Die Erfindung betrifft ein neues Antibiotikum, HK110311129, mit dem Molekulargewicht 1113 und der Summenformel C56H75NO22, ein Verfahren zu dessen Herstellung unter Verwendung eines Mikroorganismus, Streptomyces spec. DSM 13059, und dessen Verwendung als antibakterielles Heilmittel mit besonderer Wirksamkeit gegen Infektionen mit grampositiven Bakterien, insbesondere mit Antibiotika-resistenten Keimen.
Beschreibung[de]
Bekanntermaßen werden Erreger bakterieller Infektionskrankheiten unter
dem Einfluß der Antibiotikatherapie unter Selektionsdruck resistent, u.a. auch beschleunigt
durch zu häufige und falsche Anwendung von Antibiotika. Besondere Probleme bereiten
zunehmend Infektionen, die durch mehrfach-resistente grampositive Bakterien, wie
Staphylococcus aureus oder durch Glycopeptid-resistente Enterokokken hervorgerufen
werden, die, wie im Fall des Hospitalismus, bei immun-geschwächten Patienten zu
gefährlichen Erkrankungen führen können. Die bei diesen Keimen auftretenden Multiresistenzen,
erschweren die Behandlung aufgrund nicht mehr zur Verfügung stehender Therapeutika.
Vancomycin (ein Glykopeptid) ist das Reserveantibiotikum gegen schwerwiegende Infektionen
mit multiresistenten Staphylokokken (MRSA). Die vanA determinierte Vancomycinresistenz
trat bisher nur bei Enterokokken (VRE) auf, ohne das extreme Multiresistenzproblem
wie bei MRSA. Der lange Zeit gefürchtete interspezifische Transfer der vanA-Resistenz
von Enterokokken auf Staphylokokken trat erstmals 2002 in den USA auf. Bei diesen
Vancomycin-hochresistenten Staphylococcus aureus-Stämmen ist das vanA Gen in ein
Multiresistenzplasmid integriert (Gottlieb, S. BMJ 326; 783(2003)).
Diese Entwicklungen und die teilweise unterschätzte Notwendigkeit
der intensiven Suche nach neuen Strukturen und Targets führten zu einem Mangel an
ausreichend wirksamen Therapeutika. Um die Heilung bakterieller Erkrankungen zu
sichern und Infektionen mit Antibiotika-Resistenzen behandeln zu können, sind dringend
neue antibiotisch wirksame Substanzen erforderlich (siehe z.B. Gräfe, Biochemie
der Antibiotika, Spektrum Heidelberg 1992; S. Grabley, R. Thiericke & U. Gräfe,
Drug Discovery from Nature, Springer, S. 281-301, 1999). Vor diesem Hintergrund
gewinnen neue Antibiotika, welche die beschriebenen Resistenzbarrieren überwinden
können, enorm an Bedeutung. Darüberhinaus sollten andere Nachteile, wie ungenügendes
Wirkungsspektrum, ungünstige Pharmakokinetik und Nebenwirkungen der in Anwendung
befindlichen Antibiotika überwunden werden.
Aufgabe der Erfindung ist es, einen neuen mikrobiellen Wirkstoff mit
origineller Struktur und guten antimikrobiellen Eigenschaften, speziell gegen multiresistente
Keime, zur Verfügung zu stellen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Aktinomycetenstamm
Streptomyces sp. HKI 0179 in einem flüssigen Nährmedium mit Kohlenstoff- und Stickstoffquelle
sowie üblichen anorganischen Salzen fermentiert wird, bis sich der neue antimikrobielle
Wirkstoff, nachfolgend HKI10311129 genannt, in der Kulturbrühe anhäuft und anschließend
HKI10311129 in reiner Form daraus isoliert werden kann. Der Streptomycesstamm HKI
0179 wurde in der Deutschen Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ)
in Braunschweig, Mascheroder Wege 1, unter der Bezeichnung DSM 13059 hinterlegt.
