| Dokumentenidentifikation |
DE69730202T2 01.09.2005 |
| EP-Veröffentlichungsnummer |
0000880485 |
| Titel |
AZIDFREIE, GASERZEUGENDE ZUSAMMENSETZUNGEN |
| Anmelder |
Automotive Systems Laboratory Inc., Farmington Hills, Mich., US |
| Erfinder |
LUNDSTROM, H., Norman, Tacoma, US; KHANDHADIA, S., Paresh, Troy, US |
| Vertreter |
WUESTHOFF & WUESTHOFF Patent- und Rechtsanwälte, 81541 München |
| DE-Aktenzeichen |
69730202 |
| Vertragsstaaten |
DE, FR, GB |
| Sprache des Dokument |
EN |
| EP-Anmeldetag |
15.01.1997 |
| EP-Aktenzeichen |
979019726 |
| WO-Anmeldetag |
15.01.1997 |
| PCT-Aktenzeichen |
PCT/US97/00358 |
| WO-Veröffentlichungsnummer |
0097029927 |
| WO-Veröffentlichungsdatum |
21.08.1997 |
| EP-Offenlegungsdatum |
02.12.1998 |
| EP date of grant |
11.08.2004 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
01.09.2005 |
| IPC-Hauptklasse |
C06D 5/00
|
| Beschreibung[de] |
|
Hintergrund der Erfindung
Die vorliegende Erfindung betrifft relativ nichttoxische, Gas erzeugende
Zusammensetzungen, welche bei Verbrennung rasch Gase erzeugen, die zum Aufblasen
von Insassen-Rückhaltesicherheitsvorrichtungen in Kraftfahrzeugen nützlich sind,
welche häufig als Kraftfahrzeug-Airbags bezeichnet werden, und insbesondere betrifft
die Erfindung nicht-azide Gas erzeugende Stoffe, die Verbrennungsprodukte mit nicht
nur akzeptablen Toxizitätswerten produzieren, sondern die auch ein höheres Verhältnis
von Gasvolumen zu Festpartikeln bei vergleichbaren Flammtemperaturen zeigen als
sie bislang mit kommerziell verfügbaren nicht-aziden Zusammensetzungen erhalten
wurden.
Einer der Nachteile von nicht-aziden, Gas erzeugenden Zusammensetzungen
ist die Menge und die physikalische Natur der während der Verbrennung gebildeten
festen Rückstände. Die als eine Folge der Verbrennung gebildeten Feststoffe müssen
filtriert werden und auf andere Weise von Kontakt mit den Insassen des Fahrzeugs
ferngehalten werden. Es ist daher sehr wünschenswert, Zusammensetzungen zu entwickeln,
die ein Minimum an Feststoffpartikeln erzeugen unter gleichzeitiger Vorsehung adäquater
Mengen eines nichttoxischen Gases, um die Sicherheitsvorrichtung mit hoher Geschwindigkeit
aufzublasen.
Zusätzlich zu dem Brennstoff-Konstituenten enthalten pyrotechnische
Zusammensetzungen, die beim Aufblasen von Insassen-Rückhaltesicherheitsvorrichtungen
verwendet werden, Bestandteile, wie Oxidationsmittel, zur Vorsehung des erforderlichen
Sauerstoffs für die rasche Verbrennung und zur Verringerung der Menge der erzeugten
toxischen Gase, einen Katalysator zur Beschleunigung der Umwandlung von toxischen
Oxiden von Kohlenstoff und Stickstoff zu unschädlichen Gasen und einen schlackenbildenden
Konstituenten, um ein Agglomerieren der festen und flüssigen Produkte, die sich
während und unmittelbar nach der Verbrennung bilden, in filtrierbare klinkerähnliche
bzw. Kesselschlacke ähnliche Feststoffteilchen zu bewirken. Andere optionale Additive,
wie Verbrennungsgeschwindigkeitsbeschleuniger oder ballistische Modifizierungsmittel
und Zündhilfen, die zur Steuerung der Entzündbarkeit und der Verbrennungseigenschaften
der Gas erzeugenden Zusammensetzung verwendet werden, wurden ebenfalls entwickelt.
