Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verhinderung oder Verringerung
einer Trübung in einem Getränk durch die Zugabe einer Endoprotease, und neue Getränke,
die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlich sind. Sie betrifft auch neue
Endoproteasen.
Die Trübung ist ein bekanntes Phänomen in der Getränkeindustrie. Eine
Trübung kann beispielsweise in Bier, Wein und Fruchtsaft vorhanden sein. Die Bildung
einer Trübung kann in verschiedenen Stufen während des Brauvorgangs auftreten. In
„Enzymes in food processing", herausgegeben von T. Nagodawithana und G. Reed,
3. Ausgabe, Academic Press Inc., San Diego, Kapitel V, S. 448–449, wurde vorgeschlagen,
dass die Trübung im Bier das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen Bierproteinen
und polyphenolischen Procyanidinen ist. Es wird erklärt, dass bei Bier die Trübung
häufig nach dem Kühlen des Biers auftritt. Bier wird fermentiert und danach gereift,
häufig unter gekühlten Bedingungen. Um klares Bier zu erhalten, wird dieses oft
filtriert, während es kalt ist. Trotz der Filterung wird Bier oft trüb nachdem es
verpackt und an Käufer verteilt und vor dem Servieren wieder gekühlt wird. Schließlich
bildet sich sogar eine Trübung in Bier, wenn es nicht oder nicht mehr gekühlt ist,
und es kann sich ein Sediment bilden. Das Entstehen einer Trübung ist unerwünscht,
da die durch die Bildung einer Trübung entstandene Schleierbildung einer durch mikrobielle
Zersetzung hervorgerufenen Schleierbildung ähnlich ist, die insbesondere für helle
Biere unerwünscht ist.
In „Industrial Enzymology", 2. Ausgabe, Kapitel 2.6, S. 124-125
wurde beschrieben, dass eine Trübung in Bier aus der Vernetzung der hochmolekulargewichtigen
Hordein-Fraktion von Malz, die einen hohen Anteil an hydrophoben Aminosäuren hat,
welche sich mit Polyphenolen verbindet, die im Prinzip aus Proanthocyanidinen und
Catechinen (Flavanoiden) bestehen, entstehen kann. Es ist beschrieben, dass geringe
Mengen von Kohlehydraten und Spuren-Mineralionen auch an der Trübe-Bildung beteiligt
sind, sowie eine Oxidation, von der festgestellt ist, dass sie eine wichtige Rolle
bei der Polymerisation von Polyphenolen zur Erzeugung einer irreversiblen Trübung
spielt. Es wird vorgeschlagen, dass Polyphenole sich langsam mit Protein vereinigen,
um beim Kühlen eine Kühlungs-Trübung zu bilden, die sich aber beim Erwärmen wieder
auflösen. Schließlich werden jedoch die Polyphenole, während sie polymerisieren
und an Größe zunehmen, bei Raumtemperatur unlöslich, so dass sie eine irreversible
oder permanente Trübung bilden.
In mehreren anderen Veröffentlichungen wurde vorgeschlagen, dass die
Bildung einer Trübung, beispielsweise in Bier, Wein und Fruchtsaft, Kaffees und
Tees das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen Proteinen und Polyphenolen ist (K.J.
Siebert et al., J. Agric. Food Chem. 44 (1996) 1997–2005, und K.J. Siebert
et al., J. Agric. Food Chem. 44 (1996) 80–85, K.J. Siebert, J. Agric. Food
Chem. 47 (1999) 353–362).
Es wurde auch geoffenbart, dass die Trübungs-aktiven Proteine reich
an Prolin sind (K.J. Siebert et al., J. Am. Soc. Brewing 55, 2 (1997) 73–78).
Seit seiner Entdeckung durch L. Wallerstein im Jahr 1911 war bekannt,
dass ein Verfahren zur Verringerung der Kühlungs-Trübungsbildung bei Bier in der
Zugabe von Papain zum Bier besteht. Papain ist ein Extrakt der Papaya mit proteolytischer
Aktivität. In „Enzymes in food processing", herausgegeben von T. Nagodawithana
und G. Reed, 3. Ausgabe, Academic Press Inc., San Diego, Kapitel V, S. 448–449,
wird Papain als jedem anderen Enzym zur Verhinderung von Kühlungs-Trübung in Bier
weit überlegen beschrieben. Der genaue Mechanismus, über welchen Papain wirkt, wurde
jedoch nie ermittelt („Enzymes in food processing", herausgegeben von T.
Nagodawithana und G. Reed, 3. Ausgabe, Academic Press Inc., San Diego, Kapitel V,
S. 448–449).
Ein Nachteil der Verwendung von Papain ist jedoch, dass es eine negative
Wirkung auf Schaum hat. Proteine sind zur Bildung eines stabilen Schaums auf Bier
notwendig. Durch seine proteolytische Aktivität beeinträchtigt Papain jedoch die
Schaumkronen-Stabilität.
Die Bildung einer Trübung bei Wein wurde beispielsweise in „Enzymes
in food processing", herausgegeben von T. Nagodawithana und G. Reed, 3. Ausgabe,
Academic Press Inc., San Diego, Kapitel 16, S. 425, besprochen, wo beschrieben ist,
dass man Traubenproteine als verantwortlich für die Bildung einer Trübung während
der Lagerung von Wein hält. Wenn sich nach dem Abfüllen in Flaschen ein Niederschlag
im Wein bildet, verliert der Wein für den Konsumenten an Attraktivität, was sich
negativ auf den Verkauf auswirkt. Um einen Niederschlag zu verhindern, wird beispielsweise
Bentonit verwendet. Obwohl Bentonit und andere Adsorptionsmittel die Proteine mit
Erfolg entfernen, ist er nicht selektiv und entfernt andere erwünschte Verbindungen
aus dem Wein, was häufig die organoleptischen Eigenschaften von Wein beeinträchtigt.
Außerdem führt die Verwendung von Bentonit zu einem beträchtlichen Verlust an Wein,
und das Entsorgen des Bentonit enthaltenden Abfalls bringt Schwierigkeiten
mit sich.
Obwohl man den Mechanismus nicht genau versteht, nimmt man an, dass
der Zusatz von Papain das Protein im Bier in einem Maße hydrolysiert, dass sich
keine Protein-Polyphenol-Trübung bildet oder nur in einem geringeren Ausmaß. Bentonit
wird aus einem ähnlichen Grund in Wein verwendet: durch Absorption von Proteinen
verhindert er die Bildung von Protein-Polyphenol-Trübung und Niederschlägen. Anstatt
das Protein zu entfernen, kann man jedoch Polyphenole entfernen, um die Bildung
einer Trübung zu verringern oder zu verhindern. Ein typisches Beispiel für eine
zum Entfernen von Polyphenolen aus Getränken verwendete Verbindung ist Polyvinylpolypyrrolidon
(PVPP). In jüngster Zeit erkannte man, dass Polyphenole wichtige Antioxidantien
sind. Wegen all der günstigen Wirkungen, die man Antioxidantien zuschreibt, ist
das Entfernen von Polyphenolen aus Getränken nicht der attraktivste Weg zur Verhinderung
der Bildung einer Trübung.
Da alle bekannten Techniken zum Verhindern oder Entfernen einer Trübung
Nachteile haben, besteht noch immer der Bedarf an einem neuen Verfahren zur Verhinderung
oder Verringerung einer Trübung in Getränken.
Es ist ein Ziel der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Verhinderung
oder Verringerung einer Trübung in einem Getränk vorzusehen.
Überraschenderweise wurde festgestellt, dass dieses Ziel durch das
Vorsehen eines Verfahrens zur Verhinderung oder Verringerung einer Trübung in einem
Getränk, bei welchem dem Getränk eine Prolyl-spezifische Endoprotease zugesetzt
wird, erreicht wird.
Im Rahmen dieser Erfindung inkludiert der Ausdruck „Getränk"
Getränke in allen Stufen ihrer Herstellung. So ist ein Getränk nicht nur ein für
den Verbrauch fertiges Getränk, sondern auch jede Zusammensetzung, die zur Herstellung
des Getränkes verwendet wird. Beispielsweise ist Bierwürze, wie sie in der Biererzeugung
verwendet wird, vom Ausdruck „Getränk", wie hierin verwendet, mit umfasst.
Auch die Zugabe einer Prolyl-spezifischen Endoprotease während der Herstellung eines
Getränks zu Zusammensetzungen, die nicht oder nicht vollständig flüssig sind, soll
unter das erfindungsgemäße Verfahren fallen. Eine Prolylspezifische Endoprotease,
die einer Maische am Beginn des Bierbrauens zugesetzt wird, ist ein Beispiel für
eine solche Zusammensetzung.
Eine Prolyl-spezifische Endoprotease ist als Endoprotease definiert,
die Proteine oder Peptide in der Nähe von oder an Stellen schneidet, an welchen
das Protein oder Peptid einen Prolyl-Rest in seiner Kette enthält. Vorzugsweise
ist eine Prolylspezifische Endoprotease eine Endoprotease, die Proteine oder Peptide
an Stellen Schneidet, wo das Protein oder Peptid einen Prolyl-Rest enthält. Beim
erfindungsgemäßen Verfahren wird vorzugsweise eine Prolyl-spezifische Endoprotease
verwendet, die Prolyl-Reste an ihrem C-Terminus schneidet. Eine Prolylspezifische
Endoprotease, die Prolyl-Reste an ihrem NH2-Terminus schneidet, ist z.B. in einer
Veröffentlichung in Nature vom 15. Jänner 1998, Bd. 391, S. 301–304, beschrieben.
In diesem Text werden die Ausdrücke Prolyl-spezifische Endoprotease,
Prolin-spezifische Endoprotease, Prolin-spezifische Endopeptidase und Peptid mit
einer Prolyl-spezifischen Aktivität oder ähnliche Ausdrücke untereinander austauschbar
verwendet.
In diesem Text sind die Wörter Peptid und Protein untereinander austauschbar
verwendet. In diesem Text sind auch die Wörter „Trübung", „Schleierbildung"
und „Trübe" untereinander austauschbar verwendet. Um die Menge an Trübung
in einem Getränk zu quantifizieren, wird oft ein Turbidimeter verwendet. Bei einem
Turbidimeter wird die Menge an Licht, die in einem vorgeschriebenen Winkel in Bezug
auf die Richtung des einfallenden Lichtstrahls gestreut wird, gemessen. Trübemessungen
sind zur Messung einer als Folge von Protein-Polyphenol-Wechselwirkungen gebildeten
Trübung sehr geeignet.
Ein Polyphenol ist definiert als eine Verbindung mit einer chemischen
Struktur, die mindestens zwei aromatische Ringe, welche durch mindestens eine Hydroxylgruppe
substituiert sind, oder mit einer chemischen Struktur, die mindestens einen aromatischen
Ring, der durch mindestens zwei Hydroxylgruppen substituiert ist, enthält.
Beispiele für Phenole sind Tannine und Flavonoide, zu welchen beispielsweise
Catechine, Flavonole und Anthocyanine zählen.
Endoproteasen mit einer Prolyl-spezifischen Aktivität sind bekannt
(E.C. 3.4.21.26). Die Verwendung von Prolyl-spezifischen Endoproteasen
zur Verhinderung oder Verringerung einer Trübung in Getränken wurde jedoch niemals
beschrieben oder nahegelegt.
Wie für Enzymaktivitäten typisch ist, hängt die Aktivität von Prolyl-spezifischen
Endoproteasen vom pH-Wert ab. Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens wird dem Getränk eine Endoprotease zugesetzt, die eine maximale Prolyl-spezifische
Aktivität bei einem pH-Wert hat, der dem pH-Wert des Getränkes, welchem sie zugesetzt
wird, entspricht. Bevorzugte Getränke sind Protein-hältige Getränke. Bei einer anderen
bevorzugten Ausführungsform enthält das Getränk Proteine und Polyphenole. Bevorzugte
Getränke sind Getränke mit einem pH-Wert von unter 7.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird vorteilhaft bei Bier, Wein und
Fruchtsaft angewendet. Es kann auch vorteilhafter Weise für andere alkoholische
Getränke als Bier und Wein angewendet werden.
Der Ausdruck „Bier", wie hierin verwendet, soll mindestens
Bier umfassen, das aus Maischen aus ungemalzenen Zerealien zubereitet ist, sowie
Bier aus Maischen aus gemalzenen Zerealien und aus allen Maischen aus einer Mischung
von gemalzenen und ungemalzenen Zerealien. Der Ausdruck „Bier" umfasst auch
Biere, die mit Zusätzen zubereitet sind und Biere mit allen möglichen Alkoholgehalten.
Fruchtsaft kann Saft sein, der z.B, aus roten Beeren, Erdbeeren, Äpfeln,
Birnen, Tomaten, Zitrusfrüchten, Gemüsen usw. erhalten wurde.
Die Menge an Prolin-spezifischer Endoprotease, die einem Getränk bei
erfindungsgemäßen Verfahren zugesetzt wird, kann innerhalb weiter Grenzen variieren.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden pro
Gramm Protein im Getränk mindestens 150 Millieinheiten Prolinspezifischer Endoprotease-Aktivität
zugesetzt, wobei die Aktivität mit einer Aktivitätsmessung unter Verwendung von
Z-Gly-Pro-pNA als Substrat gemessen wurde.
Mehr bevorzugt werden mindestens 500 Millieinheiten Prolinspezifische
Endoprotease dem Getränk zugesetzt, und am meisten bevorzugt wird mindestens 1 Einheit
Prolin-spezifische Endoprotease zugesetzt.
Eine maximale Menge an zuzusetzender Prolin-spezifischer Endoprotease-Aktivität
kann nicht spezifisch angegeben werden. Die maximale Menge hängt beispielsweise
von der gewünschten Stärke der Verringerung oder Verhinderung einer Trübung, der
Zusammensetzung des Getränks, dem pH-Wert des Getränks und dem pH-Wert, bei welchem
die Endoprotease ihre maximale Aktivität aufweist, ab.
Eine Prolyl-spezifische Endoprotease kann in verschiedenen Stufen
während der Herstellung eines Getränks zugesetzt werden.
Während des Herstellungsverfahrens von Bier wird die Prolylspezifische
Endoprotease vorteilhaft einer Maische zugesetzt. Bei einer anderen Ausführungsform
wird die Prolyl-spezifische Endoprotease einem fermentierten Bier zugesetzt, bevor
sich eine Trübung bildet. Es ist jedoch auch möglich, dass Prolylspezifische Endoprotease
einem fermentierten Bier nach der Bildung einer Trübung zugesetzt wird. Die Prolyl-spezifische
Endoprotease kann vorteilhaft dem Maischungs- oder Reifungsschritt bei einem Verfahren
zur Herstellung von Bier zugesetzt werden.
Während der Herstellung von Wein wird die Prolyl-spezifische Endoprotease
vorteilhaft einem fermentierten Wein zugesetzt. Die Prolyl-spezifische Endoprotease
kann vorteilhaft nach der alkoholischen Fermentation oder nach der malolaktischen
Fermentation in einem Verfahren zur Herstellung eines Weins zugesetzt werden.
Bei einem Verfahren zur Herstellung eines Fruchtsafts wird die Prolyl-spezifische
Endoprotease vorteilhaft während des Mazerierens oder Pektinentfernung zugegeben.
Da die Bildung einer Trübung oft in sauren Getränken, wie z.B. Bier,
Wein und Fruchtsaft, vorkommt, werden vorzugsweise Prolyl-spezifische Endoproteasen
mit einer Prolyl-spezifischen Aktivität bei einem pH-Wert unter 7 verwendet. Am
meisten bevorzugt werden beim erfindungsgemäßen Verfahren Prolyl-spezifische Endoproteasen
mit einer maximalen Prolyl-spezifischen Aktivität bei einem pH-Wert unter 7 verwendet.
Die vorliegende Erfindung sieht weiter ein isoliertes Polypeptid mit
Prolin-spezifischer Endoprotease-Aktivität vor, das ausgewählt ist aus der Gruppe
bestehend aus:
(a) einem Polypeptid, das eine Aminosäuresequenz hat, die mindestens 40% Gesamt-Aminosäuresequenz-Identität
mit SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7, oder einem Fragment davon, aufweist,
(b) einem Polypeptid, das durch ein Polynukleotid codiert ist, das hybridisiert
mit (i) der Nukleinsäuresequenz von SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder
SEQ ID NR. 6 oder einem Fragment davon, welches zumindest zu 80% oder 90% identisch
über 60, vorzugsweise über 100 Nukleotide, mehr bevorzugt zumindest zu 90% identisch
über 200 Nukleotide ist, oder (ii) einer Nukleinsäuresequenz, die zur Nukleinsäuresequenz
von (i) komplementär ist.
Sie sieht auch ein Nukleinsäuremolekül vor, das für die Prolyl-spezifische
Endoprotease codiert.
Die Erfindung betrifft auch gereinigte oder isolierte Polypeptide
mit Prolyl-spezifischer Endoprotease-Aktivität. Bevorzugt sind gereinigte Prolyl-spezifische
Endoproteasen mit einer maximalen Aktivität bei pH-Werten von unter 7.
