Die Erfindung betrifft eine reibungsarme und präzise auslösende Flügelmechanik.
Die Mechanik der modernen Flügel, d.h. die Stoßzungenmechanik,
beruht im wesentlichen auf den Erfindungen von Bartolomeo Christofori um das Jahr
1700, John Broadwood im Jahr 1777, Robert Stoddart im Jahr 1777 (patentiert für
John Gilb im Jahr 1786) und Sebastien Erard im Jahr 1808 (in verbesserter Form patentiert
im Jahr 1821). Die letztgenannte Mechanik ermöglicht das sogenannte Repetieren,
bei dem nach dem Anschlagen einer Taste diese erneut angeschlagen wird, ohne daß
sie vorher wieder vollständig in ihre Ausgangsposition zurückgekehrt ist, was ein
schnelleres Spiel erlaubt. Die Entwicklung der Stoßzungenmechanik und ihres
Standes in der heutigen Zeit erläutern die Veröffentlichungen von Rosamund E.M.
Harding, "The Piano-Forte, 2. Auflage 1978, Surry, und von Ehrlich, "The Piano,
A History", Oxford University Press, 2. Auflage 1990, sowie von Palmieri, "Piano
Information Guide, An Aid to Research", Garland Publishing Inc., New York &
London, 1989.
Die Tatsache, daß das sehr alte Prinzip der Stoßzungenmechanik
seit so langer Zeit weitgehend unverändert bis heute beibehalten und von allen in
der Welt führenden Flügelherstellern übernommen worden ist, belegt die hohe technische
Qualität des Systems und seine Nutzbarkeit für die musikalische Perfektion.
Trotz des technisch hohen Standards der Stoßzungenmechanik ist
sie noch nicht ganz zufriedenstellend. Der Anschlag der Taste erfordert immer noch
einen relativ hohen Kraftaufwand. Dieser führt bei physisch weniger kräftigen Spielern
und insbesondere bei Berufspianisten häufig zu. Überlastungen bis hin zu gesundheitlichen
Schädigungen, wie Sehnenscheidenentzündungen, die auch schon zur Aufgabe des Studiums
oder Berufs des Betroffenen geführt haben. Es gibt Anzeichen dafür, daß in
den letzten Jahren gesundheitliche Schäden bei Berufspianisten zugenommen haben
(Wagner, "Medizinische Probleme bei Instrumentalisten", Laaber-Verlag, Laaber (1995),
und Altenmüller, "Causes and cures of focal limb dystonia in musicians", ISSTIP-Journal,
Nr. 9 (1998), Seiten 13-17).
In diesem Zusammenhang ist auch von Interesse, daß berühmte
Pianisten, wie Wladimir Horowitz und Glenn Gould, zur Vermeidung dieser sogenannten
"schweren Spielart" ältere Instrumente mit ausgespielter Mechanik bevorzugten.
Inzwischen ist es bereits gelungen, den Kraftaufwand und sogar den
zeitlichen Verlauf der aufgewandten Kraft beim Anschlagen von Klaviertasten meßtechnisch
zu erfassen. Hierzu wird auf die Veröffentlichung von Drescher, Parlitz, Thiedemann
und Altenmüller, "Ein neues Meßinstrument zur Bestimmung und Darstellung von
Fingerkräften auf der Klaviertastatur", EURO PIANO, 39. Jahrgang April-Juni 1999,
Heft 2/99, Seiten 23-28, hingewiesen. Die dort beschriebene Messung soll unter anderem
dazu dienen, einerseits Klavieranfänger an eine kraftsparende Spielweise heranzuführen
und andererseits die Anschlagstechnik von ausgebildeten Pianisten dahingehend zu
optimieren, daß deren Kraftaufwand ökonomischer wird.
Im Stand der Technik wird auch von drehbaren Rollen in einer Flügelmechanik
berichtet. So betrifft die DE 1163123 eine Flügelmechanik, bei der die Hammernuß
mit einer beweglichen bzw. drehbaren Rolle versehen ist, welche sich auf dem Repetierschenkel
rollend auf und ab bewegt, wie im dortigen Anspruch 3 angegeben ist. Jedoch ist
diese Konstruktion bezüglich der Verringerung des Kraftaufwands beim Anschlagen
der Taste wirkungslos. Der Grund liegt darin, daß die bekannte Rolle nur Kontakt
zum Repetierschenkel, nicht aber zur Stoßzunge hat. Die Folge ist, daß
die Rolle beim Niederdrücken der Taste keine Funktion hat. Vielmehr tritt sie erst
in Aktion, wenn nach dem Anschlagen der Saite der Hammer wieder zurückfällt.
