Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum mechanischen
Prüfen von Gesteinsformationen während des Bohrens eines Bohrlochs in der Ölindustrie.
Dieses Verfahren erstreckt das Potential der normalerweise im Labor
zum Messen der Fortpflanzungsgeschwindigkeit von Ultraschallwellen an einem Bohrkern
verwendeten Technik auf Messungen an Gesteinssplittern, welche während des Bohrens
die Oberfläche erreichen.
Um Probleme betreffend das Bohren einer Ölquelle (Bohrlochstabilität,
Sanderzeugung oder Bodensenkung, usw.) erfolgreich zu behandeln, ist es wichtig,
in der Lage zu sein, die Gesteinsformationen während des Bohrens mechanisch zu prüfen.
Bis jetzt, wie in dem US-Patent Nr. 3,995,501 berichtet, war dies
durch Ausführen geomechanischer Tests im Labor an aus dem Bohrloch entnommenen Bohrkernproben
möglich; unglücklicherweise hängen die Ergebnisse dieser Tests von den Zeiten und
Kosten der Kernuntersuchungsvorgänge ab, sowie nur von den Abständen des Gesteins,
aus dem die Kerne entfernt werden.
Unter den Messungen, die an den von den Kernen entnommenen Gesteinsproben
ausgeführt werden, gibt es die Messung der Geschwindigkeit von Druck- und Schub-Ultraschallwellen
unter Verwendung der Impulsgeschwindigkeitstechnik (gemäß dem Standard ASTM D2845-90),
welche die Berechnung der Elastizitätsmodule ermöglicht, die im Umfang der linearen
Elastizitätstheorie direkt mit der mechanischen Festigkeit der Gesteinsformationen,
aus denen die Kerne gewonnen werden, zusammenhängen.
Um diese Werte für die gesamte Länge des Bohrlochs zu haben, werden
üblicherweise, wenn das Bohren einmal beendet worden ist, die Schalllote aufgezeichnet,
wobei dieser Begriff die Bestimmung der Laufzeiten der akustischen Wellen mittels
einer in das Bohrloch selbst abgelassenen Sonde betrifft; auf diese Weise ist es
jedoch nicht möglich, in Echtzeit in die Bohrstrategien einzugreifen.
4 zeigt den Vergleich zwischen den Schalllot- und den
Druckwellen-Geschwindigkeitsmessungen an Gesteinssplittern, nachfolgend als „Späne"
bezeichnet (Vp-PUC: gepulster Ultraschall an Spänen). Die Daten wurden durch die
Anmelderin im Juli 1994 an einer Ölquelle aufgezeichnet.
Um die oben beschriebenen Nachteile zu überwinden, hat die Anmelderin
herausgefunden, dass es möglich ist, die obigen Ziele durch eine Analyse der während
des Bohrens erzeugten und an der Oberfläche eingesammelten Späne und anschließendem
Einsetzen der Ergebnisse in ein komplettes Datensammelprogramm auf dem Gebiet, wie
beispielsweise geologisch-petrographische Analysen der Arbeitsstätte und Eindruckmessungen,
zu erzielen.
Insbesondere zeichnet sich das Verfahren der vorliegenden Erfindung
darin aus, dass es Informationen über die Natur der Gesteinsschichten, die gebohrt
werden, in Echtzeit vorsieht, wodurch einschneidende Eingriffe während des Bohrens
ermöglicht werden.
Außerdem ist die Kenntnis der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Druck-
und Schub-Ultraschallwellen von besonderer Bedeutung bei der Kalibrierung und dem
Vergleich mit Daten aus Seismikprofil- und Schalllot-Aufzeichnungen, hauptsächlich
für Forschungszwecke.
Die vorliegende Erfindung betrifft deshalb ein Verfahren zum mechanischen
Prüfen von Gesteinsproben während des Bohrens eines Bohrlochs in der Ölindustrie,
mit den Schritten wie in Anspruch 1 definiert.
Insbesondere verwendet das Verfahren einen Impulsgenerator, der zum
Erzeugen eines elektrischen Signals notwendig ist, welches den Sender-Messwertaufnehmer
in Abhängigkeit von der Art des verwendeten Messaufnehmers eine Druck- oder Schub-Ultraschallwelle
erzeugen lässt.
