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Dokumentenidentifikation DE102004007598A1 01.09.2005
Titel Verfahren zur Korrektur eines Messfehlers
Anmelder IAV GmbH Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr, 10587 Berlin, DE
Erfinder Lange, Thorsten, Dr., 38118 Braunschweig, DE
DE-Anmeldedatum 17.02.2004
DE-Aktenzeichen 102004007598
Offenlegungstag 01.09.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 01.09.2005
IPC-Hauptklasse G01F 1/68
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Korrektur eines Messfehlers, der insbesondere bei der Erfassung der einer Verbrennungskraftmaschinen zugeführten Luftmasse mittels eines Heißfilmluftmassensensors durch Umgebungstemperatureinfluss oder dynamische Änderungen des Messsignals entsteht.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Korrektur eines Messfehlers eines Heißfilmluftmassensensors zu schaffen, mit dem insbesondere der dynamische Fehler der Massenstrommessung und der durch Temperatureinflüsse entstehende Messfehler besser ausgeglichen und verringert werden können, so dass insgesamt die Messgenauigkeit des Heißfilmluftmassensensors verbessert wird.
Erfindungsgemäß wird das dadurch erreicht, dass die Korrektur mittels eines mathematischen Modells unter Einbeziehung des Einflusses der Umgebungstemperatur und weiterer physikalischer Größen auf das Messergebnis und des auftretenden dynamischen Fehlers des Messverfahrens erfolgt.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Korrektur eines Messfehlers mit den im Oberbegriff des Patentanspruches 1 genannten Merkmalen.

Es ist allgemein bekannt, dass zur Erfassung der von Brennkraftmaschinen angesaugten Luftmasse Heißfilmluftmassenmesser eingesetzt werden. Ihr Messprinzip basiert grundsätzlich auf einem beheizten Element, das in dem zu messenden Luftstrom liegt und durch diesen gekühlt wird. Dabei wird der elektrische Strom so nachgeregelt, dass das beheizte Element stets um eine feste Temperaturdifferenz heißer ist als die hindurchströmende Luft. Bei konstanter Umgebungstemperatur hält also die Regelung die Heizfläche ebenfalls auf konstanter Temperatur, indem sie stets eine Temperaturänderung der Wärmekapazität bei geändertem Massenstrom durch einen entsprechend angepassten Heizwärmestrom ausgleicht. Dadurch ist vor allem der Einfluss der Wärmekapazität dieser Fläche gering, sie spielt nur eine Rolle bei Änderungen der Umgebungstemperatur und damit der Heizflächentemperatur, aber weniger bei Änderungen des Massenstroms. So kommt es, dass das Signal des Heißfilmluftmassenmesser auf Massenstromschwankungen mit Zeitkonstanten im ms-Bereich mit einem Restfehler reagieren kann.

Zur Minderung der Empfindlichkeit gegen verschiedene Störeinflüsse existieren verschiedene Varianten, z. B. mindert ein Differenzverfahren die Empfindlichkeit gegen Pulsationen des Luftmassenstromes. Aus der DE 44 33 044 A1 ist ein Verfahren zur Korrektur eines Messfehlers eines Heißfilmluftmassenmesser vorbekannt, bei dem die Resonanzdrehzahl des Motors ermittelt wird, bei dem in Folge von starken Pulsationen eine Rückströmung des zu messenden Massenstroms erfolgt. Ausgehend von der Resonanzdrehzahl werden aus einem abgespeicherten, jedoch laufend korrigier- bzw. adaptierbaren Kennfeld Werte entnommen, mit denen eine multiplikative Korrektur der zu erfassenden Größe erfolgt.

Gemäß der DE 196 33 680 A1 ist eine Einrichtung zur Korrektur eines Messfehlers eines Heißfilmluftmassensensors vorbekannt, bei der die durch die Pulsation ausgelösten Ungenauigkeiten mit Hilfe eines Korrekturfeldes kompensiert werden. Dieses Kennfeld ist dabei über dem Drosselklappenwinkel und der Motordrehzahl aufgespannt und berücksichtigt Änderungen der Ansauglufttemperatur, indem feste Drehzahlstützstellen durch Kennlinien ersetzt werden, die in Abhängigkeit von der Ansaugtemperatur ausgewählt werden. Dabei besteht die Möglichkeit, das Kennfeld mit einer korrigierten Drehzahl zu adressieren.