Die Erfindung sieht auch ein isoliertes Polypeptid mit einer Aminosäuresequenz
gemäß SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7, eine Aminosequenz erhältlich
durch Exprimieren der Polynukleotid-Sequenzen von SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ
ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 in einem geeigneten Wirt, vor. Auch ein Peptid oder Polypeptid,
das ein funktionelles Äquivalent der obigen Polypeptide aufweist, ist von der vorliegenden
Erfindung mit umfasst. Die obigen Polypeptide sind kollektiv vom Ausdruck „erfindungsgemäße
Polypeptide" umfasst.
Die Ausdrücke „Peptid" und „Oligopeptid" werden als
synonym angesehen (wie allgemein anerkannt), und jeder Ausdruck kann austauschbar
verwendet werden, je nachdem, wie es der Zusammenhang verlangt, um eine Kette von
mindestens zwei Aminosäuren, gekoppelt durch Peptidyl-Bindungen, anzugeben. Das
Wort „Polypeptid" wird hierin für Ketten verwendet, die mehr als sieben Aminosäurereste
enthalten. Alle Oligopeptid- und Polypeptid-Formeln oder Sequenzen hierin sind von
links nach rechts und in Richtung vom Amino-Terminus zum Carboxy-Terminus geschrieben.
Der hierin verwendete Einbuchstaben-Code der Aminosäuren ist auf dem Gebiet allgemein
bekannt und in Sambrook et al. (Molecular Cloning: A Laboratory Manual, 2. Ausgabe,
Cold Spring Harbor Laboratory, Cold Spring Harbor Laboratory Press, Cold Spring
Harbor, NY, 1989) zu finden.
„Isoliertes" oder „gereinigtes" Polypeptid oder Protein
soll ein Polypeptid oder Protein bedeuten, das aus seiner nativen Umgebung entfernt
ist. Beispielsweise werden rekombinant erzeugte Polypeptide und Proteine, die in
Wirtszellen exprimiert sind, als isoliert für die Zwecke der Erfindung angesehen,
sowie native oder rekombinante Polypeptide, die im Wesentlichen mittels jeder geeigneten
Technik gereinigt wurden, wie z.B. mit der Ein-Schritt-Reinigungsmethode, die in
Smith und Johnson, Gene 67:31-40 (1988) offenbart ist.
Das erfindungsgemäße Polypeptid kann aus rekombinanten Zellkulturen
mittels wohlbekannter Methoden, einschließlich Ammoniumsulfat- oder Ethanol-Fällung,
Säure-Extraktion, Anionen- oder Kationenaustausch-Chromatographie, Phosphocellulose-Chromatographie,
hydrophober Wechselwirkungs-Chromatographie, Affinitäts-Chromatographie, Hydroxylapatit-Chromatographie
und Lectin-Chromatographie, gewonnen und gereinigt werden. Am meisten bevorzugt
wird für die Reinigung die Hochleistungs-Flüssigkeits-chromatographie („HPLC")
verwendet.
Zu den Polypeptiden der vorliegenden Erfindung zählen natürlich gereinigte
Produkte, Produkte chemischer synthetischer Verfahren und Produkte, die mittels
rekombinanter Techniken aus einem prokaryontischen oder eukaryontischen Wirt, einschließlich
beispielsweise Bakterien-, Hefe-, höhere Pflanzen-, Insekten- und Säuger-Zellen,
erzeugt wurden. Je nach dem verwendeten Wirt in einem rekombinanten Produktionsverfahren
können die Polypeptide der vorliegenden Erfindung glykosyliert oder nichtglykosyliert
sein. Außerdem können die Polypeptide der Erfindung auch einen initialen modifizierten
Methionin-Rest enthalten, in einigen Fällen als Folge von durch den Wirt vermittelten
Prozessen.
Eine vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung betrifft ein gereinigtes
oder isoliertes Polypeptid mit Endo-Pro-Aktivität. Ein solches gereinigtes oder
isoliertes Polypeptid kann aus einer Nährlösung erhalten werden, in welcher ein
erfindungsgemäßer Organismus, wie ein A. niger-Stamm, der ein Polynukleotid gemäß
der Erfindung trägt, gezüchtet worden ist. Ein Fachmann auf dem Gebiet weiß, wie
man ein zumindest teilweise gereinigtes Enzym aus dem Überstand einer solchen Kultur
erhält.
Ein besonders vorteilhaftes Reinigungsverfahren ist das Folgende:
Nach dem Züchten der Zellen in einer geeigneten Nährlösung werden die Zellen aus
dem Zellüberstand durch Zentrifugieren getrennt. Der Überstand sieht trüb aus. Größere
Teilchen, die im Überstand blieben, wurden dann nachfolgend durch Filtern mit
0,5% Dicalite oder vorzugsweise 1,0% Dicalite entfernt, um ein Verstopfen des Filters,
der im nächsten Schritt angewendet wird, zu verhindern. Dann wurde eine Keimreduktionsfilterung
angewendet, um die Menge an Keimen in der Lösung zu verringern. Noch immer war das
Filtrat nicht klar. Ein Millipore-Filter mit einer Molekulargewicht-Ausschlussgrenze
von 10kDalton wurde danach zur weiteren Reduktion des Wasser-, Salz- und Zuckergehalts
der Lösung verwendet. Ein Druck von 1 bar wurde über den Filter angelegt. Typische
erhaltene Ausbeuten lagen zwischen 50 und 92%, bezogen auf in der Nährlösung vorhandene
Einheiten, gegenüber Einheiten, die im gereinigten Ultrafiltrat erhalten wurden.
Typische Enzymkonzentrationen im Ultrafiltrat resultieren in einer Prolyl-spezifischen
Endoprotease-Aktivität im Bereich von 4 bis 10 Einheiten pro ml.
Eine weitere Reinigung wurde durch Anwendung einer der folgenden Methoden
erreicht:
Eine Reinigung im Labor-Maßstab wurde unter Verwendung des Akta Explorers
auf einer 24 ml Q-Sepharose FF-Säule (Betthöhe 12 cm/Durchmesser 1,6 cm) durchgeführt.
10 ml UF-Konzentrat wurde 10 mal in Puffer A verdünnt und auf die Säule aufgetragen.
Die Proteine wurden in einem Gradienten eluiert: 0 bis 50% B in 20 CV. Puffer A
war 20 mM NaAc pH 5,1. Puffer B war 20 mM NaAc + 1 M NaCl pH 5,1. Fließgeschwindigkeit
war 5 ml/min.
Die Reinigung wurde unter Verwendung der Akta-Reinigungsvorrichtung
gemäß der Arbeitsvorschrift W-0894.A auf einer 500 1 Q-Sepharose-FF-Säule (Betthöhe
23,5 cm/Durchmesser 5 cm) vorgenommen. 200 ml UF-Konzentrat wurden 10 mal in Puffer
A verdünnt und auf die Säule aufgetragen. Die Proteine wurden in einem Gradienten
eluiert: 0 bis 40% B in 20 CV. Puffer A war 20 mM NaAc pH 5,1. Puffer B war 20 mM
NaAc + 1 M NaCl pH 5,1. Die Fließgeschwindigkeit war 10ml/min. Die Fraktionen wurden
manuell gesammelt.
Das erhaltene Produkt wies einen einzigen Peak bei HPSEC auf und schien
als einzige Bande in SDS PAGE und IEF auf. Es kann daher geschlossen werden, dass
Prolyl-spezifische Endoprotease unter Verwendung von Q-Sepharose FF zur Homogenität
gereinigt werden kann. Die geschätzte Reinheit war über 90% und die spezifische
Aktivität auf Z-Gly-Pro-pNA war mindestens 0,094E/mg.
Die Polypeptide der Erfindung können in isolierter From vorliegen.
Man wird verstehen, dass das Polypeptid mit Trägern oder Verdünnungsmitteln, die
den beabsichtigten Zweck des Polypeptids nicht stören, gemischt sein kann und noch
immer als isoliert angesehen wird. Ein Polypeptid der Erfindung kann auch in einer
mehr im Wesentlichen gereinigten Form vorliegen, in welchem Fall sie das Polypeptid
im Allgemeinen in einem Präparat umfassen wird, in welcher mehr als 70%, z.B. mehr
als 80%, 90%, 95%, 98% oder 99%, der Proteine in der Zubereitung ein Polypeptid
der Erfindung sind.
Die Polypeptide der Erfindung können in einer solchen Form vorgesehen
werden, dass sie sich außerhalb ihrer natürlichen Zellumgebung befinden. So können
sie im Wesentlichen isoliert oder gereinigt sein, wie oben besprochen, oder in einer
Zelle, in welcher sie nicht in der Natur vorkommen, beispielsweise einer Zelle anderer
Pilz-Spezies, Tiere, Pflanzen oder Bakterien.
Vorteilhafterweise werden isolierte oder gereinigte Prolylspezifische
Endoproteasen beim erfindungsgemäßen Verfahren verwendet.
Eine isolierte oder gereinigte Prolin-spezifische Endoprotease gemäß
der Erfindung hat vorzugsweise mindestens 10 Einheiten Prolin-spezifische Endoprotease-Aktivität
pro Gramm proteinhältigem Material. Diese Einheiten sollten unter Verwendung des
synthetischen Peptids Z-Gly-Pro-pNA bei 37°C und pH5 gemessen werden, wie im
Abschnitt „Verfahren" beschrieben.
Prolin-spezifische Endoproteasen findet man weit verbreitet in Tieren
und Pflanzen, doch ihr Vorhandensein in Mikroorganismen scheint begrenzt zu sein.
Bisher wurde Prolin-spezifische Endoprotease in Spezies von Aspergillus (EP
0 522 428), Flavobacterium (EP 0 967 285)
und Aeromonas (J. Biochem. 113, 790-796), Xanthomonas und Bacteroides identifiziert.
Obwohl die Prolin-spezifischen Enzyme der meisten dieser Organismen bei einem pH-Wert
von etwa 8 aktiv sind, ist das Aspergillus-Enzym optimalerweise aktiv bei etwa pH
5. Die Prolin-spezifische Endoprotease der Erfindung kann aus einer der oben erwähnten
Mikroben-Spezies isoliert werden, insbesondere aus einer Spezies von Aspergillus.
Vorzugsweise wird die Prolin-spezifische Endoprotease aus einem Stamm von Aspergillus
niger isoliert. Mehr bevorzugt wird die Prolin-spezifische Endoprotease aus einem
Aspergillus niger-Wirt isoliert, der zur Überexpression eines Gens, das für eine
Prolin-spezifische Endoprotease codiert, hergestellt wurde, obwohl auch andere Wirte,
wie E. coli, geeignete Expressionsvektoren sind. Beispielsweise machten das Klonieren
und die Überproduktion der von Flavobacterium stammenden Prolinspezifischen Endoprotease
in u.a. E. coli bestimmte Prolinspezifische Endoproteasen in reiner
Form erhältlich. Ein Beispiel für ein solches überproduzierendes Konstrukt ist in
World Journal of Microbiology & Biotechnology, Bd. 11, S. 209–212, vorgesehen.
Ein Aspergillus niger-Wirt wird vorzugsweise verwendet, um ein nicht-rekombinantes
Selbst-Konstrukt zu erzeugen, wobei A. niger-Promotoren zum Steuern der Expression
eines Gens, das für A. niger-Prolin-spezifische Endoprotease codiert, verwendet
wird.
In einer ersten Ausführungsform sieht die vorliegende Erfindung ein
isoliertes Polypeptid mit einer Aminosäuresequenz vor, die einen Gesamtgrad an Aminosäuresequenz-Identität
mit den Aminosäuren der SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5, oder SEQ ID NR. 7 (d.h. dem
Polypeptid) von mindestens 40%, vorzugsweise mindestens 50%, vorzugsweise mindestens
60%, vorzugsweise mindestens 65%, vorzugsweise mindestens 70%, mehr bevorzugt mindestens
80%, noch mehr bevorzugt mindestens 90%, sogar noch mehr bevorzugt mindestens etwa
95%, und am allermeisten bevorzugt mindestens etwa 97% aufweist, und das eine Prolin-spezifische
Endoprotease-Aktivität besitzt.
Für die Zwecke der vorliegenden Erfindung wird der Grad der Identität
zwischen zwei oder mehr Aminosäuresequenzen mit dem BLAST P-Protein-Datenbank-Suchprogramm
(Altschul et al., 1997, Nucleic Acids Research 25: 3389–3402) mit Matrix Blosum
62 und einer erwarteten Schwelle (threshold) von 10 bestimmt.
Ein Polypeptid der Erfindung kann die in SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR.
5 oder SEQ ID NR. [7] angeführte Aminosäuresequenz oder eine im Wesentlichen homologe
Sequenz oder ein Fragment einer dieser Sequenzen mit Prolin-spezifischer Endoprotease-Aktivität
aufweisen. Im Allgemeinen ist die natürlicherweise vorkommende Aminosäuresequenz,
die in SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 gezeigt ist, bevorzugt.
Das Polypeptid der Erfindung kann auch eine natürlich vorkommende
Variante oder ein Spezies-Homolog des Polypeptids der SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5
oder SEQ ID NR. 7 aufweisen.
Eine Variante ist ein Polypeptid, das natürlicherweise z.B. in Pilz-,
Bakterien-, Hefe- oder Pflanzenzellen vorkommt, wobei die Variante eine Prolin-spezifische
Endoprotease-Aktivität und eine Sequenz aufweist, die ähnlich dem Protein von SEQ
ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 ist. Der Ausdruck „Varianten" bezieht
sich auf Polypeptide, die denselben wesentlichen Charakter oder die grundlegende
biologische Funktionalität aufweisen wie die Prolin-spezifische Endoprotease von
SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7, und inkludiert allele Varianten. Vorzugsweise
hat eine Polypeptid-Variante mindestens dieselbe Menge an Prolin-spezifischer Endoprotease-Aktivität
wie das Polypeptid von SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7. Die Varianten
inkludieren allele Varianten entweder vom selben Stamm wie das Polypeptid von SEQ
ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 oder von einem anderen Stamm derselben
Gattung oder derselben Spezies.
In ähnlicher Weise ist ein Spezies-Homolog des erfindungsgemäßen Proteins
ein äquivalentes Protein mit einer ähnlichen Sequenz, das eine Prolin-spezifische
Endoprotease ist und von Natur aus in anderen Spezies von Aspergillus vorkommt.
Varianten und Spezies-Homologe können unter Verwendung der hierin
beschriebenen Vorgangsweisen, die zur Isolierung des Polypeptids der SEQ ID NR.
4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 verwendet wurden, und unter Durchführung solcher
Vorgangsweisen auf einer geeigneten Zellen-Quelle, z.B. einer Bakterien-, Hefe-,
Pilz- oder Pflanzenzelle isoliert werden. Es ist auch möglich, eine Sonde der Erfindung
zu verwenden, um aus Hefe-, Bakterien-, Pilz- oder Pflanzenzellen hergestellte Bibliotheken
zu sondieren, um Klone zu erhalten, die Varianten oder Spezies-Homologe des Polypeptids
der SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 exprimieren. Diese Klone können
mittels herkömmlicher Techniken manipuliert werden, um ein Polypeptid der Erfindung
zu erzeugen, welches danach mittels an sich bekannter rekombinanter oder synthetischer
Techniken erzeugt werden kann.
Die Sequenz des Polypeptids der SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ
ID NR. 7 und von Varianten und Spezies-Homologen kann auch modifiziert werden, um
Polypeptide der Erfindung vorzusehen. Aminosäure-Substitutionen können vorgenommen
werden, z.B. von 1, 2 oder 3 bis 10, 20 oder 30 Substitutionen. Die selbe Anzahl
Deletionen und Insertionen kann ebenfalls vorgenommen werden. Diese Veränderungen
können außerhalb von Regionen, die für die Funktion des Polypeptids kritisch sind,
vorgenommen werden, da ein solches modifiziertes Polypeptid seine Prolin-spezifische
Endoprotease-Aktivität beibehält.
Die Polypeptide der Erfindung umfassen Fragmente der oben erwähnten
Gesamtlängen-Polypeptide und von Varianten derselben, einschließlich Fragmente der
oben in SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 angeführten
Sequenz. Solche Fragmente behalten typischerweise die Aktivität als Prolin-spezifische
Endoprotease bei. Die Fragmente können eine Länge von mindestens 50, 100 oder 200
Aminosäuren haben, oder es kann ihnen diese Anzahl von Aminosäuren von der in SEQ
ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 gezeigten Gesamtlängen-Sequenz fehlen.
Die Polypeptide der Erfindung können, falls nötig, mit synthetischen
Mitteln erzeugt werden, obwohl sie üblicherweise rekombinant hergestellt werden,
wie nachstehend beschrieben. Synthetische Polypeptide können modifiziert werden,
z.B. durch das Hinzufügen von Histidin-Resten oder einer T7-Markierung, um ihre
Identifizierung oder Reinigung zu unterstüzten, oder durch die Addition einer Signalsequenz,
um ihre Sezernierung aus einer Zelle zu fördern.
