Die vorliegende Erfindung betrifft ein Lack-Sprühdosenset zum Herstellen
einer Lederimitatoberfläche.
Aus der DE 102 22 116 A1
ist ein Verfahren zum Herstellen einer Lederimitatoberfläche bekannt. Dort wird
mit Hilfe einer eine Rissbildung bewirkenden Zwischenschicht auf eine Grundierungsschicht
eine Narbenstruktur zur Imitierung einer Lederoberfläche erzeugt. Um unterschiedliche
Farbnuancen und somit eine natürliche Lederoptik zu erzielen, wird hauptsächlich
eine feine Farbabstimmung zwischen Grundierungsfarbton und Zwischenschichtfarbton
verwendet. Dieser feine Farbunterschied scheint je nach Auftragmenge der Deckschicht
durch und verbessert die Lederoptik.
Des Weiteren ist aus der DE
296 13 266 U1 ebenfalls ein Beschichtungssystem auf Reißlackbasis zur Lederimitation
bekannt. Das Bindemittelharz der Grundbeschichtung ist eine Alcydharz-Acrylharz-Mischung,
während die Deckbeschichtung auf einem wässrigen Medium emulgiertem bzw. dispergiertem
Acrylatharz oder Polyurethanharz oder eine Mischung von beiden Harz-Bindemitteln
basiert. Darüber hinaus kann auch eine Abschlussbeschichtung erfolgen.
Des Weiteren geht aus einer Beschreibung des Erfinders (siehe
DE 20 2004 018468) ein Lack-Sprühdosenset
hervor, das zur Herstellung einer Lederimitatoberfläche verwendet wird.
Die bekannten Verfahren haben sich sehr gut bewährt und bieten eine
ganze Palette von unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten. Zum Teil erfordern
diese Verfahren jedoch noch einiges an Know How, weshalb die Verwendung dieses Verfahrens
hauptsächlich industriellen Anwendungszwecken vorbehalten war. Die DE
20 2004 018468 bietet bereits Ansatzpunkte in diese Richtung.
Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein System zum
Herstellen einer Lederimitatoberfläche bereitzustellen, das auch im Handwerker-
und Hobbybereich Verwendung finden kann.
Hierzu wird erfindungsgemäß ein Lack-Sprühdosenset zum Herstellen
einer Lederimitatoberfläche bereitgestellt, das aus einer ersten Sprühdose, die
einen Grundierungslack enthält, und einer zweiten Sprühdose, die einen, eine Narbenstruktur
ausbildenden Effektlack enthält, besteht. Der Grundierungslack umfasst folgende
Zusammensetzung (in Gewichtsprozent):
10–18 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;
25,2–30,8 % Butylacetat,
17,1–20,9 % Methylisobutylketon und
5,4–6,6 % aromat. Kohlenwasserstoffe als Lösungsmittelkombination;
27,9–34,1 % Pigmentpaste; und
2,7–3,3 % Plastifizierer und Stabilisator(en) als Additive.
Der Effektlack umfasst folgende Zusammensetzung (in Gewichtsprozent):
8–12 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;
36,9–45,1 % Butylacetat,
14,4–17,6 % Methylisobutylketon,
6,3–7,7 % aromat. Kohlenwasserstoffe und
5,4–6,6 % Methylethylketon als Lösungsmittelkombination;
9–11 % Pigmentpaste;
7,2–8,8 % Kieselsäure (gefällte Variante); und
1,8–2,2 % Plastifizierer und Stabilisatoren) als Additive.
Durch die hier gewählte Zusammensetzung des Grundierungslacks und
des Effektlacks kommt dieses System für viele Zwecke im Heimwerker- und Hobbybereich
ohne eine dritte Deckschicht aus. Der Grundierungslack ist demnach ein einkomponentiger,
physikalisch trocknender Lack, der aufgrund seiner Lösungsmittelauswahl eine sehr
schnelle Trocknung zulässt. Der Festkörper nach dem Aushärten beträgt ca. 30–34
% (farbtonabhängig). Der Effektlack ist ebenfalls ein einkomponentiges, physikalisch
trocknendes System. Der Festkörper beträgt nach dem Aushärten ca. 23–27 %
(farbtonabhängig). Durch die gewählte Zusammensetzung ist eine parzellenmäßige Größenbildung
steuerbar.
