| Dokumentenidentifikation |
DE102004004038B3 08.09.2005 |
| Titel |
Verfahren zur Herstellung eines Al-beruhigten Stahles mit niedrigen Gehalten festigkeitssteigernder Elemente |
| Anmelder |
Mannesmannröhren-Werke AG, 45473 Mülheim, DE |
| Erfinder |
Wünnenberg, Klaus, Prof. Dr., 47249 Duisburg, DE; Cappel, Jürgen, Dr., 40667 Meerbusch, DE; Schlüter, Thomas, Dr., 47259 Duisburg, DE; Rzepczyk, Jörg, 46562 Voerde, DE; Hanke, Klaus, 47057 Duisburg, DE |
| Vertreter |
Meissner & Meissner, 14199 Berlin |
| DE-Anmeldedatum |
19.01.2004 |
| DE-Aktenzeichen |
102004004038 |
| Veröffentlichungstag der Patenterteilung |
08.09.2005 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
08.09.2005 |
| IPC-Hauptklasse |
C21C 7/10
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| IPC-Nebenklasse |
C21C 7/064
C21C 7/00
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| Zusammenfassung |
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Al-beruhigten Stahles mit niedrigen Gehalten festigkeitssteigernder Elemente, bei dem vorentschwefeltes Roheisen in einem Konverter zu Stahl mit einem C-Gehalt < 0,01 Gew.-% verblasen und anschließend der Stahlschmelze beim Abgießen in eine Pfanne zur weiteren Absenkung des Schwefelgehaltes ein schwefelabbindendes, vorzugsweise Ca enthaltendes, Mittel zugegeben wird.
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| Beschreibung[de] |
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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Al-beruhigten
Stahles mit niedrigen Gehalten festigkeitssteigernder Elemente gemäß dem Oberbegriff
des Patentanspruchs 1 bzw. Patentanspruchs 2.
In der Feinblechindustrie werden zunehmend Stahlgüten mit niedrigen
Festigkeitswerten verlangt. Diese Güten sind durch niedrigste Gehalte an C, P, Si,
Cu, Cr, Ni, Mo bzw. niedrigste Festigkeitswerte gekennzeichnet und auch unter der
Bezeichnung ULC (Ultra Low Carbon) und IF (Interstitiell Free) bekannt. Insbesondere
die geforderten extrem niedrigen Kohlenstoffgehalte können Probleme bereiten, da
sich nach dem Konverterprozess bei der nachfolgenden sekundärmetallurgischen Behandlung
Aufkohlungen gezeigt haben, die je nach Grad als Fehlschmelzen verworfen werden
mussten.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Herstellung eines
Al-beruhigten Stahles mit niedrigen Gehalten festigkeitssteigernder Elemente anzugeben,
das eine Aufkohlung vermeidet.
Diese Aufgabe wird mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 oder 2
gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen sind jeweils Gegenstand von Unteransprüchen.
Nach der Lehre der Erfindung werden bei der sekundärmetallurgischen
Behandlung insbesondere zur weiteren Schwefelabsenkung nur solche Mittel zugegeben,
die nahezu frei von Kalkstein (CaCO3) sind, beispielsweise reines CaO.
Die näheren Untersuchungen haben ergeben, dass Karbonate aus dem Kalk,
die vorzugsweise in der sekundärmetallurgischen Behandtung zur Schwefelabsenkung
eingesetzt werden, die Quelle für den Kohlenstoffzubrand sind. Die Reaktionen die
dabei ablaufen, lassen sich wie folgt beschreiben:
CaCO3 spaltet sich bei hohen Temperaturen (> 1000 °C) zu CaO und
CO2 auf.
CaCO3 → (CaO) + {CO2}(1)
Das für die Desoxidation der Stahlschmelze zugesetzte Al ist in der
Lage Kohlenstoff von CO abzuspalten und damit den Kohlenstoffzubrand zu verursachen.
Anders ausgedrückt: das Kohlenmpnoxid wird durch Aluminium in der Stahlschmelze
reduziert und der verbleibende Kohlenstoff wird im Stahl gelöst.
2Al + 3CO2 → (Al2O3) + 3{CO}(2)
2Al + 3CO → (Al2O3) + 3[C](3)
Weder das in der Stahlschmelze vorhandene Titan noch das Mangan oder
Silizium können einen Kohlenstoffzubrand bewirken, da wegen der Thermodynamik CO
stabiler ist als MnO, SiO2 und Ti2O3.
