| Dokumentenidentifikation |
DE102004019434A1 07.04.2005 |
| Titel |
Verfahren zur Entsorgung gefährlicher oder hochenergetischer Materialien sowie Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens |
| Anmelder |
Sur Met Impulstechnologien GmbH & Co. KG, 52074 Aachen, DE |
| Vertreter |
Braun-Dullaeus Pannen Schrooten Haber, 40470 Düsseldorf |
| DE-Anmeldedatum |
19.04.2004 |
| DE-Aktenzeichen |
102004019434 |
| Offenlegungstag |
07.04.2005 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
07.04.2005 |
| IPC-Hauptklasse |
F42D 5/04
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| Zusammenfassung |
Zur Entsorgung gefährlicher oder hochenergetischer Materialien werden diese ins Innere eines druckfesten Gehäuses (2) eingegeben, dem außerdem Schüttgut, z. B. in Form von Stahl- oder Keramikkugeln, zugeführt wird. Die Mischung aus Schüttgut und zu entsorgendem Material bildet innerhalb des druckfesten Gehäuses (2) ein Wanderbett (16), das im dynamischen Gleichgewicht zwischen Zufuhr und Austrag das druckfeste Gehäuse (2) immer im wesentlichen in der gleichen Weise ausfüllt. Die Reaktion, in welcher die gefährlichen oder hochenergetischen Materialien in ungefährliche Stoffe umgewandelt werden, wird ggf. durch eine besondere Vorrichtung, z. B. eine Zündvorrichtung (18), in einem gewissen Abstand von der Oberfläche im Inneren des Wanderbettes (16) eingeleitet. Das Wanderbett (16) nimmt dabei thermische und mechanische bei der Reaktion frei werdende Energie auf. Nach dem Durchlaufen des Wanderbettes (16) ist die Reaktion vollständig abgeschlossen, so daß an der Unterseite des Wanderbettes (16) eine Mischung aus Schüttgut und der Reaktion entstammenden Reststoffen entnommen werden kann. Die Entsorgung der Materialien kann auf diese Weise kontinuierlich, ungefährlich und bei Reaktionen, die durch Wärmezufuhr eingeleitet werden, aufgrund der Wärmespeicherwirkung des Schüttgutes auch energiesparend durchgeführt werden.
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| Beschreibung[de] |
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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Entsorgung gefährlicher oder
hochenergetischer Materialien, bei dem diese in einem druckfesten Gehäuse unter
kontrollierten Bedingungen zur einer Reaktion gebracht werden, deren Endprodukte
ungefährlich sind,
sowie
eine Vorrichtung zur Entsorgung gefährlicher oder hochenergetischer Materialien
mit einem druckfesten Gehäuse, in dem die Materialien unter kontrollierten Bedingungen
zu einer Reaktion gebracht werden können, deren Endprodukte ungefährlich sind.
Zu den "gefährlichen oder hochenergetischen" Materialien, deren Entsorgung
sich die vorliegende Erfindung zum Ziel gesetzt hat, zählen insbesondere Sprengstoffe
oder Munition, bei deren kontrollierter Sprengung große Mengen mechanischer und
thermischer Energie frei werden. Die Erfindung eignet sich aber darüber hinaus auch
zur Entsorgung anderer gefährlicher Substanzen, die mit bestimmten Chemikalien sowohl
in exothermen als auch endothermen Reaktionen zu den gewünschten ungefährlich Endprodukten
umgesetzt werden müssen.
Zur Entsorgung von Sprengstoffen oder Explosivstoffen ist es bekannt,
diese in ein druckfestes Gehäuse einzubringen und dort kontrolliert zur Detonation
zu bringen. Ein Beispiel hierfür findet sich in der WO 97/43594 A1. Nachteilig bei
diesen bekannten Vorrichtungen bzw. verfahren ist, daß die Entsorgung nur chargenweise
stattfinden kann und der Ablauf der Reaktion schwer steuerbar ist.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren der eingangs
genannten Art so fortzubilden, daß ein kontinuierlicher Betrieb möglich und der
Ablauf der Reaktion gut kontrollierbar ist.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die zu entsorgenden
Materialien mit einem Schüttgut vermischt werden, mit dem zusammen sie ein Wanderbett
bilden, wobei die Reaktion in einem gewissen Abstand von der Oberfläche im Inneren
des Wanderbettes eingeleitet wird.
