TECHNISCHES GEBIET
Die Erfindung betrifft Aluminium-Siliziumgusslegierungen und insbesondere
eine Wärmebehandlung für solche Legierungen, um eine hohe Festigkeit bei hohen Temperaturen
bereitzustellen.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
Aluminiumgussteile werden in großer Zahl aus einer Vielzahl von Aluminiumlegierungen
gefertigt. Solche Gussteile finden Anwendung, wo relativ geringes Gewicht und eine
hohe Festigkeit gewünscht sind. Unter den Stoffklassen von Aluminiumgusslegierungen
gibt es eine Reihe von Aluminium-Siliziumlegierungen, die auch geringe Mengen an
Magnesium oder Magnesium und Kupfer als Legierungsbestandteile enthalten können.
Es ist seit langem bekannt, dass die Zugabe von Silizium zu Aluminium
die Fließfähigkeit solcher Schmelzlegierungen zum Gießen komplizierter Formen wesentlich
erhöht. Aluminium und Silizium bilden bei ungefähr 12 Gewichts-% Silizium eine eutektische
Mischung, und untereutektische Aluminium-Siliziumlegierungen, eutektische Legierungen
und übereutektische Aluminium-Siliziumlegierungen werden verwendet, um Gussteile
herzustellen. Beispielsweise wird in Sandformgussteilen häufig ein Siliziumgehalt
von ca. 5 bis 7 Gewichts-% verwendet. Für Kokillengussteile beträgt ein geeigneter
Siliziumanteil häufig 7 bis 9 Gewichts-%. Für Druckgussteile kann der Siliziumgehalt
ungefähr 8 bis 12 Gewichts-% betragen. Es gibt übereutektische Aluminium-Siliziumgusslegierungen,
in denen der Siliziumanteil 16 bis 20 Gewichts-% beträgt.
Magnesium oder Magnesium mit geringen Mengen an Kupfer und Nickel
werden als zusätzliche verstärkende Elemente in Aluminium-Siliziumgusslegierungen
verwendet. Bei Legierungen, die in geeigneter Weise wärmebehandelt sind, können
diese Elemente eine Vielzahl von verstärkenden Phasen wie z. B. Mg2Si,
CuMgAl2 und CuAl2 zusätzlich zum ubiquitären Silizium bilden.
Darüber hinaus werden komplexere intermetallische Teilchen gebildet, die verschiedene
Kombinationen aus Ni, Cu, Mg, Si und Fe enthalten.
Die metallurgische Mikrostruktur von Aluminium-Silizium-Gussteilen
umfasst normalerweise Dendriten von aluminiumreicher Zusammensetzung mit Siliziumteilchen
und abgeschiedenen Legierungsbestandteilen, die in den Dentritenarmen verteilt sind.
Somit eignet sich die Chemie von Aluminium-Siliziumlegierungen zum Härten oder Verstärken
durch Wärmebehandlung. Der Zweck solcher Verfahren besteht darin, die Härte des
Gussteiles für eine verbesserte Bearbeitbarkeit zu erhöhen. Ein zusätzlicher Zweck
besteht darin, seine Festigkeit zu erhöhen, oder mechanische Eigenschaften zu erzeugen,
die einem bestimmten Materialzustand zugehörig sind. Wärmebehandlungen werden auch
verwendet, um mechanische und physikalische Eigenschaften zu stabilisieren oder
Formbeständigkeit als eine Funktion der Zeit unter Einsatzbedingungen sicherzustellen.
Es gibt eine Reihe von Standard-Wärmebehandlungsverfahren und Bezeichnungen
der Aluminium Association zur industriellen Verwendung.
Unter den standardisierten Härtebezeichnungen, die für Gussteile anwendbare
sind, befinden sich:
- T4 – bei dem das Gussteil lösungsgeglüht, abgeschreckt und kalt ausgelagert
wird;
- T5 – bei dem das Gussteil durch Erwärmen über einige Stunden auf eine
geeignete Temperatur in der Größenordnung von 200° C beschleunigt gealtert wird;
und
- T6 – bei dem der Gussteil lösungsgeglüht, abgeschreckt und dann bei ungefähr
200° C beschleunigt gealtert wird.
Beim Lösungsglühen werden die Gussteile auf eine Temperatur erwärmt,
um die löslichen Bestandteile in der festen Aluminiummatrix zu lösen. Für eine typische
Aluminium-Silizium-Gusslegierung liegt ein geeignetes Lösungsglühen im Bereich von
ca. 500° C bis 540° C.
