| Dokumentenidentifikation |
DE10051733B4 04.08.2005 |
| Titel |
Verfahren zur gestuften Verbrennung von Brennstoffen |
| Anmelder |
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V., 80686 München, DE |
| Erfinder |
Wolf, Christian, 45476 Mülheim, DE; Keldenich, Kai, Dr., 45134 Essen, DE |
| Vertreter |
Leonhard Olgemöller Fricke, 80331 München |
| DE-Anmeldedatum |
18.10.2000 |
| DE-Aktenzeichen |
10051733 |
| Offenlegungstag |
16.05.2002 |
| Veröffentlichungstag der Patenterteilung |
04.08.2005 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
04.08.2005 |
| IPC-Hauptklasse |
F23B 5/04
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| Beschreibung[de] |
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Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verbrennung fester
Brennstoffe mit den Merkmalen des Anspruchs 1. Hierbei wird ein fester Brennstoff
mit oftmals heterogenen Eigenschaften, vorzugsweise Abfall oder Biomase, unter Bedingungen
verbrannt die das Entstehen von Stickoxiden verringern bzw. unterdrücken.
Stickoxide sind in der Umwelt und insbesondere nach Verbrennungsprozessen
ein nicht erwünschtes Produkt. Daher wird üblicherweise ein erheblicher verfahrenstechnischer
Aufwand betrieben, um die prozeßintern entstandenen Stickoxide durch eine aufwendige
Rauchgasnachbehandlung zu verhindern.
Bei der Verbrennung von festen Brennstoffen, insbesondere Abfall oder
Biomasse, wird Sauerstoff im Übermaß benötigt, um die entsprechenden Verbrennungsreaktionen
herbeizuführen. Im Kontaktbereich zwischen gasförmigem Sauerstoff und dem festen
Brennstoff wird üblicherweise eine (über-)stöchiometrische Atmosphäre eingestellt,
um den Ausbrand der festen Brennstoffe sicher zu stellen. Durch die angewandte (über-)stöchiometrische
Betriebsweise wird oftmals bewirkt, daß teilweise Vorläufersubstanzen von Stickoxiden
(HCN, Amine, Oxycyane), die aus dem Brennstoff in der Entgasungs- und Pyrolysezone
entstehen, im Nahbereich der Brennkammer zu unerwünschten Stickoxiden (Brennstoff-NOx)
aufoxidiert werden. Trotz dieser Verfahrensweise entstehen partiell Zonen mit großem
und schnellem Brennstoffumsatz, in denen ein unter- bzw. nahstöchiometrisches Gemisch
auftritt. Dort entstehen besonders heiße Zonen, die die Bildung von thermischen
oder prompten Stickoxiden begünstigen.
Um die Entstehung von Brennstoff-NOx zu vermindern, wurde –
vor allem für flüssige, gasförmige und staubförmige Brennstoffe – die Methodik
der gestuften Verbrennung eingeführt. Dabei wird durch Luftstufung bzw. gezielte
Luftverteilung zwischen Primär-, Sekundär- und evtl. Tertiärluft erreicht, daß in
einem ersten Verbrennungsabschnitt durch unterstöchiometrische Betriebsweise die
Vorläufersubstanzen von Brennstoff-NOx zu N2 reduziert werden (vgl. z.B.
US-Patent 5,626,085 oder US-Patent 4,704,084). Gegebenenfalls kann noch vorhandenes
NOx auch mit Ammoniak selektiv reduziert werden, siehe DE
37 12 039 C2. Der Reaktionsablauf ist dabei sehr vielschichtig und nicht
vollständig geklärt.
Durch die in diesem Bereich ebenfalls vorhandene unverbrannte Substanz
CO (Produkt der unvollständigen Verbrennung) kann zudem NO zu N2 reduziert
werden (vereinfacht: 2 CO + 2 NO → 2 CO2 + N2) Dabei
ist aber darauf zu achten, dass die reagierenden Prozessgase innig vermischt werden,
um die Reaktion zu ermöglichen.