Ferner ist in der DE 38810 eine Mechanik mit einer drehbar gelagerten
Gummiwalze beschrieben. Diese Mechanik ist aber keine Flügel- sondern eine senkrecht
stehende Pianinomechanik. Die drehbare Gummiwalze ist an der Spitze der Stoßzunge
angeordnet. Durch diese Konstruktion ergibt sich durch die Rolle keine Verminderung
des zum Niederdrücken der Taste nötigen Kraftaufwands, weil hier der größte
Teil der Reibung nicht zwischen der Stoßzunge und der Hammernuß, sondern
zwischen der Auslösepuppe und dem Hammerbalken entsteht.
Eine Flügelmechanik der eingangs genannten Art ist aus der DE 10006418
C2 bekannt. Obwohl der Ersatz der vorher üblichen, immer nur feststehend ausgebildeten
Hammerrolle durch eine um die eigene Achse drehbare Rolle eine deutliche Verringerung
des zum Niederdrücken der Taste erforderlichen Kraftaufwands ergab, ist auch diese
Mechanik noch nicht optimal.
Einerseits gilt dies für den genannten Kraftaufwand, der vor allem
bei Berufspianisten, die täglich viele Stunden üben, immer noch eine deutliche körperliche
Belastung darstellt und ein entsprechendes Gesundheitsrisiko mit sich bringt.
Andererseits ist die Präzision des Auslösevorgangs weiterhin unbefriedigend.
Dies ist darauf zurückzuführen, daß in der heute noch weltweit praktizierten
Repetitionsmechanik, die aus einer über 100-jährigen Entwicklung entstanden ist,
nach wie vor mehrere Stellen existieren, an denen zwischen sich bewegenden Teilen
eine Gleitreibung stattfindet. Diese erfordert für ihre Überwindung nicht nur einen
relativ hohen Kraftaufwand. Vielmehr verhindert sie auch, daß die kurz hintereinander
oder gleichzeitig stattfindenden und untereinander gekoppelten Bewegungsvorgänge
in der Flügelmechanik genau einem stets gleichbleibenden Zeitablauf folgen. Das
heißt, es treten auf Grund der Gleitreibungen immer wieder kleine zeitliche
Verschiebungen zwischen den Bewegungsvorgängen auf. Diese Verschiebungen können
sich zusätzlich noch dadurch verändern, daß sich das Ausmaß der Gleitreibung
im Laufe der Zeit ändert, z.B. auf Grund einer zunehmenden Verschmutzung der aufeinander
gleitenden Flächen durch Staubablagerung und Materialabrieb. Die zwangsläufige Folge
ist dann ein unpräziser Auslösevorgang. Darunter leidet dann die musikalische Ausdrucksfähigkeit
des Pianisten, da er den genauen Zeitpunkt des Anschlags und dessen Stärke nicht
genau genug steuern kann.
Es besteht also ein unmittelbarer und nachteiliger Zusammenhang zwischen
einerseits der genannten Gleitreibung und andererseits dem zu ihrer Überwindung
erforderlichen Kraftaufwand sowie der mangelhaften Präzision des Auslösevorgangs.
Eine geringere Reibung hätte sowohl einen kleineren Kraftaufwand als auch einen
präziseren und besser kontrollierbaren Auslösevorgang zur Folge.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Flügelmechanik
der eingangs genannten Art anzugeben, mit der einerseits der zum Niederdrücken der
Taste erforderliche Kraftaufwand weiter herabgesetzt und andererseits die Präzision
des Auslösevorgangs erhöht wird.
Diese Aufgabe löst die Erfindung durch eine Flügelmechanik mit einem
Hebeglied, das mit einem Hebegliedsattel auf einer Pilote eines Tastenhebels aufliegt
und an dem ein Repetierschenkel sowie eine Stoßzunge schwenkbar gelagert sind,
deren Oberende in eine durchgehende Repetierschenkelöffnung in dem Repetierschenkel
hineinragt und deren Unterende über einer Auslösepuppe angeordnet ist, einer Repetierfeder
(Herzfeder), die mit ihrem unteren Federschenkel auf das Unterende der Stoßzunge
und mit ihrem oberen Federschenkel auf den Repetierschenkel drückt, sowie mit einem
Hammerstiel, an dem sowohl eine um die eigene Achse drehbar gelagerte Hammerrolle
angeordnet ist, die auf dem Repetierschenkel ruht und dem Oberende der Stoßzunge
gegenüberliegt, als auch eine Hammerkapsel angebracht ist, an der gegenüber einem
Ende des Repetierschenkels eine Abknickschraube angeordnet ist. Die Flügelmechanik
ist dadurch gekennzeichnet, daß der obere Federschenkel der Repetierfeder
an einer oberen Repetierfederaufnahmerolle anliegt, die an dem Repetierschenkel
befestigt und um die eigene Achse drehbar gelagert ist.
