| Dokumentenidentifikation |
DE19730383B4 18.08.2005 |
| Titel |
Verfahren zum Herstellen einer Struktur, die ein Element aus Formgedächtnislegierung enthält, und Baugruppe zur Durchführung des Verfahrens |
| Anmelder |
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., 53175 Bonn, DE |
| Erfinder |
Piening, Matthias, 38110 Braunschweig, DE |
| Vertreter |
Einsel, M., Dipl.-Phys., Pat.-Anw., 38102 Braunschweig |
| DE-Anmeldedatum |
16.07.1997 |
| DE-Aktenzeichen |
19730383 |
| Offenlegungstag |
21.01.1999 |
| Veröffentlichungstag der Patenterteilung |
18.08.2005 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
18.08.2005 |
| IPC-Hauptklasse |
C22F 1/00
|
| IPC-Nebenklasse |
G12B 1/00
|
| Beschreibung[de] |
|
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen einer Struktur,
die ein Element aus Formgedächtnislegierung enthält und eine Baugruppe zur Durchführung
des Verfahrens.
Strukturen, die mindestens ein Element aus einer Formgedächtnislegierung
enthalten, sind in vielfacher Form bekannt, beispielsweise aus der DE
195 29 712 A1. Diese Strukturen besitzen einen Betätigungsmechanismus und
ein Stellglied aus einer Formgedächtnislegierung. Das Stellglied kann aus wenigstens
einem in mehreren Windungen angeordneten dünnen Draht bestehen.
Bekannt ist außerdem, dass die Eigenschaften der Formgedächtnislegierungen
vor ihrer praktischen Anwendung trainiert werden müssen, so Stöckel, Dieter: "Formgedächtnis
und Pseudoelastizität von Nickel-Titan-Legierungen", Metall 41 (1987), Heft 5, S.
494 bis 500. Für die technische Nutzung der Formgedächtnislegierungen muss eine
Optimierung von Kraft und Weg gefunden werden, um entweder maximale Arbeit bei niedriger
Zahl der Arbeitszyklen verrichten zu können, oder um umgekehrt eine maximale Lebensdauer
der Elemente zu erzielen.
In der DE 197 02 518 A1
wird in anderem Zusammenhang für die aktive Veränderung von Fugenpressungen in Fügestellen
in mechanischen Konstruktionselementen der Einsatz von lernfähiger Software vorgeschlagen.
Neuronale Netze können dort Regelstrukturen im Rahmen einer Lernphase optimal festlegen
und trainieren.
Es ist bekannt, Elemente aus Formgedächtnislegierung zu trainieren,
d. h. ihnen ein bestimmtes Verhalten unter bestimmten äußeren Bedingungen beizubringen.
Zu diesem Zweck werden beispielsweise lange Drähte aus Formgedächtnislegierung an
einer geeigneten Befestigung aufgehängt und durch Anhängen von Gewichten unter wechselnden
Temperaturbedingungen belastet. Im Inneren des Drahtes findet dadurch immer wechselnd
eine Umwandlung von Austenit in Martensit und umgekehrt statt, wie beispielsweise
in Stoeckel, Dieter: „Shape Memory Alloys – Prompt New Actuator Designs",
Advanced Materials & Processes (1990) 10, S. 33 bis 38 beschrieben.
Es ist ebenfalls bekannt, ein solches Element aus einem Formgedächtnismaterial
in Form eines Drahtes nach dem Trainieren in eine entsprechende Struktur einzufügen,
beispielsweise zur aktiven Verformung von Tragflächenhäuten. Darüber hinaus sind
strukturseitig Anforderungen zu erfüllen, um den Draht aus Formgedächtnismaterial
in die Struktur einbauen zu können. Diese Anforderungen steigen mit dem Grad der
Integration, da das Zusammenspiel von Struktur und Draht aus Formgedächtnismaterial
möglichst verschleißlos und störungssicher funktionieren soll.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum
Herstellen einer Struktur mit einem Element aus Formgedächtnislegierung und eine
Baugruppe zur Durchführung des Verfahrens zu schaffen, bei denen derartige Nachteile
nicht mehr auftreten, also eine lange Lebensdauer des in der Struktur integrierten
Elementes aus Formgedächtnislegierung und eine sehr gute Funktionsweise vorgesehen
sind.