Die Lösemittelkombination des Effektlacks ist so gewählt, dass sie
in die bereits zumindest teilweise angetrocknete Grundierungsschicht eindringt und
bis zu einer steuerbaren Tiefe anlöst (je nach Trocknungsgrad der Grundierungsschicht).
Der gewählte Anteil an gefällter Kieselsäure in Kombination mit dem gewählten Lösungsmittel
beeinflusst die Trocknung des Grundierungslackes und des Effektlackes so, dass Bereiche
des Grundierungslackes noch erweicht bleiben, während der Effektlack im Trocknungsprozess
seine verbliebenen Lösemittel sehr schnell freigibt, ermöglicht durch den hohen
Anteil freiliegender Kieselsäure mit ihrer sehr hohen Partikeloberfläche. Das Erweichen
von dem Grundierungslack zusammen mit der schnellen Trocknung des Effektlackes erzeugt
eine starke Erhöhung der Oberflächenspannung. Diese führt durch die besondere Zusammensetzung
des Grundierungslackes und Effektlackes zu einer gezielten Narbenbildung (Lederoptik).
Im Vergleich dazu unterliegen herkömmliche Reißlacksysteme einem vorwiegend unkontrollierten
Reißverhalten. Insbesondere der gewählte Anteil an Kieselsäure dient beim vorliegenden
Verfahren gezielt einer gewünscht schnellen Trocknung des Effektlacks, während an
der Grenzschicht zwischen Grundierungslack und Effektlack durch ein an
den Grundierungslack abgegebenen Lösemittelüberschuss (möglich durch die gezielte
Lösungsmittelauswahl) die Rissbildung gesteuert wird. Im Gegensatz hierzu wird Kieselsäure
in der DE 20 2004 018468 gezielt zu
Mattierungszwecken (Steuerung des Farbaufnahmevermögens) eingesetzt. Das Butylacetat
kann in Butanol gelöst sein, welches dann in den Prozentangabenmitenthalten ist.
In den Unteransprüchen 2 bis 26 sind vorteilhafte Varianten des Lack-Sprühdosensets
wiedergegeben. Insbesondere die Ansprüche 2 bis 19 befassen sich mit immer genaueren
Zusammensetzungen, durch welche das Ergebnis der Narben bzw. Struktur jeweils verbessert
wird.
Um ein möglichst feines Sprühbild zu erzeugen, kann als Treibmittel
(Gas) Dimethylether eingesetzt werden. Dimethylether (DME) ist in den hier verwendeten
Lacken löslich und deshalb mitverantwortlich für das feine Sprühbild.
Bevorzugt kann das Treibmittell/Lack-Verhältnis 40/60–50/50
Gew.-%, bevorzugt 44/56-46/54 Gew.-%, betragen. Bei der Wahl dieses Verhältnisses
sind optimale Austrittsmengen für den gedachten Einsatz erreicht. Ebenso sorgt die
Menge an Treibmittel zusammen mit den jeweiligen Lacken für die maximale Ausnutzung
der Füllmenge.
Des Weiteren kann das Lack-Sprühdosenset zusätzlich noch aus einer
dritten Sprühdose bestehen, die einen Deckschichtlack enthält. Als Schutzlackierung
kann z.B. ein Klarlack verwendet werden.
Bei einer Variante kann der Deckschichtlack folgende Bestandteile
umfassen:
Acrylharz als Bindemittel.
Als Deckschichtlack kann auch ein Lack mit der gleichen Zusammensetzung
wie der Grundierungslack verwendet werden.
Bevorzugt kann der Deckschichtlack ein Lederfarblack sein, wobei der
Grundierungslack und Effektlack im trockenen Zustand eine unterschiedliche Färbeneigung
(unterschiedliches Farbaufnahmeverhalten) hinsichtlich des Lederfarblacks aufweisen.
Durch die unterschiedliche Färbeneigung von Grundierungslack und Effektlack erscheint
der nachträglich aufgebrachte Lederfarblack entweder auf der ein oder anderen Lackschicht
heller oder dunkler, wodurch sich die Lederoptik verbessert. Trotz der im wesentlichen
gleichen aufgebrachten Farbmenge pro Flächeneinheit hat der Lederfarblack auf dem
Grundierungslack oder dem Effektlack durch die unterschiedliche Färbeneigung eine
etwas andere Farbnuancierung.
