Die Erfindung betrifft ein Kunstleder, bestehend aus einem aus Fasermaterial
gebildeten Grundkörper und einer auf der Oberfläche desselben angeordneten Beschichtung
aus Kunststoff.
Kunstleder, die aus einem nicht gewebten und nicht gewirkten textilen
Grundkörper, insbesondere einem Vlies, als Trägermaterial, und aus einer damit verbundenen
dünnen, Polyurethan enthaltenden Beschichtung bestehen, sind bereits bekannt und
werden beispielsweise für die Herstellung von Schuhen und für die Innenausstattung
von Fahrzeugen verwendet. Als Grundkörper werden hierbei in der Regel sogenannte
Krempelvliese verwendet, die durch Nadeln oder durch eine Wasserstrahlbehandlung
verfestigt wurden. Derartige Krempelvliese weisen eine unruhige Oberfläche auf,
so dass sie mit dicken Kunststoffbeschichtungen bzw. geschäumten Kunststoffschichten
versehen werden müssen. Die Dicke dieser Beschichtungen ist in der Regel größer
als 0,25 mm, um beim Dehnen des Kunstleders ein Abzeichnen der Vliesstruktur an
der Materialoberfläche zu verhindern.
Es ist auch bekannt, aus Fasern mit normalen Faserstärken bestehende
Krempelvliese zunächst zu imprägnieren und dann zu beschichten. Auch diese Vliese
benötigen dicke Beschichtungen, um den sogenannten "Orangeneffekt", der beim Dehnen
entsteht, zu verhindern. Das mit einer solchen dicken Beschichtung versehene Vliesmaterial
weist aber den Nachteil auf, dass es steif und schwer ist und beim Umbiegen blechig
wirkt.
Aus dem US-4740407A ist ein Vliesmaterial bekannt, welches lediglich
auf der Beschichtungsseite imprägniert ist und Mikrohohlkugeln enthält. Es wurde
auch vorgeschlagen, zwei textile Trägermaterialien miteinander zu vernadeln, wobei
der der Beschichtungsseite abgewendete Träger aus einem Gewebe bestehen kann. Durch
die Verwendung von synthetischen Fasern in Kombination mit der geschlossene Zellen
bildenden Mikrohohlkugeln erhaltenden Imprägnierung entsteht zumindest nach dem
Aufbringen der Beschichtung ein nicht mehr wasserdampfdurchlässiges Kunstleder.
Aber auch vor dem Beschichten ist die durch die Mikrohohlkugeln gebildete Zellstruktur
in Kombination mit den normalen Fasern des Krempelvlieses selbst nach einem Schleifen
der Oberfläche nicht nubukähnlich und verfügt auch über keine sogenannte "Schreibwirkung",
welche für ein Nubukleder charakteristisch ist.
Es ist ferner bekannt, Krempelvliese mit normaler Faserstärke mit
Polyurethanlösungen zu imprägnieren, die Lösungen zu koagulieren, und nach Entfernung
des Lösungsmittels die Vliese auf beliebige Art zu beschichten. Bei Vliesen mit
einer Stärke größer als 1,2 mm, wie sie in der Regel als Trägermaterial für die
Verwendung als Schuhobermaterial und für die Innenausstattung von Fahrzeugen zum
Einsatz kommen, benötigt man zwangsläufig große Mengen von Lösungsmitteln. Auch
wenn diese während des Prozesses wieder rückgewonnen werden können, ist ein solches
Verfahren umweltfeindlich und teuer. Da zur Herstellung von koagulierfähigen Polyurethanlösungen
nur lineare, also thermoplastische Polyurethane angewandt werden können, wird auch
das auf diese Art hergestellte Kunstleder bei Wärmeeinwirkung und Druckanwendung
kollabieren. Wegen dieser Nachteile haben sich derartige Trägermaterialien in der
Praxis nicht durchgesetzt.
