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Dokumentenidentifikation DE202005007762U1 22.09.2005
Titel Lack-Sprühdosenset zum Herstellen einer Lederimitatoberfläche
Anmelder Gimm, Ulf, 24963 Tarp, DE
Vertreter Grünecker, Kinkeldey, Stockmair & Schwanhäusser, 80538 München
DE-Aktenzeichen 202005007762
Date of advertisement in the Patentblatt (Patent Gazette) 22.09.2005
Registration date 18.08.2005
Application date from patent application 18.05.2005
IPC-Hauptklasse C14C 11/00
IPC-Nebenklasse D06M 17/04   D06P 3/32   D06P 5/08   D06N 3/00   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Lack-Sprühdosenset zum Herstellen einer Lederimitatoberfläche.

Aus der DE 102 22 116 A1 ist ein Verfahren zum Herstellen einer Lederimitatoberfläche bekannt. Dort wird mit Hilfe einer eine Rissbildung bewirkenden Zwischenschicht auf eine Grundierungsschicht eine Narbenstruktur zur Imitierung einer Lederoberfläche erzeugt. Um unterschiedliche Farbnuancen und somit eine natürliche Lederoptik zu erzielen, wird hauptsächlich eine feine Farbabstimmung zwischen Grundierungsfarbton und Zwischenschichtfarbton verwendet. Dieser feine Farbunterschied scheint je nach Auftragmenge der Deckschicht durch und verbessert die Lederoptik.

Des Weiteren ist aus der DE 296 13 266 U1 ebenfalls ein Beschichtungssystem auf Reißlackbasis zur Lederimitation bekannt. Das Bindemittelharz der Grundbeschichtung ist eine Alcydharz-Acrylharz-Mischung, während die Deckbeschichtung auf einem wässrigen Medium emulgiertem bzw. dispergiertem Acrylatharz oder Polyurethanharz oder eine Mischung von beiden Harz-Bindemitteln basiert. Darüber hinaus kann auch eine Abschlussbeschichtung erfolgen.

Des Weiteren geht aus einer Beschreibung des Erfinders (siehe DE 20 2004 018468) ein Lack-Sprühdosenset hervor, das zur Herstellung einer Lederimitatoberfläche verwendet wird.

Die bekannten Verfahren haben sich sehr gut bewährt und bieten eine ganze Palette von unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten. Zum Teil erfordern diese Verfahren jedoch noch einiges an Know How, weshalb die Verwendung dieses Verfahrens hauptsächlich industriellen Anwendungszwecken vorbehalten war. Die DE 20 2004 018468 bietet bereits Ansatzpunkte in diese Richtung.

Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein System zum Herstellen einer Lederimitatoberfläche bereitzustellen, das auch im Handwerker- und Hobbybereich Verwendung finden kann.

Hierzu wird erfindungsgemäß ein Lack-Sprühdosenset zum Herstellen einer Lederimitatoberfläche bereitgestellt, das aus einer ersten Sprühdose, die einen Grundierungslack enthält, und einer zweiten Sprühdose, die einen, eine Narbenstruktur ausbildenden Effektlack enthält, besteht. Der Grundierungslack umfasst folgende Zusammensetzung (in Gewichtsprozent):

10–18 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;

25,2–30,8 % Butylacetat,

17,1–20,9 % Methylisobutylketon und

5,4–6,6 % aromat. Kohlenwasserstoffe als Lösungsmittelkombination;

27,9–34,1 % Pigmentpaste; und

2,7–3,3 % Plastifizierer und Stabilisator(en) als Additive.

Der Effektlack umfasst folgende Zusammensetzung (in Gewichtsprozent):

8–12 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;

36,9–45,1 % Butylacetat,

14,4–17,6 % Methylisobutylketon,

6,3–7,7 % aromat. Kohlenwasserstoffe und

5,4–6,6 % Methylethylketon als Lösungsmittelkombination;

9–11 % Pigmentpaste;

7,2–8,8 % Kieselsäure (gefällte Variante); und

1,8–2,2 % Plastifizierer und Stabilisatoren) als Additive.