Bei der Verbrennung von festen Brennstoffen, insbesondere Abfall,
ist dieses Verfahren bisher nicht erfolgreich einsetzbar, da die Nachverbrennung
der unverbrannten Bestandteile (z.B. CO, CxHy) erfahrungsgemäß
große Schwierigkeiten mit sich bringt. Große Mengen an Unverbranntem werden nicht
zur Reaktion gebracht, da zumeist nur eine unzureichende Vermischung mit Sauerstoff
geschieht, die Temperatur z.B. durch die Eindüsung von Sekundärluft deutlich abgesenkt
wird und somit die Reaktionsgeschwindigkeit zum schnellen Abbau nicht mehr ausreicht.
Eine unterstöchiometrische Verbrennung nutzt auch die US
3,832,122. Die dabei entstehenden Gase, vor allem Kohlenmonoxid und NOx,
werden durch ein gasdispergierendes Bett geleitet, in das poröse, Sauerstoffgas
führende Rohre eingelassen sind. Das Bett kann einen Katalysator enthalten, beispielsweise
aus Eisen, Nickel, Chrom, Kupfer oder Platin, der in Form von Metallstreifen vorliegt
oder durch Aufsprühen oder Metallisieren auf die Oberfläche des Bettmaterials aufgebracht
wurde.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren für feste
Brennstoffe bereitzustellen, bei dem die Bildung von Stickoxiden. weitgehend vermieden
oder zumindest reduziert wird.
Diese Aufgabe wird durch die Bereitstellung eines Verfahrens mit den
Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
Die Erfindung sieht vor, daß einerseits die bisher für flüssige und
andere homogene Brennstoffe eingesetzte, gestufte Verbrennung auch für heterogene
Brennstoffe wie Abfall oder Biomasse eingesetzt wird, welche zusätzlich zu der Problematik,
die durch die Inhomogenität vorgegeben ist, häufig sehr stark mit stickstoffhaltigen
Substanzen belastet sind. Dadurch soll die Entstehung von Stickoxid weitgehend vermieden
oder völlig unterdrückt werden. Weiterhin soll durch die Zugabe eines geeigneten
Katalysators in einen Bereich der Verbrennungsanlage, der in Strömungsrichtung gesehen
nicht vor dem Bereich der Verbrennung mit überstöchiometrisch vorhandenem Sauerstoff
liegt, erreicht werden, daß einerseits die vorgesehene Luftmenge für die überstöchiometrische
Verbrennung von einer ggf. erfolgenden Impulszugabe in der Brennkammer unabhängig
ist und andererseits trotzdem genügend Sauerstoff zum Ausbrand der noch unverbrannten
Substanzen vorliegt. Der Katalsysator ist dabei in der Lage, nicht-gasförmigen
Überschuß-Sauerstoff in Kontaktreaktionen an gasförmige Substanzen abzugeben und
sich anschließend auch wieder zu regenerieren.
Durch die Stufung der Luftzugabe wird zunächst erreicht, daß sich
im Bereich der Brennkammer der Feststoff nah- bis deutlich unterstöchiometrisch
umsetzt (kontrollierte Vergasung durch nah- bzw. unterstöchiometrische Luftzugabe
im Primärluftbereich). Dabei wird die Bildung von unkontrollierten Temperaturspitzen
im Bereich der Brennkammer unterdrückt. Verfahrensbedingt entstehen dabei größere
Mengen an unverbrannten Substanzen (z.B. CO, CxHy, Aromaten
usw.). Die Vorläufersubstanzen (z.B. HCN, Amine) der Stickoxide zählen ebenfalls
zu diesen Substanzen. Bereits entstandenes NO kann in diesem Bereich bei Kontakt
mit CO zu CO2 und N2 abreagieren, da die Sauerstoffaffinität
des Kohlenstoffs größer ist als die des Stickstoffs.
Im nachfolgenden Bereich (dem Übergang der Brennkammer, in der die
festen Bestandteile des Brennstoffs brennen, zum sogenannten Feuerraum oder Freibord,
in dem vor allem Gase brennen, und ggf. zusätzlich an einer in Rauchgasströmungsrichtung
nachfolgenden Stelle) erfolgt eine Einspeisung von weiterer Verbrennungsluft (Sekundär-
und evtl. Tertiärluft), um die unverbrannten Substanzen nachzuverbrennen. Hierdurch
wird eine überstöchiometrische Atmosphäre geschaffen. Die restlichen unverbrannten
Substanzen werden weitgehend abreagiert. Eine deutliche Reduktion der Entstehung
von thermischem und promptem NOx ist die Folge der gestuften Betriebsweise.