Die Aufgabe wird gelöst, durch ein Verfahren zum Herstellen einer
Struktur, die ein Element aus Formgedächtnislegierung aufweist, bei dem ein untrainiertes
Element aus Formgedächtnismaterial genommen wird, bei dem ein Aktuator mit dem untrainierten
Element aus Formgedächtnislegierung versehen wird, bei dem der Aktuator mit den
fertigmontierten untrainierten Elementen aus Formgedächtnislegierung unter späteren
Anwendungsbedingungen trainiert wird, und bei dem die Baugruppe mit dem Aktuator
und den mit dem Aktuator trainierten Elementen aus Formgedächtnislegierung in die
Struktur eingesetzt wird.
Eine Baugruppe zur Durchführung des Verfahrens zeichnet sich dadurch
aus, dass ein Aktuator vorgesehen ist, dass die Baugruppe zunächst untrainierte
Elemente aus Formgedächtnislegierung aufweist, die als Drähte ausgebildet sind,
dass Windungen aus Formgedächtnislegierung vorgesehen sind, die formschlüssig Strukturelemente
umschlingen und mit elektrischen Anschlüssen und/oder mechanischen Befestigungen
versehen sind, und dass zu betätigende Strukturelemente und entfernbare Hilfselemente
vorgesehen sind.
Die Baugruppe mit dem Aktuator ist als kompakte Einheit montierbar
und demontierbar. Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen definiert.
Es ist so, dass sich im Stand der Technik meist das dem Draht antrainierte
Verhalten von dem später im Betrieb abverlangten Verhalten sehr stark unterscheidet.
Die auftretenden Probleme sind ausschließlich auf die unterschiedlichen Bedingungen
in den Betriebsphasen zurückzuführen.
Bei der Umwicklung von Umlenkkörpern bei bestimmten Strukturen durch
einen Draht aus Formgedächtnismaterial ergibt sich das Problem, dass ein solcher
Draht nur auf eine Längenbelastung in seiner Längsrichtung, nicht
aber auf die Belastung innerhalb einer derartigen Struktur mit Umlenkkörper trainiert
wurde. Aufgrund von Reibung und anderen nachteiligen Effekten tritt daher ein hoher
Verschleiß bei derartigen Drähten im späteren Betrieb auf.
Durch die Erfindung wird nun ein Verfahren zur Herstellung einer Struktur
vorgeschlagen, das einen völlig anderen Ansatz zum Trainieren eines Elementes aus
Formgedächtnislegierung benutzt und eine Baugruppe zur Durchführung des Verfahrens,
bei der eine Qualifizierung der Baugruppe, die ein Aktuator mit einem Element aus
Formgedächtnislegierung enthält, der eine abgeschlossene und weitgehend autarke
Einheit darstellt, außerhalb und unabhängig vom Einbauort des Aktuators ermöglicht.
Besonders vorteilhaft entspricht der innere Zustand des Aktuators beim Traninungsprozeß
exakt den vom späteren Betrieb zu erwartenden Verhältnissen. Es wird daher ein anwendungskonformes
Verhalten des Aktuators eintrainiert. Besonders bevorzugt ist dadurch die Kennlinie
des Aktuators bereits mit Abschluss des Trainings bekannt. Der letzte Trainingszyklus
kann vorzugsweise als Abnahmetest vorgesehen werden und zusammen mit der aufgezeichneten
Trainingsgeschichte als Qualifizierungsunterlage dienen.
Durch besonders bevorzugtes Vorsehen eines umschlossenen Raumes mit
zugleich bereitgestellten Randbedingungen für Isolierung und aktive Kühlung für
die Durchführung der Bewegungsabläufe des Aktuators und damit des Elementes aus
Formgedächtnismaterial sind die Schnittstellen des Elementes mit der Struktur des
Aktuators auf zumindest zwei formschlüssige Befestigungen und eine elektrische Ansteuerung
beschränkt. Dadurch ist der Aktuator als kompakte Einheit montierbar und auch demontierbar.