Andere Vorteile und Nachteile von nicht-aziden, Gas erzeugenden Zusammensetzungen
des Stands der Technik im Vergleich mit anderen Gas erzeugenden Stoffen, die Azide
enthalten, wurden umfassend in der Patentliteratur, wie in den US-Patenten Nr. 4
370 181; 4 909 549; 4 948 439; 5 084 118; 5 139 588 und 5 035 757, beschrieben.
Die Ziele der vorliegenden Erfindung sind die Bereitstellung von nicht-aziden,
Gas erzeugenden Zusammensetzungen zum Aufblasen von Kraftfahrzeug-Airbag-Rückhaltesicherheitsvorrichtungen,
welche höhere Volumina an nichttoxischem Gas mit entsprechend geringeren Konzentrationen
an festen Zersetzungsprodukten vorsehen als dies mit nicht-aziden, Gas erzeugenden
Zusammensetzungen des Stands der Technik möglich war, und dennoch eine verminderte
toxische Gasbildung und Bildung an filtrierbarer Schlacke beibehalten.
Zusammenfassung der Erfindung
Die Ziele der vorliegenden Erfindung werden unter Verwendung bestimmter
Derivate und Verbindungen von Guanidin und anderen Verbindungen mit hohem Stickstoffgehalt,
wie in Anspruch 1 definiert, allein oder in Kombination mit anderen Nicht-Aziden
mit hohem Stickstoffgehalt als Brennstoffe in Gas erzeugenden Zusammensetzungen
bewerkstelligt.
Insbesondere umfasst die vorliegende Erfindung den Einsatz von einem
oder mehreren Nicht-Aziden mit hohem Stickstoffgehalt, gewählt aus der Gruppe bestehend
aus Nitroguanidin, Nitroaminoguanidin, Guanidinnitrat, Guanidinperchlorat und Guanidinpicrat,
in Kombination mit Cyanursäurehydrazid oder Diammoniumbitetrazol, allein oder in
Kombination mit anderen Nicht-Aziden mit hohem Stickstoffgehalt, wie Tetrazolen,
Bitetrazolen, Triazinen und Triazolen. Vom praktischen Standpunkt schließen die
Zusammensetzungen der vorliegenden Erfindung auch einige der bisher mit nicht-aziden,
Gas erzeugenden Zusammensetzungen verwendete Additive, wie Oxidationsmittel, Gasumwandlungskatalysatoren,
ballistischen Modifizierungsmittel, Schlackenbildner, Zündungshilfsstoffen und Kompoundierungshilfsstoffen,
ein.
Die Gas erzeugenden Zusammensetzungen dieser Erfindung werden durch
die bisher für Zusammensetzungen des Stands der Technik angewandten Verfahren hergestellt
und beinhalten allgemein, aber nicht ausschließlich, das Trockenmischen und die
Kompaktierung von für die Kombination gewählten fein zerkleinerten Bestandteilen.
Allerdings werden bestimmte Gas erzeugende Zusammensetzungen dieser Erfindung auf
Wunsch hergestellt unter Anwendung eines neuen Verfahrens, welches das Einbringen
benetzter wässriger oder nichtwässriger Nicht-Azid-Konstituenten mit hohem Stickstoffgehalt
während der Präparierungs- und Herstellungsstufen beinhaltet. Dies erlaubt den Einsatz
von Materialien, die als entzündliche Feststoffe klassifiziert sind im Unterschied
zu Explosivstoffen des U.S. Department of Transportation (US-Verkehrsministerium)
während der gefährlicheren Verarbeitungsstufen bei der Herstellung.
Ausführliche Beschreibung der bevorzugten Ausführungsformen
Gemäß der vorliegenden Erfindung schließen die bevorzugten Nicht-Azide
mit hohem Stickstoffgehalt, die als primäre Brennstoffe in Gas erzeugenden Zusammensetzungen
für Kraftfahrzeug-Airbag-Rückhaltesicherheitsvorrichtungen verwendet werden, Guanidinverbindungen,
entweder getrennt oder in Kombination, gewählt aus der Gruppe bestehend aus Guanidinnitrat,
Aminoguanidinnitrat, Diaminoguanidinnitrat, Guanidinperchlorat (benetzt oder unbenetzt),
Guanidinpicrat, Nitroguanidin (benetzt oder unbenetzt) und Nitroaminoguanidin (benetzt
oder unbenetzt) ein. Andere Nicht-Azide mit hohem Stickstoffgehalt, die in den Gas
erzeugenden Zusammensetzungen dieser Erfindung als Brennstoffe in Kombination mit
den oben stehend beschriebenen Guanidinverbindungen verwendet werden, sind 2,4,6-Trihydrazino-s-triazin
(Cyanursäurehydrazid); und Diammonium-5,5'-bitetrazol.
