Die Erfindung betrifft ein numerisches Simulationsverfahren zur automatischen Bestimmung einer hinsichtlich Strömungsverlusten optimierten Geometrie eines Strömungskanals, wobei die Strömung für den Bauraum iterativ aus einem strömungsmechanischen Gleichungssystem und virtuellen, auf den Bauraum bezogenen Krafteinträgen errechnet wird, und nach jeder Iteration - Vor- und Rückströmungen ermittelt werden, - eine Modifikation der Krafteinträge erfolgt, indem - Rückströmungen mit Gegenkräften beaufschlagt werden und - in Vorströmungen etwaig vorhandene Krafteinträge reduziert werden, - wonach die nächste Iteration unter Berücksichtigung der modifizierten Krafteinträge berechnet wird, wenn nicht ein Abbruchkriterium erreicht ist, und aus der zuletzt berechneten Iteration ein zusammenhängender Bereich zwischen Ein- und Auslässen, der keine Krafteinträge aufweist, extrahiert wird.
Beschreibung[de]
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Optimierung der Geometrie
von Strömungskanälen durch Simulationsrechnung.
Die Geometrie von Strömungskanälen, seien es luftführende Kanäle für
die Klimatisierung von Räumen oder Kanäle, in denen Fluide von einem Einlass zu
einem Auslass strömen, ist entscheidend durch einen stets nur begrenzt zur Verfügung
stehenden Bauraum zur Verlegung der Kanäle bestimmt. Dies gilt in besonderem Maße
für Klima- und Lüftungsanlagen in Transportmitteln, in anderem Maßstab aber auch
für Klimaanlagen in Gebäuden. Um eine möglichst effiziente Strömungsführung sicherzustellen,
muss der Konstrukteur beim Entwurf eines Strömungskanals eine möglichst verlustarme
Geometrie in den Grenzen des vorgegebenen Bauraums finden.
Stand der Technik hierzu ist es, dass ein erfahrener Konstrukteur
einen Strömungskanal entwirft, und die Strömungsverluste dieses Strömungskanals
entweder am realen Modell durch experimentelle Untersuchungen oder anhand eines
simulierten Modells durch CFD-Berechnungen (CFD: Computational Fluid Dynamics) festgestellt
werden. Aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchungen korrigiert der Konstrukteur
die Geometrie des entworfenen Kanals, und die korrigierte Version wird erneut bezüglich
der Strömungsverluste untersucht. Dieses Verfahren wird solange wiederholt, bis
ein zufriedenstellendes Ergebnis vorliegt.
Die Optimierung der Kanal-Geometrie hinsichtlich der Strömung kann
dabei auch durch numerische Form-Optimierungsverfahren unterstützt werden. Hierzu
wird eine parametrisierte Geometrie des Kanals beispielsweise mit einem intelligenten
„Trial-and-Error"-Verfahren innerhalb der gesetzten Parameter systematisch
variiert, und die Strömungsverluste der einzelnen Geometrie-Varianten werden durch
CFD-Berechnungen aufgezeigt, so dass aus den berechneten Varianten eine beste Lösung
auswählt werden kann.
Der Vorteil des Einsatzes eines numerischen Form-Optimierungsverfahrens
gegenüber sporadischen, erfahrungsbasierten Entwürfen und deren experimenteller
Bewertung besteht darin, dass aus den innerhalb der parametrisierten Grenzen darstellbaren
Kanal-Geometrien immer eine optimierte Lösung ausgewählt werden kann. Von Nachteil
ist die aus Gründen der Rechenzeit-Ökonomie notwendige Beschränkung der Variationsvielfalt
von darstellbaren Kanal-Geometrien durch eine Parametrisierung, wodurch unter Umständen
gute Lösungen von vornherein von der Betrachtung ausgeschlossen werden, sowie die
– trotz Beschränkung der Variationsbreite – große Anzahl zeitaufwändiger
CFD-Berechnungen.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein numerisches Verfahren ohne Parametrisierung
bereitzustellen, mit dessen Hilfe automatisch eine hinsichtlich Strömungsverlusten
optimierte Kanal-Geometrie innerhalb eines vorgegebenen Bauraums gefunden wird.
Die Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des unabhängigen
Anspruchs 1 gelöst. Weitere Ausgestaltungsformen des Verfahrens finden sich in den
Unteransprüchen.
Die grundlegende Idee zur erfindungsgemäßen Lösung der Aufgabe besteht
darin, unerwünschte, verlustreiche Strömungsbereiche, die bei der Durchströmung
eines vorgegebenen Bauraums von den Einlässen zu den Auslässen entstehen, gezielt
zu behindern oder zu verlangsamen, um dadurch erwünschte verlustarme Strömungen
zu forcieren.
Die Realisierung der Erfindung wird auf dem Wege einer einzigen Simulationsrechnung
erreicht, bei der in Verzahnung mit der iterativen Berechnung eines strömungsmechanischen
Gleichungssystems nach jeder Iteration verlustreiche Strömungen im Bauraum identifiziert
werden, und durch Aufbringen von virtuellen Gegenkräften – in Form von Krafteinträgen
in den verlustbehafteten Bereichen – versucht wird, die unerwünschte Strömung
zu unterdrücken, indem die Krafteinträge bei der nächsten Iteration des Gleichungssystems
berücksichtigt werden. Bildlich gesprochen wird mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
die sich bei einer iterativen Strömungsberechnung allmählich entwickelnde Strömung
ständig dahingehend beeinflusst, sich möglichst direkt – also ohne Rückströmung
– von den Ein- zu den Auslässen führende Wege durch den Bauraum zu suchen.
Bei der Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens entfallen die für
parametrisierte Geometrien durchzuführenden aufwändigen Parametrisierungen und die
langen Rechnungen für die Überprüfung aller innerhalb der zulässigen Parameter liegenden
Varianten. Das erfindungsgemäße Verfahren ist damit um Größenordnungen schneller
zu berechnen, als parametrisierte Geometrien. Für die Berechnung des Verfahrens
spielt es auch keine Rolle, ob der Bauraum groß, klein, einfach oder komplex gestaltet
ist. Der Hauptvorteil des Verfahren besteht gerade darin, dass es im Gegensatz zu
den parametrisierten Verfahren eine optimierte Lösung in einem frei definierbaren
räumlichen Bereich mit nur einem Simulationslauf findet. Natürlich kann dem Verfahren
auch ein bereits ausgelegter Kanal als Bauraum zu Grunde gelegt werden, der durch
die Simulation innerhalb seiner Grenzen optimiert werden soll.