In den Patentansprüchen 2 bis 15 sind bevorzugte Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen Flügelmechanik angegeben.
Bei der Flügelmechanik gemäß der Erfindung wird die bis in die
neueste Zeit konstruktionsbedingt verursachte Gleitreibung zwischen verschiedenen
Elementen der bekannten Mechanik durch die wesentlich geringere Rollreibung ersetzt.
Dadurch erfordert das Anschlagen einer Taste durch den Pianisten nicht nur weniger
Kraft. Vielmehr wird mit zunehmender Anzahl der in die Mechanik eingebauten Rollen
auch der Auslösevorgang präziser.
Erfindungsgemäß wird durch das Vorsehen der Repetierfederaufnahmerolle
ein wesentlicher Teil der Kraft gespart, die bei der bekannten Flügelmechanik für
den Tastenanschlag nötig ist. Der Grund liegt darin, daß beim Stand der Technik
während des Tastenanschlags der obere Schenkel der Repetierfeder entlang der Unterseite
des Repetierschenkels etwa 2 bis 3 mm hin und her gleitet. Durch die dabei auftretende
Gleitreibung ist die Kraftübertragung auf den Hammer zwischen der Ruhelage der Mechanik
und der Krafteinwirkung auf den Hammer unpräzise. Deshalb kann die Stoßzunge
nicht völlig exakt, das heißt nicht immer zum gleichen Zeitpunkt und nicht
immer genau in dem vom Pianisten gewünschten Zeitpunkt, am Hammer angreifen. Durch
die erfindungsgemäße Repetierfederaufnahmerolle, die beim Anschlag über einen
Längsabschnitt des oberen Federschenkels der Repetierfeder abrollt, entsteht in
diesem Bereich keine Gleitreibung, sondern nur die viel schwächere Rollreibung.
Deshalb wird der Kraftaufwand des Pianisten durch die Erfindung wesentlich verringert.
Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäß eingesetzten Repetierfederaufnahmerolle
ist darin zu sehen, daß sie aufgrund der niedrigen Rollreibung einen präziseren
Auslösevorgang ermöglicht. Ein durch unzureichende Schmierung und/oder die relativ
hohe Gleitreibung verursachtes ruckartiges Gleiten der Repetierfeder auf dem Repetierschenkel,
wie es beim Stand der Technik auftreten kann, ist bei der Erfindung ausgeschlossen.
Außerdem kann durch die geringere Rollreibung an der Repetierfederaufnahmerolle
der Abstand zwischen der Repetierschenkeloberkante und der Stoßzungenoberkante
deutlich verringert werden, wodurch die Präzision des Anschlags weiter verbessert
wird.
Vorzugsweise ist die Position der oberen Repetierfederaufnahmerolle
am Repetierschenkel in Richtung der Federkraft der Repetierfeder oder in entgegengesetzter
Richtung veränderbar. Dies wird beispielsweise dadurch verwirklicht, daß die
Halterung der oberen Repetierfederaufnahmerolle mittels einer Stellschraube im Repetierschenkel
höhenverstellbar ist. Dies hat den besonderen Vorteil, daß die auf diese Rolle
und damit auf den Repetierschenkel wirkende Kraft der Repetierfeder nach Bedarf
einstellbar ist. Ein Verändern der Position der oberen Repetierfederaufnahmerolle
zur Unterseite des Repetierschenkels hin und damit in Richtung entgegen der Federkraft
erhöht den Druck der Repetierfeder zum Repetierschenkel hin. Umgekehrt bewirkt das
entgegengesetzte Drehen der Stellschraube ein Zurücknehmen der oberen Repetierfederaufnahmerolle
und verringert so die darauf einwirkende Kraft der Repetierfeder. Die Veränderbarkeit
der Kraft der Repetierfeder durch Verändern der Position der oberen Repetierfederaufnahmerolle
führt zu dem weiteren Vorteil, daß eine schwächere und damit besser geeignete
Repetierfeder verwendet werden kann.
Die Verstellbarkeit der oberen Repetierfederaufnahmerolle ermöglicht
auch das Einstellen der Federkraft in wesentlich kürzerer Zeit. Bei einer Flügelmechanik
ohne diese Verstellmöglichkeit muß zum Justieren der Federkraft die Feder
ausgehängt werden, um dann durch entsprechendes Kröpfen die Federkraft einzustellen.
Dies ist ein sehr zeitaufwendiger Vorgang, der gemäß der bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung entfällt.
Es ist auch vorteilhaft, wenn die obere Repetierfederaufnahmerolle
eine Umfangsnut zur Aufnahme der Repetierfeder aufweist. Dadurch wird diese Rolle
auf dem oberen Federschenkel geführt bzw. der Federschenkel auf der Rolle gehalten.