Die vorgenannten primären Nicht-Azid-Brennstoffe mit hohem Stickstoffgehalt
können in geeigneter Weise mit anderen bekannten sekundären Nicht-Azid-Brennstoffen
mit hohem Stickstoffgehalt kombiniert werden, ohne die aus deren Gebrauch sich ergebenden
Vorteile einzubüßen. Die sekundären Nicht-Azid-Brennstoffe mit hohem Stickstoffgehalt,
die mit den bevorzugten primären nicht-aziden Guanidin-, Triazin- und Tetrazol-Brennstoffen
mit hohem Stickstoffgehalt, die im Speziellen oben stehend erläutert sind, kombiniert
werden können, schließen andere Guanidinverbindungen, wie die Metallsalze von Nitroaminoguanidin,
Metallsalze von Nitroguanidin, Nitroguanidinnitrat, Nitroguanidinperchlorat, Tetrazole,
wie 1H-Tetrazol, 5-Aminotetrazol, 5-Nitrotetrazol, 5-Nitroaminotetrazol, 5,5'-Bitetrazol,
Diguanidinium-5,5'-azotetrazolat, Triazole, wie Nitroaminotriazol, 3-Nitro-1,2,4-triazol-5-on,
Triazine, wie Melaminnitrat; und metallische und nichtmetallische Salze der vorgenannten
Tetrazole, Triazole und Triazine, ein. Die sekundären Nicht-Azid-Brennstoffe mit
hohem Stickstoffgehalt der vorliegenden Erfindung werden in einer Konzentration
von mindestens 10 Gew.-% der gesamten Mehrfachbrennstoffzusammensetzung und vorzugsweise
im Bereich von 25 bis 75 Gew.-% der gesamten Mehrfach-Brennstoffzusammensetzung
verwendet.
Die bevorzugten Mehrfach-Brennstoffzusammensetzungen der vorliegenden
Erfindung erlauben eine größere Variabilität beim Design von Brennstoffen, die in
Gas erzeugenden Substanzen für Kraftfahrzeug-Airbag-Rückhaltesicherheitssysteme
nützlich sind. Mithin fand man heraus, dass die Verhältnisse von hohem Gasvolumen
zu gering verbrennenden Feststoffen der Guanidinverbindungen mit anderen Brennstoffen
mit vorteilhaften Eigenschaften, wie niedrigeren Zündtemperaturschwellenwerten,
leichterer Entzündbarkeit und einer verbesserten Fähigkeit zur individuellen Einstellung
der Verbrennungsrate, kombiniert werden können, ohne die gewünschten Eigenschaften
der einzelnen Komponenten einzubüßen, um synergistisch verbesserte überlegene Brennstoffe
bereitzustellen. Zweckmäßige Gas erzeugende Zusammensetzungen beinhalten zusätzlich
zu dem Brennstoff verschiedene andere Komponenten, um spezifische Verbesserungen
bei der Leistungsfähigkeit der Nicht-Azid-Brennstoffe zu erzielen. Bei Verwendung
in Kombination mit anderen Materialien sollte der bevorzugte primäre oder primäre/sekundäre
nicht-azide singuläre oder Mehrfach-Brennstoff der vorliegenden Erfindung als Ganzes
genommen in einer Konzentration von mindestens 15 Gew.-der gesamten, Gas erzeugenden
Zusammensetzung verwendet werden.
Die vorgenannten Guanidine in Kombination mit anderen bekannten Nicht-Aziden
mit hohem Stickstoffgehalt, wie in Anspruch 1 definiert, werden allgemein in Kombination
mit einem Oxidationsmittel verwendet, das dazu bestimmt ist, den größten Teil, wenn
nicht den gesamten für die Verbrennung erforderlichen Sauerstoff zu liefern. Geeignete
Oxidationsmittel sind im Fachbereich bekannt und umfassen allgemein anorganische
Nitrite, Nitrate, Chlorite, Chlorate, Perchlorate, Oxide, Peroxide, Persulfate,
Chromate und Perchromate. Bevorzugte Oxidationsmittel sind Alkalimetall- und Erdalkalimetallnitrate,
-chlorate, -perchlorate, wie Strontiumnitrat, Kaliumnitrat, Natriumnitrat, Bariumnitrat,
Kaliumchlorat, Kaliumperchlorat und Mischungen davon. Das Oxidationsmittel wird
allgemein in einer Konzentration davon eingesetzt. Das Oxidationsmittel wird allgemein
in einer Konzentration von etwa 10 bis 85 Gew.-% der gesamten Gas erzeugenden Zusammensetzung
und vorzugsweise in einer Konzentration von 25 bis 75 Gew.-% der gesamten Gas erzeugenden
Zusammensetzung verwendet.