Als verlustreiche und daher unerwünschte Strömungen
werden aus Sicht des erfindungsgemäßen Verfahrens Rückströmungen angesehen, wobei
der genaue Grad dafür, ab wann eine Strömung gegenüber einer von den Einlässen zielstrebig
zu den Auslässen führenden Vorströmung als Rückströmung anzusehen ist, variabel
gestaltet werden kann. Am Ende der Strömungsberechnung sind verlustarme Strömungswege
oder Strömungsbereiche dadurch erkennbar, dass in diesen Bereichen keine Krafteinträge
verzeichnet sind. Durch eine Extraktion des Bereiches ohne Krafteinträge zwischen
den Ein- und Auslässen ist damit automatisch eine optimierte Geometrie für den Strömungskanal
vorgegeben.
Nach jeder Iteration zur Berechnung der Strömung werden also in den
Bereichen des Bauraums, in denen Rückströmungen auftreten, Krafteinträge vorgenommen,
und zwar solange die Strömung eine Rückströmung bleibt. Sobald sich nach einer Iteration
der Strömungsberechnung die Richtung einer Rückströmung in Richtung einer Vorströmung
verändert hat, werden die bisher in den Krafteinträgem dieses Strömungsbereichs
aufaddierten Kräfte reduziert, und zwar solange die Strömung eine Vorströmung bleibt,
oder der betreffende Krafteintrag einen bestimmten Betrag unterschreitet und zu
Null gesetzt wird.
Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird also durch ein numerisches
Simulationsverfahren gelöst, das automatisch eine hinsichtlich Strömungsverlusten
optimierte Geometrie für einen Strömungskanal, der Ein- und Auslässe aufweist und
durch einen vorgegebenen Bauraum führt, findet, indem die Strömung im Bauraum iterativ
aus einem strömungsmechanischen Gleichungssystem und virtuellen, auf den Bauraum
bezogenen Krafteinträgen, errechnet wird, wobei nach jeder Iteration
– Vor- und Rückströmungen ermittelt werden,
– eine Modifikation der Krafteinträge erfolgt, indem
– Rückströmungen mit Gegenkräften beaufschlagt werden und
– in Vorströmungen etwaig vorhandene Krafteinträge reduziert werden,
– wonach die nächste Iteration unter Berücksichtigung der modifizierten
Krafteinträge berechnet wird, wenn nicht ein Abbruchkriterium für die Iterationen
erreicht ist,
und aus der zuletzt berechneten Iteration ein zusammenhängender Bereich zwischen
Ein- und Auslässen, der keine Krafteinträge aufweist, extrahiert wird.
Das Simulationsverfahren wird vorteilhaft gemäß der Methodik finiter
Volumenverfahren durchgeführt, wobei der vorgegebene Bauraum diskretisiert wird,
indem er vollständig in Volumenelemente aufgeteilt wird, welche durch Rechenpunkte
repräsentiert werden. Berechnete Strömungen werden dabei als Richtung und Betrag
einer Geschwindigkeit für jeden Rechenpunkt angegeben.
Finite Elemente- und/oder Volumenverfahren haben sich auf allen Gebieten
der Optimierung von Bauteilen durch Simulationsrechnungen bewährt und sind mittlerweile
auch für die Durchführung von Strömungssimulationen gang und gäbe. Auf dem Markt
ist eine Vielzahl von Programmen basierend auf finiten Volumenverfahren für die
Strömungssimulation erhältlich, die komfortabel für verschiedenste strömungstechnische
Aufgaben konfigurierbar sind. Beispiele hierfür sind Programme für CFD-Berechnungen
wie „Star-CD" von der CD-Adapco Group oder „Fluent" von der Firma
Fluent. Mittels solcher Software ist es auch möglich, über entsprechende Unterprogramme
die Berechnungen des strömungsmechanischen Gleichungssystems in jedem Rechenpunkt
hinsichtlich der in Anspruch 1 erwähnten fiktiven Krafteinträge zu beeinflussen.
Neben finiten Volumenverfahren gibt es für numerische Strömungssimulationen
auch finite Differenzenverfahren. Diese sind besonders vorteilhaft für die Untersuchung
einfacher Bauräume, aber in der Handhabung nicht so flexibel wie die finiten Volumenverfahren.
Eine Strömung im Bauraum kann auf einfache Weise als Rückströmung
klassifiziert werden, wenn die Abweichung ihrer Richtung mit einer Vorzugsrichtung
verglichen, und die Abweichung größer als ein definierter Winkel ist. Durch einen
einfachen Vergleich der Strömungsrichtung mit einer definierten Vorzugsrichtung
ist schnell ermittelbar, ob eine Strömung als Rückströmung angesehen werden soll,
oder nicht. Als einfaches Prüfkriterium für die Entscheidung, ob eine Strömung Vor-
oder Rückströmung ist, kann beispielsweise ein Kegelwinkel um die bevorzugte Richtung
herum dienen, wobei von der Vorzugsrichtung abweichende Strömungen, die innerhalb
des Kegelwinkels verlaufen, als Vorströmung klassifiziert werden und außerhalb davon
verlaufende Strömungen als Rückströmung klassifiziert werden. Es ist natürlich auch
vorstellbar, dass für verschiedene Richtungen im Raum unterschiedliche Winkel für
die Abprüfung des Kriteriums „rückwärtsgerichtet" angelegt werden. Normalerweise
dürfte jedoch die Verwendung eines Kegelwinkels zur Bestimmung der Rückströmungen
ausreichen.
Eine Vorzugsrichtung für jeden Rechenpunkt des Bauraumes kann sehr
einfach dadurch festgelegt werden, dass dem jeweiligen Rechenpunkt die Richtung
eines zu ihm in kürzester Entfernung liegenden Rechenpunktes einer ebenfalls in
kürzester Entfernung liegenden, zuvor festgelegten Hauptstromlinie vererbt wird.