Durch die hier gewählte Zusammensetzung des Grundierungslacks und des Effektlacks kommt dieses System für viele Zwecke im Heimwerker- und Hobbybereich ohne eine dritte Deckschicht aus. Der Grundierungslack ist demnach ein einkomponentiger, physikalisch trocknender Lack, der aufgrund seiner Lösungsmittelauswahl eine sehr schnelle Trocknung zulässt. Der Festkörper nach dem Aushärten beträgt ca. 30–34 % (farbtonabhängig). Der Effektlack ist ebenfalls ein einkomponentiges, physikalisch trocknendes System. Der Festkörper beträgt nach dem Aushärten ca. 23–27 % (farbtonabhängig). Durch die gewählte Zusammensetzung ist eine parzellenmäßige Größenbildung steuerbar.

Die Lösemittelkombination des Effektlacks ist so gewählt, dass sie in die bereits zumindest teilweise angetrocknete Grundierungsschicht eindringt und bis zu einer steuerbaren Tiefe anlöst (je nach Trocknungsgrad der Grundierungsschicht). Der gewählte Anteil an gefällter Kieselsäure in Kombination mit dem gewählten Lösungsmittel beeinflusst die Trocknung des Grundierungslackes und des Effektlackes so, dass Bereiche des Grundierungslackes noch erweicht bleiben, während der Effektlack im Trocknungsprozess seine verbliebenen Lösemittel sehr schnell freigibt, ermöglicht durch den hohen Anteil freiliegender Kieselsäure mit ihrer sehr hohen Partikeloberfläche. Das Erweichen von dem Grundierungslack zusammen mit der schnellen Trocknung des Effektlackes erzeugt eine starke Erhöhung der Oberflächenspannung. Diese führt durch die besondere Zusammensetzung des Grundierungslackes und Effektlackes zu einer gezielten Narbenbildung (Lederoptik). Im Vergleich dazu unterliegen herkömmliche Reißlacksysteme einem vorwiegend unkontrollierten Reißverhalten. Insbesondere der gewählte Anteil an Kieselsäure dient beim vorliegenden Verfahren gezielt einer gewünscht schnellen Trocknung des Effektlacks, während an der Grenzschicht zwischen Grundierungslack und Effektlack durch ein an den Grundierungslack abgegebenen Lösemittelüberschuss (möglich durch die gezielte Lösungsmittelauswahl) die Rissbildung gesteuert wird. Im Gegensatz hierzu wird Kieselsäure in der DE 20 2004 018468 gezielt zu Mattierungszwecken (Steuerung des Farbaufnahmevermögens) eingesetzt. Das Butylacetat kann in Butanol gelöst sein, welches dann in den Prozentangabenmitenthalten ist.

In den Unteransprüchen 2 bis 26 sind vorteilhafte Varianten des Lack-Sprühdosensets wiedergegeben. Insbesondere die Ansprüche 2 bis 19 befassen sich mit immer genaueren Zusammensetzungen, durch welche das Ergebnis der Narben bzw. Struktur jeweils verbessert wird.

Um ein möglichst feines Sprühbild zu erzeugen, kann als Treibmittel (Gas) Dimethylether eingesetzt werden. Dimethylether (DME) ist in den hier verwendeten Lacken löslich und deshalb mitverantwortlich für das feine Sprühbild.

Bevorzugt kann das Treibmittell/Lack-Verhältnis 40/60–50/50 Gew.-%, bevorzugt 44/56-46/54 Gew.-%, betragen. Bei der Wahl dieses Verhältnisses sind optimale Austrittsmengen für den gedachten Einsatz erreicht. Ebenso sorgt die Menge an Treibmittel zusammen mit den jeweiligen Lacken für die maximale Ausnutzung der Füllmenge.

Des Weiteren kann das Lack-Sprühdosenset zusätzlich noch aus einer dritten Sprühdose bestehen, die einen Deckschichtlack enthält. Als Schutzlackierung kann z.B. ein Klarlack verwendet werden.