HKI10311129 unterscheidet sich von den bisher bekannten Antibiotika
durch seine chemische Struktur, deren Neuheit durch physikochemische Messungen zweifelsfrei
belegt wird (Tab. 1 und 2).
Von verwandten Strukturen, die in dem japanischen Patent 94 339 395,
in CA 122, 237919g und in J. Antibiot., 45 (1992), 1974-6 beschrieben wurden, sind
keine antimikrobiellen Wirkungen bekannt. Von einer weiteren verwandten Struktur,
beschrieben in J. Antibiot. 51 (1998), 21-25, 26-32 ist zwar eine Aktivität gegen
Methicillin resistente Staphylokokken bekannt, aber keine Aktivität gegen Enterokokken
und besonders auch keine Aktivität gegen Stämme mit vanA determinierter Vancomycin-Resistenz.
Obwohl aus dem Streptomycesstamm DSM 13059 das Antibiotikum Altamiramycin
schon bekannt ist (DE 100 65 606), wurde
jetzt der neue antimikrobielle Wirkstoff HKI10311129 entdeckt, der überraschenderweise
eine sehr starke antibakterielle Wirksamkeit gegen grampositive Bakterien besitzt,
insbesondere gegen multiresistente Keime wie Staphylokokken und Enterokokken. HKI10311129
kann speziell als Heilmittel für Infektionen mit multiresistenten grampositiven
Keimen, einschließlich solcher mit vanA determinierter Glykopeptidresistenz, bei
Mensch und Tier eingesetzt werden.
Die Erfindung betrifft somit:
1. Eine Verbindung der Molmasse 1113, der Summenformel C56H75NO22,
der Strukturformel:
und den in Tabellen 1 und 2 aufgeführten physikochemischen Charakteristika, genannt
HKI10311129.
2. Arzneimittel, enthaltend HKI10311129 nebst üblichen Träger- und Hilfsstoffen
wie beispielsweise im „Remington's Pharmaceutical Sciences Handbook, Hack
Pub. co., N. Y., USA", oder in Remington: The Science and Practice of Pharmacy by
Alfonso R. Gennaro (Editor), A. L. Gennaro, oder im Handbook of Pharmaceutical Additives,
Second Edition Pharmaceutical Additives Electronic Handbook-2002, Handbook of Pharmaceutical
Additives, Second Edition Book and CD, Michael and Irene Ash, beschrieben.
Die antiinfektiven Verbindungen können zur Verwendung als Lösung oder Suspension
in pharmazeutisch akzeptablen Medien für eine topische oder parenterale Applikation,
über intravenöse, subcutane oder intramuskuläre Injektionen, für intranasale Applikation;
als Tablette, Kapsel oder Suppositorium zubereitet werden. Die Verbindungen können
in Dosierungen von 0,1 – 1000 mg/kg Körpergewicht eingesetzt werden.
3. Ein Verfahren zur Herstellung von HKI10311129, das dadurch gekennzeichnet
ist, daß man Streptomyces sp. DSM 13059 in einem Nährmedium kultiviert, bis sich
HKI10311129 in der Kulturbrühe anhäuft, und man es nachfolgend daraus isoliert.
4. Die Verwendung von HKI10311129 als pharmakologisch wirksamer Stoff, insbesondere
als Antibiotikum, insbesondere gegen multiresistente und Vancomycin-resistente Bakterien.
Die Erfindung wird im folgenden detailliert beschrieben, insbesondere
in ihren bevorzugten Ausführungsformen. Ferner wird sie durch den Inhalt der Patentansprüche
bestimmt.
Definitionen:
– Die erfindungsgemäße Verbindung wird HKI10311129 genannt.
– Als Kulturbrühe wird das Nährmedium, welches das darin gewachsene Streptomyceten-Myzel
enthält, bezeichnet.
