Die Erfindung betrifft Vorrichtungen und Verfahren zum Nachweis von
biochemischer Aktivität mit einer Nachweisreaktion, wobei die nachzuweisende biochemische
Aktivität räumlich getrennt von der Nachweisreaktion verläuft. Die räumliche Trennung
wird durch Lipidmembranen und Gap Junctions erreicht.
Connexine, Connexone und Gan Junctions
Dem Fachmann bekannt sind biologische Protein-Moleküle, sogenannte
Connexine, welche bei der Kommunikation zwischen lebenden Zellen eine besondere
Rolle spielen. Mittlerweile werden etwa fünfzehn verschiedene Connexine aufgrund
ihrer Aminosäuresequenz unterschieden [1] [2]. Connexine kommen in allen Veriebraten
vor und werden in der Regel mit Abkürzung wie z.B. Cx26 bezeichnet. Hierbei gibt
die Zahl die chromatographische Größe der Connexine in kD an. Bekannt sind bislang
Connexine mit einem Molekulargewicht zwischen 26 und 56 kD. Alternativ zu dieser
Nomenklatur hat sich eine zweite durchgesetzt, die die Connexine anhand von Strukturmerkmalen
in wenigstens 3 Klassen a, b und c einteilt und dann die entsprechenden Connexine
in den einzelnen Klassen durchnummeriert.
In der Zellmembran lagern sich jeweils sechs Connexine zu einem Connexon
zusammen. Ein Connexon ist eine ringförmige Struktur, die die Zellmembran durchquert
und grundsätzlich in der Lage ist, einen sehr weiten, unspezifischen Ionenkanal
oder eine wassergefüllte Pore zu bilden. Dabei sind diese Poren aber in der Regel
geschlossen, solange sich das Connexon in der Membran einer einzelnen, gesunden
Zelle befindet. Berühren sich jedoch zwei Zellen, die in ihrer Membran jeweils miteinander
kompatible Connexone aufweisen, dann kommt es zwischen zwei Connexonen der gegenüberliegenden
Zellen zur Bildung einer Gap Junction (oder auch elektrische Synapse bezeichnet),
der nunmehr die beiden Membranen und den Abstand zwischen den Zellmembranen überbrückt.
Die Bildung einer Gap Junction erfolgt bei Kontakt in der Regel in wenigen Minuten.
Der ausgebildete Gap Junction Kanal ist eine Struktur aus in der Regel 12 identischen
oder verschiedenen Connexinen, bzw. aus zwei Connexonen. Der Kanal besitzt eine
ggf. verschließbare zentrale Pore mit einem Durchmesser von etwa 1,5 bis 2 nm. Der
wesentliche Unterschied zu anderen Membrankanälen ist, das Gap Junction Kanäle zwei
aneinanderliegende Zellmembranen durchziehen und damit nicht eine Verbindung zwischen
dem Zellinneren mit dem Außenmedium, sondern eine Verbindung zwischen den intrazellulären
Medien der beiden Zellen herstellen.
Dabei ermöglichen Gap Junction Kanäle anorganischen Ionen und kleinen
wasserlöslichen Molekülen bis zu einer molekularen Masse von ca. 1000 Dalton den
direkten Durchgang von dem Cytoplasma der einen Zelle ins Cytoplasma der anderen
Zelle. Damit sind die zwei Zellen sowohl mechanisch, elektrisch als auch metabolisch
verbunden. Gap Junction Kanäle gehören zu den epithelialen Zell-Zell-Verbindungen
und finden sich in nahezu allen Epithelien und vielen anderen Gewebetypen. In der
Regel sind viele Gap Junction Kanäle in Form von Feldern organisiert, wobei diese
Strukturen dann als Gap Junction im eigentlichen Sinne bezeichnet werden.
Die Gap Junction Kanäle verbundener Zellen sind in der Regel geöffnet
und die Connexine gestreckt. Erleidet eine Zelle einen massiven Calciumeinstrom
von außen, etwa durch eine Verletzung, so wird die Verbindung zu benachbarten Zellen
unterbrochen indem sich die Connexine allosterisch miteinander verwinden.
