Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Granulats
aus Konverterschlacke gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
Ein gattungsbildendes Verfahren ist bekannt durch einen Aufsatz von
H.W. Gudenau, K.H. Lindner und H. Maas in Fachberichte "Hüttenpraxis Metallweiterverarbeitung,
Vol. 21, Nr. 10, 1983, Seite 859, 860". Bei diesem unter dem Begriff "Luft-Zerkleinerungs-Verfahren"
lautenden Verfahren wird heiße Schlacke aus einer Schlackenpfanne in eine Rinne
gekippt. Mit einem großen Gebläsewind wird ein starker Luftstrom erzeugt. Aus speziell
konzipierten Düsen, die vom an der Rinne angebracht sind, tritt dieser Luftstrom
mit hoher Geschwindigkeit aus und bläst die flüssige Schlacke in einen Kessel hinein.
Sie wird dabei in Form von Kügelchen oder Pellets (Durchmesser 0,3 bis 3 mm) zerteilt.
Mit dieser Granulationsanlage soll in erster Linie ein großer Teil der in der flüssigen
Schlacke enthaltenen Wärme zurückgewonnen werden. Bei der konkreten in Japan gebauten
Anlage werden 40 bis 45% der Gesamtwärme der Schlacke ausgenutzt. Das Granulat
selbst ist ein Abfallprodukt und kann als Großsand oder als Strahlmittel verwendet
werden.
Aus metallurgischen Gründen ist in Konverterschlacken ein Anteil chemisch
ungebundenen Kalks enthalten. Da dieser so genannte freie Kalk unter Volumenzunahme
Wasser aufnehmen kann, bestimmt sein Anteil maßgeblich die Raumbeständigkeit und
somit die Verwendbarkeit von Konverterschlacke für viele Anwendungen, z.B. als
Zementzuschlagstoff.
Ein Verfahren zur Reduzierung des freien Kalkgehaltes ist aus der
EP 0 542 330 A1 bekannt. Bei diesem Verfahren wird Konverterschlacke mittels eines
auf die Schlacke gerichteten Wasserstrahles granuliert. Zur Vermeidung von Explosionen
beim Kontakt von Wasser mit dem in der Konverterschlacke enthaltenen flüssigen
Stahlresten müssen diese weitestgehend abgetrennt werden. Die Konverterschlacke
wird hierzu abgekühlt und gebrochen, bevor sie zur eigentlichen Granulation wieder
aufgeheizt wird. Bei diesem Verfahren wird eine Konverterschlacke verwendet mit
einem Gehalt an freiem Kalk im Bereich von 5 bis 6 Gew. % und einem Gehalt an metallischem
Eisen von ca. 2 Gew. %. Die mittlere Dichte der granulierten Schlacke liegt bei
unter 1kg/dm3 und der Gehalt an freiem Kalk liegt bei unter 1 Gew. %
vorzugsweise bei unter 0,2 Gew. %. Dieses so erzeugte Granulat wird gemahlen und
in eine eisenreiche und in eine eisenarme Fraktion geteilt. Die eisenreiche Fraktion
wird als Rohmaterial zur Roheisenherstellung genutzt. Die eisenarme Fraktion dient
als Baumaterial für Straßen und Deiche, als poröser Leichtzuschlag für Beton oder
als hydraulisch aktives Bindemittel.
Aufgabe der Erfindung ist es ein einfaches und kostengünstiges Verfahren
zur Herstellung eines dichten raumbeständigen Granulats aus Konverterschlacke
anzugeben, das geringe Gehalte an freiem Kalk aufweist und als Zuschlagstoff zur
Herstellung von Beton oder Mörtel geeignet ist.
Diese Aufgabe wird ausgehend vom Oberbegriff in Verbindung mit den
kennzeichnenden Merkmalen des Anspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen
sind jeweils Gegenstand von Unteransprüchen.