Somit können Sequenz-Varianten jene umfassen, die von Stämmen von
Aspergillus stammen, die nicht jener Stamm sind, von welchem das Polypeptid der
SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 isoliert wurde. Varianten können aus
anderen Aspergillus-Stämmen identifiziert werden, indem man nach Prolinspezifische
Endoprotease-Aktivität sucht und wie hierin beschrieben sequenziert und kloniert.
Zu den Varianten kann die Deletion, Modifikation oder Addition einzelner Aminosäuren
oder Gruppen von Aminosäuren innerhalb der Proteinsequenz zählen, solange das Peptid
die grundlegende biologische Funktionalität der Prolin-spezifischen Endoprotease
von SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 beibehält.
Aminosäure-Substitutionen können durchgeführt werden, z.B. 1, 2 oder
3 bis 10, 20 oder 30 Substitutionen. Das modifizierte Peptid behält im Allgemeinen
die Aktivität als Prolinspezifische Endoprotease bei. Konservative Substitutionen
können durchgeführt werden; solche Substitutionen sind auf dem Gebiet wohl bekannt.
Vorzugsweise beeinträchtigen die Substitutionen nicht die Faltung oder Aktivität
des Polypeptids.
Kürzere Polypeptid-Sequenzen fallen in den Bereich der Erfindung.
Beispielsweise wird ein Peptid mit einer Länge von mindestens 50 Aminosäuren oder
bis zu 60, 70, 80, 100, 150 oder 200 Aminosäuren als in den Umfang der Erfindung
fallend angesehen, solange es die grundlegende biologische Funktionalität der Prolin-spezifischen
Endoprotease der SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 zeigt. Insbesondere,
jedoch nicht ausschließlich, umfasst dieser Aspekt der Erfindung die Situation,
in welcher das Protein ein Fragment der vollständigen Protein-Sequenz ist.
In einer zweiten Ausführungsform sieht die vorliegende Erfindung ein
isoliertes Polypeptid vor, das eine Prolinspezifische Endoprotease-Aktivität aufweist
und durch Polynukleotide codiert ist, die unter Bedingungen niedriger Stringenz,
mehr bevorzugt, Bedingungen mittlerer Stringenz, und am meisten bevorzugt, Bedingungen
hoher Stringenz mit (i) der Nukleinsäuresequenz der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2,
SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 oder einem Nukleinsäure-Fragment, das zumindest den
C-terminalen Teil der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SE ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6
aufweist, aber weniger als alle aufweist, oder Basen aufweist, die sich von den
Basen der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 unterscheiden,
oder mit (ii) einem Nukleinsäure-Strang, der zu SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ
ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 komplementär ist, hybridisieren oder hybridisieren können.
Der Ausdruck „hybridisieren können" bedeutet, dass das Ziel-Polynukleotid
der Erfindung mit der als Sonde verwendeten Nukleinsäure hybridisieren kann (z.B.
der Nukleotid-Sequenz, die in SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ
ID NR. 6 angeführt ist, oder einem Fragment davon, oder dem Komplement von SEQ ID
NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6) in einer Menge wesentlich über
dem Hintergrund. Die Erfindung inkludiert auch jene Polynukleotide, die für die
Prolinspezifische Endoprotease der Erfindung codieren, sowie Nukleotid-sequenzen,
die dazu komplementär sind. Die Nukleotidsequenz kann RNA oder DNA sein, einschließlich
genomischer DNA; synthetischer DNA oder cDNA. Vorzugsweise ist die Nukleotidsequenz
eine DNA und am meisten bevorzugt, eine genomische DNA-Sequenz. Typischerweise umfasst
ein Polynukleotid der Erfindung eine aufeinanderfolgende Sequenz von Nukleotiden,
die unter selektiven Bedingungen mit der Codiersequeez oder dem Komplement der Codiersequenz
von SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 hybridisieren kann.
Solche Nukleotide können gemäß Methoden, die auf dem Gebiet wohl bekannt sind, synthetisiert
werden.
Ein Polynukleotid der Erfindung kann mit der Codiersequenz oder dem
Komplement der Codiersequenz von SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ
ID NR. 6 in einer Menge wesentlich über dem Hintergrund codieren. Eine Hintergrund-Hybridisierung
kann vorkommen, z.B. weil andere cDNAs in einer cDNA-Bibliothek vorhanden sind.
Die von der Interaktion zwischen einem Polynukleotid der Erfindung und der Codiersequenz
oder einem Komplement der Codiersequenz der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR.
3 oder SEQ ID NR. 6 erzeugte Signalstärke ist typischerweise mindestens 10 mal,
vorzugsweise mindestens 20 mal, mehr bevorzugt, mindestens 50 mal,
und noch mehr bevorzugt, mindestens 100 mal so stark wie die Interaktionen zwischen
anderen Polynukleotiden und der Codiersequenz der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ
ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6. Die Intensität von Interaktionen kann beispielsweise
durch radioaktives Markieren der Sonde, z.B. mit 32P, gemessen werden.
Die selektive Hybridisierung kann typischerweise unter Verwendung von Bedingungen
einer niedrigen Stringenz (0,3M Natriumchlorid und 0,03M Natriumcitrat bei etwa
40°C), einer mittleren Stringenz (z.B. 0,3M Natriumchlorid und 0,03M Natriumcitrat
bei etwa 50°C) oder einer hohen Stringenz (z.B. 0,3M Natriumchlorid und 0,03M
Natriumcitrat bei etwa 60°C) erreicht werden.
Modifikationen
Die Polynukleotide der Erfindung können DNA oder RNA umfassen. Sie
können einzel- oder doppelsträngig sein. Sie können auch Polynukleotide sein, die
in sich synthetische oder modifizierte Nukleotide, inklusive Peptid-Nukleinsäuren,
einschließen. Eine Anzahl verschiedener Arten von Modifikationen an Polynukleotiden
sind auf dem Gebiet bekannt. Zu diesen zählen ein Methylphosphonat und Phosphorothioat-Gerüste,
und die Addition von Acridin- oder Polylysin-Ketten an den 3'- und/oder 5'-Enden
des Moleküls. Für die Zwecke der vorliegenden Erfindung sei verstanden, dass die
hierin beschriebenen Polynukleotide mit jedem auf dem Gebiet verfügbaren Verfahren
modifiziert sein können.
Selbstverständlich können Fachleute unter Verwendung von Routine-Techniken
Nukleotid-Substitutionen durchführen, die die von den Polynukleotiden der Erfindung
codierte Polypeptidsequenz nicht beeinflussen, um die Codon-Verwendung irgendeines
bestimmten Wirtsorganismus, in welchem die erfindungsgemäßen Polypeptide exprimiert
werden sollen, wiederzugeben.
Die Codiersequenz der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder
SEQ ID NR. 6 kann durch Nukleotid-Substitutionen, beispielsweise 1, 2 oder 3 bis
10, 25, 50 oder 100 Substitutionen, modifiziert werden. Das Polynukleotid der SEQ
ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 kann alternativ oder zusätzlich
durch eine oder mehrere Insertionen und/oder Deletionen und/oder durch eine Verlängerung
an einem der beiden oder an beiden Enden modifiziert werden. Das modifizierte Polynukleotid
codiert im Allgemeinen für ein Polypeptid, das eine Prolinspezifische Endoprotease-Aktivität
hat. Es können degenerierte Substitutionen erzeugt werden und/oder Substitutionen,
die zu einer konservativen Aminosäure-Substitution führen würden, wenn die modifizierte
Sequenz translatiert wird, wie beispielsweise später in Bezug auf Polypeptide besprochen
ist.
Homologe
Eine Nukleotidsequenz, die selektiv an das Komplement der DNA-Codiersequenz
der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 hybridisieren kann,
ist in der Erfindung inkludiert und hat im Allgemeinen mindestens 50% oder 60%,
mindestens 70%, mindestens 80%, mindestens 90%, mindestens 95%, mindestens 98% oder
mindestens 99% Sequenz-Identität mit der Codiersequenz der SEQ ID NR. 1, SEQ ID
NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 über einen Bereich von mindestens 60, vorzugsweise
mindestens 100, mehr bevorzugt, mindestens 200 aneinander angrenzende Nukleotide,
oder am meisten bevorzugt, über die gesamte Länge der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2,
SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6. Desgleichen ist von der Erfindung auch ein Nukleotid,
welches für eine aktive Prolin-spezifische Endoprotease codiert, die selektiv mit
einem Fragment eines Komplements der DNA-Codiersequenz der SEQ ID NR. 1, SEQ ID
NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 hybridisieren kann, umfasst. Ein C-terminales
Fragment der Nukleinsäuresequenz der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder
SEQ ID NR. 6, welches zumindest zu 80% oder 90% identisch über 60, vorzugsweise
über 100 Nukleotide, mehr bevorzugt zumindest zu 90% identisch über 200 Nukleotide
ist, ist von der Erfindung umfasst.
Jede Kombination der oben erwähnten Identitätsgrade und Minimalgrößen
kann verwendet werden, um Polynukleotide der Erfindung zu definieren, wobei die
stringenteren Kombinationen (d.h., größere Identität über größere Längen) bevorzugt
ist. So bildet beispielsweise ein Polynukleotid, welches zumindest zu 80% oder 90%
identisch über 60, vorzugsweise über 100 Nukleotide ist, einen Aspekt der Erfindung,
sowie auch ein Polynukleotid, welches zumindest zu 90% identisch über 200 Nukleotide
ist.
Das UWGCG Package sieht das BESTFIT-Programm vor, welches verwendet
werden kann, um die Identität zu berechnen (beispielsweise an ihren Standardeinstellungen
verwendet).
Die PILEUP- und BLAST N-Algorithmen können ebenfalls zur Berechnung
der Sequenz-Identität oder zum Aufreihen von Sequenzen (wie als Identifizierungs-Äquivalent
oder korrespondierende Sequenzen, beispielsweise an ihren Standardeinstellungen
(„default settings") verwendet werden.
Software zum Durchführen von BLAST-Analysen ist öffentlich erhältlich
durch das National Center for Biotechnology Information (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/).
Bei diesem Algorithums werden zuerst Sequenz-Paare mit hoher Bewertung (high scoring
sequence pairs, HSPs) identifiziert, indem kurze Wörter der Länge W in der Abfragesequenz
identifiziert werden, die entweder passen oder irgendeine positiv bewertete Schwellen-Bewertung
T („positive valued threshold score T") erfüllen, wenn sie mit einem Wort
derselben Länge in einer Datenbank-Sequenz ausgerichtet werden. T wird als Nachbarschafts-Wortbewertungs-Schwelle
(„neighborhood word score threshold") bezeichnet. Diese anfänglichen Nachbarschafts-Worttreffer
fungieren als Ausgangspunkte zum Ingangsetzen von Nachforschungen zum Auffinden
von HSPs, die diese enthalten. Die Worttreffer werden in beide Richtungen entlang
jeder Sequenz soweit verlängert, wie die kumulative Ausrichtungs-Bewertung („cumulative
alignment score") gesteigert werden kann. Verlängerungen für die Worttreffer in
jeder Richtung werden gestoppt, wenn: die kumulative Ausrichtungs-Bewertung um die
Menge X von ihrem maximal erreichten Wert abfällt; die kumulative Bewertung auf
Null oder darunter geht infolge der Ansammlung einer oder mehrerer Rest-Ausrichtungen
mit negativer Bewertung; oder das Ende einer der Sequenzen erreicht ist. Die BLAST-Algorithmus-Parameter
W, T und X bestimmen die Empfindlichkeit und Geschwindigkeit der Ausrichtung. Das
BLAST-Programm verwendet als Standardeinstellungen eine Wortlänge (W) von 11, die
BLOSUM62-Bewertungs-Matrix-Ausrichtungen (B) von 50, Erwartung (E) von 10, M=5,
N=4, und einen Vergleich beider Stränge.
Der BLAST-Algorithmus führt eine statistische Analyse der Ähnlichkeit
zwischen zwei Sequenzen durch. Ein Maß für die Ähnlichkeit, das vom BLAST-Algorithmus
vorgesehen wird, ist die kleinste Summen-Wahrscheinlichkeit („sum probability",
(P(N)), was eine Anzeige der Wahrscheinlichkeit ist, mit welcher ein Zusammenpassen
zwischen zwei Nukleotid- oder Aminosäure-Sequenzen zufällig vorkommen würde. Beispielsweise
wird eine Sequenz als einer anderen Sequenz ähnlich angesehen, wenn die kleinste
Summen-Wahrscheinlichkeit im Vergleich der ersten Sequenz mit der zweiten Sequenz
weniger als etwa 1, vorzugsweise weniger als etwa 0,1, mehr bevorzugt, weniger als
etwa 0,01, und am meisten bevorzugt, weniger als etwa 0,001 ist.
Primer und Sonden
Die Polynukleotide der Erfindung inkludieren Primer und können als
Primer verwendet werden, beispielsweise als Polymerase-Kettenreaktions(PCR)-Primer,
als Primer für alternative Amplifikations-Reaktionen, oder als Sonden, beispielsweise
mit einer sichtbarmachenden Markierung mit herkömmlichen Mitteln unter Verwendung
radioaktiver oder nicht-radioaktiver Markierungen markiert, oder die Polynukleotide
können in Vektoren cloniert werden. Solche Primer, Sonden und andere Fragmente sind
mindestens 15, beispielsweise mindestens 20, 25, 30 oder 40 Nukleotide lang. Sie
sind typischerweise bis zu 40, 50, 60, 70, 100, 150, 200 oder 300 Nukleotide lang,
oder selbst bis zu ein paar Nukleotide (wie 5 oder 10) kürzer als die Codiersequenz
von SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6.
Im Allgemeinen werden Primer mit synthetischen Mitteln erzeugt, wobei
die gewünschte Nukleinsäuresequenz schrittweise, ein Nukleotid nach dem anderen,
hergestellt wird. Techniken um dies unter Verwendung automatisierte Protokolle zu
erreichen, sind auf dem Gebiet leicht erhältlich. Längere Polynukleotide werden
im Allgemeinen unter Verwendung rekombinanter Mittel, z.B. unter Verwendung von
PCR-Kloniertechniken, erzeugt. Dazu gehören die Herstellung eines Primer-Paares
(von typischerweise etwa 15–30 Nukleotiden), um die gewünschte Region der
zu klonierenden Prolin-spezifischen Endoprotease zu amplifizieren, das In-Kontakt-Bringen
der Primer mit mRNA, cDNA oder genomischer DNA, die aus einer Hefe-, Bakterien-,
Pflanzen-, prokaryontischen oder Pilz-Zelle, vorzugsweise von einem Aspergillus-Stamm
erhalten wurde, das Durchführen einer Polymerase-Kettenreaktion unter Bedingungen,
die für die Amplifizierung der gewünschten Region geeignet sind, das Isolieren des
amplifizierten Fragments (z.B. durch Reinigen der Reaktionsmischung auf einem Agarose-Gel)
und das Gewinnen der amplifizierten DNA. Die Primer können so entworfen werden,
dass sie geeignete Restriktionsenzym-Erkennungsstellen enthalten, so dass die amplifizierte
DNA in einen geeigneten Klonier-Vektor kloniert werden kann.
Solche Techniken können verwendet werden, um alle oder einen Teil
der Polynukleotide zu erhalten, die für die hierin beschriebenen Prolin-spezifischen
Endoprotease-Sequenzen codieren. Introns, Promotor- und Trailer-Regionen fallen
in den Bereich der Erfindung und können auch auf analoge Weise erhalten werden (z.B.
mit rekombinanten Mitteln, PCR oder Kloniertechniken), beginnend mit genomischer
DNA von einer Pilz-, Hefe-, Bakterien-, Pflanzen- oder prokaryontischen Zelle.
Die Polynukleotide oder Primer können eine sichtbarmachende Markierung
tragen. Zu den geeigneten Markierungen zählen Radioisotope, wie 32P oder
35S, Enzymmarkierungen oder andere Protein-Markierungen, wie Biotin.
Solche Markierungen können Polynukleotiden oder Primern der Erfindung zugsetzt werden
und können unter Verwendung von Techniken, die den Fachleuten auf diesem Gebiet
bekannt sind, detektiert werden.
Polynukleotide oder Primer (oder Fragmente davon), markiert oder unmarkiert,
können in auf Nukleinsäure basierenden Tests zur Detektion oder Sequenzierung einer
Prolin-spezifischen Endoprotease oder einer Variante davon in einer Pilz-Probe verwendet
werden. Solche Detektions-Tests umfassen im Allgemeinen das In-Kontakt-Bringen einer
Pilzprobe, von der man vermutet, dass sie die interessierende DNA enthält, mit einer
Sonde, die ein Polynukleotid oder einen Primer der Erfindung aufweist, unter hybridisierenden
Bedingungen, und das Detektieren von jeglichem zwischen der Sonde und der Nukleinsäure
in der Probe gebildeten Duplex. Die Detektion kann unter Verwendung von Techniken,
wie PCR, erreicht werden, oder durch Immobilisieren der Sonde auf einem festen Träger,
Entfernen jeglicher Nukleinsäure in der Probe, die nicht mit der Sonde hybridisiert
ist, und nachfolgendes Detektieren jeglicher Nukleinsäure, die mit der Sonde hybridisiert
ist. Alternativ kann die Proben-Nukleinsäure auf einem festen Träger immobilisiert
werden, die Sonde hybridisiert werden, und die Menge der an einen solchen Träger
gebundenen Sonde nach dem Entfernen jeglicher ungebundenen Sonde detektiert werden.
