Verfahren und Vorrichtung zur Gewinnung von Stickstoffdünger aus organischen
Abfallprodukten
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Gewinnung
von Stickstoffdünger aus organischen Abfallprodukten in flüssiger Phase (Suspension,
Emulsion, Lösung) sowie zur Hygienisierung der Abfälle bzw. zur Emissionsminderung
durch thermische Behandlung unter Verwendung von mineralischen oder organischen
Zusätzen.
Es sind zahlreiche Verfahren zur Gewinnung von Düngemitteln aus organischen
Abfällen wie frischer und vergorener Gülle, Tierexkrementen, Jauche, Mist oder Klärschlamm
bekannt, die sowohl auf die Herstellung des Düngemittels als auch auf die Hygienisierung
der Ausgangsprodukte und die Minderung der Emission von Geruchsstoffen und schädlichen
Treibhausgasen, insbesondere Ammoniak, gerichtet sind.
So beschreiben DE 196 30 387
A1 und DE 101 20 372 A1
Verfahren zur Herstellung eines Düngemittels aus Gülle mit erheblich verminderter
Ammoniakfreisetzung, die auf der chemischen Reaktion von Gülle mit Humus beruhen.
DE 43 04 342 C1 schlägt
ein Verfahren zur Herstellung eines Düngemittels auf Basis von Klärschlamm durch
Vermischen mit Calciumsulfat vor. In DE 41
19 504 A1 wird ein Verfahren angegeben, einen Kombinationsdünger durch
Vermischen von Gülle und/oder Kot mit Gips zu gewinnen. Nach DE
44 44 726 C1 wird ein Dünger durch Vermischen von Gülle mit Tonmehl und
Verfestigen der erhaltenen Masse hergestellt. In DE
196 44 613 C2 wird ein pelletierter Dünger aus Gülle unter Verwendung von
CaO-haltigen Rückständen aus Rauchgasreinigungsanlagen vorgeschlagen.
Es sind auch Verfahren wie in DE
40 33 509 A1 bekannt, nach denen flüssige organische Dünger und Brüdenwasser
mit biogenen Stoffen wie Stroh, und mineralischen wie Gips zu einem streufähigen
Dünger vermischt und anschließend einer thermischen Nachbehandlung bei 70 bis 80
°C unterworfen werden.
In DE 195 47 320 A1
wird ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Erzeugung von ammoniakfreiem und sterilem
Vollwertdünger aus biologischen Reststoffen beschrieben, wobei das ausgegorene Material
mindestens 1 Stunde auf Siedetemperatur erhitzt und der freigesetzte Ammoniak und
andere flüchtige Stoffe mit dem Dampf ausgetragen werden. Nach DE
42 43 918 A1 werden die fermentierte Gülle in einer Kolonne gekocht und
die austretenden ammoniakhaltigen Dämpfe in einem Mischkondensator unter Bildung
von Ammoniumsalzen kondensiert.
Alle diese Verfahren sind unwirtschaftlich und erfüllen die Ziele
des erfindungsgemäßen Verfahrens nur unvollständig. Die Verfahren, die unter Vermischung
der Abprodukte mit Zusätzen zu einem Dünger gelangen, müssen diesen in aufwendiger
Weise trocknen und konfektionieren. Diejenigen Verfahren, die Ammoniak in der Siedehitze
austreiben, müssen die nicht einfache Aufgabe der Brüdenkondensation und Wasserentfernung
lösen.
Ziel der Erfindung ist die Emissionsminderung von organischen Abfällen,
beispielsweise Gülle, bei gleichzeitiger Herstellung eines hochwertigen Stickstoffdüngers
und Umwandlung der Abläufe, insbesondere von Biogasanlagen, in ein umweltfreundliches
hygienisch unbedenkliches Trübwasser durch ein wirtschaftliches und technisch einfaches
Verfahren.
