Die Erfindung betrifft eine explosionsfähige Zusammensetzung zur Verwendung
in einer Sicherheitseinrichtung für Fahrzeuge, mit einem Brennstoff aus einem mikro-
oder nanostrukturierten porösen Feststoff und einem bei Raumtemperatur festen oder
flüssigen Oxidationsmittel.
Die DE 102 04 834 A1 beschreibt eine gattungsgemäße explosionsfähige
Zusammensetzung, bei der das bei Raumtemperatur feste oder flüssige Oxidationsmittel
in die Poren des porösen Brennstoffs eingebracht ist und zu wenigstens 50 Gew.-%
aus der Gruppe der organischen Nitroverbindungen oder Nitrate, Alkalimetall- oder
Erdalkalimetallnitrate, Metallnitrite, Metallchlorate, Metallperchlorate, Metallbromate,
Metalljodate, Metalloxide, Metallperoxide, Ammoniumperchlorat, Ammoniumnitrat, Wasserstoffperoxid,
Hydroxylammoniumnitrat ausgewählt ist. Die bekannte Zusammensetzung eignet sich
insbesondere zur Verwendung als Zündmittel.
Des weiteren beschreibt die DE 102 04 895 einen nanostrukturierten,
porösen Reaktivstoff, der aus Reaktivkörpern besteht, dessen Hohlräume in einem
Größenbereich von 1 bis 1000 nm liegen und mit Oxidationsmittel versehen sind,
wobei der Reaktivstoff aus voneinander unabhängigen, schutzschichtummantelten, reaktiven
Partikeln besteht. Die Reaktivkörper können aus Silizium, Bor, Aluminium, Titan
oder Zirkon bestehen. Als Oxidationsmittel werden insbesondere Alkalimetallnitrate
und Erdalkalimetallnitrate sowie weitere sauerstoffhaltige Oxidationsmittel vorgeschlagen.
Aus der DE 101 62 413 A1 ist schließlich ein integriertes Sprengelement
oder Zündelement bekannt, welches einen Grundkörper aus Silizium und einem diesen
zugeordneten Reaktionsbereich aufweist, wobei der Reaktionsbereich poröses Silizium
und ein Oxidationsmittel für Silizium aufweist. Als Reaktionsmittel werden anorganische
oder organische Verbindungen vorgeschlagen, die bei Erwärmung Sauerstoff, Fluor,
Chlor oder andere oxidierende Stoffe freisetzen. Als Beispiele werden insbesondere
anorganische Nitrate und anorganische Peroxide sowie weitere sauerstoffhaltige Salze
genannt. Die chemische Reaktion zwischen dem Oxidationsmittel und dem porösen Silizium
wird durch Erwärmung mittels stromdurchflossenen Leiterbahnen ausgelöst. Das integrierte
Spreng- oder Zündelement soll zur Verwendung in einem Mikroreaktor, einem Mikrobooster
zur Kurskorrektur von Satelliten, als Zündelement in einem Gasgenerator für einen
Gurtstraffer oder einen Airbag, oder als Initialzündelement zur Zündung von Sprengladungen
geeignet sein.
Viele der im Stand der Technik zur Verwendung mit porösem Silizium
vorgeschlagenen Oxidatoren sind jedoch hygroskopisch und/oder bilden kristallwasserhaltige
Modifikationen aus. Dadurch kann aber die Lagerstabilität der Zusammensetzungen
nachteilig beeinflußt werden. Auch zeigen diese Oxidatoren nur eine geringe
Löslichkeit in organischen Lösungsmitteln oder weisen einen hohen Schmelzpunkt auf.
Die Befüllung des porösen Brennstoffs muß daher in mehreren Stufen bzw. unter
erhöhten Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Wegen der hohen Viskosität der Salzschmelzen
ist die Befüllung der Poren mit Oxidationsmittel auch in diesem Fall oft unvollständig.
Damit ergeben sich aber Schwierigkeiten bei der genauen Einstellung des Verhältnisses
zwischen porösem Brennstoff und Oxidationsmitteln. Die Explosionseigenschaften der
so erhaltenen Zusammensetzungen kann daher über einen weiten Bereich variieren und
sind daher nur schwer standardisierbar. Eine Reihe der im Stand der Technik genannten
Oxidationsmittel können zudem nicht rein dargestellt werden. Die in diesen Oxidationsmittel
enthaltenen Fremdstoffe beeinträchtigen ebenfalls das Explosionsverhalten der damit
hergestellten Zusammensetzungen.