Bei einer Variante kann der Deckschichtlack folgende Bestandteile umfassen:

Acrylharz als Bindemittel.

Als Deckschichtlack kann auch ein Lack mit der gleichen Zusammensetzung wie der Grundierungslack verwendet werden.

Bevorzugt kann der Deckschichtlack ein Lederfarblack sein, wobei der Grundierungslack und Effektlack im trockenen Zustand eine unterschiedliche Färbeneigung (unterschiedliches Farbaufnahmeverhalten) hinsichtlich des Lederfarblacks aufweisen. Durch die unterschiedliche Färbeneigung von Grundierungslack und Effektlack erscheint der nachträglich aufgebrachte Lederfarblack entweder auf der ein oder anderen Lackschicht heller oder dunkler, wodurch sich die Lederoptik verbessert. Trotz der im wesentlichen gleichen aufgebrachten Farbmenge pro Flächeneinheit hat der Lederfarblack auf dem Grundierungslack oder dem Effektlack durch die unterschiedliche Färbeneigung eine etwas andere Farbnuancierung.

Wenn gemäß einer Variante der Grundierungslack im trockenen Zustand eine größere Färbeneigung hinsichtlich des Lederfarblacks aufweist als der Effektlack, lässt sich eine verbesserte optische Wirkung hinsichtlich der Tiefenstruktur erzielen. Die Risse der Narbenstruktur erscheinen dann dunkler als die erhöhten Parzellen der Effektlackschicht.

Aufgrund der Tatsache, dass der Effektlack gefällte Kieselsäure enthält, wird beim Trocknen des Lackes eine schwammartige Struktur ausgebildet, wodurch die Saugneigung bzw. das Aufnahmevermögen für einen noch abschließend aufgesprühten Lederfarblack vergrößert wird. Der diese Kieselsäure enthaltende Lack führt somit zu einer Lackschicht, die in größerem Maße den Lederfarblack aufnimmt. Rein optisch wirkt sich dieser Umstand so aus, dass diese Bereiche mit der gleichen Lederfarblackmenge pro Flächeneinheit weniger stark eingefärbt werden als Bereiche mit besserem Farbaufnahmeverhalten. Neben der unterschiedlichen Färbeneigung führt die schwammartige Struktur auch dazu, dass der Glanz dieser Schicht, trotz der Verwendung des gleichen Lederfarblacks, unterschiedlich zum Glanz der jeweils anderen Schicht mit größerer Färbeneigung ist. Es ist das Zusammenspiel dieser Wirkungen, die zu einem sehr guten Gesamteindruck und deshalb zu einer echt aussehenden Lederimitatoberfläche führen. Allerdings handelt es sich hierbei nur um einen zusätzlichen Effekt, da die Kieselsäure im Hinblick auf die Lösemittelkombinationen des Grundierungs- und Effektlacks so abgestimmt ist, dass sich die gezielte Narbenstruktur ergibt und deshalb auf eine Decklackschicht in vielen Fällen verzichtet werden kann.

Gemäß einer weiteren Ausführungsform können der Grundierungslack und der Effektlack die gleichen Farbpigmente von identischer Farbe aufweisen. Obwohl es prinzipiell möglich ist, durch unterschiedliche Farbauswahl bei dem Grundierungslack und dem Effektlack erheblichen Einfluss auf das spätere Aussehen der Lederimitatoberfläche zu nehmen, ist es durch diese Ausgestaltung vorgesehen, die Anzahl der Einflussfaktoren zu reduzieren, so dass bei der Anwendung auch weniger Fehler auftreten können. Soweit der Verwender noch einen zusätzlichen Deckschichtlack aufträgt, so braucht dieser nicht mehr eingefärbt zu sein. Die unterschiedliche Struktur von Grundschicht und Effektschicht (aufgrund der mattierenden Wirkung der Kieselsäure in der Effektschicht) sorgt alleine schon für Effekte, die durch den Deckschichtlack nur noch verstärkt werden können.

