Die Erfindung betrifft einen Kunstrasen, ein Verfahren zur Behandlung
eines Kunstrasens und ein Verfahren zum Herstellen eines Garns.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, diesem Nachteil entgegen
zu wirken.
Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass ein Kunstrasen Multifilamentgarn
aufweist.
Um das optische Erscheinungsbild einer natürlichen Rasenfläche nachzuahmen,
besteht Kunstrasen bisher ausschließlich aus Monofilamentgarn. Hierbei werden mehr
oder weniger breite Kunststoffbänder bearbeitet, die zum Teil auch in ihrer Längsrichtung
perforiert sind. Ein derartiges Foliengarn kann beispielsweise im Querschnitt die
Form einer Banane aufweisen und aus HDPE, einem Polyethylen hergestellt sein. Dieses
Garn ist bei der Bespielung des Rasens trocken. Die Fläche des Foliengarns begünstigt
die Wärmeentwicklung bei einer Reibung zwischen dem Foliengarn und einem darüber
rutschenden Körperteil.
Die Verwendung von Multifilamentgarn bringt unterschiedliche Vorteile.
Das Multifilament sorgt dafür, dass durch Adhäsionskräfte Feuchtigkeit in den einzelnen
Garnfasern oder Strängen leichter aufsteigen kann. Diese Feuchtigkeit sorgt für
Kühlung in Fällen, in denen beispielsweise durch Reibung Hitze entsteht. Auch die
durch das Multifilament hervorgerufene Struktur verhindert eine Wärmeansammlung
durch Reibung und verringert dadurch die bei Verbrennungen auftretenden Schäden.
Das Multifilamentgarn kann jedoch auch so eingesetzt werden, dass es neben Monofilamentgarn
für eine gleichmäßige Füllung der Bodenstruktur sorgt. Überraschend hat sich herausgestellt,
dass mit Multifilamentgarn hergestellte Kunstrasenflächen sowohl optisch als auch
technisch besondere Vorteile im praktischen Einsatz bieten.
Eine bevorzugte Ausführungsform sieht vor, dass der Kunstrasen natürliche
Fasern oder Chemiefasern aufweist. Natürliche Fasern werden auch als Naturfasern
bezeichnet. Hierzu zählen Fasern wie Wolle, Seide, Baumwolle usw. Zu den Chemiefasern
zählt beispielsweise die Zellwolle. Bisher wurden nur synthetische Fasern wie Polyamid,
Polypropylen und Polyethylen eingesetzt. Derartige Fasern bieten jedoch nur eine
geringe Feuchteaufnahme. Im Gegensatz hierzu bieten natürliche Fasern oder Chemiefäsern
eine weit höhere Feuchteaufnahmekapazität. Diese Feuchte kann dann bei starker Reibung
abgegeben werden, um partiell zu kühlen. Da die Feuchte jedoch im Material aufgenommen
ist, bleibt die Kunstrasenfläche trocken. Im Bedarfsfall wird jedoch durch die starke
Reibung Feuchtigkeit freigesetzt, die durch ihre Verdunstungskälte für einen Kühleffekt
sorgt.
Besonders vorteilhaft hat sich herausgestellt, wenn bei einem Kunstrasen
Multifilamentgarn und Monofilamentgarn verwendet wird. Das Multifilamentgarn führt
zu den bisher angegebenen Vorteilen und das Monofilamentgarn ahmt in seiner äußeren
Erscheinungsform die natürliche Grasform nach und sorgt für eine grasartige Oberfläche.
Vorteilhaft ist es, wenn das Garn eine makroskopisch strukturierte
Oberfläche aufweist. Hierdurch wird die Glattheit des Garns reduziert. Das Garn
kann auch gekräuselt werden. Dies führt dazu, dass die bei dem Herstellungsprozess
häufig auftretende Ausrichtung des Flors in eine Richtung verringert wird und das
Weiterleiten von Feuchtigkeit aus dem unteren Bereich des Kunstrasens zur Oberfläche
erleichtert wird.