Dies wirkt einem seitlichen Abgleiten der Repetierfeder von der Rolle und einer
dadurch verursachten Fehlfunktion bei der Repetierschenkelbewegung entgegen.
Eine besonders geeignete Ausführungsform zur Veränderung der Position
der oberen Repetierfederaufnahmerolle ist derart ausgebildet, daß die Rolle
innerhalb eines nach unten offenen Zylinders gelagert ist, der an seinem Unterende
zwei einander gegenüberliegende Nuten zur Aufnahme des oberen Repetierfederschenkels
aufweist, die mit der Nut der oberen Repetierfederaufnahmerolle fluchten, sowie
der genannte Zylinder an seinem Oberende durch eine in ihn eingesetzte Feststellschraube
gehalten wird, die ihrerseits in dem Repetierschenkel von oben drehbar angeordnet
ist.
Gemäß einer weiteren zweckmäßigen Ausgestaltung der Erfindung
liegt der Hebegliedsattel mittels einer an ihm angeordneten und um die eigene Achse
drehbar gelagerten Hebegliedrolle auf der Pilote des Tastenhebels auf. Durch diese
Anordnung wird eine kraftverzehrende Gleitreibung zwischen der Pilote und dem Hebeglied
vermieden. Die statt dessen erreichte Rollreibung erlaubt eine leichtere und präzisere
Relativbewegung zwischen der Pilote und dem Hebeglied.
Es hat sich auch als günstig erwiesen, an dem Ende des Repetierschenkels,
das der Abknickschraube gegenüberliegt, eine um die eigene Achse drehbar gelagerte
Repetierschenkelrolle anzuordnen. Auch diese führt zu einer weiteren Herabsetzung
des Kraftaufwands für den Tastenanschlag, weil die bei üblichen Mechaniken erfolgende
Gleitreibung zwischen dem Repetierschenkel und der Abknickschraube durch eine geringere
Rollreibung ersetzt wird.
Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist an dem Ende eines
Stoßzungenwinkelarms, das der Auslösepuppe gegenüberliegt, eine um die eigene
Achse drehbar gelagerte Stoßzungenrolle angeordnet. Da somit das Ende des
Stoßzungenwinkelarms auf der Auslösepuppe abrollbar ist, trägt auch die Stoßzungenrolle
zu einer weiteren Reduzierung des gesamten Kraftaufwands bei der Betätigung der
Flügelmechanik bei.
Gemäß einer besonders bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung
ist der Abstand zwischen der Stoßzungendrehachse und dem Berührungspunkt der
Stoßzungenrolle mit der Auslösepuppe derart bemessen, daß beim Tastenanschlag
der Zeitpunkt der Berührung zwischen der Stoßzungenrolle und der Auslösepuppe
mit dem Zeitpunkt der Berührung zwischen der Repetierschenkelrolle und der Abknickschraube
zusammenfällt. Im Gegensatz dazu trifft dies bei allen bekannten und heute handelsüblichen
Flügelmechaniken nicht zu. Der Grund liegt darin, daß sie einen längeren Stoßzungenwinkelarm
aufweisen. Dieser hat jeweils eine Länge von etwa 25 mm auf, gemessen von der Stoßzungendrehachse
aus. Demgegenüber ist das entsprechende Längenmaß bei der Erfindung deutlich
verkürzt. Es liegt vorzugsweise bei 20 mm.
Diese Verkürzung und das dadurch erreichte zeitliche Zusammenfallen
der Berührung zwischen Stoßzungenrolle und Auslösepuppe mit der Berührung
zwischen Repetierschenkelrolle und Abknickschraube führt, in Verbindung mit der
geringeren Rollreibung der Erfindung, zu einem präziseren Auslösevorgang und damit
zu einer exakteren Wahrnehmung und Steuerbarkeit des Anschlagdruckpunktes durch
den Pianisten.
Hinzu kommt, daß bei der erfindungsgemäßen Verkürzung
des Stoßzungenwinkelarms der Auslösevorgang der Stoßzunge nicht, wie
bei der bekannten Flügelmechanik üblich, bei einem Abstand des Hammerkopfscheitels
von der Saite von 6 bis 7 mm, sondern erst bei einem Abstand von etwa 4 mm beginnt.
Dadurch wird die Gefahr des "Durchschlagens" der Stoßzunge vermindert. Dieses
Durchschlagen der Stoßzunge kann bei einem starken Anschlag auftreten, d.h.
die Stoßzunge gleitet an der Hammerrolle ab und nimmt den Hammer nicht mit.