Besonders bevorzugt kann eine Formhaltung des trainierten Elementes
aus Formgedächtnismaterial durch eine Vorspannfeder mit geringer Steifigkeit erfolgen.
Besonders bevorzugt werden beim Training ausschließlich die Dehnungszustände
beeinflusst, die beim nachfolgenden Betrieb genutzt werden, wobei über die gesamte
freie Dehnlänge des Formgedächtnismaterials eine konstante Dehnung eingeprägt wird.
Dadurch werden Eigenspannungszustände weitgehend vermieden, die sich bei davon abweichenden
Dehnungszuständen infolge der Reibung im Umlenkbereich von Umlenkkörpern des Aktuators
und dort, wo der Draht aus Formgedächtnismaterial am Ende befestigt ist, zwangsläufig
einstellen. Der Umlenkbereich stellt insofern nämlich eine Problemzone dar. Da bei
dem erfindungsgemäßen Verfahren der Aktuator als eine Gesamteinheit trainiert wird,
minimieren sich diese negativen Einflussfaktoren. Ein Bruch von Drähten aus Formgedächtnismaterial
aufgrund der steten Reibung beim Längen und Verkürzen des Aktuators im Betrieb im
Bereich der Umlenkkörper wird weitestgehend vermieden. Die Drähte aus Formgedächtnismaterial
werden vorteilhaft bereits beim Training genau in derselben Positionierung auf dem
Aktuator, nämlich auch im Bereich der Umlenkkörper des Aktuators, so gedehnt, wie
sie später im Betrieb ebenfalls gedehnt werden. Die eingeprägten Dehnungszustände
entsprechen an jeder Stelle des Drahtes aus Formgedächtnismaterial im Training genau
denselben Dehnungszuständen wie sie im späteren Betrieb auftreten. Eine Reibung
durch Längen und Verkürzen des Formgedächtnismaterials im Bereich der Umlenkkörper
im späteren Betrieb wird dadurch weitgehend vermieden.
Besonders bevorzugt sind die Umlenkkörper des Aktuators mehrschalig,
insbesondere zweischalig gefertigt. Dadurch werden die Windungen aus Formgedächtnismaterial
in mehreren Lagen, insbesondere zwei Lagen, nämlich über der ersten Schale und über
der zweiten Schale angeordnet. Die Windungen des Formgedächtnismaterials umschließen
die Umlenkkörper oder Umlenkelemente formschlüssig. Die elektrischen Windungen können
über einschalige oder mehrschalige Umlenkkörper geführt werden, wobei elektrische
Anschlüsse entweder für die Gesamtzahl der Windungen als ein Draht oder für die
auf die Schale wirkenden Windungen schalenweise vorgesehen werden können. Die Geometrie
der Windungsanordnung auf mehreren Schalen wird vorzugsweise so gewählt, daß lediglich
eine Spannungsquelle erforderlich ist, die die Windungen gleichmäßig speist. Werden
unterschiedliche Windungslängen bei den einzelnen Schalen des Aktuators gewählt,
sind unterschiedlich dimensionierte Spannungsquellen erforderlich. Deswegen sollten
möglichst die Windungen einheitliche Abmessungen aufweisen, um hier vorteilhaft
dem Erfordernis mehrerer Spannungsquellen zu entgehen. Bei geeignetem Umwickeln
eines Umlenkkörpers mit dem Drahtende durch Leerwindungen wird das Ende befestigt.
Durch die Reibung auf dem Unterkörper werden die im Draht wirkenden Kräfte, die
ein Lösen vom Umlenkkörper bewirken können, abgebaut.
Ein angepaßtes Training erfolgt daher sowohl im Umlenkbereich als
auch an Orten der Drahtbefestigung. Gerade dort sind ansonsten die mit den Anforderungen
an eine Befestigung unvereinbaren Dehnungen vorhanden.
Zumindest im Umlenkbereich sind die Umlenkkörper, auf denen die Windungen
aus Formgedächtnismaterial formschlüssig aufliegen, elektrisch isolierend gefertigt.
