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Dokumentenidentifikation DE10351754A1 16.06.2005
Titel Gurtstrafferaggregat mit das Gurtschloss verstellender reversibler Spannvorrichtung
Anmelder DaimlerChrysler AG, 70567 Stuttgart, DE
Erfinder Haag, Klaus-Dieter, 71131 Jettingen, DE;
Roth, Gerhard, 75242 Neuhausen, DE
DE-Anmeldedatum 06.11.2003
DE-Aktenzeichen 10351754
Offenlegungstag 16.06.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 16.06.2005
IPC-Hauptklasse B60R 22/46
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Gurtstrafferaggregat eines Sicherheitsgurtes für einen Insassen eines Fahrzeuges. Ein mit einer Sensorik zusammenwirkender Motor betätigt bei gefahrengeneigten Situationen eine reversible Spannvorrichtung, die das Gurtschloss in Abhängigkeit von Signalen der Sensorik in einer den Gurt spannenden Richtung zu verstellen gestattet. Gleichzeitig wird eine Auszugssperrung des Gurtes betätigt, so dass jegliche Verlängerung des Gurtes durch dessen auf einem Gurtwickel aufgewickelten Teil verhindert wird.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Gurtstrafferaggregat eines auf einen Gurtwickel auf rollbaren, über eine Schloßzunge mit einem Gurtschloss verbindbaren Sicherheitsgurtes für einen Insassen auf einem Sitz in einem Fahrzeug, insbesondere Kraftfahrzeug, mit

  • – einer mit dem Gurtwickel antriebsverbundenen Rückholeinrichtung zur selbsttätigen Verkürzung des Gurtes,
  • – einer bei Überschreitung einer vorgegebenen Auszugsgeschwindigkeit des Gurtes durch Trägheitskräfte betätigten Auszugssperre des Gurtes,
  • – einer Sensorik, welche gefahren- und/oder unfallgeneigte Fahrsituationen zu erkennen vermag, und
  • – einer mit der Sensorik zusammenwirkenden, mittels zugeordneten Aktors bzw. Motors betätigten reversiblen Spannvorrichtung, die das Gurtschloss in Abhängigkeit von Signalen der Sensorik in einer den Gurt spannenden Richtung zu verstellen gestattet.

Derzeit in Kraftfahrzeugen serienmäßig eingebaute Gurtstrafferaggregate besitzen typischer Weise durch Spiralfeder betätigte Rückholeinrichtungen, um zu gewährleisten, dass der Gurt bei Nicht-Gebrauch selbsttätig aufgewickelt wird und bei Gebrauch auf die notwendige Länge ausgezogen werden kann, und Bewegungen des Insassen zu folgen vermag.

Zur Verbesserung des Komforts ist es aus der DE 39 38 081 A1 bekannt, der Spiralfeder einen Elektromotor zuzuordnen, mit dem sich das relativ stationäre Widerlager der Spiralfeder verstellen läßt. Auf diese Weise kann die Gurtspannung verändert und insbesondere erreicht werden, dass auch bei sehr weit ausgezogenem Gurt, wie es bei überdurchschnittlicher Körpergröße oder -fülle des Insassen notwendig ist, die Spannung des Gurtes vergleichsweise gering bleiben und dementsprechend der Tragekomfort verbessert werden kann.

Sobald der Gurt zum Aufwickeln zurückgeführt wird, wird das relativ stationäre Widerlager vom vorgenannten Motor in eine Ausgangsstellung zurückgeführt, um den Gurt sicher aufwickeln zu können.

Die für den Gefahrenfall vorgesehene Auszugssperre arbeitet regelmäßig mit mechanischen Riegelorganen, die durch Trägheits- bzw. Fliehkraftkörper gesteuert werden. Diese verlagern sich aus einer riegelunwirksamen Position in eine riegelwirksame Position, wenn auf den Fahrzeugaufbau wirkende Kräfte eine einen geringen Schwellwert überschreitenden Aufbaubeschleunigung bzw. -verzögerung verursachen bzw. wenn der zur Aufnahme des Gurtes dienende Gurtwickel mit einer einen Schwellwert überschreitenden Drehzahl bzw. Drehbeschleunigung in Auszugsrichtung des Gurtes gedreht wird. Durch diese Maßnahmen ist gewährleistet, dass der Gurt bei gefährlichen Situationen oder Unfällen gegen ein – weiteres – Ausziehen des Gurtes sicher arretiert wird.