Besondere Sorgfalt wurde beim Auswählen der Verbindungsfluide zwischen
den Messwertaufnehmern und den Spänen aufgewendet; diese Fluide sind durch Viskositätswerte
zwischen 200 und 800 Poises, gemessen mit einem Scher-Geschwindigkeitsgradienten
von 3,1 s–1 (Standard des American Petroleum Institute 13 B-1)
gekennzeichnet.
Die durch die Probe gelaufene Ultraschallwelle wird durch den Empfänger-Messwertaufnehmer
in ein elektrisches Signal umgesetzt; das empfangene elektrische Signal wird dann
mittels eines digitalen Oszilloskops sichtbar gemacht, welches
unter Berücksichtigung der Verzögerung der Messwertaufnehmer und der Schaltung die
Bestimmung der Laufzeit der Ultraschallstörung durch die Späne ermöglicht.
Wenn die Dicke der Späne gemessen wird, ist es somit möglich, die
Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Druck- oder Schub-Ultraschallwellen zu bestimmen.
Der Vorteil des Verfahrens der vorliegenden Erfindung liegt in der
Erstreckung des Potentials der im Labor für Fortpflanzungsmessungen von Ultraschallwellen
an einem Kern (zum Beispiel zylindrische Proben von 2,5 cm Durchmesser und doppelter
Höhe) verwendeten Impulsgeschwindigkeitstechnik auf Messungen an Gesteinssplittern
mit Maßen von sogar weniger als 1 cm, die während des Bohrens an die Oberfläche
gelangen.
Diese Erstreckung des Verfahrens ist aufgrund der Verwendung von besonderen
piezoelektrischen Messwertaufnehmern, der Auswahl der Form von zu bestimmenden Emissionsimpulsen
in Bezug auf die Eigenschaften der piezoelektrischen Kristalle selbst, der Auswahl
der Fortpflanzungsfrequenzen und der Identifikation der für die mechanische Verbindung
zwischen dem Span und den Messwertaufnehmern notwendigen Fluide zum Optimieren der
Übertragung der Ultraschallwelle möglich gemacht.
Abschließend integriert und verbessert das vorliegende Verfahren überraschenderweise
die bekannten Anwendungen und stellt eine Einrichtung bereit, welche für Vor-Ort-Messungen
am Bohrturm industriell verwendet werden kann.
Nur beispielhaft und ohne irgendwelche Einschränkungen der Erfindung
wird darauf hingewiesen, dass die für das Verfahren der vorliegenden Erfindung verwendete
experimentelle Ausrüstung besteht aus:
– einem Impulsgenerator mit einer Impulsbreite von 0,1 &mgr;s bis 20 &mgr;s
und vorzugsweise von 0,1 &mgr;s bis 2 &mgr;s;
– einem Paar von piezoelektrischen Messwertaufnehmern, die stark gedämpfte
Druck-Ultraschallwellen mit einer Bandbreite von 100% erzeugen können, oder alternativ
einem Paar von piezoelektrischen Messwertaufnehmern, die stark gedämpfte Schub-Ultraschallwellen
mit einer Bandbreite von 100% erzeugen können;
– einem digitalen Oszilloskop mit einer minimalen Auflösung von 10–2
&mgr;s.
Falls die Dämpfung der Materialien so hoch ist, dass sie keine Erfassung
der Signale durch das Oszilloskop alleine erlaubt, kann ein Verstärker mit einer
variierenden Verstärkung benutzt werden.
Die ausgewählten Messwertaufnehmer, welche durch eine sehr hohe Dämpfung
und eine extreme Selektivität in der Polarisierung gekennzeichnet sind, ermöglichen
auch Messungen an Spänen mit extrem verringerten Abmessungen ohne Kanteneffekte,
Mehrfachreflexionen, und insbesondere sind, sofern die Schubwellen betroffen sind,
Effekte aufgrund einer Modenumwandlung praktisch nicht vorhanden, da die hohe Selektivität
der Messwertaufnehmer gewährleistet, dass die durch die Schubwellen erzeugte Druckkomponente
aufgrund von während der Fortpflanzung auftretenden Diskontinuitäten nicht mit der
Schubstörung selbst überlappt.
