Technisches Gebiet
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine vorrichtung
zum Einzentrieren von Zahnlücken eines verzahnten Werkstücks gemäss Oberbegriff
des Patentanspruchs 1 bzw. 3.
Die Erfindung betrifft insbesondere das Einzentrieren von Zahnlücken
vorverzahnter Werkstücke in Bezug zu einem Bearbeitungswerkzeug, die zur Feinbearbeitung
auf der Werkstückspindel einer Verzahnungsfeinbearbeitungsmaschine gespannt sind,
verbunden mit der Prüfung von für die Prozesssicherheit relevanten Werkstückeigenschaften
vor der Bearbeitung.
Stand der Technik
Gestiegene Ansprüche an die Laufqualität von Zahnradgetrieberädern
erfordern in zunehmendem Masse die Präzisionsfeinbearbeitung der Verzahnungen. In
den meisten Fällen werden die vorbearbeiteten Werkstücke einsatzgehärtet und danach
an allen ihren Funktionsflächen auf das Fertigmass feinbearbeitet. Dabei ist insbesondere
das Feinbearbeiten der Zahnflanken eine komplizierte, aufwendige und daher auch
teure Operation. Es wird deshalb im Interesse einer wirtschaftlichen Fertigung,
aber auch, um die Einhärtetiefe nicht unnötig gross auslegen zu müssen sowie den
Verschleiss auf den Linkes- und Rechtsflanken des Feinbearbeitungswerkzeugs zu vergleichmässigen
und zu minimieren, danach getrachtet, das Aufmass für die Fertigbearbeitung möglichst
klein zu halten. Für die Feinbearbeitung der Verzahnung bedeutet dies in der Praxis,
dass pro Flanke eine Tiefe von nur wenigen Hundertstel- bis höchstens zwei Zehntelmillimeter
abzutragen ist. Werden, wie allgemein üblich, die Links- und die Rechtsflanke in
derselben Operation bearbeitet, so erfordert dies ein sehr genaues Ausrichten der
vorgearbeiteten Verzahnung gegenüber dem Feinbearbeitungswerkzeug, das so genannte
Einzentrieren, damit das Werkzeug zur Erreichung eines gleichmässigen Spanabtrags
auf den Links, und Rechtsflanken des Werkstücks exakt in die Mitte der zu bearbeitenden
Zahnlücken eingebracht werden kann. Bei dem auf Verzahnungsfeinbearbeitungsmaschinen
in der Praxis am häufigsten anzutreffenden Einzentrierverfahren wird an einem räumlich
hierfür geeigneten Ort im Arbeitsraum der Maschine nahe dem Aussendurchmesser der
vorbearbeiteten Verzahnung des auf die Werkstückspindel aufgespannten Werkstücks
eine berührungslos arbeitende Messsonde, die Einzentriersonde, angeordnet, die auf
induktivem, optischem oder magnetischem Prinzip beruht. Mittels Drehung der Werkstückspindel
wird die Winkellage aller Zahnflanken gemessen und der Mittelwert aller Zahnlückenmitten
berechnet. Dieser wird mit dem in der Maschinensteuerung gespeicherten Sollwert
verglichen und mittels entsprechender Verdrehung der Werkstückspindel mit ihm in
Übereinstimmung gebracht. Neben dem Einzentrieren ermöglicht der beschriebene Messvorgang
zugleich auch die Prüfung des Rohteils auf das Vorhandensein der Zahnlücken sowie
auf die geforderte Zähnezahl.
Die Erfahrungen in der industriellen Zahnradfertigung haben zu der
Erkenntnis geführt, dass neben der Zähnezahl und dem Vorhandensein der Verzahnungsvorbearbeitung
vor dem Beginn der Bearbeitungsoperation zusätzliche Eigenschaften des Rphlings
geprüft werden müssten, um die geforderte Prozesssicherheit zu gewährleisten. Hierzu
zählen die Rundlaufqualität der Vorverzahnung, das Zahnflankenaufmass, der Schrägungswinkel
und eventuelle Störstellen der Vorbearbeitung über der gesamten Werkstückbreite
an sämtlichen Zähnen. Diese Eigenschaften können mit den bekannten Einzentriervorrichtungen
nicht erfasst werden. Ihre Prüfung erfordert daher entweder eine vorausgehende Messung
auf einem separaten geeigneten Messgerät als zusätzlichen Arbeitsgang oder zusätzliche
Messvorrichtungen im Arbeitraum der Maschine, welche wegen der beengten Platzverhältnisse
schwer unterzubringen sind und die Kosten erhöhen.