Connexine können verfügbar gemacht werden durch Aufreinigen von Zellmembranen
aus Zellen, die Connexine enthalten, z. B. Augenlinse, Herzmuskel, glatte Muskulatur,
oder Epithelzellen sowie durch gentechnische Expression der Connexine in Bakterien,
Hefen oder anderen Zellen. Es ist weiter bekannt, dass Connexine durch Verbindung
mit einem Marker, wie zum Beispiel einem fluoreszierenden Proteinfragment, versehen
werden können so dass ihr Vorhandensein in einer Zellmembran mit einfachen optischen
Verfahren nachweisbar wird [3].
Es sind dem Fachmann Verfahren bekannt, mit denen Connexone in künstliche
Membranen oder andere zellfreie Systeme eingebaut werden können [4]. Diese Connexone
und Gap Junctions weisen häufig noch die gleichen Eigenschaften – wie z.B.
Porengröße, Ionenselektivität, elektrisches Verhalten – auf, wie in ihrer
natürlichen Umgebung. Es ist bekannt, dass es auch zwischen zwei Connexonen, die
in künstliche Membranen eingelagert sind, bei Kontakt der Membranflächen zur Ausbildung
eines funktionsfähigen Gap Junction Kanals kommt [5].
Weiterhin ist bekannt, dass Invertebraten eine funktionell ähnliche
Klasse von Membranproteinen aufweisen, die Innexine genannt werden [6]. Die hiermit
gebildeten Kanäle besitzen allerdings eine größere Pore, die Molekülen bis zu einem
Gewicht von 2000 Dalton den Durchgang ermöglicht. Innexine bilden auch Gap Junctions
im Sinne der Erfindung.
Es ist weiterhin bekannt, dass auch in Pflanzen Verbindungen zwischen
den Zellen vorkommen, die ähnliche Eigenschaften aufweisen wie Gap Junctions und
die als Plasmodesmata bezeichnet werden. Diese überspannen ebenfalls die Zellzwischenwand
benachbarter Zellen und ermöglichen ebenfalls einer begrenzten
Anzahl von Ionen und kleiner Moleküle die Passage von Zelle zu Zelle. Im Gegensatz
zu den Kanälen bei tierischen Lebewesen sind die Plasmodesmata jedoch von der Plasmamembran
begrenzt. Auch diese Strukturen werden im Sinne der Erfindung unter dem Oberbegriff
Gap Junction zusammengefasst.
Zelluläre Assays
Bekannt sind weiterhin zelluläre Assays, bei welchen eine bestimmte
biochemische Aktivität, die innerhalb einer lebenden Zelle stattfinden, durch geeignete
Nachweisreaktionen, welche ebenfalls innerhalb der Zelle stattfinden, nachgewiesen
werden. Bekannt sind insbesondere Verfahren, in denen Reaktionsprodukte der biochemischen
Aktivität innerhalb der Zelle mit Indikatormolekülen reagieren, welche dann ein
leicht detektierbares Signal, z.B. ein Lichtsignal oder eine Farbänderung, hervorrufen.
Ein häufig verwendetes Indikatormolekül ist z.B. das Aequorin [7].
Diesen zellulären Assays ist gemeinsam, dass sie auf die Verwendung
von Indikatormolekülen beschränkt sind, die nicht toxisch auf die Zellen wirken
und die innerhalb der lebenden Zelle ihre Aufgabe erfüllen können. Anderenfalls
würden die Zellen durch die toxischen Indikatormoleküle bereits vor oder auch während
des Assays so geschädigt, dass der eigentliche Test gar nicht mehr durchgeführt
werden könnte.
Assays an künstlichen Lipidmembranen
Weiterhin ist bekannt, dass Ionenkanälen, Rezeptoren und andere Targetmoleküle
in künstliche Lipidmembranen eingebaut werden, und dort durch geeignete Experimente
funktionell untersucht werden können [8]. Interessant sind besonders jene Verfahren,
die eine künstliche Lipidmembran durch ein geeignetes Substrat in der Weise zu stabilisieren,
dass sie mechanisch fester, länger haltbar, und reproduzierbarer werden [9]. Als
Substrate finden hier zum Beispiel Silicagele Verwendung, die ggf. zur Verbesserung
der Stabilität und Fluidität der Membran mit einer polymeren Zwischenschicht versehen
worden sind [10]. Auch können Bilayer auf dem Substrat mit geeigneten Kettenmolekülen
stabilisiert werden ('tethered bilayers') [11].
