Das Chiffrieren von Texten ist seit langem bekannt und erfolgt in
der Regel nach dem Prinzip, dass Buchstaben und Zahlen durch Zeichen ersetzt werden.
Beispiele dafür sind das Morsealphabet, die Verwendung von Lochstreifen für die
Übertragung von Informationen oder die Blindenschrift.
Weiterhin sind ein Verfahren und eine Anordnung zur Abwehr kryptoanalytischer
Untersuchungen (Patent DE 198 11 175 A1)
sowie eine Dreipunktequadratschriftsystemtabelle bekannt.
Eine andere bekannte Veröffentlichung zu Verfahren und Vorrichtungen
dieser Art, wie Tiemann, V.: Symmetrische/klassische Kryptographie, Vorlesungsskript,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl Statistik und Informatik, Universität
Bielefeld; SoSe 2000, Blatt I-II, betrifft das sogenannte Substitutionsverfahren.
Es ist auch bekannt nur ausgewählte Teile eines Gesamttextes zu chiffrieren
(GB 23 42 768 A) und zur Chiffrierung
Buchstaben gezielt zu entfernen (DE 28 39
268 A1) sowie für Lehrzwecke in Texten, Worte durch Bilder zu ersetzen.
(US 60 22 222). Bekannt ist auch die
DE 40 08 743 A1, die Erweiterung
einer Tastatur betreffend und die WO 00/11634 A1, die akustische Wiedergabe geschriebenen
Textes anhand eingefügter Codesymbole betreffend.
Die bekannten Techniken und Methoden zum Chiffrieren und Dechiffrieren
dienen ganz speziellen Formen der Informationsübermittlung und erfordern ein hohes
Maß an Kenntnissen, die bei Kindern im Vorschul- und jüngeren Schulalter nicht vorausgesetzt
werden können. Deshalb sind diese Techniken und Methoden für den angestrebten Zweck
ungeeignet.
Die Aufgabenstellung für die vorliegende Erfindung bestand darin,
Techniken und Methoden zu entwickeln, die Kinder im Vorschul- und jüngeren Schulalter
mit spielerischen, leicht zu behaltenden Mitteln und Methoden dabei unterstützen,
die Grundfertigkeiten des Lesens zu erlernen
Dafür sollten Tafeln entwickelt werden, auf denen bildliche Darstellungen
jeweils bestimmte Teile des Textes symbolisieren. Analog sollte eine Tastatur entwickelt
werden, mit der über einen angeschlossenen Computer die durch bildliche und/oder
buchstäbliche Darstellungen symbolisierten Texte in Laute umgewandelt und hörbar
gemacht werden können.
Diese Mittel sollten dem Kind helfen, die unterschiedlichen Laute
nach klaren, charakteristischen und natürlichen Merkmalen zu unterscheiden, und
eine Möglichkeit geben, Texte mit graphischen Zeichen aufzuschreiben, die für ein
Kind leichter zu behalten sind als Buchstaben.
Erfindungsgemäß wird das Chiffrieren des Textes nach dem genannten
Verfahren dadurch erreicht, dass zuerst der Ausgangstext in einzelne Teile –
Konsonanten, offene Silben und Zeichen wie zum Beispiel Interpunktionszeichen –
getrennt wird. Dann werden die Zeichen und die einzelnen Konsonanten unverändert
in das Chiffrogramm übersetzt. Die offenen Silben werden in Verschlüsslungswörter
umgesetzt und damit chiffriert. Das Verschlüsslungswort muss die offene Silbe enthalten,
die chiffriert werden soll. In geschlossenen Silben dürfen nur die offenen Teile
dieser Silben benutzt werden. Diese Silbe muss im Verschlüsslungswort betont sein.
Dabei ist es unerheblich, in welcher Position sich die betonte offene Silbe befindet.
Sie kann am Anfang, am Ende oder mitten in einem Verschlüsselungswort stehen. Eine
zweite Variante besteht darin, dass die betonte Silbe immer am Anfang steht.
Die dritte Variante besteht darin, dass Verschlüsslungswörter als
solche graphischen Zeichen bildlich dargestellt werden, wie sie Kindern im Vorschul-
und jüngeren Schulalter in der Regel bekannt sind. 1
gibt eine Übersicht, welche offenen Silben sich in der deutschen Sprache bildlich
darstellen lassen, wobei die Verschlüsslungswörter auch andere als die in
1 dargestellten sein können. Prinzipiell ist dieses
Verfahren für alle europäischen Sprachen geeignet. 2
gibt eine Übersicht, welche offenen Silben sich zum Beispiel in der russischen Sprache
bildlich darstellen lassen. Der Ausgangstext wird chiffriert, indem die einzelnen
Zeichen entsprechend ihrer Stellung im Text nacheinander aufgeschrieben werden.