Abschließend können die Vorteile des Verfahrens der vorliegenden Erfindung
wie folgt zusammengefasst werden:
– Messung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit von Druck- und Schub-Ultraschallwellen
durch Späne und Berechnung sowohl der relativen Laufzeit als auch der Elastizitätsmodule;
– Gerät, welches industriell für Vor-Ort-Messungen am Bohrturm verwendet
werden kann;
– Einfachheit und Schnelligkeit beim Ausführen der Tests mit bis zu 10–12
Bestimmungen an Spänen je Stunde durch einen einzelnen Operator, einschließlich
der Vorbereitungszeiten der Proben, der Messung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit
und der Datenverarbeitung;
– gute Reproduzierbarkeit der Messung und Fehlen von Maßstabseinflüssen
auf homogene Proben von unterschiedlichen Abmessungen;
– Abmessungen der Späne von sogar weniger als dem Durchmesser der Messwertaufnehmer,
was folglich nicht die Verwendung des Verfahrens der vorliegenden Erfindung beschränkt;
– die Parallelität der Oberflächen der Späne in Kontakt mit den Messwertaufnehmern
muss nur sichergestellt werden, um eine korrekte Messung der Länge der Proben zu
garantieren;
– das Verfahren hat sich auch für Proben, die durch einen mittleren Porenradius
von mehr als 50 &mgr;m gekennzeichnet sind, als anwendbar erwiesen;
– ein vollständig neuer Aspekt ist auch die Bestimmung von beiden Fortpflanzungsgeschwindigkeiten
von Ultraschallwellen (Druck und Schub) an Spänen, da sie die mechanische Prüfung
des Materials im Bereich der linearen Elastizitätstheorie und deshalb
die Berechnung der Elastizitätsmodule (Young, räumlich, Schermodul, Poisson) und
insbesondere die Anwendung der halbempirischen Modelle (wie beispielsweise Coates
& Denoo oder Deree & Miller) zum Bestimmen der mechanischen Gesteinsfestigkeit erlaubt.
Aufgrund der extremen Kompaktheit, der geringen Kosten und der Transportfähigkeit
der zum Ausführen der Tests notwendigen experimentellen Ausrüstung sowie der Möglichkeit
der Verwendung von Spänen mit extrem verringerten Abmessungen kann dieses Verfahren
erfolgreich direkt vor Ort am Bohrturm verwendet werden und eine Quelle von Informationen
„beim Bohren" vorsehen.
Das folgende experimentelle Beispiel ist wieder beispielhaft und beschränkt
die vorliegende Erfindung in keiner Weise.
KURZBESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
1 ist ein graphischer Vergleich der Druckwellen-Geschwindigkeitsmessungen,
die gemäß dem Verfahren der vorliegenden Erfindung für jede von drei unterschiedlichen
Größen von Gesteinssplittern von sechs unterschiedlichen Gesteinsarten erhalten
wurden,
2 ist das gleiche wie der graphische
Vergleich von 1, außer dass die Druckwellen-Geschwindigkeiten
von nur vier der Gesteinsarten in einem größeren Wellengeschwindigkeitsmaßstab gezeigt
sind;
3 ist ein graphischer Vergleich der Schubwellen-Geschwindigkeitsmessungen,
die gemäß dem Verfahren der vorliegenden Erfindung für drei unterschiedliche Größen
von Gesteinssplittern von sechs unterschiedlichen Gesteinsarten erhalten wurden;
4 ist ein graphischer Vergleich der Druckwellen-Geschwindigkeitsmessungen
für Gesteinssplitter, die an unterschiedlichen Bohrtiefen unter Verwendung sowohl
der Impulsgeschwindigkeits-Technik als auch der Schalllot-Technik erhalten wurden.
BEISPIEL 1
Um die Zuverlässigkeit des Verfahrens und die Abhängigkeit der Messung
von den Abmessungen der Testproben zu überprüfen, wurden Kerne von sechs unterschiedlichen
Gesteinsarten ausgewählt, an denen die Geschwindigkeit von Druck- und Schubwellen
unter Verwendung des „Impulsgeschwindigkeits-" Verfahrens gemessen wurden
(um als Referenzwert betrachtet zu werden).
Drei Späne von unterschiedlichen Abmessungen wurden durch Zertrümmern
aus jedem Kern erzeugt.
Jeder Span wurde unter Verwendung einer Diamantschleifscheibe mit
zwei flachen parallelen Seiten geglättet und die Dicke wurde gemessen (Toleranz
0,01 mm).