Erfindungsgemäß werden also die zu entsorgenden Materialien gemeinsam
mit dem Schüttgut in das druckfeste Gehäuse eingegeben, in dem sich im dynamischen
Gleichgewicht ein Wanderbett ausbildet. Dieses behält zwar seine äußerlich erkennbare
Gestalt im wesentlichen kontinuierlich bei; die nähere Betrachtung zeigt dabei jedoch,
daß die Materialien, aus denen sich das Wanderbett bildet, kontinuierlich in Bewegung
sind. Auf diese Weise lassen sich die zu entsorgenden Materialien zunächst in eine
gewisse Tiefe des Wanderbettes hinein bewegen, wo sie dann zur Reaktion gebracht
werden. Das umgebende Wanderbett nimmt dabei frei werdende Energie sowohl in mechanischer
als auch in thermischer Form auf. Das Wanderbett bietet – wo dies gewünscht
wird – große Oberflächen, an denen eine Reaktion ablaufen kann. Schließlich
stellt das Wanderbett auch einen Wärmespeicher dar, der überall dort, wo die zu
entsorgenden Materialien auf eine Reaktionstemperatur gebracht werden müssen, für
Energieeinsparungen sorgen kann. Schüttgut und zu entsorgende Materialien können
dem Wanderbett in vermischtem Zustand zugeführt werden oder getrennt auf das Wanderbett
"aufgestreut" werden, so daß sich die Mischung erst innerhalb des Wanderbettes bildet.
Wenn als Schüttgut Kugeln verwendet werden, so ist die erforderliche
innere Beweglichkeit des Wanderbettes besonders gut gewährleistet. Abweichungen
von der Kugelform sind jedoch möglich, sofern nur die Eigenreibung des Schüttgutes
nicht so groß wird, daß die innere Beweglichkeit des Wanderbettes gefährdet ist.
Die Kugeln bestehen vorzugsweise aus Stahl oder Keramik. Beide Materialien
haben die erforderliche Festigkeit zur Aufnahme mechanischer oder thermischer Energie
und sind im allgemeinen gegen die zu entsorgenden Materialien resistent.
In sehr vielen Fällen wird die Entsorgungsreaktion erst bei einer
bestimmten Temperatur eingeleitet. Im günstigsten Fall läßt sich ohne Zuhilfenahme
externer Energie ausschließlich mit Hilfe der Reaktionswärme in dem Wanderbett ein
Temperaturprofil einstellen, bei dem die Reaktionstemperatur in einem gewissen Abstand
von der Oberfläche im Inneren des Wanderbettes erreicht wird.
Sind jedoch die zu entsorgenden Materialien nicht ausreichend energiehaltig,
um die Reaktionstemperatur zu erreichen, muß externe Wärme zugeführt werden. Dies
kann im einfachsten Fall durch Zufuhr von Brennstoffen oder sonstigen Entzündungshilfen
erfolgen. Alternativ kann diese zum Erreichen der Reaktionstemperatur erforderliche
Wärmezufuhr auch über einen Lichtbogen oder induktiv geschehen. Im letzteren Falle
muß das Wanderbett elektrisch leitfähige Materialien enthalten, z.B. Stahlkugeln
als Schüttgut.
Besonders vorteilhaft ist diejenige Ausgestaltung des erfindungsgemäßen
Verfahrens, bei welcher das Schüttgut aus der aus dem Wanderbett austretenden Materialmischung
abgeschieden und zumindest teilweise wieder dem Eingang des Wanderbettes zugeführt
wird. So läßt sich der Verbrauch des Schüttgutes gering halten.
