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Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Deponiebinders zur Immobilisierung schwermetallhaltiger Abfälle auf einer Deponie, wobei als Deponiebinder vorrangig verschiedene Aschen, Reststoffe und schadstoffhaltige Abprodukte zum Einsatz kommen.

Bekannt ist ein Verfahren zur energetisch günstigen Erzeugung von reaktiven Komponenten für die Speichermineralbildung aus Aschen und wasserhaltigen Substanzen in einem Reaktor (DE-PS 197 19 684 C1). Hierbei werden ein oder mehrere Aschen und wasserhaltige Substanzen mit ggf. Calciumoxid gemischt und bei einer Temperatur von 100 bis 600°C erhitzt. Das Verfahren verweist auf die Verwendung einer Vielzahl verschiedener Aschen und Schlämme. Entscheidender Nachteil dieser Lösung ist die aufwendige und teure Wärmebehandlung des Gemisches und die Kompliziertheit des Prozesses zur Herstellung eines Produktes mit halbwegs gleichbleibender Qualität und zur Beherrschung unzulässiger Treiberscheinungen. Eine dauerhafte Schadstoffimmobilisierung konnte auf diesem Wege nicht erreicht werden.

Weiterhin bekannt ist ein Verfahren zur Verbesserung der Transportfähigkeit, Verarbeitbarkeit und Einbaufähigkeit eines Schlammes durch Veränderung seiner Konsistenz bekannt, bei dem Schlamm ein Additiv hinzugefügt und dieses in dem Schlamm verteilt wird, wodurch die Verarbeitbarkeit beschreibende Proctorkurve des Gemisches aus Schlamm und Additiven im Vergleich zu der Proctorkurve des Schlammes in Richtung höherer Wassergehalte verschoben wird, wobei dem Schlamm als Additiv eine kalkhaltige Kraftwerksfilterasche mit einem Anteil zwischen 2 und 7 Gew.-% bezogen auf die Trockenmasse des Schlammes, hinzugefügt und das Additiv und der Schlamm in volumenkonstanten Anteilen unter Berücksichtigung der Veränderung der Schüttdichte der Kraftwerksfilteraschen bei Zutritt von Wasser zwangsgemischt und damit das Additiv im Schlamm homogen verteilt wird (EP 0 934 906 B1). Das Verfahren beschränkt sich auf die Verarbeitbarkeit und den Transport von Gemischen aus Kraftwerksaschen und Schlämmen, wobei keine Aussage zur hydraulischen Abbindung des Gemisches und einer dauerhaften Immobilisierung von Schadstoffen gemacht wird.

Darüber hinaus ist ein Verfahren zur Herstellung einer zu einem Bau- und/oder Dichtungsstoff hydratationsfähigen Masse unter Verwendung von Filterasche bekannt, bei dem die Filterasche unter Zugabe von Wasser verrührt und die Masse zu dem Bau- und/oder Dichtstoff weiterverarbeitet wird, wobei für Mischungen aus mindestens zwei Filteraschen und/oder Filteraschekomponenten, die unterschiedliche Körnungsbänder aufweisen, der jeweilige Wasseranspruch für die Herstellung von dem jeweiligen Mischungsverhältnis entsprechenden Dispersionen ermittelt wird und die Filteraschen und/oder Filteraschekomponenten in einem Mischungsverhältnis, das außerhalb des Maximums oder eines relativen Maximums des Kurvenverlaufs des A/W-Wertes im Bereich eines relativen Minimums des A/W-Wertes oder eines Bereiches mit relativ geringer A/W-Wert-Änderung liegt, gemischt und zu einer Dispersion verrührt werden (DE-PS 41 03 412 C2). Dieses Verfahren ist in seiner umständlichen Abfassung nicht nacharbeitbar und auch nicht ausführbar.

Bekannt ist ein Verfahren zur Entsorgung von schadstoffbeladenen Materialien, Böden, oder Flüssigkeiten, wobei die Zugabe einer zumindest latent hydraulischen Asche unter Einstellung eines zur vollständigen Hydratation ausreichenden Wasser/Feststoff-Verhältnisses durchgeführt wird, um diese Stoffe besser entsorgen zu können (DE-OS 36 34 650 A1). Angestrebt wird die Entsorgung unterschiedlichster Arten von Schadstoffen mit ein und demselben Verfahren. Mit diesem bekannten Verfahren werden die Schadstoffe jedoch nicht dauerhaft und vollständig in den abgebundenen Aschen eingebunden. Treib- und Quellerscheinungen der latent hydraulischen Aschen werden nicht vermieden.

Aus der DE-OS 196 12 513 A1 ist ein Bindemittel zum Immobilisieren von Schadstoffen in und/oder zum Verfestigen von Böden, bodenähnlichen Gemischen, Schlämmen, Produktions- und sonstigen Reststoffen bekannt, welches Hochofenmehl und Flugasche enthält. Die Flugasche kann dabei aus Steinkohlen- und/oder aus Braunkohlenkraftwerken oder aus Wirbelschichtfeuerungen stammen. Das Bindemittel soll dazu führen, dass die Schadstoffe eingebunden werden und aushärten. Auch hier sind ähnliche Nachteile vorhanden, die nicht beseitigt wurden. Die Erfahrungen im Umgang mit solchen Gemischen und Eluationsversuche zeigen, dass eine dauerhafte Immobilisierung der Schadstoffe nicht stattfindet.