Die Verbrennung der Brennstoffe der vorliegenden Erfindung kann durch
die Zusetzung ballistischer Modifizierungsmittel, welche die Temperaturempfindlichkeit
und Geschwindigkeit, mit welcher der Treibstoff verbrennt, reguliert werden. Solche
ballistischen Modifizierungsmittel wurden in erster Linie für feste Raketentreibstoffe
entwickelt, erwiesen sich aber auch als nützlich in Gas erzeugenden Stoffen für
aufblasbare Vorrichtungen. In den Zusammensetzungen der vorliegenden Erfindung nützliche
ballistische Modifizierungsmittel schließen Cyanoguanidin; und anorganische und
organische Salze von Cyanoguanidin einschließlich die Alkali-, Erdalkali-, Übergangsmetall-,
Ammonium-, Guanidin- und Triaminoguanidinsalze; und Mischungen davon ein. Es wurde
festgestellt, dass Mischungen von Cyanoguanidin und Cyanoguanidinsalzen
ebenfalls sehr nützlich sind als ballistische Modifizierungsmittel für die Gas erzeugenden
Zusammensetzungen dieser Erfindung. Anorganische ballistische Modifizierungsmittel,
die in geeigneter Weise eingesetzt werden können, schließen Oxide und Halogenide
der Gruppe 4 bis 12 des Periodensystems (wie von der IUPAC entwickelt und von der
CRC Press, 1989, veröffentlicht wurde); Schwefel und Metallsulfide; Übergangsmetallchromsalze;
und Alkalimetall- und Erdalkalimetallborhydride ein. Guanidinborhydride und Triaminoguanidinborhydride
wurden ebenfalls als ballistische Modifizierungsmittel verwendet. Organometallische
ballistische Modifizierungsmittel schließen Metallocene, Ferrocene und Metallacetylacetonate
ein. Andere bevorzugte ballistische Modifizierungsmittel schließen Nitroguanidin,
Guanidinchromat, Guanidindichromat, Guanidintrichromat und Guanidinperchromat ein.
Die ballistischen Modifizierungsmittel werden in Konzentrationen zwischen etwa 0,1
bis 25 Gew.-% der gesamten Gas erzeugenden Zusammensetzung verwendet.
Um die Bildung von toxischem Kohlenmonoxid und Stickstoffoxiden zu
verringern, kann es erwünscht sein, in den Zusammensetzungen der vorliegenden Erfindung
einen Katalysator einzubringen, welcher die Umwandlung von Kohlenmonoxid und Stickstoffoxiden,
die bei der Verbrennung gebildet werden, zu Kohlendioxid und Stickstoff, unterstützt.
Verbindungen, die als Katalysatoren nützlich sind, schließen insbesondere Alkalimetall-,
Erdalkalimetall- und Übergangsmetallsalze von Tetrazol, Bitetrazol und Triazol ein.
Übergangsmetalloxide selbst haben ebenfalls ihren Nutzen als Katalysatoren für die
beschriebenen Gasumwandlungen. Die Katalysatoren werden normalerweise in Konzentrationen
von 0,1 bis 10 Gew.-% der gesamten Gas erzeugenden Zusammensetzung eingesetzt.
Die filtrierbare Schlackenbildung kann durch den Zusatz eines Schlackenbildners
verbessert werden. Geeignete Schlackenbildner schließen Kalk, Borsilicate, Vycorgläser,
Bentonitton, Silica, Aluminiumoxid, Silicate, Aluminate, Übergangsmetalloxide und
Mischungen davon ein.
