| Dokumentenidentifikation |
DE102004001510A1 04.08.2005 |
| Titel |
Explosionsfähige Zusammensetzung, Verfahren zu deren Herstellung und Verwendung der explosionsfähigen Zusammensetzung |
| Anmelder |
TRW Airbag Systems GmbH, 84544 Aschau, DE |
| Erfinder |
Zeuner, Siegfried, 81369 München, DE; Hofmann, Achim, 84570 Polling, DE; Laucht, Horst, 83543 Rott, DE; Tischer, Andreas, 83342 Tacherting, DE |
| Vertreter |
Prinz und Partner GbR, 81241 München |
| DE-Anmeldedatum |
09.01.2004 |
| DE-Aktenzeichen |
102004001510 |
| Offenlegungstag |
04.08.2005 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
04.08.2005 |
| IPC-Hauptklasse |
C06D 5/06
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| Zusammenfassung |
Die Erfindung betrifft eine explosionsfähige Zusammensetzung zur Verwendung in einer Sicherheitseinrichtung für Fahrzeuge, mit einem Brennstoff aus einem mikro- oder nanostrukturierten porösen Feststoff und einem bei Raumtemperatur festen oder flüssigen Oxidationsmittel, die dadurch gekennzeichnet ist, daß das Oxidationsmittel aus der aus Schwefel, Selen, Tellur, Brom, Jod, Phosphor und Arsen sowie deren Mischungen und sauerstofffreien Verbindungen bestehenden Gruppe ausgewählt ist. In einem Verfahren zur Herstellung der explosionsfähigen Zusammensetzung wird das Oxidationsmittel in einem Lösungsmittel gelöst und in die Poren des nanostrukturierten Brennstoffs eingebracht.
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| Beschreibung[de] |
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Die Erfindung betrifft eine explosionsfähige Zusammensetzung zur Verwendung
in einer Sicherheitseinrichtung für Fahrzeuge, mit einem Brennstoff aus einem mikro-
oder nanostrukturierten porösen Feststoff und einem bei Raumtemperatur festen oder
flüssigen Oxidationsmittel.
Die DE 102 04 834 A1
beschreibt eine gattungsgemäße explosionsfähige Zusammensetzung, bei der das bei
Raumtemperatur feste oder flüssige Oxidationsmittel in die Poren des porösen Brennstoffs
eingebracht ist und zu wenigstens 50 Gew.-% aus der Gruppe der organischen Nitroverbindungen
oder Nitrate, Alkalimetall- oder Erdalkalimetallnitrate, Metallnitrite, Metallchlorate,
Metallperchlorate, Metallbromate, Metalljodate, Metalloxide, Metallperoxide, Ammoniumperchlorat,
Ammoniumnitrat, Wasserstoffperoxid, Hydroxylammoniumnitrat ausgewählt ist. Die bekannte
Zusammensetzung eignet sich insbesondere zur Verwendung als Zündmittel.
Des weiteren beschreibt die DE 102
04 895 einen nanostrukturierten, porösen Reaktivstoff der aus Reaktivkörpern
besteht, dessen Hohlräume in einem Größenbereich von 1 bis 1000 nm liegen und mit
Oxidationsmittel versehen sind, wobei der Reaktivstoff aus voneinander unabhängigen,
schutzschichtummantelten, reaktiven Partikeln besteht. Die Reaktivkörper können
aus Silizium, Bor, Aluminium, Titan oder Zirkon bestehen. Als Oxidationsmittel werden
insbesondere Alkalimetallnitrate und Erdalkalimetallnitrate sowie weitere sauerstoffhaltige
Oxidationsmittel vorgeschlagen.
Aus der DE 101 62 413 A1
ist schließlich ein integriertes Sprengelement oder Zündelement bekannt, welches
einen Grundkörper aus Silizium und einem diesen zugeordneten Reaktionsbereich aufweist,
wobei der Reaktionsbereich poröses Silizium und ein Oxidationsmittel für Silizium
aufweist. Als Reaktionsmittel werden anorganische oder organische Verbindungen vorgeschlagen,
die bei Erwärmung Sauerstoff, Fluor, Chlor oder andere oxidierende Stoffe freisetzen.
Als Beispiele werden insbesondere anorganische Nitrate und anorganische Peroxide
sowie weitere sauerstoffhaltige Salze genannt. Die chemische Reaktion zwischen dem
Oxidationsmittel und dem porösen Silizium wird durch Erwärmung mittels stromdurchflossenen
Leiterbahnen ausgelöst. Das integrierte Spreng- oder Zündelement soll zur Verwendung
in einem Mikroreaktor, einem Mikrobooster zur Kurskorrektur von Satelliten, als
Zündelement in einem Gasgenerator für einen Gurtstraffer oder einen Airbag, oder
als Initialzündelement zur Zündung von Sprengladungen geeignet sein.