Die DE-PS 196 10 075 C2 zeigt ein Verfahren zur Immobilisierung von Schadstoffen, säurehaltiger Abfallstoffen der Petrochemie wobei Abfallstoffe mit hydraulisch reagierender Flugasche oder einem Flugasche-Zement-Gemisch derart vermischt werden, dass der pH-Wert der Mischung > 7,5 eingestellt wird und während des Mischungsvorganges durch Temperatursteuerung eine Blasenbildung infolge vorhandenen oder sich bildenden Wassers unterbunden wird und das so entstehende Stabilisat eine walzfähige Konsistenz aufweist, wobei das Stabilisat sich im weiteren Verlauf unter innerem Quelldruck verdichtend erhärtet und so ein Immobilisat bildet. Der hier beschriebene Quelldruck hat in der Praxis jedoch den Erhärtungsprozess so nachhaltig negativ beeinflusst, dass die bereits beschriebenen Effekte auch hier wieder auftraten.

Aus DE 199 15 134 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung eines Deponiekörpers zur Ablagerung von mechanisch oder mechanisch-biologisch aufbereitetem Abfall, Schlämmen aus kommunaler oder industrieller Abwasserreinigung oder mineralischen Reststoffen mit schädlichen oder organischen Verunreinigungen bekannt, wobei Abfallstoffe mit einer hydraulisch aktiven Braunkohlenfilterasche und einer Flüssigkeit so vermischt werden, dass nach Abklingen der chemischen Abbindereaktion ein Überschuss an hydraulisch aktiver Asche im Gemisch verbleibt, welcher sich im Verlauf von 5 bis 10 Monaten mit versickertem Niederschlagwasser zu einem neuen Mineral umsetzt und das gesamte versickerte Wasser dadurch dauerhaft eingebunden wird (DE 199 15 134 A1). Unter hydraulisch aktiver Braunkohlenfilterasche sind nach DE 199 15 134 A1 kalkreiche BFA zu verstehen. Fälschlicherweise bezeichnet man die Reaktion des Kalkes mit dem Wasser nach [CaO + H2O ⟹ Ca(OH2)] – (Kalklöschreaktion und Bildung von Kalkhydrat) als hydraulische Reaktion und die Ettringitbildung nach [6Ca+ + 3SO42– + Al2O3 + 36H2O ⟹ Ca6Al2[(OH)4SO4]3 24H2O – (Kristallbildung aus übersättigter Lösungsphase) als puzzolanische Reaktion.

Wenn kalkreiche BFA mit Wasser reagiert, entsteht natürlich immer Kalkhydrat und verschwindend wenig Ettringit. Beide Phasen sollen gemäß der DE 199 15 134 A1 in der Anfangsreaktion nicht vollständig ablaufen, damit später eindringendes Wasser gebunden werden kann. Dies ist eine reine Wasserbindung und kann mit einer vollständigen Ettringitbildung als „puzzolanischer Reaktion" nicht verglichen werden.

Ebenso verhält es sich mit der DE 44 17 012 C3, die ein Verfahren zur Herstellung eines Materials mit hohem Wasserspeichervermögen beschreibt, bei dem organischer Klärschlamm mit einem Trockensubstanzgehalt zwischen 20 und 35 % entwässert und im Intensivmischer mit kalkreicher hydraulischer westelbischer Braunkohlenfilterasche in einer Menge von > 60 %, bezogen auf die Trockensubstanz des Gemisches, vermischt wird. Im 1. Anspruch wird korrigierend darauf hingewiesen, dass das Gemisch auch Ettringit enthält. Über die Menge darf spekuliert werden. Von einer optimierten und gesteuerten Ettringitbildung kann nicht gesprochen werden. Auf die Kalkhydratbildung wird nicht eingegangen. Sinn des Ganzen ist eine hohe Wasserbindung aus dem Klärschlamm, um ihn verdichtbar zu machen. Bestenfalls also eine Änderung der Konsistenz durch Wasserentzug (der Ettringit bindet 32 Moleküle Wasser) und keine Einbindung von Schadstoffen.

Bei der DE 36 43 345 werden schadstoffbelastete Schlämme pelletiert und anschließend in kalkreicher Asche gewälzt (gepudert), wodurch eine Schutzschicht entstehen soll, die die Schadstoffe physikalisch einpackt. Dem Fachmann ist klar, dass eine erhärtete Ascheschicht im Mikrometerbereich keinen ausreichenden Schutz gegen eine spätere Auslaugung von nur physikalisch gebundenen Schadstoffen bietet. Der anfänglich auf der Oberfläche sich bildende Ettringit wandelt sich durch Sulfatmangel in Monosulfat um. Die weitere Entwicklung – Zerfall des nicht stabilisierten Monosulfats durch Karbonatisierung – wird aus gutem Grund nicht angegeben.

Die DE 43 37 789 C2 schildert ein Verfahren von im Wege der Müllverbrennung anfallenden Müllverbrennungsaschen für die Verwendung im Straßenbau, wobei die Müllverbrennungsasche zur Vermeidung von Monocarbonat unter Luftabschluss gelagert wird. Dieses Verfahren erscheint sehr problematisch bezüglich der Zeitdauer für eine Ettringitbildung unter Wasser oder Luftabschluss und der entsprechenden Anlagenbindung. Zusätze wie Kalk, Aluminat, Zement oder Aschen werden ohne Durchmischung nur dem Wassertrog zugegeben. Wie sich dadurch die für eine Ettringitbildung notwendigen optimalen Konzentrationen einstellen sollen, ist nicht nachvollziehbar. Ein weiteres Problem ist, dass der gebildete Ettringit natürlich auch nach der Behandlung unter Wasser oder Luftabschluss karbonatisieren wird, wenn er nicht durch einen Sulfatüberschuss ausreichend stabilisiert wird. Damit wird die gesamte Vorbehandlung in Frage gestellt und wirkungslos.

