Die Erfindung betrifft einen pyrotechnischen Satz zur Erzeugung von
IR-Strahlung.
Im militärischen Bereich werden zur Bekämpfung von Luftzielen, wie
beispielsweise Strahlflugzeugen, Hubschraubern und Transportmaschinen, Flugkörper
wie Luft-Luft- und Boden-Luft-Lenkflugkörper eingesetzt, welche die vom Triebwerk
des Ziels ausgehende Infrarot (IR) - Strahlung, vornehmlich im Bereich zwischen
0,8 und 5 µm, mit Hilfe eines auf IR-Strahlung empfindlichen Suchkopfes anpeilen
und verfolgen. Fig. 1 zeigt die typische spektrale Intensitätsverteilung eines Strahlflugzeugs.
Zur Abwehr dieser Flugkörper werden daher Täuschkörper (sogenannte Flares) eingesetzt,
welche die IR-Signatur des Ziels imitieren, um anfliegende Lenkflugkörper abzulenken.
Derartige Täuschkörper können auch präventiv eingesetzt werden, um die Erfassung
von Zielen durch die Herabsetzung des Kontrasts der Szene zu erschweren oder sogar
zu verhindern.
Die ersten IR-gesteuerten Lenkflugkörper (LFK) verwendeten Suchköpfe
mit Detektoren, wie z.B. PbS, die breitbandig die gesamte Strahlung im Bereich zwischen
0,8 - 2,9 µm erfassen. Aus diesem Grund können derart ausgerüstete Lenkflugkörper
ihre Ziele auch nur im sogenannten tail-chase-mode, d.h. von hinten, angreifen,
da allein die heißen Strahlrohrbleche des Triebwerks, welche nur von hinten
sichtbar sind, wesentliche Strahlungsanteile im Bereich zwischen 0,8 und 2,9 µm
liefern.
Mit der Verbesserung der Detektortechnik, namentlich durch die Einführung
von InSb-Detektoren und der In-Situ-Kühlung der Detektoren mit z.B. Argon, konnte
zum einen der Spektralbereich der Detektoren in den langwelligen Bereich erweitert
und zum anderen auch die Quantenausbeute der Detektoren deutlich gesteigert werden.
Mit solchen Detektoren lassen sich nun auch die selektiven Emissionen der heißen
Triebwerksabgase CO und CO2 im Bereich zwischen 3 und 5 µm erfassen.
Bei Anwendung von Filtern bzw. verschiedenen Detektortypen lassen
sich die relativen Strahlungsanteile in verschiedenen Bereichen des Infrarotspektrums
ermitteln. Auf diese Weise gelingt eine Diskriminierung von pyrotechnischen Täuschkörpern
der ersten Generation, die beim Abbrand lediglich eine von der Temperatur abhängige
Kontinuumstrahlung emittieren, und Triebwerken, die neben einem schwachen Kontinuum
eine hochintensive selektive Ausstrahlung im Bereich zwischen 3 - 5 µm aufweisen.
Ein typisches System zur Emission von Kontinuumstrahlung bzw. Schwarzkörperstrahlung
ist ein pyrotechnischer Satz aus Magnesium, Poly(tetrafluorethylen) (Teflon®)
und Vinylidenfluorid-Hexafluorisopren-Copolymer (Viton@), auch MTV genannt. Dieses
System reagiert gemäß der folgenden Gleichung:
2n Mg + (-C2F4-)n → 2n MgF2
+ 2n C + h·ν
(h.v = elektromagnetische Strahlung)
Aufgrund der hohen negativen Bildungsenthalpie des Magnesiumfluorids
wird der freigesetzte Kohlenstoff aufgeheizt und liefert im wesentlichen Kontinuumstrahlung.
Fig. 2 zeigt die typische spektrale Intensitätsverteilung eines derart zusammengesetzten
MTV Täuschkörpers.