Aus der DE 100 05 010 A1 ist es bekannt, Gurtstrafferaggregate mit motorisch angetriebenen reversiblen Spannvorrichtungen zu versehen, um in Abhängigkeit von Signalen einer Sensorik, die gefährliche und/oder unfallgeneigte Fahrsituationen zu erkennen vermag, die Gurtspannung zu erhöhen bzw. den Gurt zu verkürzen. Die Sensorik kann beispielsweise eine fahrerseitige Betätigung von Fahr- und Bremspedalen und/oder die Relativgeschwindigkeit des Fahrzeuges sowie seinen Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug oder Objekt und/oder die Sitzposition des durch den jeweiligen Gurt gesicherten Insassen erkennen. Auf diese Weise wird die Möglichkeit geboten, die reversible Spannvorrichtung dazu einzusetzen, den gesicherten Insassen bei gefährlichen Fahrsituationen mit erhöhten und ggf. unterschiedlichen Kräften in eine vorgegebenen Sitzposition zu ziehen und/oder in einer solchen Sitzposition zu halten. Im Ergebnis wird damit die Rückhaltung des Insassen durch den Gurt bei einem eventuell folgenden Unfall deutlich verbessert.

In diesem Zusammenhang ist es aus der DE 201 15 316 U1 bekannt, den Gurtwickel für die reversible Gurtstraffung mittels eines Elektromotors anzutreiben. Dabei ist vorgesehen, zwischen dem Ausgang eines eingangseitig mit dem Elektromotor verbundenen Getriebes und dem Gurtwickel eine Schaltkupplung anzuordnen, welche durch Drehung des Getriebeausgangs in der der Spannrichtung des Gurtes zugeordneten Drehrichtung geschlossen und durch Drehung des Getriebeausgangs in der entgegengesetzten Richtung geöffnet wird. Sobald der Motor in seiner der Spannrichtung des Gurtes entsprechenden Drehrichtung anläuft, schließt also die Kupplung und stellt eine Antriebsverbindung zwischen Motor und Gurtwickel her, der daraufhin vom Motor in Spannrichtung des Gurtes entsprechend der gewünschten erhöhten Gurtspannung weiter gedreht wird. Sobald die erhöhte Gurtspannung nicht mehr notwendig bzw. nicht mehr erwünscht ist, dreht der Motor kurzzeitig in entgegengesetzter Richtung, so dass die Kupplung öffnet und der Gurtwickel antriebsmäßig vom Motor entkoppelt wird. Damit bestimmt wiederum die Rückholeinrichtung – ohne Hemmung durch den vorgenannten Motor und das Getriebe – die Gurtspannung.

Aus der DE 199 61 799 A1 geht unter anderem – vergleiche 5 – hervor, dass für eine reversible Gurtstraffung auch das Gurtschloss mittels eines elektromotorischen Antriebs in eine abgesenkte Stellung gebracht werden kann, um den Gurt reversibel zu straffen.

Auch die DE 91 12 121 U1 zeigt eine im Bedarfsfall das Gurtschloss nach abwärts ziehende reversible Spannvorrichtung.

Aufgabe der Erfindung ist es nun, die Sicherheit eines Gurtstrafferaggregates mit das Gurtschloss verstellender reversibler Spannvorrichtung bei geringem konstruktiven Aufwand wesentlich zu verbessern.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass der das Gurtschloss verstellende Aktor bzw. Motor oder ein weiterer Aktor bzw. Motor simultan mit der Verstellung des Gurtschlosses eine Auszugssperrung des Gurtes betätigt.