Diese Art der Vererbung der Richtung von einigen festgelegten Hauptstromlinien auf
die übrigen Rechenpunkte im Bauraum durch das Fällen des Lots vom
Rechenpunkt auf die nächstgelegene Hauptstromlinie, ist erstens einfach zu berechnen
und liefert zweitens – ausgehend von den einmal festgelegten Hauptstromlinien
– eindeutige und reproduzierbare Ergebnisse. Letzteres ist für den Test und
Vergleich von Verfahrensvarianten von Bedeutung.
Die Hauptstromlinien werden vorteilhaft als Linien festgelegt, die
beginnend von den Einlässen zu den Auslässen führen, wobei von jedem Einlass eine
Linie zu jedem Auslass geführt wird. Da die Hauptstromlinie die Grundlage zur Bestimmung
der Vorzugsrichtung für die Strömung im Bauraum bilden, und die Strömung möglichst
verlustfrei verlaufen soll, ist es günstig, wenn für die durch die Hauptstromlinien
repräsentierte Strömung ein möglichst direkter Weg von den Einlässen zu den Auslässen
gewählt wird, da mit der Lauflänge der Strömung der Widerstand gegen sie wächst.
Um bei der Berechnung der Strömung durch den Bauraum die resultierenden Strömungen
nicht von vornherein einzuschränken, ist es von Vorteil bei einem Vorhandensein
mehrerer Ein- und Auslässe auch einen Strömungsweg, und damit eine Hauptstromlinie,
von jedem Einlass zu jedem Auslass vorzusehen.
Der Verlauf der Hauptstromlinien zwischen je einem Einlass und je
einem Auslass kann dabei auf verschiedene Weisen festgelegt werden. Eine einfache
Möglichkeit ist es, den Verlauf der Linien über ein paar wenige – vom Anwender
vorgegebene – Stützstellen im Bauraum durch ein Polynom interpolieren zu lassen.
Auf diese Weise erhält man für einfache Bauräume ohne weiteren Aufwand, eine gute
Näherung für die Hauptstromrichtung.
Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung des Verlaufs der Hauptstromlinien
besteht darin, eine gesonderte und schnell konvergierende Strömungsberechnung –
z.B. mit hoher Viskosität – für den Bauraum durchzuführen, und die Stromlinien
zu berechnen. Aus der Gesamtheit der zwischen den Ein- und Auslässen durchgängigen
Stromlinien wird sodann das arithmetische Mittel für jedes Ein- und Auslass-Paar
berechnet, und die daraus resultierenden „Mittel-Stromlinien" werden als
Hauptstromlinien definiert. Alternativ zur Bildung des arithmetischen Mittels können
aus der Gesamtheit der berechneten Stromlinien beispielsweise auch die jeweils kürzesten
Stromlinien von den Ein- zu den Auslässen als Hauptstromlinien bestimmt werden.
Die Methode, Hauptstromlinien durch eine vorgeschaltete Strömungsberechnung zu ermitteln,
ist zwar aufwendiger als die zuvor erwähnte quasizeichnerische Bestimmung von Hauptstromlinien,
liefert aber bei komplexen Bauräumen qualitativ bessere Hauptstromlinien.
Wie bereits weiter oben erwähnt, ist es die zentrale Idee des erfindungsgemäßen
Verfahrens, verlustbehaftete Strömungen – genauer Rückströmungen – bei
der iterativen Strömungsberechnung durch eine Beaufschlagung mit Gegenkräften zu
unterdrücken, um so erwünschte, verlustärmere Strömungen zu erreichen. Die Gegenkräfte,
mit denen die Rückströmungen beaufschlagt werden, werden dabei vorteilhaft in allen
als Rückströmung klassifizierten Rechenpunkten als eine der Geschwindigkeit im Rechenpunkt
entgegengesetzte Kraft bestimmt.
Da eine zufriedenstellende Vorhersage der Kräfte, die aufzubringen
wären, um eine unerwünschte Strömung bei der folgenden Iteration des strömungsmechanischen
Gleichungssystems vollständig zu unterdrücken, aufgrund der nichtlinearen Natur
des Problems nicht mit vertretbarem Aufwand durchführbar ist, ist es vorteilhaft,
die aufzubringenden Kräfte iterativ anzupassen.
Die einfachste Näherung hierfür besteht darin, die aufzubringende
Kraft als eine Impulsänderung zu bestimmen, die den Impuls, der sich aus dem Produkt
der Geschwindigkeit im Rechenpunkt mit einer Stoff-Dichte ergibt, zu Null werden
lässt. Die Stoff-Dichte ist entsprechend der beabsichtigten Verwendung des zu optimierenden
Kanals – beispielsweise als Gas- oder Flüssigkeitsdichte – zu wählen.
Da eine Rückströmung nach einer Iteration des strömungsmechanischen Gleichungssystems
unter Berücksichtigung der Krafteinträge normalerweise nicht beseitigt ist, müssen
nach jeder Iteration erneut die Veränderungen in den Strömungen bestimmt werden,
um daraufhin die Strömungen weiter durch die beschriebenen Näherungsmethode beeinflussen
zu können. Ist ein Rechenpunkt aus vorausgegangenen Iterationen bereits mit einem
Krafteintrag beaufschlagt, so wird die ermittelte Gegenkraft zum bereits vorhandenen
Krafteintrag addiert.
Die Addition des vorhanden Krafteintrags mit der ermittelten Gegenkraft
erfolgt als Vektor-Addition. D.h. die Richtung der im Krafteintrag angesammelten
Gesamtkraft ist nicht notwendigerweise der Richtung der Geschwindigkeit im Rechenpunkt
entgegengesetzt. Die wirksamste Richtung wird im Verlauf der Iterationen angenähert.
Um die Konvergenz des Verfahrens zu stabilisieren, ist es sinnvoll,
den Wert der in den Krafteinträgen angesammelten Kräfte nach oben hin zu beschränken.
Außerdem gibt es eine Grenze für Kräfte, oberhalb derer kein Einfluss mehr auf das
Ergebnis möglich ist. Ebenfalls aus Gründen der besseren Konvergenz kann es angebracht
sein, den Betrag der jeweils im Rechenpunkt aufzubringenden Gegenkraft auf einen
bestimmten Wert zu begrenzen. Dieser Wert kann beispielsweise 5% des maximal zulässigen
Betrags für die Krafteinträge betragen.