2Ti + 3CO2 → (Ti2O3) + 3{CO}(4)
Mn + CO2 → (MnO) + {CO}(5)
Si + 2CO2 → (SiO2) + 2{CO}(6)
Unter Beachtung dieser Zusammenhänge muss bei der Herstellung von
ULC- und IF-Stählen darauf geachtet werden, dass bei einer mit Al-desoxidierten
Stahlschmelze während der sekundärmetallurgischen Behandlung möglichst kein Kalkstein
(CaCO3) eingeschleppt wird, damit dies nicht zu den zuvor beschriebenen
Reaktionen führt. Erreichen kann man dies beispielsweise durch Zugabe eines fast
reinen CaO für die Schwefelabsenkung.
Die Beschaffung eines fast reinen CaO und die Vermeidung jeglichen
Kalksteineintragens kann schwierig sein und die Kosten für die Stahlherstellung
in die Höhe treiben.
Aus diesem Grund wird zur Lösung des Problems eine zweite Variante
vorgeschlagen. Diese Variante ist dadurch gekennzeichnet, dass für die sekundärmetallurgische
Behandlung eine unberuhigte Stahlschmelze in die Pfanne eingefüllt wird und zur
Schwefelabsenkung handelsübliches, d. h. mit Kalkstein verunreinigtes CaO zugegeben
wird. Da kein Al in der Schmelze vorhanden ist, können die zuvor beschnebenen Reaktionen
auch nicht ablaufen. Erst am Schluss der Behandlung, wenn das CO aus der Schmelze
entfernt ist, wird Al zur Desoxidation zugegeben.
Auch bei dieser Verfahrensweise wird sich durch die Verunreinigung
mit Kalkstein CaO und CO2 bilden. Trotzdem laufen die besagten Reaktionen
nicht ab, da in der Schmelze kein Al vorhanden ist. Vor der endgültigen Zugabe von
Al ist aber das CO weitgehend aus der Stahlschmelze entwichen, so dass das zugegebene
Al kein C abspalten kann.
Die letztgenannte Verfahrensweise hat den Vorteil, dass auf die teuere
Zugabe von hochreinem CaO verzichtet werden kann und nur durch Abänderung des Zeitpunktes
der Zugabe von Al zur Desoxidation ein Kohlenstoffzubrand verhindert wird.
Mit der vorgeschlagenen Verfahrensweise lassen sich folgende Wirkungen
erzielen:
- – ein Kohlenstoffzubrand wird verhindert,
- – Mn-, Ti- und insbesondere Si-Gehalte werden werter abgesenkt,
- – Cr- und P-Gehalte werden etwas vermindert,
- – ein hoher Ausgangsgehalt an Kohlenstoff kann auf den für eine ULC-Güte
abgesenkt werden,
- – ein niedriger Ausgangsgehalt an Kohlenstoff kann konstant gehalten werden.
Die letztgenannte Wirkung ist damit zu erklären, dass bei einem niedrigen
Ausgangsgehalt an Kohlenstoff die Aktivität nicht mehr ausreicht, um Reaktionen
der zuvor beschriebenen Art ablaufen zu lassen.
Der Vorteil der vorgeschlagenen Verfahrensweise ist darin zu sehen,
dass man einen Teil der ohnehin zur Aufnahme der Desoxidationsprodukte und zur Stahlentschwefelung
erforderlichen Weichbrandkalk-Menge nicht sofort beim Abstich in die Pfanne gibt,
sondern erst bei der sekundärmetallurgischen Behandlung zusetzt. Weiterhin kann
die vorgeschlagene Verfahrensweise dazu genutzt werden, um durch gezielten Einsatz
von Kalkstein bei Verletzung von Analysenobergrenzen der festigkeitssteigernden
Elemente die Gehalte dieser Elemente durch Abbrand in den Bereich der Kundenspezifikationen
zu bringen.
Anhand der nach folgenden schematischen Diagramme wird das erfindungsgemäße
Verfahren anhand einer ca. 70kg-Versuchsschmelze näher erläutert. Es zeigen:
1 Änderung der Stahlzusammensetzung durch
Zugabe von CaCO3 auf eine Al-beruhigte Stahlschmelze
2 Änderung der Stahlzusammensetzung einer
unberuhigten Stahlschmelze durch die Zugabe von CaCO3
3 wie 2 aber
mit niedrigem Ausgangsgehalt an Kohlenstoff in der Stahlschmelze
1 zeigt die Änderung der Stahlzusammensetzung
durch Zugabe von CaCO3 auf eine Al-beruhigte Schmelze. Die Zugabe von
CaCO3 und die Zugabe von Al sind durch senkrecht nach unten zeigende
Pfeile gekennzeichnet.
