Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines
gemusterten Linoleumflächengebildes sowie ein derartiges Linoleumflächengebilde.
Linoleum wird seit vielen Jahrzehnten in unifarbenen, jaspierten und
überwiegend auch in marmorierten Musterungen hergestellt. Die Verfahren zur Herstellung
von diesen Dessinierungen sind allgemein bekannt. Das Verfahren zur Herstellung
der marmoriarten Strukturen (bekannt unter den Handelsnamen Marmorette®
bzw. Marmoleum® stellt sich wie folgt dar.
Die aus den üblichen Rohstoffen für Linoleum, z. B. Linoleumzement,
Holzmehl, Korkmehl, Kreide, Weisspigment und Buntpigmenten, gefertigten Mischmassen
werden je nach gewünschter Dessinierung in definierten Mengenanteilen gemischt und
als gekratzte Mischmasse einem Walzwerk zugeführt. Das im Walzwerk erzeugte mehrfarbige,
jaspierte Linoleumfell (ca. 1,6 m breit) wird in ca. 2 m lange Stücke geteilt und
schuppenförmig zu einem mehrlagigen Fellpaket gelegt. Dia stark längsorientierte
Jaspierung der Einzelfelle verläuft im weiteren Fertigungsprozess quer zur Kalanderfertigungsrichtung.
Das Fellpaket wird jetzt dem Kalanderspalt zugeführt und auf die gewünschte Stärke
der Deckschicht ausgewalzt. Zeitgleich mit der Deckschicht wird der Untergrund gefertigt,
der aus Jutegewebe und aus kalandrierter, im Regelfall einfarbiger, Linoleummischmasse
besteht. Untergrund und Deckschicht werden aufeinandergelegt und im Bandkalander
kraftschlüssig miteinander verbunden. Anschliessend wird das noch nicht gebrauchsfähige
Linoleum in Reifehäuser eingezogen, wo es durch weitere oxidative Vernetzung des
Bindemitteln Linoleumzement die für den Gebrauch notwendigen Zug- und Druckfertigkeiten
erhält.
Der Nachteil des Verfahren zur Herstellung der herkömmlichen gemusterten
Linoleumflächengebilde, bei denen unterschiedlich gefärbte, gekratzte Mischmassen
direkt in einen Kalanderspalt geschüttet und zu einem jaspierten Linoleumwalzfell
ausgewalzt werden, ist jedoch, dass zwangsweise mehr oder weniger stark längsgerichtete
Strukturen resultieren, wodurch die Gestaltungsmöglichkeiten für ein gemustertes
Linoleumflächengebilde stark eingeschränkt sind.
DE 197 30 954 A1
beschreibt einen Bodenbelag auf Linoleumbasis, welcher elektrisch leitfähig ist
und bei welchem die Linoleumnutzschicht eine unregelmäßige Musterung, z. B. Marmorierung,
aus unterschiedlich gefärbten Bereichen aufweist. Die unterschiedlich gefärbten
Bereiche sind konturenscharf voneinander abgegrenzt und weisen eine unterschiedliche
elektrische Leitfähigkeit auf.
US 2,987,104 beschreibt ein
Linoleumflächengebilde mit scharf definierten, ungestörten Flächen, welche bis in
eine wesentliche Tiefe des Flächengebildes eindringen und welche durch Einbetten
flacher gekühlter Stückchen einer farbigen Linoleumzusammensetzung in ein erwärmtes
Linoleumbasisfell hergestellt werden.
Somit liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
zur Herstellung eines Linoleumflächengebildes, welches eine größere Variationsbreite
der Musterung des herzustellenden Linoleumflächengebildes erlaubt, sowie ein derartig
hergestelltes Linoleumflächengebilde bereitzustellen, Daher sollen vorzugsweise
bereits vorhandene Herstellungsanlagen zur Herstellung verwendet werden können.
