Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung mikrostrukturierter
Bleche sowie die Verwendung des Verfahrens.
In DE 198 01 374 A1 werden Verfahren offenbart, die zur Herstellung
von mikrostrukturierten Blechen geeignet sind. Dies sind beispielsweise Verfahren
wie Ätzen, Fräsen, Prägen, Stanzen oder Drahterodieren.
Bisher werden mikrostrukturierte Bleche durch galvanische (Abtrag
oder Aufbau von Material), chemische (Ätzen), elektrische (Erodieren), elektrochemische
(ECM-Verfahren), mechanische (HSC-Fräsen, Gravieren) oder Laserabtrag-Verfahren
hergestellt. Nachteilig bei allen genannten Verfahren sind die hohen Herstellkosten.
Bei den beiden letztgenannten Verfahren ist als Nachteil ein hoher Wärmeeintrag,
der zum Verzug der Bleche führt, zu nennen. Bei den galvanischen, chemischen bzw.
elektrochemischen Verfahren ist eine aufwendige Entsorgung bzw. ein Recycling
der eingesezten Materialien notwendig; außerdem muß am Schluß des jeweiligen Prozesses
noch ein weiterer Verfahrensschritt, das Feinwalzen, angehängt werden, um Bleche
mit hoher Parallelität zu erhalten, die für den weiteren Fertigungsverlauf benötigt
werden. Desweiteren können bei chemischen Verfahren (Ätzen) aus Gründen der Korrosion
nicht alle Materialien für Bleche eingesetzt werden. Hochlegierte Cr-Ni-Stähle
bzw. Ni-Basis-Legierungen sind nicht für das Ätzen geeignet und es muß daher auf
teurere Materialien zurückgegriffen werden.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein kostengünstiges, für die
Massenproduktion geeignetes Verfahren für hohe Stückzahlen zur Verfügung zu stellen,
das eine hohe Maßhaltigkeit der Bleche bei nur geringem Wärmeeinfluß während des
Prägens aufweist.
Zur Lösung dieser Aufgabe sieht die vorliegende Erfindung ein Verfahren
zur Herstellung mikrostrukturierter Bleche mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1 sowie die Verwendung nach Anspruch 11 vor.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist in besonders vorteilhafter
Weise eine sehr gute Oberflächenqualität realisierbar, die den Korrosionsangriff
durch aggressive Medien nicht fördert, wie dies beim Ätzen der Fall ist, bei dem
die Korngrenzen freiliegen und einem Korrosionsangriff Vorschub leisten. Des weiteren
ist das Verfahren sehr umweltfreundlich.
Die weiteren Unteransprüche enthalten vorteilhafte Ausgestaltungen
der Erfindung.
Die Erfindung wird nun anhand der beigefügten Zeichnungen weiter
beschrieben. In dieser zeigt
- Fig. 1a
- in schematischer Weise das Prägen eines Blechs mittels einer strukturierten
Prägewalze und
- Fig. 1b
- einen Ausschnitt aus Fig. 1a
- Fig. 2a
- schematisch eine mögliche Anordnung einer Negativstruktur auf einer Prägewalze,
die zum einen die Mikrostruktur und zum anderen die Ausgleichsstrukturen enthält
und
- Fig. 2b
- einen Ausschnitt aus Fig. 2a
Die Mikrostrukturierung der Bleche erfolgt durch das erfindungsgemäße
Verfahren, wobei in einem kontinuierlichen Prägeschritt auf einer Seite Mikrostrukturen
in die Blechoberfläche eingebracht werden, während die Oberflächenstruktur der
anderen Seite im wesentlichen nicht verändert wird. Der Prägeschritt wird mittels
einer Prägewalze (1) durchgeführt, die ein Negativ der einzuprägenden Mikrostruktur
(3) aufweist, wobei die Flanken (5) der Mikrostruktur einen Winkel von mindestens
5° gegenüber der Senkrechten bilden und das Negativ in den die Mikrostruktur umgebenden
Bereichen Ausgleichsstrukturen (4) zur Vergleichmäßigung der Umformung über den
Walzenspalt enthalten. Dies wird in Fig. 1a und Fig. 1b schematisch dargestellt.
Unter Blechen (2) im Sinne der Erfindung versteht man metallische
Bauteile, die beispielsweise aus Stahl, insbesondere aus rostfreien Stählen wie
z.B. Cr-Ni-Stählen, aus Aluminium, Ni, Ni-Legierungen, Pd, Pd-Legierungen, Cu,
Cu-Legierungen sein können.