Im Folgenden werden Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung anhand einer Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:

1 eine Vorderansicht eines Lack-Sprühdosensets zur Lederimitatherstellung,

2 einen schematischen Schichtaufbau eines Trägersubstrats mit einer Lederimitatoberflächenbeschichtung und

3 einen Sprühkopf, der in 1 dargestellten Sprühdosen in vergrößerter Darstellung und teilweise geschnitten.

Das in 1 dargestellte Lack-Sprühdosenset zum Herstellen einer Lederimitatoberfläche besteht aus einer ersten Sprühdose 1, die einen Grundierungslack enthält, und einer zweiten Sprühdose 2, die einen, eine Narbenstruktur ausbildenden Effektlack enthält.

Zusätzlich ist hier beim vorliegenden Ausführungsbeispiel noch eine dritte Sprühdose 3 vorgesehen, die einen Deckschichtlack enthält.

Die Sprühdosen (Aerosoldosen) 1,2,3 bestehen aus Weißblech und weisen eine Füllmenge von 150 ml bei einen Randvollvolumen von 220 ml auf. Sie sind zugelassen und werden betrieben nach TLG 300.

Das nicht näher dargestellte Ventil weist einen Ventilteller aus Weißblech mit einer die Dose verschließenden Epon-Dichtung auf. Eine definierte Steigrohrlänge mit kalkuliertem Quellverhalten ermöglicht die vollständige Nutzung des Inhaltes. Eine sogenannte Seitenkanalbohrung im Ventilgehäuse (VBH)-Bohrung, stellt eine konstante Treibmittelversorgung (Gas) auch bei starker Neigung der Sprühdose während dem Sprühen sicher. Sie verhindert ebenso ein Verstopfen des Steigrohres bei Lagerung. Auch ist es nicht nötig, nach der Benutzung der Dose diese über Kopf leerzusprühen (im Vergleich zu herkömmlichen Ventilen). Der mit VBH-Bohrung erhöhte Treibmittelanteil bei Austritt ist weiterhin verantwortlich für ein feines Sprühbild und der dadurch minimierten Sprührandbildung.

Unterhalb der Kunststoffkappe 4 weist jede der Sprühdosen 1,2,3 einen in 3 näher dargestellten Sprühkopf 5 auf. Dieser spezielle Sprühkopf 5 ist ein sogenannter Flächensprühkopf und ermöglicht ein Sprühen, das mit dem Arbeiten und dem Sprühbild einer Becherspritzpistole vergleichbar ist. Er bildet einen fächerähnlichen Sprühstrahl aus, der eine einfache und sehr gleichmäßige Lackapplikation gewährleistet. Hierzu weist der Sprühkopf 5 einen speziell, drehbar ausgestalteten Düseneinsatz 6 auf. Am Düsenaustrittsende 7 ist eine im Querschnitt kreisabschnittsförmige Erhöhung 8 angeordnet, die in der Vorderansicht im Querschnitt eine Linsenform aufweist. Durch diese Erhöhung fächert der Sprühstrahl auf. Durch Verdrehen des Düseneinsatzes 6 kann die Hauptachse des Sprühfächers verdreht werden, so dass je nach Vorliebe des Anwenders und des zu lackierenden Objekts die Sprührichtung des Sprühstrahls anders ausgerichtet werden kann. Im vorliegenden Fall ist der Sprühstrahl um bis zum 90 % verdrehbar.

Ansonsten ist der Sprühkopf 5 wie herkömmliche, bekannte Sprühköpfe bei Sprühdosen ausgeformt. Als Treibmittel (Gas) enthalten alle drei Sprühdosen 1,2,3 Diemthylether (DME) in einem Gas/Lackverhältnis von 45–55 Gew.-% (bevorzugt zwischen 40–60 und 50/50 Gew.-%).