In DE 198 27 540 A1 wird ein Verfahren zur Herstellung eines Abdeck- oder Profilierungsmaterials zur Abdeckung von Deponien oder Altlasten oder zur Herstellung von Monodeponien beschrieben, bei dem eine heizwertarme, aufbereitete und abgetrennte Fraktion aus Haus- und Gewerbeabfall mit hydraulisch reagierenden und zur Ettringitbildung befähigten Aschen sowie Wasser in einem bestimmten Mischungsverhältnis miteinander vermischt werden. Es wird eine hydraulisch reagierende und zur Ettringitbildung befähigte BFA aus kalorischen Kraftwerken des mitteldeutschen Raumes für die Mischung verwendet. Aus umfangreichen bekannten Versuchen ist bekannt, dass diese BFA in Abhängigkeit von der Bekohlung erheblichen Schwankungen bei der chemischen Zusammensetzung und damit der Reaktionsfähigkeit unterworfen sind. Da sich die Stöchimetrie der Lösungsphase aber ständig ändert und gemäß dem Verfahren nicht korrigiert werden kann, ist eine stabile Umsetzung gemäß den Ansprüchen nicht gewährleistet.

Letztlich ist aus DE-PS 196 07 081 C2 ein Verfahren zum Immobilisieren von einem oder mehreren Schadstoffen, mit dem oder mit denen ein Material (insbesondere Bauschutt oder Bodenmaterial) kontaminiert ist, bekannt, wobei das kontaminierte Material mit in Wasser kolloiddispers vorliegendem Aluminiumhydroxid und latent hydraulischem Bindemittel zu einem einen pH-Wert von 6 bis 13 aufweisenden Gemenge vermischt werden. Zum Einsatz kommen Elektrofilteraschen, denen hohe Mengen von Chlorid zugegeben werden. Als einzumischende Schadstoffe werden nahezu alle bekannten Stoffe benannt. Die Löslichkeit der Phasenbildner der Gemischbestandteile wird nicht untersucht. Die Zugabe des Aluminiumhydroxides in Mengen von 50 bis 500 Mol% vorzugsweise 200 Mol% der Summe der zuzugebenden Schadstoffe soll erreichen, dass insbesondere Kalziumaluminathydrate mit plättchenförmigen Habitus gebildet werden, die in der Lage sind, die Schadstoffe adsorptiv bzw. christallchemisch zu binden. Die zusätzliche Bildung von Kalziumaluminattrisulfathydraten vom Ettringittyp wird zwar billigend in Kauf genommen, Verfahrensschritte zur bevorzugten Bildung dieser Phasen werden jedoch nicht angegeben. Da der Nachweis einer kristallchemische Einbindung von Schwermetallen in Kalziumaluminathydratphasen bisher nicht gelungen ist, konnte eine praktische Umsetzung des Verfahrens für eine dauerhafte Immmobilisierung schwermetallhaltiger Schadstoffe auf der Grundlage der umweltrechtlichen Anforderungen nicht realisiert werden.

Eine dauerhafte Einbindung von Schadstoffen ist nur dann gegeben, wenn 3 Mechanismen zusammenwirken:

  • 1. Einbindung von Schadstoffe aufbauende Kationen oder Anionen in die Kristallstruktur von sogenannten Speichermineralen.
  • 2. Einbindung der Schadstoffe in den Gelporenraum einer Feststoffmatrix. Hierzu müssen die Schadstoffe nicht zwingend gelöst werden, es muss sich jedoch eine Matrix entwickeln, deren Poren nicht eluierbar sind.
  • 3. Dauerhafte Stabilisierung einer Feststoffmatrix durch Dichtigkeitserhöhung, um die spezifische Oberfläche und damit die Durchströmbarkeit (Permeabilität) zu verringern.

Bei der Vielzahl der einzubindenden Materialien und in den weiten pH-Wert-Bereichen der DE 196 07 081 C2 liegt der Schwerpunkt des Mechanismus dieses Schutzrechtes auf einer physikalischen Stabilisierung (Punkt 2 und 3). Es ist bekannt, dass Al-Hydroxid in einem pH-Werte-Bereich zwischen 5 und 10 nahezu unlöslich ist (siehe HENNING, KNÖFEL – Chemie im Bauwesen) und eine Bildung von entsprechenden Aluminaten nur in sehr, sehr geringen Mengen stattfinden kann. Da die Löslichkeit ein thermodynamischer Begriff ist und nicht von der Korngröße des Materials abhängt – hiervon hängt die Reaktionsgeschwindigkeit respektive Auflösungsgeschwindigkeit ab – spielt es keine Rolle, ob das Al-Hydroxid Teilchengrößen im Mikro- oder Nanometerbereich hat. Demnach ist Mechanismus 1 – wenn dieser überhaupt hier stattfindet – von untergeordneter Bedeutung, zumal bei der Konkretisierung ein pH-Werte-Bereich zwischen 5 und 9 angegeben wird.