Die Erfindung beruht auf dem allgemeinen Gedanken, den gurtwickelseitigen Teil des Gurtes bei Betätigung der schlossseitigen reversiblen Spannvorrichtung unter allen Umständen an einer Bewegung in Auszugsrichtung zu hindern. Die Erfindung berücksichtigt die Tatsache, dass die eingangs erläuterten Rückholeinrichtungen den Gurt gegen eine Ausziehbewegung regelmäßig nur dann arretieren, wenn der Fahrzeugaufbau beschleunigt oder verzögert und/oder der Gurt ruckartig ausgezogen wird. Diese Bedingungen müssen aber keineswegs erfüllt sein, wenn eine entsprechende Sensorik gefährliche oder unfallgeneigte Fahrsituationen feststellt und die Betätigung der schlossseitigen reversiblen Spannvorrichtung des Gurtes auslöst. Auch wenn die reversible Spannvorrichtung das Gurtschloss mit relativ großer Geschwindigkeit in Abwärtsrichtung bewegen wird, bedeutet dies nicht automatisch, dass sich der Gurt an der Rückholeinrichtung mit vergleichbarer Geschwindigkeit zu bewegen sucht. Sollte sich der durch den Gurt gesicherte Insasse beispielsweise zufällig bei Auslösung der reversiblen Spannvorrichtung mit dem Oberkörper nach rückwärts bewegen, können die an der Rückholeinrichtung auftretenden Gurtbewegungen bezüglich Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung so gering bleiben, dass die Rückholeinrichtung einer Ausziehbewegung des Gurtes nicht entgegen wirkt. Im Ergebnis kann damit die Abwärtsbewegung des Gurtschlosses zu einem erheblichen Anteil kompensiert werden, das heißt die gewünschte Erhöhung der Gurtspannung wird nicht erreicht, und der Insasse wird praktisch nicht zusätzlich nach rückwärts in den Sitz in Richtung einer optimalen Sitzposition gezogen.

Da erfindungsgemäß bei gefährlichen bzw. unfallgeneigten Fahrsituationen simultan zur Betätigung der schlossseitigen reversiblen Spannvorrichtung eine Auszugssperrung am gurtwickelseitigen Teil des Gurtes betätigt wird, führt die von der reversiblen Spannvorrichtung bewirkte Bewegung des Gurtschlosses immer zu der gewünschten reversiblen Gurtstraffung.

Im Hinblick auf eine geringe Ausfallwahrscheinlichkeit von Systemteilen ist es vorteilhaft, wenn ein einziger Aktor bzw. Motor die Verstellung des Gurtschlosses und die Betätigung der Auszugsperrung bewirkt.

Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, den wickelseitigen Teil des Gurtes bei einer reversiblen Gurtspannung nicht nur gegen eine Bewegung in Ausziehrichtung zu sperren, sondern durch Antrieb des Gurtwickels in Spannrichtung des Gurtes simultan zur Abwärtsbewegung des Gurtschlosses zu verkürzen.

Auf diese Weise kann eine evtl. Gurtlose besonders wirksam zurückgeführt werden.

Vorteilhaft ist, dass sich ein Simultanantrieb von Gurtwickel und Gurtschloss konstruktiv mit vergleichsweise geringem Aufwand verwirklichen läßt.

Gemäß einer zweckmäßigen Ausführungsform der Erfindung genügt es dazu, den zum Antrieb des Gurtwickels bei der reversiblen Gurtstraffung vorgesehenen Aktor oder Motor auch eine Kabelhalterung oder eine Kabeltrommel antreiben zu lassen, die an ein mit dem Schloß zu dessen Verstellung verbundenes Kabel angebunden ist.

Im übrigen wird hinsichtlich bevorzugter Merkmale der Erfindung auf die Ansprüche sowie die nachfolgende Beschreibung besonders zweckmäßiger Ausführungsformen der Erfindung anhand der Zeichnung verwiesen.

Schutz wird nicht nur für ausdrücklich angegebene bzw. dargestellte Merkmalskombinationen, sondern auch für prinzipiell beliebige Unterkombinationen beansprucht.

In der Zeichnung zeigt

1 eine stark schematisierte Frontansicht eines auf einem Fahrzeugsitz sitzenden Insassen, der durch ein Gurtsystem mit erfindungsgemäßem Gurtstrafferaggregat gesichert ist, und

2 eine stark schematisierte Darstellung des Gurtstrafferaggregates.

Gemäß 1 ist ein auf einem nicht näher dargestellten Sitz sitzender Insasse 1 durch ein Gurt-Rückhaltesystem 2 gesichert. Dessen Gurt 3 läßt sich in weiter unten dargestellter Weise auf einem am Boden oder an einer Säule 4 einer nicht näher dargestellten Karosserie bzw. eines Fahrzeugaufbaus angeordneten Gurtwickel 5 aufwickeln, mit dem der Gurt 3 fest verbunden ist.