Der vorgenannte Abstand des Hammerkopfscheitels von der Saite ist auch deshalb wichtig,
weil durch seine Veränderung die Wahrnehmung des Druckpunkts für den Pianisten gezielt
einstellbar ist.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung
liegt der untere Federschenkel der Repetierfeder an einer unteren Repetierfederaufnahmerolle
an, die am Unterende der Stoßzunge drehbar angeordnet ist. Der Vorteil dieser
Anordnung liegt darin, daß die bei der bekannten Mechanik zwischen dem Ende
des unteren Federschenkels der Repetierfeder und der Stoßzunge auftretende
Gleitreibung erfindungsgemäß durch eine Rollreibung ersetzt wird. Dadurch
wird auch an dieser Stelle der Kraftbedarf für den Pianisten verringert.
Bei einer zweckmäßigen Weiterbildung der letztgenannten Ausführungsform
ist die untere Repetierfederaufnahmerolle an einem verschieb- und fixierbaren ersten
Träger angeordnet. Diese Ausführungsform bietet den besonderen Vorteil, daß
mit ihr zum ersten Mal die durch die Repetierfeder auf die Stoßzunge ausgeübte
Kraft durch Verschieben des genannten ersten Trägers einstellbar ist. Bei einer
solchen Verschiebung ändert sich die Länge des Hebelarms, der sich zwischen der
Stoßzungendrehachse und der Drehachse der unteren Repetierfederaufnahmerolle
erstreckt.
Eine bevorzugte Ausgestaltung ergibt sich auch, wenn die Stoßzungenrolle
an einem verschieb- und fixierbaren zweiten Träger angeordnet ist, mit dessen Hilfe
der Abstand zwischen der Stoßzungendrehachse und der Drehachse der Stoßzungenrolle
veränderbar ist. Der Vorteil dieser Ausführungsform liegt darin, daß durch
die genannte Verschiebbarkeit die Länge des Stoßzungenwinkelarms stufenlos
einstellbar ist.
Zweckmäßigerweise bestehen die Hebegliedrolle und die Repetierschenkelrolle
jeweils aus einem Kasimirkern mit einem aufgezogenen Filzschlauch. Der Kasimirkern
ist ein Kern aus gewebtem Filz aus hochwertiger Wolle. Die obere und die untere
Repetierfederaufnahmerolle sowie die Stoßzungenrolle bestehen vorzugsweise
jeweils aus Polytetrafluorethylen.
Es ist vorteilhaft, wenn die Achsen der oberen und der unteren Repetierfederaufnahmerolle,
der Hebegliedrolle, der Repetierschenkelrolle und der Stoßzungenrolle aus
Neusilber bestehen.
Insgesamt führt die Erfindung somit zu einer wesentlich leichteren
Spielbarkeit des damit ausgerüsteten Flügels durch einen geringeren Kraftaufwand
und einen präziseren Anschlag, der für den Pianisten deutlicher fühlbar ist und
deshalb seine musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten erweitert. Hinzu kommt, daß
im Vergleich zum Stand der Technik bei gleicher Anschlagsstärke im Fall der erfindungsgemäßen
Mechanik eine hörbare klangliche Bereicherung in den Obertönen des Flügels erreicht
wird. Der Grund liegt darin, daß beim Stand der Technik ein größerer
Anteil der Anschlagenergie durch die dortige Gleitreibung verloren geht. Dagegen
ist dieser Energieverlust bei der Erfindung durch die dort angewandte niedrigere
Rollreibung deutlich geringer. Das heißt, daß bei der erfindungsgemäßen
Mechanik der Hammer mit einer höheren Geschwindigkeit auf die Saite auftrifft. Je
höher die Hammerkopfgeschwindigkeit beim Auftreffen auf die Saite ist, desto mehr
Obertöne werden erzeugt.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand schematischer Zeichnungen beispielhaft
erläutert. Darin zeigen
- Fig. 1
- eine Seitenansicht einer Flügelmechanik gemäß dem Stand der Technik;
- Fig. 2
- eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen ersten Ausführungsform einer
Flügelmechanik;
- Fig. 3
- eine vergrößerte Seitenansicht einer Repetierfederaufnahmerolle in einer
verstellbaren Halterung gemäß einer ersten Ausführungsform; und
- Fig. 4
- eine Seitenansicht der Repetierfederaufnahmerolle in einer verstellbaren Halterung
gemäß Fig. 3, jedoch um 90° gedreht;
- Fig. 5
- eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen zweiten Ausführungsform einer
Flügelmechanik;
- Fig. 6
- eine vergrößerte Seitenansicht einer oberen Repetierfederaufnahmerolle
in einer verstellbaren Halterung gemäß einer zweiten Ausführungsform;
- Fig. 7
- eine Seitenansicht des Zylinders gemäß Fig. 6, jedoch um 90° um die Zylinderachse
gedreht;
- Fig. 8
- eine Draufsicht des Zylinders gemäß Fig. 6;
- Fig. 9
- eine vergrößerte Seitenansicht eines ersten Trägers mit einer unteren
Repetierfederaufnahmerolle;
- Fig. 10
- eine Seitenansicht des ersten Trägers mit der unteren Repetierfederaufnahmerolle
gemäß Fig. 9, jedoch um 90° um die Trägerlängsachse gedreht;
- Fig. 11
- eine vergrößerte Seitenansicht eines zweiten Trägers mit einer Stoßzungenrolle;
und
- Fig. 12
- eine Seitenansicht des zweiten Trägers mit der Stoßzungenrolle gemäß
Fig. 11, jedoch um 90° um die Trägerlängsachse gedreht.