Das erfindungsgemäße Antibiotikum HKI10311129 wird durch einen Streptomyces
sp.-Stamm produziert, einem Isolat aus der "Grotta dei Cervi" in Süditalien. Dieser
Stamm ist durch spezifische Merkmale charakterisiert (siehe unten).
Aufgrund von aufeinanderfolgenden Isolierungsschritten wurde von Streptomyces
sp. DSM 13059 eine Kolonie isoliert, die das Antibiotikum HKI10311129 besonders
effizient in der Kulturbrühe anhäuft. Ein Isolat von Streptomyces sp. DSM 13059
wurde bei der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH in Braunschweig,
Mascheroder Weg 1B, 38124 Braunschweig, Deutschland, unter der Hinterlegungs-Nr.
13059 am 24.9.1999 gemäß den Bedingungen des Budapester Vertrages hinterlegt. Es
kann wie folgt charakterisiert werden: LL-DAP im Peptidoglycan, Sporenträger vom
Typ S, offene Spiralen, meist kurze 34, max. 6-7 Windungen und RA-Haken, Schlingen
gerade, große Sporen, keine Melaninbildung, lösl. braunes Pigment auf allen ISP-Medien,
dichtes, grau versportes LuftMyzel, braun-schwarzbraunes, auf ISP 4-Medium rötlich
violettes SubstratMyzel, Wachstum und Sporulation auf allen ISP-Medien sehr gut.
In einem Medium mit einer Kohlenstoffquelle, einer Stickstoffquelle
und üblichen Mineralsalzen produziert Streptomyces sp. DSM 13059
die erfindungsgemäße Verbindung HKI10311129. Anstelle des Stammes DSM 13059 können
auch dessen Varianten und Mutanten eingesetzt werden. Als Varianten und Mutanten
gelten alle jene Mikroorganismen der Spezies, die in der Lage sind, die erfindungsgemäßen
Verbindungen zu synthetisieren. Solche Varianten und Mutanten können in an sich
bekannter Weise durch physikalische Mittel, beispielsweise Bestrahlung mit Ultraviolett-
oder Röntgenstrahlen oder chemische Mutagene, erzeugt werden.
Das Screening nach Mutanten und Varianten, die die erfindungsgemäße
Verbindung synthetisieren, kann durch Bestimmung der biologischen Aktivität der
in der Kulturbrühe angehäuften Wirkstoffe, beispielsweise durch Austesten der antibiotischen
Wirkung auf bekannte Testkeime anhand der dem Fachmann bekannten Methoden und durch
chromatographischen Nachweis durchgeführt werden.
Als bevorzugte Kohlenstoffquellen für die aerobe Fermentation eignen
sich asssimilierbare Kohlenhydrate und Zuckeralkohole, wie z.B. Glucose, Lactose,
Maltose, Glycerol, Mannitol oder deren Gemische sowie kohlenhydrathaltige Naturprodukte,
wie Malzextrakt oder Melasse.
Als Stickstoffquellen eignen sich Aminosäuren, Peptide und Proteine
sowie deren Abbauprodukte, wie Tryptone oder Peptone, ferner Fleischextrakte, gemahlene
Samen, beispielsweise von Mais, Weizen, Bohnen, Sojabohnen oder der Baumwollpflanze,
Destillationsrückstände der Alkoholherstellung, Fischmehle oder Hefeextrakte.
Die Kultivierung erfolgt aerob, beispielsweise submers unter Schütteln
oder Rühren in Erlenmeyerkolben oder Fermentoren, gegebenenfalls unter Einleiten
von Luft oder Sauerstoff.
Die Fermentation kann beispielsweise in Steilbrustflaschen, Erlenmeyer-
oder Rundkolben verschiedener Volumina, in Glasfermentoren oder V2A-Stahltanks
durchgeführt werden.
Sie wird in einem Temperaturbereich zwischen 15 °C – 37
°C und einem pH-Wert zwischen 4 und 8 durchgeführt.