Die gesteuerte Ettringitbildung wird bei Zement und Flugasche beschrieben und als untauglich dargestellt. Dies ist verständlich, da verfahrensgemäß einfach Zemente und Flugaschen hydratisieren und keine spezifischen Mischungen aus verschiedenen Komponenten – darunter der Schadstoffkomponente – unter Beachtung der stofflichen Besonderheiten stattfindet.

Letztendlich wird im o. a. Patent Zement oder Kalk als Bindemittelkomponente hinzu gegeben, um in einem weiteren Schritt einen Formkörper mit bestimmten Festigkeiten und Dauerbeständigkeiten herzustellen. Damit wird ein mehrstufiger Prozess durchgeführt, der langwierig und umständlich ist.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, auf der Grundlage von geeigneten Filteraschen einen Deponiebinder zu entwickeln der in der Lage ist, schwermetallhaltige Abfälle elutionssicher in eine hydratisierte Bindebaustoffmatrix eines Multibarrierenmodells dauerhaft und sicher einzubinden.

Dies wurde erfindungsgemäß durch den Inhalt der Patentansprüche 1 bis 5 gelöst, wobei

  • a) die jeweiligen Löslichkeiten bzw. Konzentrationen ci [g/l] der Phasenbildner CaO(cCaO), Al2O3 (cAl2O3) und SO4 (cSO4) für eine Ettringitbildung nach der Formel 3CaO + Al2O3 + 3CaSO4 + 32 H2O ⟹ Ettringit (C3A·3Cs·32H) an allen Ausgangsstoffen in wässriger Lösung im pH-Wertebereich von 11 bis 13 ermittelt
  • b) die Ergebnisse zur Berechnung der Stoffanteile im Hinblick auf eine bevorzugte Ettringitbildung so verwendet werden, das im Gemisch die Teilkonzentrationen ci [g/l] in folgendem Verhältnis stehen cCaO : cAl2O3 : cSO4 = 1 : 0,25–0,35 : 0,65–0,75
  • c) die ermittelten Anteile zu einem Gemisch mit einem Wasseranteil von 20 bis 40 M.-gemischt sowie als Schicht in einer Dicke von 150 bis 300 mm auf die vorhandene Deponieoberfläche aufgebracht, verdichtet und als eine sich selbst verfestigende Schicht mit hohen Anteilen eines feinkristallinen, siliciumhaltigen Ettringits ausgebildet wird.

Erfindungsgemäß wurde gefunden, dass die Bildung von Ettringit als einem Speichermineral zielgerichtet durch Mischungen verschiedener Ausgangsstoffe, darunter dem zu immobilisierenden Material, gesteuert werden kann, wenn die Randbedingungen nach Anspruch 1 beachtet werden. Dies geschieht in einem einstufigem Verfahren.

Als neuer Wirkungsmechanismus wurde gefunden, dass eine dauerhafte Schadstoffeinbindung nicht auf dem Ausfällen von Schwermetallhydroxiden im alkalischen Milieu beruht, sondern auf der Bildung von Speichermineralen vom Typ siliciumhaltiger Ettringit, möglicherweise auch von Zeolith. Für ersteren ist Sulfat notwendig, wobei das Sulfat keine Plätze im Ettringit besetzt, die von Schwermetallkationen eingenommen werden können. Hier spielt das Calcium, aber auch das Aluminium eine entscheidende Rolle. Es konnte erstmals nachgewiesen werden, dass erfindungsgemäß neben dem Aluminium auch Silicium als Austausch in das Ettringitgitter eingebaut werden kann. Dieser Gedanke ist zusätzlich dadurch von Bedeutung, da die Schwermetallionen 2-, 3- oder höherwertig sein können. Entsprechende Platzvariationen in der Ettringit- bzw. Speichermineralstruktur sind demnach vorhanden. Eine Einbindung von Schwermetallkationen in Kanäle im Ettringit ist bislang unbekannt.

Es wurde weiterhin gefunden, dass eine kristallchemische Einbindung ausschließlich über die Lösungsphase funktionieren kann. Genau diesem Punkt wird in der erfindungsgemäßen Lösung durch den Bezugspunkt zur gelösten Menge an Aluminium, Sulfat und CaO (Kalk) Rechnung getragen.

Ettringit kann karbonatiseren, sich in Monosulfat bei Sulfatmangel umwandeln oder sich auflösen. Erfindungsgemäß entscheidend ist ein entsprechendes Angebot an Sulfat. Auf diesen Punkt zielt die erfindungsgemäße Lösung ab, der Ettringit soll stabilisert werden, in dem die verfügbare Sulfatmenge über der für eine stöchiometrische Ettringitbildung notwendigen Menge liegt. Da in erfindungsgemäßen Proben nach über einem Jahr der Ettringit keine Anzeichen von Zerfall durch Karbonatisierung zeigte, ist davon auszugehen dass durch den Einbau von Silicium an Stelle des Aluminiums das Ettringitgitter in besonderer Weise stabilisiert wird. Die gleiche Wirkung haben offenbar auch die eingebauten Schwermetalle Chrom, Cadmium und Zink.

In der erfindungsgemäßen Lösung wird gesteuert Ettringit gebildet und durch einen Sulfatüberschuss stabilisiert. Zusätzlich bildet die gleiche Matrix, in der das Ettringit entstanden ist, ein sehr dichtes Gefüge, um die Umwelteinflüsse zu minimieren.