In Fig. 1 ist eine Ausführungsform der Flügelmechanik gemäß
dem Stand der Technik dargestellt. In Fig. 2 und 5 werden eine erste und eine zweite
erfindungsgemäße Ausführungsform der Erfindung gezeigt.
Die wesentlichen Teile der bekannten Flügelmechanik gemäß Fig.
1 sind ein Hebeglied 1, das mit einem Hebegliedsattel 2 auf einer Pilote 3 eines
Tastenhebels 4 aufliegt und an dem ein Repetierschenkel 5 sowie eine Stoßzunge
6 mit einer Drehachse 6a schwenkbar gelagert sind, wobei das Oberende 7 der Stoßzunge
6 in eine durchgehende Repetierschenkelöffnung 8 hineinragt, eine Repetierfeder
9, die mit ihrem unteren Federschenkel 10 auf das Unterende 11 der Stoßzunge
6 und mit ihrem oberen Federschenkel 12 auf den Repetierschenkel 5 drückt, sowie
ein Hammerstiel 13, an dem eine um die eigene Achse drehbar gelagerte Hammerrolle
14 angeordnet ist. Diese ruht auf dem Repetierschenkel 5 und liegt dem Oberende
7 der Stoßzunge 6 gegenüber.
An dem Hammerstiel 13 ist auch eine Hammerkapsel 15 angebracht, an
der sich gegenüber einem Ende 16 des Repetierschenkels 5 eine Abknickschraube 17
befindet. Gegenüber einem Ende 18 eines Stoßzungenwinkelarms 19 ist eine Auslösepuppe
20 angeordnet.
Von der bekannten Ausführungsform gemäß Fig. 1 unterscheidet
sich die bevorzugte erste Ausführungsform der Erfindung gemäß Fig. 2 hauptsächlich
dadurch, daß der obere Federschenkel 12 der Repetierfeder 9 an einer Repetierfederaufnahmerolle
21 anliegt, die an dem Repetierschenkel 5 befestigt ist und um die eigene Achse
22 drehbar gelagert ist.
Fig. 3 und 4 zeigen zwei zueinander um 90° verdrehte Seitenansichten
der Repetierfederaufnahmerolle 21 in ihrer Halterung 23 gemäß einer ersten
Ausführungsform. Die Repetierfederaufnahmerolle 21 ist mittels ihrer Drehachse 22
am unteren Ende eines gabelartigen Haltebügels 24 zwischen dessen nach unten vorragenden
Halteschenkeln 25, 26 drehbar gelagert.
Das Oberende 27 des Haltebügels 24 ragt nach oben in ein nach unten
offenes käfigartiges Aufnahmeelements 28 hinein und ist darin am Unterende einer
Stellschraube 29 befestigt. Diese ist nach oben mittig durch das Aufnahmeelement
28 hindurchgeführt, so daß ihr Schraubenkopf 30 oberhalb des Aufnahmeelements
28 freiliegt.
In Fig. 3 und 4 ist ferner eine mittig angeordnete Umfangsnut 31 der
Repetierfederaufnahmerolle 21 dargestellt. Im zusammengesetzten Zustand der Flügelmechanik
ist, wie Fig. 2 zeigt, das käfigartige Aufnahmeelement 28 auf die Oberseite des
Repetierschenkels 5 aufgesetzt, und die im Haltebügel 24 (in Fig. 2 nicht dargestellt)
gelagerte Repetierfederaufnahmerolle 21 ragt durch eine (in Fig. 2 nicht dargestellte)
durchgehende Öffnung im Repetierschenkel 5 nach unten heraus. An der dort freiliegenden
Repetierfederaufnahmerolle 21 liegt der obere Federschenkel 12 der Repetierfeder
9 an.