Im Stand der Technik sind Verfahren enthalten, bei denen Targetmoleküle
(z.B. Ionenkanäle, Rezeptoren, Enzyme, etc.) in eine auf einem sphärischen, festen
Substrat immobilisierte Lipiddoppelschicht eingebracht werden. Die biochemische
Aktivität dieser Targetmoleküle kann dann durch unterhalb der Lipiddoppelschicht
befindliche Indikatormoleküle nachgewiesen werden [10]. Das zumeist feste Substrat
ist beispielsweise ein Silica-Träger auf welchem eine Lipiddoppelschicht aus Lecitin
aufgebracht ist. Eine solche Anordnung ist u.A. kommerziell erhältlich unter dem
Handelsnamen Transil® der Firma Nimbus Biotechnologie (Leipzig, Germany).
Zum Nachweis der biochemischen Aktivität von Targetmolekülen (welche direkt in die
Lipiddoppelschicht eingelagert sind) werden hierbei unterhalb der Lipiddoppelschicht
immobilisierte Calcium-sensitive oder Phosphat-sensitive Farbstoffe verwendet.
Das vorstehend beschriebene Verfahren hat jedoch den Nachteil, dass
für die Untersuchung eines jeden Targetmoleküls die entsprechend beschichteten und
mit dem Targetmolekül angereicherten Substrate hergestellt werden müssen. Außerdem
kann nicht immer gewährleistet werden, dass die Targetmoleküle in dieser "künstlichen"
Umgebung die gleichen biochemischen Aktivitäten entfaltet, wie in der "natürlichen"
zellulären Umgebung.
Beschreibung der Erfindung
Ausgehend von dem oben beschriebenen Stand der Technik stellt sich
hier die technische Aufgabe, verbesserte Verfahren und Vorrichtungen bereitzustellen,
bei denen einerseits für zelluläre Assays nicht einsetzbare Indikatorsysteme (z.B.
toxische Nachweisreagentien) angewendet werden können und andererseits die untersuchten
Targetmoleküle in ihrer natürlichen zellulären Umgebung untersucht werden können.
Die technische Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass Vorrichtungen
und Verfahren zur Anwendung kommen, bei denen die zu untersuchende biochemische
Aktivität räumlich getrennt stattfindet von der die biochemische Aktivität nachweisenden
Reaktion. Dadurch ist es möglich, dass z.B. toxische Nachweisreagentien für den
Nachweis der biochemischen Aktivität verwendet werden können, während das Targetmolekül
immer noch in seiner natürlichen zellulären Umgebung die nachzuweisende biochemische
Aktivität entfaltet. Biochemische Aktivität und Nachweisreaktion sind räumlich entkoppelt.
Die räumliche Trennung wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, dass
Orte, in denen die zu untersuchende biochemische Aktivität bzw. die Nachweisreaktion
stattfindet, durch mindestens zwei Lipidmembranen getrennt sind. Die Lipidmembranen
sind jeweils mit Connexinen oder Innexinen besetzt, sodass sich zwischen den Membranen
Gap Junctions ausbilden, die einen Durchtritt von Molekülen oder anderen Signalen
zwischen dem Ort der biochemischen Aktivität und dem Ort der Nachweisreaktion ermöglichen.
"Biochemische Aktivität", im Sinne der Erfindung, ist jedwede biochemische
Aktivität, die in oder an oder an der Oberfläche von biologischen
Systemen (z.B. Zellen) stattfindet, stattfinden kann oder durch das biologische
System katalysiert werden kann. Biochemische Aktivitäten sind z.B. durch Proteine
katalysierte chemische Reaktionen, Signaltransduktionsvorgänge oder Änderungen der
physikalischen oder chemischen Zustandsgrößen (wie z.B. pH Wert, Ionenkonzentration,
Metabolitkonzentrationen, etc.). Die Proteine, welche Targetmoleküle darstellen,
können gelöst, z.B. frei in Cytoplasma, oder auch membrangebunden, z.B. an der Cytoplasmamembran
oder an Organellen, vorliegen.
"Nachweisreaktionen", im Sinne der Erfindung, sind chemische oder
biochemische Reaktionen, welche die biochemische Aktivität oder deren Auswirkungen
nachweisen können bzw. detektierbar machen. Bevorzugte Nachweisreaktionen sind Farbreaktionen,
Fluoreszenz- oder Lumineszenzerscheinungen oder auch komplexe biochemische Reaktionen,
die den Nachweis der biochemischen Aktivität erlauben.