Der Mikroorganismus wird unter diesen Bedingungen 3 – 6 Tage
kultiviert.
Die Fermentation kann im Labormaßstab (Kulturvolumina zwischen 100
ml und 200 ml), aber auch im Produktionsmaßstab (Volumina bis mehrere m3)
durchgeführt werden.
Vorteilhafterweise kultiviert man in mehreren Stufen, d.h. zunächst
werden eine oder mehrere Vorkulturen in einem flüssigen Nährmedium hergestellt,
die dann in das eigentliche Produktionsmedium, die Hauptkultur, beispielsweise im
Verhältnis 1:15 – 1:20, überimpft werden.
Die Vorkultur erhält man, indem man ein versportes Myzel von z.B.
Hafermehl-Nährböden in eine Nährlösung überführt, beispielsweise durch Einimpfen
von Myzel-bewachsenen Agarstücken, und diese 1 bis 2 Tage inkubiert.
Das versporte Myzel kann beispielsweise erhalten werden, indem man
den Stamm etwa 7 – 10 Tage auf einem Nährboden, wie z.B. Hafermehl-Agar oder
Sojamehl-Glucose-Agar, wachsen läßt.
Das Antibiotikum HKI10311129 ist in wechselnden Anteilen in der Kulturbrühe,
sowie vorzugsweise im Myzel, enthalten.
Zum Testen der Wirkstoffkonzentration im Kulturmedium oder in den
einzelnen Isolierungsstufen können die üblichen dem Fachmann vertrauten Methoden
der biologischen Aktivitätsbestimmung, z.B. der Agardiffusions-Lochplattentest,
angewendet werden.
Die Detektion bei der dünnschichtchromatografischen Auftrennung kann
durch verschiedene Färbeagentien (beispielsweise Vanillin-Schwefelsäure) erfolgen.
Die Isolierung des Antibiotikums HKI10311129 aus der Kulturbrühe und
dem Myzel erfolgt nach bekannten Methoden unter Berücksichtigung der chemischen,
physikalischen und biologischen Eigenschaften der Produkte.
Zur Isolierung des Antibiotikums HKI10311129 aus submersen Kulturansätzen
wird am Ende der Fermentation Kulturmedium und Myzel getrennt und
das Myzel mit organischen Lösungsmitteln, wie Methanol oder Aceton, vorzugsweise
Methanol, extrahiert.
Weitere Mengen an HKI10311129 werden durch Extraktion der vom Myzel
abgetrennten Kulturlösung mit wasserunlöslichen organischen Lösemitteln, wie z.B.
Essigsäureethylester, gewonnen.
Nach Einengen der Extrakte und gegebenenfalls Reextraktion des eingeengten
Methanolextraktes des Myzels mit wasserunlöslichen organischen Lösungsmitteln, wie
z.B. Essigsäureethylester oder Dichlormethan, erfolgt die Isolierung des Antibiotikums
HKI10311129 unter Einsatz üblicher chromatographischer Adsorbentien bzw. Trägermaterialien,
wie z.B. Kieselgel oder organophile Dextrangele.
Durch sequentielle Anwendung der Säulenchromatografie an Kieselgel,
der Gelpermeations-Chromatografie an organophilen Dextrangelen unter Verwendung
von polaren organischen Lösungsmitteln, wie z.B. Methanol, der Mitteldruckchromatografie
an Kieselgel RP18 unter Verwendung von Acetonitril/Wasser-Gemischen sowie
der Hochleistungsflüssigkeitschromatografie unter Verwendung von Methanol/Wasser-
und Acetonitril/Wasser-Gemischen wird schließlich reines HKI10311129 erhalten.
Die chemische Identität des Antibiotikums HKI10311129 wird durch die
Ergebnisse der hochauflösenden Massenspektrometrie (FAB-MS, Quadrupol-Electrospray-MS,
CID-MS/MS) sowie durch hochauflösende 600 MHz-Protonen- und 150 MHz-13C-NMR
Korrelations-Spektroskopie, bewiesen.