Der in der ersten Sprühdose 1 enthaltene Grundierungslack umfasst im konkreten Ausführungsbeispiel folgenden Zusammensetzung (in Gewichtsporzent):

13 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;

28 % Butylacetat (85 % in Butanol),

19 % Methylisobutylketon,

6 % aromat. Kohlenwasserstoffe (z.B. Shellsol A) (Aromatenhaltiges Spezialbenzin)) als Lösemittelkombination;

31 % Pigmentpaste; und

3 % Plastifizierer und Stabilisatoren) als Additive.

Es handelt sich hierbei um einen einkomponentigen, physikalisch trocknenden Grundierungslack, der aufgrund seiner Lösemittelkombination eine sehr schnelle Trocknung ermöglicht. Die Schichtdicke beträgt bei einmaligem Auftrag ca. 20 &mgr;m. Durch mehrfaches Auftragen kann diese entsprechend erhöht werden. Für die meisten Anwendungen wird eine Schichtdicke zwischen 20–40 &mgr;m verwendet. Durch die Trocknungszeit des ersten Auftraglackes lässt sich für die nachfolgende Weiterbehandlung bereits die Narbentiefe steuern. Kurze Trocknungszeiten (z.B. 15 Min. bei Raumtemperatur) ergeben ein tiefes Narbenbild, längere Trocknungszeiten (z.B. 30 Min.–45 Min.) ein immer flacheres Narbenbild. Ebenfalls kann durch zwei- oder mehrfachen Beschichtungsvorgang des Grundierungslackes ein noch tieferes Narbenbild erzeugt werden. Der Festkörper des ersten Auftraglackes beträgt ca. 32 % (farbtonabhängig). Dies ist wichtig, um eine gewünschte Reaktion nach Aufbringen eines zweiten Auftraglackes in gewünschter Weise zu gewährleisten.

Der Grundierungslack weist eine gute Haftung auf unterschiedlichsten Oberflächen, wie beschichtetes Holz, Glas, Metallen, Kunststoffen wie ABS, PC, PC/ABS, PVC und PC auf. Er verfügt über eine schnelle Trocknung und ist alterungsstabil. Des Weiteren erfüllt er die DIN 53160 Teil 1 und 2 (speichel- und schweißecht) und die DIN EN 71 Teil 3 (frei von löslichen Schwermetallen).

Der in der zweiten Sprühdose 2 enthaltene Effektlack umfasst bei diesem Ausführungsbeispiel die genaue folgende Zusammensetzung (in Gewichtsprozent):

10 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;

41 % Butylacetat (85 % in Butanol),

16 % Methylisobutylketon,

7 % aromat. Kohlenwasserstoffe (z.B. Shellsol A (Aromatenhaltiges Spezialbenzin)) und

6 % Methylethylketon als Lösemittelkombination;

10 % Pigmentpaste;

8 % Kieselsäure (gefällte Variante); und

2 % Plastifizierer und Stabilisatoren) als Additive.

Es handelt sich herbei um einen einkomponentigen, physikalisch trocknenden Effektlack. Der Effektlack besitzt eine gezielte Lösemittelkombination, die in die Lackschicht des ersten Auftraglackes eindringt und bis zu einer steuerbaren Tiefe anlöst (je nach Trocknungsgrad des ersten Auftraglackes). Der gewählte Anteil an gefällter Kieselsäure in Kombination mit dem Lösungsmittel beeinflusst die Trocknung Grundierungslackes und des Effektlackes so, dass Bereiche des Grundierungslackes noch erweicht bleiben, während der Effektlack im Trocknungsprozess seine verbliebenen Lösemittel sehr schnell freigibt, was durch den hohen Anteil an zum Teil freiliegender Kieselsäure mit ihrer sehr hohen Partikeloberfläche ermöglicht wird.