"Lipidmembranen", im Sinne der Erfindung, sind Lipidmembranen, wie
sie dem Fachmann aus biologischen oder nicht-biologischen Systemen bekannt sind.
Lipidmembranen enthalten bevorzugt eine Lipiddoppelschicht, welche den freien Durchtritt
von hydrophilen Substanzen verhindert. Lipidmembranen im Sinne der Erfindung können
Moleküle, z.B. Proteine, eingelagert haben. Lipidmembranen können sphärisch oder
auch planar ausgeführt sein. Sie können insbesondere auch auf einer festen oder
Gel-artigen Unterlage vorgesehen sein. Eine besondere Ausführungsform der Lipidmembran
ist eine Lipidmembran aus Lecitin.
"Gap Junctions", im Sinne der Erfindung, sind Verbindungen zwischen
zwei räumlichen Bereichen, die durch Lipidmembranen voneinander getrennt sind. Gap
Junctions werden von Proteinen ausgebildet, welche die Lipidmembranen und den Zwischenraum
zwischen den Membranen überspannen und so einen Durchgang für Stoffe und für Ladungsaustausch
ermöglichen.
"Membrankörper", im Sinne der Erfindung, sind von einer Membran umschossene,
mit einer Flüssigkeit gefüllte Volumenelemente. Erfindungsgemäße Membrankörper sind
bevorzugt biologische Membrankörper, wie z.B. lebende Zellen. Dazu gehören Zellen,
die aus lebendem Gewebe durch Dissoziation isoliert wurden (Primärkulturen). Dazu
gehören ebenso Zellen, die als etablierte Zelllinien in Kultur gehalten werden,
wie CHO-Zellen, HEK-Zellen, NIH3T3-Zellen, HeLa-Zellen aber auch transient transfizierte
Zellen oder Primärzellen. Biologische Membrankörper, im Sinne der Erfindung sind
außerdem künstlich erzeugte Membrankörper, bei welchen z.B. eine Lipiddoppelschicht
ein begrenztes Volumen eines wässrigen Mediums einschließt (Vesikel). Diese Membrankörper
enthalten dann vorzugsweise mindestens eine biologische Komponente, z.B. ein in
der Lipiddoppelschicht eingelagertes Polypeptid, ein membranständiges Enzym, einen
Ionenkanal oder einen G-Protein gekoppelten Rezeptor. Biologische Membrankörper,
im Sinne der Erfindung können auch bakterielle Zellen, Pilzzellen oder Zellen anderer
einzelliger oder mehrzelliger Organismen sein. Biologische Membrankörper, im Sinne
der Erfindung sind, z.B. auch Protoplasten von Pilzzellen und Pflanzenzellen, die
durch Entfernen außenliegender Zellwände oder ähnlicher Strukturen erzielt werden.
Biologische Membrankörper, im Sinne der Erfindung sind weiterhin auch Membrankörper,
die – wie z.B. Synaptosomen – durch Abspaltung oder Vereinigung aus
den Membranen von lebenden Organismen erzeugt oder die durch die Vereinigung solcher
Präparate mit synthetischen Lipidvesikeln erhalten worden sind.
"Farbstoffe", im Sinne der Erfindung, sind Stoffe, die optisch durch
Detektion der von ihnen ausgesandten oder der durch sie nicht absorbierten elektromagnetischen
Strahlung nachgewiesen werden können.
"Spannungs-sensitive Indikatoren", im Sinne der Erfindung, sind Stoffe,
die in Abhängigkeit einer anliegenden elektrischen Potentialdifferenz oder des vorliegenden
elektrischen Potentials derart ihre physikalischen, optischen oder katalytischen
Eigenschaften ändern, dass diese ein detektierbares Signal hervorrufen.
Dem Fachmann bekannt sind spannungs-sensitive Indikatoren wie z.B.
DIBAC [14].
"pH-Wert-sensitive Indikatoren", im Sinne der Erfindung, sind Stoffe,
die in Abhängigkeit des pH-Wertes derart ihre physikalischen, optischen oder katalytischen
Eigenschaften ändern, dass diese ein detektierbares Signal hervorrufen. Solche Indikatorfarbstoffe,
wie zB Phenolrot, sind dem Fachmann zahlreich bekannt.