Wie oben erläutert, können die MTV-Täuschkörper eine Abwehr von Lenkflugkörpern
mit Suchköpfen, welche die relativen Strahlungsanteile in unterschiedlichen Bereichen
des Infrarotspektrums bewerten, nicht gewährleisten, da die selektiven Strahlungsanteile
beim Abbrand des pyrotechnischen MTV-Satzes intensitätsschwächer sind als bei realen
Zielen.
Aus diesem Grund benötigt man pyrotechnische Täuschkörper, deren spezifische
Ausstrahlung R [W.cm-2] wesentlich durch selektive Anteile im mittleren
Infrarotbereich zwischen 3 - 5 µm bestimmt wird. Entsprechende Täuschkörper bzw.
Wirkmassen für solche Täuschkörper wurden bereits vorgeschlagen.
So wurde kürzlich in dem US-Patent Nr. 5,472,533 eine spektral angepasste
Wirkmasse vorgeschlagen, die aus Ammoniumperchlorat, Bor, Magnesium, Aluminium,
Hexamethylentetramin, Viton und Kaliumnitrat. zusammengesetzt ist.
Ferner wird in dem US-Patent Nr. 5,834,680 gelehrt, dass Wirkmassen
aus Magnesium, Amoniumperchlorat und Hydroxyl-terminiertem Polybutadien (HTPB) sehr
selektiv Strahlung im mittleren Infrarotbereich emittieren. Fig. 3 zeigt die typische
spektrale Intensitätsverteilung dieser Mischungen gemäß diesem US-Patent.
Schließlich werden in der GB-A-2,354,060 verschiedene pyrotechnische
Sätze beschrieben, welche zu einer selektiven Emission im mittleren Infrarotbereich
führen sollen. Diese Systeme enthalten Kaliumperchlorat und Kaliumbenzoat bzw. einen
anderen organische Brennstoff wie z.B. Lactose, Sucrose, Stärke, sowie ein Bindemittel
aus der Gruppe der Stoffe Viton@, Dextrin, Polybutylkautschuk oder auch energetische
Binder wie GAP (Glycidyl-Azid-Polymer). Auch werden Binder auf der Basis von Cyclotetramethylentetranitramin
(HMX), Cyclotrimethylentrinitramin (RDX) oder Hexanitrostilben (HNS) vorgeschlagen.
Fig. 4 zeigt die typische spektrale Intensitätsverteilung eines Satzes auf Grundlage
dieser GB-A-2,354,060.
Des weiteren lehrt die GB-A-2,354,060 den Einsatz von pyrotechnischen
Sätzen auf Basis Kaliumnitrat/Bor, Kaliumnitrat/Silicium und Kaliumnitrat/Bor/Silicium
mit verschiedenen Bindern. Mit Ausnahme der Systeme Kaliumnitrat/Bor/Silicium beruht
die selektive Emission im Infrarotbereich der vorbezeichneten Sätze auf der überwiegenden
Bildung von Kohlenmonoxid/Kohlendioxid beim Abbrand der organischen Brennstoffe,
welche durch die hohen Reaktionstemperaturen der Systeme zur thermisch induzierten
selektiven Emission im mittleren Infrarotbereich angeregt werden. Beim Abbrand der
Systeme mit Bor beruht die selektive Emission unter anderem auf der Bildung intermediärer
Spezies wie B2O2(g) (4,87 µm), HOBO(g) (4,93 µm),
und KBO2(g) (4,98 µm), die zur Emission im mittleren Infrarotbereich
beitragen. Der Einsatz von Silizium bleibt bislang unklar, da seine typischen Verbrennungsprodukte
keine selektiven Emissionen im mittleren Infrarot liefern.
Ein entscheidender Nachteil der bisher beschriebenen Systeme begründet
sich in der geringen spezifischen Ausstrahlung der Wirkmassen. Aus diesem Grund
enthalten die Systeme zum Teil energetische Binder wie beispielsweise HNS, HMX und
RDX, die eine Erhöhung der Abbrandgeschwindigkeit und damit der Leistung der Wirkmassen
unterstützen sollen. Diese niedrige spezifische Ausstrahlung R ist wesentlich auf
die niedrige Flammentemperatur beim Abbrand dieser Systeme zurückzuführen.