Dem Wanderbett können zur Durchführung des Verfahrens notwendige oder
dieses fördernde Hilfsstoffe zugeführt werden. Dabei ist insbesondere an Brennstoffe
gedacht, welche die Temperatur des Wanderbettes erhöhen, an Luft, welche insbesondere
der Zufuhr von Sauerstoff dient, an Temperiergas, mit dem insbesondere im Bereich
der freien Oberfläche des Wanderbettes eine Vortemperierung erfolgen kann, an Chemikalien,
mit denen die zu entsorgenden Materialien umgesetzt werden sollen, sowie an Chemisorbentien,
welche bestimmte Reaktionsprodukte an sich binden.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es ferner, eine Vorrichtung
der eingangs genannten Art so auszugestalten, daß sie kontinuierlich betrieben und
die Entsorgungsreaktion gut kontrolliert werden kann.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß
in dem Gehäuse ein sich von oben nach unten bewegendes Wanderbett im dynamischen
Gleichgewicht zwischen der Zufuhr eines Schüttgutes und den zu entsorgenden Materialien
einerseits und dem Austrag einer Mischung aus Schüttgut und der Reaktion entstammenden
Reststoffen andererseits ausgebildet ist,
wobei eine Einrichtung vorgesehen ist, welche dafür sorgt, daß die Reaktion erst
in einem gewissen Abstand von der Oberfläche im Inneren des Wanderbettes eingeleitet
wird.
Die Vorteile, die mit einer derartigen Vorrichtung gegenüber solchen
nach dem Stande der Technik erzielbar sind, entsprechen sinngemäß den oben erläuterten
Vorteilen des erfindungsgemäßen Verfahrens. Gleiches gilt für die Vorteile der Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen Vorrichtung, die in den Ansprüchen 11 bis 17 dargelegt sind.
Besonders erwähnenswert an dieser Stelle ist die Ausführungsform der
erfindungsgemäßen Vorrichtung nach Anspruch 18, bei welcher die Wand des Gehäuses
von außen nach innen folgende Schichten umfaßt:
- a) einen Druckmantel;
- b) eine schallabsorbierende Schicht;
- c) eine elastische Schicht;
- d) eine von der elastischen Schicht abgestützte verformbare Schale aus verschleißfestem
Material.
Dieser Wandaufbau hat sich zur Bewältigung der komplexen Aufgaben,
welche die Wand insbesondere im Blick auf die Aufnahme thermischer und mechanischer
Energie sowie die Schalldämmung von Geräuschen bewältigen muß, besonders bewährt.
Die schalldämmende Schicht kann dabei aus Sand oder Holz, die elastische
Schicht aus einem Elastomer oder einem komprimierten Fluid bestehen.
Günstig ist, wenn Temperierkanäle durch die elastische Schicht hindurchgeführt
sind. Durch ein geeignetes, diese Temperierkanäle durchströmendes Medium läßt sich
nicht nur Reaktionswärme abführen sondern generell durch Kühlung oder Erwärmung
ein bestimmtes Temperaturprofil im Wanderbett in Durchströmungsrichtung einstellen.
Bei heißem Betrieb kann die innere Schale zusätzlich gekühlt werden, sodaß die höhere
Zähigkeit und Festigkeit des Materials bei niedrigeren Temperaturen genutzt werden
kann.
Die verschleißfeste (innere) Schale der Wand ist vorzugsweise mit
Einrichtungen versehen, welche eine elastische Durchmesserveränderung der Schale
ermöglichen. Die verschleißfeste Schale kann dann zur Absorption von Druckstössen
"atmen" und auf diese Weise die mechanische Energie gut an die elastische Schicht
abgeben, von der sie abgestützt ist.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend anhand der
Zeichnung näher erläutert; es zeigen
1: einen vertikalen Schnitt durch einen
Schachtofen zur Entsorgung von Munition oder Sprengstoffen;
2: einen horizontalen Schnitt durch einen
Bereich der Wandstruktur des Schachtofens von 1.
Der in 1 im Vertikalschnitt dargestellte
und insgesamt mit dem Bezugszeichen 1 versehene Schachtofen dient der Entsorgung
von Munition oder anderen Sprengstoffen, läßt sich aber in ähnlicher Ausführung
zur Entsorgung allgemein gefährlicher oder hochenergetischer Materialien einsetzen.