Die erfindungsgemäßen Sonden können praktischer Weise in Form eines
Test-Sets in einem geeigneten Behälter verpackt sein. Bei solchen Sets kann die
Sonde an einen festen Träger gebunden sein, soferne das Test-Format, für welchen
das Set ausgelegt ist, eine solche Bindung erfordert. Das Set kann auch geeignete
Reagenzien zum Behandeln der zu sondierenden Probe, Hybridisieren der Sonde mit
der Nukleinsäure in der Probe, Kontroll-Reagenzien, Instruktionen u. dgl., enthalten.
Die Sonden und Polynukleotide der Erfindung können auch im Mikroassay verwendet
werden.
Vorzugsweise ist das Polynukleotid der Erfindung aus demselben Organismus
wie das Polypeptid erhältlich, wie aus einem Pilz, insbesondere aus einem Pilz der
Gattung Aspergillus.
Die Polynukleotide der Erfindung inkludieren auch Varianten der Sequenz
von SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6, die für ein Polypeptid
mit Prolin-spezifischer Endoprotease-Aktivität codieren. Varianten können durch
Additionen, Substitutionen und/oder Deletionen gebildet werden. Solche Varianten
der Codiersequenz von SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6
können somit für Polypeptide codieren, die die Fähigkeit aufweisen, eine Polypeptid-Kette
an der Carboxy-terminalen Seite von Prolin zu verdauen.
Herstellung von Polynukleotiden
Polynukleotide, die keine 100% Identität mit SEQ ID NR. 1, SEQ ID
NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 aufweisen, jedoch in den Bereich der Erfindung
fallen, können auf vielerlei Weisen erhalten werden. So können Varianten der hierin
beschriebenen Prolin-spezifischen Endoprotease-Sequenz beispielsweise durch Sondieren
genomischer DNA-Bibliotheken erhalten werden, die aus einer Reihe von Organismen,
wie jenen, die als Quellen der Polypeptide der Erfindung besprochen wurden, hergestellt
wurden. Außerdem können andere Pilz- Pflanzen oder prokaryontische Homologe von
Prolin-spezifischer Endoprotease erhalten werden, und solche Homologe und Fragmente
davon können im Allgemeinen mit SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ
ID NR. 6 hybridisieren. Solche Sequenzen können durch Sondieren von cDNA-Bibliotheken
oder genomischen DNA-Bibliotheken aus anderen Spezies, und das Sondieren solcher
Bibliotheken mit Sonden, die ganze oder einen Teil der SEQ ID NR. 1 enthalten, unter
Bedingungen einer geringen, mittleren bis hohen Stringenz (wie früher beschrieben),
erhalten werden. Nukleinsäuresonden, die alles oder einen Teil von SEQ ID NR. 1,
SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 aufweisen, können verwendet werden,
um cDNA oder genomische Bibliotheken aus anderen Spezies zu sondieren, wie jenen,
die als Quellen für die Polypeptide der Erfindung beschrieben wurden.
Spezies-Homologe können auch unter Verwendung von degenerierter PCR
erhalten werden, welche Primer verwendet, die so gestaltet sind, dass sie auf Sequenzen
innerhalb der Varianten und Homologe zielen, die für konservierte Aminosäuresequenzen
codieren. Die Primer können eine oder mehrere degenerierte Positionen enthalten
und werden zu Stringenz-Bedingungen verwendet, die niedriger als jene sind, die
zum Klonieren von Sequenzen mit einzelnen Sequenz-Primern gegen bekannte Sequenzen
verwendet werden.
Alternativ können solche Polypeptide durch Stellengerichtete Mutagenese
der Prolin-spezifischen Endoprotease-Sequenzen oder Varianten
davon erhalten werden. Dies kann dort nützlich sein, wo beispielsweise stille Codon-Änderungen
an Sequenzen notwendig sind, um Codon-Präferenzen für eine bestimmte Wirtszelle,
in welcher die Polynukleotid-Sequenzen exprimiert werden, zu optimieren. Andere
Sequenzveränderungen können durchgeführt werden, um Restriktionsenzym-Erkennungsstellen
einzuführen oder um die Eigenschaft oder Funktion des von den Polynukleotiden codierten
Polypeptids zu verändern.
Die Erfindung inkludiert doppelsträngige Polynukleotide, die ein Polynukleotid
der Erfindung und sein Komplement umfassen.
Die vorliegende Erfindung sieht auch Polynukleotide vor, die für die
oben beschriebenen Polypeptide der Erfindung codieren. Da solche Polynukleotide
als Sequenzen für eine rekombinante Produktion von erfindungsgemäßen Polypeptiden
nützlich sein werden, ist es nicht notwendig, dass sie an die Sequenz von SEQ ID
NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 hybridisieren können, obwohl
dies im Allgemeinen wünschenswert ist. Andernfalls können solche Polynukleotide
gewünschtenfalls wie oben beschrieben markiert, verwendet und hergestellt werden.
Rekombinante Polynukleotide.
Die Erfindung sieht auch Vektoren vor, die ein Polynukleotid der Erfindung
aufweisen, einschließlich Klonierungs- und Expressions-Vektoren, und in einem anderen
Aspekt Verfahren zum Züchten, Transformieren oder Transfektieren solcher Vektoren
in eine geeignete Wirtszelle, beispielsweise unter Bedingungen, unter welchen die
Expression eines erfindungsgemäßen Polypeptids oder codiert durch eine erfindungsgemäße
Sequenz erfolgt. Ebenso vorgesehen sind Wirtszellen, die ein Polynukleotid oder
einen Vektor der Erfindung aufweisen, wobei das Polynukleotid heterolog zum Genom
der Wirtszelle ist. Der Ausdruck „heterolog", gewöhnlich bezogen auf die
Wirtszelle, bedeutet, dass das Polynukleotid nicht natürlicherweise im Genom der
Wirtszelle vorkommt, oder dass das Polypeptid nicht natürlicherweise von dieser
Zelle erzeugt wird. Vorzugsweise ist die Wirtszelle eine Hefezelle, z.B. eine Hefezelle
der Gattung Kluyveromyces oder Saccharomyces, oder eine filamentöse Pilzzelle, beispielsweise
der Gattung Aspergillus.
Die Polynukleotide der Erfindung können in einen rekombinanten, replizierbaren
Vektor, beispielsweise einen Klonier- oder Expressions-Vektor, inkorporiert werden.
Der Vektor kann zum Replizieren der Nukleinsäure in einer kompatiblen Wirtszelle
verwendet werden. Somit sieht die Erfindung in einer weiteren Ausführungsform ein
Verfahren zur Herstellung von Polynukleotiden der Erfindung durch Einführen eines
erfindungsgemäßen Polynukleotids in einen replizierbaren Vektor, Einführen des Vektors
in eine kompatible Wirtszelle, und Züchten der Wirtszelle unter Bedingungen, die
zur Replikation des Vektors führen, vor. Der Vektor kann aus der Wirtszelle gewonnen
werden. Geeignete Wirtszellen sind nachstehend in Verbindung mit Expressionsvektoren
beschrieben.
Vektoren
Der Vektor, in welchen die Expressionskassette der Erfindung insertiert
wird, kann jeder Vektor sein, der in zweckmäßiger Weise rekombinanten DNA-Verfahren
unterzogen werden kann, und die Wahl des Vektors hängt oft von der Wirtszelle ab,
in welche er eingeführt werden soll. So kann der Vektor ein autonom replizierender
Vektor sein, d.h. ein Vektor, der als extrachromosomale Entität existiert, deren
Replikation von chromosomaler Replikation unabhängig ist, wie ein Plasmid. Alternativ
kann der Vektor ein solcher sein, der bei Einführung in eine Wirtszelle in das Wirtszellen-Genom
integriert wird und sich zusammen mit dem (den) Chromosom(en), in welche (s) er
integriert worden ist, repliziert.
Vorzugsweise ist ein erfindungsgemäßes Polynukleotid, wenn es sich
in einem Vektor befindet, funktionell mit einer regulierenden Sequenz verknüpft,
die für die Expression der Codiersequenz durch die Wirtszelle sorgen kann, d.h.
der Vektor ist ein Expressionsvektor. Der Ausdruck „funktionell verknüpft"
bezieht sich auf eine Juxtaposition, wobei die beschriebenen Bestandteile in einem
Verhältnis stehen, das es ihnen ermöglicht, in ihrer beabsichtigten Weise zu funktionieren.
Eine regulierende Sequenz, wie ein Promotor, Verstärker („Enhancer"), oder
ein anderes Expressions-Regulierungssignal, das „funktionsmäßig verknüpft"
ist mit einer Codiersequenz, ist so positioniert, dass die Expression der Codierseqeunz
unter Bedingungen erreicht wird, die mit den Kontrollsequenzen kompatibel sind.
Die Vektoren können, z.B. im Fall eines Plasmids, Cosmids, Virus oder
Phagen-Vektors, mit einem Replikationsursprung, gegebenenfalls mit einem Promotor
für die Expression des Polynukleotids und gegebenenfalls mit einem Verstärker und/oder
einem Regulator des Promotors, versehen sein. Eine Terminator-Sequenz kann
vorhanden sein, sowie auch eine Polyadenylierungssequenz anwesend sein kann. Die
Vektoren können ein oder mehrere selektierbare Marker-Gene enthalten, beispielsweise
ein Ampicillin-Resistenz-Gen im Fall eines bakteriellen Plasmids, oder ein Neomycin-Resistenz-Gen
für einen Säuger-Vektor. Die Vektoren können in vitro verwendet werden, beispielsweise
für die Produktion von RNA, oder sie können zum Transfektieren oder Transformieren
einer Wirtszelle verwendet werden.
Die für das Polypeptid codierende DNA-Sequenz wird vorzugsweise in
einen geeigneten Wirt als Teil eines Expressions-Konstrukts eingeführt, in welchem
die DNA-Sequenz funktionell mit Expressionssignalen verknüpft ist, die die Expression
der DNA-Sequenz in den Wirtszellen lenken können. Zur Transformation des geeigneten
Wirts mit dem Expressionskonstrukt sind Transformations-Verfahren verfügbar, die
dem Fachmann wohl bekannt sind. Das Expressionskonstrukt kann zur Transformation
des Wirts als Teil eines Vektors, der einen selektierbaren Marker trägt, verwendet
werden, oder das Expressionskonstrukt wird als separates Molekül zusammen mit dem
Vektor, der einen selektierbaren Marker trägt, co-transformiert. Die Vektoren können
ein oder mehrere selektierbare Marker-Gene enthalten.
Bevorzugte selektierbare Marker inkludieren – ohne auf diese
eingeschränkt zu sein – jene, die einen Defekt in der Wirtszelle ergänzen
oder eine Resistenz gegen eine Droge vermitteln. Sie inkludieren beispielsweise
vielseitige Marker-Gene, die zur Transformation der meisten filamentösen Pilze und
Hefen verwendet werden können, wie Acetamidase-Gene oder cDNAs (die amdS-, niaD-,
facA-Gene oder cDNAs aus A.nidulans, A.oryzae oder A.niger) oder Gene, die eine
Resistenz gegen Antibiotika, wie G418-, Hygromycin-, Bleomycin-, Kanamycin-, Phleomycin-
oder Benomyl-Resistenz (benA), verleihen. Alternativ können spezifische Selektionsmarker
verwendet werden, wie auxotrophe Marker, die korrespondierende mutierte Wirtsstämme
erfordern: z.B. URA3 (aus S.cerevisiae oder analoge Gene aus anderen Hefen), pyrG
oder pyrA (aus A.nidulans oder A.niger), argB(aus A.nidulans oder A.niger) oder
trpC. Bei einer bevorzugten Ausführungsform wird der Selektionsmarker aus der transformierten
Wirtszelle nach dem Einführen des Expressionskonstrukts deletiert, um transformierte
Wirtszellen, die das Polypeptid erzeugen können, zu erhalten, welche frei von Selektionsmarker-Genen
sind.
Andere Marker inkludieren ATP-Synthetase-Untereinheit 9 (oliC), Orotidin-5'-phosphat-decarboxylase
(pvrA), das bakterielle G418-Resistenz-Gen (geeignet in Hefe, aber nicht in filamentösen
Pilzen), das Ampicillin-Resistenz-Gen (E. coli), das Neomycin-Resistenz-Gen (Bacillus)
und das E. coli uidA-Gen, das für Glucuronidase (GUS) codiert. Vektoren können in
vitro verwendet werden, beispielsweise für die Herstellung von RNA, oder zur Transfektion
oder Transformation einer Wirtszelle.
Für die meisten filamentösen Pilze und Hefe wird das Expressionskonstrukt
vorzugsweise in das Genom der Wirtszelle integriert, um stabile Transformanten zu
erhalten. Für bestimmte Hefen sind jedoch auch geeignete episomale Vektor-Systeme
erhältlich, in welche das Expressionskonstrukt für eine stabile und starke Expression
inkorporiert werden kann. Zu den Beispielen dafür zählen Vektoren, die von den 2
&mgr;m, CEN- und pKD1-Plasmiden von Saccharomyces bzw. Kluyveromyces stammen, oder
Vektoren, die eine AMA-Sequenz (z.B. AMA1 aus Aspergillus) enthalten. Wenn Expressionskonstrukte
in Wirtszellen-Genome integriert werden, sind die Konstrukte entweder an randomisierten
Loci im Genom oder an vorbestimmten Target-Loci integriert, wobei homologe Rekombination
verwendet wird, in welchem Fall die Target-Loci vorzugsweise ein hoch exprimiertes
Gen umfassen. Ein hoch exprimiertes Gen ist ein Gen, dessen mRNA mindestens 0,01
(Gew./Gew.) der gesamten Zell-mRNA ausmachen kann, beispielsweise unter induzierten
Bedingungen, oder alternativ ein Gen, dessen Genprodukt mindestens 0,2% (Gew./Gew.)
des gesamten Zell-Proteins ausmachen kann, oder im Falle eines sezernierten Genprodukts,
bis zu einer Menge von mindestens 0,05 g/l sezerniert werden kann.
Ein Expressionskonstrukt für eine bestimmte Wirtszelle enthält üblicherweise
die folgenden Elemente funktionsmäßig miteinander verknüpft in konsekutiver Reihenfolge
vom 5'-Ende zum 3'-Ende, bezogen auf den Codierstrang der Sequenz, die für das Polypeptid
des ersten Aspekts codiert: (1) eine Promotor-Sequenz, die die Transkription der
DNA-Sequenz, welche für das Polypeptid in der bestimmten Wirtszelle codiert, lenken
kann, (2) vorzugsweise eine 5'-nicht-translatierte Region (leader), (3) gegebenenfalls
eine Signalsequenz, die die Sezernierung des Polypeptids aus der bestimmten Wirtszelle
in das Kulturmedium lenken kann, (4) die DNA-Sequenz, die für eine reife und vorzugsweise
aktive Form des Polypeptids codiert, und vorzugsweise auch (5) eine Transkriptions-Terminations-Region
(terminator), die die Transkription stromabwärts der für das Polypeptid codierenden
DNA-Sequenz terminieren kann.
Stromabwärts der für das Polypeptid codierenden DNA-Sequenz enthält
das Expressionskonstrukt vorzugsweise eine 3'-nicht-translatierte Region, die eine
oder mehrere Transkritpions-Terminations-Stellen enthält, auch als Terminator bezeichnet.
Der Ursprung des Terminators ist nicht so kritisch. Der Terminator kann
beispielsweise für die für das Polypeptid codierende DNA-Sequenz nativ sein. Vorzugsweise
wird jedoch ein Hefe-Terminator in Hefe-Wirtszellen und ein filamentöser Pilz-Terminator
in filamentösen Pilz-Wirtszellen verwendet. Mehr bevorzugt ist der Terminator für
die Wirtszelle, in welcher die für das Polypeptid codierende DNA-Sequenz exprimiert
wird, endogen.
Eine verstärkte Expression des für das erfindungsgemäße Polypeptid
coiderenden Polynukleotids kann auch durch die Selektion heterologer, regulierender
Regionen erreicht werden, z.B. Promotor-, Signalsequenz- und Terminator-Regionen,
die dazu dienen, die Expressions- und gewünschtenfalls Sezernierungsmengen des Proteins,
an dem ein Interesse besteht, aus dem gewählten Expressions-Wirt zu erhöhen und/oder
für die induzier-bare Kontrolle der Expression des Polypeptids der Erfindung zu
sorgen.
Abgesehen vom Promotor, der für das für das erfindungsgemäße Polypeptid
codierende Gen nativ ist, können andere Promotoren verwendet werden, um die Expression
des erfindungsgemäßen Polypeptids zu lenken. Der Promotor kann wegen seiner Effizienz
bei der Lenkung der Expression des erfindungsgemäßen Polypeptids im gewünschten
Expressionswirt ausgewählt werden.