Die niedrige Flammentemperatur wiederum ist Folge des Einsatzes von
Brennstoffen mit stark negativen Bildungsenthalpien infolge partiell oxidierter
Kohlenstoffgerüste, also Kohlenstoffgerüsten mit Ether und Carbonylgruppen.
Zwar hilft die Anwendung von metallischen Brennstoffen wie Magnesium
oder Titan die Flammentemperatur zu erhöhen, doch bewirken diese Metalle andere
ungewünschte Effekte. So liefert Magnesium beim Abbrand eine sehr selektive UV-Strahlung
[2], die von Suchköpfen mittlerweile als Kriterium zur Diskriminierung von Täuschkörpern
genutzt wird [3]. Titan liefert zwar auch selektive Strahlungsanteile, allerdings
nur im visuellen Bereich, doch ungünstiger ist hier der hohe Anteil von Kontinuumstrahlung
[2] bei Verwendung von Titan, was eine Verschlechterung des spektralen Verhältnisses
&thetas;2-3µm / (3-5µm) = I2-3µm / (I3-5µm)
zur Folge hat
Weiterhin führen Metalle in solchen Wirkmassen generell zu hohen Strahlungsanteilen
im visuellen Bereich, sodass Wirkmassen auf dieser Basis beim Abbrand durch eine
grelle Lichterscheinung gekennzeichnet sind. Dies führt insbesondere bei Dämmerung
und Nacht zu einer leichteren Erkennbarkeit eines Luftziels, was aus taktischen
Gründen nicht wünschenswert ist.
Schließlich sind aus Metallen wie z.B. Mg und Kohlenwasserstoffen
zusammengesetzte pyrotechnische Systeme den inhärenten Redoxgleichgewichten
Mg + CO ⇔ MgO + CO
Mg + CO ⇔ MgO + C(gr)
in der Gasphase unterworfen. Wie zu sehen ist führt diese Reaktionskette
unweigerlich zur Rußbildung. Aus diesem Grund müssen Metallzusätze in neuen
spektral angepassten Wirkmassen unbedingt vermieden werden.
Die Nachteile bekannter spektral angepasster Wirkmassen sind also
eine niedrige spezifische Ausstrahlung im Infrarotbereich, eine selektive Emission
im UV im Falle von Magnesium, und eine hohe Lichtstärke im visuellen Bereich bei
Verwendung von Metallen als leistungssteigernde Zusätze.
Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, einen pyrotechnischen
Satz mit einer hohen spezifischen Ausstrahlung und kaum Kontinuumstrahlung vorzusehen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch einen pyrotechnischen
Satz mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Bevorzugte Aus- bzw. Weiterbildungen
des erfindungsgemäßen pyrotechnischen Satzes sind in den Unteransprüchen angegeben.
Der pyrotechnische Satz zur Erzeugung von IR-Strahlung gemäß
der Erfindung enthält als Brennstoff eine aliphatische, olefinische oder aromatische
Cyanverbindung der allgemeinen Formel CnHm(CN)x.
Ein derartiger Brennstoff ist durch ein ganz schwaches Kontinuum gekennzeichnet,
seine CO-Emissionsbande ist aber von sehr hoher Intensität.
Vorzugsweise ist der Brennstoff ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus Phthalsäuredinitril C6H4(CN)2, Benzol-1,2,4,5-tetracarbonsäure-tetranitril
C6H2(CN)4, Benzol-1,2,3,4,5,6-hexacarbonsäure-hexanitril
C6(CN)6, Tetracyanoethylen (CN)2C=C(CN)2,
Poly(kohlenstoffcyanid) (-C(CN)-)n, Pyridin-2,6-dicarbonsäure-dinitril
C5H3N(CN)2, Pyrazin-2,3-dicarbonsäure-dinitril
C4H2N2(CN)2, 2,4,6-Tricyanotriazin C3N3(CN)3,
7,7,8,8-Tetracyanochino-dimethan C6H4(C(CN)2)2
und Dinitrobenzo-dicarbonsäure-dinitril C6H2(NO2)2(CN)2.
