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Dokumentenidentifikation DE10003970B4 22.09.2005
Titel Verfahren zur Herstellung von Magnesiumlegierungen mit einer superplastischen Gefügestruktur
Anmelder Technische Universität Clausthal, 38678 Clausthal-Zellerfeld, DE
Erfinder Draugelates, Ulrich, Dr., 38642 Goslar, DE;
Schram, geb. Schram, Antonia, Dr., 38678 Clausthal-Zellerfeld, DE;
Kedenburg, Claus-Christian, Dr., 54329 Konz, DE;
Ryspaev, Talant, Dr., 38678 Clausthal-Zellerfeld, DE
Vertreter GRAMM, LINS & PARTNER GbR, 38122 Braunschweig
DE-Anmeldedatum 25.01.2000
DE-Aktenzeichen 10003970
Offenlegungstag 02.08.2001
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 22.09.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 22.09.2005
IPC-Hauptklasse C22F 1/06
IPC-Nebenklasse C22C 23/00   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Magnesiumlegierungen mit einer superplastischen Gefügestruktur.

Durch Nutzung des superplastischen Verhaltens von Werkstoffen kann die Produktivität bei der Weiterverarbeitung von Halbzeugen zu komplexgeformten Fertigbauteilen gegenüber konventionellen Umformverfahren wesentlich erhöht werden. Insbesondere bei der Herstellung endabmessungsgenauer Bauteile, die alternativ nur durch aufwendige Zerspan- oder Fügeprozesse hergestellt werden können, stellt die superplastische Formgebung von Metallen und deren Legierungen ein kostengünstiges Fertigungsverfahren dar.

Der steigende Bedarf an hoch beanspruchbaren, kostengünstig zu fertigenden Produkten hat in den letzten Jahren mit fortschreitendem Zwang zur Leichtbauweise und der damit verbundenen Material- und Energieeinsparung vor allen in den Bereichen der Luft- und Raumfahrt, des Hochgeschwindigkeitsschienenverkehrs, des Automobil- und Gerätebaus, aber auch in der Nachrichten- und Datenverarbeitungstechnik ein wachsendes Interesse an der superplastischen Formgebung hervorgerufen. Als eine Ursache hierfür ist die besondere Eignung dieses Fertigungsverfahrens anzusehen, möglichst dünnwandige Strukturbauteile für den Leichtbau herzustellen.

Während umfassende Untersuchungen über das superplastische Verhalten von Zweiphasenstählen, Titan- und Aluminiumlegierungen durchgeführt wurden, liegen über das superplastischen Verhalten von Magnesiumlegierungen, die aufgrund ihrer gegenüber Aluminiumwerkstoffen um etwa 50% geringeren Dichte einen weiteren entscheidenden Beitrag zur Gewichtsreduzierung im Leichtbau leisten können, nur wenig grundlegende Erkenntnisse vor. Die Nutzung der superplastischen Eigenschaften ist jedoch gerade für die Werkstoffgruppe der Magnesiumlegierungen aufgrund ihrer eingeschränkten Kaltformbarkeit wünschenswert.

Unter Superplastizität wird die Fähigkeit eines Werkstoffes verstanden, beim Aufbringen nur sehr geringer Fließspannungen ohne Einschnürungen und praktisch keiner Kaltverfestigung Umformgrade zu erzielen, die die bei "normalplastischen" Werkstoffen üblichen Grenzen von etwa 10 bis 40% um einige 100 bis über 1000% übersteigen. Ein weiteres Merkmal des superplastischen Verhaltens von Werkstoffen ist die starke Abhängigkeit der Fließspannung von der Dehngeschwindigkeit.