Die verwendete Ausrüstung bestand aus dem mit einem Impulsgenerator
verbundenen Sender-Messwertaufnehmer, einer dünnen Schicht eines Verbindungsfluids
(mit einer Viskosität von 420 Poises, gemessen mit einem Schergeschwindigkeitsgradienten
von 3,1 s–1), dem zuvor präparierten Span, einer weiteren Schicht
des Fluids und dem mit dem Oszilloskop verbundenen Empfäner-Messwertaufnehmer.
Der durch den Generator erzeugte elektrische Impuls regt den Sender-Messwertaufnehmer
an, der eine Ultraschallwelle (in Abhängigkeit von dem verwendeten Messwertaufnehmer
Druck oder Schub) durch den Span sendet.
Der Empfänger-Messwertaufnehmer wandelt die akustische Welle in ein
elektrisches Signal um, welches dann auf dem Oszilloskop sichtbar gemacht wird.
Es ist deshalb möglich, unter Berücksichtigung der Zeitverzögerung
der Messwertaufnehmer und der Schaltung die Laufzeit der Ultraschallwelle durch
den Span zu bestimmen.
Da die Dicke des Spans gemessen wird, wird die Fortpflanzungsgeschwindigkeit
der Druck- oder Schub-Ultraschallwellen bestimmt.
Die im Labor an von Kernen erzeugten Spänen durchgeführten Vorversuche
zeigten eine gute Reproduzierbarkeit der Messung und das Fehlen
von Maßstabseffekten für homogene Proben.
Insbesondere zeigt Tabelle 1 die Ergebnisse betreffend die Geschwindigkeitsmessungen
an Druckwellen (Vp) und Schubwellen (Vs), die an den sechs unterschiedlichen ausgewählten
Gesteinsarten durchgeführt wurden, wobei für jede von ihnen angegeben sind: der
an einem Kern mit dem „Impulsgeschwindigkeits-" Verfahren gemessene Referenzwert
(Ref.) und drei mit dem Verfahren der vorliegenden Erfindung an Spänen von unterschiedlichen
Abmessungen (G > 10 mm, M ~ 50 mm, P < 3 mm) durchgeführte Messungen, um die Maßstabseffekte
zu zeigen, und in 1, 2
und 3 sind diese Werte graphisch dargestellt.
Es wird darauf hingewiesen, dass im Fall von Dolomit die durch die
Geschwindigkeitswerte dargestellten Unterschiede auf dem Vorhandensein von Bruchstellen
basieren, die nur in dem Kern, nicht aber in den Spänen vorhanden sind.
TABELLE 1
Anspruch[de]
Verfahren zum mechanischem Prüfen von Gesteinsformationen während des
Bohrens eines Bohrlochs in der Ölindustrie, mit den folgenden Schritten:
– Einsammeln eines Gesteinsspans, welcher während des Bohrens an die Oberfläche
gelangt, wobei der Span Abmessungen von sogar weniger als 1 cm
und einen mittleren Porenradius von sogar mehr als 50 &mgr;m aufweist;
– Schleifen von zwei flachen parallelen Seiten an dem Span und Messen der
Dicke;
– Einlegen des Spans in ein Paar piezoelektrischer Messwertaufnehmer mit einem
Verbindungsfluid zwischen dem Span und den Messwertaufnehmern;
– Leiten von Ultraschallwellen durch den Span, wobei die Wellen durch einen
Impulsgenerator mit einer Impulsbreite zwischen 0,1 &mgr;s und 20 &mgr;s erzeugt
werden;
– Sichtbarmachen der erhaltenen elektrischen Signale durch ein Oszilloskop
mit einer Auflösung von wenigstens 10–2 &mgr;s; und
– Messen der Laufzeit der Wellen durch den Span zum Erhalten einer Echtzeitmessung
der Fortpflanzungsgeschwindigkeit ohne Unterbrechen des Bohrens.
Verfahren nach Anspruch 1, bei welchem die Impulsbreite vorzugsweise
von 0,1 &mgr;s bis 2 &mgr;s beträgt.
Verfahren nach Anspruch 1, bei welchem die Ultraschallwellen Druckwellen
oder Schubwellen sein können.
Verfahren nach Anspruch 1, bei welchem das Verbindungsfluid eine Viskosität
zwischen 200 und 800 Poises besitzt.