Das Blech (2) kann vor dem Prägen mittels induktiver Heizung oder
mittels IR-Strahlern erwärmt werden, wobei die verwendeten Temperaturen im Bereich
zwischen Raumtemperatur bis 300°C liegen können und materialabhängig sind. Bei
dem anschließenden Prägeschritt, der sogenannten Kaltwalzung bei Raumtemperatur
bis 300°C, wird das Material vollständig plastifiziert, d.h. es kommt zu einer
Kornzertrümmerung aufgrund der geringen Materialdicke und des starken Umformgrads.
Der Walzdruck des Prägeschrittes liegt im Bereich von etwa 30 bis 1000 to, bevorzugt
im Bereich von 50 bis 500 to. Während des Prägens erfolgt eine Reduktion des zu
prägenden Materials, das sich außerdem im Walzenspalt stark verfestigt. Damit sich
das Material beim Durchlaufen durch den Walzenspalt nicht verklemmt, zeigt die
Prägung (Mikrostruktur) (3) auf der Walze (1) an den Flanken (5) einen Winkel von
mindestens 5° und das Negativ in den die Mikrostruktur umgebenden Bereiche enhält
Ausgleichsstrukturen (4), die zu einer Vergleichmäßigung der Umformung über den
Walzenspalt bzw. über die Blechbreite führen und damit zu einer gleichmäßigen Voreilung.
Mit dieser Maßnahme werden vorteilhafterweise Risse im Blech vermieden und eine
gute Planheit gewährleistet, da das Material über die Breite des Walzenspalts
gleichmäßig nach vorne fließt. Eine schematische Darstellung ist in Fig. 2a gezeigt.
Fig. 2b zeigt einen Schnitt durch die Walze mit gleichmäßiger Anordnung von Mikro-
(3) und Ausgleichsstrukturen (4). Die starke Verformung führt jedoch notgedrungen
zu Eigenspannungen im Blech. Die Prägewalze (1) selbst kann eine ballige Form aufweisen.
Das Verfahren wird in bezug auf den Prägeschritt kraftund/oder weggesteuert
durchgeführt. Bei kraftgesteuerter Verfahrensführung wird die Walzkraft über einen
Kontakt- und Regelmechanismus konstant gehalten, die Walzenspalthöhe in Abhängigkeit
von lokalem Umformgrad und Eingangsquerschnitt des Blechs ist variabel einstellbar.
Bei weggesteuerter Verfahrensführung wird hingegen die Walzenspalthöhe über einen
Kontakt- und Regelmechanismus konstant gehalten, wogegen die Walzkraft in Abhängigkeit
von lokalem Umformgrad und Eingangsquerschnitt des Blechs variabel einstellbar
ist. Das Verfahren kann auch eine Kombination von kraft- und weggesteuerter Verfahrensführung
sein. Während des Prägens kommt es zu einer Kornneubildung (Rekristallisation),
die vergleichbar ist mit dem alten Korngefüge. Das Blech wird nach dem Prägeschritt
einem Kalibrierschritt unterworfen. Dieser Kalibrierstich dient der Egalisierung
des Prägeprofils. Zur Reduktion von Eigenspannungen des mikrostrukturierten Blechs
folgt auf den Kalibrierschritt mindestens ein Glühschritt. Die Temperaturen während
des Glühprozesses liegen im Bereich von etwa 500 bis 1200°C abhängig von der Art
des zu prägenden Materials. Der Glühprozess wird unter Sauerstoffausschluß durchgeführt,
bevorzugt in einer wasserstoff- und/oder stickstoffhaltigen Atmosphäre, zur Reduktion
oder Verhinderung einer Oxidhautbildung an der Oberfläche des Werkstoffs.
Anschließend wird das mikrostrukturierte Blech nach dem Kalibrier-
und/oder Glühschritt einem Richtprozeß bei Raumtemperatur unterworfen. Das kontinuierliche
Verfahren kann zwischen Präge- und Kalibrierschritt entkoppelt werden und die
nach dem Prägeschritt anfallenden Verfahrensstufen in einer separaten Anlage kontinuierlich
weitergeführt werden.
Die Mikrostrukturen, die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt
werden, weisen eine Tiefe von etwa 0,1 bis 0,5 mm auf, wobei das Blech während
des Verfahrens eine Dünnung um etwa 50% erfährt.
Das Verfahren findet bevorzugt Anwendung zur Herstellung eines Mikroreaktors,
Mikrowärmeüberträgers, öl-, katalytisch oder Heißgas-beheizten Verdampfers, eines
Membranmoduls zur H2-Abtrennung oder einer Brennstoffzelle, insbesondere
einer Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzelle, wobei die nach dem erfinderischen
Verfahren hergestellten Vorrichtungen sich gleichermaßen für Wasserstoff-, reformatbetriebene
oder Direkt-Methanol-Brennstoffzellen eignen.