Es wurde auch bereits vorgeschlagen, Vliese aus sogenannten Mikrofasern
herzustellen, diese Vliese auf bekannte Weise mittels Polyurethan enthaltenden Lösungen
zu imprägnieren und die Lösungen im Vlies zu koagulieren. Auch ein solches Verfahren
ist aufgrund der in Hinblick auf die Verwendung erforderlicher Vliesstärken von
mehr als 1,2 mm umweltfeindlich und teuer. Für Entfernung des Wassers, welches beim
Koagulationsprozess gegen das Lösungsmittel ausgetauscht wird, ist ein hoher Energieeinsatz
nötig. Diese Vliese sind zwar weich und "rund" und können auch mit dünnen Beschichtungen
unter 0,25 mm versehen werden, sie sind jedoch, bedingt durch die ausschließliche
Verwendung von Mikrofasern und den aufwendigen Herstellungsvorgang, sehr teuer.
Weiters haben sie den Nachteil, dass sie bei gleichzeitiger Einwirkung von Wärme
und Druck bereits bei etwa 170° C und einem Druck von 10 kg/cm2 bei
einer Verweilzeit von einer Minute erheblich an Stärke verlieren. Ein weiterer Nachteil
dieser Vliese besteht in den meist sehr unterschiedlichen Zugdehnungseigenschaften
in Längs- und Querrichtung des Materials.
Die vorliegende Erfindung hat sich zur Aufgabe gestellt, ein Kunstleder
zu schaffen, bei welchem die beschriebenen Nachteile vermieden sind, das eine sehr
dünne Beschichtung aufweist und hinsichtlich der Haftung derselben am Grundkörper
alle Anforderungen erfüllt, die bei Verwendung des Kunstleders als Schuhobermaterial
und für Fahrzeuginnenausstattungen gestellt werden. Ferner soll das erfindungsgemäße
Kunstleder bei gleichzeitiger Wärme- und Druckanwendung nur unwesentlich an Stärke
verlieren und dadurch auch nicht verhärten und besonders leicht und flexibel sein
und die erforderliche Dauerbiegefestigkeit, vor allem aber eine sehr große Luft-
und Wasserdampfdurchlässigkeit besitzen.
Zur Lösung dieser Aufgabe schlägt die Erfindung, ausgehend von einem
Kunstleder der eingangs beschriebenen Art, vor, dass der Grundkörper aus wenigstens
zwei Schichten besteht, wobei zumindest eine Schicht von einem Krempelvlies aus Normalfasern
und wenigstens eine weitere, mit der Beschichtung versehene Schicht von einem Vlies
aus Mikrofasern gebildet ist, bei welchem die Hohlräume zwischen den Mikrofasern
zumindest teilweise mit einem koagulierten Kunststoffmaterial ausgefüllt sind. Die
aus dem Krempelvlies gebildeten Schichten gewährleisten die erforderliche Festigkeit,
die aus dem Mikrofasernvlies gebildete Schicht ermöglicht das Aufbringen einer sehr
dünnen Beschichtung, da sich die über das koagulierte Kunststoffmaterial miteinander
verbundenen Mikrofasern auch bei einer Dehnung des Kunstleders nicht an der Oberfläche
der dünnen Beschichtung abzeichnen und beim Dehnen keine sogenannter "Orangenschaleneffekt"
entsteht. Das erfindungsgemäße Kunstleder ist somit besonders leicht und flexibel
und weist vor allem eine große Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit auf.
Wie bereits erwähnt, wird die Festigkeit des erfindungsgemäßen Kunstleders
vor allem durch das Krempelvlies bestimmt. Diese große Festigkeit kann erfindungsgemäß
durch Nadeln und/oder durch eine Wasserstrahlbehandlung des Krempelvlieses bewirkt
werden, so dass erfindungsgemäß dessen Normalfasern dreidimensional angeordnet sind.
Desgleichen kann auch das aus Mikrofasern gebildete Vlies durch Nadeln
vorverfestigt werden.
Die Verbindung der beiden Schichten des Grundkörpers kann durch einen
nicht zusammenhängenden Klebstofffilm erfolgen. Dadurch, dass dieser Klebstofffilm
nicht zusammenhängt, somit klebstofffreie Bereiche vorhanden sind, wird die erforderliche
Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit auch im Bereich dieses Klebstofffilmes sichergestellt.
