Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Herstellung von aus gefalzten
Druckbogen bestehenden, fadengehefteten Buchblocks, mit einer die Druckbogen rittlings
auf einem Heftsattel in eine Heftposition transportierenden Fördervorrichtung, der
eine Zuführvorrichtung für die Druckbogen vorgeschaltet ist, und einer Nähvorrichtung,
die mit seitlichem Abstand zu dem quer zur Förderrichtung der durch die Fördervorrichtung
transportierten Druckbogen oszillierend antreibbaren Heftsattel angeordnet und von
diesem mit Druckbogen beschickbar ist, wobei die Fördervorrichtung so gesteuert
ist, dass die Fördergeschwindigkeit und/oder die Heftposition der Druckbogen auf
dem Heftsattel veränderbar resp. an die unterschiedlichen Eigenschaften der Druckbogen
anpassbar ist.
Solche Einrichtungen sind an Fadenheftmaschinen zur Herstellung fadengehefteter
Buchblocks bekannt. So u.a. bei einer Fadenheftmaschine INVENTA der Müller Martini
Buchbindesysteme AG. Hierbei werden die Druckbogen einzeln am Förderende der ebenfalls
sattelförmigen Zuführvorrichtung von der dem Heftsattel zugeordneten Fördervorrichtung
erfasst und in eine Heftposition auf dem Heftsattel versetzt. Sobald der Druckbogen
die Heftposition erreicht hat, wird der Reibungsschluss zwischen den den Druckbogen
auf dem Heftsattel transportierenden Bändern der Fördervorrichtung gelöst und der
Heftsattel mit dem Druckbogen in die Nähposition der Nähvorrichtung geschwenkt.
Diese weitgehend unelastische Antriebsverbindung zum Transport der Druckbogen gestattet
keine präzise Positionierung der für einen Buchblock bestimmten Druckbogen auf dem
Heftsattel und es leidet daran die Zuverlässigkeit und Genauigkeit beim Aneinandernähen
der Druckbogen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Eigenschaften der für einen Buchblock
bestimmten unterschiedlichen Druckbogen, sei es hinsichtlich Gewicht, Dicke und/oder
Qualität des Werkstoffes (beispielsweise Papier) etc. zu einem unregelmässigen Verhalten
bei der Ueberführung von der Zuführvorrichtung auf den Heftsattel neigen, beispielsweise
durch einen unterschiedlichen Schlupf der Druckbogen in der Förderrichtung.
Weil Druckbogen ausser Kontrolle geraten können, prallen sie von Anschlägen zurück
oder erreichen ihre Heftposition auf dem Heftsattel nicht.
Bei einer Einrichtung nach der EP 1 013 470 A1 sind die Förderbänder
der Fördervorrichtung an dem seitlich beweglichen Heftsattel befestigt, wogegen
bei der oben erwähnten Fadenheftmaschine INVENTA die Fördervorrichtung ortsfest
angeordnet ist.
Bei beiden bekannten Einrichtungen werden die Druckbogen durch die
dem Heftsattel zugeordnete Fördervorrichtung nach der Zuführvorrichtung erfasst
und vorzugsweise in Förderrichtung beschleunigt, sodass sie von den Mitnehmern der
Zuführvorrichtung rechtzeitig entfernt werden, um danach vor dem Erreichen der Heftposition
an einem Anschlag abgebremst zu werden, damit ein hartes Aufschlagen verhindert
werden kann.
Dieses Ziel wird bislang durch eine mechanische Vorrichtung angestrebt, kann jedoch
wegen der grossen Variabilität der Formate und Gewichte der Druckbogen sowie unterschiedlichen
Reibungsverhältnissen resp. unterschiedlicher Eigenschaften der sich folgenden Druckbogen
nur ungenau erreicht werden; auch eine exakte Positionierung wurde auf die bekannte
Weise nicht erreicht. Das Problem kann möglicherweise durch den aufwändigen Austausch
von Steuerkurven entschärft, jedoch nicht gänzlich verhindert werden.
Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Einrichtung zu schaffen,
mit der die aufgeführten Mängel weitgehend behoben werden.
Erfindungsgemäss wird diese Aufgabe dadurch gelöst, dass die Fördervorrichtung
mit einem durch eine rechnerverbundene Steuerung ausgebildeten, drehwinkelgesteuerten
Elektromotor antriebsverbunden ist.
Damit entsteht an der Fördervorrichtung eine einfache Antriebseinrichtung für eine
genaue und flexible Positionierung der Druckbogen auf dem Heftsattel.
Die erfindungsgemässe Einrichtung zeichnet sich weiter dadurch aus, dass alle Druckbogenformate
mit einer nahezu gleichen Antriebskraft in die bestimmte Heftposition versetzt werden
können. Beschädigungen an den Druckbogen bleiben aus und ein Abschmieren der Druckfarbe
wegen eines Reibungsverlustes in der Fördervorrichtung kann vermieden werden.