C. G. Nieh und J. Wadsworth, Scripta Metallurgica et Materialia, Band 32 (1995) Heft 8, Seiten 1133–1137, beschreiben die Herstellung von 17 Vol% SiC-teilchenverstärkten ZK60-Mg-Verbundwerkstoffen durch pulvermetallurgische Verfahren. Das Vorhandensein der feinen SiC-Teilchen in ZK60 kann danach scheinbar die Mikrostruktur des Verbundwerkstoffes bei hohen Temperaturen (450°C) verfeinern und stabilisieren und ist somit verantwortlich für die Verleihung der Superplastizität.

M. Mabuchi, K. Kubota und K. Higashi, Scripta Metallurgica et Materialia, Band 33 (1995), Heft 2, Seiten 331–335, beschreiben die Herstellung einer Mg-11Si-4Al-Legierung mit einer superplastischen Gefügestruktur durch Strangpressen von "schnellerstarrten" Bändern.

M. Mabuchi, K. Kubota und K. Higashi, Journal of Materials Science Letters 12 (1992) 1831–1832, beschreiben die Herstellung von AZ91-Magnesiumlegierungen mit einer superplastischen Magnesiumstruktur aus maschinell bearbeiteten Spänen. Die Späne werden durch maschinelle Bearbeitung eines kommerziellen Gussblocks einer AZ91-Legierung in einer Drehbank hergestellt und anschließend stranggepresst. So kann bei dieser Legierung bei einer Umformtemperatur von 573 K und einer Dehnrate von 3,3 × 10–4 s–1 eine relative Dehnung von 230 % erzielt werden.

K. U. Kainer, Metall Powder Report 44 (1990), 684–687, beschreibt die Herstellung von Magnesiumlegierungen mit einer superplastischen Gefügestruktur durch pulvermetallurgische Verfahren.

J. Wolfenstine, G. Gonzalez-Doncel und K. Higashi, Superplasticity and Superplastic Forming (Ed. A. K. Ghosh und T. A. Bieler), 1995, Seiten 75–82, beschreiben die Herstellung von Magnesium-Lithium-Legierungen mit einer superplastischen Gefügestruktur durch Vakuumformen und Heißwalzen. So kann bei dieser Legierung bei einer Umformtemperatur von 350°C und einer Dehnrate von 4 × 10–4 s–1 eine relative Dehnung von 610% erzielt werden.

J. K. Salberg, J. Torklep, O. Bauger und H. Gjestland, Mat. Sci. Eng. Al34 (1991), 1201–1203, beschreiben schließlich die Herstellung einer AZ911-Magnesiumlegierung mit superplastischen Gefügestruktur durch sehr schnelle Kühlverfahren. Die Legierung zeigte eine relative Dehnung von 1480% bei 573 K.

Nachteilig bei den obigen Verfahren ist die Tatsache, dass die Legierungen jeweils auf oberhalb der Schmelztemperatur erwärmt werden müssen, was insbesondere ihre Handhabung in industriellen Verfahren erschwert.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zur Verfügung zu stellen, mit den in konventionellen Magnesiumbasislegierungen Gefüge mit superplastischen Eigenschaften kostengünstig erzeugt werden können. Das Verfahren soll unabhängig von üblicherweise verwendeten Schutzgastechniken anwendbar sein.

Zur Lösung der Aufgabe wird ein Verfahren zur Herstellung von Magnesiumlegierungen mit einer superplastischen Gefügestruktur vorgeschlagen, das folgende Schritte umfasst:

  • a) Erwärmung einer Magnesiumbasislegierung auf eine Temperatur von 300°C und 550°C und Halten dieser Temperatur für 1 bis 100 Stunden,
  • b) Abkühlung der erwärmten Legierung auf eine Temperatur von 0 bis 100°C,
  • c) Wiedererwärmung der abgekühlten Legierung auf eine Temperatur von 200 bis 400°C und Halten dieser Temperatur für 1 bis 100 Stunden,
  • d) Abkühlung der wiedererwärmten Legierung auf eine Temperatur von 0 bis 100°C,
  • e) Umformung der abgekühlten Legierung zu einem Halbzeug bei einer Temperatur von 250°C bis 450°C.