Die antibakteriellen Wirkungen von HKI10311129 können durch die dem
Fachmann bekannten Methoden, wie beispielsweise Agarplattendiffusionstest und die
Bestimmung der minimalen Hemmkonzentration (MHK) bestimmt werden.
HKI10311129 ist gegen Bakterien, vorzugsweise gegen grampositive Bakterien
wie z.B. Bacillus subtilis ATCC 6633, Staphylococcus aureus SG 511, Staphylococcus
aureus 134/93 (multiresistent) und Enterococcus faecalis 1528 (vanA determinierte
Vancomycin-Resistenz) wirksam.
Das erfindungsgemäße Antibiotikum HKI10311129 eignet sich aufgrund
seiner sehr wertvollen, antibakteriellen Eigenschaften sehr gut zur Anwendung als
antimikrobiell wirksames Therapeutikum, insbesondere in Anwendung gegen vanA-resistente
Risikokeime, wie vanA-resistente Enterokokken und mittlerweile aufgetretene, multiresistente
und vanA-determinierte Vancomycin-resistente Staphylokokken.
Das erfindungsgemäße Antibiotikum HKI10311129 kann als solches in
Substanz oder als pharmazeutische Zubereitung mit geeigneten, dem Fachmann bekannten
Hilfsstoffen oder Trägermaterial verabreicht werden. Die Zubereitungsformen werden
in an sich bekannter Weise unter Verwendung üblicher Hilfs- und Trägerstoffe hergestellt,
wie beispielsweise im „Remington's Pharmaceutical Sciences Handbook, Hack
Pub. co., N. Y., USA" beschrieben. Bei den pharmazeutischen Zubereitungsformen kann
es sich um Peroralia, z.B. Tabletten, Kapseln und Dragees, um perkutane Zubereitungsformen,
z.B. Salben oder Sprays, Transdermale Therapeutische Systeme (TTS) oder Gele, um
intranasale Zubereitungsformen wie Nasenspray oder Nasentropfen, rektale Zubereitungsformen
wie Suppositorien und um Parenteralia, z.B.: Implantate, Presslinge und Ampullen
handeln. Die erfindungsgemäßen Arzneimittel werden im allgemeinen oral oder parenteral
appliziert, aber auch eine rektale Anwendung ist möglich. Geeignete feste oder flüssige
galenische Zubereitungsformen sind beispielsweise Granulate, Pulver, Tabletten,
Dragees, Suspensionen.
Antimikrobielle Eigenschaften von HKI 10311129:
Die antimikrobiellen Eigenschaften wurden nach den US Laborstandard
– Methoden des Nationalen Komitee für Klinische Laborstandards (NCCLS) für
aerob wachsende Bakterien in Flüssigmedien (National Comittee for Clinical Laboratory
Standards, Methods for dilution antimicrobial susceptibility tests for bacteria
that grow aerobically, Approved Standard M7-A. NCCLS, Villanova, Pa., 1991) geprüft.
Die ermittelten MHK-Werte zeigt Tabelle 3. Tabelle 1: Physikochemische Eigenschaften von HKI10311129Tabelle 2: 13C und 1H Signale im NMR-Spektrum
von HKI10311129 (in CDCl3; chemische Verschiebung in ppm; Multiplizität:
m: Multiplett, s: Singulett; d: Dublett; q: quarterner; br: Breit*: Protonensignale
aufgrund Überlagerung nicht zuzuordnen)Tabelle 3: Antimikrobielle Aktivität des Antibiotikums HKI10311129
Ausführungsgsbeispiele1. Fermentation von Streptomyces sp. DSM 13059
1a. Züchtungsbedingungen für Streptomyces sp. DSM 13059:
Zur Gewinnung eines gut versporten Myzels wird Streptomyces sp. DSM 13059 6 Tage
bei 28°C auf Nährboden folgender Zusammensetzung kultiviert (g/l):Hafermehl
20, Agar 20, pH 6,8-7,0 (Sterilisation 25 Min. bei 110°C).