"Calcium-sensitive Indikatoren", im Sinne der Erfindung, sind Stoffe,
die in Anwesenheit von Calcium derart ihre physikalischen, optischen oder katalytischen
Eigenschaften ändern, dass diese ein detektierbares Signal hervorrufen. Dem Fachmann
bekannte Calcium-sensitive Indikatoren sind z.B. das Aequorin und andere Calcium-sensitive
Farbstoffe wie z.B FURA-2.
"Supported Bilayer" sind Membranen, die sich auf der einen Seite in
Kontakt mit oder in unmittelbarer Nähe von einem geeigneten festen, porösen oder
gel-artigen Material befinden. Dadurch werden sie gegenüber frei tragenden Membranen
mechanisch stabiler und belastbarer.
"Wirkstoffe", im Sinne der Erfindung, sind Stoffe, welche die Aktivität
von biologischen Molekülen beeinflussen können. Bevorzugte Wirkstoffe, im Sinne
der Erfindung, sind solche, die spezifisch die Aktivität von einzelnen biologischen
Molekülen oder von Gruppen von biologischen Molekülen beeinflussen. Besonders bevorzugte
Wirkstoffe sind solche, welche die Aktivität von Rezeptoren und/oder Ionenkanälen
beeinflussen. Ganz besonders bevorzugte Wirkstoffe vermögen bestimmte Krankheitsbilder
des Menschen oder von Tieren zu heilen, zu lindern oder zu verhindern.
"Wirkstoff-Screening", in Sinne der Erfindung, ist die zielgerichtete
Suche nach chemischen oder biologischen Substanzen, die bei einem bestimmten biologischen
System einen bestimmten physiologischen Effekt auslösen. Dieser Effekt ist bevorzugt
die Modulation der Aktivität eines Targetmoleküls oder die Heilung, Linderung, oder
Verhinderung eines bestimmten Krankheitszustands eines Organismus. Wirkstoff-Screening
wird bevorzugt im High-Throughput-Screening (HTS) Format durchgeführt. Hierbei wird
eine große Anzahl von chemischen Substanzen während des Screening-Verfahrens mit
einem Target in Kontakt gebracht und die Auswirkungen der chemischen Substanzen
auf das Target wird ausgewertet.
Gegenstand der Erfindung ist:
- 1. Eine Messanordnung zum Nachweis einer biochemischen Aktivität mit einer Nachweisreaktion
für besagte biochemische Aktivität, dadurch gekennzeichnet, dass in der Messanordnung
die besagte biochemische Aktivität räumlich getrennt von besagter Nachweisreaktion
erfolgt, und die räumliche Trennung durch mindestens zwei Lipidmembranen erfolgt
welche mit Gap Junctions verbunden sind.
Die durch die biochemische Aktivität hervorgerufene Änderung (z.B. eine Änderung
der Konzentration einer chemischen Substanz oder eine Spannungsänderung) setzt sich
durch besagte Gap Junctions vom Ort der biochemischen Aktivität zum Ort der Nachweisreaktion
fort. Dort wird die Änderung durch die Nachweisreaktion ggf. verstärkt bzw. detektierbar
gemacht und schließlich detektiert. Die Detektion selbst kann irgendwo erfolgen.
Bevorzugte weitere Erfindungsgegenstände sind:
- 2. Eine Messanordnung nach Punkt 1, wobei besagte biochemische Aktivität in
einem Membrankörper erfolgt.
- 3. Eine Messanordnung nach Punkt 1, wobei besagte biochemische Aktivität in
einer lebenden Zelle erfolgt.
Die verwendeten lebenden Zellen können z.B. Zellen, die aus lebenden Geweben durch
Dissoziation isoliert wurden (Primärkulturen) sein. Weiterhin können Zellen, die
als etablierte Zelllinien in Kultur gehalten werden, wie CHO-Zellen, HEK-Zellen,
NIH3T3-Zellen, HeLa-Zellen aber auch transient transfizierte Zellen oder Primärzellen
verwendet werden.
- 4. Eine Messanordnung nach einem der Punkte 1 bis 3, wobei die Nachweisreaktion
eine Reaktion mit einem Farbstoff ist.
- 5. Eine Messanordnung nach einem der Punkte 1 bis 3, wobei die Nachweisreaktion
eine Reaktion mit einem Calcium-sensitiven Indikator ist.
- 6. Eine Messanordnung nach einem der Punkte 1 bis 3, wobei die Nachweisreaktion
eine Reaktion mit einem Spannungs-sensitiven Indikator ist.
