Die vorliegende Erfindung bezieht sich allgemein auf Extraktionssysteme
und -verfahren zur Abtrennung von Analyten aus Strömen, die andere Bestandteile
enthalten, durch differenzielle Transportprinzipien, z. B. Diffusion, und auf Anwendungsgebiete,
wobei sie ein verbessertes Verfahren bereitstellt, das die Verwendung von Absorbenzien
oder Adsorbenzien in einem Extraktionsstrom involviert. Die Verfahren der vorliegenden
Erfindung können für diagnostische Zwecke eingesetzt werden.
Hintergrund der Erfindung
Feld-Fluss-Fraktionierungsvorrichtungen involvieren eine Teilchengrößentrennung
unter Verwendung eines einzelnen Einlassstroms. Siehe z. B. Giddings, J. C., US-Patent
3,449,938, 17. Juni 1969, "Method for Separating and Detecting Fluid Materials";
Giddings, J. C., US-Patent 4,147,621, 3. April 1979, "Method and Apparatus for Field-Flow
Fractionation"; Giddings, J. C., US-Patent 4,214,981, 29. Juli 1980, "Steric Field-Flow
Fractionating"; Giddings, J. C. et al., US-Patent 4,250,026, 10. Februar 1981, "Continuous
Steric FFF Device For the Size Separation of Particles"; Giddings, J. C. et al.
(1983), "Outlet Stream Splitting for Sample Concentration in Field-Flow Fractionation",
Separation Science and Technology 18: 293–306; Giddings, J. C. (1985), "Optimized
Field-Flow Fractionation System Based on Dual Stream Splitters", Anal. Chem. 57:
945–947; Giddings, J. C., US-Patent 4,830,756, 16. Mai 1989, "High Speed Separation
of Ultra-High Molecular Weight Polymers by Hyperlayer Field-Flow Fractionation";
Giddings, J. C., US-Patent 4,141,651, 25. August 1992, "Pinched Channel Inlet System
for Reduced Relaxation Effects and Stopless Flow Injection in Field-Flow Fractionation";
Giddings, J. C., US-Patent 5,156,039, 20. Oktober 1992, "Procedure for Determining
the Size and Size Distribution of Particles Using Sedimentation Field-Flow Fractionation";
Giddings, J. C., US-Patent 5,193,688, 16. März 1993, "Method and Apparatus for Hydrodynamic
Relaxation and Sample Concentration in Field-Flow Fraction Using Permeable Wall
Elements"; Caldwell, K. D. et al., US-Patent 5,240,618, 31. August 1993, "Electrical
Field-Flow Fractionation Using Redox Couple Added to Carrier Fluid"; Giddings, J.
C. (1993), "Field-Flow Fractionation: Analysis of Macromolecular, Colloidal and
Particulate Materials", Science 260: 1456–1465; Wada, Y. et al., US-Patent
5,465,849, 14. November 1995, "Column and Method for Separating Particles in Accordance
with Their Magnetic Susceptibility"; Yve, V. et al. (1994), "Miniature Field-Flow
Fractionation Systems for Analysis of Blood Cells", Clin. Chem. 40: 1810–1814;
Afromowitz, M. A. und Samaras, J. E. (1989), "Pinch Field Flow Fractionation Using
Flow Injection Techniques", Separation Science and Technology 24(5 and 6): 325–339.
Die Technologie der Dünnkanal-Fraktionierung mit geteiltem Strom (SPLITT)
liefert auch eine Teilchentrennung in einer Trennzelle, die einen dünnen Kanal hat.
In Richtung senkrecht zur Strömungsrichtung wird eine Feldkraft ausgeübt. Teilchen
wandern von einem Teilchen-enthaltenden Strom quer zum Transportstrom zu einem teilchenfreien
Strom. Die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens wird im allgemeinen aus Glasplatten
mit Teflonscheiben, die als Abstandhalter zur Bildung der Kanäle verwendet werden,
hergestellt. Die Kanaltiefe kann daher nicht kleiner als die Abstandhalter sein,
die im allgemeinen etwa 100 bis 120 &mgr;m dick sind. Siehe z. B. Giddings, J. C.,
US-Patent 4,737,268, 12. April 1988, "Thin Channel Split Flow Continuous Equilibrium
Process and Apparatus for Particle Fractionation"; Giddings, J. C., US-Patent 4,894,146,
16. Januar 1990, "Thin Channel Split Flow Process and Apparatus for Particle Fractionation";
Giddings, J. C., US-Patent 5,093,426, 13. August 1991, "Process for Continuous Particle
and Polymer Separation in Split-Flow Thin Cells Using Flow-Dependent Lift Forces";
Williams, P. S. et al. (1992), "Continuous SPLITT Fractionation Based on a Diffusion
Mechanism", Ind. Eng. Chem. Res. 31: 2172–2181; und Levin, S. und Tawil, G.
(1993), "Analytical SPLITT Fractionation in the Diffusion Mode Operating as a Dialysis-like
System Devoid of Membrane. Application to Drug-Carrying Liposomes", Anal. Chem.
65: 2254–2261.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht in der Bereitstellung
eines verbesserten Extraktionssystems, das differenzielle Transportprinzipien ausnützt,
wobei der Analyt extrahiert, detektiert und quantitativ bestimmt werden kann. Eine
weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht in der Bereitstellung eines verbesserten
Extraktionssystems zur Reinigung und Behandlung von Flüssigkeiten, einschließlich
Körperflüssigkeiten wie Blut.
Zusammenfassung der Erfindung
Differenzielle Extraktionsvorrichtungen, wie sie oben beschrieben
wurden, ermöglichen, dass gewünschte Teilchen sich aus einem Probenstrom in einen
Extraktionsstrom bewegen, der in paralleler laminarer Strömung
mit dem Probenstrom läuft. Eine einfache Ausführungsform solcher Systeme verwendet
einen Konzentrationsgradienten quer durch die Ströme, so dass die gewünschten Teilchen
aus dem Probenstrom in den Extraktionsstrom diffundieren. Andere Gradienten und
Kräfte können ebenfalls eingesetzt werden, z. B. Magnetkraft, elektrische Kraft,
Gravitationskraft, dielektrische Kraft, Sedimentationskraft, Scherkraft, Zentrifugalkraft,
Temperatur, Druck und Querstromgradienten.
Eine Verbesserung bei den obigen Verfahren, die hierin bereitgestellt
wird, ist der Zusatz eines Sequestriermaterials zu einem Extraktionsstrom.
Die Erfindung stellt bereit:
Ein Verfahren zur Extraktion von wenigstens einem Teil von gewünschten
Teilchen aus einem Probenstrom, der die gewünschten Teilchen umfasst, wobei das
Verfahren die Schritte umfasst:
a. Einführen des Probenstroms in den Probenstromeinlass einer Extraktionsvorrichtung,
wobei die Vorrichtung überdies umfasst:
(i) einen Extraktionsstromeinlass;
(ii) einen Extraktionskanal in Fluidverbindung mit dem Probenstromeinlass und
dem Extraktionsstromeinlass zum Aufnehmen eines Extraktionsstroms in angrenzender
laminarer Strömung mit dem Probenstrom;
(iii) einen Nebenproduktstromauslass in Fluidverbindung mit dem Extraktionskanal
zum Aufnehmen eines Nebenproduktstroms, der wenigstens einen Teil des Probenstroms
umfasst, aus dem gewünschte Teilchen extrahiert worden sind; und
(iv) einen Produktauslass in Fluidverbindung mit dem Extraktionskanal zum Aufnehmen
eines Produktstroms, der wenigstens einen Teil der gewünschten Teilchen umfasst;
und
b. Einführen eines Extraktionsstroms in den Extraktionskanal, wobei der Extraktionsstrom,
der wenigstens einen Teil der gewünschten Teilchen umfasst, die Vorrichtung als
Produktstrom durch den Produktauslass verlässt und der Probenstrom, aus dem gewünschte
Teilchen extrahiert worden sind, die Vorrichtung als Nebenproduktstrom durch den
Nebenproduktstromauslass verlässt;
dadurch gekennzeichnet, dass
a. der Probenstrom mit dem Extraktionsstrom mischbar ist; und
b. der Extraktionsstrom ein Sequestriermaterial enthält, welches ein Ligand
für die gewünschten Teilchen ist, der auf einem Substrat immobilisiert ist, so dass
das Sequestriermaterial im wesentlichen nicht in den Probenstrom diffundierend ist,
wobei die gewünschten Teilchen durch das Sequestriermaterial eingefangen werden.
Ein Sequestriermaterial ist ein Material, welches die gewünschten
Teilchen durch Adsorbieren, Binden oder Kleben oder durch Absorbieren einfängt.
Enzyme, Antikörper, Antigene oder andere Liganden für gewünschte Teilchen sind auf
dem Fachgebiet bekannt und sind nützliche Sequestriermaterialien für die vorliegende
Erfindung. Ein beliebiger Ligand, der auf dem Fachgebiet für ein gewünschtes Teilchen
bekannt ist, kann als Sequestriermaterial verwendet werden. Solche Liganden sind
an Substraten wie Polymerperlen, Polymere mit hohem Molekulargewicht oder anderen
Materialien, die auf dem Fachgebiet bekannt sind, immobilisiert. "Polymere mit hohem
Molekulargewicht" bezieht sich auf solche Polymere mit ausreichendem Molekulargewicht,
so dass sie im wesentlichen während ihres Durchgangs durch die Vorrichtung nicht
in den Probenstrom diffundieren. Beispiele für Polymere mit hohem Molekulargewicht
umfassen, sind aber nicht beschränkt auf, Dextrane mit hohem Molekulargewicht, Polypeptide
mit hohem Molekulargewicht und Nucleinsäuren mit hohem Molekulargewicht. Das Sequestriermaterial
kann auch ein Absorbensmaterial bzw. absorbierendes Material wie z. B. Aktivkohle
oder poröse Polymere sein. Absorptionsmittel bzw. Absorbenzien oder Adsorptionsmittel
bzw. Adsorbenzien können entweder spezifisch für einen besonderen Teilchentyp, z.
B. ein Antikörper, oder nicht-spezifisch, z. B. Aktivkohle, sein.
Das Sequestriermaterial ist im wesentlichen nicht-diffundierend, d.
h. sollte ausreichend langsam diffundieren, so dass es aus dem Extraktionsstrom
nicht in signifikantem Ausmaß in den Probenstrom übergeht, so dass es im Nebenproduktstrom
nicht detektierbar wird oder nicht mit der Analytenanalyse im Nebenproduktstrom
in Wechselwirkung tritt.
Das Sequestriermaterial fängt die gewünschten Teilchen ein, indem
es verhindert, dass sie mit dem austretenden Nebenproduktstrom aus der Vorrichtung
austreten. Die gewünschten Teilchen können lose an das Sequestriermaterial gebunden
werden, so lange das Sequestriermaterial die Teilchen lange genug zurück hält, um
sie daran zu hindern, mit dem Nebenproduktstrom auszutreten. Die gewünschten Teilchen
können reversibel durch das Sequestriermaterial gebunden oder eingefangen werden,
so dass sie für eine weitere Analyse entfernt werden können oder eine Wiederverwendung
des Sequestriermittels möglich wird.
Differenzielle Extraktionsvorrichtungen, die im Mikromaßstab hergestellt
werden, liefern gegenüber den größeren Vorrichtungen, die oben diskutiert wurden,
zahlreiche Vorteile. Solche mikroproduzierten Vorrichtungen sind in der Anmeldung
Serial Nr. 08/663,916, eingereicht am 14. Juni 1996, beschrieben. Definitionen von
Ausdrücken, die in jener Anmeldung verwendet werden, wie sie auf die darin offenbarten
Strukturen im Mikromaßstab angewendet werden, sind hierin auf Strukturen im Makromaßstab
wie auch auf Strukturen im Mikromaßstab anwendbar. "Strukturen im Makromaßstab"
sind hierin als Strukturen definiert, die größer sind als Mikromaßstab-Strukturen,
aber noch klein genug sind, um eine laminare Strömung zu erlauben.
Die gewünschten Teilchen können in der vorliegenden Erfindung Analyten
sein oder sie können Substanzen sein, die mit Analyten wechselwirken. Sie können
auch Teilchen sein, von denen gewünscht wird, dass sie isoliert und für einen anderen
Zweck verwendet werden, oder sie können Toxine sein, z. B. Gifte oder Metaboliten
in einem Patientenblut. Beispielsweise kann die vorliegende Erfindung zur Entgiftung
von Blut verwendet werden, z. B. um toxische Metalle aus Blut zu entfernen oder
andere Körperfluide zu entgiften, z. B. eine Hämodialyse durchzuführen. Die vorliegende
Erfindung kann in der Abwasserbehandlung eingesetzt werden, z. B. um Verunreinigungen
aus Wasser zu entfernen. Alternativ kann die vorliegende Erfindung verwendet werden,
um ein Arzneimittel oder ein anderes Produkt, das durch Mikroorganismen wie Bakterienzellen
in eine m Fermentationsreaktor produziert wird, zu entfernen, ohne die Mikroorganismen
zu schädigen. Solche Behandlungen können in kontinuierlicher Weise durchgeführt
werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren liefert ein Mittel zur Durchführung
einer Affinitätschromatographie. Nach dem Verständnis des Standes der Technik bezieht
sich Affinitätschromatographie auf ein Verfahren zur Reinigung oder Isolierung gewünschter
Substanzen und involviert im allgemeinen ein kovalentes Anbinden eines spezifischen
Liganden an einen unlöslichen inerten Träger. Bei der Affinitätschromatographie
muss der Ligand eine hohe Affinität für die gewünschte Substanz haben, so dass die
gewünschte Substanz beim Durchgang in Lösung durch eine Säule in Richtung nach unten
von dem Liganden zurückgehalten wird.
