Die Erfindung betrifft eine Holz-Biege-Vorrichtung, die das Holz für
die Herstellung von Stühlen, Tische, Möbel oder andere Gegenstände biegen kann.
Holz wurde bereits von den alten Ägyptern nach Erwärmung durch Dampf
gebogen. Die Dampf-Biegetechnik wurde kontinuierlich weiterentwickelt und erreichte
einen ihrer Höhepunkte vor dem ersten Weltkrieg durch die Firma Thonet, die in großen
Produktionsanlagen mittels dieses Verfahrens u. a. die noch heute berühmten Thonet-Stühle
herstellte.
Erfunden hatte die Stühle aus gebogenem Holz Michael Thonet (1796–
1871). Der aus dem rheinischen Boppard stammende, seit 1852 in Wien lebende Schreinermeister
setzte bleibende Maßstäbe für die Formgebung des Maschinen- und Industriezeitalters.
Während seine Konkurrenten mit Hilfe von Drechsel- und Schnitzmaschinen
historische Formen nachahmten, ging Thonet einen völlig neuen Weg. Er schuf sein
fundamental modernes Formenrepertoire aus den von ihm selbst entwickelten neuen
technologischen und produktionstechnischen Möglichkeiten. Thonet verwirklichte ein
zukunftweisendes Prinzip: Form als Ergebnis industrieller Fertigungsmethoden.
Die Erfindung Thonets bestand in einem Verfahren, massive Buchenholzstäbe
unter Dampfeinwirkung und Druck in geschwungene Formen biegen – ein Verfahren,
das sich bestens für die Serienproduktion eignete. Neu war auch, dass die Einzelteile
nicht mehr verleimt, sondern geschraubt wurden. Dadurch ließen sich die Stühle zerlegt
verschicken.
Das Thonet-Biegeverfahren besteht darin, daß das zu biegende gedämpfte
Holzstück auf ein Stahlband aufgespannt wird und zwar so, daß es sich in Längsrichtung
nicht bewegen kann: nun wird das Holz zusammen mit dem Band gebogen. Da das Holzstück
eingespannt ist, werden die Holzfasern nicht nur gebogen, sondern auch gestaucht
und dadurch können bedeutend engere Biegeradien erzielt werden. Dieses Band hat
auch den Vorteil, daß es nach dem Biegen auch als Form zum Trocknen der gebogenen
Hölzer verwendet werden kann.
Dampf-Biegen ist ein umständliches Verfahren: benötigt werden Dampf-Anlagen,
Biegemaschinen und für jedes Teil Biegebleche bzw. Formen, in denen die gebogenen
Teile getrocknet werden müssen: nach der Trockung müssen die gebogenen Rohlinge
noch profiliert und geschliffen werden. Die Erkenntnis aus dem Thonet-Verfahren
aber war, daß gestauchtes Holz besser gebogen werden konnte als nicht gestauchtes
Holz. Dieses Holz ist das Resultat einer Weiterentwicklung dieser Erkenntnis. Bereits
im Jahr 1917 wurde vom damaligen Reichspatentamt in Berlin ein Verfahrens-Patent
erteilt, um Holz auf Dauer biegbar zu machen: Zitat aus dem Wortlaut der Patentschrift:
"Das in Klötze oder Blöcke geschnittene Holz wird zunächst gedämpft, dann wird es
in heißem feuchtem Zustande in die Presse gebracht, wobei es mit einer starken Bekleidung
(Pressfutter) umgeben wird, um es vor dem Verbiegen während der Pressung zu schützen;
endlich werden die Stempel in der Richtung der Holzfasern in Bewegung gesetzt; sodann
wird das Holz getrocknet, worauf es nach dem Erkalten und Austrocknen nicht wieder
in seine alte Länge zurückkehren kann und infolgedessen dauernd weich-biegsam bleibt."
Biegbares Holz, nach diesem Patent hergestellt, wurde daher "Patent-Biegeholz"
genannt.
Die Firma Gesellschaft für Holzveredelung mbH in Essen produzierte
bereits in den zwanziger Jahren auf selbstentwickelten-Dämpf- und Stauchmaschinen
dieses Biegeholz bis 165 cm Länge. Im Jahr 1926 wurde ein weiteres Patent zu diesem
Holzstauchverfahren erteilt und eine industrielle Fertigung in Gang gesetzt. Die
Produkte wurden auf dem deutschen Markt verkauft: Möbel- und Fensterleisten, Frieseinfassungen,
Garnierholz, Griffe, Armlehnen, Türrahmen und Hammerstiele. Das "Patent-Biegeholz"
war schon damals allgemein bekannt: so ist dieses Holz z.B. im Flugzeug-Typenbuch
von 1939 des Hermann Beyer-Verlages Leipzig im Bezugsquellen-Verzeichnis ausführlich
auf Seite 596 beschrieben, da es auch im Flugzeug-Modell-Bau verwendet wurde.