Viele der im Stand der Technik zur Verwendung mit porösem Silizium
vorgeschlagenen Oxidatoren sind jedoch hygroskopisch und/oder bilden kristallwasserhaltige
Modifikationen aus. Dadurch kann aber die Lagerstabilität der Zusammensetzungen
nachteilig beeinflußt werden. Auch zeigen diese Oxidatoren nur eine geringe Löslichkeit
in organischen Lösungsmitteln oder weisen einen hohen Schmelzpunkt auf. Die Befüllung
des porösen Brennstoffs muß daher in mehreren Stufen bzw. unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen
erfolgen. Wegen der hohen Viskosität der Salzschmelzen ist die Befüllung der Poren
mit Oxidationsmittel auch in diesem Fall oft unvollständig. Damit ergeben sich aber
Schwierigkeiten bei der genauen Einstellung des Verhältnisses zwischen porösem Brennstoff
und Oxidationsmitteln. Die Explosionseigenschaften der so erhaltenen Zusammensetzungen
kann daher über einen weiten Bereich variieren und sind daher nur schwer standardisierbar.
Eine Reihe der im Stand der Technik genannten Oxidationsmittel können zudem nicht
rein dargestellt werden. Die in diesen Oxidationsmittel enthaltenen Fremdstoffe
beeinträchtigen ebenfalls das Explosionsverhalten der damit hergestellten Zusammensetzungen.
Der Erfindung liegt demgegenüber die Aufgabe zugrunde, die oben genannten
Nachteile zu vermeiden und eine kostengünstig herstellbare und insbesondere für
zivile Anwendungen einsetzbare stabile explosionsfähige Zusammensetzung bereitzustellen.
Erfindungsgemäß wird hierzu eine explosionsfähige Zusammensetzung
zur Verwendung in einer Sicherheitseinrichtung für Fahrzeuge, mit einem Brennstoff
aus einem mikro- oder nanostrukturierten porösen Feststoff und einem bei Raumtemperatur
festen oder flüssigen Oxidationsmittel vorgeschlagen, die dadurch gekennzeichnet
ist, dass das Oxidationsmittel aus der aus Schwefel, Selen, Tellur, Brom, Jod, Phosphor
und Arsen sowie deren Mischungen und sauerstofffreien Verbindungen bestehenden Gruppe
ausgewählt ist. Vorzugsweise besteht die erfindungsgemäße Zusammensetzung aus dem
Brennstoff und dem Oxidationsmittel.
Die erfindungsgemäß zu verwendenden Oxidationsmittel zeigen eine hohe
Bindungsenergie zu Silizium und dabei auch eine ausreichend hohe Explosionswärme.
Sie sind zudem leicht verdampfbar oder sublimierbar und lassen sich deshalb gut
in Verfahren zur chemischen oder physikalischen Abscheidung aus der Gasphase (CVD-
oder PVD-Verfahren) einsetzen. Eine Reihe der erfindungsgemäß zu verwendenden Oxidationsmittel
ist darüber hinaus gut in unpolaren, leicht flüchtigen organischen Lösungsmitteln
löslich. Diese Oxidationsmittel, wie beispielsweise Schwefel und
Jod, lösen sich darüber hinaus in dem ebenfalls unpolaren Lösungsmittel Kohlendioxid
wesentlich besser als die polaren Sauerstoffsalze. Daher können die erfindungsgemäß
zu verwendenden Oxidationsmittel sehr einfach unter Verwendung von überkritischem
Kohlendioxid in die Poren des mikro- oder nanostrukturierten Brennstoffs eingebracht
werden. Nach dem Abdampfen der Lösungsmittel verbleibt rückstandsfrei nur das Oxidationsmittel
in der porösen Struktur des Brennstoffs.
Bei Verwendung von Schwefel als Oxidationsmittel ist aufgrund des
niedrigen Schmelzpunktes von 110°C auch das direkte Einbringen des geschmolzenen
Oxidationsmittels in die Poren des mikro- oder nanostrukturierten Brennstoffs ohne
Verunreinigungen möglich.
Die genannten Oxidationsmittel können somit wesentlich leichter in
stöchiometrischen Mengen in den nanostrukturierten Brennstoff eingebracht werden.