Die vorliegende Erfindung stellt ein Verfahren zur Durchführung einer
Affinitätschromatographie bereit, allerdings mit mindestens einem besonderen Vorteil.
Die Extraktion einer gewünschten Substanz (von Teilchen) kann in kontinuierlicher
Art durchgeführt werden. Ebenfalls beschrieben wird eine Vorrichtung zur Verwendung
in dem Verfahren. Die Probenströme und die Extraktionsströme der vorliegenden Erfindung
können kontinuierlich durch die Vorrichtung laufen. Die Affinitätschromatographie
des Standes der Technik involviert mehrere Schritte, z. B. Aufladen des Liganden
auf das inerte Material, Spülen der Säule, Aufbringen der Probe, Spülen, dann erneut
Spülen, um die gewünschte Substanz freizusetzen, wobei üblicherweise bei jedem Schritt
ein Produktverlust auftritt. In dem Verfahren der vorliegenden Erfindung kann z.
B. ein Virus aus Vollblut extrahiert werden, indem 1) ein Extraktionsstrom, der
einen Antikörper für das Virus, das an Perlen immobilisiert ist, umfasst, und ein
Probenstrom des Vollbluts in die Vorrichtung eingeleitet werden und 2) und nach
Übertragung der Virusteilchen in den Extraktionsstrom, diese durch Änderung des
pHs der Lösung freigesetzt werden. Die Perlen können z. B. so gewählt werden, dass
sie zum Boden des Kanals fallen oder sie können magnetisch sein und daher mit einem
Magneten auf eine Seite des Kanals gezogen werden.
Das Sequestriermaterial kann im Extraktionsstrom vorliegen, bevor
der Extraktionsstrom in den Extraktionskanal eingeführt wird. Alternativ kann das
Sequestriermaterial dem Extraktionsstrom zugesetzt werden, indem das Sequestriermaterial
in einer Flüssigkeit suspendiert oder gelöst wird, die in dem Extraktionsstrom,
der bereits im Extraktionskanal ist, über den Extraktionsstromeinlass eingeleitet
wird.
Das Extraktionssystem der vorliegenden Erfindung wird im einfachsten
Konzept durch eine Diffusionsextraktionsvorrichtung dargestellt, die Mikrokanäle
in Form eines "H" umfasst. Ein Gemisch aus Teilchen, die im Probenstrom suspendiert
sind, tritt in den Extraktionskanal (der Querbalken des "H") aus einem der Arme,
z. B. dem oberen linken, ein und ein Extraktionsstrom (ein Verdünnungsstrom) tritt
am Boden links ein. Die zwei Ströme fließen im Extraktionskanal zusammen; aufgrund
der kleinen Größe der Kanäle ist die Strömung laminar, und die Ströme vermischen
sich nicht. Der Probenstrom tritt als Nebenproduktstrom am oberen rechten Ende aus
und der Extraktionsstrom tritt als Produktstrom aus dem unteren rechten Ende aus.
Während die Ströme sich in angrenzender laminarer Strömung im Extraktionskanal befinden,
haben Teilchen mit einem größeren Diffusionskoeffizienten (kleinere Teilchen, z.
B. Albumin, Zucker und kleine Ionen) Zeit, in den Extraktionsstrom zu diffundieren,
während die größeren Teilchen (z. B. Blutzellen) im Probenstrom zurückbleiben. Teilchen
im austretenden Extraktionsstrom (jetzt als Produktstrom bezeichnet) können ohne
Störung durch größere Teilchen analysiert werden.
In der vorliegenden Patentanmeldung wird die Strömungsrichtung eines
Kanals seine Länge (L) genannt. Die Kanalabmessung in Richtung des Teilchentransportes
im rechten Winkel zu der Länge (L) wird als seine Tiefe (d) bezeichnet.
Die dritte Kanalabmessung im rechten Winkel sowohl zu der Länge als auch zu der
Tiefe wird als seine Breite (w) bezeichnet. Die Tiefe (d) ist daher senkrecht zu
der Ebene der Grenzfläche der Proben- und Extraktionsströme. Tabelle 1 listet andere
Abkürzungen, die her verwendet werden, auf.
Tabelle 1
VVolumenVSSProbenstrom-Fließgeschwindigkeit (m3/s)VesExtraktionsstrom-Fließgeschwindigkeit (m3/s)VpsProduktstrom-Fließgeschwindigkeit (m3/s)VbpsNebenproduktstrom-Fließgeschwindigkeit (m3/s)VindIndikatorfarbstoffstrom-Fließgeschwindigkeit (m3/s)VdsDetektionsstrom-Fließgeschwindigkeit (m3/s)Ci,ssKonzentration des Probenstrombestandteils i (kg/kg)Ci,esKonzentration des Extraktionsstrombestandteils i (kg/kg)Ci,bpsKonzentration des Nebenproduktstrombestandteils i (kg/kg)Ci,psKonzentration des Produktstrombestandteils i (kg/kg)Cdye,indIndikatorstromfarbstoffkonzentration (kg/kg)Ci,dsKonzentration des Detektorstrombestandteils i (kg/kg)dExtraktionskanaltiefe in Diffusionsrichtung (m)wExtraktionskanalbreite (m)LExtraktionskanallänge (m)a%prozentuale Abweichung von der GleichgewichtskonzentrationLa%Vorrichtungslänge, die zur Erreichung an a% erforderlich
ist (m)ZsGrenzflächenstromlinienlage zwischen Proben- und Extraktionsströmen
am Extraktionskanaleingang (m)
ZpGrenzflächenstromlinienlage zwischen den Nebenprodukt- und Produktströmen
(m)Pabsoluter Druck im Fluidstrom (Pa)&Dgr;pDifferenzialdruck zwischen dem Eingang und Ausgang des Extraktionskanals
(Pa)Dibinärer Diffusionskoeffizient des Bestandteils i (m2/s)&mgr;Fluidviskosität (Pa·s)&rgr;Fluiddichte (kg/m2)&xgr;Gleichgewichts-normalisierte Bestandteilskonzentration für einen
Extraktionskanal unbestimmter Länge (dimensionslos)&tgr;normalisierte Bestandteilskonzentration (dimensionslos)&khgr;Kanallängenkoordinatenrichtung (Strömungsrichtung)yKanalbreitenkoordinatenrichtungZDiffusionsrichtungskoordinatex, znicht-dimensionale normalisierte Variable (dimensionslos)w/dDimensionsverhältnisReReynolds-ZahlTTemperaturu_AxialgeschwindigkeitVDurchschnittsgeschwindigkeit
Die Länge des Extraktionskanals und die Extraktionskanalfließgeschwindigkeit
sind Schlüsselparameter, die die Zeitmenge bestimmen, die die Teilchen haben, um
in den Extraktionsstrom zu diffundieren. Das Sequestriermaterial sorgt für eine
verstärkte Diffusion der gewünschten Teilchen, indem die effektive Konzentration
der gewünschten Teilchen im Extraktionsstrom verringert wird. Das heißt, das Sequestriermaterial
bewirkt eine Verschiebung im Gleichgewicht (in positiver Richtung) der Diffusion
der gewünschten Teilchen in den Extraktionsstrom.
Im oben beschriebenen Fall werden die Teilchen unterschiedlich vom
Probenstrom zum Extraktionsstrom transportiert, wobei eine Diffusion als Transportmechanismus
verwendet wird. Andere Mittel zur Durchführung eines differenziellen Transports
der gewünschten Teilchen können ebenso eingesetzt werden. Der Ausdruck "differenzieller
Transport" bedeutet, dass ein Teil der gewünschten Teilchen aus dem Probenstrom
in den Extraktionsstrom unter substanziellem Ausschluss der unerwünschten Teilchen
transportiert werden. Beispielsweise können magnetische, elektrische oder andere
Kräfte quer zum Extraktionsstrom, Temperaturgradienten angewendet werden oder es
können absorbierende oder desorbierende Materialien, z. B. Antikörper, zu dem Extraktionsstrom
gegeben werden, um die gewünschten Teilchen einzufangen.
Der Probenstromeinlass und der Extraktionsstromeinlass und der Nebenproduktstromauslass
und der Produktstromauslass können Kanäle, Speicherbehälter, Öffnungen oder andere
Behälter umfassen. Der Probenstromeinlass ist so konzipiert, dass er einen Probenstrom
aufnimmt, der "gewünschte Teilchen" enthält, z. B. Teilchen, die extrahiert werden
sollen, dass ihr Vorliegen detektiert werden kann. Der Probenstrom umfasst auch
andere Teilchen, die nicht extrahiert werden, die hierin als "unerwünschte Teilchen"
bezeichnet werden. Diese unerwünschten Teilchen umfassen Teilchen, die die Detektion
der gewünschten Teilchen stören könnten. In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst
der Probenstrom Vollblut. Die gewünschten Teilchen können Albumin oder andere Blutplasmakomponenten
sein und die unerwünschten Teilchen können Blutzellen sein. Die Vorrichtung ist
speziell zum Erhalt zellfreier Plasmakomponenten aus Vollblut einsetzbar. Andere
Fluide, für die die vorliegende Erfindung einsetzbar ist, umfassen Lösungen oder
Suspensionen von DNA-Fragmenten unterschiedlicher Längen, Proteine variierender
Größen oder heterogene chemische Reaktionsgemische. Probenströme, die in der Praxis
der vorliegenden Erfindung verwendbar sind, umfassen Fermentationsbrühen, Rohabwasser,
verflüssigte Lebensmittelsproben, Schmutzproben und biologische Fluide, z. B. Sputum,
Urin und Rückenmarksflüssigkeit.
Der Ausdruck "Teilchen" bezieht sich auf Moleküle; Zellen; Makromoleküle,
z. B. Proteine, Nucleinsäure und komplexe Kohlenhydrate; kleine Moleküle, die aus
einem bis mehreren Atomen bestehen; und Ionen. Die Teilchen können im Strom suspendiert
oder gelöst sein. Der Ausdruck "Strom" bezieht sich auf ein Trägerfluid wie z. B.
Wasser oder andere Flüssigkeit, Luft oder anderes Gas, das gewünschte und/oder unerwünschte
Teilchen enthält. Der Ausdruck "Teilchen", wie er hier verwendet wird, umfasst keine
Moleküle des Trägerstroms.
Der Ausdruck "Extraktion" bezieht sich auf den Transfer mindestens
eines Teils, d. h. eines detektierbaren Teils, gewünschter Teilchen aus dem Probenstrom
in den Extraktionsstrom, zum substanziellen Ausschluss unerwünschter Teilchen. Es
wird erkannt, dass unerwünschte Teilchen in den Extraktionsstrom transportiert werden
können, insbesondere solche, die schneller als die gewünschten Teilchen diffundieren;
allerdings wird das Vorliegen solcher unerwünschter Teilchen minimiert werden, so
dass die Detektion oder anschließende Verarbeitung der Ströme, die die gewünschten
Teilchen enthalten, nicht stören. Die Übertragung unerwünschter Teilchen aus dem
Probenstrom in den Extraktionsstrom kann minimiert werden, indem der Extraktionsstrom
mit solchen unerwünschten Teilchen vorbeladen wird. Eine Vorbeladung des Extraktionsstrom
mit unerwünschten Teilchen kann in Ausführungen vorteilhaft sein, in denen der Nebenproduktstrom
von Interesse ist, z. B. zur weiteren Verwendung oder Analyse. Wenn z. B. Blut in
den Körper des Patienten zurückgeführt werden soll, enthält der Extraktionsstrom
vorzugsweise die geeigneten Konzentrationen an Elektrolyten, was dem Fachmann klar
sein wird. Das Sequestriermaterial erhöht die Effizienz der Abtrennung der gewünschten
Teilchen aus der Probe, indem die effektive Konzentration der gewünschten Teilchen
im Extraktionsstrom verringert wird.
Der Ausdruck "Extraktionseffizienz" bezieht sich auf den Prozentanteil
an gewünschten Teilchen in der Probe, die zum Extraktionsstrom extrahiert werden
und in den Produktstrom austreten. Die Extraktionseffizienz kann durch Verwendung
eines Sequestriermaterials erhöht werden.
Der Ausdruck "laminare Strömung" von zwei Strömen bedeutet einen stabilen,
nebeneinander verlaufenden, nicht zirkulierenden Fluss aus zwei Strömen ohne Vermischen.