Die Aufgabe wird durch die in den Ansprüchen gekennzeichneten Ausführungsformen
der vorlegenden Erfindung gelöst.
Das Verfahren zur Herstellung der neuartigen Struktur basiert im wesentlichen
auf dem Verfahren zur Herstellung eines marmorierten oder jaspierten Linoleumflächangebildes,
ist jedoch durch den Einbau zusätzlicher Verfahrensschritte im Produktionsprozess
ergänzt worden.
Das Einstreuen andersfarbiger Partikel auf ein Linoleumwalzfell ist
bei der Herstellung von Linoleumflächengebilden bisher nicht angewandt worden, da
bisher keine geeigneten Streutechniken für die Linoleummischmasse zur Verfügung
standen. Ein beispielsweise gemäß der vorliegenden Erfindung verwendbares Streuverfahren
wird nachstehend, insbesondere in Verbindung mit 3, beschrieben.
Die einzustreuenden Mischmassepartikel liegen in Form einer körnigen
Streumasse vor. Sie können sowohl ein- als auch mehrfarbig sein und es wird erfindungsgemäß
mindestens eine Sorte derartiger Mischmassepartikel auf das Linoleumfell eingestreut.
Die Partikel sind trockener als das Linoleumfell, d. h. linoleumzementärmer.
Vorzugsweise sind die Mischmassepartikel in mindestens einer zur Farbe des Linoleumwalzfells
kontrastierenden Farbe gefärbt. Die Partikel können alle im wesentlichen die gleiche
Größe aufweisen, es können aber auch Partikel unterschiedlicher Größe auf das Linoleumfall
gestreut werden. Ferner können die Partikel in unterschiedlichen Formen vorliegen,
wie beispielsweise als unregelmäßige Körnchen, Kügelchen oder eiförmig. Vorzugsweise
weisen die Partikel einen Durchmesser von 0,5 bis 20 mm, mehr bevorzugt von 0,5
bis 10 mm, auf. Es kann eine Sorte derartiger Mischmassepartikel oder auch zwei
oder mehrere Sorten eingestreut werden. Die Herstellung der Partikel
kann auf dem gleichen Weg wie bei der normalen Mischmasse erfolgen. Gegebenenfalls
kann eine separate Aussiebung erforderlich sein.
Erfindungsgemäß können die Partikel auf ein unifarbiges, ein marmoriertes
oder ein jaspiertes Linoleumfell gestreut werden. Das Linoleumwalzfell weist vorzugsweise
eine Dicke von 0,5 bis 2,5 mm, noch bevorzugter von 1 bis 2 mm auf.
Es ist ausreichend, die Partikel nur auf entweder die Rückseite oder
die Vorderseite des Linoleumfells aufzustreuen. Aus Gründen einer noch gleichmässigeren,
durchgehenden Musterung kann es bevorzugt sein, beide Seiten des Linoleumfells mit
den Partikeln zu bestreuen. Ferner ist es bevorzugt, die Partikel durch das Anordnen
von siebähnlichen Vorrichtungen während das Streuvorgangs zu vereinzeln, um eine
möglichst gleichmäßige und homogene Verteilung der Partikel auf dem Linoleumfell
zu bewirken. Im allgemeinen werden die Partikel in einem unwillkürlichen Muster,
wie es durch einen Streuvorgang entsteht, auf dem Linoleumfell zu liegen kommen
und eingepresst werden. Die Partikel können aber auch in einem willkürlich vorgegebenen
Muster verteilt sein, beispielsweise in Poren von geometrischen und ungeometrischen
Figuren. Die Mischmassepartikel werden vorzugsweise in einer Menge, bezogen auf
das Gewicht des Linoleumfells von 10 bis 500 g/m2 eingestreut.