Wie angeführt, besteht der Zweck solcher Wärmebehandlungen in der
Erhöhung der Härte und Festigkeit von Aluminiumgussteilen oder anderen Werkstücken
bei hauptsächlich Raumtemperatur. Während jedoch Aluminiumlegierungen nicht speziell
als hochtemperaturbeständige Werkstoffe bekannt sind, werden einige solcher Legierungen
zur Herstellung von beispielsweise Kraftfahrzeugkolben und anderen Produkten, die
bei hohen Temperaturen von Nutzen sind, verwendet. Es ist daher sehr wünschenswert,
Gussteile aus einer Aluminiumlegierung mit verbesserter Zugfestigkeit bei hohen
Temperaturen, beispielsweise in der Größenordnung von 300° C, zu erzeugen.
Die US-A 4 336 076 offenbart ein Lösungsglühen von Gussteilen aus
Aluminiumlegierung mit einer Zusammensetzung gemäß der Erfindung, Abschrecken und
wieder Erwärmen auf 200 – 300° C, um die Formbeständigkeit der Gussteile
zu erhöhen.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
Die Erfindung stellt ein Wärmebehandlungsverfahren für Gussteile aus
der Stoffgruppe von Aluminium-Siliziumlegierungen der Art, die Silizium und andere
Legierungsbestandteile enthalten und für eine verbesserte Zugfestigkeit auf diese
Bestandteile vertrauen, bereit. Der Zweck der Erfindung besteht darin, eine erhöhte
Festigkeit, d. h., Zugfestigkeit, bei Gussteilen bereitzustellen, die für eine anhaltende
Beanspruchung bei hohen Temperaturen in der Größenordnung von 300° C vorgesehen
sind.
Dieses Ziel wird durch das Verfahren gemäß Anspruch 1 erreicht. Optionale
Merkmale sind in den abhängigen Ansprüchen dargelegt.
In den Vereinigten Staaten hat die Aluminium Association Aluminium-Silizium-Magnesium-Legierungen
als entweder die Legierungsstoffgruppe 1xx oder 3xx klassifiziert. Im Allgemeinen
ist die Umsetzung der Erfindung auf Gussteile aus diesen Legierungen anwendbar.
Insbesondere ist die Erfindung auf Legierungen auf Aluminiumbasis anwendbar, die
als wesentliche Bestandteile, in Gewichtsanteilen, ungefähr 4 bis 20 % Silizium,
ungefähr 0,1 bis 2 % Magnesium, und Aluminium enthalten. Diese Gusslegierungen enthalten
auch häufig kleine Mengen von einem oder mehreren aus der Gruppe Kupfer (z. B. 1
– 4 %), Eisen (z. B. 0,2 – 2 %), Nickel (z. B. 0,2 – 3 %), Mangan
(z. B. 0,2 – 0,6 %), Titan (z. B. 0,1 – 0,3 %) oder dergleichen als
Härteträger.
Gussteile aus Aluminium werden durch eine Vielzahl von Verfahren,
die Sandformguss, Kokillenguss, Squeeze-Giessen, Druckguss und dergleichen umfassen,
hergestellt. Gemäß der Erfindung wird/werden das/die Gussteil/e aus seiner/ihrer
Form oder Hohlform entfernt. In Abhängigkeit von dem Fertigungsverlauf kann das
Gussteil luftgekühlt und vorübergehend gelagert werden, oder es kann, während es
noch warm ist, von der Gießlinie zu einem geeigneten Wärmebehandlungsofen für die
folgende Verarbeitung befördert werden.
Das Gussmaterial besitzt eine Mikrostruktur, die aluminiumreiche Dendriten
mit Siliziumphasen, und abgeschiedene intermetallische Teilchen sowie andere Härteträger,
die unter den Dentritenarmen fein verteilt sind, enthält. Die Größe und Verteilung
der Teilchen sind eine Folge des thermischen Verlaufes des Gussverfahrens und folglich
besitzt das Gussteil keine optimale Festigkeit bei hohen Temperaturen. Demgemäß
werden die Gussteile auf eine Temperatur im Bereich von z. B. 500° C bis 540°
C erwärmt, um Magnesium und weitere Legierungselemente aus den intermetallischen
Abscheidungen zu lösen oder freizusetzen und einen erhöhten Anteil solcher Elemente
in fester Lösung über das gesamte Innere der Aluminiumdendriten neu zu verteilen.
In Abhängigkeit von Faktoren wie die Größe des Gussteils und die Ofenbeschickung
kann dieser Schritt des Lösens wenige Minuten bis zu einige Stunden erfordern.