Es gibt keine Rezirkulationszonen und die Turbulenz ist vernachlässigbar. Wie es
im Stand der Technik bekannt ist, ist die Reynolds-Zahl eines Stroms das Verhältnis
von Trägheitskräften zu innerer Reibung. Zum Fließen durch eine Leitung wird die
Reynolds-Zahl unter Verwendung der Gleichung Re = &rgr;d(V/&mgr;) berechnet,
worin Re die Reynold's Zahl ist, &rgr; die Massedichte des Fluids, d eine typische
Querschnittsabmessung der Leitung, die von der Gestalt der Leitung abhängt,
ist, V die Durchschnittsgeschwindigkeit über den Leitungsquerschnitt ist
und &mgr; die Viskosität ist.
Wenn die Reynolds Zahl reduziert ist, hängt das Strömungsmuster stärker
von Reibungseffekten und weniger von Trägheitseffekten ab. Unter einer bestimmten
Reynolds Zahl (basierend auf der Lumengröße für ein Kanalsystem mit Biegungen und
Lumengrößenänderungen) sind die Trägheitseffekte nicht ausreichend, um Phänomene
zu verursachen, die für ihr signifikantes Vorliegen indikativ sind, z. B. laminare
Rezirkulationszonen und turbulente Strömung. Daher tritt in den hier diskutierten
Extraktionsvorrichtungen eine nicht turbulente, laminare, nicht rezirkulierende
Strömung auf. In solchen Vorrichtungen erfolgt ein minimales dispergierendes Vermischen
als Resultat der Geschwindigkeitsprofile des viskosen Fließens, die innerhalb eines
laminiaren viskosen Flusses vorliegen. Dies ermöglicht es, dass zwei laminare, nicht
rezirkulierende Fluidströme einen Extraktionskanal nach unten strömen, und zwar
mit dem Zweck einer Extraktion gewünschter Teilchen aus einem Strom in den anderen.
Die Ströme können am Ende der Leitung an einer willkürlichen Stelle
durch genaue Regulierung der Austrittsströmungsgeschwindigkeit der Auslassöffnungen
getrennt werden; dies ist bei höheren Reynolds Zahlen nicht möglich, da die nicht
zirkulierenden und nicht turbulenten Kriterien nicht zufriedenstellend sind.
Der Extraktionsstromeinlass ist zum Aufnehmen eines Extraktionsstroms
im laminaren Strömungskontakt mit dem Probenstrom konzipiert. Der Extraktionsstrom
kann irgendein Fluid sein, das geeignet ist, Teilchen aufzunehmen, die aus dem Probenstrom
transportiert werden. Der Extraktionsstrom enthält Sequestriermaterial, das gewünschte
Teilchen, die vom Probenstrom zum Extraktionsstrom transportiert wurden, bindet.
Bevorzugte Extraktionsströme sind Wasser und isotonische Lösungen, z. B. physiologische
Kochsalzlösung. Andere einsetzbare Extraktionsströme umfassen organische Lösungsmittel,
z. B. Aceton, Isopropylalkohol, superkritisches Kohlendioxid oder Ethanol. Luft
und andere Gase können ebenfalls als Proben- und Extraktionsstromträger verwendet
werden.
Der Nebenproduktstrom umfasst mindestens einen Teil des Probenstroms,
aus dem gewünschte Teilchen extrahiert wurden, und kann eine Fraktion des Extraktionsstroms,
in welchen gewünschte Teilchen aus dem Probenstrom geschickt wurden, umfassen oder
nicht. Das Sequestriermaterial bewirkt eine größere Extraktion der gewünschten Teilchen
aus der Probe, wodurch ein reinerer Nebenproduktstrom erhalten wird. Wenn ein Überschuss
an Sequestriermaterial verwendet wird und dieses eine hohe Bindungskonstante für
die gewünschten Teilchen hat, dann können im wesentlichen alle gewünschten Teilchen
im Probenstrom bei einmaliger Behandlung der Probe aus dem Probenstrom extrahiert
werden, was von der Fließgeschwindigkeit und der Extraktionskanallänge abhängt.
Ohne das Sequestriermaterial und unter der Annahme gleicher Fließgeschwindigkeiten
für Proben- und Extraktionsfluide ist die Gleichgewichtskonzentration der gewünschten
Teilchen im Extraktionsstrom 50%. Das heißt, es diffundieren höchstens nur 50% der
gewünschten Teilchen in den Extraktionsstrom. Ohne das Sequestriermaterial muss
die Probe daher mindestens fünfmal behandelt werden, um 97% der gewünschten Teilchen
aus der Probe zu entfernen.
Der Nebenproduktstromauslass ist so konzipiert, dass er den Nebenproduktstrom
(bestehend aus dem Probenstrom und vielleicht einem Teil des Extraktionsstroms),
der aus dem Extraktionskanal entfernt wird, zur weiteren Verarbeitung zu einer Entsorgungs-,
Recycling- oder anderen Systemkomponente führt.
Der Produktstrom umfasst mindestens einen Teil von gewünschten Teilchen
und Sequestriermaterial. Der Produktstromauslass, der, wie oben angegeben, einen
Produktstromkanal umfassen kann, ist so konzipiert, dass er den Produktstrom, der
eine detektierbare Menge gewünschter Teilchen enthält, zu einem Detektions- oder
weiteren Verarbeitungsbereich oder zu einer Systemkomponente führt. Es muss eine
ausreichende Menge des Extraktionsstroms im Produktstrom vorliegen, die eine ausreichende
Menge erwünschter Teilchen umfasst, so dass Vorliegen der gewünschten Teilchen im
Produktstrom durch Mittel, die auf dem Fachgebiet bekannt sind, detektierbar ist.
Der Produktstrom kann zu einer Reservoirkammer oder einer anderen
Vorrichtung geführt werden, wo er weiter behandelt werden kann, z. B. durch Abtrennen
des Sequestriermaterials von den gewünschten Teilchen, Mischen, Trennen, Analysieren,
Erwärmen oder durch eine andere Verarbeitung, z. B. wie sie bei Wilding P. et al.,
US-Patent 5,304,487, erteilt am 19. April 1994, offenbart ist. Der Nebenproduktstrom
kann auch zu einer Reservoirkammer oder einem anderen Behälter oder eine Apparatur
zur weiteren Behandlung geführt werden.
Die Vorrichtungen zur Verwendung in der vorliegenden Erfindung können
"als Strukturen im Mikrometerbereich" hergestellt sein; wobei sich dieser Ausdruck
auf Vorrichtungen bezieht, die geeignet sind, auf Siliziumwafern
hergestellt zu werden, die denen, die auf dem Gebiet der Siliziummikrobearbeitung
tätig sind, verfügbar sind und die Zeichengrößen und Zeichengeometrien haben, die
durch Verfahren wie LIGA, thermoplastische Mikromusterübertragung, Mikrogießen auf
Harzbasis, Mikroformen in Kapillaren (MIMIC), nasses isotropes und anisotropes Ätzen,
Laser-unterstütztes chemisches Ätzen (LACE) und reaktives Ionenätzen (RIE) oder
andere Techniken, die auf dem Gebiet der Herstellung von Strukturen im Mikrometerbereich
bekannt sind, reproduzierbar sind. Im Fall einer Siliziumverarbeitung bei der Herstellung
von Strukturen im Mikrometerbereich werden größere Wafer eine Vielzahl der Vorrichtungen
der vorliegenden Erfindung in einer Vielzahl von Konfigurationen unterbringen. Einige
wenige Standardwafergrößen sind 7,5 cm, 10 cm, 15 cm und 20 cm.
In einer bevorzugten Ausführungsform, die hier die "H-Filter-Vorrichtung"
genannt wird, sind die Einlass- und Auslasskanäle zwischen dem etwa 2- bis 3-Fachen
des Maximums des teilchenförmigen Durchmessers und etwa 100 &mgr;m in der Breite
und zwischen etwa dem 2- bis 3-Fachen des Durchmessers der größten Teilchen und
kleiner als etwa 100 &mgr;m in der Tiefe; der Extraktionskanal hat eine Breite von
etwa zwischen dem 2- bis 3-Fachen des Durchmessers der größten Teilchen und etwa
2/3 der Waferdicke, eine Tiefe von zwischen dem etwa 2- bis 3-fachen des Durchmesser
der größten Teilchen und weniger als etwa 100 &mgr;m, und eine Länge zwischen dem
etwa 4- bis 10-Fachen des Durchmessers der größten Teilchen und weniger oder gleich
5 mm.
In einer zweiten Ausführungsform, in der die Teilchentransportrichtung
um 90° von der des "H-Filter-Vorrichtungs"-Konzepts gedreht ist, die die sogenannte
"Flachextraktionsvorrichtung" oder "Flachfiltervorrichtung" genannt wird, haben
die Einlasskanäle am Eintritt in den Extraktionskanal eine Breite, die gleich der
Extraktionskanalbreite ist und vorzugsweise zwischen 2 und 3 Partikeldurchmesser
und etwa 500 &mgr;m beträgt; der Extraktionskanal hat vorzugsweise eine Breite zwischen
dem etwa 2- und 3-Fachen des Durchmessers der größten Teilchen und kleiner oder
gleich 5 mm; eine Tiefe zwischen dem etwa 2- und 3-Fachen des Durchmessers der größten
Teilchen und weniger als 100 &mgr;m und eine Länge des mindestens etwa 4-Fachen
des Durchmessers der größten Teilchen.
Der Extraktionskanal nimmt den Einstrom der Proben- und Extraktionsströme
aus dem Proben- und Extraktions-Stromeinlass auf und leitet diese Ströme in angrenzende
laminare Strömung über eine ausreichende Distanz, um eine Extraktion der gewünschten
Teilchen in den Extraktionsstrom zu erlauben. Die Länge des Extraktionskanals kann
erhöht werden, indem dieser zu einer gewundenen Geometrie, z. B. zu Serpentinen
(Satz aus "Haarnadel"-Windungen) geformt wird oder gespult wird, wie die Strömungskanäle
bei Weigl et al., PCT-Anmeldung Nr. PCT/US97/05245, eingereicht am 31. März 1997,
offenbart sind.
Die Breite und die Tiefe des Extraktionsstromkanals und der Produktauslasskanäle
müssen groß genug sein, um den Durchgang der gewünschten Teilchen, des Sequestriermaterials
und eines Komplexes der gewünschten Teilchen mit dem Sequestriermaterial zu erlauben.
Wenn die Breitenabmessung in der Waferdickenrichtung liegt, wie es
bei der Ausführungsform der H-Filter-Vorrichtung der Fall ist, dann sind die Breiten
der Proben-, Extraktions-, Produkt- und Nebenproduktkanäle, -Einlassöffnungen und
-Auslassöffnungen dann für die Ausführungsformen der Siliziumstrukturen im Mikrometerbereich
der Extraktionsvorrichtungen der vorliegenden Erfindung im Mikrobereich geringer
als die Siliziumwaferdicke, d. h. etwa 300 &mgr;m. Wenn alternativ die Vorrichtung
aus anderen Materialien hergestellt ist, vorzugsweise aus formbaren Materialien
wie Kunststoff, oder in der Ausführungsform der "Flachextraktionsvorrichtung", dann
gibt es für die Breite keine theoretische Höchstgrenze. Breiten bis zu 0,5 m, 1
m und sogar noch größer werden ins Auge gefasst. Die Breite hat keine theoretische
Höchstgrenze, vorausgesetzt, man kann die Abgabe von Fluiden (Probenstrom und Extraktionsstrom)
in die Vorrichtung kontrollieren, z. B. kann die Fließgeschwindigkeit jedes Fluids
durch die Breite des Kanals kontrolliert werden. Die Abmessungen des Extraktionskanals
werden so gewählt, dass eine laminare Strömung und eine einheitliche Fließgeschwindigkeit,
z. B. keine Turbulenz oder kein Stau von Teilchen an Kanalwänden, aufrechterhalten
werden.
Wenn die Tiefenabmessung in Waferdickenrichtung ist, wie dies in der
"Flachfilter"-Ausführungsform der Fall ist, dann ist die Tiefe der Proben-, Extraktions-,
Produkt- und Nebenproduktkanäle, -Einlassöffnungen und -Ausgängen für Siliziumstrukturen,
die im Mikrometerbereich hergestellt werden, bei den Extraktionsvorrichtungen der
vorliegenden Erfindung im Mikromaßstabbereich kleiner als die Siliziumwaferdicke,
d. h. etwa 300 &mgr;m. Für Vorrichtungen, die als Strukturen im Mikrometerbereich
hergestellt sind, ist die Tiefe, insbesondere die des Extraktionskanals, weniger
als etwa 200 &mgr;m und bevorzugter weniger als etwa 100 &mgr;m.
Einige Gebiete, von denen auf dem Fachgebiet bekannt ist, dass sie
für einen differenziellen Transport der Teilchen in den Vorrichtungen der vorliegenden
Erfindung verwendet werden können, sind die, die durch Folgendes produziert werden:
– Sedimentation
– elektrisches Potential
– Temperaturgradienten
– Querströmung
– dielektrische Gradienten
– Scherkräfte
– Magnetkräfte
– Konzentrationsgradienten.
Mittel zur Erzeugung solcher Felder sind auf dem Fachgebiet bekannt.