Die Partikel werden nach dem Aufstreuen auf das Linoleumfell beispielsweise
mittels einer Mangel oder eines anderen Presswerkzeugs im wesentlichen verzugsfrei
in das Linoleumfell eingedrückt. Vorzugsweise werden die Mischmassepartikel der
Streumasse so tief in das weiche Linoleumfell eingepresst, dass möglichst ein ebener
Abschluss mit dem Linoleumfell resultiert. Die Partikel können aber auch nur teilweise
in das Linoleumfell gedrückt werden, so dass ein Linoleumfell mir einer nichtebenen
Oberflächenstruktur erhalten wird.
Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Linoleumwalzfell
nach dem Aufstreuen und Einpressen der Partikel in beispielsweise etwa 2 m lange
Stücke geschnitten und dann mittels eines Felllegers zu einem schuppenförmigen Fellpaket
gelegt Dabei werden die Stücke vorzugsweise so gelegt, dass die ursprüngliche Längsrichtung
des Linoleumwalzfells quer (90°) zur Transportrichtung des schuppenförmigen
Fellpakets zu liegen kommt Anschliessend kann das Fellpaket beispielsweise mittels
eines Fellkalanders auf die gewünschte Stärke zu einem mustergebenden Fell (Deckschicht)
ausgewalzt werden und mit beispielsweise einer Doubliermangel mir dem Untergrund
verbunden.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
kann das durch Aufstreuen und Einpressen von Linoleumpartikeln ausgerüstete Linoleumwalzfell
auch direkt als mustergebendes Fell (Deckschicht) mit dem Untergrund verbunden werden.
Der Untergrund besteht in der Regel aus einem Trägergewebe, wie beispielsweise
Jute, Glasfaser- oder Kunststoffgewebe, auf das eine dünne Schicht einer beispielsweise
einfarbigen Linoleummischmasse kalandriert wird.
Die kraftschlüssige Verbindung von Untergrund und Deckschicht erfolgt
beispielsweise mittels eines Bandkalanders oder ähnlichen Vorrichtungen. Die anschließende
Reifung und weitere Verarbeitung des durch das erfindungsgemäße Verfahren hergestellten
Flächengebildes erfolgt wie bei herkömmlichen Linoleumflächengebilden.
Überraschenderweise kann mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ein Linoleumflächengebilde
mir einer Struktur erhalten werden, die einerseits durch die Struktur des Linoleumfells
und andererseits durch die eingestreuten, die Deckschicht durchdringenden ein- oder
mehrfarbigen Partikel mindestens einer Sorte, die ein nahezu richtungsfreies Oberflächenbild
ergeben.
Durch das erfindungsgemäße Verfahren kann eine unbestimmte Zahl verschiedener,
neuartiger Linoleumstrukturen hergestellt werden. Allen Strukturen gemeinsam ist
die Einstreuung von ein- oder mehrfarbigen Mischmassepartikeln beispielsweise in
unregelmässiger Anordnung, wobei angerichtete bzw. nur schwach orientierte Linoleumpunkte
entstehen. Variationen sind durch die Auswahl der Form und Grösse, der Menge und
Farbigkeit der eingestreuten Partikel und durch die Variation der Struktur des Linoleumwalzfells
(marmoriert, uni, jaspiert etc. möglich.
Die Deckschicht kann einfarbig, marmoriert oder jaspiert sein und
eine oder mehrere Sorten ein- und/oder mehrfarbiger in Größe und/oder Farbe verschiedener
und/oder gleicher Partikel enthalten.
Die Partikel durchdringen die gesamte Deckschicht. Vorzugsweise liegen
die Partikel in unregelmäßiger Anordnung vor, sie können aber auch in einem willkürlich
vorgegebenen Muster, beispielsweise in Form von geometrischen und ungeometrischen
Figuren, verteilt sein.
Bezogen auf das Gesamtgewicht der Deckschicht liegen die Partikel
vorzugsweise in einer Menge von 10 bis 500 g/m2 vor.