Er umfaßt ein Gehäuse 2 mit einem oberen, im wesentlichen zylindrischen
Abschnitt 3 und einem unteren, sich nach unten konisch verjüngenden Austragabschnitt
4. Der Austragabschnitt 4 besitzt eine Auslaßöffnung
5, über welche der Innenraum des Austragabschnittes 4 mit dem
Innenraum eines Austrag-Sammelgehäuses 6 kommuniziert. In der Nähe des
Bodens des Austrag-Sammelgehäuses 6 befindet sich eine Austragöffnung
7; in etwas größerem Abstand vom Boden des Austrag-Sammelgehäuses
6 ist eine Gaseinlaß- und Auslaßöffnung 8 vorgesehen. Diese ist
in 1 durch einen Flansch 9 verschlossen.
Auf den zylindrischen Abschnitt 3 des Gehäuses
2 ist ein deckelartiges Gehäuseoberteil 10 aufgesetzt, in dem
sich verschiedene Einlaßöffnungen 11, 12, 13,
14 und 15 befinden.
Über die Einlaßöffnung 12 wird dem Innenraum des Gehäuses
2 in noch näher zu beschreibender Weise eine Schüttung von Stahlkugeln
zugeführt, welche im betriebsbereiten Zustand des Schachtofens 1 in der
in 1 dargestellten Weise einen Teil des Austrag-Sammelgehäuses
6, den gesamten konischen Austragabschnitt 4 und den gesamten
zylindrischen Abschnitt 3 des Gehäuses 2 ausfüllt. Die Stahlkugeln
sind dabei so dimensioniert, daß sie innerhalb des Gehäuses 2 eine "fließfähige"
Schüttung 16 nach Art eines Wandbettes bilden.
In einem gewissen Abstand unterhalb der der Einlaßöffnung
12 benachbarten Oberfläche des Wanderbettes 16 ist eine Zündvorrichtung
18, beispielsweise in Gestalt zweier einen Lichtbogen erzeugender Elektroden,
vorgesehen.
Über die Einlaßöffnung 14 im Gehäuseoberteil 10
wird die zu entsorgende Munition zugeführt. Diese vermischt sich dabei mit den über
die Einlaßöffnung 12 eingeleiteten Stahlkugeln und bewegt sich gemeinsam
mit diesen, in das Wanderbett 16 integriert, innerhalb des Schachtofens
1 nach unten, wie weiter unten nach deutlicher wird.
Über die im Durchmesser kleiner dargestellten Einlaßöffnungen
11, 13 und 15 im Gehäuseoberteil 10 können nach
Bedarf Hilfsstoffe ins Innere des Gehäuses 2 eingeführt werden, so etwa
Wasser, Brennstoffe, Luft, Heißgas, Kühlungsgas und Chemikalien, insbesondere Chemisorbentien,
je nach Art der Materialen, die in dem Schachtofen 1 entsorgt werden sollen.
Nicht benötigte Einlaßäffnungen 11, 13, 15, werden selbstverständlich
im Betrieb des Schachtofens verschlossen.
Die Austragöffnung 7 des Austrag-Sammelgehäuses
6 ist über eine Leitung 19 und eine Schüttgut-Abscheideeinrichtung
20 sowie eine weitere Leitung 22 mit einer in der Zeichnung nicht
mehr dargestellten Austrageinrichtung verbunden. Diese zieht über die Leitung
19 das sich im Austrag-Sammelbehälter 6 befindliche Material ab,
welches eine Mischung aus den als Schüttgut (Wanderbettmaterial) verwendeten Stahlkugeln
und dem Schrott und sonstigen Reststoffen ist, die bei der Reaktion des Entsorgungsgutes
entstehen. Dabei wird gleichzeitig der gesamte Innenraum des Gehäuses
2 beispielsweise durch Absaugung über die Leitung 8 unter Unterdruck
gehalten, sodaß keine Gase aus dem Gehäuse 2 entweichen können.
In der Schüttgut-Abscheideeinrichtung 20 wird das Schüttgut
von den sonstigen Reststoffen, insbesondere dem Schrott getrennt. Das Schüttgut
wird über eine weitere Leitung 21 dem Einlaß 12 im Gehäuseoberteil
10 wieder zugeführt, während der Schrott und die sonstigen aus der Reaktion
stammenden festen Reststoffe über die Leitung 22 der endgültigen Entsorgung
gefahrlos zugeführt werden können.