Wegen der geringen Größe der Diffusionsrichtung (Tiefe) der hierin
beschriebenen Kanäle erfolgt der differenzielle Transport gewünschter Teilchen durch
Diffusion oder andere Mittel extrem schnell, z. B. innerhalb weniger als etwa 300
Sekunden, und wenn gewünscht, weniger als etwa 1 Sekunde. Das Vorliegen des Sequestriermaterials
im Extraktionsstrom sorgt für einen verstärkten Transport gewünschter Teilchen,
indem die effektive Konzentration der gewünschten Teile im Extraktionsstrom verringert
wird, die effektive Konzentrationsdifferenz zwischen dem Probenstrom und dem Extraktionsstrom
maximiert wird. Dies maximiert den Nettotransfer entlang der Tiefe (Diffusionsdimension)
des Extraktionskanals, was eine schnelle Trennung gewünschter Teilchen aus der Probe
bereitstellt.
Die Proben- und Extraktionsströme können unterschiedliche Eigenschaften,
z. B. Viskositäten, Dichten, Oberflächenenergien, Homogenitäten, chemische Zusammensetzungen
und dergleichen, haben, die die differenziellen Transportgeschwindigkeiten beeinträchtigen
können. Es kann notwendig sein, Systemparameter einzustellen und zu optimieren,
um diesen verschiedenen Eigenschaften Rechnung zu tragen, was dem Fachmann klar
sein wird und was ohne übermäßiges Experimentieren vom Fachmann durchgeführt werden
kann.
Die Proben- und Extraktionsströme werden im Extraktionskanal für einen
Zeitraum in Kontakt gehalten, welcher ausreicht, um mindestens eine analysierbare
Menge und vorzugsweise einen Hauptteil erwünschter Teilchen in den Extraktionsstrom
zu transportieren. Die Fließgeschwindigkeit des Produktstroms aus der Vorrichtung
kann zwischen etwa 0,001 Picoliter/s und etwa 10 ml/s oder mehr in Vorrichtungen
mit großen Breiten, z. B. größer als etwa 50 &mgr;m, liegen. Beispielsweise kann
eine optimale Fließgeschwindigkeit für den Produktstrom etwa 200 nl/s sein. Wie
es auf dem Fachgebiet bekannt ist, können sogar die sehr geringen Mengen an Analyten,
die in solchen kleinen Produktströmen vorliegen, durch spektroskopische und andere
Mittel detektiert werden.
Die durchschnittliche Fließgeschwindigkeit, V, ist so gewählt,
dass sie der folgenden Beziehung genügt:
worin f ein Zeitfaktor (Proportionalitätskonstante) ist, die sich darauf bezieht,
wie lang die zwei Ströme miteinander in Kontakt sein müssen, damit ein bestimmter
prozentualer Anteil erwünschter Teilchen aus dem Probenstrom in den Extraktionsstrom
transferiert wird.
Die volumetrische Fließgeschwindigkeit (Q) pro Breiteneinheit (w)
ist so limitiert, dass sie kleiner als f(DL)/d: Q = Vwd, Q/w =
Vd
ist.
Für Berechnungszwecke kann es günstig sein, f = 1 zu wählen und die
maximale Fließgeschwindigkeit pro Einheitsbreite, die darauf basiert, zu errechnen.
Für Biotin (mit einem Diffusionskoeffizienten, D = 500 &mgr;m2/s in einem
Kanal mit einer Länge (L) = 1 cm und einer Tiefe (Tiefendiffusion) (d) = 10 &mgr;m,
ist das Maximum der Fließgeschwindigkeit pro Breiteneinheit etwa 500 Picoliter pro
Sekunde pro &mgr;m Breite.
Aus dem Obigen kann die folgende Beziehung abgeleitet werden:
d2/D = 2twas bedeutet, dass ein Molekül in einer Durchschnittszeit von
2t über die Distanz d (die Tiefe des Kanals) diffundieren wird.
Ein "Hauptteil" der gewünschten Teilchen ist mehr als 50% der Teilchen,
die im Probenstrom vorliegen.
Das Sequestriermaterial verstärkt die Effizienz des Extraktionsverfahrens,
ermöglicht eine Extraktion von mehr als 50% (die maximale Extraktion, die mit gleichen
Volumina des Proben- und Extraktionsstroms, aber ohne Sequestriermaterial oder Differenzialtransportkräfte,
z. B. magnetische und elektrische Felder, erreicht wird). Vorzugsweise ermöglicht
das Sequestriermaterial eine Extraktion von mehr als etwa 50% bis etwa 80% der gewünschten
Teilchen. Bevorzugter erlaubt das Sequestriermaterial eine Extraktion von etwa 75%
bis etwa 95% der gewünschten Teilchen. Am vorteilhaftesten erlaubt das Sequestriermaterial
eine Extraktion von etwa 85% bis etwa 100% der gewünschten Teilchen.
Eine erfolgreiche Durchführung der hierin beschriebenen Erfindung
erfordert eine genaue Kontrolle der Volumenfließgeschwindigkeiten bei drei der vier
Kanäle der Vorrichtung (d. h. Proben-, Extraktions-, Produkt- und Nebenproduktströme).
Der vierte Kanal muss nicht und sollte nicht reguliert werden, da ein unreguliertes
Verlassen dieses Kanals es möglich macht, dass die Vorrichtung auf nicht vorhersagbare
Änderungen des Volumens der Probe infolge des &Dgr;V-Wertes des Mischens der Proben-
und Extraktionsströme reagieren kann. Mittel zur Erreichung genau regulierter Fließgeschwindigkeiten
sind auf dem Fachgebiet bekannt.
Um die Kontrolle der Größe von Teilchen, die in einem Extraktionssystem
der vorliegenden Erfindung auf Diffusionsbasis zum Produktstrom transportiert werden,
zu unterstützen und das Auftreten größerer Teilchen im Produktstrom zu reduzieren,
kann im Extraktionskanal eine Fluidbarriere bzw. -sperre geschaffen sein. Eine derartige
Fluidbarriere liegt vor, wenn der Extraktionsstrom in genügendem Volumen vorliegt,
um zu bewirken, dass ein Teil des Extraktionsstrom durch den Nebenproduktausgang
mit austretendem Nebenproduktstrom fließt, wie es in 3
dargestellt ist. Kleinere Teilchen, die in den Extraktionsstrom diffundieren, müssen
die Breite dieser Fluidbarriere durchqueren, bevor sie mit dem Produktstrom austreten
können. Solche Fluidbarrieren, die bei einem größeren Maßstab ausgebildet sind,
werden bei Williams P. S. et al. (1992) "continuous SPLITT Fractionation Based on
a Diffusion Mechanism", Ind. Eng. Chem. Res. 2172–2181, diskutiert.
Durch Kontrolle der Fließgeschwindigkeit des Proben- und Extraktionsstroms
kann das Volumenverhältnis von jedem, der in den Extraktionskanal eintritt, kontrolliert
werden. Das Volumenverhältnis des Probenstroms und des Extraktionsstroms kann auch
durch die Geometrie der Auslass- und Einlass-Kanäle für einen festgesetzten Abgabedruck
auf die Proben- und Extraktionsströme eingestellt werden. Die Volumenfließgeschwindigkeit
des Produkt- und Nebenproduktstroms kann auch kontrolliert werden, indem die Produkt-
und Nebenproduktstromdrücke manipuliert werden oder indem willkürliche Durchlass-(Einlass)-Drücke
verwendet werden und der Strömungswiderstand der Einlassöffnungen verändert wird.
Wie auch immer der Kontrollmodus ist, die Einlass- und Auslasskanäle müssen den
Kriterien für die Mindestkanalabmessungen, die auf der Größe des zu bearbeitenden
teilchenförmigen Materials basieren, wie es hierin beschrieben ist, genügen. Wenn
das Volumen des Extraktionsstroms, der in den Extraktionskanal eintritt, größer
ist als das Volumen des Probestroms und die zwei Ausgangsströme identisch sind,
wird eine Fluidbarriere gebildet. Wenn die Volumenfließgeschwindigkeit des Produktstroms
zu klein ist, um den gesamten Volumenstrom des Extraktionsstroms unterzubringen,
dann wird ebenfalls eine Fluidbarriere ausgebildet.
Extraktionsvorrichtungen der vorliegenden Erfindung können Mittel
zur Kontrolle des Extraktionsstromvolumens im Extraktionskanal bezüglich des Volumens
des Probenstroms umfassen, wobei diese Mittel einen Produktstromauslass umfassen,
der kleiner ist als er erforderlich ist, um den gesamten Extraktionsstrom austreten
zu lassen, wobei es mit einem Nebenproduktstromauslass verbunden ist, der groß genug
ist, um den überschüssigen Extraktionsstrom zu behandeln. Extraktionsvorrichtungen
der vorliegenden Erfindung können mehrere Produktstromauslassöffnungen umfassen,
so dass Produktströme, die unterschiedliche Typen erwünschter Teilchen umfassen,
isoliert werden können.
Die Vorrichtungen der vorliegenden Erfindung können als Probenvorbehandlungssystem
für ein analytisches System verwendet werden, welches Sensormittel zur Detektion
gewünschter Teilchen im Produktstrom umfasst. Solche Mittel umfassen Mittel zum
Mischen des Produktstroms mit einem Indikatorstrom, der mit den gewünschten Teilchen
Wechsel wirkt, so dass sie durch Sensormittel, die auf dem Fachgebiet bekannt sind,
detektiert werden können; solche Sensormittel umfassen z. B. optische Mittel, wie
beispielsweise ein optisches spektroskopisches Gerät, und andere Mittel, z. B. eine
Absorptions-spektroskopische Vorrichtung oder Mittel zum Detektieren von Fluoreszenz,
chemische Indikatoren, die die Farbe oder andere Eigenschaften ändern, wenn sie
den gewünschten Analytenteilchen ausgesetzt werden, immunologische Mittel, elektrische
Mittel, z. B. in die Vorrichtung eingesetzte Elektroden, elektrochemische
Mittel oder eine mikroanalytische Technik, die auf dem Fachgebiet bekannt ist, einschließlich
eines magnetischen Resonanzgerätes oder anderer Mittel, die auf dem Gebiet bekannt
sind, um das Vorliegen von Analytenteilchen, wie Ionen, Molekülen, wie Polymeren,
Viren, DNA-Sequenzen, Antigenen, Mikroorganismen oder andere Faktoren, zu detektieren.
Vorzugsweise werden optische oder fluoreszierende Mittel verwendet; und es werden
Antikörper, DNA-Sequenzen und dergleichen an fluoreszierende Marker gebunden. Indikatoren
und im Mikromaßstab hergestellte Mischmittel wie auch Detektions- und Sensormittel
sind in der US-Patentanmeldung Serial-Nr. 08/625,808 beschrieben.
In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist die differenzielle
Extraktionsvorrichtung, die oben beschrieben wird, in ein analytisches System integriert,
das Mittel zur weiteren Verarbeitung des Produkt- und/oder Nebenproduktstroms umfasst,
z. B. Mischvorrichtungen auf Diffusionsbasis, zum Vermischen des Produktstroms mit
einer Indikatorsubstanz (z. B. wie in der US-Patentanmeldung Serial-Nr. 08/625,808
beschrieben) und Detektionskammern, in denen das Vorliegen gewünschter Analytenteilchen
detektiert werden kann. Diese zusätzlichen Bearbeitungsmittel werden vorzugsweise
mit der Differenzialextraktionsvorrichtung in einen "Lab-on-a-Chip", der auf einem
Standard-Siliziumwafer hergestellt wurde, eingearbeitet. Das System kann Quantifizierungsmittel
zur Bestimmung der Konzentration der Analytenteilchen (gewünschter oder unerwünschter
Teilchen) im Produkt- und/oder Nebenproduktstrom und/oder zur Bestimmung der Konzentration
der Analytenteilchen im Probenstrom umfassen. Solche Mittel umfassen eine spektroskopische
Ausrüstung, ein potentiometrisches, amperometrisches und dielektrisches Relaxationsgerät.
Konzentrationsbestimmungen können durch Berechnung oder Kalibrierung durch Mittel,
die auf dem Fachgebiet bekannt sind und hier beschrieben werden, durchgeführt werden.
In einer anderen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung, die zur
Reinigung von Fluiden eingesetzt wird, z. B. zur Abwasserbehandlung, Hämodialyse,
Blutentgiftung, können große Volumina, z. B. etwa 10 ml/s Probenstrom, behandelt
werden. In dieser Ausführungsform ist die Breite des Extraktionskanals vorzugsweise
groß, z. B. bis zu 1 m, obgleich es, wie es oben diskutiert wurde, kein festgelegtes
theoretisches Maximum für die Kanalbreite gibt. Zur Behandlung großer Fluidvolumina
können erfindungsgemäße Vorrichtungen, einschließlich Vorrichtungen, die im Mikromaßstab
hergestellt sind, parallel und gegebenenfalls auch in Reihe verbunden werden.