In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist in dem pyrotechnischen
Satz als Oxidationsmittel ein anorganisches Oxidationsmittel aus der Gruppe der
Perchlorate, vorzugsweise Lithiumperchlorat oder Kaliumperchlorat enthalten.
Die bevorzugte Zusammensetzung des pyrotechnischen Satzes enthält
etwa 10-40 Gew.-% Brennstoff, etwa 55-85 Gew.-% Oxidationsmittel und etwa 1,5-5
Gew.-% Binder.
In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung ist in dem pyrotechnischen
Satz ein organischer Binder aus der Gruppe bestehend aus Hexafluorisopren-Vinylidenfluorid-Copolymer
und Novolack enthalten.
Die Erfindung geht von den nachfolgend beschriebenen Überlegungen
aus.
Wie eingangs erläutert, muss eine spektral angepasste Wirkmasse eines
pyrotechnischen Satzes, der als Täuschkörper gegen Lenkflugkörper eingesetzt werden
kann, beim Abbrand entweder CO/CO2 oder Stoffe liefern, die mindestens
mit dem gleichen Wirkungsgrad wie CO im mittleren Infrarotbereich emittieren.
Aus diesem Grund hatten Ase & Snelson [1] bereits 1996 vorgeschlagen,
Stoffe einzusetzen, die bei der thermischen Zersetzung CO bzw. CO2 liefern.
Inhärenter Nachteil dieser Strategie ist neben der niedrigen Verbrennungswärme bereits
oxidierter Kohlenstoffverbindungen die Reduktion der Reaktionsenthalpie dieser Sätze,
da die Kohlendioxid- bzw. Kohlenmonoxidquelle nurmehr als endergonischer Zusatz
fungiert und die eigentliche Reaktionsenthalpie zur Zersetzung dieser Stoffe aus
einem zweiten energetischen System, z.B. Mg/NH4ClO4, zur Verfügung
gestellt werden muss, was keinen Beitrag zur selektiven Emission im mittleren Infrarotbereich
liefert. Dies allein führt schon zu einer Reduktion des CO-Anteils und schmälert
damit die spezifische Leistung im mittleren Infrarotbereich.
Eine kohlenstoffreiche aber sauerstofffreie Verbindung, die beim Abbrand
in großen Mengen CO bildet, und überraschenderweise nicht zur Rußbildung
neigt ist das Dicyan (CN)2 [4] welches im englischen Sprachraum auch
als Cyanogen bezeichnet wird. Vorgemischte Dicyan/Sauerstoffgemische liefern in
laminaren Flammen Flammentemperaturen bis zu 4.800 K, da die primären Oxidationsprodukte
CO und N2 in diesem Temperaturbereich noch dissoziationsstabil sind.
Aufgrund der primären Reaktionsprodukte CO und N2 ist die
(CN)2/O2-Flamme nur durch ein ganz schwaches Kontinuum gekennzeichnet.
Gleichzeitig aber ist die CO-Emissionsbande von sehr hoher Intensität. Es ist deshalb
wünschenswert einen Brennstoff zu besitzen, der ähnliche chemische Eigenschaften
wie Dicyan aufweist, aber im typischen Anwendungs- und Lager-Temperaturbereich für
Munition (-54°C bis +70°C) stabil ist.
Solche Stoffe sind gerade die in Anspruch 1 genannten aliphatischen,
olefinischen und aromatischen Cyanderivate der allgemeinen Formel CnHm(CN)x.