Erfindungsgemäß gelingt dies durch ein Verfahren unter Einsatz organischer
Abfallprodukte in flüssiger Phase (Suspension, Emulsion, Lösung) durch thermische
Behandlung unter Verwendung von mineralischen oder organischen Zusätzen, bei dem
das Abfallprodukt bei Unterdruck auf Temperaturen zwischen 40 ° und 90 °C
erhitzt, das dabei entweichende und Kohlendioxid und Ammoniak enthaltende Gas gekühlt
und in eine mineralisch-wässrige Suspension eingeleitet, der hierbei gebildete Stickstoffdünger
ausgetragen und das nicht absorbierte und Kohlendioxid enthaltende Überschussgas
in den Ablaufbehälter zurückgepumpt wird, wobei der zu Beginn des Prozesses durch
eine Vakuumpumpe erzeugte Unterdruck durch den Verlauf des Prozesses autogen aufrecht
erhalten wird.
Das erfindungsgemäße Verfahren kombiniert eine Entgasung der Abfälle
im Vakuum mit einer chemischen Reaktion der entweichenden Gase in einer Suspension
eines Mineralmehles. Unerwartet wurde nämlich folgender überraschende Effekt gefunden:
Erniedrigt man den Atmosphärendruck in einem mit frischer oder vergorener Gülle
oder Flüssigmist gefüllten Behälter bei gleichzeitigem mäßigen Erwärmen auf 40 °C
bis 90 °C, so entweicht aus der Flüssigkeit zunächst Kohlendioxid und bei etwas
höherer Temperatur Ammoniak, ohne dass merkliche Mengen Wasser mit übergehen. Leitet
man diese Gase in eine Mineralmehlsuspension, die Calciumverbindungen enthält, so
reagieren sie unter Bildung von Kalk und Ammoniumsalzen aber so, dass der Unterdruck
erhalten bleibt und die Reaktion autogen weitergeht, wenn die Temperatur im Ablaufbehälter
auf dem vorbestimmten Wert aufrecht erhalten wird.
Auf diese Weise kann der Ammoniumstickstoff, z. B. aus einer vergorenen
Gülle, fast vollständig entfernt werden. Zurück bleibt ein praktisch geruchloses
Trübwasser, das nicht mehr gast, aber noch die mineralischen Bestandteile der Gülle,
wie Kalium und Phosphat, in Form seiner Verbindungen enthält. Aus der gerührten
Suspension in der Vorlage kann der fertige Stickstoffdünger, der neben Ammoniumsalzen
Kalk enthält, als konzentrierte Suspension abgezogen werden. Er ist ohne weitere
Nachbehandlung einsetzbar.
Da die in den Vorlagebehälter eingeleiteten Gase von der wässrigen
Mineralmehlsuspension nicht vollständig absorbiert werden, werden sie in den Strippbehälter
zurückgeführt und so im Kreislauf geführt. Es kann vorteilhaft sein, dem im Kreislauf
geführten Überschussgas von außen zusätzlich Kohlendioxid im Gemisch mit anderen
Gasen, z. B. aus Biogasanlagen, zuzusetzen.
Günstig ist es, bei einem Druck von 10 bis 80 kPa zu arbeiten.
Dabei hat es sich als vorteilhaft erwiesen, zunächst auf 10 bis 30
kPa zu evakuieren und dann den Druck auf 40 bis 80 kPa zu erhöhen.
Es hat sich auch gezeigt, dass das Verfahren vorzugsweise für die
Behandlung tierischer Exkremente, wie Gülle und Kot, in flüssiger Phase geeignet
ist, ohne auf diese beschränkt zu sein. Der Effekt läßt sich auch auf weitere organische
Abprodukte, wie Flüssigmist und stickstoffhaltige Abläufe, übertragen.
Als besonders günstig hat es sich erwiesen, bei Verwendung vergorener
Gülle diese bei vermindertem Druck auf 70 bis 85 °C zu erhitzen.
Dabei kann es von Vorteil sein, die vergorene Gülle vor ihrer thermischen
Vakuumbehandlung zu filtrieren. Die nach der thermischen Behandlung zurückbleibende
hygienisierte Ablaufgülle kann dann als praktisch geruchloses und an Stickstoffverbindungen
abgereichertes Trübwasser auf Wiesen und Felder aufgesprüht werden. Die durch das
Filtrieren abgetrennten Feststoffe sind gut kompostierbar.