Vorzugsweise besteht der Klebstofffilm aus einer verfestigten, Polyurethan enthaltenden
Dispersion. Das Polyurethan weist hierbei zweckmäßig eine im wesentlichen kristalline
Struktur auf, wodurch eine besonders gute Verklebung erzielt wird.
Die Verbindung der beiden Schichten durch den Klebstofffilm kann erfindungsgemäß
weiters dadurch verbessert werden, dass der aus diesen Schichten bestehende Grundkörper
einer Wärmebehandlung unterzogen ist, die beispielsweise in einem Heißkalander erfolgen
kann. Dadurch wird auch ein Schrumpfen der Fasern bewirkt.
Eine mechanische Verbindung der beiden Schichten des Grundkörpers
kann erfindungsgemäß durch Vernadeln erfolgen, wobei in diesem Fall vorzugsweise
einzelne Normalfasern des Krempelvlieses durch das aus Mikrofasern bestehende Vlies
hindurchragen. Diese geringfügig von der Oberfläche des aus Mikrofasern bestehenden
Vlieses abstehenden Normalfasern gewährleisten eine gute Verbindung des Grundkörpers
mit der Beschichtung und verbessern die temperaturabhängige Festigkeit des Grundkörpers.
Besteht der Grundkörper aus mehr als zwei Schichten, so kann die Verbindung aller
dieser Schichten durch gemeinsames Vernadeln erfolgen
Da das koagulierte Kunststoffmaterial in dem aus Mikrofasern bestehenden
Vlies die Temperaturbeständigkeit negativ beeinflusst, ist es von Vorteil, wenn
das aus Mikrofasern bestehende Vlies, das in erster Linie dazu dient, das Aufbringen
einer dünnen Beschichtung zu ermöglichen, dünner ist als das die Festigkeit des
Kunstleders bestimmende Krempelvlies. Dadurch wird auch eine kostengünstige Herstellung
des Kunstleders sichergestellt. Die Dicke des aus Mikrofasern bestehenden Vlieses
beträgt aus diesem Grunde zweckmäßig zwischen 0,3 mm und 0,9 mm, vorzugsweise zwischen
0,3 mm und 0,6 mm.
Die Normalfasern des Krempelvlieses bestehen gemäß einem weiteren
Merkmal der Erfindung vorzugsweise aus Polyester und/oder aus Polyamid und/oder
aus Polypropylen. Diese Materialien sind wegen ihrer hohen Wärmebeständigkeit und
mechanischen Festigkeit besonders geeignet.
Die Oberfläche des aus Mikrofasern bestehenden Vlieses ist vorzugsweise
vor dem Aufbringen der Beschichtung gespalten oder geschliffen, sodass sie das Aussehen
ähnlich wie ein geschliffenes Spalt- oder Narbenleder aufweist. Durch eine solche
Oberfläche wird sichergestellt, dass sich die Fasern auch bei einer sehr dünnen
Beschichtung nicht an der Sichtseite derselben, selbst bei einer Dehnung des Kunstleders,
abzeichnen.
Das koagulierte Kunststoffmaterial des aus Mikrofasern bestehenden
Vlieses kann aus einer polymeren Lösung gebildet sein. Vorzugsweise ist jedoch dieses
koagulierte Kunststoffmaterial aus einer wässerigen Kunststoffdispersion gebildet,
die durch wärmesensible Zusätze, durch Veränderung des pH-Wertes oder durch Frostbeaufschlagung
unter Verwendung eines gefrierenden Mittels zum Koagulieren gebracht wurde. Dadurch
wird der Herstellungsprozess vereinfacht und umweltfreundlich gestaltet.
Besonders weiche, aber dennoch reißfeste Kunstleder werden dann erzielt,
wenn das aus Mikrofasern bestehende Vlies vor dem Aufbringen der das koagulierte
Kunststoffmaterial bildenden Kunststoffdispersion mit einer Antihaftausrüstung versehen
sind, die vorzugsweise von einem Silikonöl, einer Silikonemulsion oder einer Silikondispersion
gebildet ist.