Das Auftragen des Effektlackes erfolgt mit einer Schichtdicke von etwa 15 &mgr;m. Der Effektlack weist ferner einen Festkörper von 25 % auf, wodurch in Kombination mit dem ersten Auftraglack die Narbentiefe unterstützt wird. Aufgrund der gewählten Zusammensetzung des zweiten Auftraglackes ist die Parzellen-Größenbildung steuerbar. Je nach Auftraghäufigkeit lassen sich große Parzellen (grobes Bild) oder kleine Parzellen (feines Bild) erzeugen. Bei zwei- oder dreifachem Auftrag wird das Parzellenbild immer kleiner. Es entsteht somit eine immer feinere Lederoptik.

Die Erfindung ist selbstverständlich im gesamten Bereich des Anspruches 1 ausführbar und nicht auf die obige Ausführungsform beschränkt.

Sowohl beim Grundierungslack als auch beim Effektlack werden hochwertige Pigmente eingesetzt, die für eine sehr gute Lichtechtheit sorgen. Diese Pigmente sind frei von Schwermetallen. Des Weiteren sind durch deren Kombination alle Farben nach den gängigen Farbfächern einstellbar.

Der Effektlack erfüllt die DIN 53160 Teil 1 und 2 (speichel- und schweißecht) und die DIN EN 71 Teil 3 (frei von löslichen Schwermetallen).

Bei dem vorliegende Ausführungsbeispiel sind des Weiteren die organischen und/oder anorganischen Farbpigmente die gleichen (gleiche Farbe) wie die organischen und/oder anorganischen Pigmente des Grundierungslackes. Der Effektlack erzeugt beim Trocknungsvorgang eine Narbenstruktur, wodurch erhöhte Parzellen und zwischenliegende Narbenrisse entstehen, die eine Lederoberfläche in ihrer Struktur imitieren. Das Bilden dieser Struktur beruht auf der raschen Trocknung und der erhöhten Oberflächenspannung. Zusätzlich erzeugt die Kieselsäure beim Trocknungsvorgang eine schwammartige Struktur, wodurch der Effektlack nach dem Trocknen eine andere Mattierung aufweist, als der Grundierungslack. Darüber hinaus kann dies auch so eingestellt sein, dass durch die schwammartige Struktur die Färbeneigung des Effektlacks geringer und somit das Farbaufnahmeverhalten größer ist.

Der in der dritten Sprühdose 3 enthaltende Deckschichtlack umfasst als Bestandteile:

Acrylharz als Bindemittel.

Es besteht auch die Möglichkeit, mittels der ersten Sprühdose 1 eine Decklackschicht 14 aufzubringen. Dann sind Decklackschicht und Grundierungslack identische aufgebaut.

Der Deckschichtlack erfüllt die DIN 53160 Teil 1 und 2 (speichel- und schweißecht) und die DIN EN 17 Teil 3 (frei von löslichen Schwermetallen).

Das Erweichen des Grundierungslacks zusammen mit der schnellen Trocknung des zweiten Auftraglackes erzeugt eine starke Erhöhung der Oberflächenspannung. Diese führt durch die besondere Zusammensetzung der beiden Lacke zu einer gezielten Narbenbildung (Lederoptik). Im Vergleich hierzu unterliegen herkömmliche Reißlacksysteme einem vorwiegend unkontrollierten Reißverhalten. Die Gesamtlackschicht weist eine Dicke von 50 bis 60 &mgr;m auf.

Im Folgenden wird nunmehr anhand der 2 die Verwendung des Lack-Sprühdosensets näher erläutert.

Auf ein Trägersubstrat 9, z.B. einem Mobiltelefongehäuse aus Kunststoff, wird mittels der ersten Sprühdose 1 eine Grundierungslackschicht 10 aufgetragen. Bevorzugt wird das Trägersubstrat 9 in einem Abstand von 30 cm mit dem Grundierungslack besprüht. Der Grundierungslack weist sehr kurze Zwischentrocknungszeiten auf, so dass mehrere Schichten in relativ kurzen Abständen appliziert werden können. Dies ist wichtig bei senkrechten Flächen und für ein schnelles Endergebnis.