Es kann vorteilhaft sein, die Vorrichtung vorzubehandeln, d. h. die
Innenwände der Vorrichtung zur Steigerung der Leistungsfähigkeit vorzubeschichten,
wie es in den folgenden Beispielen erläutert wird. Die Wände können mit dem zu verwendenden
Sequestriermaterial beschichtet werden, bevor die Vorrichtung eingesetzt wird, um
eine Trennung der gewünschten Teilchen durchzuführen. Ohne eine Bindung an eine
besondere Theorie eingehen zu wollen, wird angenommen, dass eine Vorbeschichtung
der Wände mit dem Sequestriermaterial ein weiteres Haften von Sequestriermaterial
an den Wänden verhindert, wenn die Probe und das Sequestriermaterial später in die
Vorrichtung eingeführt werden. Alternativ können die Innenwände der Vorrichtung
vorbeschichtet werden, um eine Oberflächenpassivierung mit hydrophilen Beschichtungsmaterialien
durchzuführen, welche im Handel verfügbar sind und Albumine (z. B. Rinderserumalbumin,
Lactalbumin und humanes Serumalbumin) und fachbekannte Silanisierungsreagenzien,
vorzugsweise Polyethylenglykolsilane, sind aber nicht auf diese beschränkt.
Der Fachmann auf diesem Gebiet wird erkennen, dass zahlreiche Substitutionen
bezüglich der Komponenten und Schritte, die hierin beschrieben werden, durchgeführt
werden können, und die Erfindung nicht auf spezifische Ausführungsformen, die diskutiert
werden, beschränkt ist.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
1 erläutert eine Mikrokanalkonfiguration,
die die laminare Strömung von zwei Eingangsströmen zeigt, welche eine niedrige Reynolds-Zahl
haben.
2 veranschaulicht eine Mikrokanalkonfiguration,
die die Diffusion kleinerer Teilchen aus einem Probenstrom in einen Extraktionsstrom
zeigt.
3 erläutert eine Mikrokanalkonfiguration,
die die Bildung einer Fluidbarriere zwischen einem Probenstrom und einem Extraktionsstrom
zeigt.
4 ist eine grafische Darstellung der
Einlass- und Auslassgrenzflächenstromlinie im Extraktionskanal, die die Fließgeschwindigkeiten
der Proben-, Extraktions-, Produkt- und Nebenproduktströme zeigt.
5 veranschaulicht eine Extraktionsvorrichtung
ohne Sequestriermaterial.
6 veranschaulicht eine Ausführungsform
(die H-Filter-Ausführungsform) der Extraktionsvorrichtung, die Sequestriermaterial
enthält.
7, die die 7A–7D
umfasst, veranschaulicht eine Diffusion in der Extraktionsvorrichtung der
5 im Verlauf der Zeit.
8, die die 8A–8D
umfasst, veranschaulicht die Diffusion in der Extraktionsvorrichtung der
6 im Verlauf der Zeit.
9 zeigt die Fließrichtung bzw. Strömungsrichtung
(L) und die Diffusions/Transportrichtung (Tiefe) der Vorrichtung.
10 zeigt eine Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung, in der eine Vielzahl der Extraktionsvorrichtungen parallel geschaltet
sind.
11 zeigt eine Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung, in der eine Vielzahl von Extraktionsvorrichtungen in Reihe geschlossen
sind.
12 zeigt eine perspektivische Darstellung
einer als Mikrostruktur hergestellten flachen Diffusionsextraktionsvorrichtung,
bei der die Diffusionsrichtung bezüglich des "H"-Designs, das in den 1
bis 3, 5
und 6 dargestellt ist, um 90° gedreht
ist.
13 zeigt eine Draufsicht des als Mikrostruktur
hergestellten flachen Diffusionsextraktionssystems von 12.
14 ist ein Diagramm, das die Harnstofffraktion,
die nach Behandlung zurückbleibt, gegen die Zeit als Funktion verschiedener Anzahlen
flacher Filter, die parallel miteinander verbunden sind.
15 ist ein Diagramm, das die Harnstofffraktion,
die nach Behandlung zurückbleibt, gegen die Zeit als Funktion des Blutvolumens in
Liter zeigt.
16 ist ein Diagramm, das die Harnstofffraktion,
die nach Behandlung zurückbleibt, gegen die Zeit als Funktion der Extraktionseffizienz
zeigt.
Detaillierte Beschreibung der bevorzugten Ausführungsformen
Eine Diffusion kleiner Moleküle erfolgt schnell für typische als Mikrostruktur
hergestellte Dimensionen. Die Beziehung zwischen der Größe eines Teilchens, r, dem
Diffusionskoeffizienten, D, und der Temperatur, T, wurde von Einstein entdeckt,
und im einfachsten Fall sphärischer Teilchen kann diese wie folgt geschrieben werden:
Die charakteristische Entfernung l, die ein Teilchen mit einem Diffusionskoeffizienten
D in der Zeit t diffundieren wird, ist:
l = √Dt.
Tabelle 2 gibt einige typische Diffusionskoeffizienten und charakteristische
Zeiten an.
Tabelle 2
Einige typische Werte für Teilchen und Moleküle unterschiedlicher Größe. Die charakteristische
Zeit, um 10 &mgr;m zu diffundieren, ist angegeben
Wie in 1 gezeigt ist, sind in Mikrokanälen
ausreichend kleine Abmessungen Trägheitseffekte vernachlässigbar, so dass ein Probenstrom
2, der in den Probenstromeinlass 1 eintritt, aus einem Probenstromkanal
3 in einen Extraktionskanal 7 fließen kann, ohne sich mit einem
Extraktionsstrom 4, der an einem Extraktionsstromeinlass 5 eintritt
und aus einem Extraktionsstromeinlasskanal 6 in den Extraktionskanal
7 fließt, zu vermischen. Die zwei Ströme im Extraktionskanal
7 bilden einen laminaren Probenstrom 8 und einen laminaren Extraktionsstrom
9.
In 2 zeigen die Pfeile an der oberen
linken Seite die Fließrichtung im Probenstromkanal 3 des Probenstroms
2 an, der in den Probenstromeinlass 1 eintritt; und die Pfeile
links unten zeigen die Fließrichtung in den Extraktionsstromeinlasskanal
6 des Extraktionsstroms 4 an, der in den Extraktionsstromeinlass
5 eintritt. Probenstrom 2 enthält größere ("unerwünschte") Teilchen
17 und kleinere ("erwünschte") Teilchen 18 (durch Schraffierung
gezeigt). Der Probenstrom 2 und der Extraktionsstrom 4 kommen
in laminerer Strömung im Extraktionskanal 7 zusammen, um einen laminaren
Probenstrom 8 und einen laminaren Extraktionsstrom 9 zu bilden
und die kleineren erwünschten Teilchen 18 beginnen aus dem laminaren Probenstrom
8 in den laminaren Extraktionsstrom 9 zu diffundieren, wobei sie
den laminaren Produktstrom 16 bilden, der kleinere erwünschte Partikel
18 diffundiert enthält. Der laminare Probenstrom 8 folgt in den
Nebenproduktauslasskanal 10 unter Bildung eines Nebenproduktstroms
12 und verlässt den Kanal durch den Nebenproduktauslass 15.
Der laminare Extraktionsstrom 9 nimmt kleinere erwünschte
Teilchen 18 auf, die aus dem laminaren Probenstrom 8 diffundiert
sind, und wird der laminare Produktstrom 16, der im Produktauslasskanal
11 Produktstrom 13 wird und den Kanal durch den Produktauslass
14 verlässt.
In 3 zeigt die Richtung des Pfeils oben
links die Fließrichtung im Probenstromkanal 3 des Probenstroms
2 an, der durch den Probenstromeinlass 1 eintritt. Die Richtung
des Pfeils oben links zeigt die Fließrichtung im Extraktionsstromeinlasskanal
6 des Extraktionsstroms 4 an, der durch den Extraktionsstromeinlass
5 eintritt. Der Extraktionsstrom 4 wird durch Kreuzschraffierung
gekennzeichnet. Der obere Pfeil im Extraktionskanal 7 zeigt die Fließrichtung
des laminaren Probenstroms 8 an und der untere Pfeil im Extraktionskanal
7 zeigt die Fließrichtung des laminaren Extraktionsstroms 9 an.
Wenn das Volumen des Extraktionsstroms 4 größer als die Menge ist, die
durch den Produktauslasskanal 11 und den Produktauslass 14 austreten
kann, tritt ein Teil des laminaren Extraktionsstroms 9 durch den Nebenproduktauslasskanal
10 und den Nebenproduktauslass 15 als überschüssiger Extraktionsstrom
22 aus. Dieser überschüssige Extraktionsstrom 22 befindet sich
in laminarer Strömung im Extraktionskanal 7 und bildet eine Fluidbarriere
20. Kleinere gewünschte Teilchen 18 (in 3
nicht gezeigt; siehe 2) im Probenstrom 2 diffundieren
aus dem laminaren Probenstrom 8 durch die Fluidbarriere 20 in
den laminaren Extraktionsstrom 9, um einen Produktstrom 16 zu
bilden (in 3 nicht gezeigt; siehe 2).
Eine einfache Berechnung zeigt, dass wenige Partikel oder Moleküle
mit kleineren Diffusionskoeffizienten als D = wfb2V/L im austretenden Produktstrom
gefunden werden, worin wfb die Breite der Fluidbarriere ist, V die durchschnittliche
Strömungsgeschwindigkeit des laminaren Probenstroms ist und L die Länge des Extraktionskanals
ist. Teilchen oder Moleküle mit Diffusionskoeffizienten, die größer als D = w2V/L
sind, worin w die Breite der Extraktionskanals ist, werden im austretenden Produktstrom
in derselben Konzentration wie im Nebenproduktstrom vorliegen.
Mittel zum Injizieren von Beschickungsflüssigkeit in die Vorrichtung
werden bereitgestellt, wenn die erfindungsgemäße Vorrichtung als Teil eines analytischen
Systems verwendet wird. Solche Mittel umfassen Standardspritzen (fixierte Volumina
pro Zeiteinheit) und Schläuche (fixierter Druck). Mittel zur Entfernung von Fluid
aus dem Produktausgang können bereitgestellt werden, einschließlich Sammelbehälter
für das Fluid, die eine Strömung durch Kapillaranziehung, Druck, Schwerkraft und
andere fachbekannte Mittel, wie sie oben beschrieben sind, induzieren. Solche Sammelbehälter
können Teil einer analytischen oder anderen Vorrichtung für eine
weitere Verarbeitung des Produktstroms sein.
4 zeigt den Extraktionskanal
7 mit laminarem Extraktionsstrom 9, der sich mit einer Geschwindigkeit
Ves bewegt, und laminarem Probenstrom 8, der sich mit der Geschwindigkeit
Vss bewegt und der eine Stromhöhe (Diffusionsrichtungskoordinate) Zs
hat, die die Grenzflächenstromlinienlage (gestrichelte Linie) zwischen dem laminaren
Probenstrom 8 und dem laminaren Extraktionsstrom 9 in der Nähe
des Eingangs des Extraktionskanals 7 definiert. Die kombinierte Höhe beider
Ströme und somit die Tiefe des Extraktionskanals 7 ist als d gezeigt. Die
gekrümmte Linie zeigt die Form des Geschwindigkeitsprofils an. Wenn sich die Ströme
entlang der Länge des Extraktionskanals 7 bewegen, wird der laminare Probenstrom
8 Nebenproduktstrom 12, der sich mit einer Geschwindigkeit Vbps
bewegt und eine Stromhöhe (Diffusionsrichtungskoordinate) Zp hat, die
die Grenzflächenstromlinienlage (gepunktete Linie) zwischen dem Nebenproduktstrom
12 und dem Produktstrom 13 definiert. Der laminare Extraktionsstrom
9 wird Produktstrom 13, der sich mit einer Geschwindigkeit Vps
bewegt.
Verschiedene Schritte, die üblicherweise im chemischen Assay eines
Fluidgemisches durchgeführt werden, sind: (1) genaue Mischungsverdünnung; (2) Extraktion
eines spezifischen Bestandteils; (3) genaues Mischen von Indikatorreagenzien oder
Testsonden (z. B. fluoreszierend markierte Polymerperlen); und (4) nicht-invasive
Detektion des Indikators oder der Sonde (z. B. Extinktions- oder Fluoreszenz-Spektroskopie).
5 veranschaulicht eine Extraktionsvorrichtung
ohne Sequestriermaterial. Ein Probenstrom 5, der kleinere, gewünschte Partikel
18 und größere, unerwünschte Teilchen 17 enthält, wird über den
Probenstromeinlass 1 eingeführt injiziert. Ein Extraktionsstrom
4, z. B. eine wässrige gepufferte Lösung, wird über den Extraktionsstromeinlass
5 eingeführt/injiziert. Die zwei Ströme fließen in laminarer Art durch
den Extraktionskanal 7, während dieser Zeit diffundieren kleinere Teilchen
18 aus dem Probenstrom durch den Extraktionskanal in den Extraktionsstrom
4, und zwar als Resultat eines Konzentrationsgradienten. Es können auch
andere Gradienten verwendet werden, z. B. magnetische, elektrische und Zentrifugalkraft.