Aus der DE 37 22 385 A1 ist ein Luftmassenmesser zur Bestimmung der Ansaugluftmasse einer Brennkraftmaschine vorbekannt, der neben den beiden im Ansaugluftstrom angeordneten temperaturabhängigen Sensoren und einer Brückenschaltung, in deren verschiedenen Zweigen die beiden Sensoren liegen und deren Diagonalspannung durch Änderung der Brückenspannung ausgeregelt wird, einen dritten, vom gesamtem Brückenstrom durchflossenen Sensor zum Ausgleich der durch die Änderung der thermischen Leitfähigkeit der Luft mit der Temperatur hervorgerufenen Widerstandsänderungen umfasst.

Nachteilig bei dem Stand der Technik ist, dass bei der vorgenommenen Korrektur nicht alle relevanten Einflüsse erfasst und somit stationäre und dynamische Fehler nur unvollkommen korrigiert werden. Bei der Erfassung der der Verbrennungskraftmaschine zugeführten Luftmasse mittels Heißfilmluftmassenmessers bleiben kurzzeitig auftretende Temperatursprünge im dynamischen Fahrbetrieb bei der Ermittlung unberücksichtigt, wodurch das Messergebnis verfälscht wird. Temperatursprünge kommen beim Betrieb eines Kraftfahrzeuges häufiger vor. So ist z. B. bekannt, dass bei Windstille, starker Sonneneinstrahlung im Sommer am Ende des Unterfahrens einer Autobahnbrücke Temperatursprünge in der Größenordnung von 15K mit Anstiegsgeschwindigkeiten von 600K/sec auftreten können. Unter diesen Bedingungen reagiert der Heißfilmluftmassenmesser folgendermaßen: Der elektrische Strom durch die Heizfläche muss wie bisher den Wärmeentzug durch die unverändert vorbeistreichende Luft ausgleichen. Zusätzlich muss er aber auch die Heizfläche auf eine jetzt höhere Temperatur aufheizen. Bei stationären Betrachtungen spielt dieses keine Rolle. Aber im dynamischen Betrieb muss hierfür zunächst die thermische Kapazität des Bauteils "aufgeladen" werden, was mit einem zunächst erhöhten Stromfluss einhergeht. Dieser wird dann aber aufgrund des Messprinzips als erhöhter Massenstrom interpretiert. Nach einer Einschwingzeit von etwa 10-30 sec ist die Wärmekapazität aufgeladen, danach spielt der Effekt bei weiterhin konstantem Arbeitspunkt keine Rolle mehr. Der verursachte Fehler beträgt nach empirischen Untersuchungen an einem nach einem Differenzverfahren arbeitenden Heißfilmluftmassenmesser maximal etwa 3-4% des Messsignals bei einem Massenstrom von etwa 70 kg/h und einem angenommenen Temperatursprung um 25°C in positiver Richtung, spielt also für die Messgenauigkeit durchaus eine Rolle.

Auch plötzliche Massenstromänderungen können zu Messfehlern führen: Thermische Widerstände und Kapazitäten bilden thermische Zeitkonstanten, in denen nicht nur, wie zuvor beschrieben, Informationen über die Umgebungstemperatur eine gewisse Zeit gespeichert werden, sondern auch Informationen über den Massenstrom. Ändert sich der Massenstrom z. B. sprungartig, muss die thermische Kapazität erst komplett auf die neue Gleichgewichtstemperatur „umgeladen" werden, bevor der neue Massenstrom am Sensorausgang exakt gemessen werden kann. Dieser Effekt führt zu den eingangs beschriebenen Restfehlern bei Massenstromänderungen.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Korrektur eines Messfehlers eines Heißfilmluftmassensensors zu schaffen, mit dem insbesondere der dynamische Fehler der Massenstrommessung und die durch Temperatureinflüsse entstehenden Messfehler besser ausgeglichen und verringert werden können, so dass insgesamt die Messgenauigkeit des Heißfilmluftmassensensors verbessert wird.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst.