Die Beschichtung kann, wie an sich bekannt aus zumindest zwei Lagen
bestehen, von welchen eine Lage durch Aufbringen, beispielsweise Aufsprühen,
einer wässerigen, Polyurethan enthaltenden Kunststoffdispersion auf eine warme,
entfernbare Unterlage und die andere Lage durch direktes Aufbringen auf die Oberfläche
des aus Mikrofasern bestehenden Vlieses gebildet sind, und die Lagen durch Anwendung
von Druck und Wärme zusammengefügt sind. Zumindest die äußere Lage weist hierbei
offene durchgängige Poren auf, durch die die erforderliche Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit
gewährleistet ist.
Gemäß einem, weiteren Merkmal der Erfindung ist die äußere Lage von
einer Polyurethan enthaltenden verfestigten Dispersion gebildet, die im wesentlichen
keine kristalline Struktur aufweist, wogegen die dem Grundkörper benachbarte Lage(n)
von einer verfestigten Dispersion gebildet sind, welche Polyurethan in einer kristalliner
Struktur enthält. Dadurch wird eine besonders gute Verbindung aller Lagen erzielt.
Erfindungsgemäß können in die Beschichtung Mikrofaserschnitte und/oder
- flocken aus Kunststoff, vorzugsweise aus Polyamid und/oder aus Polyester, eingebettet
sein. Dadurch erhält die Sichtseite des Kunstleders ein velour- oder nubukähnliches
Aussehen. Bei einem zweischichtigen Aufbau der Beschichtung genügt es, wenn diese
Mikrofaserschnitte und/oder -flocken lediglich in der außeren, die Sichtseite des
Kunstleders bildenden Schicht angeordnet sind. Diese Mikrofaserschnitte bzw. -flocken
können dann bei Herstellung der Beschichtung in das noch nasse Beschichtungsmaterial
eingebracht werden.
Ein besonders schöner Nubukeffekt wird dann erzielt, wenn erfindungsgemäß
in die Beschichtung Mikrohohlkugeln eingebettet sind.
Weiters kann der Nubukeffekt dadurch verbessert werden, dass die Oberfläche
der Beschichtung geschliffen ist. Der Schleifvorgang erfolgt in diesem Fall zweckmäßig
mit einem Schleifpapier einer Körnung zwischen 280 und 800. Durch diesen Schleifvorgang
werden die Mikrofaserschnitte teilweise freigelegt.
Die Erfindung ermöglicht die Aufbringung einer Beschichtung mit einer
Dicke von weniger als 0,22 mm, vorzugsweise von weniger als 0,13 mm. Dadurch wird
eine besonders hohe Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit des Kunstleders nach DIN
53333 von mehr als 1 mg/cm2.h erzielt. Die Luftdurchlässigkeit ist so
groß, dass sie mit Prüfgeräten, wie sie in der Textilindustrie üblich sind, ermittelt
werden kann.
In der Zeichnung sind Ausführungsbeispiele des erfindungsgemäßen Kunstleders
im Schnitt in starker Vergrößerung dargestellt. 1 zeigt
eine Ausführung, bei welcher die beiden Schichten des Grundkörpers durch einen Klebstofffilm,
und 2 eine Ausführung, bei welcher die beiden Schichten
des Grundkörpers durch Vernadeln miteinander verbunden sind. Die 3
und 4 zeigen Ausführungen mit verschieden
ausgebildeten Beschichtungen.
Bei allen in der Zeichnung dargestellten Ausführungen besteht der
Grundkörper 1 aus einem Krempelvlies 2 aus normalstarken Fasern,
wir sie zur Herstellung eines solchen Vlieses üblich sind, und aus einem Vlies
3 aus Mikrofasern, wobei die Hohlräume zwischen den Mikrofasern zumindest
teilweise mit einem koagulierten Kunststoffmaterial ausgefüllt sind. Auf der Oberfläche
des aus Mikrofasern gebildeten Vlieses 3 ist eine Beschichtung
4 vorgesehen, die bei den Ausführungen nach den 1
und 2 aus einer dickeren äußeren Lage
5 und einer dünneren inneren Lage 6 besteht.