Promotoren/Verstärker (Enhancer) und andere Expressions-Regulierungs-Signale
können so ausgewählt werden, dass sie mit der Wirtszelle, für welche der Expressionsvektor
entworfen wird, kompatibel sind. Beispielsweise können prokaryontische Promotoren
verwendet werden, insbesondere jene, die zur Verwendung in E.coli-Stämmen geeignet
sind. Wenn die Expression der erfindungsgemäßen Polypeptide in Säugerzellen durchgeführt
wird, können Säuger-Promotoren verwendet werden. Gewebespezifische Promotoren, z.B.
Hepatocyten-zellspezifische Promotoren, können ebenso verwendet werden. Es können
auch virale Promotoren verwendet werden, z.B. Moloney-Maus-Leukämievirus-long terminal
repeat (MMLV LTR), der Rous-Sarcoma-Virus (RSV)-LTR-Promotor, der SV40-Promotor,
der humane Cytomegalovirus (CMV)-IE-Promotor, Herpessimplex-Virus-Promotoren oder
Adenovirus-Promotoren.
Zu den geeigneten Hefe-Promotoren zählen die S. cerevisiae GAL4 und
ADH-Promotoren und den S. pombe nmt1- und adh-Promotor. Zu den Säuger-Promotoren
zählen der Metallothionein-Promotor, der als Reaktion auf Schwermetalle, wie Cadmium,
induziert werden kann. Virale Promotoren, wie der SV40 large T antigen-Promotor
oder Adenovirus-Promotoren können ebenfalls verwendet werden. Alle diese Promotoren
sind auf dem Gebiet leicht erhältlich.
Säuger-Promotoren, wie &bgr;-Actin-Promotoren, können verwendet werden.
Gewebespezifische Promotoren, insbesondere Endothel- oder Neuronal-Zellen-spezifische
Promotoren (z.B. die DDAHI- und DDAHII-Promotoren) sind besonders bevorzugt. Virale
Promotoren können ebenfalls verwendet werden, beispielsweise der Moleney-Maus-Leukämie-Virus-long
terminal repeat (MMLV LTR)-, der Rous-Sarcoma-Virus (RSV)-LTR-Promotor, der SV40-Promotor,
der humane Cytomegalovirus (CMV)-IE-Promotor, Adenovirus-, HSV-Promotoren (wie die
HSV-IE-Promotoren), oder HPV-Promotoren, insbesondere die HPV-upstream regulatory
region (URR). Virale Promotoren sind auf dem Gebiet leicht erhältlich.
Eine Vielfalt von Promotoren kann verwendet werden, die fähig sind,
die Transkription in den Wirtszellen der Erfindung zu lenken. Vorzugsweise stammt
die Promotor-Sequenz von einem hoch exprimierten Gen, wie zuvor definiert. Beispiele
für bevorzugte hoch exprimierte Gene, von welchen Promotoren vorzugsweise stammen
und/oder welche in bevorzugten vorbestimmten Ziel-Loci zur Integration der Expressionskonstrukte
mit umfasst sind, inkludieren, ohne auf diese eingeschränkt zu sein, Gene, die für
glykolytische Enzyme, wie Triose-Phosphat-Isomerasen (TPI), Glyceraldehyd-phosphat-dehydrogenasen
(GAPDH), Phosphoglyceratkinasen (PGK), Pyruvatkinasen (PYK), Alkoholdehydrogenasen
(ADH), codieren, sowie Gene, die für Amylasen, Glucoamylasen, Proteasen, Xylanasen,
Cellobiohydrolasen, &bgr;-Galactosidasen, Alkohol(Methanol)-oxidasen, Elongationsfaktoren
und ribosomale Proteine codieren. Zu den spezifischen Beispielen für geeignete hoch
exprimierte Gene zählen z.B. das LAC4-Gen von Kluyveromyces sp., die Methanoloxidase-Gene
(AOX und MOX) von Hansenula bzw. Pichia, die Glucoamylase(glaA)-Gene von A.niger
und A.awamori, das A.oryzae-TAKA-Amylase-Gen, das A.nidulans gpdA-Gen und die T.reesei-Cellobiohydrolase-Gene.
Beispiele für starke konstitutive und/oder induzierbare Promotoren,
die zur Verwendung in Pilz-Expressions-Wirten bevorzugt sind, sind jene, die erhältlich
sind aus den Pilz-Genen für Xylanase (xlnA), Phytase, ATP-Synthetase-Untereinheit
9 (oliC), Triose-phosphat-isomerase (tpi), Alkoholdehydrogenase (AdhA), Amylase
(amy), amyloglucosidase (AG – aus dem glaA-Gen) Acetamidase (amdS) und Glyceraldehyd-3-phosphat-dehydrogenase(gpd)-Promotoren.
Zu den Beispielen für starke Hefe-Promotoren, die verwendet werden
können, zählen jene, die aus den Genen für Alkoholdehydrogenase,
Lactase, 3-Phosphoglycerat-kinase und Triosephosphat-isomerase erhältlich sind.
Zu den Beispielen für starke bakterielle Promotoren, die verwendet
werden können, zählen die Amylase- und SPo2-Promotoren sowie Promotoren aus extrazellulären
Protease-Genen.
Für Pflanzenzellen geeignete Promotoren, die man verwenden kann, umfassen
Napalinsynthase (nos), Octopinsynthase (ocs) Mannopinsynthase (mas), Ribulose-kleine
Untereinheit (Rubisco ssu), Histon, Reisaktiv, Phaseolin, Blumenkohl-Mosaikvirus
(CMV)35S und 19S und Circovirus-Promotoren.
Der Vektor kann weiters Sequenzen inkludieren, die das zur RNA führende
Polynukleotid flankieren, welche Sequenzen, die zu solchen aus eukaryontischen Genom-Sequenzen
homolog sind, vorzugsweise Säuger-Genom-Sequenzen, oder virale Genom-Sequenzen,
umfassen. Das ermöglicht die Einführung der Polynukleotide der Erfindung in das
Genom eukaryontischer Zellen oder Viren durch homologe Rekombination. Insbesondere
kann ein Plasmid-Vektor, welcher die Expressionskassette flankiert von viralen Sequenzen
aufweist, zur Herstellung eines Virus-Vektors verwendet werden, der zur Abgabe der
erfindungsgemäßen Polynukleotide an eine Säugerzelle geeignet ist. Andere Beispiele
für geeignete Virus-Vektoren inkludieren Herpes simplex-Virus-Vektoren und Retroviren,
einschließlich Lentiviren, Adenoviren, Adeno-assoziierte Viren und HPV-Viren (wie
HPV-16 ODER HPV-18). Gen-Transfer-Techniken unter Verwendung dieser Viren sind den
Fachleuten bekannt. Retrovirus-Vektoren können beispielsweise verwendet werden,
um das Polynukleotid, das zur antisense-RNA führt, stabil in das Wirtsgenom zu integrieren.
Replikations-defekte Adenovirus-Vektoren bleiben dagegen episomal und ermöglichen
daher eine vorübergehende Expression.
Der Vektor kann ein erfindungsgemäßes Polynukleotid enthalten, das
in einer antisense-Richtung orientiert ist, um für die Produktion von antisense-RNA
zu sorgen. Dies kann verwendet werden um gewünschtenfalls die Expressionsmengen
der Polypeptide zu verringern.
Wirtszellen und Expression
Gemäß einem weiteren Aspekt sieht die vorliegende Erfindung ein Verfahren
zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Polypeptids vor, welches das Züchten einer
Wirtszelle, die mit einem Expressionsvektor, wie oben beschrieben, unter Bedingungen,
die für die Expression einer für das Polypeptid codierenden Codiersequenz durch
den Vektor geeignet sind, transformiert oder transfektiert wurde, und das Gewinnen
des exprimierten Polypeptids umfasst. Die Polynukleotide der Erfindung können in
einen rekombinanten, replizierbaren Vektor, wie einen Expressions-Vektor, inkorporiert
sein. Der Vektor kann zur Replikation der Nukleinsäure in einer kompatiblen Wirtszelle
verwendet werden. So sieht die Erfindung in einer weiteren Ausführungsform ein Verfahren
zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Polynukleotids durch Einführen eines erfindungsgemäßen
Polynukleotids in einen replizierbaren Vektor, Einführen des Vektors in eine kompatible
Wirtszelle und Züchten der Wirtszelle unter Bedingungen, die die Replikation des
Vektors bewirken, vor. Der Vektor kann aus der Wirtszelle gewonnen werden. Zu den
geeigneten Wirtszellen zählnen Bakterien, wie E.coli, Hefe, Säugerzelllinien und
andere eukaryontische Zelllinien, beispielsweise Insektenzellen, wie Sf9-Zellen,
und (z.B. filamentöse) Pilz-Zellen.
Vorzugsweise wird das Polypeptid als sezerniertes Protein erzeugt,
in welchem Fall die für eine reife Form des Polypeptids codierende DNA-Sequenz im
Expressionskonstrukt funktionell verknüpft ist mit einer DNA-Sequenz, die für eine
Signal-Sequenz codiert. In jenem Fall, in dem das für das sezernierte Protein codierende
Gen im Wildtyp-Stamm eine Signalsequenz aufweist, ist die verwendete Signalsequenz
vorzugsweise für die für das Polypeptid codierende DNA-Sequenz nativ (homolog).
Alternativ ist die Signalsequenz für die für das Polypeptid codierende DNA-Sequenz
fremd (heterolog), in welchem Fall die Signalsequenz vorzugsweise für die Wirtszelle,
in welcher die DNA-Sequenz exprimiert wird, endogen ist. Beispiele für geeignete
Signalsequenzen für Hefe-Wirtszellen sind die Signalsequenzen, die von Hefe-MFalpha-Genen
stammen. In ähnlicher Weise ist eine geeignete Signalsequenz für filamentöse Pilz-Wirtszellen
z.B. eine Signalsequenz, die von einem filamentösen Pilz-Amyloglucosidase(AG)-Gen,
z.B. dem A.niger-glaA-Gen, stammt. Diese Signalsequenz kann in Kombination mit dem
Amyloglucosidase-(auch (Gluco)amylase genannt)-Promotor selbst, sowie in Kombination
mit anderen Promotoren verwendet werden. Hybrid-Signalsequenzen können auch im Zusammenhang
mit der vorliegenden Erfindung verwendet werden.
Bevorzugte heterologe Sezernierungs-Leader-Sequenzen sind jene, die
vom Pilz-amyloglucosidase(AG)-Gen (glaA, sowohl die 18- als auch die 24-Aminosäuren-Version,
z.B. von Aspergillus), vom MFalpha-Gen (Hefen, z.B. Saccharomyces und Kluyveromyces)
oder vom alpha-Amylase-Gen (Bacillus) abstammen.
Die Vektoren können wie oben beschrieben transformiert oder in eine
geeignete Wirtszelle transfektiert werden, um für die Expression eines erfindungsgemäßen
Polypeptids zu sorgen. Dieses Verfahren kann das Züchten einer Wirtszelle, die mit
einem Expressionsvektor, wie oben beschrieben, unter Bedingungen, die für die Expression
des Polypeptids geeignet sind, transformiert ist, und das fakultative Gewinnen des
exprimierten Polypeptids umfassen.
So sieht ein weiterer Aspekt der Erfindung Wirtszellen vor, die mit
einem Polynukleotid oder Vektor der Erfindung transformiert oder transfektiert wurden
oder dieses bzw. diesen aufweisen. Vorzugsweise wird das Polynukleotid in einem
Vektor getragen, welcher die Replikation und Expression des Polynukleotids ermöglicht.
Die Zellen werden so gewählt, dass sie mit dem Vektor kompatibel sind und können
beispielsweise prokaryontische (z.B. bakterielle) oder eukaryontische Pilz-, Hefe-
oder Pflanzenzellen sein.
Die Erfindung umfasst Verfahren zur Erzeugung eines erfindungsgemäßen
Polypeptids mittels rekombinanter Expression einer DNA-Sequenz, die für das Polypeptid
codiert. Zu diesem Zweck kann die DNA-Sequenz der Erfindung zur Gen-Amplifikation
und/oder zum Austausch von Expressionssignalen, wie Promotoren, Sezernierungssignalsequenzen
verwendet werden, um eine wirtschafliche Produktion des Polypeptids in einer geeigneten
homologen oder heterologen Wirtszelle zu ermöglichen. Eine homologe Wirtszelle ist
hierin als eine Wirtszelle definiert, die von derselben Spezies ist oder eine Variante
innerhalb derselben Spezies ist wie jene Spezies, von welcher die DNA-Sequenz stammt.
Geeignete Wirtszellen sind vorzugsweise prokaryontische Mikroorganismen,
wie Bakterien, oder mehr bevorzugt, eurkaryontische Organismen, beispielsweise Pilze,
wie Hefen oder filamentöse Pilze, oder Pflanzenzellen. Im Allgemeinen sind Hefezellen
gegenüber filamentösen Pilzzellen bevorzugt, weil sie leichter manipulierbar sind.
Einige Proteine werden jedoch aus Hefen schlecht sezerniert, oder in einigen Fällen
werden sie nicht richtig prozessiert (z.B. Hyperglycosylierung in Hefe). In diesen
Fällen sollte ein filamentöser Pilz-Wirtsorganismus gewählt werden.
Bakterien der Gattung Bacillus sind als heterologe Wirte wegen ihrer
Fähigkeit, Proteine in das Kulturmedium zu sezernieren, sehr geeignet. Andere Bakterien,
die als Wirte geeignet sind, sind jene der Genera Streptomyces und Pseudomonas.
Eine bevorzugte Hefe-Wirtszelle für die Expression der für das Polypeptid codierenden
DNA-Sequenz ist eine der Gattung Saccharomyces, Kluyveromyces, Hansenula, Pichia,
Yarrowia oder Schizosaccharomyces. Mehr bevorzugt ist eine Hefe-Wirtszelle ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus den Spezies Saccharomyces cerevisiae, Kluyveromyces
lactis (auch als Kluyveromyces marxianus var. lactis bekannt), Hansenula polymorpha,
Pichia pastoris, Yarrowia lipolytica und Schizosaccharomyces pombe.
Am meisten bevorzugt für die Expression der für das Polypeptid codierenden
DNA-Sequenz sind jedoch filamentöse Pilz-Wirtszellen. Bevorzugte filamentöse Pilz-Wirtszellen
sind ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus den Genera Aspergillus, Trichoderma,
Fusarium, Disporotrichum, Penicillium, Acremonium, Neurospora, Thermoascus, Myceliophtora,
Sporotrichum, Thielavia und Talaromyces. Mehr bevorzugt stammt eine filamentöse
Pilz-Wirtszelle von der Spezies Aspergillus oyzae, Aspergillus sojae oder Aspergillus
nidulans oder stammt von einer Spezies aus der Aspergillus niger-Gruppe (wie von
Raper und Fennell The Genus Aspergillus, The Williams & Wilkins Company, Baltimore,
S. 293-344, 1965) definiert. Zu diesen zählen, ohne darauf eingeschränkt zu sein,
Aspergillus niger, Aspergillus awamori, Aspergillus tubigensis, Aspergillus aculeatus,
Aspergillus foetidus, Aspergillus nidulans, Aspergillus japonicus, Aspergillus oryzae
und Aspergillus ficuum, und auch jene der Spezies Trichoderma reesei, Fusarium graminearum,
Penicillium chrysogenum, Acremonium alabamense, Neurospora crassa, Myceliophtora
thermophilum, Sporotrichum cellulophilum, Disporotrichum dimorphosporum und Thielavia
terrestris.
Beispiele für bevorzugte Expressionswirte im Rahmen der vorliegenden
Erfindung sind Pilze, wie Aspergillus-Spezies (insbesondere jene, die in der EP-A
184 438 und in der EP-A 284 603 beschrieben sind) und Trichoderma-Spezies; Bakterien,
wie Bacillus-Spezies (insbesondere jene, die in der EP-A 134 048 und in der EP-A
253 455 beschrieben sind), besonders Bacillus subtilis, Bacillus licheniformis,
Bacillus amyloliquefaciens, Pseudomonas-Spezies; und Hefen, wie Kluyveromyces-Spezies
(insbesondere jene, die in der EP-A 096 430 beschrieben sind, wie Kluyveromyces
lactis, und in der EP-A 301 670 beschrieben sind), und Saccharomyces-Spezies, wie
Saccharomyces cerevisiae.
Zu den erfindungsgemäßen Wirtszellen zählen Pflanzenzellen, und die
Erfindung erstreckt sich daher auf transgene Organismen, wie Pflanzen
und Teile davon, die eine oder mehrere erfindungsgemäße Zellen enthalten. Die Zellen
können das erfindungsgemäße Polypeptid heterolog exprimieren oder ein oder mehrere
der erfindungsgemäßen Polynukleotide heterolog enthalten. Die transgene (oder genetisch
modifizierte) Pflanze kann daher in ihr Genom eine Sequenz (typischerweise stabil)
insertiert haben, die für die Polypeptide der Erfindung codiert. Die Transformation
der Pflanzenzellen kann unter Verwendung bekannter Techniken, beispielsweise unter
Verwendung eines Ti- oder eines Ri-Plasmids aus Agrobacterium tumefaciens, durchgeführt
werden. Das Plasmid (oder der Vektor) kann daher Sequenzen enthalten, die zum Infizieren
einer Pflanze notwendig sind, und derivate des Ti- und/oder Ri-Plasmids können verwendet
werden.