Der Übersichtlichkeit halber folgt die Beschreibung
der differenzierten Behandlung der Krafteinträge im Weiteren gemäß der Fallunterscheidung
hinsichtlich des Verhaltens der Strömung vor und nach einer Iteration: Von einer
Iteration zur nächsten können
– Rückströmungen Rückströmungen bleiben,
– aus Rückströmungen Vorströmungen werden,
– Vorströmungen Vorströmungen bleiben, und
– aus Vorströmungen Rückströmungen werden.
Im ersten Fall wird für die betreffenden Rechenpunkte die aufzubringende
Gegenkraft ermittelt, ggf. auf einen bestimmten Betrag gekürzt, und zu dem bereits
vorhandenen Krafteintrag im Rechenpunkt addiert, wenn nicht bereits zuvor die obere
Schranke für Krafteinträge erreicht wurde.
Im zweiten Fall wurde aus einer unerwünschten Strömung eine erwünschte
Strömung. Um nun zu überprüfen, ob die entstandene Vorströmung auch ohne die zuvor
im entsprechenden Rechenpunkt zwangsweise eingebrachten befördernden Kräfte bestehen
bleibt, müssen die im Rechenpunkt angesammelten Krafteinträge vermindert werden.
Dies geschieht vorteilhaft in der Weise, dass die in Vorströmungen etwaig vorhandenen
Krafteinträge reduziert werden, indem in allen als Vorströmung klassifizierten Rechenpunkten,
die einen Krafteintrag aufweisen, ein Teilbetrag des Krafteintrags subtrahiert wird.
Die in den vorausgegangenen Iterationen angesammelten Krafteinträge werden so schrittweise
abgebaut. Dadurch ist es vorteilhaft möglich, den Grad der Nachhaltigkeit der erzwungenen
Vorströmung vorsichtig zu prüfen. Anders betrachtet wird dadurch die erzwungene
Vorströmung noch für weitere Iterationen durch den nach der Subtraktion im Rechenpunkt
verbleibenden Krafteintrag unterstützt. Setzt man dagegen den im Rechenpunkt angesammelten
Krafteintrag bei Änderung der Strömungsrichtung in einem Schritt zu Null, kehrt
sich die Richtung bei der nächsten Iteration mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder
um.
Die Subtraktion von Kräften aus dem Krafteintrag erfolgt – wie
auch die Addition von Kräften – vektoriell. D.h. eine Kraft wird dadurch aus
dem Krafteintrag subtrahiert, indem sie entgegengesetzt zur Richtung im Rechenpunkt,
– der Rechenpunkt weist jetzt aber eine Vorströmung auf -, zum bisherigen
Krafteintrag addiert wird. Die Subtraktion erfolgt also nach dem gleichen Prinzip
wie die Addition: Ermittlung einer der Richtung im Rechenpunkt entgegenwirkenden
Kraft und Addition zum bisherigen Krafteintrag. Die Umkehrung der Rechenoperation
wird also automatisch durch die Änderung der Richtung der Geschwindigkeit von einer
Rückströmung zu einer Vorströmung im Rechenpunkt veranlasst.
Betrag und Richtung der bei Vorströmungen aus dem Krafteintrag abzuziehenden
Kräfte werden vorteilhaft ebenfalls nach dem gleichen Prinzip wie die bei Rückströmungen
zu addierenden Kräfte ermittelt, nämlich als der Impulsänderung, die notwendig ist,
um die im Rechenpunkt vorhandenen Geschwindigkeit, multipliziert mit einer Stoff-Dichte,
zu Null werden zu lassen. Auf diese Weise können Vor- und Rückströmungen rechentechnisch
identisch behandelt werden. Aus Konvergenzgründen ist wiederum eine Beschränkung
des Betrags dieser Kraft – beispielsweise auf 5% vom Wert der oberen Schranke
für die Krafteinträge – sinnvoll.
Da die Werte für die Krafteinträge bei der Vektor-Addition bzw. Subtraktion
nur unter sehr unwahrscheinlichen Umständen zu Null werden, werden Krafteinträge
mit Beträgen unter einem bestimmten Schwellwert zu Null gesetzt, um am Ende der
Strömungsberechnung die Rechenpunkte ohne Krafteintrag ausfiltern zu können. Das
Auslesen der Rechenpunkte ohne Krafteintrag kann aber auch selbst durch einen Schwellwert,
unter welchem der Betrag eines Krafteinträge als „kein Krafteintrag" angesehen
wird, durchgeführt werden. Ein weiteres Abprüfkriterium für geringe Krafteinträge,
die als „keine Krafteinträge" oder als Null betrachtet werden können, besteht
darin, bei jeder Verringerung des Krafteintrags die Richtungsänderung zu überwachen.
Schlägt die Richtung des Krafteintrags nach einer Subtraktion im Wesentlichen um,
ist das ein Indiz dafür, dass die bei Rückströmung im Rechenpunkt aufgesammelten
Kräfte, wieder abgebaut sind. Der Krafteintrag kann dann zu Null gesetzt werden.
Im dritten Fall wird wiederum ein Teilbetrag des im Rechenpunkt vorhandenen
Krafteintrags vom Krafteintrag subtrahiert, wenn der Krafteintrag nicht zuvor schon
zu Null gesetzt wurde. Der Wert Null im Krafteintrag signalisiert dann, dass in
diesem Rechenpunkt ohne eine Manipulation durch virtuelle Kräfte eine erwünschte
Strömung vorhanden ist.
Im vierten Fall wird wieder gemäß dem ersten Fall verfahren und eine
Gegenkraft zum einem etwa noch bestehenden Krafteintrag im Rechenpunkt aufaddiert.
Zur Terminierung der Iterationen des erfindungsgemäßen Simulationsverfahrens
können verschieden geartete Abbruchkriterien eingesetzt werden. Eine weit verbreitete
Methode, um ein iteratives Verfahren zu beenden, ist die Vorgabe einer festen Anzahl
von durchzuführenden Iterationen. Die Verwendung einer fest vorgegebenen Anzahl
von Iterationen als Abbruchkriterium ist vorteilhaft, wenn entweder bereits ausreichende
Erfahrung mit üblichen Verlauf der Simulation vorhanden ist, oder keine Kriterien
gefunden werden, die eine Konvergenz des Verfahrens anzeigen.