Besonders schöne und luftdurchlässige Kunstleder entstehen dann, wenn
die äußere Lage 5 aus einer Polyurethan enthaltenden elastomeren Dispersion
gebildet wird, die ohne oder nur mit sehr geringer Luftbeimengung in einem einzigen
Verfahrensschritt mittels Sprühpistolen auf einer heißen, strukturierten Silikonunterlage
appliziert wird. Dabei entsteht in dieser Lage 5 eine Vielzahl feiner durchgängiger
Poren, die bei 45-facher Vergrößerung deutlich sichtbar sind. Besonders vorteilhaft
ist die Anwendung dieser Verfahrensweise bei Formatzuschnitten mit einer Fläche
von weniger als 6 m2.
Bei der in 1 dargestellten Ausführungsform
erfolgt die Verbindung zwischen dem Krempelvlies 2 und dem aus Mikrofasern
gebildeten Vlies 3 durch einen nicht zusammenhängenden Klebstofffilm
7. Die von diesem Klebstofffilm 7 freigehaltenen Bereiche gewährleisten
die erforderliche Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit.
Bei der Ausführung nach 2 erfolgt die
Verbindung zwischen dem Krempelvlies 2 und dem aus Mikrofasern gebildeten
Vlies 3 durch Vernadeln, wobei einzelne der dickeren Fasern 8
des Krempelvlieses 2 zumindest teilweise in das aus Mikrofasern gebildete
Vlies 3 hineinragen und das koagulierte Kunststoffmaterial durchdringen.
Einige dieser Fasern 8 stehen auch von der Oberfläche des aus Mikrofasern
gebildeten Vlieses 3 ab und bewirken dadurch eine bessere Verbindung zwischen
diesem Vlies 3 und der Beschichtung 4.
Die Ausführung nach 3 zeigt ein Kunstleder,
dessen Polyurethan enthaltende Beschichtung 4 eine Velouroberfläche
9 aufweist, die durch Einlagerung von Mikrofaserschnitten und anschließendem
Schleifen mit einem feinkörnigen Schleifpapier erzielt wurde. Bei dieser in
3 dargestellten Ausführung ist eine Verbindung zwischen
den beide Vliesen 2, 3 durch einen Klebstofffilm
7 dargestellt, es kann aber natürlich auch bei dieser Ausführung eine Verbindung
durch Vernadeln erfolgen.
4 zeigt eine Ausführung, bei welcher
die Polyurethan enthaltende Beschichtung 4 mit durch die Beschichtung hindurchgehenden
Poren 10 versehen ist, welche eine große Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit
gewährleisten. Bei dieser Ausführung nach 4 ist eine
Verbindung des Krempelvlieses 2 mit dem aus Mikrofasern gebildeten Vlies
3 durch Vernadeln dargestellt. Es kann aber natürlich auch hier eine Verbindung
der beiden Vliese 2, 3 durch einen Klebstofffilm bewirkt werden.
Sowohl bei der Ausführung nach 3 als
auch bei der Ausführung nach 4 können die Beschichtungen
4 aus einer Lage, aber auch aus zwei oder mehr Lagen bestehen.
Im Folgenden wird das Herstellungsverfahren des erfindungsgemäßen
Grundkörpers anhand von zwei Beispielen näher erläutert:
Beispiel 1
Ein an sich bekanntes Vlies, hergestellt aus Mikrofasern, welches
mit einem weichen Polyurethan imprägniert und koaguliert wurde, und welches nach
dem Spalten eine Stärke von ca. 0,6 mm und ein Gewicht von ca. 185 g/m2
aufweist, wird auf der der Spaltseite gegenüberliegenden Seite mit einer vernetzbaren,
wärmeaktivierbaren, Polyurethan enthaltenden Kunststoffdispersion ausgerüstet, und
zwar in einer Menge zwischen 15 und 70 g/m2, vorzugsweise zwischen 25
und 40 g/m2, so dass kein geschlossener zusammenhängender Film entsteht.