Da die Drähte aus Formgedächtnismaterial durch elektrische Beaufschlagung gelängt
werden, ist das Vorsehen von Isolierungen innerhalb des Aktuators erforderlich,
zumindest im Auflagebereich der Drähte, also im Umlenkbereich.
Die im Stand der Technik in diesem Bereich auftretenden Reibungskräfte durch Reiben
von Drähten auf den Isolierungen beim Ausdehnen und Zusammenziehen des Formgedächtnismaterials
bei der Be- und Entlastung wirken den Dehnungen entgegen, die im Formgedächtnismaterial
bei Überschreitung der austenitischen Umwandlungstemperatur entstehen. Aufgrund
der Behinderung der Formänderung entstehen dann innere Eigenspannungszustände. Diese
können beim Stand der Technik nicht im Sinne der Aktuatorfunktion genutzt werden.
Sie stellen daher eine nutzlose Belastung des Elementes aus Formgedächtnismaterial
dar und können dadurch zu einem vorzeitigen Versagen des Aktuators führen. Solche
Aktuatoren finden besondere Anwendung im Bereich der Raumfahrt, können auch im Flugzeugbereich
eingesetzt werden, insbesondere zur aktiven Verformung von Tragflächenhäuten etc.
Der daher besonders im Raumfahrtbereich sehr negative und nachteilige Effekt eines
Versagens der Aktuatoren tritt besonders vorteilhaft bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
und dem erfindungsgemäßen Aktuator nicht mehr auf.
Die Windungen aus Formgedächtnismaterial können einerseits mittels
federbelasteter Umlenkkörper in Form gehalten werden, besonders bevorzugt dann,
wenn die Umlenkkörper Bestandteil der zu betätigenden Strukturelemente des Aktuators
sind. Alternativ dazu können aber bevorzugt auch Struktursteifigkeiten diese formgebende
Funktion wahrnehmen. Dies gilt insbesondere für die Trainingsphase. Nach erfolgter
Montage am Ort der Anwendung des Aktuators können diese Hilfsmittel, also entweder
die federbelasteten Umlenkkörper oder aber entfernbare Struktursteifigkeiten entfernt
werden. Es verbleibt dann lediglich eine Anzahl von Drahtwindungen am Ort der Anwendung,
die Strukturelemente des Aktuators formschlüssig umschlingen und mit elektrischen
Anschlüssen und/oder mit mechanischen Befestigungen versehen sind.
Zur näheren Erläuterung werden im folgenden Ausführungsbeispiele einer
erfindungsgemäßen Vorrichtung in Form eines Aktuators aus Formgedächtnismaterial
anhand der Zeichnungen beschrieben. Diese zeigen in:
1 eine prinzipielle Schnittansicht einer
ersten Ausführungsform eines Aktuators mit Dehnungsverlaufseinzeichnung,
2 eine Prinzipskizze eines zweischaligen
Umlenkkörpers in der Schnittansicht,
3 eine Prinzipskizze eines einschaligen
Umlenkkörpers in der Schnittansicht mit Dehnungsverteilungsdarstellung,
4 ein Diagramm zur Verdeutlichung des
reibungsabhängigen Kräfteverlaufs im Umlenkbereich eines Drahtes aus Formgedächtnismaterial,
und
5 eine Draufsicht auf einen Umlenkkörper,
dessen Drähte parallel zueinander gewickelt sind.
In 1 ist eine seitliche Schnittansicht
als Prinzipskizze eines Aktuators 1 mit Windungen 10,
11 aus Formgedächtnismaterial dargestellt. Der Aktuator weist Umlenkkörper
20, 21 und 30, 31 auf. Die Umlenkkörper
30 und 31 sind ebenso wie die Umlenkkörper 20 und
21 zweischalig übereinander angeordnet. Der Draht 2 aus Formgedächtnismaterial
umgreift formschlüssig in Windungen 10, 11 sowohl die inneren
Umlenkkörper 30, 20, als auch die äußeren Umlenkkörper
31, 21. Die jeweiligen Anfänge und Enden der auf einer Schale
des Umlenkkörpers liegenden Windungen bzw. das Ende und der Anfang des Drahtes
2 sind mechanisch befestigt. Diese mechanische Befestigung wie auch zwei
elektrische Anschlüsse des Drahtes 2 sind in 1
nicht dargestellt. Die beiden elektrischen Anschlüsse dienen dem Anschluß des Drahtes
an eine Stromquelle, um diesen durch den durch ihn hindurchfließenden Strom zu erwärmen.