Der Produktstrom 13, der mindestens einige kleinere Teilchen
18 enthält, tritt aus dem Produktauslass 14 aus. Der Nebenproduktstrom
12, der größere Teilchen 17 und kleinere Teilchen 18,
beide aus dem Probenstrom, enthält, tritt durch den Nebenproduktauslass
15 aus. Wenn gleiche Fließgeschwindigkeiten und Volumina des Probenstroms
und Extraktionsstroms verwendet werden und wenn der Extraktionskanal lang genug
ist, damit ein vollständiges Gleichgewicht auftreten kann, dann werden höchstens
50% der kleinen Teilchen im Probenstrom in den Extraktionsstrom diffundiert sein
und den Produktauslass verlassen. Mit Vorrichtungen, die kein Sequestriermaterial
enthalten, kann eine Diffusion von kleinen Teilchen in den Extraktionsstrom erhöht
werden, indem kleinere Mengen (geringere Fließrate) des Probenstroms als des Extraktionsstrom
injiziert werden. Allerdings ist die Zunahme der Diffusion proportional zum Verhältnis
des Extraktionsstromvolumens/Fließgeschwindigkeit der Probe. Daher wird der erhöhten
Effizienz bei der Diffusion als Resultat der Erhöhung des Verhältnisses des Extraktionsstromvolumens/Fließgeschwindigkeit
zu dem der Probe durch die verringerte Probenmenge (oder Fließgeschwindigkeit davon),
die jedes Mal injiziert werden kann, entgegengewirkt.
Ein Konzentrationsprofil der kleineren gewünschten Teilchen
18, die in die Vorrichtung von 5 diffundieren,
ist in 7 dargestellt, wo der Teilchentransport durch
Diffusion erfolgt. Die gekrümmte Linie 23 zeigt die Konzentration gegen
die Position diffundierender Teilchen. Die Zeit schreitet von 7A
zu 7B zu 7C
fort und in der Darstellung 7D ist ein Gleichgewicht
eingetreten. In 7D liegt eine gleiche Konzentration
an kleinen Teilchen in beiden Strömen (links und rechts) vor. Die Konzentration
in jedem Strom (an beiden Seiten, links und rechts) ist 50% der Konzentration im
Ausgangsprobenstrom.
Mit einer Vorrichtung, die kein Sequestriermaterial enthält, würde
der Produktstrom mehrmals durch eine solche Vorrichtung laufen gelassen, um eine
mehr als 50%ige Entfernung von gewünschten Teilchen aus dem Probenstrom zu erreichen.
Beispielsweise würde eine Probe fünfmal durch eine solche Vorrichtung laufen gelassen,
um etwa 97% der gewünschten kleinen Teilchen zu extrahieren, wobei angenommen wird,
dass eine vollständige Equilibrierung bei jedem Lauf erreicht wurde.
Die vorliegende Erfindung stellt eine erhöhte Extraktionseffizienz
bereit, indem im Extraktionskanal ein Sequestriermaterial verwendet wird. Das Sequestriermaterial
verringert die effektive Konzentration des gewünschten Teilchens im Extraktionsstrom,
wodurch eine schnellere und vollständige Diffusion der gewünschten Teilchen in den
Extraktionsstrom erlaubt wird.
6 stellt eine Ausführungsform unter Verwendung
der vorliegenden Erfindung dar. Ein Probenstrom, der kleinere gewünschte Teilchen
18, die durch dunkle, schraffierte Bereich dargestellt sind, und größere
unerwünschte Teilchen 17, die durch weiße Kreise dargestellt sind, enthält,
wird über den Probenstromeinlass 1 eingeführt/injiziert.
Ein Extraktionsstrom 4, der Sequestriermaterial 19 enthält, wird
über den Extraktionsstromeinlass 5 eingeführt/injiziert. Die zwei Ströme
fließen in laminarer Art durch den Extraktionskanal 7, wobei während dieser
Zeit kleinere erwünschte Teilchen 18 (dargestellt durch schraffierte Bereiche)
aus dem Probenstrom quer durch den Extraktionskanal in den Extraktionsstrom
4 diffundieren, und zwar als Resultat eines Konzentrationsgradienten, und
an das Sequestriermaterial binden, einen Komplex 21 aus Sequestriermaterial,
das an gewünschte Teilchen gebunden ist, bilden. Zusätzlich können andere Gradienten
verwendet werden, z. B. magnetische, elektrische und Zentrifugalkraft. Produktstrom
13, der mindestens einige kleinere gewünschte Teilchen 18 enthält,
von denen einige an das Sequestriermaterial gebunden sind, wodurch Komplexe
21 gebildet werden, treten aus dem Produktauslass 14 aus. Nebenproduktstrom
12, der größere Teilchen 17 und möglicherweise einige kleinere
Teilchen 18, beide aus dem Probenstrom, enthält, tritt durch den Nebenproduktauslass
15 aus.
Die Bindungskonstante und die Menge des Sequestriermaterials im Extraktionsstrom
bestimmen die Konzentration an freien gewünschten Teilchen im Extraktionsstrom.
Eine Diffusion von gewünschten Teilchen aus dem Probenstrom ist proportional zum
Konzentrationsgradienten. Ein Sequestriermaterial mit einer hohen Bindungskonstante
für das gewünschte Teilchen liefert eine effektive Konzentration (oder Aktivität),
die im wesentlichen gleich 0 ist, wenn die Bindungsstellen des Sequestriermaterials
im Vergleich zu den gewünschten Teilchen im Überschuss sind. Auf diese Weise diffundieren
die gewünschten Teilchen weiter in den Extraktionsstrom, bis das Sequestriermaterial
gesättigt ist. Nur nach Sättigung des Sequestriermaterials beginnt die freie Konzentration
der gewünschten Teilchen in den zwei Strömen zu equilibrieren. Wenn ein Überschuss
an Bindungsstellen des Sequestriermaterials verwendet wird (verglichen mit der Menge
an gewünschten Teilchen in der Probe), dann werden im wesentlichen alle gewünschten
Teilchen aus der Probe in den Extraktionsstrom extrahiert.
Sowohl die Menge des Sequestriermaterials als auch die Bindungskonstante
des Sequestriermaterials für die gewünschten Teilchen beeinflussen die Effizienz
der Extraktion. Je höher die Bindungskonstante ist, desto effizient wird die Extraktion
sein. In einigen Fällen kann es vorteilhaft sein, dass die Bindung reversibel ist,
z. B. in Fällen, in denen es nach Extraktion der gewünschten Teilchen wünschenswert
ist, diese in Abwesenheit des Sequestriermaterials zu analysieren. Vorzugsweise
ist die Bindungskonstante des Sequestriermaterials mindestens 10–1
M oder 10–2, welches im Bindungsbereich der Bindungskonstanten
für Sequestriermaterial mit nicht-spezifischer Bindung, z. B. Aktivkohle, liegt.
Für Sequestriermaterial, das für einen besonderen Teilchentyp spezifisch ist, können
Bindungskonstanten von etwa 10–6 M bis etwa 10–8
M vorteilhaft sein; viele Antikörper binden Antigene mit Bindungskonstanten in diesem
Bereich. Eine im wesentlichen irreversible Bindung tritt bei Bindungskonstanten
im Bereich von 10–14 M bis 1015 M auf, wobei der letztgenannte
Wert die Bindungskonstante von Biotin an Avidin ist. Der Fachmann auf diesem Gebiet
erkennt, dass selbst eine "irreversible" Bindung umgekehrt werden kann, indem z.
B. die Temperatur, der pH und der Lösungsmitteltyp des Reaktionssystems verändert
werden. Eine derartige Bindungsumkehr (Dissoziation) ist nach Extraktion der gewünschten
Teilchen in Fällen vorteilhaft, in denen man die gewünschten Teilchen in Abwesenheit
des Sequestriermaterials analysieren möchte.
Eine Konzentrationsprofil der kleineren gewünschten Teilchen
18, die in die Vorrichtung der 6 diffundieren,
ist in 8 dargestellt. Die gekrümmte Linie
23 zeigt die Konzentration gegen die Position der diffundierenden Teilchen.
Die Zeit schreitet von 8A nach
8B, nach 8C,
nach 8D fort. In 8A
sind die gewünschten Teilchen 18 im Probenstrom an der rechten Seite der
Vorrichtung, und das Sequestriermaterial 19 ist im Extraktionsstrom an
der linken Seite der Vorrichtung. 8B zeigt, dass einige
der gewünschten Teilchen 18 durch den Kanal diffundiert sind und an das
Sequestriermaterial 19 gebunden haben, wobei Komplex 21 gebildet
wird. 8C zeigt, dass mehrere der gewünschten Teilchen
18 durch den Kanal diffundiert sind und an das Sequestriermaterial
19 gebunden haben, wobei mehrere den Komplex 21 bilden.
8D zeigt, dass mehrere der gewünschten Teilchen
18 durch den Kanal diffundiert sind und an das Sequestriermaterial
19 gebunden haben, wodurch mehrere Komplexe 21 gebildet werden.
Die freie Konzentration an gewünschten Teilchen 18 im Extraktionsstrom
(linke Seite) wird extrem niedrig gehalten, tatsächlich Null in dem Fall, in dem
eine feste Bindung zwischen dem Sequestriermaterial und den gewünschten Teilchen
18 auftritt. Mit einem Überschuss an Sequestriermaterial und einer hohen
Bindungskonstante können im wesentlichen alle gewünschten Teilchen 18 aus
der Proben in den Extraktionsstrom extrahiert werden.
Die Abmessungen der Vorrichtung sind so gewählt, dass die laminare
Strömung im Extraktionskanal aufrechterhalten wird. Wie oben angegeben wurde, wird
in 9 die Strömungsrichtung eines Kanals seine Länge
(L) genannt. Die Länge kann zwischen etwa 1 Zentimeter (cm) und etwa 5 Zentimetern
liegen. Die Kanalabmessung in Richtung des Teilchentransports (Diffusion durch den
Extraktionskanal) im rechten Winkel zur Länge (L) wird seine Tiefe (d) genannt.
Die Tiefe ist vorzugsweise weniger als etwa 100 &mgr;m und bevorzugter
etwa 20 &mgr;m bis etwa 50 &mgr;m. Die dritte Kanalabmessung im rechten Winkel sowohl
zur Länge als auch zur Tiefe wird als seine Breite (w) bezeichnet. In
9 ist die Breiteabmessung nicht gezeigt, da sie orthogonal
zur Ebene des Papiers ist. Die Breite kann bis zu etwa 1 m oder größer sein, einschließlich
Breiten von 500 &mgr;m, 1 mm, 5 cm und 1/2 m. Die Breite ist groß genug, um einen
Durchgang von Teilchen in den Strömen, einschließlich des Sequestriermaterials,
zu erlauben. Eine große Breite ermöglicht, dass große Volumina in der Vorrichtung
verarbeitet werden. Die Breite kann ziemlich groß sein, z. B. 1 m oder größer, so
lange die Diffusionsrichtung (Tiefe) klein genug ist, um eine laminare Strömung
aufrechtzuerhalten, und die Länge lang genug ist, dass eine effektive Diffusion
auftreten kann.
Große Probenvolumina können durch die erfindungsgemäße Vorrichtung
durch eine von mindestens zwei Konfigurationen bearbeitet werden. Die erste, die
oben genannt wurde, besteht in der Verwendung einer großen Breite in der Vorrichtung,
so dass die Vorrichtung ein großes Volumen an Fluid hält. Zweitens, eine Vielzahl
von, d. h. 2 oder mehr, Vorrichtungen können parallel miteinander verbunden sein,
so dass ein Teil der Probe gleichzeitig in jeder Vorrichtung bearbeitet wird.
10 erläutert eine Konfiguration mit mehreren Extraktionsvorrichtungen,
die parallelgeschaltet sind, wobei der Probenstromeinlass 1 jeder Vorrichtung
in Fluidverbindung über einen Proben-Konnektor 27 mit einer Probenverteilerleitung
26 steht und der Extraktionsstromeinlass 5 jeder Vorrichtung in
Fluidverbindung über einen Extraktionskonnektor 26 mit einer Extraktionsverteilerleitung
25 steht. Ein Nebenproduktstrom 27 tritt über die Nebenproduktauslassleitung
28 aus und der Produktstrom tritt über die Produktauslassleitung
29 aus. Alle Nebenproduktauslassleitungen 28 können verbunden
werden und fließen in ein Reservoir. Alle Produktauslassleitungen 29 können
verbunden werden und fließen in eines anderes einzelnes Reservoir. In
10 sind die Vorrichtungen mit einer Breite dargestellt,
die viel größer ist als die Tiefe und die Länge. Diese relativ große Breite ist
optional und kann zusätzlich zu Parallelschaltung verschiedener Vorrichtungen oder
anstelle dieser verwendet werden, um das Probenvolumen, das pro Zeiteinheit verarbeitet
wird, zu erhöhen.
Eine Vielzahl von Vorrichtungen können in Reihe geschaltet werden,
um die Teilchentrennung zu verbessern, d. h. der Produktstrom, der austritt, ist
in Fluidverbindung mit dem Probenstromeinlass einer anderen Vorrichtung, wie dies
in 11 gezeigt ist. In 11
ist jede Extraktionsvorrichtung mit 100 markiert. Der Nebenproduktstrom
12 tritt aus jeder Vorrichtung aus und der Produktstrom 13 wird
für die nächste Vorrichtung in der Reihe der Probenstrom.