Die Figuren zeigen:
1 ist eine schematische Ansicht einer
Vorrichtung zur Durchführung einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens. Aus der vorgefertigten ein- oder mehrfarbigen Linoleummischmasse A wird
im Fellwalzwerk 1 ein Fell ausgewalzt. Je nach Mischmasse A resultiert
ein unifarbenes bzw. jaspiertes Linoleumfell B. Über ein erstes Förderband
2 wird das Linoleumfell B auf ein zweites Förderband 3 transportiert,
wo mittels einer Streuanlage 4, welche die Mischmassepartikel vereinzelt,
mindestens eine Sorte einer ein- oder mehrfarbigen Streumasse C auf das Linoleumfell
B gestreut wird. Nach dem Bestreuen des Linoleumfells B werden die Mischmassepartikel
der Streumasse C mittels einer Mangel 5 tief in das weiche Linoleumfell
B eingepresst, so dass möglichst ein ebener Abschluss mit dem Linoleumfell B resultiert.
Das so präparierte Linoleumfell D wird nun zum Fellleger 6 geführt, in
ca. 2 m lange Stücke geteilt und zu einem schuppenförmigen Fellpaket E gelegt Das
Fellpaket E wird dabei derart auf ein weiteres Förderband legt, dass die bestreute
Seite im Fellpaket E nach oben zeigt. Dieses Förderband führt das Fellpaket E dem
Fellkalander 7 zu, wobei die bestreute Linoleumfellseite der kalten Musterungswalze
zugewandt ist. Im Fellkalander 7 wird das Fellpaket E auf die gewünschte
Stärke zum Strukturfell F (Deckschicht) ausgewalzt und in einem Doublierwalzwerk
8 mit dem Untergrund G verbunden.
2 ist eine schematische Ansicht einer
Vorrichtung zur Durchführung einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens. Während gemäß der in 1 gezeigten Ausführungsform
die Rückseite des Linoleumfells B mit den Parfikeln C bestreut wird, wird in der
Anlage 2 die Streumasse C direkt auf die Vorderseite das Linoleumfelles
B gestreut.
3 ist eine schematische Ansicht einer Streuanlage
4 für Linoleummasse, welche bei dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendet
werden kann. Dabei wird die Linoleummischmasse in einen Trichter (11) geschüttet,
welcher sich vorzugsweise nach unten leicht konisch öffnet, um eine Brückenbildung
der Mischmasse zu verhindern. Eine profilierte Walze (14) nimmt in ihren
Vertiefungen die Mischmasse auf, welche bei Rotation der Walze durch eine Rakel
(12) in Höhe der erhabenen Walzenprofilierung abgestreift wird, so daß
je nach Rotationsgeschwindigkeit eine genau bestimmte Mischmassenmenge in den Vertiefungen
der profilierten Walze (14) zur danach folgenden Auswurfbürstenwalze (13)
transportiert wird. Die gegenläufig rotierende Auswurfbürstenwalze (13)
dreht sich mit deutlich höherer Geschwindigkeit als die profilierte Walze (14)
und wirft mit der tief in die Vertiefungen der profilierten Walze (14)
greifenden Bürste (13) die Mischmasse nach unten aus. Mit einer zusätzlichen
Reinigungsbürste (15) können gegebenenfalls in den Vertiefungen der profilierten
Walze (14) verbliebene Mischmasserückstände ausgeworfen werden. Die nach
unten ausgeworfene Mischmasse fällt auf ein changierendes Sieb (16), welches
zur Egalisierung und einer gleichmäßigen Streuung beiträgt. Unterhalb des changierenden
Siebs (16) können noch ein oder mehrere feststehende Siebe (17)
angeordnet sein, welche die in eine schräge Fallbewegung gebrachten Mischmassepartikel
bremsen und mit möglichst wenig Energie auf das dicht darunter vorbeiziehende Linoleumfell
auftreffen lassen. Ein Förderband (3) transportiert das bestreute Linoleumfell
zu einer Mangel (5), mittels der die relativ stabilen Linoleumpartikel
in das weiche Linoleumfell eingepreßt werden.