Erwärmen und Abkühlen des Drahtes sind erforderlich, um ihn auf bestimmte Dehnzustände
zu trainieren. Durch das Erwärmen und das Abkühlen tritt innerhalb des Drahtes eines
Strukturumwandlung von Martensit in Austenit und umgekehrt statt.
Die Umlenkkörper 20, 21, 30,
31 sind vorzugsweise isolierend oder als Isolatoren ausgeführt. Dadurch
fließt der in den Draht 2 eingeleitete Strom lediglich durch diesen und
nicht durch die Umlenkkörper.
Die inneren Umlenkkörper 20, 30 weisen jeweilige
zylinderförmige Ansätze 22, 32 auf. Über diese zylinderförmigen
zueinander weisenden Ansätze 22, 32, ist ein Führungsrohr
40 geschoben. Sowohl zylinderförmige Ansätze als auch Führungsrohr
40 werden von einer Vorspannfeder 41 umgeben. Diese stützt sich
an den Umlenkkörpern 20, 30 ab. Durch Vorsehen der Vorspannfeder
in Verbindung mit dem Führungsrohr und den zylinderförmigen Ansätzen der inneren
Umlenkkörper weist der Aktuator eine vorbestimmte Ausgangslänge auf. Die um die
Umlenkkörper gewundenen Drähte oder der Draht 2 weisen daher ebenfalls
eine vorbestimmte Ausgangslänge auf.
Zum Trainieren des Aktuators 1 mit Draht 2 aus Formgedächtnismaterial
greifen an den Umlenkkörpern 20, 30, Kräfte an. Diese ziehen den
Aktuator in Richtung der Vorspannfeder 41 auseinander.
Dadurch wird der Draht 2 um einen vorbestimmten Betrag gelängt.
Durch eine gleichmäßige Erwärmung des Drahtes bis oberhalb der austenitischen
Umwandlungstemperatur schrumpft der Draht und wirkt dadurch der Federkraft entgegen.
Auf die Feder wird also eine ihr entgegenwirkende Kraft als Druckkraft ausgeübt.
Bei Abkühlen des aus Formgedächtnislegierung hergestellten Drahtes
unter die austenitische Umwandlungstemperatur nimmt der Draht wieder seine martensitische
Gestalt an. Er dehnt sich also aus. Die Vorspannfeder 41 drückt die Umlenkkörper
in Richtung der Pfeile in die äußere Position. Diese Zugkraft der Vorspannfeder
41 entfernt die Umlenkkörper 20, 21 und 30,
31 also voneinander. Der Draht bleibt dadurch im Umlenkungsbereich auf
der Oberfläche der beiden äußeren und inneren Umlenkkörper 20,
21, 30, 31 formschlüssig befestigt auch wenn keine Gewichtskräfte
oder äußere Federsteifigkeiten mehr wirken.
Durch die elektrische Direktbeheizung durch Ausnutzen des physikalischen
Phänomens des in einem elektrischen Leiter wirkenden elektrischen Widerstandes bei
hindurchfließendem elektrischen Strom kann der Draht besonders gleichmäßig erwärmt
werden, so daß die austenitische Umwandlungstemperatur über die gesamte Drahtlänge
und den Drahtquerschnitt im wesentlichen gleichzeitig erreicht wird, sofern dieser
gegen Kühlverluste abgeschirmt wird und dadurch adiabate Zustände erzielt werden
können.
Besonders Vorteilhaft wird eine aktive Kühlung vorgesehen, um die
Rückwandlung in den martensitischen Zustand schnell ausführen zu können. Zu diesem
Zweck ist eine mit Anschlüssen zum Durchleiten eines Kühlmediums ausgestattete Wärmeisolierung
im Bereich der Umlenkkörper vorgesehen. In diesem Bereich tritt dann das Kühlmedium
in direkten Kontakt mit dem Draht und nimmt durch Wärmeleitung und/oder Konvektion
Energie auf, kühlt somit den aus der Formgedächtnislegierung bestehenden Draht ab.