Es wurde u.a. eine Stauchanlage entwickelt, die es ermöglicht, das
Holz kontinuierlich, d.h. auf der ganzen Länge gleichmäßig zu stauchen und Längen
bis 220 cm zu fertigen. Die Dämpf- und Trocknungsverfahren wurden verbessert, neue
Holzarten wie Eiche und Ahorn in das Sortiment aufgenommen.
Neue Produkte wurden entwickelt, wie z.B. die Handläufe: das Problem
dabei war, Biegeholz in der Länge so zu verzinken, dass die Verbindungsstellen nicht
nur sauber sind, sondern auch der Belastung einer Walzen-Biegemaschine beim Biegen
widerstehen können. Das Problem konnte gelöst werden und nun ist es möglich, Biegeholzhandläufe
in beliebiger Länge bis zu einem ∅ von 60 mm zu fertigen.
Dieses Holz entsteht Heute noch nach dem 1917 patentierten Verfahren:
gedämpfte Laubhölzer (Buche, Eiche, Esche, Ahorn) im Querschnitt von 10 ×
12 cm und einer Länge bis zu 280 cm werden in der Längsrichtung auf ca. 80 % der
ursprünglichen Länge gestaucht. In dieser zusammengestauchten Länge werden
die Hölzer sodann getrocknet: der erwähnte ursprüngliche Kantel von ca. 280 cm Länge
ist nun 220 cm lang, ca. 14 % feucht und kann konventionell bearbeitet werden zu
Handläufen, Um- und Anleimen, Glas-, Zier- und Sockelleisten, die dann ganz spezielle
Eigenschaften haben: sie können in fertig profiliertem Zustand gebogen werden und
zwar bis zu einem Radius von 1:10, z. B. eine 20 mm starke Leiste bis auf einen
Radius von 200 mm.
Diese Biegeholzkanteln lassen sich beliebig lange lagern und verlieren
niemals ihre Biegbarkeit.
"Patent-Biegeholz" ist also ein Rohstoff, der das Biegen von massiven
Harthölzern wesentlich vereinfacht: es wird wie normales Holz bearbeitet (z. B.
zu einem Handlauf) und dann in trockenem Zustand ohne Dampf in mehreren Ebenen gebogen.
Es kann immer dann eingesetzt werden, wenn sich das konventionelle Dampf-Biegeverfahren
entweder nicht lohnt oder nicht möglich ist, weil trockenes, fertig profiliertes
Holz gebogen werden muss.
Zum Biegen dieses Holzes werden keine speziellen Biegemaschinen benötigt
wie beim Dampf-Biegeverfahren. Kleine Querschnitte werden von Hand gebogen, größere
Querschnitte wie Handläufe mittels ganz normaler Walzen- bzw. Rollen-Biegemaschinen,
die vom Schlosser zum Biegen von Metallrohren verwendet werden. Dadurch kann dieser
Werkstoff an einer jedermann zugänglichen Standard-Maschine dreidimensional gebogen
werden.
Die Anmeldung 516 801 (Klasse 38h Gruppe 1) vom 29.01.1931 mit Priorität
der ungarischen Anmeldung vom 10.11.1927 beschreibt ein Verfahren, wobei das Holz
nicht nur längs, sondern auch seitlich zusammengedrückt wird.
Die Anmeldung 601 162 (Klasse 38k; Gruppe 4) vom 09.08.1934 mit Priorität
der holländischen Anmeldung vom 13.12.1929 beschreibt eine Vorrichtung, die das
Holz nicht nur in Längsrichtung, sondern auch quer gepresst werden kann, um ein
Biegeholz herzustellen.
Die Anmeldung DE 199 13 775
A1 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Halbzeugen aus biegbarem
Holz, wobei die Biegbarkeit des Holzes verbessert wird. Das Verfahren wird in der
Industrie und den Gewerken zur Herstellung von biegbarem Holz verwendet.
Zum Stand der Technik zählen auch einige Verfahren die Eigenschafts-Änderungen
von Holzwerkstoffen betreffen.
Bekannt sind diese z.B. durch folgende Anmeldungen: EP
0 197 674, EP 0 612 595,
EP 0 622 163, EP
0 623 433, sowie WO 82/01504, WO 91 /02 637, WO 94/20 273, WO 95/13 908,
WO 96/05 034, WO 96/26 053, WO 96/32 236, WO 97/02 936 etc. Die aufgeführten Schutzrechte
beschreiben die Eigenschaftsänderung hinsichtlich größerer Härte, Steifigkeit, Dichte
usw., jedoch nicht die Verbesserung der Verfahren oder Vorrichtungen, die die Biegbarkeit
von Holzelementen erzeugen.