Die Wirtszelle kann das Polypeptid überexprimieren, und Techniken
zur Herbeiführung einer Überexpression sind wohl bekannt und können bei der vorliegenden
Erfindung verwendet werden. Der Wirt kann somit zwei oder mehr Kopien des Polynukleotids
aufweisen.
Alternativ kann eine direkte Infektion eines Teils einer Pflanze,
wie eines Blattes, einer Wurzel oder eines Stiels, bewirkt werden. Bei dieser Technik
kann die zu infizierende Pflanze verwundet werden, beispielsweise, indem man die
Pflanze mit einem Rasiermesser schneidet, die Pflanze mit einer Nadel sticht oder
die Pflanze mit einem Scheuermittel reibt. Die Wunde wird dann mit dem Agrobacterium
inokuliert. Die Pflanze oder der Pflanzenteil kann dann auf einem geeigneten Kulturmedium
gezüchtet werden und sich zu einer reifen Pflanze entwickeln lassen. Eine Regeneration
transformierter Zellen zu genetisch modifizierten Pflanzen kann unter Verwendung
bekannter Teckniken erreicht werden, z.B. durch Selektion transformierter Triebe
unter Verwendung eines Antibiotikums und durch Sub-Kultivieren der Triebe auf einem
Medium, welches die entsprechenden Nährstoffe, Pflanzenhormone u.dgl. enthält.
Züchten von Wirtszellen und rekombinante Produktion Die Erfindung
umfasst auch Zellen, die modifiziert wurden, damit sie Prolin-spezifische Endoprotease
oder eine Variante davon exprimieren. Zu solchen Zellen gehören vorübergehend, oder
vorzugsweise stabil modifizierte höhere eukaryontischen Zelllinien, wie Säugerzellen
oder Insektenzellen, niedrigere eukaryontische Zellen, wie Hefe- und filamentöse
Pilzzellen, oder prokaryontische Zellen, wie Bakterienzellen.
Es ist auch möglich, dass die erfindungsgemäßen Polypeptide vorübergehend
in einer Zelllinie oder auf einer Membran, wie z.B. in einem Baculovirus-Expressionssystem,
exprimiert werden. Solche Systeme, die zur Expression der erfindungsgemäßen Proteine
adaptiert sind, sind auch im Rahmen der vorliegenden Erfindung miteingeschlossen.
Gemäß der vorliegenden Erfindung kann die Erzeugung des Polypeptids
der Erfindung durch Züchten von mikrobiellen Expressions-Wirten, die mit einem oder
mehreren Polynukleotiden der vorliegenden Erfindung transformiert wurden, in einem
herkömmlichen Nähr-Fermentationsmedium bewirkt werden.
Die rekombinanten Wirtszellen gemäß der Erfindung können unter Verwendung
von Vorgangsweisen, die auf dem Gebiet bekannt sind, gezüchtet werden. Für jede
Kombination eines Promotors und einer Wirtszelle stehen Kulturbedingungen zur Verfügung,
die für die Expression der für das Polypeptid codierenden DNA-Sequenz förderlich
sind. Nach dem Erreichen der gewünschten Zelldichte oder dem Titer des Polypeptids,
wird das Züchten beendet, und das Polypeptid wird unter Verwendung bekannter Vorgangsweisen
gewonnen.
Das Fermentationsmedium kann ein bekanntes Kulturmedium umfassen,
welches eine Kohlenstoffquelle (z.B. Glucose, Maltose, Molasse usw.), eine Stickstoffquelle
(z.B. Ammoniumsulfat, Ammoniumnitrat, Ammoniumchlorid etc.) und anorganische Nährstoffquellen
(z.B. Phosphat, Magnesium, Kalium, Zink, Eisen usw.) enthält. Gegebenenfalls kann
ein Inducer (abhängig vom verwendeten Expressionskonstrukt) inkludiert oder nachträglich
zugesetzt werden.
Die Selektion des geeigneten Mediums kann auf der Wahl des Expressionswirtes
und/oder auf den regulierenden Erfordernissen des Expressionskonstrukts basieren.
Geeignete Medien sind den Fachleuten gut bekannt. Das Medium kann gewünschtenfalls
zusätzliche Bestandteile enthalten, die die transformierten Expressionswirte gegenüber
anderen, potentiell kontaminierenden Mikroorganismen favorisieren.
Die Fermentation kann über einen Zeitraum von 0,5–30 Tagen durchgeführt
werden. Die Fermentation kann ein Chargen-, kontinuierliches oder ein Verfahren
mit zugeführten Chargen („fedbatch") sein, bei einer geeigneten Temperatur
im Bereich von zwischen 0°C und 45°C und beispielsweise bei einem pH-Wert
von 2 bis 10. Zu den bevorzugten Fermentationsbedingungen gehören eine Temperatur
im Bereich von 20°C bis 37°C und/oder ein pH-Wert zwischen
3 und 9. Die geeigneten Bedingungen werden üblicherweise auf Grund der Wahl des
Experessionswirtes und des zu exprimierenden Proteins ausgewählt.
Nach der Fermentation werden die Zellen, falls nötig, aus der Nährlösung
durch Zentrifugieren oder Filtern entfernt. Nach Beendigung der Fermentation oder
nach dem Entfernen der Zellen kann dann das Polypeptid der Erfindung gewonnen werden
und gewünschtenfalls mit herkömmlichen Mitteln gereinigt und isoliert werden. Die
Prolin-spezifische Endoprotease der Erfindung kann aus dem Pilzmyzelium oder aus
der Nährlösung, in welche die Prolin-spezifische Endoprotease durch die gezüchteten
Pilzzellen freigesetzt wird, gereinigt werden.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform wird das Polypeptid von einem
Pilz, mehr bevorzugt von einem Aspergillus, am meisten bevorzugt, von Aspergillus
niger, erhalten.
Modifikationen
Die Polypeptide der Erfindung können chemisch modifiziert werden,
z.B. post-translational modifiziert. Beispielsweise können sie (ein- oder mehrmals)
glykosyliert werden oder modifizierte Aminosäurereste aufweisen. Sie können auch
durch die Zugabe von Histidinresten modifiziert werden, um ihre Reinigung zu unterstützen,
oder durch die Zugabe einer Signalsequenz, um die Sezernierung aus der Zelle zu
fördern. Das Polypeptid kann Amino- oder Carboxyl-terminale Verlängerungen aufweisen,
wie einen Amino-terminalen Methionin-Rest, ein kleines Linker-Peptid von bis zu
etwa 20–25 Resten, oder eine kurze Verlängerung, die die Reinigung erleichtert,
wie einen Polyhistidin-Trakt, ein antigenes Epitop oder eine Bindungs-Domäne.
Ein erfindungsgemäßes Polypeptid kann mit einer sichtbarmachenden
Markierung markiert sein. Die sichtbarmachende Markierung kann jede geeignete Markierung
sein, die eine Detektion des. Polypeptids ermöglicht. Zu den geeigneten Markierungen
zählen Radioisotope, z.B. 125I, 35S, Enzyme, Antikörper, Polynukleotide
und Linker, wie Biotin.
Die Polypeptide können modifiziert sein, so dass sie nicht natürlicherweise
vorkommende Aminosäuren inkludieren oder um die Stabilität des Polypeptids zu erhöhen.
Wenn die Proteine oder Peptide mit synthetischen Mitteln erzeugt werden, können
solche Aminosäuren während der Herstellung eingeführt werden. Die Proteine oder
Peptide können auch entweder nach einer synthetischen oder nach einer rekombinanten
Produktion modifiziert werden.
Die erfindungsgemäßen Polypeptide können auch unter Verwendung von
D-Aminosäuren erzeugt werden. In solchen Fällen sind die Aminosäuren in reverser
Sequenz in Orientierung C nach N verknüpft. Dies ist auf dem Gebiet zur Erzeugung
solcher Proteine oder Peptide herkömmlich.
Eine Reihe von Seitenketten-Modifikationen ist auf dem Gebiet bekannt
und kann an den Seitenketten der Proteine oder Peptide der vorliegenden Erfindung
vorgenommen werden. Zu solchen Modifikationen zählen beispielsweise Modifikationen
von Aminosäuren durch reduktive Alkylierung durch Umsetzung mit einem Aldehyd, gefolgt
von einer Reduktion mit NaBH4, Amidierung mit Methylacetimidat oder Acylierung
mit Essigsäureanhydrid.
Die von der vorliegenden Erfindung vorgesehenen Sequenzen können auch
als Ausgangsmaterialien für die Konstruktion von Enzymen der „zweiten Generation"
verwendet werden. Prolinspezifische Proteasen der „zweiten Generation" sind
Prolinspezifische Proteasen, die durch Mutagenese-Techniken (z.B. Stellen-gerichtete
Mutagenese) verändert sind, die Eigenschaften haben, die sich von jenen der Wildtyp-Prolin-spezifischen
Protease oder von rekombinanten Prolin-spezifischen Proteasen, wie jenen, die durch
die vorliegende Erfindung erzeugt werden, unterscheiden. Beispielsweise können ihre
Temperatur oder das pH-Optimum, die spezifische Aktivität, Substrat-Affinität oder
Thermostabilität verändert sein, damit sie zur Verwendung in einem bestimmten Verfahren
besser passen.
Aminosäuren, die für die Aktivität der Prolin-spezifischen Endoprotease
der Erfindung wesentlich sind und daher vorzugsweise einer Substitution unterliegen,
können gemäß Vorgangsweisen, die auf dem Gebiet bekannt sind, wie stellengerichteter
Mutagenese oder Alanin-Scanning Mutagenese, identifiziert werden. Bei der letzteren
Technik werden Mutationen an jedem Rest im Molekül eingeführt, und die resultierenden
mutierten Moleküle werden auf ihre biologische Aktivität (z.B. Prolin-spezifische
Endoprotease-Aktivität) getestet, um Aminosäurereste zu identifizieren, die für
die Aktivität des Moleküls von kritischer Bedeutung sind. Stellen einer Enzym-Substrat-Interaktion
können ebenfalls durch Analyse der Kristallstruktur bestimmt weren, wie sie durch Techniken,
wie kernmagnetische Resonanz, Kristallographie oder Photoaffinitäts-Markierung,
bestimmt wird.
Man erwartet, dass die Verwendung von Hefe und filamentösen Pilz-Wirtszellen
solche post-translationalen Modifikationen (z.B. proteolytische Verarbetiung, Myristilierung,
Glycosylierung, Trunkierung, und Tyrosin-, Serin- oder Threonin-Phosphorylierung),
die man möglicherweise braucht, um rekombinanten Expressionsprodukten der Erfindung
eine optimale biologische Aktivität zu verleihen, vorsieht.
Herstellungen
Die Polypeptide der Erfindung können in isolierter Form vorliegen.
Man wird verstehen, dass das Polypeptid mit Trägern oder Verdünnungsmitteln, die
den beabsichtigten Zweck des Polypeptids nicht stören, gemischt werden kann und
noch immer als isoliert angesehen werden kann. Ein Polypeptid der Erfindung kann
auch in einer im Wesentlichen gereinigten Form vorliegen, in welchem Fall dies im
Allgemeinen das Polypeptid in einem Präparat umfassen wird, in welchem mehr als
70%, z.B. mehr als 80%, 90%, 95%, 98% oder 99% der Proteine im Präparat ein erfindungsgemäßes
Polypeptid ist.
Die Polypeptide der Erfindung können in einer solchen Form vorgesehen
werden, dass sie außerhalb ihrer natürlichen Zellumgebung vorliegen. So können sie
im Wesentlichen isoliert oder gereinigt, wie oben besprochen, sein, oder in einer
Zelle, in welcher sie in der Natur nicht vorkommen, beispielsweise einer Zelle anderer
Pilz-Spezies, Tiere, Pflanzen oder Bakterien.
Die Erfindung betrifft auch die Verwendung einer Prolylspezifischen
Endoprotease bei der Herstellung eines Getränks. Eine Prolyl-spezifische Endoprotease
wird vorzugsweise bei der Herstellung von Bier, Wein oder Fruchtsaft verwendet.
Durch die Zugabe einer Prolyl-spezifischen Endoprotease gemäß dem erfindungsgemäßen
Verfahren wird eine Verringerung oder Verhinderung einer Trübung erreicht. Durch
Zusetzen dieser Prolylspezifischen Endoproteasen werden neue Getränke erhalten.
So betrifft die Erfindung auch Getränke, die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
erhältlich sind. Zu diesen Getränken zählen beispielsweise Bier, Wein und Fruchtsaft,
die mit einem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlich sind.
Ein Vorteil der mit dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen Getränke
ist, dass diese Getränke einen hohen Gehalt an Antioxidantien aufweisen. Polyphenole
sind Antioxidantien. Bier wird üblicherweise mit einem Polyphenol-entfernenden Agens
behandelt, um die Bildung einer Trübung zu verhindern, und infolgedessen hat das
erhaltene Bier eine geringe antioxidative Aktivität. Dasselbe gilt für andere mit
Polypheol-entfernenden Mitteln behandelte Getränke. Bier, das mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren erhältlich ist, hat eine höhere endogene antioxidative Aktivität. Da man
Antioxidantien als gesundheitsfördernde Ingredienzien ansieht, kann man die mit
dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen Getränke als Getränke ansehen, die
gesünder sind als dieselbe Art Getränk, die mit Polyphenol-entfernenden Mitteln,
wie PVPP, zubereitet wurden. Es ist ein Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens,
dass die Farbe von mit diesem Verfahren erhältlichen Fruchtsäften nicht bzw. weniger
blass ist als die Farbe von Fruchtsäften, die nach dem Entfernen von Polyphenolen
erhalten werden. Weine und Fruchtsäfte, die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
erhältlich sind, haben ein besseres Aroma und einen besseren Geschmack im Vergleich
zu Getränken, die mit einem Verfahren erhalten werden, bei welchem Bentonit oder
eine ähnliche Verbindung verwendet wird, da Bentonit nicht nur Proteine entfernt,
sondern auch Aroma und/oder Geschmackskomponenten.
BEISPIELE UND VERGLEICHSVERSUCHE MATERIALIENProlin-spezifische Endoprotease-Enzyme (Endo-Pro's)
Aspergillus niger G306 wurde beim CBS (CBS109712) am 10. September
2001 hinterlegt. A.niger G306 enthält ein Gen, das für eine Prolyl-spezifische Endoprotease
gemäß der Erfindung codiert. Das Gen oder die cDNA, welche (s) aus diesem Organismus
erhältich ist, kann unter Verwendung bekannter Methoden in jedem Aspergillus niger-Wirt
kloniert und exprimiert werden.
Die folgenden Proben wurden verwendet:
1) „Endo-Pro A", eine Prolin-spezifische Endoprotease, wurde in Versuchen
mit Bier verwendet. Die Probe war ein Ultrafiltrationskonzentrat, erhalten nach
Ultrafiltration einer Nährlösung, die nach Fermentation eines Aspergillus niger-Stamms
umfassend ein Gen, das für eine Prolin-spezifische Endoprotease codiert, erhalten
wurde. Die Prolyl-spezifische Aktivität der Endo-pro A-Probe betrug 5,06 E/ml, bestimmt
wie unter „Methoden" beschrieben. Die Proteinkonzentration wurde mit 50g/l
ermittelt, bezogen auf die spezifische Aktivität einer Probe einer Prolyl-spezifischen
Endoprotease mit einer Reinheit von mehr als 90%.
2) „Endo-Pro B", eine Prolin-spezifische Endoprotease, wurde in Versuchen
mit Wein verwendet. Die Probe wurde nach Reinigung über eine Säule erhalten und
hatte eine Aktivität von 6,0 E/ml.
Papain
Collupulin, ein von DSM, Frankreich, erhältliches flüssiges Papain-Präparat,
wurde für Versuche mit Papain verwendet. Die Aktivität beträgt 5280 NF/mg. Eine
Einheit NF ist die Menge an Papain-Aktivität, die die Hydrolyse von Casein katalysiert,
um ein Mikrogramm-Äquilanet von löslichem Tyrosin pro Stunde bei pH 6,0 zu erzeugen.
Die Protein-Konzentration in der Papain-Probe wurde gemessen, und sie ist 119 g/l
(Lowry).
Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP)
Das verwendete PVPP war ein im Handel erhältliches, nicht-wasserlösliches
PVPP mit der Bezeichnung „Polyclar AT".
Bier
Ein Malzbier (Pilsener Typ) von „Les Trois Brasseurs" in Lille,
Frankreich, wurde bei allen mit Bier durchgeführten Versuchen verwendet. Der Prozentsatz
Alkohol dieses Biers betrug 5,2% (V/V), und der pH-Wert war 4,4. Dieses bestimmte
Bier wurde ausgewählt wegen der relativ hohen Menge an Trübung, die bei diesem Bier
nach dem Kühlen gemessen wurde, im Vergleich zu anderen im Handel erhältlichen Bieren.
Das Bier hatte eine Protein-Konzentration von 0,9 g/l, wie mittels der Lowry-Methode
bestimmt.