Wie man erkennen kann, setzen mit Beginn der Zugabe die Reaktionen
gemäß den Gleichungen 1 bis 6 ein. Zuerst wird CaCO3 infolge der hohen
Temperatur aufgespalten in CaO und CO2, danach folgen die Reaktionen
der Elemente Al, Ti, Mn, Si mit CO2 Der deutlich sichtbare Anstieg im
Kohlenstoffgehalt von ca. 0,005 Gew.-% auf mehr als 0,015 Gew.-% ist auf die Reaktion
gemäß Gleichung 3 zurück zu führen. Durch Al wird das Kohlenmonoxid zu Kohlenstoff
unter Bildung von Al2O3 reduziert. Durch die Reaktion gemäß
den Gleichungen 4 – 6 sinken die Gehalte an Mn, Si, und Ti.
Diese genannten Reaktionen würden nicht ablaufen, wenn man hochreines
CaO als schwefelabsenkendes Mittel einsetzen würde, so dass sich kein CO2
bilden könnte, das im Zusammenwirken mit Al zum schon erwähnten Kohlenstoffzubrand
führt.
Ein völlig anderes Bild zeigt 2. In diesem
Fall wird einer unberuhigten Schmelze CaCO3 zugegeben. Der Kohlenstoffgehalt
ist durch Zugabe von reinem Kohlenstoff auf fast 0,09 Gew.-% herauf gesetzt worden.
Durch Zugabe von Fe2O3 wurde der Sauerstoffgehalt auf einem
üblichen Level eingestellt. Mit Zugabe von CaCO3 sinken die Gehalte an
Mn, Si, Ti und insbesondere C. Statt der bisher beobachteten Zunahme des Kohlenstoffgehaltes
(siehe 1) sinkt dieser bei einem unberuhigten Stahl.
Die nach Beendigung der Behandlung erforderliche Desoxidation der
Schmelze wird durch Zugabe von Al bewirkt.
Für das Beispiel in 3 wurde ebenfalls
eine unberuhigte Stahlschmelze eingesetzt und in bekannter Weise CaCO3
zugegeben. Für dieses Beispiel wurde auf eine Zugabe von C verzichtet, so dass der
Ausgangsgehalt für C schon sehr niedrig bei etwa 0,005 Gew.-% liegt, was einer ULC-Güte
in etwa entspricht.
Wie man der Darstellung entnehmen kann, sinken, wie zu erwarten ist,
die Gehalte Mn, Si, Ti aufgrund der Reaktion gemäß den Gleichungen 4 – 6,
während der Kohlenstoffgehalt nahezu konstant bleibt.
Die Zugabe von Al zur Desoxidation der Stahlschmelze erfolgt am Ende
der Behandlung.
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| Anspruch[de] |
- Verfahren zur Herstellung eines Al-beruhigten Stahles mit niedrigen
Gehalten festigkeitssteigernder Elemente, bei dem vorentschwefeltes Roheisen in
einem Konverter zu Stahl mit einem C-Gehalt < 0,01 Gew.-% verblasen und anschließend
der Stahlschmelze beim Ausleeren in eine Pfanne zur weiteren Absenkung des Schwefelgehaltes
ein schwefelabbindendes, Ca enthaltendes Mittel, und zur Desoxidation Al zugegeben
wird
dadurch gekennzeichnet,
dass bei der sekundärmetallurgischen Behandlung eine Teilmenge des zur Stahlentschwefelung
insgesamt erforderlichen schwefelabbindenden Mittels nach der Entkohlung zur Schlackenbildung
zugegeben wird und dass dieses Mittel nahezu frei von Kalkstein
(CaCO3) ist.
- Verfahren zur Herstellung eines Al-beruhigten Stahles mit niedrigen
Gehalten festigkeitssteigernder Elemente, bei dem vorentschwefeltes Roheisen in
einem Konverter zu Stahl mit einem C-Gehalt < 0,01 Gew.-% verblasen und anschließend
der Stahlschmelze beim Abgießen in eine Pfanne zur weiteren Absenkung des Schwefelgehaltes
ein schwefelabbindendes, Ca enthaltendes Mittel, zugegeben wird dadurch gekennzeichnet,
dass für die sekundärmetallurgische Behandlung eine unberuhigte Stahlschmelze in
die Pfanne ausgeleert wird und während der Behandlung eine Teilmenge des zur Stahlentschwefelung
insgesamt erforderlichen schwefelabbindenden Mittels zugegeben und als letzter metallurgischer
Behandlungsschritt die unberuhigte Stahlschmelze mit Al desoxidiert wird.
- Verfahren nach Anspruch 1
dadurch gekennzeichnet,
dass die sekundärmetallurgische Behandlung unter Schutzgas erfolgt.
- Verfahren nach Anspruch 1 und 2
dadurch gekennzeichnet,
dass die sekundärmetallurgische Behandlung unter Vakuum erfolgt.
Es folgen 3 Blatt Zeichnungen
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