Dadurch ist auch eine erhöhte Betätigungsfrequenz des Aktuators möglich. Die elektrische
Isolierung der einzelnen Windungen des Drahtes gegeneinander kann außer dadurch,
daß die Umlenkkörper als Isolator wirken, auch dadurch erfolgen, daß eine isolierende
Ummantelung des Drahtes vorgesehen wird. Darüber hinaus ist zwischen den einzelnen
Windungen des Drahtes ein Abstand eingehalten.
Während des Trainierens des Drahtes treten in diesem Dehnungen auf.
Der Dehnungsverlauf D ist in 1 ebenfalls dargestellt.
2 zeigt eine Schnittansicht als Prinzipskizze
eines zweischaligen Umlenkkörpers mit zwei Drahtwindungen aus Formgedächtnismaterial.
Die beiden Drahtwindungen umgreifen die beiden Schalen des Umlenkkörpers
20, 21 formschlüssig.
Durch die Pfeile sind die an den beiden Umlenkkörperschalen und an
den beiden Drahtwindungen angreifenden Kräfte dargestellt. Diese wirken einander
entgegen. Beim Stand der Technik würden aufgrund des Verschiebens entlang der Kontur
der Umlenkkörper zwischen den Drahtwindungen und dem Umlenkkörper Reibkräfte auftreten.
Der Grund dafür liegt darin, daß bei den Drähten des Standes der Technik ein Trainieren
im langgestreckten Zustand stattfindet. Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren hingegen
ist es so, daß die Drähte aus Formgedächtnismaterial erst dann trainiert werden,
wenn sie bereits auf den Aktuator aufgebracht sind. Dadurch treten keine Dehnungen
auf, hervorgerufen durch die Reibkräfte, die in dem Draht aus Formgedächtnismaterial
bei Überschreiten der austenitischen Umwandlungstemperatur entstehen können.
In 3 ist eine Prinzipskizze als Schnittansicht
des Umlenkkörpers 20 mit angezeichnetem Draht und Dehnungsverlauf des Drahtes
während des Trainings mit Kräften F1, F2 dargestellt. Die
Reibkraft entlang der Umlenkkontur des Umlenkkörpers bewirkt eine Abminderung der
im Draht wirkenden Zugkraft in Abhängigkeit vom Umschlingungswinkel &agr; und vom
Reibungskoeffizienten u in der Form:
F2 = F1·e-&mgr;·&agr;
Im Draht vorhandene oder wirkende Spannungen und Dehnungen sind zu
der Kraft F2 proportional. Während des Betriebes des Aktuators sind die
Differenzspannungen zwischen den reibungsbehafteten und den reibungsfreien Zuständen
weitgehend wirkungslos. Wird der Aktuator folglich in einem Zustand trainiert, der
dem nachfolgenden Betriebszustand entspricht, wie dies erfindungsgemäß vorgesehen
ist, treten die infolge Reibkräften nicht wirksamen Dehnungszustände gar nicht erst
auf.
4 zeigt ein Diagramm, welches den reibungsabhängigen
Kräfteverlauf im Umlenkbereich des Drahtes aus Formgedächtnismaterial darstellt.
Auf der Hochachse des Diagrammes ist das Kräfteverhältnis &bgr; = F/P und auf der
Querachse der Umschlingungswinkel &agr; in Grad angegeben. Die einzelnen im Diagramm
angegebenen Kurven gelten für unterschiedliche Reibungskoeffizienten &mgr;. Für
einen Reibungskoeffizienten von &mgr; = 0,1 ergibt sich beispielsweise ein Kräfteverhältnis
&bgr; = 1 für &agr; = 0° und &bgr; = 0,9 für &agr; = 90°. Ein solcher Umschlingungswinkel
&agr; = 90° ist in 3 dargestellt. Das Kräfteverhältnis
sinkt bei demselben Umschlingungswinkel &agr; = 90° bei einem Reibungskoeffizienten
&mgr; = 0,5 beispielsweise auf etwa &bgr; = 0,46. Die in
3 mit F2 bezeichnete Kraft ist somit bei
größeren Reibungskoeffizienten &mgr; kleiner als bei kleinen Reibungskoeffizienten.