Der erfindungsgemäße Deponiebinder wird dabei vollständig aus Aschen und/oder Reststoffen und/oder Abprodukten hergestellt und kommt ohne Zementzugaben aus. Er setzt sich vorrangig aus einem Gemisch von Wasser, kalkreicher Asche(n) (bevorzugt aus Kraftwerken mit einer Entschwefelung nach dem Kalkstein-Additiv-Verfahren), aluminatreicher Asche und/oder einem Aluminatträger aus anderen Abprodukten sowie sulfatischen Anteilen (bevorzugt aus Kohlekraftwerks- bzw. Müllverbrennungsaschen) zusammen. Diese Anteile werden gemäß Anspruch 1 vermischt, wobei sich in überraschender Weise eine sehr feinkristalline, siliciumhaltige sowie eine hohe Mikroporenverteilung aufweisende Ettringitphase als Speichermineral herausbildet. Dabei werden die Schwermetalle vorwiegend kristallchemisch in das Ettringitgitter eingebaut, wodurch eine dauerhafte Immobilisierung erreicht wird.

Als besonderer erfinderischer Effekt hat sich herausgestellt, dass nach dem Einbau einer Schicht auf der Deponie, das mit diesem Binder hergestellten Immobilisat in der Lage ist, Schadstoffeinträge aus überdeckendem Deponiematerial aufzunehmen und kristallchemisch an Neubildungen des Ettringits bzw. adsorptiv an bestehenden Phasen zu binden.

Ein weiterer Vorteil dieses Deponiebaustoffes ist, dass sondermüllhaltige Abfälle durch die erfindungsgemäße Mischung in den Deponiebaustoff so sicher chemisch in das Kristallgitter eingebunden werden, dass dieses Gemisch auf einer Deponie der Klasse II verbracht werden kann.

Folgendes wird weiterhin erfindungsgemäß realisiert:

  • I. Einlagerung von Schadstoffbestandteilen (Ionen, Moleküle, Molekülgruppen) in die Kristallstruktur der sich bei der Hydratation bildenden Hydratphasen vom Ettringittyp, wobei zwischen einem diadochen Ersatz von Kristallbausteinen und der Fixierung auf Zwischengitterplätzen unterschieden werden muss.
  • II. Sorption von Schadstoffen an der sehr großen Oberfläche des sich ausbildenden Gelporenraumes der feinkristallinen AFt-Phasen. Bei Porengrößen < 10 nm wirkt das Porenwasser auf Grund der Adhäsionskräfte wie ein Dichtungsmittel und ist demzufolge nicht auslaugbar.
  • III. Fixierung von in Wasser unlöslichen Schadstoffen im Kapillarporenraum der Feststoffmatrix durch Ausbildung einer dichten Gefügestruktur, wobei die Schadstoffe sowohl durch den hohen pH-Wert der Porenlösung als auch durch die hohe Gefügedichtigkeit (geringer Durchlässigkeitsbeiwert k) dauerhaft immobilisiert werden.

Im Hinblick auf die Langzeitstabilität des Binders kommt den Mechanismen I. und II. eine besondere Rolle zu, da auch bei einer mechanischen Aufbereitung des Baustoffes die gebundenen Schwermetalle nicht ausgelaugt und damit erneut bioverfügbar werden können.

Im Hinblick auf einen Deponiebaustoff stellt der Mechanismus III. eine zusätzliche und nicht wie bei einer reinen Verfestigung die Hauptbarriere gegen eine Schadstoffauslaugung dar.

Aus Vorversuchen sowie den entwickelten Modellvorstellungen ging hervor, dass sich die Untersuchungen auf die Herstellung eines Binders konzentrieren müssen, bei dem als Hydratphase vorwiegend Ettringit sowohl im Hinblick auf die chemisch/adsorptive Bindung von Schadstoffen als auch bezüglich der Gebrauchseigenschaften als Deponiebaustoff wie Druckfestigkeit, Dichtigkeit und Raumbeständigkeit gebildet wird.

Für das Erreichen dieser Zielstellung waren zunächst die für eine Ettringitbildung geeigneten Aschen mit den entsprechenden Phasenbildnern – Calciumoxid, Aluminiumoxid und Sulfat – umfassend chemisch-mineralogisch zu charakterisieren. Um die Stöchiometrie der Lösungsphase für die Ettringitbildung einstellen zu können, wurde nach umfangreichen Versuchen gefunden, dass man die Löslichkeit der Phasenbildner im pH-Wertebereich 11 bis 13 aus den Einsatzstoffen ermitteln muss, um optimale Ausbeuten dieser für die Gefügeeigenschaften eines Deponiebaustoffes wichtigen Phase sicherzustellen.

Ausführungsbeispiele

Anhand von Ausführungsbeispielen soll nachfolgend die Erfindung näher erläutert werden.

Nach einer Vorauswahl wurden jeweils 2 verfügbare Braunkohlen (BFA)- bzw. Steinkohlenfilteraschen (SFA) hinsichtlich der zu erwartenden Löslichkeit der Phasenbildner untersucht.

Die Ergebnisse werden nachfolgend dargestellt:

In ihrer chemischen Zusammensetzung (Tab. 1) unterscheiden sich die Filteraschen sowohl hinsichtlich des eingesetzten Brennstoffes – Braun- oder Steinkohle – als auch in Bezug auf das eingesetzte Entschwefelungsverfahren – Kalksteinzugabe in den Brennstaub bzw. Kalkwäsche der Rauchgase.

Die Aschen 1 sowie 3 und 4 können einem silikat- und aluminatreichen, die Asche 2 einem kalkreichen Aschetyp im Hinblick auf die Bekohlung zugeordnet werden. Die zum Teil hohen Kalk- und Freikalkgehalte der Aschen 1 und 3 sind nicht kohlebedingt, sondern resultieren aus dem Kalksteinadditivverfahren zur Rauchgasentschwefelung.