Der Erfindung liegt demgegenüber die Aufgabe zugrunde, die oben genannten
Nachteile zu vermeiden und eine kostengünstig herstellbare und insbesondere für
zivile Anwendungen einsetzbare stabile explosionsfähige Zusammensetzung bereitzustellen.
Erfindungsgemäß wird hierzu eine explosionsfähige Zusammensetzung
zur Verwendung in einer Sicherheitseinrichtung für Fahrzeuge, mit einem Brennstoff
aus einem mikro- oder nanostrukturierten porösen Feststoff und einem bei Raumtemperatur
festen oder flüssigen Oxidationsmittel vorgeschlagen, die dadurch gekennzeichnet
ist, daß das Oxidationsmittel aus der aus Schwefel, Selen, Tellur, Brom, Jod,
Phosphor und Arsen sowie deren Mischungen und sauerstofffreien Verbindungen bestehenden
Gruppe ausgewählt ist. Vorzugsweise besteht die erfindungsgemäße Zusammensetzung
aus dem Brennstoff und dem Oxidationsmittel.
Die erfindungsgemäß zu verwendenden Oxidationsmittel zeigen
eine hohe Bindungsenergie zu Silizium und dabei auch eine ausreichend hohe Explosionswärme.
Sie sind zudem leicht verdampfbar oder sublimierbar und lassen sich deshalb gut
in Verfahren zur chemischen oder physikalischen Abscheidung aus der Gasphase (CVD-
oder PVD-Verfahren) einsetzen. Eine Reihe der erfindungsgemäß zu verwendenden
Oxidationsmittel ist darüber hinaus gut in unpolaren, leicht flüchtigen organischen
Lösungsmitteln löslich. Diese Oxidationsmittel, wie beispielsweise Schwefel und
Jod, lösen sich darüber hinaus in dem ebenfalls unpolaren Lösungsmittel Kohlendioxid
wesentlich besser als die polaren Sauerstoffsalze. Daher können die erfindungsgemäß
zu verwendenden Oxidationsmittel sehr einfach unter Verwendung von überkritischem
Kohlendioxid in die Poren des mikro- oder nanostrukturierten Brennstoffs eingebracht
werden. Nach dem Abdampfen der Lösungsmittel verbleibt rückstandsfrei nur das Oxidationsmittel
in der porösen Struktur des Brennstoffs.
Bei Verwendung von Schwefel als Oxidationsmittel ist aufgrund des
niedrigen Schmelzpunktes von 113°C auch das direkte Einbringen des geschmolzenen
Oxidationsmittels in die Poren des mikro- oder nanostrukturierten Brennstoffs ohne
Verunreinigungen möglich.
Die genannten Oxidationsmittel können somit wesentlich leichter in
stöchiometrischen Mengen in den nanostrukturierten Brennstoff eingebracht werden.
Sie gewähren somit gleichzeitig eine hohe Explosionswärme und eine gute Handhabbarkeit
bei der Befüllung der Poren des nanostrukturierten Brennstoffs.
Übliche sauerstoffhaltige und salzartige Oxidationsmittel zeichnen
sich außerdem durch mehr oder weniger stark ausgeprägte Hygroskopizität aus.
Diese Stoffe erfordern somit einen hohen verfahrenstechnischen Aufwand, da die Gegenwart
von Wasser oder Luftfeuchtigkeit sicher ausgeschlossen werden muß. Darüber
hinaus müssen die mit diesen Stoffen hergestellten Zusammensetzungen hermetisch
verschlossen werden, um die Funktionsfähigkeit über die gesamte Lebensdauer der
Struktur von bis zu 15 Jahren sicherzustellen. Durch die Verwendung der erfindungsgemäßen
Oxidationsmittel, insbesondere des nicht hygroskopischen Schwefels, sind auch diese
Nachteile sicher beseitigt.
Gegenstand der Erfindung ist ferner ein Verfahren zur Herstellung
der erfindungsgemäßen explosionsfähigen Zusammensetzung, welches dadurch gekennzeichnet
ist, daß das Oxidationsmittel in einem Lösungsmittel gelöst und in die Poren
des nanostrukturierten Brennstoffs eingebracht wird. Insbesondere die Verwendung
eines unpolaren Lösungsmittels stellt eine gute Löslichkeit der gleichfalls unpolaren
Oxidationsmittel gemäß der vorliegenden Erfindung sicher. Das Lösungsmittel
soll sich ferner rückstandsfrei aus der porösen Brennstoffstruktur verdampfen lassen.