Ansonsten ist es inhaltlich angemessener, wenn Abbruchkriterien
eingesetzt werden, die auf die Konvergenz des Verfahrens Bezug nehmen. Solche Abbruchkriterien
sind dadurch charakterisiert, dass sie das Verhalten einer charakteristischen Größe
des Verfahrens nach jeder Iteration daraufhin überwachen, ob die charakteristische
Größe einen Schwellwert über- oder unterschreitet, oder ob die Änderung der charakteristischen
Größe minimal wird.
Die charakteristische Größe kann für das erfindungsgemäße Verfahren
vorteilhaft an der jeweils nach einer Iteration erfolgenden Modifikation der Krafteinträge
festgemacht werden. Dadurch, dass viele Modifikationen vorgenommen werden müssen,
wenn sich von Iteration zu Iteration die Strömung im Bauraum stark verändert, signalisiert
ein abnehmender Modifikationsumfang, dass sich die durch das Verfahren berechneten
Ergebnisse stabilisieren bzw., wenn keine nennenswerten Veränderungen der Krafteinträge
mehr erfolgen, dass das Verfahren zu einem Ende gelangt ist. Dies wird überprüft,
indem der Modifikationsumfang für eine bestimmte Anzahl von Iterationen unter einem
bestimmten Wert bleiben.
Der Umfang der Modifikation kann anhand verschiedener Größen gemessen
werden: Eine einfache und abstrakte Messgröße ist die Anzahl der nach einer Iteration
modifizierten Rechenpunkte. Wenn diese sich nicht mehr, oder nicht mehr stark verändert,
kann das Verfahren als beendet betrachtet werden. Eine eher inhaltlich orientierte
Messgröße für den Umfang einer Modifikation ist die Summe der Beträge aller nach
einer Iteration durchgeführten Kraftänderungen.
Eine andere Möglichkeit zur Bestimmung der Konvergenz ist die Beobachtung
der Änderungen in den aus den Iterationen resultierenden Geschwindigkeiten. Hierzu
werden alle Geschwindigkeitsänderungen ermittelt und betragsmäßig addiert.
Sind die Iterationen zur Berechnung der Strömung im Bauraum gestoppt,
wird nach dem erfindungsgemäßen Verfahren eine erste optimierte Geometrie des Strömungskanals
dadurch erhalten, dass aus der zuletzt berechneten Iteration ein zusammenhängender
Bereich zwischen Ein- und Auslässen, der keine Krafteinträge aufweist, extrahiert
wird. Bereiche im Bauraum, die ohne Verbindung zu den Ein- und Auslässen stehen,
aber auch ohne Krafteinträge sind, – somit also Inseln im Bauraum bilden,
– können bei der Ermittlung der optimierten Kanal-Geometrie beispielsweise
durch Verfahren der Mustererkennung zur Konturextraktion eliminiert werden.
Die Geometrie dieses Bereichs kann weiter verbessert werden, indem
aus der errechneten Strömung im Bauraum Stromlinien ermittelt werden, und die Geometrie
des Kanals auf die Volumenelemente beschränkt wird, die von Stromlinien, die direkt
von den Ein- zu den Auslässen führen, geschnitten werden. Mit „direkt" ist
hierbei gemeint, dass die Stromlinien keine Rückströmung aufweisen dürfen. Mit der
Extraktion der optimierten Kanalform anhand von Stromlinien, die von den Einlässen
zu den Auslässen führen, erfolgt vorteilhaft eine automatische Beschränkung der
Form auf einen zusammenhängenden Bereich zwischen Ein- und Auslässen. Etwaige separate
Volumen im Bauraum, in denen keine Krafteinträge verzeichnet sind, und die ohne
Verbindung zu den Ein- und Auslässen sind, werden auf diese Weise ohne Weiteres
eliminiert. Durch die Verfolgung der Stromlinien, erübrigen sich damit anderweitige
Verfahren zur Überprüfung des Zusammenhangs der Gebiete ohne Krafteintrag mit den
Ein- und Auslässen. Durch die Begrenzung der Form auf Stromlinien werden weiterhin
vorteilhaft Randbereiche, in denen nur geringe Geschwindigkeit auftreten, abgeschnitten.
Bei der soeben beschriebenen Beschränkung der Kanal-Geometrie durch
vorwärtsgerichtete Stromlinien, kommt es – abhängig von der Form des Bauraums
und der Lage der Ein- und Auslässe – vor, dass die an den Einlässen von homogen
verteilten Startpunkten ausgehenden Stromlinien nicht ebenso homogen verteilt die
Auslässe erreichen. Da die Kanal-Form durch die von Stromlinien durchschnittenen
Volumenelemente definiert wird, kann bei sehr ungleichmäßig im Auslass verteilten
Stromlinien-Endpunkten die Form der Auslässe verkleinert oder zerklüftet werden.
Ist die Form der Auslässe aber konstruktiv bedingt fest vorgegeben,
weil z.B. Anschlussstücke angeflanscht werden müssen, kann die Geometrie der Auslässe
vorteilhaft durch Berücksichtigung von rückwärtsgerichteten Stromlinien ergänzt
werden. Dabei werden in Umkehrung zur Berechnung der vorwärtsgerichteten Stromlinien
homogen verteilte Stromlinien-Startpunkte in den Auslässen angenommen. Dadurch werden
die zu den Auslässen gehörenden Volumenelemente zwangsweise von Stromlinien geschnitten,
sodass die Auslässe bei einer Bestimmung der Kanal-Geometrie durch vorwärts- und
rückwärtsgerichtete Stromlinien wieder in vollem Umfang in Erscheinung treten. Auch
von den rückwärtsgerichteten Stromlinien werden nur die direkt von den Aus- zu den
Einlässen führenden Stromlinien für die Formbestimmung in Betracht gezogen. Die
Geometrie des optimierten Kanals ist damit aus allen Volumenelementen des Bauraums
bestimmt, die von vor- und rückwärts berechneten und direkt zwischen den Ein- und
Auslässen verlaufenden Stromlinien, geschnitten werden.
Die Erfindung wird nun anhand von Zeichnungen weiter erläutert.