Nach zumindest teilweiser Trocknung der Grundierungslackschicht 10 wird mittels der zweiten Sprühdose 2 eine Effektlackschicht 11 aufgetragen. Diese bildet bei Ablüften/Trocknen eine gerichtete parzellenförmige Struktur aus, die eine Lederoberfläche in der Optik sehr nahe kommt. Das Bilden der Struktur beruht auf der raschen Trocknung der Effektlackschicht und einer erhöhten Oberflächenspannung. Neben den erhöhten Parzellen 12 entstehen Risse 13 einer Rissnarbung, an denen die Effektlackschicht 11 unterbrochen wird und die Grundierungslackschicht 10 zu sehen ist. Die erzeugte Narbung selbst wird von der Grundierung dominiert, d.h. von der Lackmenge und Schichtstärke, die zur Erzeugung der Grundierungslackschicht 10 aufgesprüht wurde. Die Grundierungslackschicht 10 und die Effektlackschicht 11 weisen nämlich ein unterschiedliches Dehnungsverhalten auf.

Die Zusammensetzung der beiden Lacke sind so aufeinander abgestimmt, dass sich eine gleichmäßige und zielgerichtete Rissstruktur ausbildet. Dies ermöglicht insbesondere im Heimwerker- und Hobbybereich auch einem Ungeübten relativ schnell positive und optisch ansprechende Ergebnisse zu erzielen.

Nach Trocknung der Effektlackschicht 11 wird mittels der dritten Sprühdose 3 eine Decklackschicht 14 aufgetragen. Die Decklackschicht 14 kann ein reiner Klarlack sein, der zum Oberflächenschutz dient. Aufgrund der Struktur der Effektlackschicht 11 ist das Eindringverhalten hinsichtlich der Grundierungslackschicht 10 größer. Die Effektlackschicht 11 weist im Bereich der Risse 13 nämlich einen geringeren Auftrag des Decklacks auf. Dies kann bei eingefärbtem Decklack ausgenutzt werden. Insbesondere ist im Bereich der Decklackschicht 10 eine erhöhte Glanzgebung gesichert. Die Parzellen 12 der Effektlackschicht 11 saugen sich stärker mit dem Decklack voll, wodurch eine Mattierung verbleibt. Dadurch ist ein Mattierungsunterschied oder bei Einfärbung ein Farbunterschied zwischen Parzellen 12 und Rissen 13 gewährleistet. Auch der Glanz weist im Vergleich Unterschiede auf.

Durch die sorgfältige Abstimmung der Inhaltsstoffe, insbesondere der Sprühdosen 1 und 2, kann eine Oberflächenveredelung auch auf schwierigen Geometrien durchgeführt werden. Aufgrund der gezielten Kombination der hier eingesetzten Lacke besteht selbst im Handwerker- und Hobbybereich sehr schnell die Möglichkeit, eine gleichmäßige und großen Teilen vorher bestimmbare Narbenoptik zu erzielen. Die Anforderung an das Könnend es Anwenders hat sich daher aufgrund der gezielten Zusammensetzung erheblich reduziert.


Anspruch[de]
  1. Lack-Sprühdosenset zum Herstellen einer Lederimitatoberfläche, mit einer ersten Sprühdose, die einen Grundierungslack enthält, und einer zweiten Sprühdose, die einen, eine Narbenstruktur ausbildenden Effektlack enthält, wobei der Grundierungslack folgende Zusammensetzung (in Gewichtsprozent) umfasst:

    10–18 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;

    25,2–30,8 % Butylacetat,

    17,1–20,9 % Methylisobutylketon und

    5,4–6,6 % aromat. Kohlenwasserstoffe als Lösungsmittelkombination;

    27,9–34,1 % Pigmentpaste; und

    2,7–3,3 % Plastifizierer und Stabilisatoren) als Additive,

    und der Effektlack folgende Zusammensetzung (in Gewichtsprozent) umfasst:

    8–12 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;

    36,9–45,1 % Butylacetat,

    14,4–17,6 % Methylisobutylketon,

    6,3–7,7 % aromat. Kohlenwasserstoffe und

    5,4–6,6 % Methylethylketon als Lösungsmittelkombination;