Der oben beschriebene Schachtofen 1 arbeitet wie folgt:
Durch die kontinuierliche Zufuhr von Stahlkugeln über die Einlaßöffnung
12 im Gehäuseoberteil 10 und die im gleichen Maße stattfindende
Entnahme von Stahlkugeln über die Austragöffnung 7 im Austrag-Sammelgehäuse
6 sowie durch die Rückführung der in der Schüttgut-Abscheideeinrichtung
20 wiedergewonnenen Stahlkugeln über die Leitung 21 wird ein kontinuierlicher
Kreislauf der Stahlkugeln aufrechterhalten. Über die Leitung 35 wird von
außen nur jeweils der Ergänzungsbedarf frischer Stahlkugeln eingebracht. Im Inneren
des Reaktors bildet sich das in 1 dargestellte Wanderbett
16 aus, welches im dynamischen Gleichgewicht von Zufluß 17 und
Abfluß etwa die dargestellte Form behält. Die zu entsorgenden Güter, im Beispiel
die Munition, wird in einer entsprechend abgestimmten Menge über die Einlaßöffnung
14 im Gehäuseoberteil 10 zugeführt und dabei unter die Stahlkugeln
gemischt. In der Nähe der Einlaßöffnungen 12 und 14
17 besitzt das Wanderbett 16 eine Temperatur, die unterhalb der
Zündtemperatur der Munition liegt. Je tiefer jedoch die Munition mit den Stahlkugeln
im Wanderbett 16 nach unten absinkt, um so höher wird die Temperatur, der
sie ausgesetzt ist. Kommt die Munition in die Nähe der Zündvorrichtung
18, so hat sie bereits eine Temperatur, die nicht mehr weit von der Zündtemperatur
entfernt ist. Es genügt nunmehr eine verhältnismäßig kleine weitere Temperaturerhöhung
durch die Zündvorrichtung 18, um die gesteuerte Explosion auszulösen. Die
dabei freigesetzte thermische und mechanische Energie wird von den die Munition
umgebenden Stahlkugeln aufgenommen und zum Teil an die Wände 3 des Gehäuses
2 weitergegeben, die hierzu in einer bestimmten, weiter unter näher erläuterten
Weise ausgebildet sind. Die mit der Explosion verbundenen und ggf. nachfolgenden
Reaktionen sind abgeschlossen, wenn die das Wanderbett 16 bildenden Materialien
in den unteren Austragabschnitt 4 des Gehäuses 2 eintreten. Hier
enthält das Wanderbett 16 also im wesentlichen Stahlkugeln, Metallschrott,
der bei der Explosion aus den metallischen Munitionsteilen entstanden ist, ungefährliche
Chemikalien als Reaktionsprodukte und ggf. Gase. Diese Mischung wird über das Austrag-Sammelgehäuse
6 in der oben schon geschilderten Weise ausgetragen, wobei eventuell vorhandende
Gase über die Gaseinlaß-/Auslaßöffnung 8 abgezogen werden.
Das Wanderbett 16 wirkt bei den oben geschilderten Vorgängen
nicht nur druckstoßdämpfend; vielmehr dienen die über die Schüttgut-Abscheideeinrichtung
20 und die Leitung 21 rezirkulierten Stahlkugeln gleichzeitig
als regenerativer Wärmetauscher bzw. Wärmespeicher. Dieser vermindert den Energiebedarf,
der zur Erwärmung der Munition bis nahe an die Zündtemperatur erforderlich ist.
Die Schüttgut-Abscheideeinrichtung 20 kann unterschiedliche
Bauweisen besitzen: Im oben geschilderten Fall, in dem das Schüttgut aus Stahlkugeln
besteht und der in der Explosion entstandene Schrott im wesentlichen aus Eisen,
kann sie magnetisch arbeiten.