Ein weiteres Additiv, das, wie sich herausstellte, die Zündtemperatur
und die resultierende Verbrennung des in aufblasbaren Sicherheitsvorrichtungen verwendeten
Brennstoffs unterstützt, ist eine Zündhilfe. Zündhilfen schließen fein zerteilten
elementaren Schwefel, Bor, Kohlenstoff, Magnesium, Aluminium und Übergangsmetall
der Gruppe 4, Übergangsmetalloxide, -hydride und -sulfide, das Hydrazinsalz von
3-Nitro-1,2,4-triazol-5-on und Mischungen davon ein. Bevorzugte Zündhilfsstoffe
schließen elementaren Schwefel, Übergangsmetalloxide, Magnesium und Hafnium, Titanhydrid,
das Hydrazinsalz von 3-Nitro-1,2,4-triazol-5-on und Mischungen davon ein. Die Zündhilfen
werden normalerweise in Konzentrationen von 0,1 bis 15 Gew.-% der gesamten Brennstoffzusammensetzung
verwendet.
Wie oben stehend angegeben, werden die Brennstoffzusammensetzungen
der vorliegenden Erfindung durch physikalisches Mischen der gewünschten Komponenten,
wie durch Behandeln mit einer Kugelmühle, hergestellt. Es kann wünschenswert sein,
Kompoundierungsmittel hinzuzufügen, um die Kompoundierung zu erleichtern und um
homogene Mischungen zu erhalten. Geeignete Verarbeitungs- oder Kompoundierungshilfen
schließen Molybdändisulfid, Graphit, Bornitrid, Alkalimetall-, Erdalkalimetall-
und Übergangsmetallstearate, Polyethylenglykole, Polyacetale, Polyvinylacetat, Fluorpolymerwachse,
die kommerziell unter dem Handelsnamen "Teflon" von "Viton" verfügbar sind, und
Silikonwachse ein. Die Kompoundierungshilfen werden normalerweise in Konzentrationen
von etwa 0,1 bis 15 Gew.-% der gesamten Gas erzeugenden Zusammensetzung verwendet.
Die Art und Weise und die Reihenfolge, in welcher die Komponenten
der Brennstoffzusammensetzung der vorliegenden Erfindung kombiniert und kompoundiert
werden, ist nicht kritisch, solange eine gleichförmige Mischung erhalten wird und
die Kompoundierung unter Bedingungen durchgeführt wird, die keine Zersetzung der
eingesetzten Komponenten bewirken. Zum Beispiel können die Materialien nassgemischt
oder trockenvermischt werden oder in einer Kugelmühle oder einem Farbschüttler vom
Red Devil-Typ trockenvermischt und zerrieben werden und danach durch Kompressionsformen
pelletisiert werden. Die Materialien können auch getrennt oder zusammen in einer
Strahlmühle, einer Sweco-Vibrationsenergiemühle oder einem Bantam-Mikropulverisator
zermahlen werden und danach vor der Kompaktierung in einem V-Mischer vermischt oder
weiter vermischt werden. Allerdings kam man zu einer bedeutenden Erkenntnis, was
die Verwendung von benetztem wässrigen oder nichtwässrigen Nitroguanidin angeht
im Unterschied zu dem trockenen Material, welches die Weiterführung der Verarbeitung
während der Herstellungsstufe mit Nitroguanidin, das als entzündlicher Feststoff
4.1 durch das Department of Transportation klassifiziert ist, erlaubt.
Die hierin zuvor beschriebenen verschiedenen Komponenten für die Verwendung
mit den neuen Brennstoffen der vorliegenden Erfindung wurden bislang in anderen
nicht-aziden Brennstoffzusammensetzungen verwendet. Referenzen, welche die nicht-aziden
Brennstoffzusammensetzungen beinhalten, die verschiedene in der vorliegenden Erfindung
nützliche Additive beschreiben, schließen die US-Patente Nr. 5 035 757; 5 084 118;
5 139 588; 4 948 439; 4 909 549; und 4 370 181 ein. Wie im Fachbereich
gelehrt und wie für Fachleute auf dem Gebiet ersichtlich ist, ist es möglich, die
Funktionen von zwei oder mehr Additiven zu einer einzigen Zusammensetzung zu vereinen.