Um diese Prozesse zu intensivieren bzw. zu optimieren, werden dem
Rauchgas zusätzlich Anteile eines als Feststoff vorliegenden Katalysators hinzugefügt,
der vorzugsweise feinteilig ist und/oder eine hohe Oberfläche aufweist. Geeignet
sind z.B. ferro-oxidische Katalysatoren, z.B. feindisperses Eisenoxid. Die Zugabe
kann zusammen mit der Sekundärluft und/oder ggf. zusätzlich eingedüster Tertiärluft
erfolgen. Alternativ kann der Katalysator auch auf anderen Wegen, z.B. mit rezirkuliertem
Rauchgas oder mit Dampf, eingeblasen werden. Eine Eindüsung in einen anderen, in
Strömungsrichtung weiter hinten liegenden Bereich des Feuerraums bzw. des Kessels
bei einer niedrigeren Temperatur ist ebenfalls möglich. Der Fachmann wird die geeignete
Variante ohne weiteres unter Berücksichtigung nach den gegebenen Prozeßbedingungen
auswählen. Wesentlich ist, daß der Katalysator erst nach einer gewissen Minimal-Verweilzeit
des Rauchgases in der Brennkammer bzw. im Feuerraum oder Freibord zum Einsatz kommt,
um die oben genannten Reaktionen zur Stickstoffmonoxidreduktion nicht zu behindern.
Der Katalysator unterstützt die Verbrennung mit im Überschuß vorhandenem Sauerstoff,
so daß sich keine unverbrannten Substanzen durch den Kesselbereich bis in die Rauchgasreinigung
bewegen können.
Nach der Brennkammer und dem Feuerraum oder Freibord ist die Menge
an Stickoxiden bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens so gering, daß keine
weiteren additiven Maßnahmen (z.B. SNCR – selektive nichtkatalytische Reduktion,
SCR – selektive katalytische Reduktion) notwendig sind, um die Stickoxide
auf ein Maß zu reduzieren, das durch die Genehmigung vorgeschrieben ist. Als weiterer
Effekt wird die Neubildung von Dioxinen und Furanen unterdrückt, da die entsprechenden
Vorläufersubstanzen für die de-novo-Synthese ebenfalls reduziert werden bzw. die
Zersetzung von Dioxinen und Furanen auch in kälteren Regionen des Feuerraums katalytisch
ermöglicht wird.
In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird dem Rauchgas
in der Brennkammer zusätzlich ein Impuls aufgeprägt. Dies kann beispielsweise durch
die Aufgabe von rezirkuliertem Rauchgas oder gespanntem Wasserdampf oder ähnlichen
Medien durch geeignet angeordnete Düsen erfolgen. Derartige Verfahrensschritte sind
beispielsweise aus der DE 196 19 764 A1
der Hoechst AG oder der WO 93/07422 A1 der VAW Aluminium AG bekannt. Durch diese
Maßnahme wird Turbulenz unabhängig von der Einbringung zusätzlichen Sauerstoffs
erzeugt, wodurch unvollständig verbrannte Substanzen wie CO und NO besser miteinander
in Kontakt kommen und zu N2 und CO2 abreagieren können. Die
Vorläufersubstanzen von Stickoxiden werden in diesem Bereich, der sich durch eine
unterstöchiometrische Atmosphäre auszeichnet, ebenfalls in hohem Maße zu N2
reduziert. Trotzdem noch entstehende Stickoxide können wie voranstehend beschrieben
zu N2 reduziert werden.
Ergänzend kann auch im Übergang von der Brennkammer zum Feuerraum
oder Freibord ein zusätzlicher Vermischungsimpuls in die Brenngase eingebrcht werden,
beispielsweise durch rezirkuliertes Rauchgas oder Dampf. Auch diese Verfahrensführung
ist aus dem Stand der Technik bekannt, siehe z.B.
DE 44 02 172 A1.
Die Zugabe von Primärluft kann so gesteuert werden, daß bestimmte
Temperaturziele (z.B. Temperatur unterhalb Ascheerweichungspunkt) im oder auf dem
Brennbett eingehalten werden. Diese Temperaturziele können durch geeignete Temperaturmeßeinrichtungen
überwacht werden, beispielsweise mit Hilfe einer Infrarotkamera. Ergänzend kann
die Gasatmosphäre und insbesondere der Sauerstoffgehalt durch geeignete Meßinstrumente
überwacht werden.