In umgekehrter Reihenfolge wird der Text dann dechiffriert.
Mit Hilfe eines speziellen Satzes bildlicher Darstellungen und Buchstaben,
die man auf eine Fläche legen, aufkleben oder anhängen kann, lässt sich von jeder
Person ein Text aufbauen, der nach dem beschriebenen Verfahren chiffriert ist. Die
bildlichen Darstellungen und Buchstaben werden als Chiffrierkarten bezeichnet. Die
Karten zum Legen und Hängen sind zweiseitig bedruckt, sie tragen auf der Vorderseite
eine Abbildung und auf der Rückseite den passenden Buchstaben. Die zum Aufkleben
vorgesehenen Karten sind wegen der Klebefläche nur einseitig bedruckt.
Zur Erleichterung des Chiffrierens und Dechiffrierens kann die Chiffriertabelle
genutzt werden. Die Chiffriertabelle stellt die geregelten und gruppierten Textteile
und die entsprechenden Chiffrierzeichen dar. Die graphischen Bezeichnungen
der offenen Silben können nach dem Artikulationsmerkmal der Stelle und Weise der
Lautbildung gruppiert sein, wobei jede Gruppe farbig oder in anderer geeigneter
Weise markiert sein kann. Dadurch wird die Korrektur der Aussprache erleichtert.
Eine Variante der Chiffriertabelle kann eine Tastatur sein, die an
einen Speicher und/oder einen Drucker angeschlossen ist. Jede Taste dieser Tastatur
ist eine Zelle der Chiffriertabelle mit den auf ihr symbolisierten bildlichen und/oder
buchstäblichen Bezeichnungen. Mit Hilfe der oben genannten Bezeichnungen, die auf
die einzelnen Tasten der Tastatur gelegt werden, können Texte aufgebaut werden,
soweit sie bildlich dargestellt sind und in Verbindung mit Konsonanten gebracht
werden. Beim Drücken der jeweiligen Taste zeigt und/oder druckt das Gerät das entsprechende
Chiffrier- oder Dechiffrierzeichen beziehungsweise macht die offene Silbe mit einem
Tonwiedergabegerät als Laut hörbar, wenn die entsprechenden Laute vorher gespeichert
wurden. Die so genannte sprechende Tastatur wurde sowohl als Alternative für konventionelle
Computertastaturen (6) als auch für solche mit Tonwiedergabegerät
und Speicher kombinierte Monoblocks entwickelt (7).
Die Wiedergabe der offenen Silben als Laute ist wesentlicher Bestandteil dieser
Erfindung und in ihrer Art neu.
Die vorliegende Erfindung nutzt das Prinzip des Chiffrierens und Dechiffrierens,
um Kindern im Vorschul- und jüngeren Schulalter das Lesenlernen zu erleichtern.
Das Chiffrieren und Dechiffrieren erfolgt mit Chiffrierbildern, einer Chiffriertabelle
und einer so genannten sprechenden Tastatur. Analoge Techniken und Methoden sind
nicht bekannt.
Nachstehend wird die Erfindung an 5 Ausführungsbeispielen näher erläutert.
In den zugehörigen Zeichnungen ist mit
1 eine Chiffriertabelle in deutscher Sprache
und mit
2 eine Chiffriertabelle in russischer
Sprache und mit
3 ein Chiffriermuster in deutscher Sprache
und mit
4 ein Dechiffriermuster in deutscher
Sprache und mit
5 ein Dechiffriermuster in russischer
Sprache und mit
6 eine Chiffriertabelle in Form einer
Computertastatur, Computer, Monitor und Lautsprecher und mit
7 ein Computermonoblock (Spielkonsole)
schematisch dargestellt.
Beispiel 1.
Beim Chiffrieren wird das deutsche Wort Wolke in Wo-l-ke getrennt,
und das russische Wort
wird in
getrennt. Der deutsche Konsonant L oder die russischen Konsonanten
und
werden in das Chiffrogramm ohne Veränderung übernommen. Die offene Silbe WO wird
in der Zusammensetzung des Wortes WOlf und KE in der Zusammensetzung des Wortes
RaKEte getrennt. In diesem Fall wird das Wort WO-L-KE wie WOlf-L-RaKEte chiffriert.
Die russische offene Silbe ME wird in der Zusammensetzung des Wortes
und BE in der Zusammensetzung des Wortes
getrennt. Das russische Wort
wird wie
chiffriert.
In geschlossenen Silben dürfen nur die offenen Teile dieser Silben
benutzt werden. Zum Beispiel wird im deutschen Wort Wolf die gesamte Silbe WOLF
betont, aber benutzt wird nur der offene Teil dieser Silbe WO. Im russischen Wort
wird die gesamte Silbe BET betont, aber benutzt wird nur der offene Teil dieser
Silbe BE.