Weißwein
Ein aus weißen Sauvignon-Trauben hergestellter Weißwein wurde ohne
Protein-Entfernungs-Behandlung verwendet. Die alkoholische Fermentierung während
der Weinerzeugung erfolgte mit einer ausgewählten Hefe VL3 von Lallemand. Die önologische
Analyse des Weins ergab die folgenden Resultate:
VERFAHRENSpektrophotometrisches Verfahren zur Bestimmung der Prolylspezifischen
Endoprotease-Aktivität
Die Substrat-Lösung ist eine 2 mM Lösung von N-Carbobenzoxyglycin-prolin-p-nitro-anilid
(Z-Gly-Pro-pNA; MW 426,43; Bachem), hergestellt in einem 0,1 M Zitronensäure/0,2
M Dinatriumphosphat-Puffer, pH 5,0, enthaltend 40% Dioxan.
Zu 1 ml Puffer, pH 5,0, werden 250 &mgr;l der Substratlösung zugegeben,
gefolgt von 100 &mgr;l der Enzymlösung (größere oder geringere Volumsmengen der
Enzymlösung sollten durch Pufferlösung kompensiert werden). Die Reaktionsmischung
wird bei 37°C inkubiert, und die Freisetzung von pNA wird durch Messen der Absorptionssteigerung
bei 410 nm verfolgt.
Aktivitäts-Definition: 1 Einheit ist die Enzym-Aktivität, die 1 &mgr;mol
pNA aus Z-Gly-Pro-pNA in 1 Minute unter den beschriebenen Reaktionsbedingungen freisetzt.
Um die Konzentrationen zu berechnen, wird ein molarer Extinktionskoeffizient (E)
von 8.800 M–1 verwendet.
Die Trübe oder Trübung wurde mit einem Turbidimeter mit der Bezeichnung
Tannometer, von Pfeuffer GmbH, Kitzingen, Deutschland, gemäß der Bedienungsanleitung
von Pfeuffer gemessen. Stark unterkühltes Bier weist eine reversible Trübe, verursacht
durch ausgefällte Polypehnol-Protein-Komplexe, auf. Die Zugabe von Alkohol verringert
die Löslichkeit der Komplexe und beschleunigt somit die Bildung von Schleiern. Um
das Tannometer zu eichen, wurde eine Formazin-Standard-Lösung hergestellt, wie von
Jean de Clerk, „Cours de Brasseries", 2. Ausgabe, (S. 595–596)Unviersite
de Louvain, Belgien, beschrieben. Der Standard für die Trübe war in Einheiten EBC.
Vom Bier wurde durch Filtration über einen Papierfilter die Kohlensäure entfernt.
Direkt vor dem Durchführen des Kühlungs-Trübungs-Tests wurde Ethanol zu den Proben
in einer Menge zugegeben, die ausreichte, um den Alkoholgehalt auf 6% (V/V) zu erhöhen.
Der Kühlungs-Trübungs-Test wurde durchgeführt, indem jede Probe während 30 min auf
–8°C gekühlt wurde. Die gebildete Trübung (Trübe, in Einheiten EBC) wurde
rasch im Turbidimeter, dessen Messkammer auch auf –8°C gehalten wurde,
gemessen.
Die für Bier beschriebenen Kühlungs-Trübungs-Tests können auch mit
Bierwürzen oder mit alkoholfreien Bieren durchgeführt werden. In diesen Fällen wird
ebenfalls Ethanol zu den Proben in einer Menge zugegeben, die ausreicht, um einen
Alkoholgehalt von 10% (V/V) in den Proben zu erreichen. Die verwendete Biertrübungs-
oder Trübe-Einheit ist das ECB, das sind nephelometrische Trübe-Einheiten, wie von
der European Brewery Convention empfohlen.
Erhitzungs-Trübungs-Tests
Wie von K.J. Siebert (K.J. Siebert et al., J. Agric. Food Chem. 44
(1996)) beschrieben, kann eine Trübe in Getränken, wie Wein oder Fruchtsäften, durch
einen Erhitzungs-Test induziert werden. Das Ausmaß der gebildeten Trübung ist hauptsächlich
eine Funktion der Mengen an trübungsaktiven Proteinen und Polyphenolen im Getränk.
Beim Erhitzungs-Test wird die Turbidität von Proben (z.B. von Wein oder Fruchtsaft)
mit einem Turbidimeter vor und nach dem 30 Minuten langen Erhitzen bei 80°C
gemessen. Vor dem Messen der Trübung wird die erhitzte Probe unter kaltem Wasser
abgekühlt, bis eine Temperatur von 22–25°C erreicht ist. Bei den Wein-Versuchen
(vgl. Beispiel III) erfolgte die Eichung des Turbidimeters mit NTE-Formazin-Standard-Lösungen,
für die Fruchtsaft-Versuche (vgl. Beispiel V) wurde die NTE-Trübungs-Standard-Lösung
von Reagecon, Irland, gekauft. NTE=nephelometrische Turbiditäts-Einheiten.
Kontrollversuche
(i) Ein Leer-Experiment wurde durchgeführt, wobei kein exogenes Protein während
der Inkubation zugesetzt wurde.
(ii) Ein Versuch wurde durchgeführt, bei welchem Bier verwendet wurde, das mit
einer großen Menge an PVPP (1000 g/hl) vor der Inkubation behandelt worden war.
Dieser Versuch ermöglichte die Bestimmung des durchschnittlichen Ausmaßes der Trübe,
die durch den Kühlungs-Trübungs-Test induziert wird, welche auf Polyphenol-Protein-Präzipitat
zurückzuführen ist, weil PVPP Polyphenole aus dem Bier entfernt und somit die Bildung
einer Trübung beeinträchtigt.
(iii) Versuche wurden durchgeführt, bei welchen exogene Proteine (Prolin-spezifische
Endoprotease bzw. Papain) dem nach einer einstündigen Inkubation bei 40°C auf
0°C gekühlten Bier zugesetzt wurden. Die Inkubation bei 0°C erfolgte 15
min lang vor den Trübungsmessungen. Da das Enzym und Papain bei 0°C nicht oder
kaum aktiv sind, ermöglichten diese Versuche eine Unterscheidung zwischen dem Effekt
der Enzymaktivität und nicht-enzymatischen Protein-Effekten.
VERSUCHE UND VERGLEICHSBEISPIELE, DIE DIE WIRKUNG AUF DIE
TRÜBUNG WÄHREND VERSCHIEDENER TESTS ZEIGENBeispiel I. Die Wirkungen der Zugabe einer Prolylspezifischen
Endoprotease auf die Trübe-Bildung in Bier
Zu einem Malzbier, aus dem die Kohlensäure entfernt worden war (Les
Trois Brasseurs), Proteingehalt: 0,9 g/l, wurden verschiedene Mengen eines Prolyl-spezifischen
Endoprotease-Enzyms („Endo-Pro A", vgl. „Materialien") zugegeben.
Zwei Reihen von Trübemessungen wurden durchgeführt. Bei der ersten Reihe wurden
die Bier-Endo-Pro A-Zusammensetzungen vor dem Kühlungs-Trübungstest 1 h lang bei
40°C inkubiert. Nach der Inkubation bei 40°C und direkt
vor dem Kühlungs-Trübungs-Test wurde Ethanol zur Bier-Endo-Pro A-Zusammensetzung
in einer Menge zugegeben, die ausreichte, um den Alkohol auf 6% (V/V) zu erhöhen.
Bei der zweiten Reihe wurde das Bier ohne Endo-Pro A 1 h lang bei 40°C inkubiert
und danach auf 0°C gekühlt. Bei 0°C wurde das Endo-Pro A zugesetzt, und
die resultierenden Zusammensetzungen wurden 15 min lang bei 0°C inkubiert. Direkt
vor dem Kühlungs-Trübungs-Test wurde der Bier-Endo-Pro A-Zusammensetzung Ethanol
in einer Menge zugesetzt, die ausreichte, um den Alkoholgehalt auf 6% (V/V) zu erhöhen.
Die Mengen an zugesetztem Endo-Pro A und der Prozentsatz der Trübungsverringerung
bezogen auf die gemessene Trübung, wenn kein Endo-Pro A zugesetzt wurde, sind in
Tabelle 1 gezeigt. Die Mengen an zugesetzten Endo-Pro A deckten einen großen Bereich
von weniger als 1% zugesetzter exogener Proteine bis zu mehr als 10% ab, bezogen
auf die Menge von im Bier vorhandenem Protein.
Tabelle 1. Wirkung der Zugabe eines Prolyl-spezifischen Endoprotease-Enzyms
zu einem Bier auf die Menge der Trübung nach einer einstündigen Inkubation bei 40°C„% zugesetztes exogenes Enzym" bedeutet die Menge an zugesetztm
Endo-Pro A-Enzym, ausgedrückt als Prozentsatz der Gesamtmenge an im Bier vorhandenen
Proteinen vor der Zugabe des Enzyms.Tabelle 2. Wirkung des Prolyl-spezifischen Endoprotease-Enzyms in Bier
auf die Menge der Trübung nach einer 15-minütigen Inkubation bei 0°C
Die Tabelle 1 zeigt deutlich, dass sich nach dem Kühlen weniger Trübung
gebildet hat, wenn dem Bier eine Prolylspezifische Endoprotease bei einer Temperatur
zugesetzt wird, (und) wenn die Protease vor dem Kühlen aktiv ist. Die Tabelle 2
zeigt deutich, dass etwas Wirkung vorhanden ist, wenn eine Prolyl-spezifische Endoprotease
dem Bier bei einer Temperatur zugesetzt wird, die so niedrig ist, dass die Protease
nicht oder kaum aktiv ist, jedoch die Auswirkung sehr gering im Verglich zu jener
Wirkung ist, die beobachtet wird, wenn die Protease bei einer Temperatur zugesetzt
wird, bei welcher sie aktiv ist.
Vergleichsversuch A. Die Wirkungen der Zugabe von Papain
auf die Trübungsbildung in Bier
Zu einem Malzbier (Les trois Brasseur), von welchem die Kohlensäure
entfernt worden war, Proteingehalt: 0,9 g/l, wurden verschiedene Mengen an Papain
(von 0 bis 100 g/hl) zugegeben. Zwei Reihen Kühlungs-Trübungs-Messungen wurden durchgeführt.
Für die erste Reihe wurden die Bier-Papain-Zusammensetzungen vor dem Kühlungs-Trübungs-Test
1 h lang bei 40°C inkubiert. Ethanol wurde den inkubierten Proben zugesetzt,
so dass sie 6% Alkohol (V/V) vor den Trübungsmessungen erreichten. Bei der zweiten
Reihe wurden Bierproben 1 h lang bei 40°C inkubiert, und danach auf 0°C
abekühlt. Danach wurde das Papain zugesetzt, und die Proben wurden 15 min lang bei
0°C inkubiert. Die Mengen an zugesetztem Papain und der Prozentsatz der Trübungsverringerung
im Vergleich zur Trübung, die gemessen wurde, wenn kein Papain zugesetzt wurde,
sind in Tabelle 3 gezeigt.
Tabelle 3. Wirkung von Papain auf die Menge der in Bier gebildeten
Trübung nach einstündiger Inkubation bei 40°CTabelle 4. Wirkung von Papain auf die Menge der Trübung nach 15-minütiger
Inkubation bei 0°C
Die Ergebnisse in Tabelle 3 zeigen die Wirkung von Papain auf die
nach dem Kühlen in Bier gebildete Trübungsmenge. Es ist klar, dass die Wirkung von
Papain auf die Trübung sich einpendelt, wenn Papain in einer Menge von 3g/hl und
darüber zugesetzt wird. Offensichtlich ist es nicht möglich, mit Papain dieselbe
Menge einer Trübungsverminderung zu erreichen wie mit einer Prolyl-spezifischen
Endoprotease.
Vergleichsversuch B. Die Wirkungen der Zugabe von PVPP auf
die Trübungsbildung in Bier
Sowohl bei den Bier/Prolyl-spezifischen Endoprotease-Versuchen als
auch bei den Bier/Papain-Versuchen wurde ein Kontrollversuch vorgenommen,
indem eine große Menge an PVPP (1000 g/hl) dem Bier vor der Inkubation zugesetzt
wurde. Nach 15-minütigem Mischen wurde das PVPP durch Filtration entfernt (es wurde
kein Prolyl-spezifisches Endoprotease-Enzym oder Papain zugesetzt). Bei beiden Kontrollen
entstand während des Kühlungs-Trübungs-Versuchs fast keine Trübung. Da bekannt ist,
dass PVPP Polyphenole aus Getränken entfernt, weisen diese Kontrollversuche darauf
hin, dass Polyphenole an der Entstehung einer Trübung in Bier sehr wohl beteiligt
sind. Um die PVPP-Wirkung auf die Bier-Trübungsstabilität zu messen, wurden verschiedene
Mengen an PVPP einem Bier, dem die Kohlensäure entzogen worden war, zugesetzt und
durch Filterung nach 15-minütigem Mischen entfernt. Vor der Zugabe des PVPP wurde
das Bier 1 h lang bei 40°C inkubiert.
Tabelle 5 zeigt die Wirkung der Zugabe verschiedener Mengen von PVPP
auf die Menge der in Bier nach dem Kühlen vorhandenen Trübung. Kein Endo-Pro A oder
Papain wurde zugesetzt.
Tabelle 5. Wirkung von PVPP auf die Menge der in Bier nach dem Kühlen
vorhandenen Trübung
In Tabelle 3 ist gezeigt, dass die Zugabe von 3g Papain/hl Bier (welches
die in der Bierindustrie empfohlene maximale Dosis ist) nach einstündiger Inkubation
bei 40°C eine Trübungsverringerung von fast 36% induziert. Im Falle einer Zugabe
der Prolylspezifischen Endoprotease, induziert die Zugabe von 1% (bezogen auf die
Menge an Protein im Bier) Prolyl-spezifischer Endoprotease nach einer einstündigen
Inkubation bei 40°C eine Verringerung einer Bier-Kühlungs-Trübung von 38% (vgl.
Tabelle 1). In Brauereien wird PVPP im Allgemeinen in einer Menge zugesetzt, die
30 g/hl nicht übersteigt. Da PVPP die Trübung um etwa 20% verringert, wenn es in
dieser Menge zugesetzt wird, kann man schließen, dass sowohl Papain als auch Prolyl-spezifische
Endoprotease-Enzyme bessere Trübungs-Hemmer sind als PVPP.
Beispiel II. Zugabe von Endo-Pro auf eine 100 Malzmaische
und Trübungsverringerung in einer 100 Malz-Bierwürze
Das Ziel war, zu bestimmen, ob die Zugabe von Prolylspezifischer Endoprotease
zu einer 100 Malzmaische in der endgültigen Malz-Bierwürze zu einer Trübungsminderung
führen könnte.
Jeder Maischversuch beginnt mit dem Mischen von 25g gemahlenem Malz
mit 100 ml Wasser. Danach wird die Maische auf 50°C erhitzt, und nach der Zugabe
einer Menge an „Endo-Pro A" wird die Maische gemäß einer stufenweisen Erhitzung
auf vier jeweils höhere Temperaturen behandelt. Die Tabelle 6 zeigt dieses Maischen-Temperaturprofil.
Während des gesamten Maischens wurde die Maische mit 200 U/min gerührt. Am Ende
des Maischens wird die Maische bei Raumtemperatur gehalten, und Wasser wurde zugegeben,
um die Wasserverdampfung zu kompensieren. Danach wurde die Maische auf Papier filtriert,
um die Bierwürze (Flüssigkeit) von den Feststoffen zu trennen.
Tabelle 6. Maischen-Temperaturprofil
0, 200 bzw. 500 &mgr;l Endo-Pro A wurde den Maischen zugesetzt. Ein
Kontrollversuch wurde durchgeführt, wobei 500 &mgr;l Endo-Pro A verwendet wurden,
welches durch 15-minütiges Erhitzen desselben auf 90°C inaktiviert wurde. Die
Trübung oder Trübe der Bierwürze wurde bei Raumtemperatur und nach dem Kühlungs-Trübungs-Test
gemessen. Die Bierwürzen-Kühlungs-Tests werden, wie im Alkohol/Niedrigtemepratur-Test
gemäß Chapon (Kühlungs-Trübungs-Test Pfeuffer Bedienungsanleitung) beschrieben,
durchgeführt, indem Ethanol zugesetzt wurde, um 10% (V/V) in der Probe zu erreichen,
wie von Chapon für alkoholfreie Biere empfohlen.
Tabelle 7: Wirkung der Zugabe von Prolyl-spezifischer Endoprotease
zu 100 Malzmaischen auf die Menge der in den resultierenden 100 Malz-Bierwürzen
gebildeten Trübung (nach dem Kühlungs-Trübungs-Test)EBC: Nephelometrische Trübungseinheiten, empfohlen von der European
Brewery Convention
Die Ergebnisse in Tabelle 7 zeigen deutlich, dass, wenn einer Malzmaische
eine Prolyl-spezifische Endoprotease zugesetzt worden ist, die resultierende Bierwürze
nach dem Kühlen viel weniger trüb ist als eine ohne Zugabe einer Prolyl-spezifischen
Endoprotease hergestellte Bierwürze.