Sie gewähren somit gleichzeitig eine hohe Explosionswärme und eine gute Handhabbarkeit
bei der Befüllung der Poren des nanostrukturierten Brennstoffs.
Übliche sauerstoffhaltige und salzartige Oxidationsmittel zeichnen
sich außerdem durch mehr oder weniger stark ausgeprägte Hygroskopizität aus. Diese
Stoffe erfordern somit einen hohen verfahrenstechnischen Aufwand, da die Gegenwart
von Wasser oder Luftfeuchtigkeit sicher ausgeschlossen werden muß. Darüber hinaus
müssen die mit diesen Stoffen hergestellten Zusammensetzungen hermetisch verschlossen
werden, um die Funktionsfähigkeit über die gesamte Lebensdauer der Struktur von
bis zu 15 Jahren sicherzustellen. Durch die Verwendung der erfindungsgemäßen Oxidationsmittel,
insbesondere des nicht hygroskopischen Schwefels, sind auch diese Nachteile sicher
beseitigt.
Gegenstand der Erfindung ist ferner ein Verfahren zur Herstellung
der erfindungsgemäßen explosionsfähigen Zusammensetzung, welches dadurch gekennzeichnet
ist, daß das Oxidationsmittel in einem Lösungsmittel gelöst und in die Poren des
nanostrukturierten Brennstoffs eingebracht wird. Insbesondere die Verwendung eines
unpolaren Lösungsmittels stellt eine gute Löslichkeit der gleichfalls unpolaren
Oxidationsmittel gemäß der vorliegenden Erfindung sicher. Das Lösungsmittel soll
sich ferner rückstandsfrei aus der porösen Brennstoffstruktur verdampfen lassen.
Damit ist die Einstellung stöchiometrischer Zusammensetzungen aus Brennstoff und
Oxidationsmittel wesentlich erleichtert. Als Lösungsmittel eignen sich insbesondere
überkritisches Kohlendioxid, Schwefelkohlenstoff Tetrachlormethan sowie aromatische
und gesättigte aliphatische Kohlenwasserstoffe. Allgemein kann davon ausgegangen
werden, daß Lösungsmittel mit einer Polarität nach Reichardt von ET (30)/kcal/mol
≥50 verwendet werden können.
Der mikro- oder nanostrukturierte Brennstoff ist vorzugsweise ein
Festkörper mit einem schwammartigen Gerüst aus amorphen, teilkristallinen oder kristallinen
Partikeln mit einer Strukturgröße von zwischen etwa 2 nm und 1000 nm, und weist
eine Porosität (VPoren/VProbe) von zwischen 10 % und 98 %,
bevorzugt zwischen 40 und 80% auf. Der Brennstoff kann eine spezifische Oberfläche
von bis zu 1000 m2/cm3, bevorzugt zwischen 200 und 1000 m2/cm3
aufweisen.
Die Strukturgröße bzw. die Größe und die Gestalt der Poren, lassen
sich dabei in einem weiten Bereich variieren. Die Strukturgröße gibt die durchschnittliche
Größe der Partikel an, aus denen der Brennstoff aufgebaut ist, und liegt bevorzugt
in einem Bereich von 2 bis 50 nm, besonders bevorzugt zwischen 2 nm und 10 nm. Die
Porengröße liegt bevorzugt in einem Bereich von zwischen 2 nm und 1000 nm.
Der poröse Brennstoff ist vorzugsweise ein Halbleitermaterial, und
besonders bevorzugt aus der aus Si, Ge, SiGe, SiC, InP und GaAs bestehenden Gruppe
ausgewählt. Die Herstellung von mikro- oder nanostrukturierten porösen Materialien
aus diesen Stoffen ist in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben. Als Herstellungsverfahren
eignen sich insbesondere chemische oder physikalische Abscheidungsverfahren, wie
elektrochemische Abscheidung, CVD, PVD oder Sputtern oder das Verpressen nanofeiner
Partikel. Im Falle von Silizium sind diese nanofeinen Partikel durch langsames Verbrennen
von Silan erhältlich.
Besonders bevorzugt ist der Brennstoff sogenanntes „poröses"
Silizium, welches besonders einfach durch elektrochemisches Ätzen von Silizium in
fluoridhaltigen Lösungen hergestellt werden kann. Die Verwendung von porösen Halbleitermaterialien,
z.B. Silizium, ermöglicht die einfache Integration in bekannte Halbleiterbauteile
unter Verwendung üblicher Halbleiterprozeßtechniken.
