten Radarsubsystems
abdeckt, montiert sind.
Die Antenne des zweiten Radarsubsystems kann in einer vorteilhaften
Ausführung als so genanntes Volumenarray ausgeführt sein, bei dem eine Mehrzahl
von Strahlern in einem Kugelvolumen angeordnet sind.
Die Strahlerzeugung und Strahlschwenkung erfolgt dabei mittels den
einzelnen Strahlern zugeordneten Transmit/Receive-Modulen rein elektronisch ohne
mechanische Bewegung, so dass zu jedem Zeitpunkt eine hemisphärische Raumabdeckung
erreicht wird.
Die Erfindung wird im Folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels
und unter Bezugnahme auf Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
1 ein erfindungsgemäßes Multifunktionsradarsystem,
2 ein Schnitt durch die über Deck befindlichen
Komponenten des erfindungsgemäßen Multifunktionsradarsystems nach 1,
beispielhafte Abmessungen sind angegeben;
3 eine Antenne für eines der beiden Radarsubsysteme
(Volumenarray).
1 zeigt ein erfindungsgemäßes Multifunktionsradarsystem
für eine Anwendung auf einem Schiff. Die oberhalb der horizontalen gestrichelten
Linie dargestellten Komponenten befinden sich oberhalb des Schiffsdecks, die unterhalb
dargestellten Komponenten befinden sich unterhalb des Schiffsdecks.
Die Komponenten des erfindungsgemäßen Multifunktionsradarsystems sind
rechts der vertikalen Linie dargestellt. Links der vertikalen Linie sind Systeme
dargestellt, mit denen das erfindungsgemäße Multifunktionsradarsystem zusammenarbeitet.
Man erkennt ein kuppelförmiges Radom KR, mit dem die Antenne des Rundsuchradars
(erstes Radarsubsystem) zum Schutz gegen äußere Einflüsse abgedeckt sind. Die Antenne
besteht in dieser Ausführung aus zwei Antennenflächen PR1, PR2, angeordnet in Januskonfiguration.
Die Antennenflächen sind drehbar gelagert auf einem Antennensockel AS angeordnet,
mit dem eine mechanische Strahlschwenkung der Antenne in Azimut realisiert wird.
Die Strahlschwenkung in Elevation erfolgt elektronisch durch Phasensteuerung der
Antennenelemente. Selbstverständlich sind auch Ausführungen möglich, bei der die
Strahlschwenkung auf rein elektronischem Wege z.B. mittels phasengesteuerter Gruppenantennen
erfolgt.
Die sonstigen Komponenten des Rundsuchradars, insbesondere Sender
T1, T2, Empfänger R1, R2, Einheiten zur Signalerzeugung WFG1, WFG2 und Signalverarbeitung
RP1, RP2 für die beiden Antennenflächen befinden sich unterhalb des Decks.
Unter Deck befindet sich außerdem eine IFF-Identifizierungseinheit
IFF, die mit den beiden über Deck befindlichen zugehörigen IFF-Antennen (Transponder-Antenne
IFF-TA, Interrogator-Antenne IFF-IA) verbunden ist. In der gezeigten Ausführung
ist die Interrogator-Antenne IFF-IA zusammen mit den Antennen des Rundsuchradars
PR1, PR2 auf dem drehbaren Sockel AS angeordnet. Die Transponder-Antenne IFF-TA
ist innerhalb des kuppelförmigen Radoms KR angeordnet, und zwar auf der Unterseite
des Bodens des zweiten Radarsubsystems ULI.
Rundsuchradar sowie die IFF-Identifizierungseinheit stehen in Verbindung
mit einem Combat Mangement System, dass die gesamten Sensoren und Kommunikationseinrichtungen
verbindet und eine effektive Gefechtsführung ermöglicht.
Auf dem kuppelförmigen Radom KR des Rundsuchradars ist das zweite
Radarsubsystem ULI angeordnet. Es wird ebenfalls von einem Radom UR abgedeckt. Unter
dem Radom UR befinden sich in der gezeigten Ausführung neben der Antenne auch die
sonstigen Komponenten des Radarsubsystems zum Senden, Empfangen, Signalerzeugung,
Signalverstärkung, Signalverarbeitung. Als Antenne wird hierbei bevorzugt ein Volumenarray
(3) eingesetzt werden, bei dem eine Vielzahl von Einzelstrahlern
ES in einem Kugelvolumen angeordnet sind. Den Einzelstrahlern ES ist jeweils ein
Transmit/Receive-Modul (in 3 nicht dargestellt) zugeordnet,
mit der die HF-Speisung der Einzelstrahler erfolgt. In einer typischen Ausführung
umfasst die Antenne 2048 Einzelstrahler in einem Kugelvolumen. Die Einzelstrahler
können z.B. als magnetischer Dipol nach dem Prinzip einer Mikrostreifenleiterantenne
ausgebildet sein. Die Strahlschwenkung kann ohne mechanische Bewegung auf rein elektronischem
Weg erfolgen, wobei die volle hemisphärische Volumenabdeckung sichergestellt werden
kann.
Das beschriebene zweite Radarsubsystem ist in dieser Ausführung als
so genanntes Lenkflugkörper-Uplink-System ausgebildet zur Übertragung von Daten
zur Lenkung der schiffseigenen Luftabwehr-Lenkflugkörper. Es ist mit dem Feuerleitsystem
des Lenkflugkörpers verbunden. Mittels dieses Uplink-Systems erfolgt abhängig von
der momentanen Flugbahn des Ziels eine Nachsteuerung des Lenkflugkörpers. Dies geschieht
meist in der mittleren Flugphase des Lenkflugkörpers, bevor die Endphase des Flugs
eingeleitet wird (midcourse guidance). In der Endphase erfolgt die Steuerung des
Lenkflugköpers meist autonom durch den Lenkflugkörper selbst.
Das zweite Radarsubsystem kann alternativ oder zusätzlich für die
Zielbeleuchtung (target illumination) eingesetzt werden. Diese wird für solche Lenkflugkörper
eingesetzt, welche in der Endphase des Zielanflugs eine Radarreflexion vom Ziel
benötigen, um das Ziel präzise ansteuern und treffen zu können.
Alternativ oder zusätzlich zu den bisher erwähnten Funktionen kann
das zweite Radarsubsystem auch als ergänzendes Überwachungsradar eingesetzt werden.
Dies ist besonders vorteilhaft, wenn die beiden Radarsubsysteme
unterschiedliche Frequenzbänder benützen, um Einflüsse der Radarausbreitung und
gegnerischer Störmaßnahmen zu minimieren. Ferner ermöglicht dieses Radarsubsystem
Radarfunktionen für die Zielklassifizierung, die eine hohe Verweildauer der Radarstrahlung
auf dem Ziel erfordern.
Die in der 1 gezeigten Antennen PR1, PR2,
IFF-IA, IFF-TA des ersten Radarsubsystems und der IFF-Einheit können zusammen mit
dem auf dem kuppelförmigen Radom KR des Rundsuchradars angeordneten zweiten Radarsubsystems
ULI vorteilhaft auf einem Mast angeordnet werden.