Nach der Lehre der Erfindung wird der Massestrom der Luft zum Massestrom
der aus-bzw. herabfließenden flüssigen Konverterschlacke so eingestellt, dass sich
eine Fraktionierung in ein eisenreiches und in ein eisenarmes, dichtes, raumbeständiges
Granulat mit einer mittleren Dichte größer 1 kg/dm3 ergibt, das unter
Ausnutzung des in der Konverterschlacke enthaltenden Eisenoxids einen niedrigen
Gehalt an freiem Kalk aufweist, der den Anforderungen an Zuschlagstoffen zur Herstellung
von Beton oder Mörtel entspricht.
Die vorgeschlagene Verfahrensweise hat den Vorteil, dass mit dem Medium
Luft eine gefahrlose Granulierung und gleichzeitig eine Fraktionierung erreicht
wird und auf die aufwendige vorherige Abtrennung der in der Konverterschlacke enthaltenen
flüssigen Stahlreste verzichtet werden kann. Weiterhin wird das in der Konverterschlacke
enthaltene Eisenoxid für die Absenkung des Gehaltes an freiem Kalk im Granulat
genutzt. Ein weiterer Vorteil der vorgeschlagenen Verfahrensweise ist darin zu
sehen, dass das so erzeugte Granulat den Anforderungen als Zuschlagstoff zur Herstellung
von Beton oder Mörtel entspricht und somit auf die Gewinnung von Sand oder Kies
als Zuschlagstoff verzichtet werden kann und die ansonsten nur für den Straßenbau
zu verwendende Konverterschlacke vorteilhaft eingesetzt werden kann. Dabei fallen
erstens keine Kosten für die Gewinnung von Sand oder Kies an. Zweitens werden die
Entsorgungskosten für die Konverterschlacke eingespart. Selbst wenn man die zusätzlichen
Kosten zur Herstellung des Granulats mittels Verblasen mit Luft einrechnet, bleibt
unter dem Strich ein nicht zu unterschätzender Kostenvorteil übrig. Bei dieser
Rechnung sind die sich über längere Zeiträume verteilenden Kosten für die Erschließung
von Kiesgruben und deren anschließende Rekultivierung nicht mit eingerechnet.
Auch in früheren Zeiten hat es immer wieder Versuche gegeben, für
die Konverterschlacke andere Verwendungsgebiete als den Straßenbau zu erschließen.
Sie sind größtenteils daran gescheitert, dass der Gehalt an freiem Kalk in der
Konverterschlacke zu hoch war (DE-AS 129 30 72). Freier Kalk in der Schlacke führt
in Verbindung mit Wasser zur Aufblähung, ein Effekt der für viele Verwendungszwecke
nicht akzeptabel ist. Die vorgeschlagene Verfahrenstechnik macht es aber möglich,
ein Granulat zu erzeugen, dessen Gehalt an freiem Kalk (CaO) unter 0,4 Gew. % liegt.
Aus der EP 0 542 330 A1 ist zwar ein Verfahren bekannt, mit dem man
auch sehr niedrige Gehalte an freiem Kalk im Granulat erzeugen kann, jedoch verhinderten
die verfahrenstechnischen Nachteile des Einsatzes von Wasser bislang eine verbreitete
Anwendung. Insbesondere die für dieses Verfahren notwendige Abkühlung und Zerkleinerung
zur Abtrennung des Metallanteils und die dadurch bedingte Wiederaufheizung vor
der Granulation wirkt sich nachteilig auf die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens
aus. In diesem Zusammenhang hat die Anmelderin erkannt, dass der Einsatz von Luft
als Granulationsmedium und die Reaktion der Luft mit der Konverterschlacke ein
entscheidender Parameter zur Erzielung eines niedrigen Gehaltes an freiem Kalk
im Granulat ist. Untersuchungen und Überlegungen haben ergeben, dass man es beim
Verblasen mit einem sehr komplexen Vorgang im metastabilen Zustand zu tun hat,
wobei die Verschiebung des Oxidationsgrades des Eisens und die damit einhergehende
Veränderung der Bindungsverhältnisse ein wesentlicher Effekt ist. Aus diesem Grunde
ist die Abstimmung der Massenströme von Konverterschlacke und Blasluft von entscheidender
Bedeutung, wobei sichergestellt werden muss, dass die zuerst noch flüssigen Teilchen
der Konverterschlacke weitgehend in der Luft erstarrt sein müssen, bevor sie auf
die Unterlage aufschlagen.