In 1 ist ein Ablaufdiagram für eine bevorzugte
Ausführungsform des Verfahrens dargestellt:
Das erfindungsgemäße Verfahren setzt auf der Geometrie eines vorgegebenen Bauraums
auf. Die geometrischen Abmessungen des Bauraums und seiner Ein- und Auslässe werden
für die Verarbeitung durch ein Programm für CFD-Berechnungen aufbereitet. Für die
Simulationsrechnungen wird der Bauraum geeignet diskretisiert, indem er vollständig
in Volumenelemente aufgeteilt wird, die jeweils durch einen Rechenpunkt repräsentiert
werden. Für die Diskretisierung von räumlichen Gebilden gibt es bekanntermaßen verschiedene
Möglichkeiten. Die Volumenelemente können aus regelmäßigen Formen, wie Tetraedern
oder Hexaedern, oder auch aus unregelmäßigen Formen bestehen und auch untereinander
gemischt sein, wobei auch die Volumen der einzelnen Elemente unterschiedlich groß
sein können. Die gewählte Auflösung ist dabei vom untersuchten Problem abhängig,
und für den Fachmann kein Problem.
Auch die Rechenpunkte können im Bezug auf die einzelnen Volumenelemente
unterschiedlich festgelegt werden. So können sie beispielsweise auf den Schwerpunkt,
oder den Mittelpunkt eines Volumenelements gelegt werden, oder auch auf eine Kante
oder auf einen Eckpunkt des Volumenelements.
Ausgehend von der Bauraumgeometrie und den darin definierten Ein-
und Auslässen werden mit Hilfe eines strömungsmechanischen Gleichungssystems, das
eine schnelle Konvergenz gewährleistet, eine Strömung und Stromlinien für den Bauraum
ermittelt. Eine schnell konvergierende Berechnung für eine Strömungssimulation wird
bei der bevorzugten Ausführungsform dadurch erzwungen, dass das Vorhandensein einer
sehr zähen Flüssigkeit im Bauraum angenommen wird, bzw. der konvektive Term des
strömungsmechanischen Gleichungssystems bei der Berechnung außer Acht gelassen wird.
Die Strömungen werden vom Simulationsprogramm als Betrag und Richtung einer Geschwindigkeit
in den Rechenpunkten berechnet.
Kommen von den so ermittelten Stromlinien viele nicht von den Ein-
bis zu den Auslässen, sondern enden an den Bauraumbegrenzungen, kann es angebracht
sein, zusätzlich die Stromlinien von den Auslässen zu den Einlässen zu ermitteln.
Aus der Gesamtheit der ermittelten Stromlinien wird für jedes Ein- und Auslasspaar
das arithmetische Mittel der sie verbindenden Stromlinien berechnet und die so gewonnene
„Mittel-Stromlinie" als Hauptstromlinie definiert.
Die Festlegung der Hauptstromlinien kann auch nach anderen Kriterien
erfolgen. Anstatt der Mittenstromlinien können beispielsweise die jeweils kürzesten
Stromlinien von jedem Einlass zu jedem Auslass gewählt werden. Die Festlegung muss
auch nicht unbedingt durch eine Strömungsberechnung erfolgen. Die Hauptstromlinien
können bei einfach strukturierten Bauräumen auch nach geometrischen Gesichtpunkten
bestimmt werden, indem sie mittels manuell vorgegebene Stützstellen approximiert
werden.
Die Hauptstromlinien bilden die Grundlage für die anschließend erfolgende
Festlegung einer Vorzugsrichtung für jeden Rechenpunkt des diskretisierten Bauraums.
Die Vorzugsrichtung eines Rechenpunkts wird dabei folgendermaßen bestimmt: Vom Rechenpunkt
ausgehend wird das Lot auf die nächstgelegene Hauptstromlinie berechnet. Die Richtung
des Rechenpunktes der Hauptstromlinie auf den das Lot auftrifft, wird auf den zu
bestimmenden Rechenpunkt übertragen. Die Vorzugsrichtung eines jeden Rechenpunkts
ist somit – allein abhängig vom Verlauf der Hauptstromlinien – in eindeutiger
Weise bestimmt.
Nach der Festlegung der Vorzugsrichtung beginnt das Verfahren mit
der iterativen Berechnung des eigentlichen strömungsmechanischen Gleichungssystems
zur Bestimmung der Strömung im Bauraum. Im Gegensatz zu dem strömungsmechanischen
Gleichungssystem, welches eingangs zur Bestimmung von Hauptstromlinien berechnet
wurde, werden für das eigentliche strömungsmechanische Gleichungssystem nun die
dem realen Problem gemäßen Randbedingungen gesetzt. Soll der Kanal beispielsweise
ein Lüftungskanal sein, so wird die Viskosität von Luft eingesetzt.
Nach jeder Iteration des strömungsmechanischen Gleichungssystems werden
alle Rechenpunkte des Bauraums daraufhin geprüft, ob sie einer Rückströmung angehören
oder einer Vorströmung. Dazu wird überprüft, ob die Richtung der ermittelten Geschwindigkeit
innerhalb oder außerhalb eines bestimmten Kegelwinkels um die Vorzugsrichtung herum
liegt. Als praktikabel haben sich Kegelwinkel zwischen 80 und 90 Grad erwiesen.
Liegt die Richtung der im Rechenpunkt bestimmten Geschwindigkeit innerhalb oder
auf dem Kegelwinkel, wird der Rechenpunkt als Vorströmung klassifiziert. Liegt die
Richtung außerhalb des Kegelwinkels, wird der Rechenpunkt als Rückströmung definiert.
Anschließend werden erfindungsgemäß virtuelle Krafteinträge für den
Bauraum, d.h. für alle Rechenpunkte des Bauraums, berechnet oder modifiziert, um
anschließend mit diesen Krafteinträgen die nächste Iteration des strömungsmechanischen
Gleichungssystems zu beeinflussen.
Zu Beginn des Verfahrens sind die Krafteinträge aller Rechenpunkte
gleich Null. Die Summe aller in einem Krafteintrag addierten Gegenkräfte ist dabei
auf einen maximal zulässigen Wert beschränkt. Der Maximal-Wert für Krafteinträge
kann beispielsweise wie folgt sinnvoll bestimmt werden:
wobei
&ngr; die charakteristische Geschwindigkeit,
L = ∛MV, die charakteristische Länge,
MV das mittlere Volumen der Volumenelemente und
&rgr; die Stoff-Dichte
bedeuten.