Damit ist die Einstellung stöchiometrischer Zusammensetzungen aus Brennstoff und
Oxidationsmittel wesentlich erleichtert. Als Lösungsmittel eignen sich insbesondere
überkritisches Kohlendioxid, Schwefelkohlenstoff, Tetrachlormethan sowie aromatische
und gesättigte aliphatische Kohlenwasserstoffe. Allgemein kann davon ausgegangen
werden, daß Lösungsmittel mit einer Polarität nach Reichardt von ET
(30)/kcal/mol ≥ 50 verwendet werden können.
Der mikro- oder nanostrukturierte Brennstoff ist vorzugsweise ein
Festkörper mit einem schwammartigen Gerüst aus amorphen, teilkristallinen oder kristallinen
Partikeln mit einer Strukturgröße von zwischen etwa 2 nm und 1000 nm, und
weist eine Porosität (VPoren/VProbe) von zwischen 10 % und
98 %, bevorzugt zwischen 40 und 80% auf. Der Brennstoff kann eine spezifische Oberfläche
von bis zu 1000 m2/cm3 , bevorzugt zwischen 200 und 1000 m2/cm3
aufweisen.
Die Strukturgröße bzw. die Größe und die Gestalt der Poren,
lassen sich dabei in einem weiten Bereich variieren. Die Strukturgröße gibt
die durchschnittliche Größe der Partikel an, aus denen der Brennstoff aufgebaut
ist, und liegt bevorzugt in einem Bereich von 2 bis 50 nm, besonders bevorzugt zwischen
2 nm und 10 nm. Die Porengröße liegt bevorzugt in einem Bereich von zwischen
2 nm und 1000 nm.
Der poröse Brennstoff ist vorzugsweise ein Halbleitermaterial, und
besonders bevorzugt aus der aus Si, Ge, SiGe, SiC, InP und GaAs bestehenden Gruppe
ausgewählt. Die Herstellung von mikro- oder nanostrukturierten porösen Materialien
aus diesen Stoffen ist in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben. Als Herstellungsverfahren
eignen sich insbesondere chemische oder physikalische Abscheidungsverfahren, wie
elektrochemische Abscheidung, CVD, PVD oder Sputtern oder das Verpressen nanofeiner
Partikel. Im Falle von Silizium sind diese nanofeinen Partikel durch langsames Verbrennen
von Silan erhältlich.
Besonders bevorzugt ist der Brennstoff sogenanntes "poröses Silizium",
welches besonders einfach durch elektrochemisches Ätzen von Silizium in fluoridhaltigen
Lösungen hergestellt werden kann. Die Verwendung von porösen Halbleitermaterialien,
z.B. Silizium, ermöglicht die einfache Integration in bekannte Halbleiterbauteile
unter Verwendung üblicher Halbleiterprozeßtechniken.
In vorteilhafter Weise ist der poröse Brennstoff wenigstens teilweise
passiviert, das heißt die innere Oberfläche des Brennstoffs ist wenigstens
zum Teil mit Sauerstoff abgesättigt oder in anderer Weise so verändert, daß
eine zur Reaktion mit dem Oxidator zu überwindende Aktivierungsenergie erhöht ist.
Die Passivierung kann beispielsweise durch Erwärmen des Brennstoffs in einer sauerstoffhaltigen
Atmosphäre oder Luft erfolgen. Durch die Passivierung wird eine weitere Einstellbarkeit
der pyrotechnischen Eigenschaften der erfindungsgemäßen Zusammensetzung, wie
beispielsweise deren Anzündbarkeit durch elektrische Entladung oder Einwirkung von
UV-Licht, möglich.
Da die chemische Reaktion des porösen Brennstoffes von der Oberfläche
aus erfolgt, kann mittels einer weniger reaktiven Schutzschicht auf der Oberfläche
der Nanopartikel die für das Zünden des Brennstoffs zu überwindende Aktivierungsenergie
erhöht werden. Diese Passivierungsschicht kann nachträglich auf den porösen Brennstoff
aufgebracht und aus einem inerten Material (z.B. Teflon) bestehen. Die Passivierungsschicht
kann auch mittels thermischer, chemischer, physikalischer bzw. elektrochemischer
Behandlung des Brennstoffes aufgebaut werden.