Als besonders geeignete mineralisch-wässrige Suspension hat sich eine
Gips-Aufschlämmung in Wasser mit einem Feststoffgehalt von 10 Masse% bis 50 Masse%
erwiesen. Es ist günstig, diese Suspension zu rühren und am Sumpf des Behälters
den gebildeten, ausgefallenen Kalk und Ammonsulfat enthaltenen, Stickstoffdünger
regelmäßig abzuziehen. Der Dünger kann entweder als Dünnschlamm oder auch nach Trocknung
als krümelige Masse oder als Pulver direkt verwendet oder zwischengelagert werden.
Die Vorrichtung besteht aus den folgenden wesentlichen Teilen:
- • Strippbehälter für Erwärmung unter Unterdruck (1)
- • Vorlagegefäß für Reaktion in heterogener Phase (2)
- • Wärmespeicher (Thermosyphon) zum Wärmetausch (3)
- • Vakuumpumpe (4)
- • Heizwasserpumpe (5)
- • Umlaufventilator (6)
- • Rührer (7)
- • sowie an sich bekannten Rohrleitungen, Absperrorganen und der
- • Mess- und Regelungstechnik.
Das Verfahren und die Vorrichtung zeichnen sich durch geringe Investitions-
und Betriebskosten aus und vermeiden Gefahren für Mensch und Umwelt. Das Verfahren
hat minimalen Stromverbrauch, da der Unterdruck im System erhalten bleibt, wenn
er einmal durch die Vakuumpumpe erzeugt wurde. Die nötige Prozesswärme wird weitgehend
durch die Blockheizkraftwerk(BHKW)Abwärme der vorgeschalteten Biogasanlage bereit
gestellt. Weitere Chemikalien wie etwa Säuren oder Laugen werden nicht benötigt.
Die für das Verfahren erforderliche Anlage ist leicht zu bedienen
und kann als Batchprozess aber auch kontinuierlich betrieben werden.
Das Verfahren wird durch nachfolgendes Beispiel näher beschrieben
und die dafür erforderliche Vorrichtung schematisch dargestellt, ohne darauf beschränkt
zu sein.
1 zeigt beispielhaft das Schema einer
solchen Vorrichtung zur Gewinnung von Stickstoffdünger. Darin bedeuten:
Durchgezogene Linie:
Gaskreislauf
Strich-punktierte Linie:
Heizwasserkreislauf
Strichlierte Linie:
Stoffflüsse
1- Strippbehälter für Erwärmung unter Unterdruck
2- Vorlagegefäß für Reaktion in heterogener Phase
3- Wärmespeicher (Thermosyphon) zum Wärmetausch
4- Vakuumpumpe
5- Heizwasserpumpe
6- Umlaufventilator
7- Rührer
8- Wärmeüberträger
9- Zufuhr von Ablauf
10- Ausgang des Heizwassers
11- Leitung für Rücklauf des Heizwassers
12- Leitung für Strippgas
13- Leitung für Rücklaufgas
14- Kugelhahn
15- Kugelhahn
16- Austrag Rückstand
17- Austrag Stickstoffdünger
Beispiel
Die Anlage arbeitet im Batchbetrieb. Der Wärmespeicher (3),
der beispielhaft als Schichtenspeicher (Thermosyphon) ausgebildet ist, dient der
Zwischenspeicherung der Wärme des behandelten Ablaufs zur Aufheizung des frisch
eingefüllten flüssigen Abfallproduktes. Im Beispiel werden 250 Liter vergorene Gülle
(Ablauf) verwendet. Das Wasser im Schichtenspeicher wird durch behandelten Ablauf
vorgeheizt und durch BHKW-Abwärme über den Wärmeübertrager (8) nachgeheizt,
so dass am Speicherkopf ständig eine Temperatur von 90 °C anliegt.