12 zeigt eine perspektivische Ansicht
und 13 zeigt eine Draufsicht einer weiteren Ausführungsform
der Erfindung, einer "flachen Extraktionsvorrichtung", in der die Diffusionsrichtung
im Extraktionskanal 7 bezüglich der in den 1
bis 3, 5
und 6 gezeigten Ausführungsformen um 90°
gedreht ist. Diese Ausführungsform liefert den Vorteil, dass das Materialvolumen,
das verarbeitet werden kann, nicht länger durch die Breite des Extraktionskanals
limitiert wird.
Die flache Extraktionsvorrichtung der 12
und 13 wird durch Ätzen eines Siliziumsubstrats
34 unter Bereitstellung einer Probenstromeinlassrille 35, einer
Extraktionsstromeinlassrille 36, einer Produktstromausgangsrille
37 und einer Produktstromausgangsrille 38 wie auch eines Extraktionskanals
7 hergestellt. Eine Glasbedeckung 33 dient dazu, den Extraktionskanal
7 einzuschließen. In 12 zeigen die Pfeile,
die nach unten in den Probenstromeinlass 1 gerichtet sind, die Strömung
des Probenstroms 1 an. Entsprechend zeigen die Pfeile, die in den Extraktionsstromeinlass
5 nach unten gerichtet sind, den Fluss des Extraktionsstroms
4 an. Die Pfeile aus dem Produktauslass 14 zeigen das Fließen
des Produktstroms 16 an und die Pfeile, die aus dem Nebenproduktauslass
15 kommen, zeigen das Fließen des Nebenproduktstroms 12 an. Die
Länge des Extraktionskanals 7 ist als L dargestellt, und die Breite der
Kanäle wird durch den dunklen Pfeil aus w angegeben. Die Tiefe des Extraktionskanals
7 ist als d angegeben. Ein Kupplungsverteiler 32, der in
13 dargestellt ist, mit Öffnungen, die sich in die
Tiefe der Probenstromeinlassrille 35 unter Bildung des Probenstromkanals
3 und des Probenstromeinlasses 1 erstrecken, erstreckt sich in
die Tiefe der Extraktionsstromeinlassrille 36 unter Bildung eines Extraktionsstromkanals
6 und eines Extraktionsstromeinlasses 5, erstreckt sich in die
Tiefe der Produktstromausgangsrille 37 unter Bildung eines Produktauslasskanals
11 und eines Produktauslasses 14 und erstreckt sich in die Tiefe
der Nebenproduktstromausgangsrille 38 unter Bildung eines Nebenproduktauslasskanals
10 und eines Nebenproduktausgangs 15.
In der in 13 gezeigten flachen Extraktionsvorrichtung,
die durch Diffusion (Konzentrationsgradient) arbeitet, tritt ein Probenstrom
2, der durch den Pfeil gezeigt ist, oben links in den Probenstromeinlass
1 ein und fließt im Probenstromkanal 3. Ein Extraktionsstrom
4 wird durch einen Pfeil angezeigt, der am Extraktionsstromeinlass
5 eintritt und im Extraktionsstromeinlasskanal 6 fließt. Probenstrom
2 fließt als laminarer Probenstrom 2 im Extraktionskanal
7 unterhalb des laminaren Extraktionsstroms 9. Der laminare Probenstrom
8 steht über eine Länge L in Kontakt mit dem laminaren Extraktionsstrom
9. Kleinere ("erwünschte") Teilchen 18aus dem
laminaren Probenstrom 8, der durch Punkte im laminaren Extraktionsstrom
9 eingegeben ist, fließt als Produktstrom 13 in den Produktauslasskanal
11, welcher am Produktauslass 14 austritt, wie es durch die nach
oben gerichteten Pfeile dargestellt ist. Der Nebenproduktstrom 12 ist die
Fortsetzung des laminaren Probenstroms 8 nach dem Produktstrom
13. Der Nebenproduktstrom 12 enthält sowohl die größeren ("unerwünschten")
Teilchen wie auch einen Teil der kleineren ("erwünschten") Teilchen, die nicht in
den Produktstrom 13 diffundiert sind. Der Nebenproduktstrom 12
fließt durch den Nebenproduktauslasskanal 10 über den Produktauslass
15 aus.
Wie oben angegeben wurde, kann das erfindungsgemäße Verfahren zur
Hämodialyse eingesetzt werden. Die folgende Diskussion zeigt Betrachtungen, die
durchgeführt werden müssen, wenn Vorrichtungen zur Verwendung in der vorliegenden
Erfindung geplant werden und liefert ein Beispiel zur Entfernung von Harnstoff aus
Blut sowie verschiedene Details eines solchen Verfahrens.
Wenn die Extraktionsvorrichtung (entweder H-Filter- oder Flachfilter-Ausführungsform)
als Blutdialysator verwendet wird, wird Blut der Vorrichtung über einen Shunt zugeführt.
Die Fließgeschwindigkeit innerhalb der Vorrichtung, FF, wird durch die
Diffusionsrate (die durch Verwendung eines Sequestriermaterials verstärkt ist) der
gewünschten interessierenden Teilchen wie auch die Geometrie der Vorrichtung selbst
bestimmt. Die Extraktionseffizienz der Vorrichtung hängt zum Teil von der Zeit ab,
die die Teilchen zum Diffundieren haben, was das Maximum der Gesamtvorrichtungsfließgeschwindigkeit
bestimmt.
Der Diffusionskoeffizient von Harnstoff ist 11,8 × 10–6
cm2/s. Erstens, es wird die Situation betrachtet, in der eine Diffusion
nicht Absorptions-verstärkt ist, d. h. es kein Sequestriermaterial verwendet. Die
folgenden Variablen, die in diesem Beispiel verwendet werden, zusammen mit den Annahmen
sind:
Mu: Gesamtmasse an Harnstoff im Körper. Bildung und Sekretion werden
in dieser Anmeldung nicht mathematisch betrachtet, allerdings werden ihre Beeinflussungen
diskutiert. Es wird angenommen, dass dieser Wert bekannt ist (er ist bei Dialysepatienten
leicht messbar).
VB: Gesamtblutvolumen (einschließlich des Volumens im Shunt in einem
beliebigen Moment). Dieser Wert ist typischerweise 5–6 l für Erwachsene und
2–3 l für Kinder.
E: Extinktionseffizienz der Vorrichtung. Ohne Sequestriermaterial ist dieser 0,5,
da die Endauslassströme im Gleichgewicht sind. Die Vorrichtung ist so konzipiert,
dass sie eine Equilibrierung erlaubt (d. h. eine ausreichend niedrige Fließgeschwindigkeit,
so dass die Kontaktzeit für die gegebene Geometrie ausreichend hoch ist).
Wir sind dann daran interessiert, wie Mu mit der Zeit variiert.
Der Wert für Mu ist schwerer zu bestimmen, da, obgleich wir wissen, dass
ein Durchgang durch die Vorrichtung die Hälfte des auftretenden Harnstoffs entfernt,
die Gesamtmenge im Körper ist konstant abnehmend. Aus dieser Feststellung oder aus
der Tatsache, dass wir uns auf das zweite Diffusionsgesetz von Fick stützen, erwarten
wir, dass die Lösung ein exponentieller Abfall ist. Eine endgültige, wesentliche
Annahme ist die, dass das Blut, das in den Körper zurückkehrt, mit dem Rest des
Bluts gut vermischt wird. Aufgrund der kraftvollen Wirkung des Herzens ist dies
eine gültige Annahme.
Die allgemeine Gleichung für Mu ist:
MU = MU(o)e–kt
Die Ableitung mit der Zeit führt zu:
Bei Betrachtung dieser Ableitung zur Zeit = 0:
Wie es bei diesem Problemtyp typisch ist, ist k das Verhältnis zwischen
der Anfangsmasse und der Anfangswirkgeschwindigkeit. Da die Anfangsmasse bekannt
ist, kann k durch Finden eines Ausdrucks für die Anfangsrate bzw. Geschwindigkeit
bestimmt werden. Die Fließgeschwindigkeit in der Vorrichtung, FF', stellt
die Rate dar, bei der Volumen aus dem Körper in der Vorrichtung behandelt wird.
Multiplizieren mit der Anfangsharnstoffkonzentration liefert die anfängliche Behandlungsrate
(anfängliche Extraktionsrate von gewünschten Teilchen) in korrekten
Einheiten (Masse/Zeit). Unter Berücksichtigung der Extraktionseffizienz und der
Tatsache, dass diese Rate ein negatives Vorzeichen haben muss, da sie eine Entfernung
darstellt, kann die anfängliche Rate wie folgt geschrieben werden:
worin der Ausdruck in Klammern die Anfangskonzentration ist. Durch Wiedereinsetzen
in die Gleichung des anfänglichen Zustands kommt man zu einer Lösung für k:
Und ein Wiedereinsetzen in die Massengleichung führt zu:
Eine Zunahme im Koeffizienten von t bedeutet eine schnelle Abnahme,
was eine schnellere Entfernung aus dem System beinhaltet. Eine Erhöhung der Fließgeschwindigkeit
in der Vorrichtung, FF, beschleunigt die Entfernung von Harnstoff, da
das Blut schneller behandelt werden kann. Eine Erhöhung der Extraktionseffizienz
beschleunigt ebenfalls die Entfernung von Harnstoff, da dasselbe Volumen, das durch
die Vorrichtung geht, gründlicher gereinigt wird, d. h. mehr Harnstoff extrahiert
wird. Diese beiden Vorhersagen stehen mit der Gleichung in Übereinstimmung. Eine
Zunahme des Gesamtblutvolumens verlangsamt die Entfernung, da der Harnstoff stärker
verdünnt würde und mehr Volumen behandelt werden müsste, um dieselbe Entfernung
zu erreichen. Diese Voraussage steht ebenfalls mit der Gleichung in Übereinstimmung.
Bei Betrachtung des obigen Beispiels, in dem kein Sequestriermaterial
verwendet wird, stellt die Gleichgewichtsbedingung spezifischerweise für Harnstoff
einige Begrenzungen bei der Entwicklung auf. Vorzugsweise ist die Diffusionsabmessung
der Vorrichtung, d, möglichst klein. Dies dient dazu, die Diffusionszeiten zu reduzieren
und die Obergrenze der Fließgeschwindigkeit zu erhöhen. Diese Abmessung kann allerdings
durch das mögliche Verstopfen des Kanals durch Erythrozyten (die einen Durchmesser
von etwa mögliche Verstopfen des Kanals durch Erythrozyten (die einen Durchmesser
von etwa 8 &mgr;m haben) begrenzt werden; sie beträgt im allgemeinen mindestens
etwa 100 &mgr;m in Fällen, in denen die Probe Vollblut ist. Die durchschnittliche
Distanz, die ein diffundierendes Molekül zum Gleichgewicht wandern muss, ist die
Hälfte dieses Wertes oder 50 &mgr;m. Bei Betrachtung der Gleichung für die Brown'sche
Bewegung gilt:
worin D der Diffusionskoeffizient ist, der für Harnstoff 11,8 × 10–6
cm2/s ist. Die Auflösung nach der durchschnittlichen Diffusionszeit führt
zu einem Wert für &Dgr;t = 1,06 s. Dies ist die untere Grenze für die Kontaktzeit
für die zwei Ströme. Zu Zwecken der folgenden Berechnung wählen wir eine Länge der
Vorrichtung L von 10 mm. In diesem Fall muss das Fluid 10 mm in nicht weniger als
1,06 Sekunden wandern, was zu einer maximalen Durchschnittsgeschwindigkeit führt:
Die Fließgeschwindigkeit ist das Produkt der Durchschnittsgeschwindigkeit
und der Querschnittsfläche. Da die Zeitmenge, die das Blut benötigt, um mit dem
Extraktionsstrom in Kontakt zu treten, zu bestimmen ist, wird nur die Hälfte des
Kanals, in den Blut eingeführt wird, betrachtet. Eine fundamentale Differenz zwischen
der H-Filter-Ausführungsform und der Flachfilter-Ausführungsform ist die Breiteabmessung
w. Im H-Filter ist die Breite vorzugsweise 50 &mgr;m, wenn das Substrat Silizium
ist. Im Flachfilter bzw. im flachen Filter, wie er oben diskutiert wurde, ist die
Breite theoretisch ohne Grenze und es wird eine Breite von etwa 1 m in Betracht
gezogen.
Die Kontaktzeit, die für eine Hämodialyse ohne Sequestriermaterial
notwendig ist, wie auch die Anzahl der Vorrichtungen, die in Parallelschaltung benötigt
werden, um die notwendige Kontaktzeit zu verringern, werden sowohl in der H-Filter-Ausführungsform
als auch in der Flachfilter-Ausführungsform nachfolgend verglichen.
Dann werden die Effekte verschiedener Extraktionseffizienzien zum Vergleich bereitgestellt.