Die erfindungsgemäße Flügelmechanik entsprechend der ersten
Ausführungsform funktioniert im Prinzip in der gleichen Weise wie die bekannte Mechanik
gemäß Fig. 1, ausgenommen jedoch die Funktion der Repetierfederaufnahmerolle
21 und die damit verbundenen Vorteile. Der wesentliche Vorteil besteht darin, daß
bei einer Schwenkbewegung des Repetierschenkels 5 zwischen diesem und dem oberen
Federschenkel 12 der Repetierfeder 9 nur eine Rollreibung überwunden werden muß,
deren Größe erheblich unter der entsprechenden Gleitreibung beim Stand der
Technik liegt. Dementsprechend benötigt der Pianist einen deutlich geringeren Kraftaufwand
für den Tastenanschlag.
In Fig. 2 ist eine besonders bevorzugte erste Ausführungsform der
Erfindung dargestellt. Diese Flügelmechanik ist nicht nur mit der erfindungsgemäßen
Repetierfederaufnahmerolle 21, sondern zusätzlich noch mit einer Hebegliedrolle
32, einer Repetierschenkelrolle 33 und einer Stoßzungenrolle 34 ausgestattet.
Diese weiteren drei Rollen 32, 33, 34 sind keine notwendigen Merkmale der Erfindung.
Sie können aber zur weiteren Verbesserung der Wirkung der Erfindung jeweils einzeln
oder in beliebiger Auswahl oder alle zusätzlich zu der Repetierfederaufnahmerolle
21 vorgesehen sein.
Die Hebegliedrolle 32 ist an der Unterseite des Hebegliedsattels 2
angebracht und um die eigene Achse drehbar gelagert. Sie liegt auf der Pilote 3
des Tastenhebels 4 auf. Beim Anschlagen der Taste 4 entsteht beim Angriff der Pilote
3 an der Hebegliedrolle 32 dort nur eine geringe Rollreibung.
Die Repetierschenkelrolle 33 befindet sich an dem Ende 16 des Repetierschenkels
5, das der Abknickschraube 17 an der Hammerkapsel 15 gegenüberliegt. Die Repetierschenkelrolle
33 ist um die eigene Achse drehbar gelagert. Wenn beim Anschlagen des Tastenhebels
4 der Repetierschenkel 5 an der Abknickschraube 17 angreift, tritt zwischen der
Repetierschenkelrolle 33 und der Abknickschraube 17 nur eine geringe Rollreibung
auf.
Die Stoßzungenrolle 34 ist am Ende 18 des Stoßzungenwinkelarms
19 um die eigene Achse drehbar gelagert und befindet sich gegenüber der Auslösepuppe
20. Wird der Tastenhebel 4 angeschlagen und dadurch eine Bewegung der Stoßzunge
6 nach oben bewirkt, greift die Stoßzungenrolle 34 an der Auslösepuppe 20
an. Hierbei entsteht zwischen diesen beiden nur eine geringe Rollreibung.
In Fig. 5 ist eine zweite bevorzugte Ausführungsform der Erfindung
dargestellt. Diese entspricht insoweit der ersten Ausführungsform gemäß Fig.
2, als auch gemäß Fig. 5 außer der Repetierfederaufnahmerolle noch die
Hebegliedrolle 32, die Repetierschenkelrolle 33 und die Stoßzungenrolle 34
vorliegen.
Jedoch ist die zweite Ausführungsform gemäß Fig. 5 mit weiteren
Merkmalen ausgestattet. Dabei wird zur Klarstellung die in Fig. 2 gezeigte Repetierfederaufnahmerolle
21 bei der zweiten Ausführungsform gemäß Fig. 5 als obere Repetierfederaufnahmerolle
21a bezeichnet. Dementsprechend weist die Ausführungsform gemäß Fig. 5 auch
eine untere Repetierfederaufnahmerolle 21b auf. Zusätzlich sind die Positionen der
unteren Repetierfederaufnahmerolle 21b und der Stoßzungenrolle 34 verstellbar
ausgebildet. Gemäß Fig. 5 bis 8 ist die obere Repetierfederaufnahmerolle 21a
innerhalb eines nach unten offenes Zylinders 24a drehbar gelagert, der an seinem
Unterende zwei einander gegenüberliegende Nuten 31a zur Aufnahme des oberen Repetierfederschenkels
12 aufweist, die mit der Nut 31 der oberen Repetierfederaufnahmerolle 21a fluchten.
Der genannte Zylinder 24a wird an seinem Oberende 27a durch eine in ihn eingesetzte
Stellschraube 29a gehalten. Diese ist ihrerseits in dem Repetierschenkel 5 drehbar
angeordnet.
Der obere Repetierfederschenkel 12 liegt in der Nut 31 der oberen
Repetierfederaufnahmerolle 21a (Fig. 5 und 6). Da diese Nut 31 mit den beiden Nuten
31a des Zylinders 24a fluchtet, befindet sich der obere Repetierfederschenkel 12
zwangsläufig auch in den Nuten 31a. Die Flucht der Nuten ist in Fig. 6 deutlich
erkennbar.