- 7. Eine Messanordnung nach einem der Punkte 1 bis 3, wobei die Nachweisreaktion
eine Reaktion mit einem pH-Wert-sensitiver Indikator ist.
- 8. Eine Messanordnung nach einem der Punkte 1 bis 7, wobei eine der Lipidmembranen
als supported bilayer ausgeführt ist.
- 9. Eine Messanordnung nach Punkt 8, wobei die supported bilayer als planare
supported bilayer ausgeführt ist.
- 10. Eine Messanordnung nach Punkt 8, wobei die supported bilayer als sphärische
supported bilayer ausgeführt ist.
- 11. Eine Messanordnung nach Punkt 8, wobei die supported bilayer auf einem sphärischen
Silica-Träger aufgebracht ist.
- 12. Eine Messanordnung nach Punkt 8, wobei sich die supported bilayer auf einem
Transil®-Partikel befindet.
- 13. Eine Messanordnung nach einem der Punkte 1 bis 7, wobei mindestens eine
Lipidmembran das Ende einer Kapillare überspannt. Mit einer solchen Anordnung kann
eine Nachweisreaktion in einer Glaskapillare stattfinden, wie sie derzeit z.B. für
sogenannte "patch-clamp" Anwendungen verwendet wird [12].
- 14. Eine Vorrichtung zur Bestimmung von biochemischen Aktivitäten enthaltend
eine Vielzahl von Messanordnungen gemäß einem der Punkte 1 bis 13.
- 15. Ein Verfahren zum Nachweis einer biochemischen Aktivität mit einer Nachweisreaktion,
dadurch gekennzeichnet, dass die besagte biochemische Aktivität räumlich getrennt
von besagter Nachweisreaktion erfolgt, und dass die räumliche Trennung durch mindestens
zwei Lipidmembranen erfolgt, und die Lipidmembranen mit Gap Junctions verbunden
sind.
- 16. Verfahren nach Punkt 15, wobei besagte biochemische Aktivität eine Reaktion
auf das Vorhandensein eines Wirkstoffs darstellt.
- 17. Verwendung einer Messanordnung nach einem der Punkte 1 bis 13 oder einer
Vorrichtung nach Punkt 14 zum Wirkstoff-Screening
Kurze Beschreibung der Abbildungen
1 zeigt eine erfindungsgemäße Anordnung
zur Bestimmung von biologischer Aktivität mit einem Targetmolekül (gleichzeitig
der Ort der biochemischen Aktivität) (1), dem davon räumlich getrennten
Ort der Nachweisreaktion (2), einer ersten (3) und einer zweiten
(4) Lipidmembran, Connexinen (5) und Gap Junctions (6).
Der Ort der biochemischen Reaktion (1) ist räumlich getrennt vom Ort der
Nachweisreaktion (2) und dennoch funktionell über Gap Junctions (6)
verbunden. Die erste Lipidmembran (3) ist planar ausgeführt.
2 zeigt eine erfindungsgemäße Anordnung
zur Bestimmung von biologischer Aktivität mit einem Targetmolekül (gleichzeitig
der Ort der biochemischen Aktivität) (1), dem davon räumlich getrennten
Ort der Nachweisreaktion (2), einer ersten (3) und einer zweiten
(4) Lipidmembran, Connexinen (5) und Gap Junctions (6).
Die Nachweisreaktion findet unterhalb der Lipidmembran (3) auf einem Partikel
(z.B. auf einem Transil® Partikel) statt, der einen Kern (7)
und eine Lipidmembran (3) aufweist. Es sind zwei über Gap Junctions an
das Partikel gekoppelte Membrankörper dargestellt.
Beispiele
Beispiel 1: Supported Bilayer Membranen mit eingebauten
Connexinen
Es werden Connexine aus der Leber aufgereinigt und renaturiert, wie
es in der Literatur beschrieben ist [4]. Die Connexine werden nach dem Verfahren
von NIMBUS in supported bilayer Membran auf Transil® Partikel eingefügt.
Das Verfahren kann natürlich nicht nur mit Connexin Cx32 aus der Leber, sondern
sinngemäß auch mit anderen Connexinen wie z.B. Connexin Cx43 aus Herzmuskel, und
praktisch allen anderen Connexinen durchgeführt werden sowie mit Proteinen vergleichbarer
Struktur aus anderen Organismen, wie z.B. Innexinen aus Invertebraten oder Plasmodesmata
aus Pflanzen.