Wenn gemäß einer Variante der Grundierungslack im trockenen Zustand
eine größere Färbeneigung hinsichtlich des Lederfarblacks aufweist als der Effektlack,
lässt sich eine verbesserte optische Wirkung hinsichtlich der Tiefenstruktur erzielen.
Die Risse der Narbenstruktur erscheinen dann dunkler als die erhöhten Parzellen
der Effektlackschicht.
Aufgrund der Tatsache, dass der Effektlack gefällte Kieselsäure enthält,
wird beim Trocknen des Lackes eine schwammartige Struktur ausgebildet, wodurch die
Saugneigung bzw. das Aufnahmevermögen für einen noch abschließend aufgesprühten
Lederfarblack vergrößert wird. Der diese Kieselsäure enthaltende Lack führt somit
zu einer Lackschicht, die in größerem Maße den Lederfarblack aufnimmt. Rein optisch
wirkt sich dieser Umstand so aus, dass diese Bereiche mit der gleichen Lederfarblackmenge
pro Flächeneinheit weniger stark eingefärbt werden als Bereiche mit besserem Farbaufnahmeverhalten.
Neben der unterschiedlichen Färbeneigung führt die schwammartige Struktur auch dazu,
dass der Glanz dieser Schicht, trotz der Verwendung des gleichen Lederfarblacks,
unterschiedlich zum Glanz der jeweils anderen Schicht mit größerer Färbeneigung
ist. Es ist das Zusammenspiel dieser Wirkungen, die zu einem sehr guten Gesamteindruck
und deshalb zu einer echt aussehenden Lederimitatoberfläche führen. Allerdings handelt
es sich hierbei nur um einen zusätzlichen Effekt, da die Kieselsäure im Hinblick
auf die Lösemittelkombinationen des Grundierungs- und Effektlacks so abgestimmt
ist, dass sich die gezielte Narbenstruktur ergibt und deshalb auf eine Decklackschicht
in vielen Fällen verzichtet werden kann.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform können der Grundierungslack und
der Effektlack die gleichen Farbpigmente von identischer Farbe aufweisen. Obwohl
es prinzipiell möglich ist, durch unterschiedliche Farbauswahl bei dem Grundierungslack
und dem Effektlack erheblichen Einfluss auf das spätere Aussehen der Lederimitatoberfläche
zu nehmen, ist es durch diese Ausgestaltung vorgesehen, die Anzahl der Einflussfaktoren
zu reduzieren, so dass bei der Anwendung auch weniger Fehler auftreten können. Soweit
der Verwender noch einen zusätzlichen Deckschichtlack aufträgt, so braucht dieser
nicht mehr eingefärbt zu sein. Die unterschiedliche Struktur von Grundschicht und
Effektschicht (aufgrund der mattierenden Wirkung der Kieselsäure in der Effektschicht)
sorgt alleine schon für Effekte, die durch den Deckschichtlack nur noch verstärkt
werden können.
Im Folgenden werden Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung
anhand einer Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
1 eine Vorderansicht eines Lack-Sprühdosensets
zur Lederimitatherstellung,
2 einen schematischen Schichtaufbau eines
Trägersubstrats mit einer Lederimitatoberflächenbeschichtung und
3 einen Sprühkopf, der in 1
dargestellten Sprühdosen in vergrößerter Darstellung und teilweise geschnitten.
Das in 1 dargestellte Lack-Sprühdosenset
zum Herstellen einer Lederimitatoberfläche besteht aus einer ersten Sprühdose
1, die einen Grundierungslack enthält, und einer zweiten Sprühdose
2, die einen, eine Narbenstruktur ausbildenden Effektlack enthält.
Zusätzlich ist hier beim vorliegenden Ausführungsbeispiel noch eine
dritte Sprühdose 3 vorgesehen, die einen Deckschichtlack enthält.
Die Sprühdosen (Aerosoldosen) 1,2,3 bestehen
aus Weißblech und weisen eine Füllmenge von 150 ml bei einen Randvollvolumen von
220 ml auf. Sie sind zugelassen und werden betrieben nach TLG 300.
Das nicht näher dargestellte Ventil weist einen Ventilteller aus Weißblech
mit einer die Dose verschließenden Epon-Dichtung auf. Eine definierte Steigrohrlänge
mit kalkuliertem Quellverhalten ermöglicht die vollständige Nutzung des Inhaltes.