Die Polyurethan enthaltende Kunststoffdispersion ist möglichst weich und weist im
vernetzten Zustand eine Härte von weniger als 80 Shore A auf. Das Auftragen erfolgt
mittels einer strukturierten Walze im Gleichlauf, allenfalls mit geringer Friktion.
Die Polyurethan enthaltende Kunststoffdispersion weist ein hochviskoses Verhalten
auf, damit die Dispersion nicht, oder nicht nennenswert, in das Vlies eindringt.
Das verwendete Polyurethan besitzt im wesentlichen eine kristalline Struktur, wodurch
der Klebeeffekt verbessert wird.
Ein Krempelfaservlies mit einem Flächengewicht von ca. 220 g/m2
und einer Stärke von ca. 1,3 mm, welches durch Nadeln verfestigt wurde, bestehend
aus normalen Polyester-Monofasern, wird mit der gleichen Masse, jedoch mit niedriger
Viskosität, auf der zur Verbindung kommenden Seite mit einem Sprühauftrag versehen.
Das Sprühen erfolgt möglichst "trocken", damit die Dispersion nur auf der Oberfläche
appliziert wird und nicht, oder nicht nennenswert, in das Vlies eindringt. Die Auftragsmenge
beträgt zwischen 20 und 100 g/m2, vorzugsweise zwischen 30 und 50 g/m2.
Die Kunststoffdispersion hat, gemessen mit Ford Cup 8, eine Viskosität von ca. 35
sec und einen Feststoffanteil von ca. 43%. Sie enthält 5% eines für wässerige Systeme
geeigneten Isocyanates mit einem Wirkungsanteil von 80%. Nach einer kurzen Ablüftzeit
werden beide Vliese in einer Rollen- oder Plattenpresse mittels Wärme und Druck
miteinander verbunden. Die Verweilzeit unter Druck ist temperaturabhängig. Die vorher
trockene, wärmeaktivierbare Kunststoffdispersion wird bei ca. 65°C aktiviert.
Dabei startet auch die Vernetzung. Nach dem Verbinden der beiden unterschiedlichen
Vliese kann der Grundkörper, dessen zur Beschichtung kommende Oberfläche das Aussehen
von Spaltleder hat, sofort beschichtet werden. Zweckmäßig wird dieser Träger mit
einer Beschichtung versehen, welche in fertigem Zustand das Aussehen von Velour-
bzw. Nubukleder hat, für die Verwendung für Schuhoberteile und Fahrzeuginnenausstattungen
geeignet ist, eine Schreibwirkung aufweist und sich angenehm angreift. Dazu wird
eine Kunststoffdispersion, die im Wesentlichen aus aliphatischem Polyester besteht
und zu Filmen mit einer Shore-Härte zwischen 45 und 92 Shore A führt und die einen
Vernetzer enthält, mit Mikroschnitt- oder Mahlfasern gefüllt. Die Kunststoffdispersion
selbst hat einen Feststoffanteil von ca. 35%. Ihr werden gewichtsmäßig auf 1 l zwischen
17 und 280 g Mikrofasern mit einer maximalen Länge von 0,5 mm zugeschlagen, vorzugsweise
zwischen 35 und 120 g/l. Die Dispersion kann als weitere Zuschlagsstoffe Verdickungsmittel,
Pigmente, höher molekulare Siliconemulsionen oder -dispersionen und an sich bekannte
Mikrohohlkugeln mit einer Hülle aus einem thermoplastischen Kunststoff enthalten.