Durch diese Vorgehensweise lässt sich auch ein Zeitvorsprung für den
Nähvorgang erwirken.
Vorteilhaft ist die Steuerung mit einem einen Datenspeicher aufweisenden
Rechner verbunden, in dem formatentsprechende Daten unterschiedliche Druckbogen
gespeichert und abrufbar mit der Steuerung des Elektromotors in Verbindung bringbar
sind, wodurch die Fördervorrichtung auf einfache Weise auf eine bestimmte Formatgrösse
ein- resp. umstellbar ist.
Vorzugsweise kann die Fördergeschwindigkeit der Druckbogen zur Heftposition
hin durch die Steuerung dosiert auf Null verzögert werden, so dass eine sanfte und
exakte Positionierung der Druckbogen auf dem Heftsattel stattfinden kann.
Im Interesse einer hohen Produktionsleistung und Zuverlässigkeit kann
es zweckmässig sein, die Fördergeschwindigkeit der Druckbogen durch die Steuerung
vor dem Verzögern zu beschleunigen, so dass die Druckbogen von Mitnehmern der Zuführvorrichtung
nicht beschädigt werden können.
Der Heftposition der Druckbogen auf dem Heftsattel kann auf einfache
Weise ein die Endlage eines Druckbogens bestimmender Anschlag zugeordnet sein, nach
dem die Druckbogen durch ihre vorlaufende Kante ausgerichtet werden.
Alternativ oder zusätzlich kann der Heftposition auf dem Heftsattel
ein die Endlage eines Druckbogens bestimmender Sensor zugeordnet sein, der mit dem
Rechner zur Uebertragung eines Signals verbunden ist.
Vorteilhaft kann der Anschlag und/oder der Sensor in Förderrichtung
der Druckbogen verstellbar befestigt sein, sodass u.a. eine gegenüber der Nähvorrichtung
korrigierbare Heftpostion vorgenommen werden kann.
Die Einrichtung kann eine Fördervorrichtung aufweisen, die aus zwei
durch Arbeitstrums einen Förderspalt für die Druckbogen bildenden, umlaufenden Bändern
besteht.
Selbstverständlich könnten anstelle von Bändern auch in Förderrichtung der Druckbogen
nebeneinander angeordnete, angetriebene Rollen zur Bildung einer Fördervorrichtung
resp. eines Förderspaltes vorgesehen sein.
Anschliessend wird die Erfindung unter Bezugnahme auf die Zeichnung,
auf die bezüglich aller in der Beschreibung nicht näher erwähnten Einzelheiten verwiesen
wird, anhand eines Ausführungsbeispiels erläutert. In der Zeichnung zeigen:
- Fig. 1
- eine auszugsweise räumliche Darstellung einer Ausführung der erfindungsgemässen
Einrichtung einer Fadenheftmaschine,
- Fig. 2
- eine Seitenansicht der in Fig. 1 dargestellten Einrichtung und
- Fig. 3
- eine Draufsicht auf die in Fig. 2 veranschaulichte Einrichtung.
Die Fig. 1 zeigt eine Einrichtung 1 einer Fadenheftmaschine zur Herstellung
von aus gefalzten Druckbogen 2 bestehenden fadengehefteten Buchblocks, mit einer
die Druckbogen 2 rittlings auf einem Heftsattel 3 in eine Heftposition transportierenden
Fördervorrichtung 4.
Bevor die in einer bestimmten Reihenfolge für einen Buchblock bestimmten
Druckbogen 2 an einen vorgeschalteten Zuförderer 5 abgegeben werden, werden sie
in einer Zusammentragmaschine lose zu Buchblöcken vereint und anschliessend in ein
Magazin eines dem Zuförderer 5 zugeordneten Druckbogenanlegers (nicht ersichtlich)
überführt. Dieser Vorgang ist bekannt und nicht Teil der vorliegenden erfindungsgemässen
Einrichtung; dieser bekannte Vorgang wie auch die Prinzipien des Fadenheftens sind
in der einschlägigen Literatur, beispielsweise Druckschriften oder dem Buch "Industrielle
Buchbinderei" von Liebau/Heinze, Verlag Beruf + Schule, nachzulesen.
Die Druckbogen 2 werden rittlings auf dem Zuförderer 5 abgesetzt und taktweise
in Förderrichtung F von einem nicht ersichtlichen, umlaufenden Zugorgan, an dem
auf die Druckbogen stossend einwirkende Mitnehmer befestigt sind, weitertransportiert.