Tab. 1: Chemische Zusammensetzung der Aschen (Angaben in Ma.-%)

Zur Bestimmung der in Wasser löslichen Anteile von Al2O3, SiO2 sowie des pH-Wertes wurden Mischungen mit 1 g Asche und 100 ml destilliertes Wasser hergestellt. Nach dem Anmachen stellen sich in der Lösungsphase bereits nach 1 bis 2 min pH-Werte von > 12,5 ein. Die Löslichkeit von Al2O3 bzw. SiO2 ist unterschiedlich ausgeprägt und korrespondiert nicht unmittelbar mit der chemischen Zusammensetzung (Tab. 2).

Tab. 2: Löslichkeit von SiO2 und Al2O3 in wässriger Lösung

Im Hinblick auf die Möglichkeiten einer Ettringitbildung aus der Lösungsphase erfolgte eine strukturchemischen Charakterisierung des gelösten Aluminiums mittels 27 Al-NMR-Spektroskopie. In die entsprechenden Diagramme ist zum Vergleich das Spektrum einer Aluminat-Probe aufgetragen (127 Al-NMR-Spektroskopie der Lösungsphase). Die x-Achse gibt die chemische Verschiebung, die Informationen zur Koordination der um das Aluminium angeordneten Liganden enthält, an. Die y-Achse kann als relative Intensitäten, somit als Gehalte der einzelnen Koordinationspolyeder interpretiert werden.

Wichtig für die Bildungsbedingungen des Ettringits ist, dass in den alkalischen Aschelösungen kein freies Aluminat, weder in 6-er Koordination, noch in 4-er-Koordination umgeben von Sauerstoff bzw. OH-Ionen vorliegt. Deutlich wird diese Aussage im Vergleich mit der Al-Probe. Der scharfe Peak bei dieser Probe stellt Aluminium, koordiniert mit 4 OH--Ionen, dar. Solche reinen Aluminatstrukturen (Al(OH)4- -Tetraeder) werden in den alkalischen Lösungen der Aschen nicht gebildet. Statt dessen zeigen die relativ breiten Peaks an, dass sich die AlO4-Tetraeder anstelle von Wasserstoff mit Silicium koordinieren. Es bilden sich in den Lösungen Al-O-Si-Bindungen heraus, wobei die Anzahl von Siliciumionen zwischen 1 und 2 schwanken kann. Somit liegen in der alkalischen Aschelösung erfindungsgemäße Lösungsverhältnisse vor, die einen erstmalig dauerhaften Einbau von Silicium in das Ettringitgitter ermöglichen.

Zur Ermittlung des quantitativen Mineralbestandes der Aschen kommt die Äquivalentnormmethode zur Anwendung, mit der aus der chemischen Analyse und der qualitativen Mineralanalyse eine tatsächliche Mineralzusammensetzung berechnet wird. Bei den untersuchten Aschen war von folgendem Mineralbestand auszugehen:

  • – Verbindungen des Calciums -Calciumsulfat (Anhydrit), Calciumaluminataluminatferrit (Brownmillerit), Calciumsilicatlalumosilicat (Gehlenit), Calciumoxid, Calciumaluminatsulfat (Yeelimit), teilweise Calciumcarbonat (Calcit)
  • – Verbindungen des Eisen und Magnesiums – Eisenoxide, Magnesiumoxide/-ferrit
  • – Quarz
  • – Glasphase – Aktivglas (Kalksilikatglas mit aluminatischen Anteilen – Melilithglas) Inertglas (aufgeschmolzene Tonminerale kaolinitischer Zusammensetzung)

Da eine eindeutige vollständige Charakterisierung aller Bestandteile von Aschen schwierig ist, wurde für die Zielstellung nach einer Optimierung der Ettringitausbeute erfindungsgemäß nachfolgende Herangehensweise gewählt:

  • 1. Ermittlung des Sulfatgehaltes und Abstimmung mit der röntgenographisch ermittelten Anhydritmenge in den untersuchten Aschen
  • 2. Bestimmung des Gesamt-CaO-Gehaltes und Zuordnung des Kalkes zu den entsprechenden kalkhaltigen Aluminaten, Silicaten und eventuell Aluminatsulfaten
  • 3. Röntgenographische Bestimmung des Freikalkes und Vergleich dieses Wertes mit dem im Ergebnis der Zuordnung des Kalkes nach Punkt 2 übrigbleibenden "Rest- CaO-Gehaltes"
  • 4. Zuordnung eines dann noch verbleibenden Restes an freiem CaO zu Aluminat und Silicat zur Ermittlung des Aktivglasanteils unter Berücksichtigung der Reaktivität (Anteil der Korngruppe < 0,035 mm)
  • 5. Berechnung des aluminatisch-silicatischer Inertglasanteils aus einer Differenzbildung zwischen den Gesamtaluminat- bzw. -silicatanteilen und den bisher zugeordneten Aluminat- und Silicatanteilen zum Kalk

Im Ergebnis dieser Beschreibung kann für die untersuchten Aschen eine Bilanz im Hinblick auf die Ettringitbildung aufgestellt werden. Dabei wird die ermittelte Menge an Aluminat der jeweiligen Asche als Basis genommen und darauf die vorhandenen/benötigten Mengen an Sulfat und Kalk bezogen (Tab. 3).