Die Gussteile werden dann rasch auf eine Temperatur im Bereich von
ca. 350° C bis 450° C für eine Zeitdauer von einigen Minuten bis zu einigen
Stunden abgekühlt. Das Abkühlen kann durch Überführen der Gussteile in einen niedrigeren
Temperaturbereich eines Ofens, oder, beispielsweise, durch Abschrecken in einem
Salzbad, das auf einer gewünschten Temperatur gehalten wird, erfolgen. Diese Zeitdauer
des Haltens auf niedrigerer Temperatur, die unmittelbar dem Schritt des Lösens folgt,
erzeugt über die gesamte dendritische Matrix eine Fülle von nur solchen Härterteilchen,
die bei dieser hohen Temperatur stabil sind. Es ist diese neue und verbesserte Verteilung
von thermisch stabilen Teilchen, die letztlich den Gussteilen Festigkeit bei hohen
Temperaturen verleiht.
Nach dem kurzen Halten bei 350° C bis 450° C werden die Gussteile
auf Umgebungstemperatur luftgekühlt. Die Gussteile können dann einem herkömmlichen
beschleunigten Alterungsverfahren wie einem T5-Temperverfahren unterzogen werden,
dies ist aber für die Erfindung nicht notwendig.
Nach dem längeren Ausgesetztsein gegenüber dieser Temperatur weisen
die resultierenden Gussteile eine gute Zugfestigkeit bei 300° C auf. Zum Beispiel
wurde eine Gruppe von Aluminium-Silizium faserverstärkten AA339-Verbund-Gussteilen
hergestellt. Die Gussteile wurden wie vorstehend beschrieben verarbeitet, für 300
Stunden bei 300° C gehalten und dann einer Zugfestigkeitsprüfung bei 300°
C unterzogen. Sie zeigten Zugfestigkeiten von 127 MPa.
Weitere Ziele und Vorteile der Erfindung werden aus einer detaillierten
Beschreibung einer bevorzugten Ausführungsform deutlich, die unten stehend folgt.
In dieser Beschreibung wird auf die Zeichnung Bezug genommen, die im nächsten Abschnitt
beschriebenen wird.
KURZBESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
Die Fig. ist ein Diagramm Zugfestigkeit bei 300° C versus Abschreckbadtemperatur
für AA339-Verbund-Gussteile, die bei Temperaturen gemäß dieser Erfindung wie auch
bei Vergleichstemperaturen verarbeitet wurden.
BESCHREIBUNG DER BEVORZUGTEN AUSFÜHRUNGSFORM
Die Anwendung der Erfindung wird in Verbindung mit der Herstellung
von Gussteilen aus einer Aluminiumlegierung 339 veranschaulicht. AA339 ist eine
Legierung, die im Allgemeinen in Kokillenguss- oder Squeeze-Gussverfahren zur Herstellung
von Komponenten wie Kraftfahrzeugkolben und dergleichen verwendet wird. Die Spezifikation
für AA339 lautet 11,0 bis 13,0 Gewichts-% Silizium, 0,5 Gewichts-%
Eisen, 1,5 bis 3,0 Gewichts-% Kupfer, 0,5 Gewichts-% Mangan, 0,5 bis 1,5 Gewichts-%
Magnesium, 0,5 bis 1,5 Gewichts-% Nickel, 0,25 Gewichts-% Titan, und der Rest im
Wesentlichen Aluminium. Dies ist eine eutektische Aluminium-Siliziumlegierung. Während
hauptsächlich Silizium und Magnesium zur Härte und Festigkeit der Legierung beitragen,
tragen die weiteren Legierungsbestandteile wie z. B. Kupfer und Nickel auch zu wünschenswerten
physikalischen Eigenschaften der Gussteile bei.
Es wurde ein Verbund-Gussteil hergestellt, der 15 Volumen-% SaffilTM-Fasern
(aus 96 % Aluminium und 4 % Silizium) enthielt, so dass der resultierende Körper
ein SaffilTM-339-Aluminium-Legierungs-Verbund war. (Das Verfahren der
Erfindung ist in gleicher Weise auf eine nicht verstärkte Legierung anwendbar, da
die Wärmebehandlung nur die Mikrostruktur der Legierung beeinflusste). Die Gussteile
wiesen die Form von Zylindern auf und wurden aus der Form ausgeworfen und auf Raumtemperatur
abgekühlt.
Eine Überprüfung der Gussteile zeigte eine Mikrostruktur von Aluminiumdendriten
mit eingestreuten Abscheidungen, die Silizium und intermetallische Verbindungen
aus Legierungsbestandteilen mit Silizium und Aluminium umfassten. Die Zug- und Ermüdungsfestigkeit
von Aluminiumgusslegierungen wird im Wesentlichen durch die Konzentration und das
Wesen dieser Abscheidungen in den Aluminiumdendriten gesteuert. Es ist der Zweck
der Erfindung, vorzugsweise jene temperaturbeständigen Abscheidungen zu erzeugen,
die für die Festigkeit eines Gussteiles bei hohen Temperaturen notwendige sind.