1b. Herstellung einer Vorkultur des Stammes DSM 13059:
1 AgarMyzelstück (1-2cm2 Oberfläche) der Ausgangskultur, die entsprechend
1a angezüchtet wurde, dient zur Beimpfung von 100ml eines Vorkulturmediums folgender
Zusammensetzung (g/l): Sojabohnenmehl 15, Glucose 15, NaCl 5, CaCO3 1,
KH2PO4 3, (pH 6,5 nach Sterilisation 25 Min.bei 110°C)
in 500ml Erlenmeyerkolben. Die beimpften Vorkulturen werden 48 Std. bei 28°
C und 180 U/min. kultiviert.
1c. Herstellung einer Produktionskultur des Stammes DSM 13059:
5 ml dieser Vorkultur dienen zur Beimpfung von 500 ml Erlenmeyerkolben mit 100 ml
eines Produktionsmediums folgender Zusammensetzung (g/l): Mannit 20, Sojabohnenmehl
20, pH 6,5 (nach Sterilisation 25 Min. bei 115°C). Die Kultivierung erfolgt
120 Stunden bei 28° C und 180 U/min auf einem Rundschwingtisch.
2. Gewinnung des Antibiotikums HKI 10311129 aus der Kulturbrühe
Die Kulturlösung gemäß Beispiel 1 wird durch Separieren in Myzel und
Kulturfiltrat getrennt. Ersteres wird mit Methanol extrahiert. Der Extrakt wird
mit dem 4-fachen Volumen an Wasser verdünnt und mit Ethylacetat extrahiert. Das
Kulturfiltrat wird ebenfalls im Verhältnis 2:1 (wässrige Phase zu Ethylacetat) extrahiert.
Die Ethylacetatextrakte werden vereinigt, über Natriumsulfat getrocknet und im Vakuum
zur Trockne eingeengt. Chromatographische Aufreinigung von HKI 10311129: Der verbliebene
braune, ölige Rückstand wird in wenig Chloroform aufgenommen und die Lösung wird
filtriert. Durch Zugabe von Hexan (20-faches Volumen) wird rohes Produkt ausgefällt.
Die weitere Aufreinigung erfolgt durch Gelpermeationschromatographie an Sephadex
LH-20 unter Verwendung von Methanol als Eluent.
Die antibakterielle Wirksamkeit aufweisende mittlere Fraktion wird
vereinigt und im Vakuum zur Trockne eingeengt.
Die Feinreinigung erfolgt durch Kieselgelchromatographie unter Verwendung
eines Chloroform-Methanol-Gradienten (100:0; 95:5; 9:1). Die gelbe Fraktion mit
antibakterieller Wirkung wird zur Trockne eingeengt. Hochreines HKI 10311129 kann
durch Chromatographie an Reversphasenkieselgel unter Verwendung eines schwach sauren
Eluenten (z.B. MeCN-H2O; 83:17 und 0,05 % Trifluoressigsäure) erhalten
werden.
Anspruch[de]
Verbindung (HKI10311129) mit der Molmasse 1113 und der Summenformel
C56H75NO22, wobei folgende Strukturformel gilt:
Verfahren zur Herstellung von HKI10311129, das dadurch gekennzeichnet
ist, daß man Streptomyces sp. DSM 13059 (HKI 0179) in einem Nährmedium kultiviert,
bis sich HKI10311129 in der Kulturbrühe anhäuft und man es nachfolgend daraus isoliert.
Verwendung von HKI10311129 und Zubereitungen enthaltend HKI10311129
gemäß einem der Ansprüche 1 und 2 bevorzugt zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten
insbesondere solche verursacht durch grampositive Erreger mit Resistenzen gegen
gebräuchliche Antibiotika.