Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Reinigung und
Reformierung von Pyrolysegas gemäß Patentanspruch 1 sowie eine Vorrichtung zur Reinigung
und Reformierung von Pyrolysegas gemäß Patentanspruch 8.
Die Reinigung und Reformierung (Umwandlung) von Pyrolysegas dient
der Erzeugung möglichst reiner Stoffe, die in der chemischen Synthese oder in Brennstoffzellen
eingesetzt werden. Pyrolysegase entstehen zum Beispiel bei der Vergasung von Biomasse.
Herkömmlicherweise wird hierzu das Pyrolysegas in eine feuerfeste
Reaktionskammer eingeleitet und mit Hilfe eines Oxidationsmittels in Gegenwart eines
Katalysators reformiert. Aus der JP-A H2-107694 ist beispielsweise eine Vorrichtung
zur Zersetzung von Teer und Ammoniak beispielsweise aus Steinkohlegas bekannt. Nachteilig
hieran ist, dass Feststoff-Bestandteile aus dem Pyrolysegas die zur Reformierung
benötigten Katalysatoren verunreinigen, wodurch die Standzeit der Katalysatoren
gering ist.
Ausgehend davon besitzt die Erfindung zur Aufgabe, ein Verfahren und
eine Vorrichtung zur Reinigung und Reformierung von Pyrolysegas vorzuschlagen, welches
eine lange Standzeit der benötigten Katalysatoren aufweist.
Die Aufgabe wird durch die Merkmale des ersten und des achten Patentanspruchs
gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen wiedergegeben.
Die Aufgabe wird durch ein Verfahren gelöst, welches aus zwei Verfahrensschritten
a) und b) besteht. Zunächst findet in Verfahrensschritt a) eine Reinigung des zugeführten
Pyrolysegases statt, das im Allgemeinen sowohl gasförmige als auch feste Bestandteile
aufweist. Das Pyrolysegas wird hierzu bevorzugt über ein Festbett geleitet, das
eine Schüttung aus gekörntem Sorptionsmaterial wie zum Beispiel Formkörpern aus
Dolomit oder Tonerde mit oder ohne Additive enthält. Hierdurch werden die im zugeleiteten
Pyrolysegas enthaltenen Gase wie HCl, H2S, COS, kondensierbare Salze
und teerartige Stoffe sowie Feststoffe wie Ruß oder andere Partikel entfernt. Verfahrensschritt
a) wird bevorzugt bei Temperaturen unterhalb von 600 °C, besonders bevorzugt
zwischen 100 °C und 500 °C durchgeführt.
Im hieran anschließenden Verfahrensschritt b) werden die verbleibenden
gasförmigen Bestandteile des Pyrolysegases vorzugsweise mit überschüssigem Wasserdampf
in Gegenwart eines selektiv reagierenden Katalysators aus auf einem Trägermaterial
aus Aluminiumoxid und/oder Siliziumdioxid fein verteilten Oxiden von Eisen, Kobalt
und/oder Nickel bzw. von Edelmetallen wie Platin, Palladium und/oder Rhodium in
ein Prozessabgas umgewandelt (reformiert). Das Prozessabgas setzt sich überwiegend
aus den chemisch weiter verwertbaren Komponenten Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff
(H2) zusammen und kann darüber hinaus Spuren von Sauerstoff (O2)
enthalten. Verfahrensschritt b) wird bevorzugt bei Temperaturen zwischen 100 °C
und 1100 °C, besonders bevorzugt zwischen 300 °C und 900 °C durchgeführt.
Eine erfindungsgemäße Vorrichtung weist eine Zuführung auf, durch
die das Pyrolysegas zur Reinigung in eine erste Reaktieoskammer geleitet werden
kann. Diese Reaktionskammer umfasst ein Festbett, das eine Schüttung aus gekörntem
Sorptionsmaterial wie zum Beispiel Formkörpern aus Dolomit oder Tonerde mit oder
ohne Additive enthält. Anschließend wird das gereinigte Pyrolysegas zur Reformierung
in eine zweite Reaktionskammer geleitet, die einen Katalysator aus auf einem Trägermaterial
aus Aluminiumoxid und/oder Siliziumdioxid fein verteilten Oxiden von Eisen, Kobalt
und/oder Nickel bzw. von Edelmetallen wie Platin, Palladium und/oder Rhodium umfasst.
Das erzeugte Prozessabgas wird über eine Ausleitung zur Speicherung und/oder Weiterverarbeitung
gegeben.
Beide Reaktionskammern bestehen vorzugsweise aus korrosionsfestem
Material wie zum Beispiel Spezialstahl oder Quarzglas. Die Beheizung der beiden
Reaktionskammern erfolgt von außen elektrisch und/oder induktiv. Die Sorptionsmaterialien
und/oder die Katalysatoren werden beispielsweise durch Böden aus temperaturbeständigen
Trägermaterialien wie etwa Aluminiumoxid (Aluminiumoxid-Keramik) gestützt, das gleichzeitig
zur thermischen Isolierung der beiden Reaktionskammern voneinander verwendet wird.