Bevorzugte Magnesiumbasislegierungen zur Verarbeitung im erfindungsgemäßen Verfahren enthalten neben Magnesium Aluminium, Zink, Mangan, Silicium, Kupfer, Zirkonium, Silber und/oder Seltenerdmetalle. Besonders bevorzugte Legierungen sind Legierungen, die Zink, Zirkonium und Seltenerdmetalle enthalten, insbesondere solche, die neben Magnesium im wesentlichen aus diesen Elementen bestehen. Bevorzugte Seltenerdmetalle sind Neodym, Thorium und Yttrium.

Beispiele für verwendbare Magnesiumbasislegierungen sind Legierungen vom Typ AM 60, AS 41, AZ 91, EZ 33, QE 22, QH 21, WE 54, ZC 63 und ZRE 1.

Die Basislegierung wird zunächst langsam, vorzugsweise mit einer Heizrate von 0,1 bis 3,0°C/min, bevorzugter 0,2 bis 1,0°C/min und insbesondere 0,4 bis 0,6 °C/min auf eine Temperatur von 300 bis 550°C, bevorzugter 350 bis 450°C und insbesondere 390 bis 420°C erwärmt und 1 bis 100 Stunden, vorzugsweise 10 bis 35 Stunden und insbesondere 18 bis 24 Stunden bei dieser Temperatur gehalten. Die erwärmte Legierung wird anschließend, vorzugsweise an Luft oder in Wasser auf eine Temperatur von 0 bis 100°C, vorzugsweise 15 bis 50°C und insbesondere auf Umgebungstemperatur abgekühlt.

In einem weiteren Schritt wird die abgekühlte Legierung dann auf eine Temperatur von 200 bis 400°C, vorzugsweise 220 bis 350°C und insbesondere 250 bis 310°C wiedererwärmt und 1 bis 100 Stunden, vorzugsweise 10 bis 35 und insbesondere 18 bis 24 Stunden bei dieser Temperatur gehalten. Die so wiedererwärmte Legierung wird danach, vorzugsweise an Luft oder in Wasser auf eine Temperatur von 0 bis 100°C, vorzugsweise 15 bis 50°C und insbesondere auf Umgebungstemperatur abgekühlt.

Schliesslich wird die zweifach erwärmte Legierung konventionellen Umformverfahren unterworfen, um die Legierung in ein Halbzeug umzuwandeln. Bevorzugte Umformverfahren sind Druckumformverfahren wie beispielsweise Strangpressen, Walzen oder Schmieden. Besonders bevorzugt ist Strangpressen.

Das Umformen der abgekühlten Legierung durch Strangpressen findet vorzugsweise mit einem Verpressungsverhältnis von größer als 1 : 15, bevorzugter von 1 : 15 bis 1 : 100, insbesondere 1 : 25 bis 1 : 50 bei einer Bolzentemperatur und einer Rezipiententemperatur von 270 bis 400°C, bevorzugter 330 bis 370°C statt.

Ohne sich an eine bestimmte Theorie binden zu wollen, wird vermutet, dass durch die oben genannte Wärmebehandlung unterhalb des Schmelzpunktes der Legierung feinverteilte Ausscheidungen im Mikrogefüge erzeugt werden, welche sich beim Umformen an den Korngrenzen anlagern und dort das für die superplastische Verformung charakteristische Korngrenzengleiten unterstützen. Zudem wirken wahrscheinlich durch die Wärmebehandlung der unterschiedlichen Magnesiumbasislegierungen erzeugten Ausscheidungen (Mg17Al12, Zr2Zn3, Mg32(Al,Zn)49, Mg9SE) als Kristallisationskeime bei der Sekundärkristallisation des Gefüges während des Umformens.