In vielen Fällen ist es wichtig, das Membranpotential einstellen zu
können. Deshalb ist es zweckmäßig, nach demselben Verfahren in die Membran zusätzlich
einen Kalium-selektiven Ionenkanal einzufügen, der es erlaubt, mit Hilfe der externen
Kaliumkonzentration das Membranpotential des Transil® Partikeln grob
einzustellen. In dieser Weise modifizierte Transil® Partikel werden
im weiteren als "Connexon-Kaliumkanal Partikel" bezeichnet.
Beispiel 2: Kopplung von Transil® Partikeln
an Hepatocyten
Die oben beschriebenen Connexon-Kaliumkanal Partikel werden mit dissoziierten
Hepatocyten in Kontakt gebracht. Verfahren zur Gewinnung von dissoziierten Hepatocyten
sind dem Fachmann bekannt. Da Hepatocyten ebenfalls das Connexin Cx32 enthalten,
lagern sie sich an die Partikel an und bilden mit ihnen Gap Junctions aus. Die Gap
Junctions öffnen sich und bilden eine leitende Verbindung zwischen den Hepatocyten
und den Partikel. Dies wird nachgewiesen, indem ein Farbstoff z.B. Lucifer Yellow
[13] in die Zellen hinein diffundiert, wenn die Partikel zuvor mit diesem Farbstoff
beladen worden sind.
Beispiel 3: Aktivitätsbestimmung eines nikotinergen Acetylcholinrezeptors
Es werden HEK Zellen mit cDNA zur Expression des Connexin 32 transfiziert
und zugleich oder anschließend mit cDNA zur Expression eines ligandengesteuteren
Ionenkanals, eines nikotinergen Acetylcholinrezeptors, transfiziert. Die Verfahren
zur Herstellung derartiger Zellen und zur funktionellen Expression des Ionenkanals,
sind allgemein bekannt und gehören zum Fachwissen des Durchschnittsfachmanns.
Zellen, welche beide Proteine exprimieren, werden nun mit den Partikeln
aus Beispiel 1 in Kontakt gebracht. Sie lagern sich an die Partikel an und bilden
mit diesen Gap Junctions aus, da sowohl die Partikel als auch die Zellen das Connexin
32 besitzen.
Die Aktivierung des nikotinergen Acetylcholinrezeptors mit einem geeigneten
Agonisten, wie z.B. Nikotin, führt zu einer Änderung des Membranpotentials. Diese
wird über die Gap Junctions auf die Membran des Partikels übertragen und wird optisch
nachgewiesen werden. Hierfür werden die Partikel zuvor mit einem spannungssensitiven
membranlöslichen Farbstoff (z.B. DIBAC [14]) beladen.
Beispiel 4: Second messenger gekoppelte Rezeptoren
Zellen, die einen second messenger gekoppelten Rezeptor besitzen,
werden zusätzlich mit einem Connexin transfiziert, so dass sie dieses Connexin zusätzlich
zu den nativ vorhandenen Membranproteinen in ihrer Membran ausbilden. Sie werden
mit Partikeln aus Beispiel 1 in Kontakt gebracht, die mit einem dazu kompatiblen
Connexin hergestellt worden sind. Die Zellen lagern sich an die Partikel an. Durch
die Gap Junctions wird eine Verbindung zwischen den Zellen und dem Innern der Partikel
hergestellt. Werden nun die second messenger gekoppelten Rezeptoren in den Zellen
aktiviert, so diffundieren die intrazellulären Reaktionsprodukte auch in die Partikel
hinein und können dort durch eine entsprechende chemische Reaktion nachgewiesen
werden. Zum Beispiel könnte dies der Nachweis einer erhöhten Calciumkonzentration
durch FURA-2 sein, wie es in der Literatur an vielen Stellen als
Nachweisverfahren ausführlich dokumentiert ist.
Beispiel 5: Experimente an dissoziierten Herzzellen
Dissoziierte Herzzellen besitzen nativ das Connexin Cx43 [15]. Deshalb
können sie sich an Partikel aus Beispiel 1 anlagern, die unter Verwendung des Connexin
Cx43 hergestellt worden sind. Werden diese Zellen nun mit Wirkstoffen behandelt,
die in den Herzzellen vorhandene Rezeptoren aktivieren, dann können die Effekte
beispielsweise mit den in Beispiel 3 und 4 angegebenen Verfahren nachgewiesen werden.
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