Eine stabile Passivierungsschicht kann z.B. durch Tempern des porösen
Siliziums in Luft, vorzugsweise im Anschluß an das elektrochemische Ätzen
und vor dem Füllen der Poren mit dem Oxidator, gebildet werden. Erfolgt das Tempern
im Bereich von zwischen 150°C und 300°C, bevorzugt bei etwa 200°C, bildet sich nach
bis zu ca. 1600 Minuten eine Sauerstoff-Submonolage aus Silizium-Sauerstoff-Bindungen
(Si-O), welche eine höhere Bindungsenergie als die Silizium-Wasserstoff-Bindungen
aufweisen. Die Oberfläche der Siliziumnanokristalle besteht hier nach dem Tempern
aus H-Si-O- Komplexen, da bei etwa 200°C der Wasserstoff an der Oberfläche der Nanopartikel
erhalten bleibt und Sauerstoff unter der ersten Monolage an Silizium gebunden wird.
Wird das Tempern bei Temperaturen über etwa 300°C durchgeführt (z.B. 700°C, 30 Sekunden),
wird der Wasserstoff von der Oberfläche der Nanopartikel abgetrieben und es bilden
sich Schichten aus "reinen" Si-O-Bindungen. Derart getemperte und mit Oxidationsmittel
gefüllte Proben sind extrem stabil und handhabungssicher, können aber dennoch mittels
einer plötzlichen Erwärmung zur Explosion gebracht werden.
Die Passivierung der Oberfläche des porösen Brennstoffs erhöht auch
die Langzeitstabilität der explosionsfähigen Zusammensetzung, da eine zeitliche
Änderung der Oberflächeneigenschaften des Brennstoffs unter Einfluß des Oxidationsmittels
nicht mehr eintreten kann.
Das Oxidationsmittel besteht bevorzugt ganz oder teilweise aus Jod,
Schwefel oder sauerstofffreien Schwefelverbindungen. Diese Oxidationsmittel sind
in unpolaren organischen Lösungsmitteln leicht löslich und lassen sich rückstandsfrei
in die poröse Brennstoffstruktur einbringen. Sie sind zudem auch gegenüber nicht-passiviertem
porösen Silizium lagerstabil. Bei diesen Oxidationsmitteln kann somit je nach den
bestehenden Anforderungen auf die Erzeugung der oben beschriebenen Passivierungsschicht
verzichtet werden.
Der Oxidator und der Brennstoff können etwa in einem stöchiometrischen
Verhältnis vorliegen. Je nach Anwendungszweck kann der Oxidator im Verhältnis zum
Brennstoff aber auch überbilanziert oder unterbilanziert sein.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung weist zudem eine hohe Strukturfestigkeit
auf, da der Brennstoff als feste, formgebende Matrix vorliegt. Die Zusammensetzung
kann somit als tragendes Bauteil in pyrotechnischen Gegenständen, z. B. Anzündern,
verwendet werden. Außerdem sind die aus der Halbleitertechnik und Mikromechanik
bekannten Herstellungsverfahren anwendbar. Damit besteht die Möglichkeit zu kostengünstiger
Produktion unter Verwendung von Standardbauteilen. Insbesondere wird die vollständige
Integration der erfindungsgemäßen Zusammensetzung in Halbleiterschaltkreise
ermöglicht.
Gegenstand der Erfindung sind somit auch die Verwendung der erfindungsgemäßen
Zusammensetzung als Bestandteil eines Anzünders. Dieser Anzünder kann in vorteilhafter
Weise in einem Halbleiterschaltkreis integriert sein. Insbesondere kann der Anzünder
Bestandteil eines Sicherheitssystems in Fahrzeugen, wie beispielsweise eines Gasgenerators
für einen Gurtstraffer oder ein Gassackmodul sein.
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung einer bevorzugten Ausführungsform.
Zur Herstellung der erfindungsgemäßen explosionsfähigen Zusammensetzung
wurde zunächst poröses, nanostrukturiertes Silizium durch elektrochemisches Ätzen
gemäß dem in Materials Science and Engineering B 69 ― 70 (2000) 11
― 22 oder Phys. Rev. Lett. (2001), 87, 68 301 ff., beschriebenen Verfahren
bereitgestellt. Hierzu wurde ein Siliziumsubstrat in einer Ätzzelle als Anode geschaltet
und in einem fluorwasserstoffhaltigen Elektrolyten, beispielsweise einem Gemisch
aus gleichen Volumenanteilen von Ethanol und konzentrierter Fluorwasserstoffsäure
(50 %ig) bei einem Anodisierungsstrom von zwischen 20 und 70 mA/cm2 behandelt.