Um die Anhaftung von Feuchtigkeit am Garn zu erleichtern wird vorgeschlagen,
dass das Garn eine hydrophilisierte Oberfläche aufweist. Während Kunststoffe eher
eine hydrophobe Oberfläche haben, kann durch unterschiedliche Behandlungsverfahren am
Garn die hydrophobe Eigenschaft der Oberfläche reduziert werden.
Weiterhin wird vorgeschlagen, dass das Garn eine beschichtete Oberfläche
aufweist. Insbesondere um Verbrennungen zu vermeiden wird vorgeschlagen, dass als
Beschichtung beispielsweise das Garn gewachst, geölt oder silikonisiert wird. Eine
derartige Oberfläche wird bei Reibung oder insbesondere bei Wärme weich und verringert
somit den Widerstand. Auch dies verringert die Verletzungsgefahr von Personen, die
auf dem Kunstrasen ausrutschen.
Vorteilhaft ist es, wenn die Beschichtung bei Temperaturen über 30
°C, vorzugsweise über 50 °C weicher wird. Bei normaler Sonnenbestrahlung
sollte die Beschichtung unbeschadet am Kunstrasen haften bleiben. Wenn jedoch die
Temperaturen durch Beanspruchung und insbesondere durch Reibung sich stark erhöhen,
ist es vorteilhaft, wenn die Beschichtung weicher wird, damit der Reibwiderstand
verringert wird.
Gute Ergebnisse wurden mit einem Garn erzielt, das Monofilamente aufweist,
die um ihre Längsachse gedreht und eine von einer geraden Achse abweichende Struktur
aufweisen. Derartige Garne wirken in der Verarbeitung besonders füllig und sorgen
für eine senkrechte Ausrichtung des Flors.
Eine besonders gute Verarbeitung wurde mit einem Garn erzielt, das
mehrere Monofilamente aufweist, die von einem Multifilament umwunden sind. Während
die vorzugsweise gekräuselten, in Zick-Zack-Struktur vorliegenden Monofilamente
für eine Fülligkeit des Garns sorgen, hält das Multifilament den Garnstrang bsp.
aus zwei bis zwanzig Monofilamenten zusammen. Außerdem ermöglicht das Multifilament
einen Feuchtigkeitstransport, den die Monofilamente nicht leisten können.
Gute Ergebnisse wurden mit einem Garn erzielt, das ein oder mehrere
Hohlfasern aufweist. Die Hohlfasern können dem Feuchtetransport dienen.
In einer besonderen Ausführungsform weist die Hohlfaser in ihrem Inneren
Polytrimethylenterephtalatpolymer (PTT) auf. Ein derartiges Material ist beispielsweise
unter dem Handelsnamen „Corterra®" bekannt. Das PTT-Material
sorgt für gute Rückstelleigenschaften und bedingt eine schnelle Wiedererholung des
benutzten Rasens auch nach starker Strapazierung.
Insbesondere zur Erzielung eines optisch angenehmen Aussehens des
Kunstrasens wird vorgeschlagen, dass der Multifilamentflor kürzer ist als der Monofilamentflor.
Dies führt dazu, dass aus dem Multifilamentflor wie Rasenhalme Monofilamente hervorschauen.
Weiterhin ist es vorteilhaft, wenn der Multifilamentflor eine größere
Dichte aufweist als der Monofilamentflor. Bei vielen Kunstrasenarten wird im Bodenbereich
des Kunstrasens Sand vorgesehen, um einen Bodenbereich mit hoher Dichte zu erzielen.
Die Dichte des Multifilamentflors kann sogar soweit gesteigert werden, dass auf
eine Sandfüllung im Kunstrasen vollständig verzichtet werden kann. Das Multifilament
im Bodenbereich des Kunstrasens sorgt für hohe Stabilität, die Möglichkeit der Feuchteaufnahme
und Feuchtehaltung und stützt die aus dem Multifilament hervorschauenden Monofilamente.
Vorteilhaft ist es, wenn der Monofilamentflor beschichtet ist. Insbesondere
wenn der Monofilamentflor über einen Multifilamentflor herausschaut, ist es sinnvoll,
wenn gerade dieser Bereich des Monofilamentflors beschichtet ist. Hierzu eignen
sich unterschiedliche Beschichtungsverfahren, die jeweils spezielle Eigenschaften
wie Rutschfestigkeit, Lichtechtheit u. ä. beeinflussen.