Für alle Rechenpunkte, die als Rückströmung klassifiziert worden sind,
wird eine der Strömung im Rechenpunkt genau entgegengesetzte Kraft berechnet und
zu dem zum Rechenpunkt zugeordneten Krafteintrag addiert. Der Betrag der Gegenkraft
wird dabei gleich dem Betrag des Impulses gesetzt, der aus dem Produkt der Geschwindigkeit
im Rechenpunkt mit der Stoff-Dichte entsteht. Die Krafteinträge kann man sich als
„numerischen Sand" vorstellen, durch den in der Simulation auf virtuelle
Weise versucht wird, unerwünschte Strömungen zu hindern. Das Auftreten und Verschwinden
von „elektronischem Sand" im Verlauf einer Strömungsberechnung ist in den
2a, 3a,
4a und 5a
dargestellt.
Für alle Rechenpunkte, die als Vorströmung klassifiziert worden sind,
wird überprüft, ob der Krafteintrag größer Null ist, und wenn ja, eine Kraft, die
ein Bruchteil der maximal zulässigen Kraft ist – beispielsweise 5% -, subtrahiert,
bzw. entgegengesetzt zur Richtung der Geschwindigkeit im Rechenpunkt vektoriell
addiert. Kehrt sich die Richtung des Krafteintrags nach der Subtraktion im Wesentlichen
um, wird der Krafteintrag zu Null gesetzt.
Die Iterationen werden beendet, wenn eine feste Anzahl von Iterationen
zur Strömungsberechnung durchgeführt wurde. Die Anzahl der zu durchlaufenden Iterationen
ist problemabhängig festzulegen, was für den Fachmann auf strömungsmechanischem
Gebiet aber kein Problem darstellt.
Eine andere Möglichkeit, das Ende der Iterationen festzulegen, besteht
beispielsweise darin, nach jeder Iteration die Anzahl der modifizierten Krafteinträge
zu ermitteln und diese mit der Anzahl der eine Iteration zuvor modifizierten Krafteinträge
zu vergleichen. Bleibt die Anzahl der modifizierten Krafteinträge für eine Reihe
von Iterationen unter einem bestimmten Wert, kann angenommen werden, dass das Verfahren
zu einem Ende gekommen ist, und die Iterationen können beendet werden. Auch die
Setzung dieser Werte ist jeweils problemabhängig vorzunehmen; dies ist dem Fachmann
jedoch geläufig.
Aus der für den Bauraum berechneten Strömung resultiert eine erste
optimierte Geometrie für den Strömungskanal, definiert durch ein Volumen zwischen
den Ein- und Auslässen in welchem die Rechenpunkte keine Krafteinträge aufweisen.
Diese Geometrie wird optimiert, indem aus der für den Bauraum berechneten Strömung
Stromlinien von den Ein- zu den Auslässen berechnet werden, und die Geometrie des
Bauraums anhand der Volumenelemente die von diesen Stromlinien geschnitten werden,
definiert wird.
Soll die Geometrie der Auslässe nicht von ihrer vordefinierten Form
abweichen, ist es zweckmäßig, eine rückwärtsgerichtete Stromlinienberechnung, von
den Auslässen zu den Einlässen, vorzunehmen, und die zuvor definierte Geometrie
mit den Volumenelementen zu erweitern, die von den rückwärtsgerichteten, durchgängigen
Stromlinien geschnitten werden.
Die optimierten Kanal-Geometrien, die zunächst in relativ kantiger
Form vorliegen, da sie aus diskreten Volumenelementen zusammengesetzt sind, können
für die Weiterverarbeitung durch verschiedene Verfahren geglättet werden. Eine Möglichkeit
zur Generierung einer glatten Oberfläche besteht darin, die Stromlinien, welche
die Form definieren, in Punktwolken umzuwandeln, und die außen liegenden Punkte
zu einer Hüllfläche zu verbinden. Eine andere Möglichkeit ist es, über die außen
liegenden Punkte der extrahierten Volumenelemente eine glatte Oberfläche zu interpolieren.
Die 2a und 2b
bis 5a und 5b
zeigen die Veränderungen in den Strömungen 5 und Krafteinträgen
4 im Verlauf einer Simulationsrechnung an einem Schnitt durch einen Bauraum
3 mit einem Einlass 1 und einem Auslass 2. Die geschwärzten
Bereiche 6 sind die Bereiche ohne Krafteintrag, also Bereiche mit unmanipulierter
Vorströmung. Die weißen Bereiche 4 im Bauraum 3 entsprechen Bereichen
in denen Kräfte aufgebracht werden, um Rückströmungen umzukehren; sie zeigen sozusagen
die Anlagerung von „numerischem Sand" an.
Alle einmal festgelegten Bezugszeichen gelten in gleicher Weise auch
für die nachfolgenden Figuren.
2a Krafteinträge 4 im Bauraum
3 am Beginn einer Simulationsrechnung
2b Strömungen 5 im Bauraum
3 am Beginn einer Simulationsrechnung
3a Krafteinträge 4 im Bauraum
3 nach einem Drittel der Simulationsrechnung
3b Strömungen 5 im Bauraum
3 nach einem Drittel der Simulationsrechnung
4a Krafteinträge 4 im Bauraum
3 nach zwei Dritteln der Simulationsrechnung
4b Strömungen 5 im Bauraum
3 nach zwei Dritteln der Simulationsrechnung
5a Krafteinträge 4 im Bauraum
3 am Ende der Simulationsrechnung
5b Strömungen 5 im Bauraum
3 am Ende der
Simulationsrechnung
6a zeigt die aus dem Ergebnis der Strömungssimulation
berechneten vorwärtsgerichteten Stromlinien 8. 6b
zeigt die aus dem Ergebnis der Strömungssimulation berechneten rückwärtsgerichteten
Stromlinien 9. In beiden Figuren ist auch die verfahrensgemäß extrahierte
Kanal-Geometrie 7 eingezeichnet.
Die 7 und 8
zeigen Vergleiche von Kanal-Geometrien für verschiedene Bauräume 3, einmal
nach herkömmlichen Methoden entworfen und einmal nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
berechnet.
Die in 7 gezeigte, mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren optimierte Kanal-Geometrie 7 weist einen um 60% geringeren Druckverlust
gegenüber dem ebenfalls in 7 dargestellten herkömmlich
entworfenen Kanal 10 auf.
8a zeigt einen mit herkömmlichen Methoden
entworfenen Mitteldüsenkanal. 8b zeigt einen mit dem
erfindungsgemäßen Verfahren für den gleichen Bauraum entworfenen Mitteldüsenkanal.