In einer H-Filter-Ausführungsform, worin w = 50 &mgr;m ist, ist die
Fließgeschwindigkeit:
Eine Umwandlung in Standardeinheiten führt zu einer Fließgeschwindigkeit
von 2,358 × 10–5 ml/s. Dieser Wert kann die obige Massenentfernungsgleichung
eingesetzt werden. Eine geringe Umgruppierung der Gleichung ist nützlich:
Die linke Seite stellt nun die zurückbleibende Fraktion dar (FR, Strommasse
dividiert durch die anfängliche Masse). Eine Zielfraktion kann ausgewählt werden
und die notwendige Kontaktzeit errechnet werden. Im allgemeinen ist das Ziel für
einen derartigen exponentiellen Prozess eine 99%ige Vollendung, was 0,01 FR entspricht.
Unter Verwendung des obigen Wertes von FF und E = 0,5 und VB
= 5 L für einen typischen Erwachsenen, beträgt die Zeit 1,953 × 109
Sekunden oder 61,9 Jahre. Alternativ kann eine Zielzeit von 4 Stunden (Schätzung,
basierend auf einer typischen Hämodialysesitzungslänge) gewählt werden, und der
notwendige FF kann errechnet werden. Mehrere H-Filter können parallel
geschaltet werden. Eine Teilung durch unsere Einzelvorrichtungsfließgeschwindigkeit
bestimmt die Anzahl der erforderlichen H-Filter. Eine Kontaktzeit von 4 Stunden
erfordert einen FF-Wert von 3,198 ml/s. Eine Teilung durch unsere Einzelvorrichtungsgeschwindigkeit
von 2,358 × 10–5 ml/s sagt voraus, dass über 130.000 H-Filter
parallel benötigt werden. Dies erläutert den Vorteil der Verwendung eines Sequestriermaterials
in einer H-Filter-Extraktionsvorrichtung zur Erhöhung der Extraktionseffizienz.
Zum Vergleich betrachten wir eine Flachfilterbreite von 1 m, die wirksam
den H-Filter um einen Faktor von 20.000 im Maßstab vergrößert (ohne Verwendung von
Sequestriermaterial). Dies erhöht die Einzelvorrichtungsfließgeschwindigkeit, FF,
auf 0,4716 ml/s oder 28,30 ml/min oder 1,7 l/h. Die 5 Liter werden als "Reihen"-Volumen
betrachtet, so dass die 1,7 Liter nicht einfach durch 5 dividiert werden können,
um die Behandlungszeit zu bestimmen. Wir müssen zu der Massengleichung zurückkehren
und die Ziel-FR von 0,01 sehen. Unter Verwendung der Flachfilterfließgeschwindigkeit,
E = 0,5, und eines Blutvolumens von 5 Litern ist die notwendige Kontaktzeit (Behandlungszeit)
97.650 Sekunden oder 27,1 Stunden. Die Verwendung von mehreren Flachfiltern in Parallelschaltung
kann die notwendige Kontaktzeit senken.
Eine Zielzeit von 4 Stunden führt zu einer notwendigen Fließgeschwindigkeit
von 3,198 ml/s (dieselbe wie im Fall des H-Filters). Dies sagt die Notwendigkeit
für 7 Flachfilter in Parallelschaltung voraus. Alternativ kann ein einzelner Flachfilter
mit einer Breite von 7 m in Betracht gezogen werden. Allerdings scheint dies unter
dem Entwicklungsstandpunkt weniger vorteilhaft zu sein. Der Effekt von mehreren
Flachfiltern in Parallelschaltung (ohne Sequestriermaterial) ist in 14
dargestellt. Die zurückbleibende Harnstofffraktion verringert sich, wenn die Anzahl
der parallel geschalteten Flachfilter erhöht.
Das Gesamtblutvolumen, VB, ist ein wichtiger Faktor in
der Massenentfernungsgleichung. Das Volumen des Patientenbluts kann realistischerweise
im Bereich von 1 l bis 6 l liegen, was den Bereich von Kleinkindern zu Kindern zu
Erwachsenen angibt. Der Effekt des Gesamtblutvolumens bei Verwendung von 7 Flachfiltern
in Parallelschaltung (ohne Sequestriermaterial) ist in 15
dargestellt. Die zurückbleibende Harnstofffraktion verringert sich, wenn das Gesamtblutvolumen
abnimmt.
16 erläutert den Effekt einer steigenden
Extraktionseffizienz, wenn 7 Flachfilter parallel verwendet werden. Die zurückbleibende
Harnstofffraktion verringert sich, wenn die Extraktionseffizienz des Sequestriermaterials
zunimmt.
In der Flachfilter-Ausführungsform kann es vorteilhaft sein, eine
Extraktionskanallänge von über 10 mm zu wählen. Eine bevorzugte Ausführungsform
ist eine, in der die Länge 50 cm und die Breite 50 cm ist. Dies verleiht dem Filter
eine quadratische Form, die in der Größe gängigen Hämodialysemaschinen vergleichbar
ist. Darüber hinaus steigt die maximal mögliche Fließgeschwindigkeit um einen Faktor
von 25, was die 0,01-Fraktionszeit von 27,1 h auf 1,1 h verringert. Die Möglichkeit
der Scherung von Zellen bei hohen Fließgeschwindigkeiten muss berücksichtigt werden.
Wenn Extraktionseffizienzien von kleiner 1,0 berücksichtigt werden,
ist eine üblicherweise vorgeschlagene Vorstellung, mehrere Flachfilter in Reihe
statt parallel zu schalten. Es wird ein Fall betrachtet, in dem E = 0,5. Zwei Flachfilter
in Parallelschaltung erhöhen E auf 0,75, da nur ein Viertel des ursprünglichen Harnstoffs
zurückbleiben würde. Bei Berücksichtigung der Verringerung bei der Zeitkonstante
ist dies ein Verbesserungsfaktor von 1,5. Wenn allerdings dieselben zwei Vorrichtungen
parallelgeschaltet werden (jeweils mit E = 0,5), ist der Verbesserungsfaktor 2,0,
da die Fließgeschwindigkeit sich verdoppelt. Somit ist es vorteilhaft, mehrere Vorrichtungen
parallel anstatt in Reihe zu schalten, um die Extraktionseffizienz zu verbessern.
BEISPIELEBeispiel 1
Es wurde eine Extraktionsvorrichtung hergestellt, indem ein Siliziumwafer
unter Verwendung von fachbekannten Techniken geätzt wurde (Brody und Yager, Solid
State Sensor and Actuator Workshop Hilton Head, SC 2. bis 6. Juni 1996). Die Kanallänge
war etwa 100 &mgr;m, die Kanaltiefe (Diffusionsabmessung) war etwa 15 &mgr;m und
die Kanalbreite war etwa 10 &mgr;m. FITC (Fluorescein-)markiertes Biotin (Sigma
Chemical #B8889) (0,5 &mgr;g/ml) in destilliertem Wasser wurde in den Probenstromeinlass
geleitet. Rhodamin-markiertes Avidin (Sigma Chemical #A3026) (160 &mgr;g/ml) in
destilliertem Wasser wurde in den Extraktionsstromeinlass geleitet. Die Fließgeschwindigkeit
durch den Extraktionskanal war etwa 100 Picoliter/Sekunde. Dem Fachmann ist bekannt,
dass etwa 1 mg Avidin 10 bis 15 &mgr;g Biotin bindet. Es wurde beobachtet, dass
das mit Rhodamin markierte Avidin sich mit einer Geschwindigkeit bewegt, die im
wesentlichen kleiner als die Fließgeschwindigkeit ist, und es wurde festgestellt,
dass es an den Wänden des Kanals, den Einlass- und Auslassöffnungen haftete.
Um diesem Anheften des Avidins an den Wänden entgegenzuwirken, wurde
die Avidinmenge berechnet, die benötigt wird, um die Wände der Vorrichtung gleichmäßig
mit Avidinmonolayer zu beschichten. Die Vorrichtung hatte ein Volumen/Oberflächen-Verhältnis
von etwa 10 &mgr;m. Eine 1 mg/ml-Lösung von Avidin wurde als die Mindestmenge berechnet,
die benötigt wird, um die Wände einer Vorrichtung mit einem Volumen/Oberflächenverhältnis
von etwa 10 &mgr;m zu beschichten, und zwar unter der Annahme, dass das gesamte
Avidin von den Wänden adsorbiert würde. (Das Innenvolumen der Vorrichtung wurde
als 15 Picoliter errechnet, und dies ist das Volumen der Lösung, die benötigt wird,
um die Vorrichtung zu füllen und die Wände zu beschichten). Eine Avidinlösung (0,17
mg/ml) (was 1/6 der Konzentration einer 1 mg/ml-Lösung ist) in destilliertem Wasser
wurde in 6 Aliquots in die Vorrichtung eingeführt. Die mit Avidin beschichtete Front
bewegte sich mit einer Rate von etwa 1/6 der durchschnittlichen Fließgeschwindigkeit,
was angibt, dass Avidin an den Wänden haftete.
Beispiel 2
Die Vorrichtung, deren Wände im wesentlichen vollständig und gleichmäßig
mit Avidin beschichtet waren (hergestellt in Beispiel 1), wurde in Beispiel 2 verwendet.
Eine Lösung (10 &mgr;l) von Streptavidin, das an 1 &mgr;m Eisenoxidteilchen (Sigma
Chemical #S2415) immobilisiert war, in destilliertem Wasser wurde in den Extraktionsstromeinlass
eingeführt. Eine Lösung von Biotin (Sigma Chemical #B8889) (10 ng/ml) in destilliertem
Wasser wurde in den Probenstromeinlass geleitet. Mit dem bloßen Auge war deutlich,
dass Biotin im Extraktionsstrom konzentriert wurde. Allerdings war die Fluoreszenz
niedrig, da die Zahl der Streptavidinmoleküle, die an Eisenoxid immobilisiert waren,
gering war, wodurch eine niedrige Biotinkonzentration benötigt wird, um einen stöchiometrischen
Straptavidin-Überschuss aufrechtzuerhalten. Außerdem löscht Steptavidin den Fluoreszenzmarker
(FITC) partiell, was Fluoreszenzmessungen schwieriger macht.
Um Fluoreszenzmessungen zu verbessern, wird die Vorrichtung mit einem
Polyethylenglykolsilan vorbeladen, um eine Oberflächenpassivierung zu erreichen.
Ein Streptavidin mit einem längeren Arm vor seiner Bindungsstelle für Biotin hilft
ein Auslöschen von Fluorescein zu vermeiden.
Anspruch[de]
Verfahren zur Extraktion von wenigstens einem Teil von gewünschten
Teilchen aus einem Probenstrom, der die gewünschten Teilchen umfasst, wobei das
Verfahren die Schritte umfasst:
a. Einführen des Probenstroms in den Probenstromeinlass einer Extraktionsvorrichtung,
wobei die Vorrichtung überdies umfasst
(i) einen Extraktionsstromeinlass;
(ii) einen Extraktionskanal in Fluidverbindung mit dem Probenstromeinlass und dem
Extraktionsstromeinlass zum Aufnehmen eines Extraktionsstroms in angrenzender laminarer
Strömung mit dem Probenstrom;
(iii) einen Nebenproduktstromauslass in Fluidverbindung mit dem Extraktionskanal
zum Aufnehmen eines Nebenproduktstroms, der wenigstens einen Teil
des Probenstroms umfasst, aus dem gewünschte Teilchen extrahiert worden sind; und
(iv) einen Produktauslass in Fluidverbindung mit dem Extraktionskanal zum Aufnehmen
eines Produktstroms, der wenigstens einen Teil der gewünschten Teilchen umfasst;
und
b. Einführen eines Extraktionsstroms in den Extraktionskanal, wobei der Extraktionsstrom,
der wenigstens einen Teil der gewünschten Teilchen umfasst, die Vorrichtung als
Produktstrom durch den Produktauslass verlässt, und der Probenstrom, aus dem gewünschte
Teilchen extrahiert worden sind, die Vorrichtung als Nebenproduktstrom durch den
Nebenproduktstromauslass verlässt;
dadurch gekennzeichnet, dass
a. der Probenstrom mit dem Extraktionsstrom mischbar ist; und
b. der Extraktionsstrom ein Sequestriermaterial enthält, welches ein Ligand für
die gewünschten Teilchen ist, der auf einem Substrat immobilisiert ist, so dass
das Sequestriermaterial im Wesentlichen nicht in den Probenstrom diffundierend ist,
wobei die gewünschten Teilchen durch das Sequestriermaterial eingefangen werden.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Sequestriermaterial mit den gewünschten
Teilchen wechselwirken kann, so dass der Nachweis der gewünschten Teilchen ermöglicht
wird.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Sequestriermaterial die gewünschten
Teilchen freisetzen kann, so dass ihre Analyse nach der Extraktion aus dem Probenstrom
ermöglicht wird.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Produkt mehr als 50% der gewünschten
Teilchen in dem Probenstrom enthält.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Produkt mehr als 75% der gewünschten
Teilchen in dem Probenstrom enthält.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei im Wesentlichen alle gewünschten Teilchen
aus dem Probenstrom entfernt werden.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Probenstrom Blut ist und die gewünschten
Teilchen Toxinteilchen sind.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei die gewünschten Teilchen Teilchen
aus einer Substanz sind, welche die Analyse des Probenstroms stört.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Sequestriermaterial Polymerperlen
umfasst.
Verfahren nsch Anspruch 1, wobei das Sequestriermaterial ein Enzym
umfasst, welches an die gewünschten Teilchen bindet.