Durch die Einbeziehung der fehlerverursachenden Einflussgrößen bei der Ermittlung des variierenden Massenstroms mittels eines mathematischen Modells mit zunächst unbekannten, die Einflüsse quantitativ beschreibenden Parametern, wobei die Bestimmung der unbekannten Parameter z. B. mittels eines statistischen Parameterschätzverfahrens oder durch Adaption der gesuchten Parameter und unabhängig vom Rechenverfahren in einem separaten Rechner oder im laufenden Fahrbetrieb direkt in einem Steuergerät erfolgt, wird ein Verfahren geschaffen, mit dem nicht nur der Einfluss der Umgebungstemperatur, sondern auch zusätzlich der auftretende dynamische Fehler des Messverfahrens korrigiert werden kann. Damit lassen sich die einer Verbrennungskraftmaschine zugeführten Luftmassen genauer bestimmen und besser einregeln, so dass insgesamt die Verbrennungsabläufe im Motor genauer eingestellt werden können. Durch das erfindungsgemäße Verfahren zur Korrektur des Messfehlers bei der Ermittlung der einer Verbrennungskraftmaschine zugeführten Luftmasse mittels Heißfilmluftmassensensors werden unkorrekte Messungen des zu ermittelnden Massenstroms durch dynamische Einflüsse von Massenstrom und Temperatur weitestgehend ausgeschlossen.

Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen beschrieben, sie werden in der Beschreibung zusammen mit ihren Wirkungen erläutert.

Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispieles näher beschrieben. In der dazugehörigen Zeichnung ist ein vereinfachtes thermisches Ersatzschaltbild eines Heißfilmluftmassensensors mit Differenzmessverfahren dargestellt.

Bei der Ermittlung der einer Verbrennungskraftmaschine zugeführten Luftmasse wird ein Heißfilmluftmassensensor mit Differenzverfahren eingesetzt, wobei bei dem Differenzverfahren ein flächig ausgebildeter Halbleiterkristall benutzt wird, den der Luftmassenstrom flächenparallel überstreicht. Gemäß dem in der Figur dargestellten Schaltbild passiert der Massenstrom m. zunächst einen mit 1 bezeichneten ersten Temperatursensor, dessen Signal im folgenden mit ϑ1 bezeichnet werden soll, dann in der Mitte des Kristalls eine Kombination aus Heizung und Temperatursensor, und am anderen Rand wiederum einen mit 2 bezeichneten zweiten Temperatursensor mit dem Signal ϑ2. Heizung und Temperatursensor in Kristallmitte sind Teil eines Regelkreises, der die Temperatur dieses Bereichs mit vernachlässigbar kleiner Zeitkonstante um eine konstante Temperaturdifferenz &Dgr;ϑHeiz über die Umgebungstemperatur ϑu aufheizt.

In dem thermischen Ersatzschaltbild sind weiterhin mit Rth die thermischen Widerstände des Kristalls zwischen Heizstelle und den beiden Differenzmessstellen, mit Cth die thermischen Kapazitäten des Halbleiterkristalls, konzentriert gedacht in den beiden Differenzmessstellen, mit &Dgr;ϑHeiz die im Rahmen des Modells konstante Temperaturerhöhung des Kristalls an der Heizstelle, mit ϑu die Umgebungstemperatur, mit ϑ1 und ϑ2 die Temperaturen an den beiden Messstellen 1 und 2, mit Q1 und Q2 die in die Kapazitäten der beiden Messstellen fließenden Wärmeströme, mit Rth1m.(t)) und Rth2(m.(t)) die durch den zu erfassenden Luftmassenstrom m.(t) modulierten Wärmeübergangswiderstände zur Umgebung und mit ϑmeß deren durch das Messverfahren ausgewertete Temperaturdifferenz bezeichnet.