Somit fungieren Erdalkalimetallsalze von Tetrazolen, Bitetrazolen
und Triazolen nicht nur als Brennstoffkomponenten, sondern können auch als Schlackenbildner
verwendet werden. Es wurde festgestellt, dass Strontiumnitrat nicht nur als ein
Oxidationsmittel und als ein Schlackenbildner fungiert, sondern auch als ballistisches
Modifizierungsmittel, Zündhilfenverdichter und Verarbeitungshilfsstoff wirksam ist.
Das Verfahren der Erfindung kann herkömmliche Gaserzeugermechanismen
des Stands der Technik nutzen. Diese werden in dem US-Patent Nr. 4 369 079 genannt.
Generell beinhalten die Verfahren des Stands der Technik den Einsatz einer hermetisch
abgeschlossenen metallischen Patrone bzw. Kartusche, die Brennstoff, Oxidationsmittel,
Schlackenbildner, Initiator und andere ausgewählte Additive enthält. Nach der Initiierung
der Verbrennung durch das Zünden eines Anzünders zerbirst der Versiegelungsmechanismus.
Dies ermöglicht das Ausströmen von Gas aus der Verbrennungskammer durch mehrere
Austrittsöffnungen und in eine Absaug-Venturi-Düse, durch welche Außenluft in das
durch die Verbrennung gebildete Gas angesogen wird, so dass das zum Aufblasen des
Airbags eingesetzte Gas eine Mischung des durch die Verbrennung erzeugten Gases
und Außenluft ist.
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| Anspruch[de] |
- Gaserzeugende Zusammensetzung, die für das Aufblasen eines Kraftfahrzeug-Airbags
mit passivem Rückhaltesystem geeignet ist, wobei die Zusammensetzung als einen Brennstoff
(1) mindestens einen Nicht-Azid-Konstituenten mit hohem Stickstoffgehalt, gewählt
aus Guanidinnitrat, Aminoguanidinnitrat, Nitroguanidin, Nitroaminoguanidin, Diaminoguanidinnitrat,
Guanidinperchlorat und Guanidinpicrat, und (2) Diammoniumbitetrazol oder 2,4,6-Trihydrazino-s-triazin
aufweist; wobei der Brennstoff in einer Konzentration von 5 bis 85 Gew.-% der gaserzeugenden
Zusammensetzung angewendet wird.
- Zusammensetzung nach Anspruch 1, wobei der Brennstoff (1) ein substituiertes
Guanidin mit hohem Stickstoffgehalt umfasst.
- Zusammensetzung nach Anspruch 1 oder 2, wobei der Brennstoff in einer
Menge von 10 bis 85 Gew.-% der Zusammensetzung vorliegt.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Nicht-Azid-Brennstoff in einer Menge von 10 bis 80 Gew.-% des gesamten
Brennstoffs in der Zusammensetzung vorliegt.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
weiter umfassend ein Oxidationsmittel in einer Menge von 10 bis 85 Gew.-% der Zusammensetzung.
- Zusammensetzung nach Anspruch 5, wobei das Oxidationsmittel gewählt
ist aus Alkalimetall, Erdalkalimetall oder Übergangsmetall, Nitraten, Nitriten,
Chloraten, Chloriten, Perchloraten, Chromaten, Sulfiden, Oxiden, Peroxiden, Persulfaten,
Perchromaten und Mischungen davon.
- Zusammensetzung nach Anspruch 6, wobei das Oxidationsmittel Strontiumnitrat
ist.
- Zusammensetzung nach Anspruch 7, worin der Brennstoff (1) Guanidinnitrat
umfasst.
- Zusammensetzung nach Anspruch 7, worin der Brennstoff (1) Nitroguanidin
umfasst.
- Zusammensetzung nach Anspruch 7, worin der Brennstoff (1) Nitroaminoguanidin
umfasst.
- Zusammensetzung nach Anspruch 7, worin der Brennstoff (1) eine Mischung
von Guanidinnitrat und Nitroguanidin umfasst.
- Zusammensetzung nach Anspruch 7, worin der Brennstoff (1) Guanidinnitrat
und Nitroaminoguanidin umfasst.
- Zusammensetzung nach Anspruch 7, worin der Brennstoff (1) eine Mischung
von Nitroguanidin und Nitroaminoguanidin umfasst.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Brennstoff (1) Nitroguanidin, Guanidinnitrat, Nitroaminoguanidin, Guanidinperchlorat,
Guanidinpicrat oder Mischungen davon ist und in einer Menge von bis zu 75 Gew.-%
der Zusammensetzung vorliegt.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
weiterhin umfassend ein ballistisches Modifizierungsmittel in einer Menge von 0,01
bis 20 Gew.-% der Zusammensetzung.