Statt der Kugeln aus Stahl können als Schüttgut auch Kugeln aus anderem
Material, insbesondere keramische Kugeln, eingesetzt werden. Auch eine exakte Kugelform
ist nicht erforderlich; es reicht jede Form aus, die zu dem gewünschten "fließfähigen"
Wanderbett 16 führt.
Wird als Material für das Schüttgut ein Metall verwendet, kann statt
der mit einem Lichtbogen arbeitenden Zündvorrichtung 18 auch eine Induktionsspule
eingesetzt werden.
Diese ruft in dem Schüttgut wärmeerzeugende Wirbelströme hervor, die
dann für die zur Reaktionseinleitung erforderliche Temperatur sorgen. Bei energiereichen
Materialien kann unter Umständen auf eine gesonderte Zündvorrichtung vollständig
verzichtet werden, da die zur Reaktionseinleitung erforderliche Temperatur ohne
äußere Energiezufuhr aus der Reaktionswarme im Wanderbett 16 erreicht wird.
Wie schon oben erwähnt wurde, muß die Wandung 3 des Gehäuses
2 erhebliche thermische und mechanische Belastungen aushalten; darüber
hinaus können die im Wanderbett 16 stattfindenden Reaktionen mit einer
erheblichen Geräuschentwicklung verbunden sein, so daß eine schalldämmende Eigenschaft
der Wand 3 erwünscht ist. Hierzu besitzt die Wand 3 den in
2 schematisch dargestellten Aufbau:
Radial innerhalb eines äußeren, herkömmlichen Druckmantels 25 aus Metall
befindet sich eine schallabsorbierende Zwischenschicht 26, die z.B. aus
Sand oder Holz bestehen kann. Die schallabsorbierende Zwischenschicht
26 ist über eine metallische Schale 27 von einer weiteren Zwischenschicht
28 getrennt, die aus einem elastischen Medium, im dargestellten Beispiel
aus Gummi, besteht. Die elastische Zwischenschicht 28 wird durch eine Vielzahl
achsparalleler Temperierbohrungen 29 durchzogen. Durch diese Temperierbohrungen
29 wird je nach Bedarf ein Temperiermittel (Kühlmittel oder Heizmittel)
geleitet, welches zur Aufrechterhaltung einer bestimmten Temperatur in einem bestimmten
Abschnitt des Gehäuses 2 erforderlich ist.
Die radial am weitesten innenliegende Schicht der Wand 3
ist eine verschleißfeste Schale 30, welche aufgrund ihrer Eigenelastizität
verformbar ist und aufgrund von achsparallelen Sicken 31 in dem Sinne "atmen"
kann, als sie unter dem Einfluß von inneren Druckstößen ihren Durchmesser verändern
kann. Die verschleißfeste Schale 30 stützt sich dabei an der elastischen
Zwischenschicht 28 ab, welche letztendlich die Deformationsenergie aufnimmt.
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| Anspruch[de] |
- Verfahren zur Entsorgung gefährlicher oder hochenergetischer Materialien,
bei dem diese in einem druckfesten Gehäuse unter kontrollierten Bedingungen zu einer
Reaktion gebracht werden, deren Endprodukte ungefährlich sind,
dadurch gekennzeichnet,
daß die zu entsorgenden Materialien mit einem Schüttgut vermischt werden, mit dem
zusammen sie ein Wanderbett (16) bilden, wobei die Reaktion in einem gewissen
Abstand von der Oberfläche im Inneren des Wanderbetts (15) eingeleitet
wird.
- Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Schüttgut
Kugeln verwendet werden.
- Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Kugeln aus
Stahl bestehen.
- Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Kugeln aus
Keramik bestehen.
- Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Reaktion durch externe Wärmezufuhr eingeleitet wird.
- Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die externe
Wärmezufuhr durch verlorene Zündhilfen erfolgt.
- Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die externe
Wärmezufuhr durch einen Lichtbogen erfolgt.
- Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Schüttgut
elektrisch leitend ist und die Wärmezufuhr induktiv erfolgt.
- Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß das Schüttgut aus der aus dem Wanderbett (16) austretenden Materialmischung
abgeschieden und zumindest teilweise wieder dem Eingang des Wanderbettes (16)
zugeführt wird.
- Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß dem Wanderbett Hilfsstoffe, insbesondere Brennstoffe, Luft, Temperiergas, Chemikalien,
Chemisorbentien, zugeführt werden.
- Vorrichtung zur Entsorgung gefährlicher oder hochenergetischer Materialien
mit einem druckfesten Gehäuse, in dem die Materialien unter kontrollierten Bedingungen
zu einer Reaktion gebracht werden können, deren Endprodukte ungefährlich sind,
dadurch gekennzeichnet,
daß in dem Gehäuse (2) ein sich von oben nach unten bewegendes Wanderbett
(16) im dynamischen Gleichgewicht zwischen der Zufuhr eines Schüttgutes
und den zu entsorgenden Materialien einerseits und dem Austrag einer Mischung aus
Schüttgut und der Reaktion entstammenden Reststoffen andererseits ausgebildet ist,
wobei eine Einrichtung (18) vorgesehen ist, welche dafür sorgt, daß die
Reaktion erst in einem gewissen Abstand von der Oberfläche im Inneren des Wanderbettes
(16) eingeleitet wird.
- Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß unterhalb
der Oberfläche des Wanderbetts (16) eine Zündvorrichtung (18)
vorgesehen ist.
- Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Zündvorrichtung
(18) Elektroden umfaßt, zwischen denen ein Lichtbogen erzeugt werden kann.
- Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Zündvorrichtung
(18) eine Induktionsspule umfaßt, mit welcher das Wanderbett (16)
induktiv erwärmt werden kann.
- Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß eine Kühleinrichtung
vorgesehen ist, mit welcher das Temperaturprofil im Wanderbett (16) in
Durchströmungsrichtung einstellbar ist.
- Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 15, dadurch gekennzeichnet,
daß sie eine Schüttgut-Abscheideeinrichtung (20) umfaßt, der die das Wanderbett
(16) verlassende Materialmischung zuführbar ist und aus dieser das Schüttgut
abtrennt, wobei der Schüttgut-Auslaß dieser Schüttgut-Abscheideeinrichtung (20)
mit dem Schüttgut-Einlaß (12) des Gehäuses (2) verbunden ist.
- Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 16, dadurch gekennzeichnet,
daß das Gehäuse (2) mindestens einen zusätzlichen Einlaß (11,
13, 15) zur Zufuhr von Hilfsstoffen, insbesondere von Brennstoffen,
Luft, Temperiergas, Chemikalien, Chemiesorbentien, aufweist.
- Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 17, dadurch gekennzeichnet,
daß eine Saugeinrichtung vorgesehen ist, welche das Innere des Gehäusese (2)
unter Unterdruck hält.
- Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 18, dadurch gekennzeichnet,
daß die Wand (3) des Gehäuses (2) von außen nach innen folgende
Schichten umfaßt:
a) einen Druckmantel (25);
b) eine schallabsorbierende Schicht (26);
c) eine elastische Schicht (28);
d) eine von der elastischen Schicht (28) abgestützte verformbare Schale
(30) aus verschleißfestem Material.
- Vorrichtung nach Anspruch 19, dadurch gekennzeichnet, daß die schallabsorbierende
Schicht (26) aus Sand besteht.
- Vorrichtung nach Anspruch 19, dadurch gekennzeichnet, daß die schallabsorbierende
Schicht aus Holz besteht.
- Vorrichtung nach einem der Ansprüche 19 bis 21, dadurch gekennzeichnet,
daß die elastische Schicht (28) aus einem Elastomer besteht.
- Verfahren nach einem der Ansprüche 19 bis 21, dadurch gekennzeichnet,
daß die elastische Schicht (28) aus einem komprimierten Fluid besteht.
- Vorrichtung nach einem der Ansprüche 19 bis 23, dadurch gekennzeichnet,
daß Temperierkanäle (29) durch die elastische Schicht (28) hindurchgeführt
sind.
- Vorrichtung nach einem der Ansprüche 19 bis 24, dadurch gekennzeichnet,
daß die verschleißfeste Schale (30) mit Einrichtungen (31) versehen
ist, welche eine elastische Durchmesserveränderung der Schale (30) ermöglichen.
Es folgen 2 Blatt Zeichnungen
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