Mit Hilfe der zweiten Ausführungsform der Halterung der oberen Repetierfederaufnahmerolle
21a gemäß den Figuren 6 bis 8 kann der Abstand dieser Rolle von der Längsmittelachse
des Repetierschenkels 5 verändert werden. Dies geschieht durch Verdrehen der Stellschraube
29a. Bei diesem Verdrehen wird ein gleichzeitiges Mitdrehen des Zylinders 24a durch
den Eingriff des oberen Repetierfederschenkels 12 in die Nuten 31a des Zylinders
24a verhindert. Folglich bewirkt das Verdrehen der Stellschraube 29a nur ein Verändern
des Abstands der oberen Repetierfederaufnahmerolle 21a von der Längsmittelachse
des Repetierschenkels 5. Durch Vergrößern dieses Abstands wird die Federkraft
des oberen Federschenkels 12 der Repetierfeder 9 auf die obere Repetierfederaufnahmerolle
21a und damit auf den Repetierschenkel 5 vergrößert und umgekehrt.
Bei der zweiten Ausführungsform gemäß Fig. 5 liegt der untere
Federschenkel 10 der Repetierfeder 9 an einer unteren Repetierfederaufnahmerolle
21b an, die am Unterende der Stoßzunge 6 drehbar angeordnet ist.
Zusätzlich ist die untere Repetierfederaufnahmerolle 21b an einem
verschiebbaren ersten Träger 21c angeordnet. Die Position dieses Trägers 21c und
damit der unteren Repetierfederaufnahmerolle 21b in der Stoßzunge 6 ist mit
einer in der Stoßzunge 6 geführten ersten Feststellschraube 21e fixierbar.
Hierzu greift diese Schraube 21e in eine erste Führungslängsnut 21f in dem Träger
21c ein. Diese erste Nut 21f mit eingreifender erster Feststellschraube 21e verhindert
gleichzeitig ein axiales Verdrehen des ersten Trägers 21c und stellt sicher, daß
der untere Federschenkel 10 der Repetierfeder 9 in einer Rollenumfangsnut 21g der
unteren Repetierfederaufnahmerolle 21b gehalten wird.
Der erste Träger 21c mit der unteren Repetierfederaufnahmerolle 21b
ist in den Fig. 9 und 10 dargestellt, welche auch die erste Führungslängsnut 21f
und die Rollennut 21g zeigen.
Die zweite Ausführungsform gemäß Fig. 5 enthält auch das bevorzugte
Merkmal, daß die Stoßzungenrolle 34 an einem verschiebbaren zweiten
Träger 34a angeordnet ist. Mit dessen Hilfe kann der Abstand zwischen der Stoßzungendrehachse
6a und der Drehachse 34b der Stoßzungenrolle 34 verändert werden. Mit anderen
Worten, die Verschiebbarkeit des zweiten Trägers 34a ermöglicht eine stufenlose
Justierung der Länge des Stoßzungenwinkelarms 19.
In entsprechender Weise wie beim ersten Träger 21c für die untere
Repetierfederaufnahmerolle 21b wird auch die Position des zweiten Trägers 34a mittels
einer zweiten Feststellschraube 34c fixiert, die in eine zweite Führungslängsnut
34d des zweiten Trägers 34a eingreift.
Der zweite Träger 34a mit der zweiten Führungslängsnut 34d sowie mit
der zugehörigen Stoßzungenrolle 34 ist in den Fig. 11 und 12 dargestellt.
Damit dienen bei der ersten Ausführungsform der Flügelmechanik gemäß
Fig. 2 die Hebegliedrolle 32, die Repetierschenkelrolle 33 und die Stoßzungenrolle
34 sowie bei der zweiten Ausführungsform gemäß Fig. 5 zusätzlich die untere
Repetierfederaufnahmerolle 21b als weitere fakultative Merkmale dazu, den durch
die Repetierfederaufnahmerolle 21 (Fig. 2) bzw. die obere Repetierfederaufnahmerolle
21b (Fig. 5) herabgesetzten Kraftaufwand beim Anschlagen des Tastenhebels 4 weiter
zu vermindern und die Präzision der Auslösung der Flügelmechanik weiter zu erhöhen.
Das bedeutet letztlich, daß die Repetierfederaufnahmerolle 21 oder 21b, gegebenenfalls
in Kombination mit den weiteren obengenannten Rollen 32, 33 und 34 sowie gegebenenfalls
mit der verstellbaren Halterung bzw. den verstellbaren Trägern 21c, 34c für die
verschiedenen Rollen 21, 21b, 32, 33, 34 eine deutliche Verbesserung der musikalischen
Ausdrucksmöglichkeiten des Pianisten mit sich bringt.