Die Porosität des so erhaltenen Siliziums lag im Bereich zwischen 40 % und 80 %.
Die Strukturgröße variierte zwischen 2 und 10 nm.
Das so erhaltene poröse Silizium wurde 26 h bei 200 °C an Luft getempert,
dann mit einer gesättigten Lösung von Schwefel in Schwefelkohlenstoff getränkt und
anschließend an Luft getrocknet. Mit Hilfe eines elektrischen Funkens konnte
eine starke Explosion ausgelöst werden. Die Zusammensetzung zeigte in einem Lagerversuch
bei 104 °C über 400 Stunden keine wesentliche Gewichtszunahme.
In weiteren Versuchen wurden getemperte und ungetemperte Proben des
porösen Siliziums mit Schwefel aus der Schmelze befüllt. Der Schwefel wurde in festem
Zustand auf die Probe aus porösem Silizium aufgebracht und die Probe wurde mit einer
Heizplatte auf etwa 125 ± 5 °C unter Bildung von geschmolzenem Schwefel erwärmt.
Der geschmolzene Schwefel wurde etwa 30 Sekunden auf der Probe belassen, wobei der
Schwefel in die Poren des porösen Siliziums eindrang. Danach wurde der überschüssige
Schwefel vom Probenkörper entfernt. Auf diese Weise konnten durch gravimetrische
Messungen ermittelte Füllgrade von über 90% erreicht werden.
Zur Erniedrigung des Schmelzpunktes und/oder der Viskosität der Schwefelschmelze
können dem Schwefel weitere Zusatzstoffe, wie Ethylenglykol oder Zucker, beigemischt
werden. Die Befüllung der Proben mit Schwefel aus der Schmelze kann an Luft oder
im Vakuum erfolgen. Des weiteren ist es möglich, die Befüllung der Proben aus getempertem
oder ungetempertem porösem Silizium mit Schwefel durch Sublimation in einer Vakuumkammer
oder durch physikalische Abscheidung von Schwefel aus der Gasphase durchzuführen.
Alle so hergestellten, mit Schwefel gefüllten Proben des porösen Siliziums
konnten durch schnelles Erwärmen auf einer Heizplatte oder mittels einer elektrisch
erhitzten Zündbrücke zur Explosion gebracht werden.
Die unter Verwendung von geschmolzenem Schwefel gefüllten Proben des
getemperten porösen Siliziums zeigten eine Initialisierungstemperatur im Bereich
von zwischen 239 und 267 °C. Die über DSC-Messungen bestimmten Vergleichswerte von
Proben aus getempertem porösem Silizium, gefüllt mit Kalziumperchlorat oder Natriumperchlorat,
lagen im Bereich von zwischen 185 bis 210°C bzw. 208 bis 237 °C.
Die Ergebnisse zeigen, daß sich das System poröses Silizium/Schwefel
zur Verwendung als explosionsfähiges Material eignet. Über die Porosität des porösen
Siliziums kann die Stärke der Explosion gesteuert werden, da das Porenvolumen die
Menge des eingebrachten Oxidationsmittels und damit die Stöchiometrie der Reaktionspartner
festlegt. Die Oxidation erfolgt jedoch nicht spontan, sondern läßt sich beispielsweise
durch einen Stromimpuls gezielt auslösen. Des weiteren sind die Proben aus mit Schwefel
gefülltem porösen Silizium mechanisch und chemisch äußerst stabil und daher
sehr handhabungssicher. Sie lassen sich beispielsweise im Waferprozess unter Erhaltung
der vollen Funktionsfähigkeit mit einer üblichen wassergekühlten Wafersäge zerteilen.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann insbesondere in einem
Anzünder von sicherheitstechnischen Einrichtungen für Fahrzeuge, beispielsweise
Gassackmodulen oder Gurtstraffem, verwendet werden. Derartige Anzünder können vorteilhaft
mit bekannten Verfahren der Halbleiter- bzw. Siliziumprozesstechnik hergestellt
werden. Insbesondere ist eine einfache und kostengünstige Herstellung mit hoher
Präzision bereits im Batchprozess auf Waferebene möglich.