Typische Vertreter für die einkernigen aromatischen Cyanverbindungen
C6H6-z(CN)z sind z.B. Phthalsäuredinitril
C6H4(CN)2, Benzol-1,2,4,5-tetracarbonsäuretetranitril
C6H2(CN)4, Benzol-1,2,3,4,5,6-hexacarbonsäure-hexanitril
C6(CN)6, für die olefinischen Cyanverbindungen CxH2x-z(CN)z
Tetracyanoethylen (CN)2C=C(CN)2, und für die aliphatischen
Cyanverbindungen CxH2x+2-z(CN)z das kürzlich vorgeschlagene,
bislang hypothetische Poly(kohlenstoffcyanid) (-C(CN)-)n. Weitere erfindungsgemäße
Cyanverbindungen sind Pyridin-2,6-dicarbonsäure-dinitril C5H3N(CN)2,
Pyrazin-2,3-dicarbonsäure-dinitril C4H2N2(CN)2,
2,4,6-Tricyano-triazin C3N3(CN)3, 7,7,8,8-Tetracyanochino-dimethan
C6H4(C(CN)2)2 und Dinitro-benzodicarbonsäure-dinitril
C6H2(NO2)2(CN)2.
Diese Stoffe zerfallen bei thermischer Belastung, wie die Massenspektren
zeigen, unter sukzessiver Abspaltung der CN-Einheiten [5]. CN wiederum reagiert
in der Gasphase mit atomarem Sauerstoff gemäß der Reaktionsgleichung
CN(g) + O(g) → [O-CN]* → CO(g)
+ N(g) + 322 kJ·mol-1
in stark exothermer Weise zu CO und N [6].
Es wurde ferner entdeckt, dass an Cyangruppen reiche Verbindungen
mit einem molaren Verhältnis C/N > 1,5 stets rußfrei abbrennen und daher
für die Konzipierung von Sauerstoff-defizienten IR-Wirkladungen sehr geeignet sind.
Gemäß der Erfindung wird deshalb vorgeschlagen, pyrotechnische
Sätze auf Basis von organischen Cyanverbindungen herzustellen, die obwohl metallfrei
eine hohe spezifische Ausstrahlung aufweisen und kaum Kontinuumstrahlung emittieren.
Die in Fig. 5 dargestellte Tabelle zeigt die erreichbaren Flammentemperaturen
sowie die prozentualen Anteile der primären Reaktionsprodukte idealer Mischungen
von Kaliumperchlorat mit verschiedenen organischen Cyanverbindungen (Nr. 1 - 10).
Zum Vergleich sind auch andere organische Verbindungen für den Brennstoff (Nr. 11
- 19) in der Tabelle angegeben, die in herkömmlichen Täuschkörpern zum Einsatz kommen.
Das molare Brennstoff/Oxidator - Verhältnis F/O ist für alle in der
Tabelle von Fig. 5 angegebenen Systeme so eingestellt, dass die maximale CO-Bildung
erreicht wird.
Wie zu sehen ist, liefern die erfindungsgemäßen Cyanverbindungen
Benzol-1,2,4,5-tetracarbonsäure-tetranitril C6H2(CN)4
(1), Phthalsäuredinitril C6H4(CN)2(2),
Tetracyanoethylen (CN)2C=C(CN)2 (3), Poly(kohlenstoffcyanid)
(-C(CN)-)n(4), Pyridin-2,6-dicarbonsäure-dinitril C5H3N(CN)2
(5), Pyrazin-2,3-dicarbonsäure-dinitril C4H2N2(CN)2
(6), 2,4,6-Tricyanotrizin C3N3(CN)3
(7), 7,7,8,8-Tetracyanochino-dimethan C6H4(C(CN)2)2
(8), Benzol-1,2,3,4,5,6-hexacarbonsäure-hexanitril C6(CN)6
(9) und Dinitrobenzo-dicarbonsäure-dinitril C6H2(NO2)2(CN)2
(10) allesamt Flammentemperaturen Tf zwischen 1.900 K und 3.400
K.