Durch das erfindungsgemäße zweistufige Verfahren mit dem ersten Verfahrensschritt
a) als Vorreinigungsstufe wird der im nachfolgenden Verfahrensschritt b) eingesetzte
Katalysator weitgehend vor Verunreinigung geschützt und besitzt daher eine lange
Standzeit sowie eine hohe Verfügbarkeit. Weiterhin lässt sich das Sorptionsmaterial
einschließlich eines eventuell vorhandenen Trägermaterials aus Verfahrensschritt
a) bei Beaufschlagung oder Deaktivierung einfach über Schleusen (Gasschleusen) austauschen
und/oder gereinigt wieder einsetzen. Ebenso kann das Material aus Verfahrensschritt
b) (Katalysator und ggf. Trägermaterial aus z. B. Aluminiumoxid-Keramik) ebenfalls
über Schleusen (Gasschleusen) ausgetauscht werden. Diese gasdichten Materialschleusen
sind zur problemlosen Materialführung bevorzugt schräg an der Apparatur angebracht.
Neben der Reformierung von Pyrolysegasen lässt sich eine erfindungsgemäße
Vorrichtung generell auch als Vorreinigungsstufe für Katalysatoren speziell in Pyrolysegasen
und/oder zur Partikelabscheidung aus Gasen im Festbett einsetzen.
Die Erfindung wird mit einem Ausführungsbeispiel anhand der
1 näher erläutert. 1 zeigt
den prinzipiellen Aufbau einer zweistufigen Laborapparatur zur Reinigung und Reformierung
eines Pyrolysegases.
Über eine Zuleitung 1 wird das aus Biomasse erzeugte Pyrolysegas,
das Kohlenmonoxid (CO), Wasserstoff (H2), Stickstoff (N2),
Salzsäure (HCl), Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlenstoffoxidsulfid (COS)
oder Wasser (H2O) als gasförmige Partikel und Dolomit, Teer und Ruß als
feste Bestandteile enthält, mit einem Durchfluss von 1 bis 3 Nm3/h in
eine erste Reaktionskammer 11, die sich in einem feuerfesten Quarzglasrohr
10 befindet, eingeleitet. Über Materialschleusen 12,
12' kann das Sorptionsmaterial einschließlich Trägermaterial bei Bedarf
(Beaufschlagung, Deaktivierung) ausgewechselt werden. Das Sorptionsmaterial liegt
als kugelförmige Formkörper mit Durchmesser zwischen 4 und 5 mm vor. Als Trägermaterialien
dienen chargenweise Siliziumdioxid oder Aluminiumoxid. Die erste Reaktionskammer
11 wird mittels einer elektrischen Heizung 14, 14' auf
eine Temperatur von bis zu maximal 600 °C geheizt.
Das in der ersten Reaktionskammer 11 von den sauren gasförmigen
und von den festen Bestandteilen gereinigte Pyrolysegas gelangt durch das Festbett
(Schüttung) aus Sorptionsmaterial einschließlich Trägermaterial durch ersten einen
Abstandshalter 13 aus Aluminiumoxid, der gleichzeitig die beiden Reaktionskammern
11, 15 thermisch voneinander isoliert, in die zweite Reaktionskammer
15, die sich ebenfalls im Quarzglasrohr 10, und zwar räumlich
gesehen unterhalb der ersten Reaktionskammer 11 befindet. Die Reformierung
des gereinigten Pyrolysegases erfolgt mit überschüssigem Wasserdampf in Gegenwart
des Katalysators, der einschließlich des Trägermaterials aus Aluminiumoxid-Keramik
über die Materialschleusen 16, 16' ausgewechselt werden kann.
Als Katalysator dient eine Mischung aus Nickeloxid und Eisenoxid. Die zweite Reaktionskammer
15, die durch einen zweiten Abstandshalter 17 von der weiteren
Apparatur getrennt ist, wird mittels einer elektrischen Heizung 18,
18' auf eine Temperatur von bis zu maximal 1100 °C geheizt. Das reformierte
Pyrolysegas aus Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (H2), das darüber
hinaus Spuren aus Sauerstoff (O2) enthalten kann, gelangt über eine Kühlstrecke
19 zusammen mit Druckluft 21 in einen Ejektor 20, aus
dem das ca. 200 °C heiße Prozessabgas mit einem Durchfluss von 2 bis 6 Nm3/h
entströmt.
1- Zuleitung für Pyrolysegas
2- Ableitung für Prozessabgas
10- Feuerfestes Quarzglasrohr
11- Erste Reaktionskammer (Zone 1)
12, 12'- Materialschleusen für Sorptionsmaterial
13- Erster Abstandshalter (Aluminiumoxid)
14, 14'- Heizung für erste Reaktionskammer
15- Zweite Reaktionskammer (Zone 2)
16, 16'- Materialschleusen für Katalysatoren
17- Zweiter Abstandshalter (Aluminiumoxid)
18, 18'- Heizung für zweite Reaktionskammer
19- Kühlstrecke
20- Ejektor
21- Zuleitung für Druckluft