Tab. 3: Ettringitbilanz der untersuchten Aschen
Legende:
gl
– glasige Struktur
kr
– kristalline Struktur

Die Aschen 1 und 2 sind aus chemisch-mineralogischer und aus granulometrischer Sicht (Anteil < 0,035 mm) als Ettringitbildner geeignet. Darüber hinaus sind jedoch Mischungen zwischen den Aschen sinnvoll und notwendig, wodurch die Ettringitbilanz von sich aus oder durch geeignete Zugaben an Sulfat (Halbhydrat) und Aluminat (amorphes Aluminiumhydroxid) ausgeglichen werden.

Auf dieser Grundlage wurden verschiedene Mischungen mit einem Wasser/Binder-Wert von 0,5 hergestellt und nach 14 d die Hydratationsprodukte röntgenographisch und unter dem Rasterelektronenmikroskop auf den Phasenbestand und die Struktur untersucht.

Exemplarisch werden nachfolgend die Ergebnisse der Binderserie 5 vorgestellt, die als Grundlage für weiterführende erfindungsgemäße Untersuchungen zur Schwermetalleinbindung diente.

Tab. 4: Zusammensetzung der Binderserie 5 (Anteile in Ma.-%)

Der mineralische Phasenbestand der hydratisierten Proben mit zunehmendem Sulfatgehalt zeigt die 2 – Ettringitbildung in Abhängigkeit von der Sulfatzugabe.

Die Ettringitmenge durchläuft in Abhängigkeit von der zugegebenen Sulfatmenge einen Maximalwert von 28 Ma.-%, der sich bei ca. 3 Ma.-% Sulfat einstellt. In einem Zugabebereich des Sulfats bis zu 7,5 Ma.-% bleibt die gebildete Gipsmenge mit 5 bis 7 Ma.-% relativ gering. Anhydrit und Restkalk werden weitgehend verbraucht.

Als Wasserzugabe ist ein Menge von 20 bis 40 M.-% notwendig.

Die röntgenographisch ermittelten Ergebnisse werden durch rasterelektronische Untersuchungen bestätigt. Die in 3 (REM-Aufnahme feinkristalliner Ettringitstrukturen auf der Oberfläche der Aschepartikel) sichtbaren erfindungsgemäßen Strukturen lassen sich wie folgt beschreiben:

  • – Bildung fasriger, feinkristalliner Ettringitstrukturen auf den Aschepartikeln
  • – Neben Ettringit wird Gips in größer ausgebildeten Kristallen vorgefunden
  • – Andere Mineralaggregate können nicht eindeutig identifiziert werden

Bei durchgeführten EDX-Analysen an den Ettringitkristallen wurden neben der typischen Zusammensetzung S, Al, Ca, O in überraschender Weise auch beträchtliche Anteile an Silicium gefunden.

Aufgrund der Mikro- bis Nanokristallinität dieser Probenbereiche erfolgte die Untersuchung der Oberfläche und Porenverteilung der Bindermatrix mittels Gasadsorbtion. Für den Binder 5.1 ergaben sich BET-Oberflächen von ca. 30 m2/g bei einer Mikroporenradienverteilung zwischen 1 und 5 nm und einem mittleren Porenradius von 2, 7 nm.

Die Binder sind nach Wasserlagerung raumbeständig. Nach DIN EN 196 bzw. DIN 18127 hergestellte Mörtelprüfkörper erreichen mittlere Druckfestigkeiten nach 28 d von > 10 N/mm2 sowie Durchlässigkeitsbeiwerte nach Darcy von > 8·10-8 m/s. Damit werden die Anforderungen an Deponiebaustoffe auch im Hinblick auf die Forderungen an die Stabilität von Immobilisaten erfüllt.

Untersuchungen zur Schadstoffimmobilisierung

Die Untersuchungen erfolgten an Pasten und Mörteln des Binders 5.1 im Hinblick auf den Einsatz als Deponiebaustoff/-binder. Den Mischungen wurden lösliche Schwermetalle mit dem Anmachwasser in folgenden Konzentrationen zugegeben: – 187 mg/l K2CrO4 entspricht 50 mg Chrom/l
– 78 mg/l ZnCl2 entspricht 37,5 mg Zink/l – 59 mg/l Cd-azetat entspricht 25 mg Cadmium/l

Bei der Schwermetallauswahl und -konzentration wurde ermittelt, dass die kristallchemische Einbindung in der Reihenfolge Chrom, Zink, Cadmium abnimmt.

Aus DCA-Untersuchungen geht hervor, dass der Hydratationsverlauf und die Hydratationswärme bei abgeschlossener Reaktion bzw. der Reaktionsumsatz in Form der Ettringitbildung durch die Schwermetalleinbindung nicht signifikant beeinflusst wird. Der erfindungsgemäße kristallchemische Einbau der Schwermetalle nach Mechanismus I. konnte mittels EDX an Ettringitkristalliten nachgewiesen werden.

Wie bindebaustofftechnische Untersuchungen ergaben, wird auch die Druckfestigkeit und Raumbeständigkeit durch die Schwermetalle nicht wesentlich beeinflusst.

Die Elutionsversuche erfolgten mittels modifiziertem DEV-S4- bzw. Trogverfahren. Dabei werden nach DEV-S4 die Probkörper auf eine Korngröße < 10 mm gebrochen. Beim Trogverfahren werden Würfel mit einer Kantenlänge von 100 mm eluiert. Die Schwermetallgehalte in den Eluaten wurden mittels AAS (Atom-Adsorptions-Spektroskopie) bestimmt (Tab. 5).