Die in Förderrichtung F an den Zuförderer 5 stufenlos anschliessende Einrichtung
1 -auch als Einschubeinrichtung bekannt-, die im Querschnitt satteldachförmig ausgebildet
ist, erfasst und transportiert den vom Zuförderer 5 ankommenden Druckbogen 2 mittels
der Fördervorrichtung 4, die durch zwei benachbarte, umlaufende Förderbänder gebildet
ist, in eine Heftposition, die der Heftlage des Druckbogens 2 in einer seitlich
der Fördervorrichtung angeordneten Nähvorrichtung 8 entspricht.
Die Nähvorrichtung 8 ist schematisch durch Nähnadeln -üblicherweise bilden eine
Durchstich- und eine Hakennadel ein Nähnadelpaar- gezeigt und der Nähvorgang ist
beispielsweise in den EP - B - 0 537 106 und 0 603 126 beschrieben.
Bevor der Druckbogen 2 auf dem Heftsattel 3 der dargestellten Einrichtung
1 die endgültige Heftlage erreicht hat, sich beispielsweise in der veranschaulichten
Lage befindet, beginnt sich der Heftsattel 3 in die Heftlage an der Vorderseite
der in der Nähvorrichtung 8 zu Buchblöcken vernähten Druckbogen zu bewegen.
Die Annäherung an die Nähvorrichtung 8 erfolgt -über die Stange 22 angetrieben-
durch eine Schwenkbewegung des Heftsattels 3 um eine Achse, die parallel zur Förderrichtung
F verläuft.
In oder vor der angenäherten Endlage des Heftsattels 3, wird ein in Zuführrichtung
der Druckbogen 2 vorderer, als aus der aushebbare Sattelabschnitt aktiviert, der
den Druckbogen 2 in die Heftlage an der Nähvorrichtung versetzt.
Der auf dem Sattelabschnitt 9 an einen Teilbuchblock angelegte Druckbogen 2 wird
vernäht; die Nähnadeln treten in Aktion und der Sattelabschnitt 9 wird durch eine
nicht dargestellte Steuerung in die Ausgangslage in der Einrichtung 1 zurück versetzt.
Der nach dem Rückhubsignal zurückbewegte Heftsattel 3 und der Sattelabschnitt
9 befinden sich anschliessend in der Ausgangsstellung, in welcher sie den nächsten
von dem Zuförderer 5 ankommenden Druckbogen 2 aufnehmen können.
Nachdem der Nähvorgang beendet und ein weiterer Druckbogen 2 am Buchblock
befestigt ist, erreicht der nächste Druckbogen 2 auf dem Zuförderer 5 Heftsattel
3.
Fig. 1 zeigt weiterhin die Nähvorrichtung 8 und einen für den Antrieb
der Fördervorrichtung 4 bestimmten, drehwinkelgesteuerten Elektromotor 10, der an
einem Maschinengestell angeflanscht ist. Eine Antriebswelle (nicht ersichtlich)
durchsetzt ein Lagergehäuse 11, eines Antriebsrades 12 eines Riemenvorgeleges 13,
dessen doppelt verzahnter Antriebsriemen 14 mit Antriebsrädern 15, 16 der die Fördervorrichtung
4 bildenden, um Rollen 17, 18 umlaufenden Förderbändern 6, 7 kämmt (siehe auch Fig.
2 und 3). Eine Steuerung S des drehwinkelsteuerbaren Elektromotors 10 ist mit einem
einen Datenspeicher 19 aufweisenden Rechner C verbunden, von dem aus die Fördervorrichtung
4 automatisch nach gespeicherten Programmen oder manuell steuerbar ist.
Es ist beispielsweise möglich, ein einzelner oder ein sich in der Fertigung wiederholender
programmierter Verarbeitungsvorgang im Rechner C zu speichern und über die Steuerung
S durch die Fördervorrichtung 4 auszuführen.
Hierbei kann die Fördergeschwindigkeit oder die Heftposition der Druckbogen
in Abstimmung mit einem Endanschlag 20 und/oder Sensor 21 an dem Heftsattel 3 bedarfsfalls
geändert bzw. auch an neue Gegebenheiten angepasst werden.
Von einer Korrektur der Fördergeschwindigkeit oder der Heftposition auf dem Heftsattel
3, signalisiert durch Anschlag 20 oder Sensor 21, können auch die Verzögerung der
Fördergeschwindigkeit und/oder die Beschleunigung der Fördergeschwindigkeit der
Druckbogen betroffen sein. Beispielsweise bei einem zu harten Aufschlagen eines
Druckbogens am Anschlag 20 oder bei Nichterreichen des die Heftposition bestimmenden
Anschlages als auch beim Passsieren des Sensors 21 können erforderliche Korrekturen
über den Rechner C automatisch oder manuell vorgenommen werden.