- Zusammensetzung nach Anspruch 15, wobei das ballistische Modifizierungsmittel
Cyanoguanidin; ein Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Übergangsmetall-, Ammonium-,
Guanidin- oder Triaminoguanidinsalz von Cyanoguanidin; Nitroguanidin; oder eine
Mischung davon ist.
- Zusammensetzung nach Anspruch 16, wobei das ballistische
Modifizierungsmittel Nitroguanidin ist.
- Zusammensetzung nach Anspruch 7, in welcher der Brennstoff (1) Nitroguanidin
umfasst und welcher weiterhin ein ballistisches Modifizierungsmittel, bestehend
aus fein zerteiltem elementaren Schwefel, umfasst.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Brennstoff (2) 2,4,6-Trihydrazino-s-triazin ist.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Brennstoff weiterhin Hydrazobicarbamid, 5-Nitrobarbitursäure oder 3-Nitroamino-4-nitrofurazan
umfasst.
- Zusammensetzung nach Anspruch 15, wobei das ballistische Modifizierungsmittel
ein Metalloxid, Metallhalogenid, Metallsulfid, Metallchromsalz oder elementarer
Schwefel ist, wobei das Metall aus den Gruppen 4–12 des Periodensystems der
Elemente gewählt ist.
- Zusammensetzung nach Anspruch 15, wobei das ballistische Modifizierungsmittel
eine organometallische Verbindung, gewählt aus Metallocenen, Ferrocenen, Metallacetylacetonaten
und Chelaten von Metallen der Gruppen 4–12 des Periodensystems der Elemente,
ist.
- Zusammensetzung nach Anspruch 15, wobei das ballistische Modifizierungsmittel
ein Aikalimetallborhydrid, Erdalkalimetallborhydrid, Guanidinborhydrid oder Triaminoguanidinborhydrid
ist.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
weiterhin umfassend einen Schlackenbildner in einer Menge von 0,1 bis 20 Gew.-%
der Zusammensetzung.
- Zusammensetzung nach Anspruch 24, wobei der Schlackenbildner in einer
Menge von 0,1 bis 10 Gew.-% der Zusammensetzung vorliegt.
- Zusammensetzung nach Anspruch 24 oder 25, wobei der Schlackenbildner
gewählt ist aus Kalk, Borsilicaten, Vycorgläsern, Bentonitton, Silica, Aluminiumoxid,
Silicaten, Aluminaten, Übergangsmetalloxiden und Mischungen davon.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
weiterhin umfassend einen Katalysator in einer Menge von 0,1 bis 20 Gew.-% der Zusammensetzung,
wobei der Katalysator gewählt ist aus den Alkalimetall-, Erdalkalimetall- und Übergangsmetallsalzen
von Tetrazolen, Bitetrazolen und Triazolen, und Übergangsmetalloxiden, Guanidinnitrat,
Nitroguanidin und Mischungen davon.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
weiterhin umfassend ein Zündhilfsmittel, gewählt aus fein zerteiltem elementaren
Schwefel, Bor, Ruß, Magnesium, Aluminium, Titan, Zirkonium und Hafnium, Übergangsmetallhydriden,
Übergangsmetalloxiden, Übergangsmetallsulfiden, dem Hydrazinsalz von 3-Nitro-1,2,4-triazol-5-on
und Mischungen davon, wobei das Zündhilfsmittel in einer Menge von 0,1 bis 20 Gew.-%
der Zusammensetzung vorliegt.
- Zusammensetzung nach Anspruch 28, welche fein zerteilten elementaren
Schwefel enthält.
- Zusammensetzung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei das Gas weiterhin einen Verarbeitungshilfsstoff in einer Menge von 0,1 bis
15 Gew.-% der Zusammensetzung umfasst, wobei der Verarbeitungshilfsstoff gewählt
ist aus Molybdändisulfid, Graphit, Bornitrid, Alkalimetall, Erdalkalimetall und
Übergangsmetall, Stearaten, Polyethylenglykol, Lactose, Polyacetalen, Polyvinylacetaten,
Polycarbonaten, Polyvinylalkoholen, Fluorpolymeren, Paraffinen, Silikonwachsen und
Mischungen davon.
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