Um die Endo-Pro A-Wirkung zu untersuchen, wurde ein Kühlungs-Trübungs-Test
auf einer Malz-Bierwürze durchgeführt. Es wurde beobachtet, dass der Zusatz einer
Prolyl-spezifischen Endoprotease die Bierwürze-Kühlungs-Trübung verringerte. Eine
Verringerung der im Kühlungs-Trübungs-Test gebildeten Trübung wurde selbst bei geringen
Mengen zugesetztem Prolyl-spezifischem Endoprotease-Enzym beobachtet. Wenn das Enzym
vor der Zugabe zur Maische inaktiviert wird, verschwindet der Stabilisierungseffekt
vollständig, d.h. die Menge der gebildeten Trübung wird nicht mehr verringert. Die
die durch die Zugabe eines Prolylspezifischen Enzyms induzierte Trübungsverringerung
ist sehr wichtig. Im Beispiel wurde eine Trübungsverringerung von bis zu 82% erreicht.
Um die Wirkungen der Zugabe eines Prolyl-spezifischen Endoprotease-Enzyms
in Malz-Bierwürzen und in Gerste-Bierwürzen zu vergleichen, wurden
Versuche durchgeführt, wobei verschiedene Mengen an Endo-Pro A Gerste-Maischen zugesetzt
wurden. Der pH-Wert war 5,6 bei Malz-Bierwürzen, bzw. 6,1 bei Gerste-Bierwürzen.
Die bei Gerste-Bierwürzen-Kühlungs-Trübungs-Tests erhaltenen Ergebnisse zeigten,
dass, wie früher bei Malz-Bierwürzen beobachtet, die Behandlung von Gerste-Maischen
mit einer Prolyl-spezifischen Endoprotease eine wichtige Verringerung der Gersten-Bierwürzen-Kühlungs-Trübung
induziert. Sowohl Malz- als auch Gerste-Maischen, die mit einer Prolylspezifischen
Endoprotease behandelt wurden, führen zu sehr stabilisierten Bierwürzen, doch ist
die Wirkung bei Malz-Bierwürzen stärker als bei Gerste-Bierwürzen. Tatsächlich induzierte
die Zugabe von 200 &mgr;l Endo-Pro A zur Maische eine Trübungsverringerung von etwa
59% bei Gerste-Bierwürzen, und mehr als 70% bei Malz-Bierwürzen. Die mit 500 &mgr;l
Endo-Pro A durchgeführten Versuche steigerten die Trübungsverringerung bis zu 82%
bei Malz-Bierwürzen und verbesserten die Trübungsverringerung bei Gerste-Bierwürzen
nicht, im Vergleich zum 200 &mgr;l Endo-Pro A-Versuch. Überraschenderweise führte
die Zugabe von Endo-Pro A zu Gerste-Maischen zu klaren filtrierten Bierwürzen, wogegen
die nicht mit Endo-Pro behandelten Maischen trübe filtrierte Bierwürzen ergaben
(die Gerste-Maische-Filterungen wurden bei Raumtemperatur durchgeführt, und die
Trübe der Bierwürzen wurde bei Raumtemperatur ohne Ethanol-Zugabe gemessen). Diese
Wirkung wird beobachtet, gleichgültig, wie hoch die Menge der den Gerste-Maischen
zugesetzten Prolyl-spezifischen Endoprotease ist.
Beispiel III. Trübungsverringerung bei Wein
Verschiedene Dosen (0, 30, 60, 150 &mgr;l) einer Prolylspezifischen
Endoprotease (Endo-Pro B) mit einer spezifischen Aktivität von 6,0 E/ml wurden in
Kolben gegeben, die 500 ml Weißwein (Wein, wie unter „Materialien" beschrieben)
enthielten und bei Raumtemperatur (22–25°C) 19 Tage lang unter einer Stickstoffatmosphäre
inkubiert. Die Wein-Trübungsstabilität wurde nach 0, 6, 8, 12 und 19 Tagen gemessen,
wobei der Erhitzungs-Test wie unter „Methoden" beschrieben, verwendet wurde.
Die Ergebnisse der Versuche sind in Tabelle 8 gezeigt. In Tabelle
8 ist die Wein-Trübung oder Trübe in Nephelos-Turbidiäts-Einheiten (NTE) ausgedrückt,
&Dgr;NTE=Trübe in NTE, gemessen an Weinproben nach dem Erhitzen- Trübe in NTE gemessen
an Weinproben vor dem Erhitzen. Die Menge an Bentonit, die notwendig war, um die
Proteine des Weins zu stabilisieren, wurde gemäß der Formel (1,48 × &Dgr;NTE)+2
errechnet. Wie bekannt, ist weniger Bentonit notwendig, um im Wein die Entstehung
einer Trübung zu verhindern, wenn ein Wein weniger empfänglich für eine Trübungsbildung
ist.
Tabelle 8. Wirkung der Zugabe eines Prolyl-spezifischen Endoprotease-Enzyms
zu Weißwein auf die Menge der nach dem Erhitzen des Weins gebildeten Trübung
Die Ergebnisse in Tabelle 8 zeigen, dass der Zusatz einer Prolyl-spezifischen
Endoprotease zu einem Weißwein vor dem Erhitzen die im Wein nach dem Erhitzen gebildete
Trübung verringert. Nach 6-tägiger Inkubation bei Raumtemperatur wird die Wirkung
beobachtet. Tatsächlich erreicht die Abnahme der Trügung 39% mit 150 &mgr;l zugesetztem
Endo-Pro B und etwa 12% mit 30 &mgr;l oder 60 &mgr;l Endo-Pro B. Nach 12 Tagen,
und unabhängig von der Menge der verwendeten Prolyl-spezifischen Endoprotease erreicht
die Trübungsverringerung 46% und übersteigt 70% nach 19 Tagen. Daher ist es klar,
dass eine Prolyl-spezifische Endoprotease verwendet werden kann, um Bentonit, der
notwendig ist, um Wein gegen die Bildung einer Trübung zu stabilisieren, zu vermeiden
oder dessen Menge stark zu verringern.
Beispiel IV. Trübungsverringerung in Erdbeersaft
Ein Erdbeer-Fruchtsaft wurde, wie folgt, hergestellt: Erdbeeren wurden
aufgetaut und zerstoßen und danach blanchiert (erhitzt) bei 90°C, um alle endogenen
Enzyme, wie Polyphenoloxidasen, zu zerstören und die Proteine zu denaturieren. Die
zerstoßenen Erdbeeren wurden dann auf 50°C abegekühlt, 30 min lang bei 50°C
mit 600g/t Papidase BE super (einem handelsüblichen Enzymprodukt von DSM, Frankreich)
mazeriert, und in einer pneumatischen Presse gepresst. Um die denaturierten Proteine
zu entfernen, wurde die resultierende Mischung bei einer Geschwindigkeit
von 8000 U/min zentrifugiert und filtriert. Der Erdbeersaft wurde gesammelt. Ein
angesäuerter Alkoholtest war negativ, was bestätigte, dass der Saft Pektin-frei
war. Der pH-Wert des Saftes war 3,3.
Endo-ProA/Erdbeersaft-Inkubationen: Unterschiedliche Volumina (0,
5, 10, 20 &mgr;l) von Endo-Pro A (5,06 E/ml) wurden 100 ml Erdbeersaft zugesetzt
und bei 50°C 60 min lang inkubiert. Zwei Kontroll-Versuche wurden durchgeführt,
(i) einer durch Zugabe von 20 &mgr;l inaktiviertem Endo-Pro A (30 min lang bei 80°C
inkubiert) und (ii) eine zweite Kontrolle, durch Zugabe von 200 mg PVPP zu 20 ml
Erdbeersaft, welcher zuvor 1 h lang bei 50°C inkubiert worden war. Nach 15-minütigem
Mischen bei Raumtemperatur wurde das PVPP durch Zentrifugieren entfernt.
Saft-Erhitzungs-Test: die Saft-Trübung wurde vor und nach dem 30-minütigen
Erhitzen der Fruchtsaft-Proben bei 80°C gemessen. Vor dem Messen der Trübung
wurden die erhitzten Säfte unter kaltem Wasser abgekühlt.
Die Trübungsmessungen wurden in einem Turbidimeter durchgeführt, welches
zuvor mit NTE-Trübungs-Standards von Reagecon (Irland) geeicht worden waren.
Tabelle 9: Wirkung der Zugabe von Prolyl-spezifischer Endoprotease
auf die Trübung in Erdbeersaft
Die Ergebnisse in Tabelle 9 zeigen, dass die Zugabe von 5 &mgr;l Endo-Pro
A zu 100 ml Erdbeersaft die Trübe, die nach einem Saft-Erhitzungs-Test gebildet
war, um 25,7 verringerte. Die Zugabe von 10 &mgr;l Endo-Pro A zu 100 ml Erdbeersaft
verbesserte die Trübungs-Verringerungswirkung im Vergleich zum Versuch mit 5 &mgr;l
nicht. Möglicherweise ist die Enzymwirkung bei 5 &mgr;l maximal und wird mit vermehrter
Enzymzugabe eine vermehrte Protein-Ausfällung erhalten.
Inaktiviertes Enzym verringerte noch immer die Menge der gebildeten
Trübung, die Wirkung war jedoch viel weniger ausgeprägt. Nach Zugabe von PVPP wurde
fast keine Trübung beobachtet, doch ging auch die Farbe der Probe verloren. Die
Tatsache, dass der Zusatz von PVPP eine Trübungsbildung verhindert, deutet darauf
hin, dass auch bei Erdbeersaft die Trübung wahrscheinlich ein Ergebnis von Polyphenol-Protein-Interaktionen
ist.
Sequenzliste
Anspruch[de]
Verfahren zur Verhinderung oder Verringerung einer Trübung in einem
Getränk, wobei dem Getränk eine Prolyl-spezifische Endoprotease zugesetzt wird.
Verfahren nach Anspruch 1, wobei eine Endoprotease zugesetzt wird,
die eine maximale Prolyl-spezifische Aktivität bei einem pH-Wert hat, welcher dem
pH-Wert des Getränks, dem sie zugesetzt wird, entspricht.
Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei das Getränk Proteine enthält.
Verfahren nach Anspruch 3, wobei das Getränk Polyphenole enthält.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei das Getränk einen
pH-Wert von unter 7 aufweist.
Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 5, wobei mindestens 150 Milli-Einheiten
Prolin-spezifischer Endoprotease-Aktivität, wie mittels einer Aktivitätsmessung
unter Verwendung von Z-Gly-Pro-pNA als Substrat festgestellt, dem Getränk pro Gramm
Protein im Getränk zugesetzt werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 5, wobei mindestens 500 Milli-Einheiten
Prolin-spezifischer Endoprotease-Aktivität, wie mittels einer Aktivitätsmessung
unter Verwendung von Z-Gly-Pro-pNA als Substrat festgestellt, dem Getränk pro Gramm
Protein im Getränk zugesetzt werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 5, wobei mindestens 1 Einheit
Prolin-spezifischer Endoprotease-Aktivität, wie mittels einer Aktivitätsmessung
unter Verwendung von Z-Gly-Pro-pNA als Substrat festgestellt, dem Getränk pro Gramm
Protein im Getränk zugesetzt wird.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei das Getränk Bier
ist.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei das Getränk Wein
ist.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei das Getränk Fruchtsaft
ist.
Verfahren nach Anspruch 9, wobei die Prolyl-spezifische Endoprotease
einer Maische zugesetzt wird.
Verfahren nach Anspruch 9, wobei die Prolyl-spezifische Endoprotease
einem Bier zugesetzt wird, bevor sich eine Trübung bildet.
Verfahren nach Anspruch 9, wobei die Prolyl-spezifische Endoprotease
einem fermentierten Bier zugesetzt wird, nachdem sich eine Trübung gebildet hat.
Verfahren nach Anspruch 10, wobei die Prolyl-spezifische Endoprotease
einem fermentierten Wein zugesetzt wird.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, wobei die Prolyl-spezifische
Endoprotease eine isolierte oder gereinigte Prolyl-spezifische Endoprotease ist.
Isoliertes Polypeptid mit Prolin-spezifischer Endoprotease-Aktivität,
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus:
(a) einem Polypeptid, das eine Aminosäuresequenz hat, die mindestens 40% Gesamt-Aminosäuresequenz-Identität
mit SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7, oder einem Fragment davon, aufweist,
(b) einem Polypeptid, das durch ein Polynukleotid codiert ist, das unter Bedingungen
niedriger Stringenz hybridisiert mit (i) der Nukleinsäuresequenz von SEQ ID NR.
1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 oder einem Fragment davon, welches
zumindest zu 80% oder 90% identisch über 60, vorzugsweise über 100 Nukleotide, mehr
bevorzugt zumindest zu 90% identisch über 200 Nukleotide ist, oder (ii) einer Nukleinsäuresequenz,
die zur Nukleinsäuresequenz von (i) komplementär ist.
Polypeptid nach Anspruch 17, welches eine Aminosäuresequenz hat, die
mindestens 50%, vorzugsweise mindestens 60%, vorzugsweise mindestens 65%, vorzugsweise
mindestens 70%, mehr bevorzugt mindestens 80%, noch mehr bevorzugt mindestens 90%,
am meisten bevorzugt mindestens 95%, und am allermeisten bevorzugt mindestens etwa
97% Identität mit SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 aufweist.
Polypeptid nach Anspruch 17 oder 18, welches die Aminosäuresequenz
der SEQ ID NR. 4, SEQ ID NR. 5 oder SEQ ID NR. 7 umfasst.
Polypeptid nach Anspruch 17 oder 18, welches von einem Polynukleotid
codiert ist, das unter Bedingungen niedriger Stringenz, mehr bevorzugt, Bedingungen
mittlerer Stringenz, und am meisten bevorzugt, Bedingungen hoher Stringenz mit (i)
der Nukleinsäuresequenz der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID
NR. 6 oder einem Fragment davon, oder mit (ii) einer Nukleinsäuresequenz, die zur
Nukleinsäuresequenz der SEQ ID NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR.
6 komplementär ist, hybridisiert.
Polypeptid nach Anspruch 17 bis 20, welches von einem Pilz, vorzugsweise
einem Aspergillus, mehr bevorzugt von Aspergillus niger, erhältlich ist.
Isoliertes Polynukleotid, welches eine Nukleinsäuresequenz umfasst,
die für das Polypeptid gemäß Anspruch 17 bis 21 codiert, oder welche mit SEQ ID
NR. 1, SEQ ID NR. 2, SEQ ID NR. 3 oder SEQ ID NR. 6 unter Bedingungen niedriger
Stringenz, mehr bevorzugt, Bedingungen mittlerer Stringenz, und am meisten bevorzugt,
Bedingungen hoher Stringenz, hybridisiert.
Nukleinsäure-Konstrukt, welches das Polynukleotid nach Anspruch 22
umfasst, das funktionell mit einer oder mehreren Kontroll-Sequenzen verknüpft ist,
die die Produktion des Polypeptids in einem geeigneten Expressions-Wirt lenken.
Rekombinanter Expressions-Vektor, welcher das Nukleinsäure-Konstrukt
nach Anspruch 23 umfasst.
Rekombinante Wirtszelle, welche das Nukleinsäure-Konstrukt nach Anspruch
23 oder den Vektor nach Anspruch 24 umfasst.
Verfahren zur Herstellung des Polypeptids eines der Ansprüche 17 bis
21, umfassend das Züchten einer rekombinanten Wirtszelle nach Anspruch 25 zur Herstellung
eines Überstandes und/oder Zellen, der (die) das Polypeptid umfassen; und Gewinnen
des Polypeptids.
Polypeptid, hergestellt mit dem Verfahren nach Anspruch 26.
Verfahren zur Herstellung des Polypeptids der Ansprüche 17 bis 21,
umfassend das Züchten einer Wirtszelle, die ein Nukleinsäurekonstrukt aufweist,
welches ein Polynukleotid umfasst, das für das Polypeptid codiert unter Bedingungen,
die für die Herstellung des Polypeptids geeignet sind; und Gewinnen des Polypeptids.
Polypeptid, hergestellt mit dem Verfahren nach Anspruch 28.
DNA-Molekül, welches für eine Endoprotease nach Anspruch 17 bis 21
codiert.
Verwendung eines Filtrats, erhalten aus einem mit dem Verfahren nach
Anspruch 28 erhaltenen Nährmedium, zur Verhinderung oder Verringerung einer Trübung
in einem Getränk.
Verwendung einer Prolyl-spezifischen Endoprotease nach einem der Ansprüche
17 bis 21 bei der Herstellung eines Getränks.
Verwendung einer gereinigten, Prolyl-spezifischen Endoprotease bei
der Herstellung von Bier, Wein oder Fruchtsaft.
Getränk, erhältlich mit einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1
bis 16.
Bier, erhältlich mit einem Verfahren nach Anspruch 9.
Wein, erhältlich mit einem Verfahren nach Anspruch 10.
Fruchtsaft, erhältlich mit einem Verfahren nach Anspruch 11.