Beispiel 2.
Eine zweite Variante besteht darin, dass die betonte Silbe immer am
Anfang steht. So könnte die Silbe KE auch dem Wort KEgel entnommen sein. In diesem
Fall wird das Wort WO-L-KE wie WOlf-L-KEgel chiffriert. Das russische Wort
wird wie
chiffriert.
1 gibt eine Übersicht, welche offenen
Silben sich in der deutschen Sprache bildlich darstellen lassen, wobei die Verschlüsslungswörter
auch andere als die in Bild 1 dargestellten sein können. Statt Apfel könnte zum
Beispiel Anker oder Adler stehen.
2 gibt eine Übersicht, welche offenen
Silben sich in der russischen Sprache bildlich darstellen lassen, wobei die Verschlüsslungswörter
auch andere als die in Bild 2 dargestellten sein können. Statt
könnte zum Beispiel
oder
stehen.
Beispiel 3.
Das Chiffrieren mit Hilfe von bildlichen Darstellungen und Konsonanten
erfolgt in der Weise, dass bildliche Darstellungen für einen Teil des Verschlüsslungsworts
stehen und durch Konsonanten entsprechend ergänzt werden. Das Prinzip
wird am Beispiel des Satzes „Eine lange Schlange ringelt sich um eine lange
Stange" verdeutlicht. (3).
Ei-ne la-n-ge Sch-la-n-ge ri-n-ge-l-t si-ch u-m ei-ne la-n-ge S-ta-n-ge.
EI-NEtz LAmpe-N-GEld SCH-LAmpe-N-GEld Ring-N-GEId-L-T SIchel-CH Uhr-M EINEtz LAmpe-N-GEld
S-TAsse-N-GEld.
Beispiel 4.
Ein anderes Beispiel ist der Satz „Herr Fischer fischt frische
Fische." (4).
HE-R-R FI-SCHE-R FI-SCH-T F-RI-SCHE FI-SCHE-.
HErz-R-R FIlm-SCHEre-R FIlm-SCH-T F-RIng-SCHEre FIlm-SCHEre-.
Herz-R-R Film-Schere-R Film-SCH-T F-Ring-Schere Film-Schere.
Beispiel 5.
Im Russischen könnte ein derartiger Satz folgendermaßen chiffriert
werden. (5).
Anspruch[de]
Verfahren zum Chiffrieren und Dechiffrieren von Texten, indem diese
in Teile getrennt und durch andere graphische Zeichen ersetzt werden, gekennzeichnet
dadurch, dass die Teile von Texten als einzelne Konsonanten, als offene Silben,
als Interpunktions- und andere Zeichen dargestellt sind, wobei die einzelnen Konsonanten
und Zeichen unverändert in das Chiffrogramm übernommen werden und die offenen Silben
durch Verschlüsslungswörter ersetzt werden, wobei das Verschlüsslungswort die entsprechende
Silbe in betonter Position hat.
Verfahren zum Chiffrieren und Dechiffrieren von Texten nach Anspruch
1, gekennzeichnet dadurch, dass die betonte offene Silbe im Verschlüsslungswort
am Anfang steht.
Verfahren zum Chiffrieren und Dechiffrieren von Texten nach Anspruch
1 und 2, gekennzeichnet dadurch, dass Verschlüsslungswörter durch entsprechende
bildliche Darstellungen ersetztbar sind.
Vorrichtung in Form einer Chiffriertabelle, die Teile von Texten und
entsprechende Chiffrierzeichen enthält, gekennzeichnet dadurch, dass die Teile von
Texten als einzelne Konsonanten und als offene Silben dargestellt sind und die Chiffrierzeichen
als Verschlüsslungswörter und/oder entsprechende bildliche Darstellungen dargestellt
sind, wobei die entsprechende Silbe im Verschlüsslungswort betont ist.
Vorrichtung in Form einer Chiffriertabelle nach Anspruch 4, gekennzeichnet
dadurch, dass die betonte offene Silbe im Verschlüsslungswort nur am Anfang stehen
kann.
Tastatur zur Dateneingabe in eine Vorrichtung nach Anspruch 4 mit einzelnen
Buchstaben auf den Tasten, gekennzeichnet dadurch, dass sie zusätzliche Tasten hat,
auf denen die offenen Silben graphisch dargestellt sind und wobei diese an einen
Speicher und/oder einen Drucker und/oder ein Tonwiedergabegerät angeschlossen ist,
wobei die Sprachlaute als einzelne Konsonanten und als offene Silben vorher im Speicher
gespeichert sind und die beim Drücken der jeweiligen Tasten durch das Gerät als
Sprachlaute hörbar sind.