Bisher werden die Holzformelemente, wie sie beispielsweise als Holzhandläufe
von Spindeltreppen zum Einsatz kommen, als dünne Holzstreifen (Laminate) in die
gewünschte Form gebracht und anschließend verleimt bzw. erst verleimt und dann die
Formgebung vorgenommen. Für die Formgebung von Holzlaminaten beim Verleimungsvorgang
sind Geräte und Vorrichtungen bekannt wie sie beispielsweise in den nachfolgend
aufgeführten Patenten dargelegt sind: EP 0 499 895
und WO 91/09 712.
Der Nachteil dieser Methoden liegt im hohen zeitlichen und personellen
Aufwand bei der Verbindung und Formgebung der Schichtholzelemente.
Die Laminate müssen mit Vorrichtungen, Klemmen, Schraubzwingen und
Spanngurten in ihre spätere Form gebracht und dann verleimt werden. Die Spannelemente
müssen bis zum Aushärten des Verbindungsstoffes an den Holzelementen verbleiben.
Der Spannvorgang erfordert außerdem häufig einen hohen körperlichen Kraftaufwand
des Bearbeiters.
Dabei sollen die Holzelemente aus möglichst wenigen Einzelteilen bestehen
und nach dem Biegen ihre Form beibehalten. Die Aufgaben wurden mit vorliegender
Erfindung gelöst, in dem die Biegeeigenschaften des Holzes entsprechend verändert
werden. Es werden feuchte (grüne) Holzhalbzeuge, vorzugsweise Kanthölzer, aus Buche,
Esche oder Eiche mit einem Querschnitt von ca. 100 × 120 mm ca. 6 Stunden
gedämpft. Bei anliegendem Gleichgewichtsdampfdruck des Wassers über diesen Zeitraum
ist das Holz gesättigt. Durch das Dämpfen hat sich die Druckfestigkeit des Holzes
gegenüber dem trockenen Zustand um etwa 30% verringert. Nun werden die Hölzer in
eine Preßvorrichtung eingespannt und in Faserrichtung um ca. 20% zusammengepresst.
Die Pressvorrichtung ist so gestaltet, dass ein Ausknicken der Kanthölzer nicht
möglich ist. Als Press-Stempel werden vorzugsweise Hydraulikzylinder verwendet.
Beim Pressen schieben sich die Holzfasern ineinander. Die zusammengepressten Kanthölzer
werden in diesem Zustand in einer Haltevorrichtung fixiert und anschließend in einer
Trockenkammer getrocknet bis die Restfeuchte des Holzes an der Oberfläche auf ca.
10% gesunken ist. Die Trockendauer wird durch das vorausgegangene Dämpfen des Holzes
um ca. 5% gegenüber nicht gedämpftem Holz verringert. Das Halbzeug lässt sich nach
der Trocknung spannend bearbeiten.
Der in den Schutzansprüchen 1 bis 19 angegebenen Erfindung liegt das
Problem zugrunde, eine Vorrichtung zu schaffen, die in der Lage ist, das Holz-Biege-Verfahren
noch leichter, schneller und preiswerter zu machen ohne das komplizierte Dampf-Biegeverfahren
in Anspruch nehmen zu müssen. Die Eigenschaften des Holzes sollen so verändert werden,
dass es sich mit Hilfe von Maschinen und Vorrichtungen, wie sie auch für das Biegen
von Metallteilen eingesetzt werden, plastisch verändern lässt ohne zu brechen.
Dieses Problem wird mit den in den Schutzansprüchen 1 bis 19 aufgeführten
Merkmalen gelöst.
Vorteile der Erfindung sind:
- – das Holz kann sehr schnell biegebereit gemacht werden,
- – keine teuere Dampf-Biegeverfahren notwendig,
- – leicht auch grössere Durchmesser zu bearbeiten möglich,
- – die Holzfasern werden von innen erhitzt und die Holz-Bestandteile erweicht.
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand der 1
und 2 erläutert. Es zeigen:
1 eine Biege-Vorrichtung, die mit den
Mikrowellenstrahler ausgestattet ist,
2 eine Biege-Vorrichtung, die mit Wasserschneide-Technik
gekoppelt ist.