Das zeitliche Verhalten des Ersatzschaltbildes wird wie folgt beschrieben. Bezugspunkt für die Temperaturen (die Temperatur des Massesymbols) sei eine konstante absolute Temperatur, z. B. 0°C, falls man alle Temperaturen in °C angibt. Dementsprechend liegt der Knotenpunkt U in Bildmitte auf Umgebungstemperatur ϑu(t), der Knotenpunkt H oben durch die geregelte Heizung um &Dgr;ϑHeiz darüber. Vernachlässigt man zunächst die Kapazitäten Cth, die die in den Temperaturmesspunkten konzentriert gedachten Wärmekapazitäten beschreiben, so erhält man ein Ersatzschaltbild für den stationären Betrieb. Dabei bilden die konstanten Wärmeleitwiderstände Rth zwischen Heizpunkt H und den beiden Temperatursensoren 1 und 2 die beiden oberen Zweige einer Brückenschaltung, die beiden vom darüber hinwegstreichenden Massenstrom m.(t) unterschiedlich abhängigen thermischen Widerstände Rth1(t) und Rth2(t), die den Wärmeübergang an die umgebende Luft beschreiben, die beiden unteren Zweige der Brücke. Überstreicht ein Gasmassenstrom die Sensorfläche des Heißfilmluftmassensensors, so kühlt er zunächst den Knotenpunkt 1, heizt sich auf seinem weiteren Weg etwas auf und kühlt anschließend Knotenpunkt 2 wegen der nun geringeren Temperaturdifferenz etwas weniger. Die Beschreibung gilt für Hinströmung. Für Rückströmung vertauschen sich die Indizes 1 und 2 in der Beschreibung. Dieses unterschiedliche Verhalten an den beiden Knotenpunkten wird durch zwei unterschiedliche thermische Widerstände Rth1m.(t)) und Rth2m.(t)) modelliert und stellt den eigentlichen Messeffekt dar.

Da die Brücke aus der konstanten Temperaturdifferenz &Dgr;ϑHeiz gespeist wird, ist die gemessene "Brückentemperatur" ϑmeß(t) im Stationärbetrieb unabhängig von der Umgebungstemperatur und bei konstanter Heiztemperaturdifferenz &Dgr;ϑHeiz nur eine Funktion des gesuchten Massenstroms.

Geht man nun zu einer Betrachtung der dynamischer Betriebszustände über und berücksichtigt den Einfluss der Wärmekapazitäten Cth, so ergeben sich für die Wärmeströme Q1(t) und Q2(t) folgende zwei Ausdrücke:

Dabei beschreibt in der oberen Zeile der mittlere Ausdruck die Summe der über die thermischen Widerstände Rth1/2(m.(t)) und Rth in die Wärmekapazität fließenden Wärmeströme als Ursache, der rechte dagegen den Gesamtwärmestrom über die Wirkung der Temperaturänderung der Wärmekapazität Cth. Mit den zunächst als Abkürzungen eingeführten Zeitkonstanten &tgr; = RthCth und charakteristischen Zeiten

erhält man

Die allgemeine Lösung dieser linearen Differentialgleichung lautet mit der Bezeichnung ϑ1/2(0) für die Temperatur ϑ1/2(t) zum Zeitpunkt t = 0:

Diese Gleichung beschreibt die Abhängigkeit von einer sich ändernden oder von einer konstanten Umgebungstemperatur und von einem sich ändernden oder von einem konstanten Massenstrom. Dabei ist die Abhängigkeit vom Massenstrom in den charakteristischen Zeiten &ugr;1/2 enthalten, die nur über den zeitabhängigen Massenstrom selbst auch zeitabhängig sind. Betrachtet man nur Zeitpunkte t » &tgr;·1/2, zu denen der Einfluss

der Anfangstemperaturen ϑ1/2(0) bereits hinreichend abgeklungen ist, so lässt sich nähern:

Nun kann die "Brückentemperatur" ϑmeß(t) aus der Differenz bestimmt werden: &ugr;meß(t) = &ugr;1(t) – &ugr;2(t)

Bei über der Zeit konstantem Massenstrom sind die beiden charakteristischen Zeiten &tgr;1/2(m.)≠ f(t) ebenfalls zeitunabhängig konstant. Damit gilt

Betrachtet man nun einen Sprung der Umgebungstemperatur ϑu(t) um &Dgr;ϑu zum Zeitpunkt t0 ≫ &tgr;1/2(m.) bei ansonsten konstanten Bedingungen, so erhält man mit

aus Gleichung (2) die Temperaturen ϑ1/2(t) bei einem Sprung &Dgr;ϑu der Umgebungstemperatur zum Zeitpunkt t0:

Bei der Herleitung der hier benutzten Gleichung (2) wurden ohnedies nur Zeitpunkte t≫&tgr;1/2(m.) betrachtet, d. h. lange nach Beginn der Messung, also lässt sich nähern:

Durch Differenzbildung erhält man daraus die gemessene Brückentemperatur nach einem Sprung &Dgr;ϑu der Umgebungstemperatur:

Dabei beschreibt

den eigentlich gewünschten Messeffekt, der im Stationärbetrieb auch erreicht wird. Im Stationärbetrieb sind mit t0 – t≫&tgr;1/2(m.) die durch den ersten Term beschriebenen Umgebungstemperaturabhängigkeiten bereits abgeklungen. Für einen verschwindenden Massenstrom, also ruhendes Medium, ist aufgrund der Sensorsymmetrie ϑ1(t) = ϑ2(t) und damit im Stationärbetrieb ϑmeß = 0. Der erste Term beschreibt dagegen die eigentlich unerwünschte dynamische Umgebungstemperaturempfindlichkeit des Sensors.

Betrachtet man nun einmal ϑmeß(t) nach einem Sprung der Umgebungstemperatur &Dgr;ϑu und einmal nach einem Sprung der Höhe Null (d. h. es findet kein Sprung statt), bildet die Differenz aus beiden Signalen und normiert auf die Sprunghöhe &Dgr;ϑu, so erhält man die (normierte) Sprungantwort der Brückentemperatur ϑmeß(t) bei einem Sprung der Umgebungstemperatur:

Die Ableitung nach der Zeit liefert die Impulsantwort:

Das Messverfahren beruht auf der Bestimmung der Brückentemperatur als Differenz zweier Temperaturen. Physikalisch werden aber die beiden Temperaturen ϑ1(t) und ϑ2(t) durch getrennte Sensoren gleicher Bauart erfasst. Deren Zusammenhang zwischen erfasster Temperatur und Ausgangsgröße muss aber linear sein. Wäre er es nicht, so wäre der Zusammenhang zwischen der der Brückentemperatur ϑmeß(t) entsprechenden Ausgangsspannung des Sensors und der Temperaturdifferenz auch im stationären Zustand abhängig von den Absolutwerten ϑ1/2(t) und damit von der Umgebungstemperatur ϑu(t), die in beide Temperaturen linear eingeht (Gleichung (4)).

Diese Abhängigkeit ist weder erwünscht noch am Sensor messtechnisch nachweisbar. Also ist im Umkehrschluss der Zusammenhang zwischen erfasster Temperatur und Ausgangsgröße für die beiden Messgrößen ϑ1(t) und ϑ2(t) linear. Damit und mit Gleichung (3) existiert aber auch für die Brückentemperatur ϑmeß(t) ein linearer Zusammenhang mit der Ausgangsspannung: Ua(t) = &agr;·&ugr;meß(t) + &bgr; = &agr;·(&ugr;1(t) – &ugr;2(t)) + &bgr;(7)

Dabei sind die beiden konstanten Parameter &agr; und &bgr;, die den linearen Zusammenhang beschreiben, zunächst unbekannt. Ein Offset des Sensors wird durch &bgr; beschrieben. Dieser ist leicht bei ruhendem Medium zu bestimmen. Wegen ϑ1(t)= ϑ2(t) sollte dann die Brückentemperatur verschwinden, ein eventuell noch vorhandenes Ausgangssignal Ua,Offset beschreibt genau den gesuchten Parameter &bgr; = Ua,Offset. Dieser Offset kann nach einer derartigen Bestimmung leicht aus dem Ausgangssignal herausgerechnet werden und wird daher im folgenden nicht mehr weiter betrachtet. Entsprechend Gleichung (5) erhält man also bei einem Sprung der Umgebungstemperatur bei ansonsten konstanten Umgebungsbedingungen die Ausgangsspannung des Sensors:

Im allgemeinen Fall bei variierender Umgebungstemperatur ϑu und variierendem Massenstrom m. erhält man dagegen mit den Gleichungen (2), (3) und (7):

Der Ausdruck

beschreibt nach Gleichung (9) den eigentlich unerwünschten Einfluss der Umgebungstemperatur auf das Messergebnis. Ändert sich die Umgebungstemperatur nicht, so hebt sich der Ausdruck bei konstanten Massenströmen und damit konstanten &tgr;1(m.) und &tgr;2(m.) für t≫&tgr;1(m.) &tgr;2(m.) näherungsweise auf. Es handelt sich um einen reinen Fehlerterm, der nur im dynamischen Betrieb zu beobachten ist. Bei verschwindenden Massenströmen verschwindet er mit &tgr;1(m.) = &tgr;2(m.) ebenfalls. Der Fehler wird mit steigendem Massenstrom und damit wachsendem Unterschied zwischen &tgr;1(m.) und &tgr;2(m.) größer.