Die vorstehend beschriebenen Verbund-Gussteile wurden für drei Stunden
auf ungefähr 510° C erwärmt (geeigneter Weise auf eine Temperatur im Bereich
von ungefähr 500° C bis 540° C), die ausreichte, um Legierungselemente aus
den abgeschiedenen intermetallischen Teilchen freizusetzen und zu lösen. Dieses
Lösungsglühen verteilt die Legierungselemente aus den Positionen, wo sie während
der Verfestigung der Gusslegierung abgeschieden wurden, neu an Positionen über die
gesamten dendritischen Mikrostrukturen. Verschiedene Gussteile wurden dann abgeschreckt
oder auf andere Weise rasch von einer Temperatur von ungefähr 510° C auf mehrere
Haltetemperaturen abgekühlt. Die Abschreck- bzw. Haltetemperaturen betrugen 25°
C, 250° C, 300° C, 350° C, 400° C, 450° C und 500° C. Ein
Abschrecken in Wasser wurde verwendet, um jene Gussteile, die rasch auf Raumtemperatur
abgekühlt wurden, abzuschrecken. Ein Salzschmelzenbad bei gesteuerten Temperaturen
wurde verwendet, um die weiteren Probestücke abzuschrecken. Die Probestücke wurden
für eine Zeitdauer von ungefähr 5 Minuten auf diesen jeweiligen Temperaturen gehalten,
und dann aus ihrem Abschreckbad genommen und auf Raumtemperatur luftgekühlt.
Der Zweck des Lösungsglühens der Gussteile bei 510° C und ihres
nachfolgenden Abschreckens auf mittlere Temperaturen bestand darin, einen optimalen
Zustand zu finden, in dem die verstärkenden Elemente aus ihren Positionen in dem
ursprünglichen Gussteil neu verteilt wurden, um sie über die Gussmikrostruktur auszubreiten
und darin vorzugsweise die Abscheidungen zu bilden, die bei hohen Temperaturen stabil
sind.
Nach dem Abkühlen der Gussteile auf Umgebungstemperatur und ihrer
Reinigung wurden sie einem Standard-T5-Temperverfahren unterzogen, d. h., neuerlich
auf 210° C für eine Zeitdauer von acht Stunden erwärmt und danach auf Raumtemperatur
luftgekühlt. Dieses Tempern stellte die Stabilität des Gussteiles während der Lagerung
bei Raumtemperatur vor der Prüfung sicher und ist der gegenständlichen Wärmebehandlung
nicht inhärent.
Um die Zugfestigkeit bei hohen Temperaturen über längere Zeit von
derart verarbeiteten Gussteilen zu bewerten, wurden sie vor einer Zugfestigkeitsprüfung
für 300 Stunden bei einer Temperatur von 300° C gehalten. Die Fig. der Zeichnung
zeigt die Zugfestigkeit von Gussteilen, die auf Umgebungstemperatur abgeschreckt
wurden und bei Temperaturen von 200° C bis 500° C in Schritten von 50 Grad.
Es ist ersichtlich, dass die optimale Zugfestigkeit nach 300 Stunden bei 300°
C in den Verbund-Gussteilen erreicht wurde, die auf Temperaturen von 350° C,
400° C und 450° C abgeschreckt und bei diesen gehalten wurden. Die Zugfestigkeit
dieser Materialien lag im Bereich von ungefähr 125 bis 130 MPa.
Das vorstehende Verfahren wurde an einem Guss-Probestück wiederholt,
das bei 510° C für 10 Minuten (anstatt drei Stunden) lösungsgeglüht wurde, gefolgt
von einem 400° C Abschreckbad. Nach dem Abkühlen auf Raumtemperatur und dem
beschleunigten Alterungsverfahren wies das Probestück, nachdem es 300° C ausgesetzt
war, eine Zugfestigkeit von 137 MPa auf.
Während das Verfahren der Erfindung unter Bezugnahme auf einen Aluminiumlegierung
339-SaffilTM-Verbund dargelegt wurde, ist die Erfindung auf Legierungen
auf Aluminiumbasis, die von 4 % bis 20 % Silizium, von 0,1 % bis 2 % Magnesium und
als Rest Aluminium enthalten, anwendbar. Weitere Legierungsbestandteile zum Härten
können in geeigneten, normalerweise relativ geringen Mengen vorhanden sein.