Darstellung der Erfindung
Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren und
eine Vorrichtung zum Einzentrieren von Zahnlücken eines vorverzahnten Werkstücks
zu schaffen, nach welchen das Werkstück zugleich ausser auf die Richtigkeit seiner
Zähnezahl ohne grossen Mehraufwand auch auf die Einhaltung von Qualitätsforderungen
wie beispielsweise Rundlaufqualität, Schrägungswinkel und Aufmass sowie auf das
Vorhandensein von Störstellen der Vorbearbeitung geprüft werden kann.
Diese Aufgabe lösen ein Verfahren und eine Vorrichtung mit den Merkmalen
des Patentanspruchs 1 respektive 3.
Erfindungsgemäss werden das Werkstück und ein Pilotzahnrad mit gleicher
Durchmesserteilung (d.h. mit gleichem Modul) in spielfreien Zweiflankeneingriff
gebracht, und während der Drehung des Werkstücks werden sowohl die Winkellage der
Pilotzahnradflanken als auch der Achsabstand zwischen Pilotzahnrad und Werkstück
gemessen.
Weitere vorteilhafte Ausführungsformen gehen aus den abhängigen Patentansprüchen
hervor.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Im folgenden wird die Erfindung anhand von bevorzugten
Ausführungsbeispielen, welche in den beiliegenden Zeichnungen dargestellt sind,
näher erläutert. Die Zeichnungen beinhalten
1 eine schematische Darstellung einer
Verzahnungsfeinbearbeitungsmaschine in einer ersten Ausführungsform,
2 die in 1
dargestellte Maschine in einer ersten Teilansicht von oben,
3 die in 1
dargestellte Maschine in einer zweiten Teilansicht von oben;
4 die in 1
dargestellte Maschine in einer zweiten Ausführungsform und
5 eine Teilansicht der erfindungsgemässen
Maschine in einer dritten Ausführungsform.
Wege zur Ausführung der Erfindung
1 zeigt in schematischer Darstellung
eine Seitenansicht einer Maschine zur Feinbearbeitung von Zahnflanken eines Rohteils,
genauer eines vorverzahnten Werkstücks 1 mittels eines gegenüber diesem
radial und axial verschieblich angeordneten Werkzeugs 2. Aas Werkzeug
2 ist beispielsweise eine Schleifschnecke.
Die Maschine weist eine Werkstückspindel 3 auf, welche in
einem Maschinenbett 4 drehbar gelagert ist. Auf der Werkstückspindel
3 ist das Werkstück 1 auf spannbar.
Die Maschine weist ferner eine Einzentrier- und Prüfvorrichtung
5 auf, mittels welcher das Werkstück 1 einzentriert und vor der
weiteren Bearbeitung geprüft werden kann, Erfindungsgemäss wird in dieser Einzentrier-
und Prüfvorrichtung 5 ein Pilotzahnrad 6 verwendet, welches den
gleichen Modul wie das Werkstück 1 aufweist, jedoch mit inversem Schrägungswinkel
verzahnt ist.
In 1 ist eine Messposition dargestellt,
in der sich das Werkstück 1 und das Pilotzahnrad 6 in spielfreiem
Zweiflankeneingriff befinden. Das Pilotzahnrad 6 ist auf einer Pilotradspindel
7 gespannt. Diese Pilotradspindel 7 ist vorzugsweise in einem
Pilotradträger 8 um eine zur Werkstückspindelachse 9 parallele
Pilotradachse 10 drehbar gelagert.
Der Pilotradträger 8 ist mit einem Trägerarm 11
um eine ebenflls zur Werkstückspindelachse 9 parallele Schwenkarmachse
12 schwenkbar verbunden. Der Trägerarm 11 ist an einem Klemmschaft
14 angeordnet und so verschiebbar und klemmbar mit einer Schwenkspindel
15 verbunden. Die Schwenkspindel 15 ist im Maschinenbett
4 um eine zur Werkstückspindelachse vorzugsweise parallele Schwenkachse
16 schwenkbar und axial verschieblich und klemmbar gelagert. Eine Druckfeder
13 zwischen Pilotradträger 8 und Trägerarm 11 sorgt in
einer Messposition der Einzentrier- und Prüfvorrichtung 5 für spielfreie
Zweiflankenanlage zwischen Werkstück 1 und Pilotzahnrad 6.