Anstelle der in den vorigen 1 bis
3 dargestellten Umlenkkörper, welche federbelastet
sind und dadurch die Drahtwindungen in Form halten, können Struktursteifigkeiten
in dem Aktuator vorgesehen werden, die dieselben formgebenden Funktionen erfüllen.
Die forngebende Funktion von entweder Struk- tursteifigkeiten oder Umlenkkörpern
mit Vorspannfeder werden insbesondere für die Trainingsphase des Aktuators benötigt.
Nach erfolgter Montage des Aktuators am Ort der Anwendung können diese Hilfselemente,
nämlich federbelastete Umlenkkörper oder entfernbare Struktursteifigkeiten entfernt
werden, sofern dies möglich ist. Vor Ort bleibt dann lediglich eine Anzahl von Drahtwindungen,
die formschlüssig Teile der Struktur umschlingen, auf die der Aktuator eine Kraft
ausüben soll.
Eine solche Aktuatoreinheit kann beispielsweise eine Länge l = 30
cm aufweisen. Diese Aktuatoreinheit kann einen Mechanismus in Form der Drahtwindungen,
wie in den vorigen Figuren dargestellt, mit einer Kraft von 50 kp über eine Weglänge
von 10 mm bei einem Drahtquerschnitt von 0,176 mm2 und vier Windungen
mehrfach betätigen. Sie wiegt dabei vorzugsweise ohne Isolierung, welche beispielsweise
Styropor sein kann, und ohne elektrische Anschlüsse weniger als 3 g.
5 zeigt eine Draufsicht auf Umlenkkörper
20, 30 mit parallel zueinander ausgerichteten Zugdrähten
2. Gestrichelt ist der Normalfall von schiefziehenden Drähten
3 aus Farmgedächtnislegierung angedeutet. Dadurch würde aber der Betrieb
des Aktuators gestört. Es wird dabei eine parallele Ausrichtung der Drähte angestrebt.
Zur Lösung des Problems wird die eine Schale 20 mit helikalen
Riefen 50 dergestalt ausgebildet, daß infolge der Steigung der Riefen ein
Versatz des Drahtes zur nächstfolgenden Windungsebene erzielt wird. Dadurch kann
eine exakte Parallelausrichtung der Zugdrähte und ein exakter Parallelzug in den
Drähten 2 im Aktuator erreicht werden.
Alternativ hierzu können beide Schalen bzw. Umlenkkörper
20, 30 mit jeweils der halben Steigung der Riefen versehen werden.
Es ergibt sich dann eine Schrägstellung der Windungen gegenüber dem auf die Achse
der Umlenkkörper gefällten Lot. Hierbei ist vorteilhaft lediglich ein Typ von Umlenkkörper
vorzusehen, was eine Kostenersparnis bedeutet.
1- Aktuator
2- Draht
3- Draht (gestrichelt)
10- Windungen
11- Windungen
20- Umlenkkörper, innerer
21- Umlenkkörper, äußerer
22- zylinderförmiger Ansatz
30- Umlenkkörper, innerer
31- Umlenkkörper, äußerer
32- zylinderförmiger Ansatz
40- Führungsrohr
41- Vorspannfeder
50- helikale Riefe
51- gerade Riefe
D- Dehnungsverlauf
|
| Anspruch[de] |
- Verfahren zum Herstellen einer Struktur, die ein Element aus Formgedächtnislegierung
aufweist,
– bei dem ein untrainiertes Element (2) aus Formgedächtnismaterial
genommen wird,
– bei dem ein Aktuator (1) mit dem untrainierten Element (2)
aus Formgedächtnislegierung versehen wird,
– bei dem der Aktuator (1) mit den fertigmontierten untrainierten
Elementen (2) aus Formgedächtnislegierung unter späteren Anwendungsbedingungen
trainiert wird, und
– bei dem die Baugruppe mit dem Aktuator (1) und den mit dem Aktuator
(1) trainierten Elementen (2) aus Formgedächtnislegierung in die
Struktur eingesetzt wird.
- Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass beim Trainieren
des Aktuators (1) ausschließlich die Dehnungszustände beeinflußt werden,
die beim nachfolgenden Betrieb genutzt werden, wobei über die freie Dehnungslänge
der Elemente (2) aus Formgedächtnislegierung konstante Dehnungen eingeprägt
werden.
- Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Aktuator (1) einen Umlenkbereich besitzt und
dass im Umlenkbereich des Aktuators (1) die Elemente (2) aus Formgedächtnislegierung
formschlüssig anliegen und mit Reibung trainiert werden.
- Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass die Bewegungsabläufe in einem hinsichtlich der Randbedingungen für Isolierung
und aktive Kühlung geschlossenen Raum trainiert werden.
- Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der Trainingsphase Windungen (10, 11) eines Elementes
(2) aus Formgedächtnislegierung, die mittels Hilfsmittel, oder durch Struktursteifigkeiten
des Aktuators geformt sind, belastet werden, und
dass nach erfolgter Montage am Anwendungsort diese Hilfsmittel entfernt werden,
wobei eine Anzahl von formschlüssig Strukturelemente des Aktuators, insbesondere
Umlenkkörper (20, 21, 30, 31) umschlingenden
Windungen (10, 11) der Elemente (2) aus Formgedächtnislegierung
verbleibt.
- Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Hilfsmittel
federbelastete Umlenkkörper (20, 21, 30, 31)
sind.
- Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Kennlinie des Aktuators (1) mit Elementen (2) aus Formgedächtnislegierung
während des Trainings dieser Elemente (2) vollständig aufgenommen wird
und mit Abschluss des Trainings bekannt ist.
- Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass der letzte Trainingszyklus als Abnahmetest ausgelegt wird und gemeinsam mit
der aufgezeichneten Trainingsgeschichte als Qualifizierungsunterlage des Aktuators
verwendet wird.
- Baugruppe zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche
1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Aktuator (1) vorgesehen ist,
dass die Baugruppe zunächst untrainierte Elemente (2) aus Formgedächtnislegierung
aufweist, die als Drähte (2) ausgebildet sind,
dass Windungen (10, 11) aus Formgedächtnislegierung vorgesehen
sind, die formschlüssig Strukturelemente (20, 21, 30,
31) umschlingen und mit elektrischen Anschlüssen und/oder mechanischen
Befestigungen versehen sind, und
dass zu betätigende Strukturelemente (20, 21, 30,
31) und entfernbare Hilfselemente (40, 41) vorgesehen
sind.
- Baugruppe nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Hilfselement
eine Vorspannfeder (41) in Verbindung mit einem Führungsrohr (40)
ist, die zwischen Umlenkkörpern (20, 30) angeordnet ist, eine
geringe Steifigkeit aufweist und zur Formhaltung der Windungen (10,
11) des Drahtes aus Formgedächtnislegierung dient.
- Baugruppe nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass Hilfselemente
Struktursteifigkeiten des Aktuators sind, die zur Formhaltung der Windungen (10,
11) von Elementen, insbesondere Drähten (2), aus Formgedächtnislegierung
dienen.
- Baugruppe nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet,
dass die Umlenkkörper (20, 21, 30, 31) mehrschalig,
insbesondere zweischalig, sind oder dass mehrere Umlenkkörper übereinander so vorgesehen
sind, dass eine Isolierung der umschlingenden Elemente (2) aus Formgedächtnislegierung
geschaffen ist.
- Baugruppe nach einem der Ansprüche 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet,
dass Riefen (50, 51) auf den Umlenkkörpern derart vorgesehen sind,
dass ein Parallelzug innerhalb der Windungen aus Formgedächtnismaterial gewährt
ist.
- Baugruppe nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass entweder
ein Umlenkkörper mit helikalen Riefen (50) mit einer vorbestimmten Steigung
und der andere mit geraden Riefen (51) oder beide Umlenkkörper mit helikalen
Riefen mit der jeweils halben Steigung versehen sind.
Es folgen 4 Blatt Zeichnungen
|
|
|