In vorteilhafter Weise ist der poröse Brennstoff wenigstens teilweise
passiviert, das heißt die innere Oberfläche des Brennstoffs ist wenigstens zum Teil
mit Sauerstoff abgesättigt oder in anderer Weise so verändert, daß eine zur Reaktion
mit dem Oxidator zu überwindende Aktivierungsenergie erhöht ist. Die Passivierung
kann beispielsweise durch Erwärmen des Brennstoffs in einer sauerstoffhaltigen Atmosphäre
oder Luft erfolgen. Durch die Passivierung wird eine weitere Einstellbarkeit der
pyrotechnischen Eigenschaften der erfindungsgemäßen Zusammensetzung, wie beispielsweise
deren Anzündbarkeit durch elektrische Entladung oder Einwirkung von UV-Licht, möglich.
Da die chemische Reaktion des porösen Brennstoffes von der Oberfläche
aus erfolgt, kann mittels einer weniger reaktiven Schutzschicht auf der Oberfläche
der Nanopartikel die für das Zünden des Brennstoffs zu überwindende Aktivierungsenergie
erhöht werden. Diese Passivierungsschicht kann nachträglich auf den porösen Brennstoff
aufgebracht und aus einem inerten Material (z.B. Teflon) bestehen. Die Passivierungsschicht
kann auch mittels thermischer, chemischer, physikalischer bzw. elektrochemischer
Behandlung des Brennstoffes aufgebaut werden.
Eine stabile Passivierungsschicht kann z.B. durch Tempern des porösen
Siliziums in Luft, vorzugsweise im Anschluß an das elektrochemische Ätzen und vor
dem Füllen der Poren mit dem Oxidator, gebildet werden. Erfolgt das Tempern im Bereich
von zwischen 150°C und 300°C, bevorzugt bei etwa 200°C, bildet sich
nach bis zu ca. 1600 Minuten eine Sauerstoff-Submonolage aus Silizium-Sauerstoff-Bindungen
(Si-O), welche eine höhere Bindungsenergie als die Silizium-Wasserstoff-Bindungen
aufweisen. Die Oberfläche der Siliziumnanokristalle besteht hier nach dem Tempern
aus H-Si-O- Komplexen, da bei etwa 200°C der Wasserstoff an der Oberfläche der
Nanopartikel erhalten bleibt und Sauerstoff unter der ersten Monolage an Silizium
gebunden wird. Wird das Tempern bei Temperaturen über etwa 300°C durchgeführt
(z.B. 700°C, 30 Sekunden), wird der Wasserstoff von der Oberfläche der Nanopartikel
abgetrieben und es bilden sich Schichten aus "reinen" Si-O-Bindungen. Derart getemperte
und mit Oxidationsmittel gefüllte Proben sind extrem stabil und handhabungssicher,
können aber dennoch mittels einer plötzlichen Erwärmung zur Explosion gebracht werden.
Die Passivierung der Oberfläche des porösen Brennstoffs erhöht auch
die Langzeitstabilität der explosionsfähigen Zusammensetzung, da eine zeitliche
Änderung der Oberflächeneigenschaften des Brennstoffs unter Einfluß des Oxidationsmittels
nicht mehr eintreten kann.
Das Oxidationsmittel besteht bevorzugt ganz oder teilweise aus Jod,
Schwefel oder sauerstofffreien Schwefelverbindungen. Diese Oxidationsmittel sind
in unpolaren organischen Lösungsmitteln leicht löslich und lassen sich rückstandsfrei
in die poröse Brennstoffstruktur einbringen. Sie sind zudem auch gegenüber nicht-passiviertem
porösen Silizium lagerstabil. Bei diesen Oxidationsmitteln kann somit je nach den
bestehenden Anforderungen auf die Erzeugung der oben beschriebenen Passivierungsschicht
verzichtet werden.
Der Oxidator und der Brennstoff können etwa in einem stöchiometrischen
Verhältnis vorliegen. Je nach Anwendungszweck kann der Oxidator im Verhältnis zum
Brennstoff aber auch überbilanziert oder unterbilanziert sein.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung weist zudem eine hohe Strukturfestigkeit
auf, da der Brennstoff als feste, formgebende Matrix vorliegt. Die Zusammensetzung
kann somit als tragendes Bauteil in pyrotechnischen Gegenständen, z.B. Anzündern,
verwendet werden. Außerdem sind die aus der Halbleitertechnik und Mikromechanik
bekannten Herstellungsverfahren anwendbar. Damit besteht die Möglichkeit zu kostengünstiger
Produktion unter Verwendung von Standardbauteilen. Insbesondere wird die vollständige
Integration der erfindungsgemäßen Zusammensetzung in Halbleiterschaltkreise ermöglicht.