Vom Gurtwickel 5 verläuft der Gurt 3 zu einer in der Regel höhenverstellbaren Umlenkung 6, von der aus der Gurt 3 über eine in ein Gurtschloss 7 einsteckbare Schloßzunge 8 zu einem stationären Widerlager 9 am Boden oder an der Säule 4 oder an einem sonstigen belastbaren Fahrzeugteil geführt ist.

Beim Einschieben der Schloßzunge 8 in das Gurtschloss 7 wird die Schloßzunge 8 automatisch im Gurtschloss 7 verriegelt. Durch Betätigung einer Entriegelungstaste (nicht dargestellt) am Gurtschloss 7 läßt sich die Schloßzunge 8 wieder entriegeln.

Eine dem Gurtwickel 5 zugeordnete Rückholeinrichtung 10 der eingangs angegebenen Art beaufschlagt den Gurtwickel 5 ständig mit einem geringen Drehmoment in Aufwickelrichtung des Gurtes 3, so dass der Gurt automatisch verkürzt wird, wenn er übermäßig ausgezogen oder die Schloßzunge 8 vom Gurtschloss 7 getrennt wurde. Die Rückholeinrichtung 10 ist lediglich schematisch in 2 dargestellt.

Des Weiteren ist dem Gurtwickel 5 gemäß 2 eine Auszugsperre 11 zugeordnet, die in herkömmlicher Weise mechanisch mit Fliehkraft- bzw. Trägheitskörpern arbeitet und den Gurtwickel 5 automatisch gegen eine Drehung in Abwickelrichtung des Gurtes 3 sperrt, sobald der Gurt 3 ruckartig in Auszugsrichtung bewegt wird oder der Fahrzeugaufbau und damit die Auszugssperre 11 eine einen Schwellwert überschreitende Beschleunigung oder Verzögerung erleidet.

Typischer Weise ist dem Gurtwickel 5 noch eine irreversible Spannvorrichtung 12 zugeordnet, die pyrotechnisch arbeitet und mit einem Kollisions- bzw. Unfallsensor (nicht dargestellt) zusammenwirkt. Sobald dieser Sensor eine (starke) Kollision des Fahrzeuges feststellt, wird die irreversible Spannvorrichtung 12 ausgelöst, mit der Folge, dass der Gurt 3 mit starker Kraft gespannt wird. Auf diese Weise kann der durch den Gurt 3 gesicherte Insasse bei einem Unfall einerseits in eine optimale Sitzposition gebracht und andererseits besser gegen Sekundärkollisionen geschützt werden.

Das dargestellte Gurt-Rückhaltesystem 2 besitzt gemäß 2 im übrigen eine reversible Spannvorrichtung 13, die mit einer Sensorik 100 zusammenwirkt, welche gefahrengeneigte und/oder unfallträchtige Fahrsituationen zu erkennen vermag, beispielsweise gefährliche Annäherungen an andere Fahrzeuge oder Objekte auf der Straße, extreme Brems- und/oder Lenkmanöver und/oder eine weit von der optimalen Sitzposition abweichende Ist-Position des durch den Gurt 3 gesicherten Insassen 1.

Die Sensorik 100 steuert gemäß 2 einen Elektromotor 14 oder einen sonstigen Aktor, der über ein Untersetzungsgetriebe 15, welches die Drehzahl des Motors 14 ins Langsame übersetzt und beispielsweise als Riemengetriebe ausgebildet sein kann, einerseits mit einer Kabeltrommel 16 und andererseits über eine Schaltkupplung 17 mit dem Gurtwickel 5 antriebsverbunden bzw. antriebsverbindbar ist.

Ein mit der Kabeltrommel 16 verbundenes Kabel 18, welches als Zugkabel oder, vorzugsweise, als Zug-Druck-Kabel ausgebildet und nach Art eines Bowdenzuges in einer Kabelhülle geführt sein kann, ist mit dem Gurtschloss 7 verbunden, welches seinerseits nach Art eines Schlittens in einer Führung 19 oder in sonstiger Weise gegen die Kraft einer Federung 20 bzw. rückstellbar verschiebbar ist. Wird also das Kabel 18 auf die Kabeltrommel 16 aufgewickelt, verschiebt sich das Gurtschloss 7 in Abwärtsrichtung. Wird das Kabel abgewickelt, bewegt sich das Gurtschloss 7 in Aufwärtsrichtung.