    9–11 % Pigmentpaste;

    7,2–8,8 % Kieselsäure (gefällte Variante); und

    1,8–2,2 % Plastifizierer und Stabilisator(en) als Additive.
  2. Lack-Sprühdosenset nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Grundierungslack 12–14 Gew.-% Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel umfasst.
  3. Lack-Sprühdosenset nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundierungslack 13 Gew.-% Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel umfasst.
  4. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, der Grundierungslack

    27–29 Gew.-% Butylacetat,

    18–20 Gew. % Methylisobutylketon und

    5,8–6,2 Gew.-% aromat. Kohlenwasserstoffe als Lösungsmittelkombination umfasst.
  5. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundierungslack

    28 Gew.-% Butylacetat,

    19 Gew.-% Methylisobutylketon und

    6 Gew.-% aromat. Kohlenwasserstoffe als Lösungsmittelkombination umfasst.
  6. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundierungslack 30–32 Gew.-% Pigmentpaste umfasst.
  7. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundierungslack 31 Gew.-% Pigmentpaste umfasst.
  8. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundierungslack 2,8–3,2 Gew.-% Additive umfasst.
  9. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundierungslack 3 Gew.-% Additive umfasst.
  10. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack 9–11 Gew.-% Acrylharz (BMA/MMA) umfasst.
  11. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack 10 Gew.-% Acrylharz (BMA/MMA) umfasst.
  12. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack

    40–42 Gew.-% Butylacetat,

    15–17 Gew.-% Methylisobutylketon,

    6,8–7,2 Gew.-% aromat. Kohlenwasserstoffe und

    5,8–6,2 Gew.-% Methylethylketon als Lösungsmittelkombination umfasst.
  13. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack

    41 Gew.-% Butylacetat(85 Gew.-% in Butanol),

    16 Gew.-% Methylisobutylketon,

    7 Gew.-% aromat. Kohlenwasserstoffe und

    6 Gew.-% Methylethylketon als Lösungsmittelkombination umfasst.
  14. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack 9–11 Gew.-% Pigmentpaste umfasst.
  15. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack 10 Gew.-% Pigmentpaste umfasst.
  16. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack 7,6–8,4 Gew.-% Kieselsäure (gefällte Variante) umfasst.
  17. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack 8 Gew.-% Kieselsäure (gefällte Variante) umfasst.
  18. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack 1,8–2,2 Gew.-% Additive umfasst.
  19. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Effektlack 2 Gew.-% Additive umfasst.
  20. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundierungslack und der Effektlack die gleichen Farbpigmente von identischer Farbe aufweisen.
  21. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Treibmittel (Gas) Dimethlyether ist.
  22. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Treibmittel/Lackverhältnis 40/60–50/50 Gew.-%, bevorzugt 44/56–46/54 Gew.-%, beträgt.
  23. Lack-Sprühdosenset nach einem der vorangegangenen Ansprüche, zusätzlich bestehend aus einer dritten Sprühdose, die einen Deckschichtlack enthält.
  24. Lack-Sprühdosenset nach Anspruch 23, dadurch gekennzeichnet, dass der Deckschichtlack folgende Bestandteile umfasst:

    Acrylharz als Bindemittel.
  25. Lack-Sprühdosenset nach einem der Ansprüche 23 oder 24, dadurch gekennzeichnet, dass der Deckschichtlack ein Lederfarblack ist, wobei der Grundierungslack und der Effektlack im trockenen Zustand eine unterschiedliche Färbeneigung (unterschiedliches Farbaufnahmeverhalten) hinsichtlich des Lederfarblacks aufweisen.
  26. Lack-Sprühdosenset nach Anspruch 25, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundierungslack im trockenen Zustand eine größere Färbeneigung (geringeres Farbaufnahmeverhalten) hinsichtlich des Lederfarblackes aufweist als der Effektlack.
Es folgen 2 Blatt Zeichnungen






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