Insbesondere bei der Verwendung von Multifilamentgarn hat sich gezeigt,
dass gegebenenfalls auf Sandfüllungen verzichtet werden kann, sofern der Kunstrasen
getuftet ist und der Abstand der Tuftreihen unter 0,6 cm beträgt. Durch die hohe
Dichte des Rasens wird Wertigkeit und Funktionalität der Rasenfläche gesteigert.
Eine weitere Qualitätssteigerung ist dadurch erzielbar, dass der Kunstrasen
getuftet ist und die Dichte mehr als fünf Stiche pro cm, vorzugsweise mehr als sieben
Stiche pro cm, beträgt.
Besonders vorteilhafte Ergebnisse wurden dadurch erzielt, dass die
Tuftreihen von einer geraden Linie abweichen. Die Tuftreihen können beispielsweise
wellenartig oder in Zick-Zack-Form angelegt werden und hierbei ist es vorteilhaft,
wenn gleich geformte Tuftreihen parallel zueinander liegen.
Die Erfindung sieht weiterhin vor, dass vorzugsweise nebeneinanderliegende
Tuftreihen unterschiedliche Garne aufweisen. Außerdem wird vorgeschlagen, dass in
einem Ausführungsbeispiel nebeneinanderliegende Tuftreihen unterschiedliche Florhöhen
aufweisen. Gerade durch die Variation der Garne und Florhöhen in den unterschiedlichen
Tuftreihen können unterschiedliche Materialien auf unterschiedlichste Arten so kombiniert
werden, dass ein auf spezielle Anwendungsfälle angepasster Kunstrasen entsteht.
Die genannten vorteilhaften Ausführungsformen von verschiedenen Kunstrasen
sind auch erfindungswesentlich, wenn bei ihnen kein Multifilamentgarn
verwendet wird.
Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe wird auch durch ein Verfahren
zur Behandlung eines Kunstrasens gelöst, bei dem der Kunstrasen mit einer Emulsion
befeuchtet wird.
Eine Emulsion ermöglicht es, bei der Bewässerung des Kunstrasens gleichzeitig
eine Benetzung der Fasern mit einem schlechtwasserlöslichen Material zu erzielen.
Die Rutschfestigkeit kann hierdurch bei einem fertig verlegten Rasen optimal eingestellt
werden und auch nach der Nutzung des Rasens wieder hergestellt werden.
Die Erfindung umfasst auch ein Verfahren zum Herstellen eines Garns,
insbesondere zum Herstellen eines Kunstrasengarns, bei dem mehrere Monofilamente
erwärmt, verstreckt, mit Druckluft verwirbelt und mit einem Filament umwunden werden.
Ein derartiges Garn eignet sich besonders zur Herstellung von Kunstrasen und ist
leicht verarbeitbar.
Hierbei ist es vorteilhaft, wenn die behandelten Monofilamente von
einem Multifilament umwunden werden. Das Multifilament ist besonders flexibel und
dadurch leicht um die Monofilamente herum zu wickeln. Außerdem optimiert das Multifilament
die Eigenschaften des gesamten Garns.
Die Erfindung beschreibt eine Vielzahl unterschiedlicher Kunstrasenflächen,
die durch unterschiedliche Garne hergestellt werden. Der mit der Herstellung von
Kunstrasen betraute Fachmann erkennt die Vorzüge der Erfindung und kann ohne weitere
Erläuterungen auf der Grundlage dieser Angaben verschiedene Kunstrasen herstellen.
Auf die Angabe von Ausführungsbeispielen zu den unterschiedlichen Kunstrasenflächen
kann daher verzichtet werden. Beispiele für Formen, makroskopisch strukturierter
Oberflächen von Garnen im Bereich der Herstellung von Monofilamentgarn sind in der
Zeichnung dargestellt, die verschiedene vorteilhafte Querschnitte von Garnen zeigt.