Dieser Ansatz wird entweder mittels einer Walze, einem Rakel oder durch Aufsprühen
auf die Beschichtungsseite des Grundkörpers mit einer Auftragsmenge zwischen 90
und 280 g/m2 aufgetragen. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, wenn der
Grundkörper vorher mit einer sehr dünnen Grundbeschichtung versehen wird, die ebenfalls
aus einer Polyurethan enthaltenden Dispersion bestehen kann. Nach dem Trocknen und
Vernetzen, was durch Wärmeeinwirkung beschleunigt werden kann, wird die Oberfläche
mit einem feinen Schleifpapier geschliffen. Dabei werden die Mikrofasern, kaum sichtbar,
an der Oberfläche der Beschichtung freigelegt und führen zu dem gewünschten Veloureffekt.
Durch die eventuelle Mitverwendung von Mikrohohlkugeln, oder Partikeln welche bei
Hitze Mikrohohlkugeln bilden, entstehen neben den offenen Koagulationszellen auch
geschlossene Zellen, welche ein Eindringen von Schmutz verhindern.
Beispiel 2
Auf einem in Beispiel 1 beschriebenen Mikrofaservlies, wird ein auf
einer Krempelanlage hergestelltes Normalfaservlies abgelegt, und so vernadelt, dass
ein Teil der Normalfasern das Mikrofaservlies durchdringen. Die
Oberfläche des Mikrofaservlieses bleibt demnach für dünne Beschichtungen geeignet.
Auf diese Schicht können nach jedem Beschichtungsverfahren dünne Beschichtungen,
mit einer Stärke von weniger als 0,25 mm aufgetragen werden, ohne dass sich beim
Dehnen die sonst immer störende Struktur des Nadelvlieses abzeichnet. Das Mikrofaservlies
hat eine Stärke von 0,4 mm und ein Gewicht von ca. 140 g/m2. Es besteht
im Wesentlichen zu ca. 65% aus Mikrofasern und ca. 35 aus koaguliertem Polyurethan.
Das genadelte Krempelvlies wiegt ca. 250 g/m2 und besitzt eine Stärke
von ca. 1,4 mm. Das so hergestellte Kunstleder besitzt eine extrem hohe Luft- und
Wasserdampfdurchlässigkeit, zeigt beim Dehnen nicht die sonst übliche negative Struktur
und besitzt in beiden Richtungen nahezu gleiche Bruchdehnungseigenschaften. Die
mechanischen Werte übertreffen in allen Punkten die Höchstwerte der Fahrzeugindustrie
für Leder, welches im Sitzbereich zur Anwendung kommt und dies bei einem geringeren
Gewicht. Dadurch, dass der Koagulationsanteil gering ist und alle Nachfolgearbeiten
umweltfreundlich sind, belastet das Kunstleder nicht die Umwelt und nicht die Mitarbeiter.
Da das fertig beschichtete Kunstleder kein PVC enthält, und ansonsten beim Recyceln
einfacher zu handhaben ist als PVC-haltige Kunststoffe oder auch chromhaltige Leder,
ist das Recyceln unproblematisch.
Durch die erfindungsgemäße Ausbildung des Kunstleders werden nicht
nur die Nachteile, die entstehen, wenn als Grundkörper ein Krempelvlies allein und
wenn als Grundkörper ein aus Mikrofasern gebildetes Vlies allein verwendet werden,
sondern durch die Kombination dieser beiden Vliese wird ein Kunstleder geschaffen,
das über eine Summe positiver Eigenschaften vor allem hinsichtlich Hygiene, Komfort,
Gewicht, Alterungsbeständigkeit und mechanischer Festigkeit verfügt, welche von
der Automobil- und Schuhindustrie gefordert werden. So hat ein Test, bei welchem
die Luftdurchlässigkeit des erfindungsgemäßen Kunstleders ermittelt wurde, ergeben,
dass ein Liter Luft bei einem Druck zwischen 0,1 bar und 0,5 bar in weniger als
0,3 sec durch den Prüfling hindurchgeht, wogegen bei bisher üblichen beschichteten
Vliesmaterialien mit einer ähnlichen Beschichtung, die zwecks Erzielung der erforderlichen
Luftdurchlässigkeit mikroperforiert wurde, unter gleichen Bedingungen hierfür etwa
10 sec benötigt werden.