Die Magnesiumbasislegierungen erreichen im Gusszustand nach Herstellerangaben eine Bruchdehnung von bis zu 12%. Die durch das erfindungsgemäße Verfahren auf eine superplastische Umformung veränderten Magnesiumbasislegierungen hingegen erreichten bei Zugversuchen bei einer Temperatur von 380°C und einer konstanten Umformgeschwindigkeit von 0,05 mm/min eine Bruchdehnung von bis zu 780%.

1 zeigt eine unverformte (a.), eine bei den obigen Bedingungen verformte Zugprobe einer unbehandelten ZRE1-Magnesiumbasislegierung (b.) sowie eine bei den obigen Bedingungen superplastisch verformte Zugprobe einer gemäß Beispiel 1 erfindungsgemäß hergestellten ZRE1-Magnesiumbasislegierung (c.).

Beispiel 1: Herstellung einer ZRE-1-Magnesiumbasislegierung mit superplastischen Gefügestruktur

Eine kommerziell erhältliche ZRE1-Magnesiumbasislegierung wurde mit einer Heizrate von 0,5°C/min langsam auf 415°C erwärmt und 20 Stunden bei dieser Temperatur gehalten. Anschließend wurde die Probe an Luft auf Umgebungstemperatur abgekühlt. Die abgekühlte Probe wurde anschließend durch Erwärmen auf 300 °C und Halten der Probe bei dieser Temperatur für 20 Stunden überaltert. Daraufhin wurde die überalterte Probe an Luft auf Umgebungstemperatur wieder abgekühlt. Die Probe wurde mit einem Verpressungsverhältnis von 1 : 29 bei einer Bolzentemperatur und Rezipiententemperatur von 350°C durch Strangpressen verformt. Es wurde gefunden, dass ihre Mikrostruktur auf einer Korngröße von d = 10 &mgr;m gefeint war. Die Basislegierung erreicht im Gusszustand nach Herstellerangaben eine Bruchdehnung von 3%. Die durch das erfindungsgemäße Verfahren bearbeitete Magnesiumlegierung hingegen erreichte bei Zugversuchen bei einer Temperatur von 380°C und einer Umformgeschwindigkeit von 0,05 mm/min eine Bruchdehnung von 780% (siehe 1).


Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Herstellung von Magnesiumlegierungen mit einer superplastischen Gefügestruktur, das die folgenden Schritte umfasst:

    a) Erwärmung einer Magnesiumbasislegierung auf eine Temperatur von 300 bis 550°C und Halten dieser Temperatur für 1 bis 100 Stunden,

    b) Abkühlung der erwärmten Legierung auf eine Temperatur von 0 bis 100°C,

    c) Wiedererwärmung der abgekühlten Legierung auf eine Temperatur von 200 bis 400°C und Halten dieser Temperatur für 1 bis 100 Stunden,

    d) Abkühlung der wiedererwärmten Legierung an Luft auf eine Temperatur von 0 bis 100°C,

    e) Umformen der abgekühlten Legierung zu einem Halbzeug bei einer Temperatur von 250 bis 450°C.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung in Schritt a) auf eine Temperatur von 390 bis 420°C erwärmt wird.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung in Schritt c) auf eine Temperatur von 250 bis 310°C erwärmt wird.
  4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3 dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung in Schritt b) und/oder d) auf Umgebungstemperatur abgekühlt wird.
  5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die erwärmte Legierung in Schritt a) und/oder b) 12 bis 24 Stunden auf der Endtemperatur gehalten wird.
  6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Magnesiumbasislegierung neben Magnesium Aluminium, Zink, Mangan, Silicium, Kupfer, Zirkonium, Silber und/oder Seltene-Erdmetalle enthält.
  7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung in Schritt e) durch Strangpressen umgeformt wird.
  8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Verpressungsverhältnis beim Strangpressen 1 : 25 bis 1 : 50 beträgt.
  9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Bolzentemperatur und die Rezipiententemperatur beim Strangpressen 330 bis 370°C beträgt.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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