Neben Wasser ist der Hauptbestandteil des Holzes die Cellulose. Große
Teile der riesigen Mengen an Cellulose, die man heutzutage beispielsweise für die
Herstellung von Verbandstoffen und Cellulosefasern (u. a. Reyon, Viskosefaser) nutzt,
werden aus Holz und auch aus anderen Faserpflanzen (z. B. Baumwolle) gewonnen. Das
Holz weist auch andere chemische Bestandteile auf. Den Hauptteil macht das Lignin
aus, ein komplexer Stoff aus organischen Alkoholen, der für den eigentlichen Holzcharakter
von Pflanzenzellen verantwortlich ist. Früher wurde das Lignin meistens verworfen,
aber mittlerweile nutzt man es beispielsweise als Bindemittel für Pressplatten (insbesondere
in Nordamerika).
Die Erfindung ist eine Vorrichtung, die in der Lage ist, das Holz
schnell, zuverlässig und tief in seinem Kern zu erhitzen und seine Bestandteile,
insbesondere die Cellulose zu erweichen. Die Vorrichtung ist ziemlich einfach gebaut.
Ein Mikrowellenstrahler 1 wird in der herkömmlichen Spann-Vorrichtung oder
in eine Holz- oder Metall-Biege-Maschine 2 eingebaut. Die Intensität der
Mikrowellen ist so hoch, dass sie das Holz 3 erhitzen können und ihn dadurch
biegsam machen. In der Regel reicht eine Leistung von ca. 1200 bis 3000 W vollkommen
aus, je nach Durchmesser des Holzes, das bearbeitet werden soll. Die Vorrichtung
kann für die Herstellung von Möbeln, Dachdecker-Elementen, Tennis-Schläger etc.
verwendet werden.
Der Mikrowellenstrahler kann auch in eine beliebige Biege-Holz-Herstellungs-Maschine
eingebaut werden. Das ist ein Gerät, das das Holz um ca. 20% in erhitzten Zustand
und in Längsrichtung zusammenstaucht, um ihn dauerhaft weich zu machen. Die Mikrowellen
erhitzen das Holz sehr schnell und exakt an die Stellen, die man für eine Zusammenstauchung
oder Holzbiegung braucht. Die Hitze wird nicht nur oberflächlich das Holz erreichen,
sondern sie dringt tief in das Holz ein und erhitzt ihn ziemlich gleichmässig. Je
nach Mikrowellenintensität kann das sehr schnell geschehen und die Bearbeitung des
Holzes stark beschleunigen. Das Holz wird dadurch schnell biegsam und leicht zu
verarbeiten.
Als Mikrowellenstrahler eignet sich sehr gut ein Magnetron, der auch
in einem Mikrowellen-Herd verwendet wird. Er hat kleine Abmessungen und ist heutzutage
ziemlich billig geworden. Die Mikrowellen aus der Magnetron können durch einen Mikrowellenleiter
4 bis zu eine gewünschte Stelle weitergeleitet werden. Das kann nutzvoll
für kleine Holzteile sein, die gebogen werden müssen.
Die Holzbiege-Geräte mit Mikrowellentechnik können sehr klein und
handlich gebaut werden. Eine Variante weist eine Sprühdüse 5 auf, die Wasser
sprühen kann und das Holz vor der Mikrowellen-Behandlung befeuchten. Das kann sich
als vorteilhaft erweisen bei etwas trockenes Holz. Die Düse ist mit einer Wasserpumpe
6 verbunden, die mit einem Wasservorratstank 7 oder Wasseranschluss-Stelle
gekoppelt ist.
Das Gerät kann auch mit einer Wasserstrahl-Schneide-Vorrichtung
8 gekoppelt werden, die das Holz durch Hochdruck-Wasserstrahl in eine beliebige
Stelle schnell und zuverlässig schneiden kann.
Das Holz lässt sich nach der Behandlung leichter und stärker (mit
kleinerem Radius) biegen ohne zu brechen. Nach dem Biegen verbleibt das Holz bis
auf eine geringe Rückfederung in der Form. Maschinen und Vorrichtungen für das Biegen
von Stahl können auch für die Holzprofile verwendet werden. Die Mikrowellen haben
auch den Vorteil gegenüber Dampf-Methode, weil sie in der Lage sind, das Holz nicht
nur schneller und von innen zu erhitzen, sondern es auch stärker zu erhitzen. Während
Dampfanlagen das Holz bis Maximum 100°C (unter normalen Druck) erhitzen können,
kann der Magnetron das Holz weit über 100°C erhitzen. Allerdings soll das Holz
nicht zu stark erhitzt werden, weil dann er sogar entzündet werden kann oder der
Wasseranteil zu schnell verringert werden kann und das Holz frühzeitig
steif wird. Die Mikrowellen können das Holz nachher trocknen. Das ist ebenfalls
ein Vorteil durch den Einsatz von Mikrowellen.