Alternativ ist es möglich, den Katalysator auch erst
im weiteren Verlauf des Feuerraums bzw. des Kessels dem Rauchgas hinzuzufügen. Der
Fachmann wird die geeignete Variante ohne weiteres unter Berücksichtigung nach den
gegebenen Prozeßbedingungen auswählen.
Nachstehend soll die Erfindung anhand eines Beispiels und der beigefügten
1 näher erläutert werden.
1 zeigt schematisch die Luftstufung und
Katalysatoraufgabe in einem Verbrennungsverfahren gemäß der vorliegenden Erfindung
an einer beispielhaften Verbrennungsanlage.
Es wird ein Verbrennungsprozeß dargestellt, bei dem ein Brennstoff
wie Mü11 1 aufgegeben wird. Durch einen Aufgabeschieber 2 wird
der Brennstoff in die Brennkammer 3 geschoben. Dort wird der Brennstoff
unter Zuführung von primärer Verbrennungsluft 4 unterstöchiometrisch verbrannt
bzw. vergast. Eine Temperaturüberwachung und die Steuerung der Luftverteilung erfolgt
unter Zuhilfenahmen einer Infrarotkamera 5 z.B an der Rückwand der Brennkammer.
Die aus dem Feststoffbett aufsteigenden Vergasungsprodukte können durch die gezielte
Zugabe von rezirkuliertem Rauchgas 6 oder dgl. innig vermischt werden.
Nach der Vermischung erfolgt im Übergang von Brennkammer zum Feuerraum
7 eine Eindüsung von weiterer Verbrennungsluft (Sekundärluft
8 bzw. Tertiärluft 9). Hier wird die Nachverbrennung der unverbrannten
Substanzen aus der Brennkammer erreicht. Durch eine zusätzliche Dotierung der Sekundär-
oder Tertiärluft mit einem feinteiligen Katalysator bei 8 und/oder bei
9 wird im nachfolgenden Feuerraum 7 ein sehr guter Ausbrand erzielt.
Alternativ oder zusätzlich kann der Katalysator auch erst im weiteren Verlauf des
Feuerraums bzw. des Kessels 10 dem Rauchgas hinzugefügt werden, wenn die
Prozeßbedingungen dies vorteilhaft erscheinen lassen.
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| Anspruch[de] |
- Verfahren zur Verbrennung fester Brennstoffe in einer Feuerungsanlage,
das die folgenden Schritte aufweist:
(a) Verbrennen, Teilverbrennen oder Vergasen der festen Brennstoffe in der Brennkammer
unter unterstöchiometrischer Sauerstoffatmosphäre,
(b) Zuführen zusätzlichen Sauerstoffs in den Brennraum im Übergangsbereich von Brennkammer
zu Feuerraum oder Freibord in einer überstöchiometrischen Menge,
(c) Einspeisen eines Katalysators in Feststoff-Form zur Verbesserung bzw. Beschleunigung
der ablaufenden Reaktionen in den Bereich, dem auch die überstöchiometrische Sauerstoffmenge
zugeführt wird, oder in einen nachfolgenden Bereich.
- Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in Rauchgasrichtung
der Zugabe der Sekundärluft nachfolgend Tertiärluft eingebracht wird.
- Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der
Katalysator zusammen mit der Sekundärluft eingespeist wird.
- Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass der Katalysator ausschließlich oder zusätzlich in einem in Rauchgasrichtung
weiter hinten liegenden Teil des Feuerraums oder im Kesselbereich der Feuerungsanlage
eingespeist wird.
- Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass dem in der
Brennkammer befindlichen Gas zusätzlich ein Mischimpuls aufgeprägt wird.
- Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Mischimpuls
durch Eindüsung von rezirkuliertem Rauchgas oder gespanntem Wasserdampf aufgeprägt
wird.
- Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass die
Mischimpulsaufgabe im Brennraum erfolgt.
- Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
dass die Mischimpulsaufgabe im Übergangsbereich zwischen Brennkammer und Feuerraum
bzw. Freibord oder in Rauchgasrichtung dahinter erfolgt.
- Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Katalysator
zusammen mit rezirkuliertem Rauchgas oder gespanntem Wasserdampf eingedüst wird.
- Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass der Sauerstoffgehalt im Brenn- und/oder im Feuerraum kontrolliert und geregelt
wird.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen
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