Die anderen organischen Brennstoffe 1,3,5-Trichlor-2,4,6-triazin C3N3(Cl)3
(11), Tris(acetonitrilamin) N(CH2CN)3 (13),
Kaliumbenzoat C6H5CO2K (14), Dextrose C6H12O6
(15), Anthracen C14H10 (16), Polyoxymethylen
(-CH2O-)n (17), Bis(cyclopentadienyl)eisen Fe(C5H5)2
(18) und Decacyclen C18H36 (19) liefern nur
Flammentemperaturen von maximal 1.164 K bis 1.689 K. Einzig Benzol-1,2-4,5-tetracarbonsäureanhydrid
C6H2(C2O3)2 (12) liefert
eine Flammentemperatur von 2.691 K.
Mit Ausnahme von Anthracen (16) liefern diese Stoffe auch nur
geringe CO-Anteile von 28 - 49%, während der CO-Anteil beim Abbrand der Cyanverbindungen
durchweg zwischen 61 und 64% liegt.
Die hohe Flammentemperatur sowie der hohe CO-Anteil gewährleisten
nun eine hohe selektive Emission im Bereich zwischen 3- 5 µm.
Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Bewertung der spektralen
Ausstrahlung ist der Anteil an Wasserstoff und Wasser sowie der Anteil kondensierter
Produkte, die zur Kontinuumstrahlung beitragen. Während der Wasserstoffanteil beim
Abbrand der organischen Vergleichsstoffe (11 - 19) zwischen 0 - 47% beträgt,
liegt dieser Anteil bei den erfindungsgemäßen Brennstoff-Mischungen (1-10)
nur im Bereich von 0 - 15%.
Weiterhin wirkt der infolge der Cyangruppen-Oxidation gebildete Stickstoff
als Flammenexpander, was einer Vergrößerung der strahlende Fläche dient. So
beträgt der N2-Anteil in den erfindungsgemäßen Brennstoffen zwischen
7 - 28%, während die anderen organische Brennstoffe mit Ausnahme von (11)
und (13) überhaupt keinen Stickstoff liefern.
Schließlich zeichnen sich die erfindungsgemäßen Brennstoffverbindungen
auch durch die Abwesenheit primärer kondensierter Reaktionsprodukte aus. So beträgt
der Anteil kondensierter Reaktionsprodukte bei den anderen organischen Brennstoffen
z.T. bis zu 20%.
Besonders bevorzugte Ausführungsbeispiele pyrotechnischer Sätze gemäß
der vorliegenden Erfindung sind ein Satz aus Tetracyanoethylen und Kaliumperchlorat
mit Binder B-14; ein Satz aus Phthalodinitril und Kaliumperchlorat mit Binder B-14;
und ein Satz aus Hexacyanobenzol und Kaliumperchlorat mit Binder B-14
Literaturstellen:
- [1]
- P. Ase, A. Snelson, "Controlled Infrared Output for IRCM Flares", Proceedings
of the 22nd International Pyrotechnics Seminar, Fort Collins, Colorado, 15.-19.
Juli 1996, Seiten 711-716.
- [2]
- E. Roth, Y. Plitzko, V. Weiser, W. Eckl, H.. Poth, M. Klemenz, "Emissionsspektren
brennender Metalle", Proceedings of the 32nd International Annual Conference
of ICT, Karlsruhe, 3.-6. Juli 2001, Seite 163.
- [3]
- US-Patent Nr. 5,472,533.
- [4]
- A.G. Gaydon, H.G. Wolfhard, "Flames", Chapman and Hall, London, 1979, Seite
197.
- [5]
- http://webbook.nist.gov/chemistry.
- [6]
- A.M. Dean, J.W. Bozzelli, "Combustion Chemistry of Nitrogen" in W.C. Gardiner
(Ed.) "Gas-Phase Combustion Chemistry", Springer-Verlag, 1999, Seite 266.