Die Reaktion der Ausgangsspannung des Sensors auf einen Sprung &Dgr;ϑu der Umgebungstemperatur bei ansonsten konstanten Bedingungen lässt sich nach Gleichung (8) mit den Abkürzungen

folgendermaßen beschreiben:

Zeichnet man bei konstantem Massenstrom m. und damit konstanten charakteristischen Zeiten &tgr;1/2(m.) die Ausgangsspannung Ua(t) auf, so kann man aus dem anschließenden Vergleich mit Gleichung (12) Schätzwerte für die Konstanten Ua1, Ua2,&tgr;·1,&tgr;·2 sowie t0 gewinnen. Ein solcher Vergleich kann beispielsweise mit statistischen Methoden durchgeführt werden. Mit Gleichung (11) erhält man aus dem Schätzwert für Ua1 einen für &agr;, aus dem für Ua2 mit denen für &agr;, &tgr;·1 und &tgr;·2 einen für

Damit kennt man Schätzwerte für folgende Konstanten: &agr;, &tgr;·1, &tgr;·2 und

Nun variiert man den Massenstrom und wiederholt Versuch und Auswertung. Man erhält die Schätzwerte für &tgr;·1, &tgr;·2 und
die man in Kennlinien in Abhängigkeit vom Massenstrom ablegt. Der Wert &agr; ist hingegen für alle Versuche konstant. Damit ist Gleichung (12) bzw. (8) für alle Massenströme bekannt. Für Gleichung (9) sind aber die selben Größen bestimmend. Also ist auch die den allgemeinen Fall bestimmende Gleichung (9) zwischen Umgebungstemperatur ϑu und den durch den Massenstrom bestimmten Zeitkonstanten &tgr;1/2(m.) sowie der Ausgangsspannung Ua andererseits durch die als Kennlinien in Abhängigkeit vom Massenstrom bzw. als Festwerte abgelegten Parameter bekannt.

Neben dem beschriebenen Verfahren ist auch denkbar, die Größen &agr;, &tgr;·1, &tgr;·2 und

direkt im Steuergerät im laufenden Fahrbetrieb zu gewinnen, indem die gesuchten Größen in Gleichung (9) so bestimmt oder adaptiert werden, dass sie die Messungen im laufenden Fahrbetrieb möglichst gut beschreiben. Dies kann z. B. mit statistischen Verfahren erfolgen. Ein derartiges Vorgehen hat den Vorteil, dass fertigungs- und alterungsbedingte Toleranzen sich nicht in einer verringerten Genauigkeit des bestimmten Luftmassenstromes niederschlagen.

Die Umgebungstemperatur steht am Kraftfahrzeug als eigenes Sensorsignal zur Verfügung, außerdem ist im Heißfilmluftmassensensor selbst ein Temperatursensor integriert. Damit steht im Steuergerät eine Beschreibung der Lufttemperatur im Heißfilmluftmassensensor mehr oder weniger genau zur Verfügung. Die übrigen in Gleichung (9) benötigten Größen stehen nach den bereits beschriebenen Vorarbeiten als Festgrößen oder als massenstromabhängige Größen zur Verfügung.

Das Steuergerät erfasst nun die Ausgangsspannung Ua(t) des Heißfilmluftmassensensors. Damit sind außer dem gesuchten Massenstrom m.(t) alle Größen in Gleichung (9) bekannt. Nach entsprechender Auflösung der Gleichung steht ein Massenstromsignal zur Verfügung, das nicht nur um den Einfluss der Umgebungstemperatur korrigiert wurde. Zusätzlich werden auch dynamische Fehler des Messverfahrens selbst korrigiert.

Es besteht auch die Möglichkeit, die Gleichung (9) einer numerischen Lösung zu unterziehen, bei der die Integrale durch Summen ersetzt werden. Scheitern diese Ansätze, so ist die Gleichung in jedem Fall iterativ lösbar: Man gibt solange geratene Werte für den Massenstrom vor, bis sich die gemessene Sensorausgangsspannung Ua(t) ergibt. Das Raten der Massenströme kann man auch systematisieren. Beispielsweise kann man nach bekannten numerischen Minimumsuchverfahren das Minimum des Ausdrucks (Ua,meß(t) – Ua, berechnet(t, m.geraten(t)))2 bestimmen.