Anfahren des Batchprozesses
Der frische Ablauf wird an der Stelle 9 in den Strippbehälter
(1) eingefüllt. Nach dem Verschließen des Behälters erfolgt die Aufheizung
mittels Heizwasser, das direkt am Kopf des Schichtenspeichers an der Stelle
10 entnommen wird, auf eine Temperatur von 80 °C. Die Aufheizung ist
langsam innerhalb von einigen Stunden durchzuführen, um ein Schäumen zu verhindern.
Der Rücklauf des Heizwassers wird dem Schichtenspeicher (3)
über die Leitung (11) von unten vermittels der Heizwasserpumpe (5)
zugeführt und somit in der entsprechenden Temperaturzone wieder eingeschichtet.
Nach Erreichen der Betriebstemperatur wird über eine geregelte Vakuumpumpe
(4) im gesamten System ein Druck von 400 mbar eingestellt, wobei die Druckabsenkung
wiederum langsam und stetig durchzuführen ist.
Ist dieser Druck erreicht, wird der Umlaufventilator (6)
in Betrieb genommen, so dass das Strippgas mit definiertem Gasdurchsatz
aus dem Strippbehälter (1) über die Leitung (12) abgesaugt sowie
Rücklaufgas aus dem Vorlagebehälter (2) dem Strippbehälter über die Leitung
(13) zugeführt wird. Beim Enddruck wird kein Schäumen mehr beobachtet.
Ablauf des Batchprozesses
Während des Batchprozesses werden Temperatur und Druck im Strippbehälter
(1) durch Zu- und Abschalten der Heizwasserpumpe (5) bzw. der
Vakuumpumpe (6) konstant auf 80 °C und 400 mbar gehalten.
Unter diesen Bedingungen werden im Laufe von etwa 2 Stunden aus dem
Ablauf zunächst CO2 und danach Ammoniak ausgetrieben und in der nachgeschalteten
Vorlage (2) ausgewaschen.
Mit dem dort vorgelegten Mineralmehl, für das beispielhaft Gips verwendet
wird, setzt sich der Ammoniak zu Kalk und Ammoniumsulfat um, wobei die nicht gelösten
Mineralmehl- und Kalkpartikel durch den Rührer (7) in Suspension gehalten
werden. Die Rührgeschwindigkeit ist so hoch zu wählen, dass keine Verstopfung von
Zu- und Abflüssen durch ausgefallenen Kalk auftritt.
Die Masse des ausgetriebenen Ammoniaks beträgt ca. 850 g pro Batchprozess.
Diese setzen ca. 3,4 kg Gips um, der vorher in 10 l Vorlagewasser suspendiert wurde.
Als Reaktionsprodukte entstehen ca. 2,5 kg Kalk und 3,3 kg Ammoniumsulfat
in wässriger Phase. Beide Substanzen werden bei 17 ausgetragen und können ohne weitere
Nachbehandlung als Düngemittel verwendet werden.
Abfahren des Batchprozesses
Nach weitestgehender Ausgasung des Ammoniaks aus dem Ablauf wird die
durch den Umlaufventilator (6) angetriebene Gaszirkulation außer Betrieb
genommen. Das System wird belüftet.
Die Abkühlung des behandelten Ablaufs erfolgt, indem durch Schließen
des Kugelhahnes (14) und Öffnen des Kugelhahnes (15) im Heizwasserkreislauf
nunmehr kaltes Speicherwasser, welches im unteren Teil des Schichtenspeichers (3)
entnommen wird, durch den Wärmetauscher des Strippbehälters (1) geführt
wird. Die Wärme des behandelten Ablaufs wird auf diese Weise an das kalte Speicherwasser
abgegeben. Das erwärmte Speicherwasser wird wiederum dem Speicher über den Thermosyphon
zugeführt und in der Zone entsprechender Temperatur in den Wärmespeicher eingeschichtet.
Nach Abkühlung des behandelten Ablaufs wird der Strippbehälter (1)
an der Stelle 16 entleert und steht für die nächste Befüllung zur Verfügung.
Aus dem Vorlagebehälter wird nach jedem Batchprozess (vor dem Neuaufbau
des Vakuums für den nächsten Prozess) der Sumpf an der Stelle 17 abgezogen
und eine neue Gipssuspension eingegeben.