3 zeigt die Einzentrier- und Prüfvorrichtung
5 in ihrer Ruheposition nach dem Ausschwenken, aus der Messposition. Verschiedene
andere Mittel für das Zu- und Wegfahren der Einzentrier- und Prüfvorrichtung
5 sind ahne weiteres denkbar.
Nach dem Einschwenken der Einzentrier- und Prüfvorrichtung
5 in die Messposition gemäss 2 wird während
kontinuierlicher Drehung des Werkstücks 1 mittels einer mit dem Pilotradträger
8 fest verbundenen Einzentriersonde 17 in bekannter Weise die
Winkellage der Pilotradzahnflanken gemessen. Der Vorteil gegenüber der üblichen
Messung an den Werkstückflanken besteht in der vergleich weise hohen Oberflächenqualität
und Gleichförmigkeit der geschliffenen Pilotradzahnflanken, wodurch eine genauere
Messung ermöglicht wird. Zugleich wird mittels einer mit dem Trägerarm
11 fest verbundenen Messsonde 18 der Achsabstand zwischen der
Werkstückspindelachse 9 und der Pilotradachse gemessen. Grösse und zeitlicher
Verlauf dieses Masses während einer Werkstückumdrehung geben Aufschluss über die
Qualität der Vorbearbeitung der Verzahnung sowie über Sollabweichungen von Aufmass,
Schrägungswinkel und Störstellen der Vorbearbeitung.
Zur Messung der Winkellage der Zahnlückenmitten des Pilotzahnrades
6 kann anstelle der Einzentriersonde 17 auch ein Winkelschrittgeber
19 verwendet werden, dessen Achse mit der Pilotradspindel 7 drehfest
verbunden ist. Dies ist in 4 dargestellt. Ebenso kann
der Achsabstand zwischen Werkstüek 1 und Pilotzahnrad 6 statt
mittels der Messsonde 18 mittels eines Winkelschrittgebers 20
in der Schwenkachse 16 ermittelt werden, welcher den Schwenkwinkel des
Pilotradträgers 8 gegenüber dem Trägerarm 11 misst. Diese Variante
ist in 5 dargestellt. Die Varianten gemäss
4 und 5 lassen
sich auch miteinander kombinieren.
Statt der Anordnung des Pilotzahnrades 6 auf einem schwenkbaren
Pilotradträger 8 ist auch eine beliebige andere Vorrichtung denkbar, die
das Pilotzahnrad, gehalten in einem Pilotradträger, mit vorwählbarer Kraft radial
gegen die zu vermessende Verzahnung drückt, wobei das Pilotzahnrad bzw. der Pilotradträger
in Umfangsrichtung zu der Verzahnung vollkommen spielfrei gehalten sein muss.
Mittels der Vorprüfung der Werkstücke vor dem Beginn der Feinbearbeitungsoperation
können unzulässige Sollabweichungen für den Prozess relevanter
Werkstückeigenschaften wie Rundlaufqualität, Flankenaufmass, Schrägungswinkel sowie
Störstellen der Vorbearbeitung frühzeitig erkannt und die betreffenden Werkstücke
aus dem Fertigungsprozess entfernt werden. Gleichermassen können in einer Wiederholung
des Prüfvorgangs nach der Feinbearbeitung des Werkstücks 1 allfällige Profilabweichungen
der bearbeiteten Zahnflanken erkannt werden, wie sie beispielsweise bei einer Beschädigung
des Bearbeitungswerkzeugs 2 entstehen. Mittels der erfindungsgemässen vorrichtung
wird somit die Prozesssicherheit erhöht, was eine Senkung der Produktionskosten
zur Folge hat.
1- Werkstüek
2- Werkzeug
3- Werkstückspindel
4- Maschinenbett
5- Einzentrier- und Prüfvorrichtung
6- Pilotzahnrade
7- Pilotradspindel
8- Pilotradträger
9- Werkstückspindelachse
10- Pilotradachse
11- Trägerarm
12- Schwenkarmachse
13- Druckfeder
14- Klemmschaft
15- Schwenkspindel
16- Schwenkachse
17- Einzentriersonde
18- Messsonde
19- Winkelschrittgeber
20- Winkelschrittgeber