Die Schaltkupplung 17 schließt, sobald der Elektromotor 14 in seiner der Aufwickelrichtung des Gurtwickels 5 entsprechenden Drehrichtung anläuft. Bei Drehung des Elektromotors 14 in entgegengesetzter Richtung öffnet die Schaltkupplung 17.

Die reversible Spannvorrichtung 13 arbeitet wie folgt:

Sobald die den Elektromotor 14 steuernde Sensorik 100 eine gefährliche oder unfallgeneigte Fahrsituation erkennt, läuft der Elektromotor in seiner der Aufwickelrichtung des Gurtwickels 5 entsprechenden Drehrichtung an. Damit wird einerseits das Zugkabel 18 auf die Kabeltrommel 16 aufgewickelt, mit der Folge, dass sich das mit dem Zugkabel 18 verbundene Gurtschloss 7 in Abwärtsrichtung bewegt. Andererseits schließt die Schaltkupplung 17, so dass der Gurtwickel 5 vom Elektromotor 14 in Aufwickelrichtung angetrieben wird und den Gurt 3 verkürzt.

Im Ergebnis wird eine evtl. bestehende Gurtlose wirksam beseitigt, so dass einerseits der schräg über die Schulter des Insassen 1 geführte Teil des Gurtes 3 und andererseits auch der über das Becken des Insassen 1 geführte Teil des Gurtes wirksam gespannt werden. In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass die Abwärtsbewegung des Gurtschlosses 7 die Spannung beider Gurtteile erhöht.

Sobald die Sensorik 100 wieder eine unkritische Fahrsituation erkennt, wird der Elektromotor 14 in entgegengesetzter Drehrichtung betätigt. Damit wird das Schloß 7 in seine Normalposition zurückgeführt, und die Schaltkupplung 17 öffnet, so dass der Gurtwickel 5 ohne Hemmung durch Motor 14 und Getriebe 15 von der Rückholeinrichtung 10 bzw. der Auszugssperre 11 gesteuert wird.

Abweichend von der zeichnerisch dargestellten Ausführungsform kann auch vorgesehen sein, dass der Elektromotor 14 lediglich mit dem Gurtschloss 7 zusammenwirkt und bei Abwärtsbewegung des Gurtschlosses 7 automatisch eine durch Fremdkraft, insbesondere den Elektromotor 14 betätigte Gurtsperrung wirksam wird, die beispielsweise den Gurtwickel 5 gegen eine Drehung in Abwickelrichtung blockiert oder nach Art einer Gurtbremse wirkt, die den Gurt 3 oberhalb des Gurtwickels 5 mit großer Kraft festhält und damit eine Auszugsbewegung des Gurtes 3 verhindert. Eine solche Gurtbremse kann beispielsweise an der Säule 4 zwischen dem Gurtwickel 5 und der Umlenkung 6 angeordnet sein.

Der Elektromotor 14 kann auch am Gurtschloss 7 oder am Sitz des Insassen 1 bzw. am Boden des Fahrzeuges angeordnet sein. Außerdem kann das Getriebe 15 entfallen, wenn das elektrische Bordnetz des Fahrzeuges mit einem drehmomentstarken Elektromotor, der die mit ihm antriebsverbundenen Aggregate direkt anzutreiben vermag, belastet werden darf.

Bei dem für die reversible Gurtstraffung eingesetzten Motor 14 kann es sich gegebenenfalls um einen ohnehin für andere Zwecke bereits im Fahrzeug bzw. am Fahrzeugsitz vorhandenen Motor handeln, der beispielsweise der Sitzverstellung dient.