Dabei wird mit der in 8b dargestellten optimierten
Kanalgeometrie gegenüber der in 8a gezeigten Geometrie
eine Druckverlustreduktion von 50% erreicht.
9 zeigt eine Skizze eines 3-dimensionalen
Bauraums 3 und darin die mit dem Verfahrenen gefundene Kanal-Geometrie
7 für einen Kanal mit einem Einlass 1 und drei Auslässen
2.
Anspruch[de]
Numerisches Simulationsverfahren zur automatischen Bestimmung einer
hinsichtlich Strömungsverlusten optimierten Geometrie eines Strömungskanals, der
Ein- und Auslässe aufweist und durch einen vorgegebenen Bauraum führt, wobei die
Strömung für den Bauraum iterativ aus einem strömungsmechanischen Gleichungssystem
und virtuellen, auf den Bauraum bezogenen Krafteinträgen errechnet wird,
wobei nach jeder Iteration
– Vor- und Rückströmungen ermittelt werden,
– eine Modifikation der Krafteinträge erfolgt, indem
– Rückströmungen mit Gegenkräften beaufschlagt werden und
– in Vorströmungen etwaig vorhandene Krafteinträge reduziert werden,
– wonach die nächste Iteration unter Berücksichtigung der modifizierten Krafteinträge
berechnet wird, wenn nicht ein Abbruchkriterium für die Iterationen erreicht ist,
und aus der zuletzt berechneten Iteration ein zusammenhängender Bereich zwischen
Ein- und Auslässen, der keine Krafteinträge aufweist, extrahiert wird.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass der vorgegebene Bauraum diskretisiert wird, indem er vollständig in Volumenelemente
aufgeteilt wird, welche durch Rechenpunkte repräsentiert werden, und Strömungen
als Richtung und Betrag einer Geschwindigkeit für jeden Rechenpunkt berechnet werden.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
dass eine Strömung als Rückströmung klassifiziert wird, wenn ihre Richtung von einer
Vorzugsrichtung um mehr als einen definierten Winkel abweicht.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet,
dass die Vorzugsrichtung für jeden Rechenpunkt bestimmt wird, indem auf ihn die
Richtung eines in kürzester Entfernung liegenden Rechenpunktes einer in kürzester
Entfernung liegenden, festgelegten Hauptstromlinie vererbt wird.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet,
dass die Hauptstromlinien als Linien festgelegt werden, die beginnend von den Einlässen
zu den Auslässen verlaufen, wobei von jedem Einlass eine Hauptstromlinie zu jedem
Auslass geführt wird.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Hauptstromlinien anhand von frei gewählten Stützstellen im Bauraum interpoliert
werden.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Hauptstromlinien als arithmetisches Mittel einer Menge von Stromlinien
ermittelt werden, die aus der mit einer gesonderten und schnell konvergierenden
Strömungsberechnung bestimmten Strömung resultieren und von den Einlässen zu den
Auslässen – und/oder umgekehrt – führen.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß einem der Ansprüche 2 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die Gegenkräfte, mit denen Rückströmungen beaufschlagt
werden, für alle als Rückströmung klassifizierten Rechenpunkte aus einer der Geschwindigkeit
im Rechenpunkt entgegengesetzten Kraft mit dem Betrag des aus einer Stoff-Dichte
und der Geschwindigkeit im Rechenpunkt resul-tierenden Impulses bestimmt wird und
zu einem etwaigen, aus vorausgegangenen Iterationen für den jeweiligen Rechenpunkt
vorhandenen Krafteintrag addiert wird, bis eine obere Schranke für den Betrag des
Krafteintrags erreicht ist.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet,
dass in Vorströmungen etwaig vorhandene Krafteinträge reduziert werden, indem für
alle als Vorströmung klassifizierten Rechenpunkte, die einen Krafteintrag aufweisen,
eine der Geschwindigkeit im Rechenpunkt entgegengesetzte Kraft mit dem Betrag des
aus einer Stoff-Dichte und der Geschwindigkeit im Rechenpunkt resultierenden Impulses
bestimmt wird und vom Krafteintrag subtrahiert wird, bis eine untere Schranke für
den Betrag des Krafteintrags erreicht ist, bei deren Erreichen der Betrag des Krafteintrags
zu Null gesetzt wird.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass als Abbruchkriterium überprüft wird, ob eine fest vorgegebene
Anzahl von Iterationen durchgeführt wurde.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass als Abbruchkriterium überprüft wird, ob für eine bestimmte
Anzahl von Iterationen eine Maßzahl für die jeweils nach einer Iteration erfolgende
Modifikation der Krafteinträge unterschritten wird.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet,
dass als Maßzahl die Anzahl der nach einer Iteration modifizierten Rechenpunkte
dient.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet,
dass die Maßzahl die Summe aller nach einer Iteration in den Krafteinträgen veränderten
Kraftbeträge ist.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet,
dass die Maßzahl die Summe aller nach einer Iteration veränderten Geschwindigkeitsbeträge
ist.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß einem der Ansprüche 2 bis 14,
dadurch gekennzeichnet, dass die optimierte Geometrie weiter verbessert wird, indem
aus der errechneten Strömung Stromlinien ermittelt werden, und die Geometrie durch
die Volumenelemente des Bauraums begrenzt wird, die von den zwischen den Ein- und
Auslässen durchgängigen Stromlinien, die keine Rückströmungen aufweisen, geschnitten
werden.
Numerisches Simulationsverfahren gemäß Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet,
dass zusätzlich die Stromlinien von den Auslässen zu den Einlässen ermittelt werden,
und die Geometrie um die Volumenelemente des Bauraums erweitert wird, die von den
zwischen den Aus- und Einlässen durchgängigen Stromlinien, die keine auf diese Richtung
bezogenen Rückströmungen aufweisen, geschnitten werden.
Computerprogrammprodukt, das direkt in den internen Speicher eines
Computers geladen werden kann und Softwareabschnitte umfasst, mit denen ein Verfahren
nach einem der Ansprüche 1 bis 16 ausführbar ist, wenn das Produkt auf einem Computer
läuft.
Computerprogramm-Produkt, das auf einem von einem Computer lesbaren
Medium gespeichert ist und das von einem Computer lesbare Programm-Mittel aufweist,
die den Computer veranlassen, ein Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 17 auszuführen.