Darüber hinaus können statt einer exakten Lösung der Gleichung auch Näherungslösungen bestimmt werden, indem unter den Einsatzbedingungen nicht relevante oder nicht interessierende, durch Gleichung (9) beschriebene Teileffekte vernachlässigt oder genähert werden. So kann man beispielsweise den Umgebungstemperatureinfluss unter Vernachlässigung des dynamischen Fehler der Massenstrommessung selbst ebenfalls beschreiben, indem man das Faltungsintegral der Impulsantwort aus Gleichung (6) mit der Umgebungstemperatur bildet.

Wie man sieht: Hat man erst die Gleichung (9) allgemein aufgestellt und die fehlenden Größen &agr;, &tgr;·1, &tgr;·2 und

bestimmt, so ergeben sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, weit über die hier beschriebenen hinaus, diese Kenntnisse zur Korrektur des gemessenen Signals des Heißfilmluftmassensensors einzusetzen.

Entsprechend der Gleichung (9) lässt sich die Ausgangsspannung Ua des Heißfilmluftmassensensors auch unter Vernachlässigung aller dynamischen Effekte über eine Kennlinie, eine Gleichung oder eine sonstige Umrechnungsvorschrift in einen gemessenen Massenstrom

zurückrechnen. Dieser Ansatz lässt sich vereinfacht mit einer Gleichung der Form Ua – f1(p1;m.)(13) beschreiben. Der hier angesetzte Parametervektor p1 ist dabei implizit in der abgelegten Kennlinie, Gleichung oder sonstigen Umrechnungsvorschrift enthalten, die Rückrechnung m.meß = f–1(p1;Ua(14) über die Umkehrfunktion der Kennlinie, Gleichung oder sonstigen Umrechnungsvorschrift setzt wie bereits die vorausgegangene Gleichung für die Kennlinie, Gleichung oder sonstige Umrechnungsvorschrift selbst eine zeitliche Unabhängigkeit des Zusammenhanges zwischen Massenstrom und Ausgangsspannung voraus. Wie bereits die Beschreibung durch Gleichung (9) zeigte, ist diese Unabhängigkeit aber bei genauerer Betrachtung nicht gegeben. Daher gilt die oben angegebene Kennlinie, Gleichung oder sonstige Umrechnungsvorschrift nur im stationären Fall. Im dynamischen Betrieb hängt vielmehr die Ausgangsspannung vom Massenstrom, von der Zeit und eventuell von weiteren Größen über eine Zeitvariante Beziehung – die auch wieder als Kennlinie, Gleichung oder sonstige Umrechnungsvorschrift formuliert sein kann – der allgemeinen Form Ua = f(p2; &ugr;u, m., t, ...)(15) ab. Will man den Massenstrom auch bei dynamischen Änderungen z. B. der Umgebungstemperatur fehlerarm aus dem Sensorausgangssignal rückrechnen, so muss man dies berücksichtigen, indem man den gemessenen Massenstrom entsprechend m.meß = f–1(p2)&ugr;u, Ua, t, ...)(16) aus der Umkehrfunktion berechnet. Weder Funktion noch Umkehrfunktion müssen analytisch gegeben sein, es reicht z. B. ein numerisch gegebener Zusammenhang.

1Temperatursensor 2Temperatursensor
  • &ugr;
    Temperatur
    Temperaturdifferenz zwischen Heizung und Umgebung
    Rth
    thermischer Widerstand
    Cth
    thermische Kapazität
    Q:
    Wärmestrom
    m.
    Massenstrom
    t
    Zeitpunkt
    &tgr;
    Zeitkonstante
    Ua
    Ausgangsspannung
    &agr;
    konstanter Parameter
    &bgr;
    konstanter Parameter
    H
    Knotenpunkt (Heizpunkt)
    U
    Knotenpunkt (Umgebung)

Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Korrektur eines Messfehlers, der insbesondere bei der Erfassung der einer Verbrennungskraftmaschine zugeführten Luftmasse mittels eines Heißfilmluftmassensensors durch dynamische Einflüsse entsteht, wobei die vorbeiströmende Luftmasse in einem Steuergerät in Abhängigkeit von der an dem Heißfilmluftmassensensor anliegenden Ausgangsspannung ermittelt wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Korrektur mittels eines mathematischen Modells unter Einbeziehung des Einflusses der Umgebungstemperatur und weiterer physikalischer Größen auf das Messergebnis und des auftretenden dynamischen Fehlers des Messverfahrens erfolgt.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine Korrektur in einem Steuergerät oder in einer separaten Recheneinheit anhand einer der Gleichung m.meß = f–1(p2);&ugr;u, Ua, t, ...) entsprechenden Kennlinie, Gleichung oder sonstigen Umrechnungsvorschrift erfolgt, wobei eine Modellierung des Verhaltens des Heißfilmluftmassenmessers mit einer der Gleichung Ua = f(p2; &ugr;u, m., t, ...) entsprechenden Kennlinie, Gleichung oder sonstigen Umrechnungsvorschrift vorausgesetzt sei und die Bestimmung der Parameter p2 mittels eines statistischen Parameterschätzverfahrens in Fahrversuchen mit Vorabauswertung oder im laufenden Fahrbetrieb direkt in einem Steuergerät durch Adaption oder durch Berechnung oder statistische Verfahren oder sonstige Bestimmung, wie nach der MonteCarlo-Methode, der gesuchten Größen oder durch Messung und anschließendes Auflösen der betreffenden Gleichungen oder statistische Verfahren oder sonstige Bestimmung erfolgt.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Korrektur anhand der Gleichung
    erfolgt.
  4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass zur Bestimmung der unbekannten Größen

    – bei einem konstanten Massenstrom (m.) und damit bei konstanten charakteristischen Zeiten (&tgr;1/2) und einem Sprung der Umgebungstemperatur ein zeitlicher Verlauf der Ausgangsspannung Ua(t) ermittelt und abgespeichert wird,

    – die gesuchten Applikationsgrößen mittels eines statistischen Parameterschätzverfahrens anhand eines Vergleiches der ermittelten Sprungantwort und der Gleichung
    ermittelt werden, wobei Schätzwerte für die Konstanten (Ua1, Ua2,&tgr;·1,&tgr;·2 sowie t0) bestimmt werden und anhand der Gleichungen
    aus den ermittelten Schätzwerten die Konstante (&agr;) und der Term
    ermittelt werden,

    – durch Variation des Massenstroms (m.) die analogen Schätzwerte für &tgr;·1, &tgr;·2 und
    bei anderen Massenströmen ermittelt und als Kennlinien in Abhängigkeit vom Massenstrom (m.) im Rechner abgelegt werden.
  5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Bestimmung der unbekannten Größen &agr;, &tgr;·1, &tgr;·2 und
    im laufenden Fahrbetrieb im Rechner, beispielsweise mittels eines statistischen Verfahrens, erfolgt.
  6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Bestimmung der unbekannten Parameter &agr;, &tgr;·1, &tgr;·2 und
    durch Einsetzen von frei schätzbaren Werten der Parameter in die Gleichung (9) oder (16) zur Ermittlung des Einflusses der Umgebungstemperatur und des dynamischen Fehlers solange erfolgt, bis die eingesetzten Werte der Parameter mit den Messwerten des Massenstromes (m.) die gemessene Sensorausgangsspannung Ua(t) ergeben.
  7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die frei schätzbaren Werte des Massenstromes (m.) durch Minimierung des zeitlichen Mittelwerts des Ausdrucks (Ua,meß(t) – Ua, berechnet(t, m.geraten(t)))2, bei einem bekannten Ua, berechnet aus Gleichung (9) oder (16), der einer Minimierung entsprechend dem Kriterium kleinster Fehlerquadrate entspricht, oder eines ähnlichen Ausdrucks mittels an sich bekannter nummerischer Minimumsuchverfahren bestimmt werden.
  8. Verfahren nach Anspruch 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Umgebungstemperatur der der Verbrennungskraftmaschine zugeführten Luftmasse durch einem im Heißfilmluftmassensensor integrierten oder durch einen separaten Sensor ermittelt und dem Steuergerät zugeführt wird.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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