Schließlich kann der für die reversible Gurtstraffung vorgesehene Motor auch für Komfortfunktionen des Gurtsystems genutzt werden: Beispielsweise kann das Gurtschloss beim Angurten der zu sichernden Person mittels des Motors nach oben gefahren werden, so dass sich die Schloßzunge am Gurt leichter in das Gurtschloss einschieben lässt. Nach dem Angurten wird dann das Gurtschloss wieder in seine Normallage gestellt, die einen unter Sicherheitsaspekten optimalen Gurtverlauf ermöglicht. Vorzugsweise kann das Maß der Verschiebung des Gurtschlosses beim Angurten an Größe und/oder Gewicht der zu sichernden Person angepasst werden. Bei entsprechender Sensorik kann diese Anpassung automatisch erfolgen.

Für die Erfindung ist wesentlich, dass bei Betätigung der reversiblen Spannvorrichtung 13 und damit einhergehender Abwärtsbewegung des Gurtschlosses 7 keine Verlängerung des Gurtes 3 durch den auf dem Gurtwickel 5 aufgewickelten Gurtteil möglich wird. Dies kann dadurch gewährleistet werden, dass eine entsprechende Gurtsperrung simultan zur Abwärtsbewegung des Gurtschlosses 7 betätigt oder der Gurtwickel 5 in Aufwickelrichtung des Gurtes 3 angetrieben wird.


Anspruch[de]
  1. Gurtstrafferaggregat eines auf einen Gurtwickel (5) aufrollbaren, über eine Schloßzunge (8) mit einem Gurtschloss (7) verbindbaren Sicherheitsgurtes (3) für einen Insassen (1) auf einem Sitz in einem Fahrzeug, insbesondere Kraftfahrzeug, mit

    – einer mit dem Gurtwickel (5) antriebsverbundenen Rückholeinrichtung (10) zur selbsttätigen Verkürzung des Gurtes,

    – einer bei Überschreitung einer vorgebbaren Auszugsgeschwindigkeit des Gurtes (3) durch Trägheitskräfte betätigten Auszugssperre (11) des Gurtes,

    – einer Sensorik (100), welche gefahren- und/oder unfallgeneigte Fahrsituationen zu erkennen vermag und

    – einer mit der Sensorik zusammenwirkenden, mittels zugeordneten Aktors bzw. Motors (14) betätigten reversiblen Spannvorrichtung (13), die das Gurtschloss (7) in Abhängigkeit von Signalen der Sensorik in einer den Gurt (3) spannenden Richtung zu verstellen gestattet,

    dadurch gekennzeichnet,

    dass der das Gurtschloss verstellende Aktor bzw. Motor (14) oder ein weiterer Aktor bzw. Motor simultan mit der Verstellung des Gurtschlosses (7) eine Auszugssperrung des Gurtes (3) betätigt.
  2. Gurtstrafferaggregat nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Auszugssperrung vorgesehen ist, dass der Gurtwickel in Spannrichtung des Gurtes simultan zu der den Gurt (3) spannenden Bewegung des Gurtschlosses (7) in Spannrichtung des Gurtes antreibbar ist.
  3. Gurtstrafferaggregat nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass als Auszugssperrung eine durch Motor bzw. Aktor betätigte Gurtbremse vorgesehen ist.
  4. Gurtstrafferaggregat nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der das Gurtschloss (7) verstellende Aktor oder Motor (14) auch die Auszugssperrung betätigt.
  5. Gurtstrafferaggregat nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass ein zur reversiblen Straffung des Gurtes (3) mit dem Gurtwickel (5) antriebsverbundender oder antriebsverbindbarer Aktor bzw. Motor (14) mit einer Kabelhalterung oder Kabeltrommel (16) antriebsverbunden oder antriebsverbindbar ist, die ihrerseits über ein Kabel (18) mit dem Gurtschloss (7) zu dessen Verstellung verbunden ist.
  6. Gurtstrafferaggregat nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Aktor bzw. Motor (14) beim Gurtwickel (5) angeordnet ist.
  7. Gurtstrafferaggregat nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass ein Elektromotor (14) mit dem Gurtwickel (5) über eine Schaltkupplung (17) antriebsverbindbar und mit der Kabelhalterung oder der Kabeltrommel direkt bzw. ständig antriebsverbunden ist.
  8. Gurtstrafferaggregat nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaltkupplung (17) in der der Aufwickelrichtung des Gurtwickels (5) zugeordneten Drehrichtung des Motors (14) schließt und bei entgegengesetzter Drehrichtung öffnet.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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