Tab. 5: Ergebnisse von Elutionsversuchen am Binder 5.1

Im Ergebnis werden Cadmium und Zink vollständig durch den Binder immobilisiert, wobei die Gehalte in den Eluaten den O-Proben entsprechen und im Bereich der Bestimmungsgrenze der ASS (alle angegebenen Werte mit < kennzeichnen die Bestimmungsgrenze der AAS, d. h. kleinere Werte können nicht voneinander unterschieden bzw. messtechnisch aufgelöst werden) liegen. Beim Chrom werden Immobilisierungsraten von 96% nach DEV-S4 bzw. 99,5% nach Trogverfahren erreicht, was im Hinblick auf die Ausgangskonzentration sehr positiv zu bewerten ist.

Diese Ergebnisse bildeten die Grundlage für Untersuchungen zur Immobilisierung von schwermetallhaltigen Stoffen aus der Pyrolyse oder Verbrennung von Abfällen. Tab. 6 zeigt exemplarisch die Ergebnisse für einen Rußkuchen (RK) und eine Müllverbrennungsasche (MVA) bei einem Mischungsverhältnis Binder/Abfall von 3:1.

Tab. 6: Immobilisierung von Abfällen (Eluate nach DEV-S4)

Dabei konnten die löslichen Schwermetallgehalte vollständig immobilisiert und damit die Zuordnungskennwerte für die Deponieklassen I und II unterschritten werden. Bei höheren Zumischungen (MV 1: 1) ergeben sich u. U. Probleme hinsichtlich der Ettringitbildung und Raumbeständigkeit des Binders infolge von Chloridgehalten der MVA von >20000 mg/l. Wie laufende erfindungsgemäße Untersuchungen zeigen, lassen sich diese Probleme durch eine wesentliche Steigerung des Aluminatangebots in der Lösungsphase beherrschen. Dabei wird das Chlorid als Friedelsches Salz (3 CaO·Al2O3·CaCl2·10 H2O) gebunden.

Erfindungsgemäß wurde gefunden, dass eine Immobilisierung löslicher Schwermetallverbindungen aus Abfällen durch eine chemisch/adsorptive Bindung an Ettringitphasen möglich und auslaugsicher durchführbar ist. Die nachgewiesenen erfindungsgemäßen Mechanismen eines Multibarriere-Modells gewährleisten eine langzeitstabile Schadstoffeinbindung.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Herstellung eines Deponiebinders zur Immobilisierung und Verfestigung schwermetallhaltiger Abfälle auf einer Deponie, wobei als Deponiebinder verschiedene Aschen aus mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraft- und/oder Heizwerken, Reststoffe und schadstoffhaltige Abprodukte verwendet werden, gekennzeichnet dadurch, dass

    a) die jeweiligen Löslichkeiten bzw. Konzentrationen ci [g/l] der Phasenbildner CaO (cCaO), Al2O3 (cAl2O3) und festes SO3 (cSO3) für eine Ettringitbildung nach der Formel 3CaO + Al2O3 + 3CaSO4 + 32 H2O ⟹ Ettringit (C3A·3Cs·32H) an allen Ausgangsstoffen in wässriger Lösung im pH-Wertebereich von 11 bis 13 ermittelt

    b) die Ergebnisse zur Berechnung der Stoffanteile im Hinblick auf eine bevorzugte Ettringitbildung so verwendet werden, das im Gemisch die Teilkonzentrationen ci [g/l] in folgendem Verhältnis stehen cCaO : cAl2O3 : cSO3 = 1 : 0,25–0,35 : 0,65–0,75 c) die ermittelten Anteile zu einem Gemisch mit einem Wasseranteil von 20 bis 40 M.-% gemischt sowie als Schicht in einer Dicke von 150 bis 300 mm auf die vorhandene Deponieoberfläche aufgebracht, verdichtet und als eine sich selbst verfestigende Schicht mit hohen Anteilen eines feinkristallinen, siliciumhaltigen Ettringits ausgebildet wird.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet dadurch, dass die trockenen Ausgangsstoffe vorgemischt und nach einer Wasserzugabe in Höhe von 20 bis 40 M.-% nachgemischt werden, bevor sie auf die Deponieoberfläche aufgebracht werden.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, gekennzeichnet dadurch, dass als Aschen kalkreiche Braunkohlefilteraschen (BFA) und/oder Steinkohlefilteraschen (SFA) aus Kalksteinadditivverfahren und/oder aluminatreiche BFA und/oder SFA mit reaktiver Glasphase und/oder sulfathaltige BFA und/oder SFA und/oder Filteraschen aus Müllverbrennungsanlagen mit hohem Chloridanteilen verwendet werden.
  4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, gekennzeichnet dadurch, dass als Reststoffe freikalkreiche Bestandteile aus der Zementindustrie, wie Bypass- oder Feinmehl, Tonerdeprodukte aus der keramischen, Glas- bzw. Aluminiumindustrie sowie Sulfat-Halbhydrat und/oder Anhydrit aus der Gipsindustrie verwendet werden.
  5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, gekennzeichnet dadurch, dass als Abprodukte trockene und/oder feuchte und/oder schlammartige Abfälle mit hohen Schadstoffgehalten, wie Sulfat und/oder Chloriden und/oder Schwermetallen verwendet werden.
Es folgen 2 Blatt Zeichnungen






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