Gegenstand der Erfindung sind somit auch die Verwendung der erfindungsgemäßen
Zusammensetzung als Bestandteil eines Anzünders. Dieser Anzünder kann in vorteilhafter
Weise in einem Halbleiterschaltkreis integriert sein. Insbesondere kann der Anzünder
Bestandteil eines Sicherheitssystems in Fahrzeugen, wie beispielsweise eines Gasgenerators
für einen Gurtstraffer oder ein Gassackmodul sein.
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung einer bevorzugten Ausführungsform.
Zur Herstellung der erfindungsgemäßen explosionsfähigen Zusammensetzung
wurde zunächst poröses, nanostrukturiertes Silizium durch elektrochemisches Ätzen
gemäß dem in Materials Science and Engineering B 69 – 70 (2000) 11 –
22 oder Phys. Rev. Lett. (2001), 87, 68 301 ff., beschriebenen Verfahren bereitgestellt.
Hierzu wurde ein Siliziumsubstrat in einer Ätzzelle als Anode geschaltet und in
einem fluorwasserstoffhaltigen Elektrolyten, beispielsweise einem Gemisch aus gleichen
Volumenanteilen von Ethanol und konzentrierter Fluorwasserstoffsäure (50 %ig) bei
einem Anodisierungsstrom von zwischen 20 und 70 mA/cm2 behandelt. Die
Porosität des so erhaltenen Siliziums lag im Bereich zwischen 40 % und 80 %. Die
Strukturgröße variierte zwischen 2 und 10 nm.
Das so erhaltene poröse Silizium wurde 26 h bei 200°C an Luft
getempert, dann mit einer gesättigten Lösung von Schwefel in Schwefelkohlenstoff
getränkt und anschließend an Luft getrocknet. Mit Hilfe eines elektrischen Funkens
konnte eine starke Explosion ausgelöst werden. Die Zusammensetzung zeigte in einem
Lagerversuch bei 104°C über 400 Stunden keine wesentliche Gewichtszunahme.
Die Ergebnisse zeigen, daß sich das System poröses Silizium/Schwefel
zur Verwendung als explosionsfähiges Material eignet. Über die Porosität des porösen
Siliziums kann die Stärke der Explosion gesteuert werden, da das Porenvolumen die
Menge des eingebrachten Oxidationsmittels und damit die Stöchiometrie der Reaktionspartner
festlegt. Die Oxidation erfolgt jedoch nicht spontan, sondern läßt sich beispielsweise
durch einen Stromimpuls gezielt auslösen.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann insbesondere in einem Anzünder
von sicherheitstechnischen Einrichtungen für Fahrzeuge, beispielsweise Gassackmodulen
oder Gurtstraffern, verwendet werden. Derartige Anzünder können vorteilhaft mit
bekannten Verfahren der Halbleiter- bzw. Siliziumprozesstechnik hergestellt werden.
Insbesondere ist eine einfache und kostengünstige Herstellung mit hoher Präzision
bereits im Batchprozess auf Waverebene möglich.
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| Anspruch[de] |
- Explosionsfähige Zusammensetzung zur Verwendung in einer Sicherheitseinrichtung
für Fahrzeuge, mit einem Brennstoff aus einem mikro- oder nanostrukturierten porösen
Feststoff und einem bei Raumtemperatur festen oder flüssigen Oxidationsmittel,
dadurch gekennzeichnet, dass das Oxidationsmittel aus der aus Schwefel, Selen,
Tellur, Brom, Jod, Phosphor und Arsen sowie deren Mischungen und sauerstofffreien
Verbindungen bestehenden Gruppe ausgewählt ist.
- Explosionsfähige Zusammensetzung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass das Oxidationsmittel Jod, Schwefel oder eine sauerstofffreie Schwefelverbindung
ist.
- Explosionsfähige Zusammensetzung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß der Brennstoff poröses Silizium ist.
- Verfahren zur Herstellung der explosionsfähigen Zusammensetzung gemäß
einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Oxidationsmittel in
einem Lösungsmittel gelöst und in die Poren des nanostrukturierten Brennstoffs eingebracht
wird.
- Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass überkritisches
Kohlendioxid als Lösungsmittel verwendet wird.
- Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass Schwefelkohlenstoff
als Lösungsmittel verwendet wird.
- Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
dass das poröse Halbleitermaterial vor dem Einbringen des Oxidators in die Poren
passiviert wird.
- Verwendung der explosionsfähigen Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche
1 bis 3 in einem Anzünder zur Aktivierung einer Sicherheitseinrichtung in Fahrzeugen.
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