Eine sogenannte Seitenkanalbohrung im Ventilgehäuse (VBH)-Bohrung, stellt eine konstante
Treibmittelversorgung (Gas) auch bei starker Neigung der Sprühdose während dem Sprühen
sicher. Sie verhindert ebenso ein Verstopfen des Steigrohres bei Lagerung. Auch
ist es nicht nötig, nach der Benutzung der Dose diese über Kopf leerzusprühen (im
Vergleich zu herkömmlichen Ventilen). Der mit VBH-Bohrung erhöhte Treibmittelanteil
bei Austritt ist weiterhin verantwortlich für ein feines Sprühbild und der dadurch
minimierten Sprührandbildung.
Unterhalb der Kunststoffkappe 4 weist jede der Sprühdosen
1,2,3 einen in 3 näher dargestellten
Sprühkopf 5 auf. Dieser spezielle Sprühkopf 5 ist ein sogenannter
Flächensprühkopf und ermöglicht ein Sprühen, das mit dem Arbeiten und dem Sprühbild
einer Becherspritzpistole vergleichbar ist. Er bildet einen fächerähnlichen Sprühstrahl
aus, der eine einfache und sehr gleichmäßige Lackapplikation gewährleistet. Hierzu
weist der Sprühkopf 5 einen speziell, drehbar ausgestalteten Düseneinsatz
6 auf. Am Düsenaustrittsende 7 ist eine im Querschnitt kreisabschnittsförmige
Erhöhung 8 angeordnet, die in der Vorderansicht im Querschnitt eine Linsenform
aufweist. Durch diese Erhöhung fächert der Sprühstrahl auf. Durch Verdrehen des
Düseneinsatzes 6 kann die Hauptachse des Sprühfächers verdreht werden,
so dass je nach Vorliebe des Anwenders und des zu lackierenden Objekts die Sprührichtung
des Sprühstrahls anders ausgerichtet werden kann. Im vorliegenden Fall ist der Sprühstrahl
um bis zum 90 % verdrehbar.
Ansonsten ist der Sprühkopf 5 wie herkömmliche, bekannte
Sprühköpfe bei Sprühdosen ausgeformt. Als Treibmittel (Gas) enthalten alle drei
Sprühdosen 1,2,3 Diemthylether (DME) in einem Gas/Lackverhältnis
von 45–55 Gew.-% (bevorzugt zwischen 40–60 und 50/50 Gew.-%).
Der in der ersten Sprühdose 1 enthaltene Grundierungslack
umfasst im konkreten Ausführungsbeispiel folgenden Zusammensetzung (in Gewichtsporzent):
13 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;
28 % Butylacetat (85 % in Butanol),
19 % Methylisobutylketon,
6 % aromat. Kohlenwasserstoffe (z.B. Shellsol A) (Aromatenhaltiges Spezialbenzin))
als Lösemittelkombination;
31 % Pigmentpaste; und
3 % Plastifizierer und Stabilisatoren) als Additive.
Es handelt sich hierbei um einen einkomponentigen, physikalisch trocknenden
Grundierungslack, der aufgrund seiner Lösemittelkombination eine sehr schnelle Trocknung
ermöglicht. Die Schichtdicke beträgt bei einmaligem Auftrag ca. 20 &mgr;m. Durch
mehrfaches Auftragen kann diese entsprechend erhöht werden. Für die meisten Anwendungen
wird eine Schichtdicke zwischen 20–40 &mgr;m verwendet. Durch die Trocknungszeit
des ersten Auftraglackes lässt sich für die nachfolgende Weiterbehandlung bereits
die Narbentiefe steuern. Kurze Trocknungszeiten (z.B. 15 Min. bei Raumtemperatur)
ergeben ein tiefes Narbenbild, längere Trocknungszeiten (z.B. 30 Min.–45 Min.)
ein immer flacheres Narbenbild. Ebenfalls kann durch zwei- oder mehrfachen Beschichtungsvorgang
des Grundierungslackes ein noch tieferes Narbenbild erzeugt werden. Der Festkörper
des ersten Auftraglackes beträgt ca. 32 % (farbtonabhängig). Dies ist wichtig, um
eine gewünschte Reaktion nach Aufbringen eines zweiten Auftraglackes in gewünschter
Weise zu gewährleisten.
Der Grundierungslack weist eine gute Haftung auf unterschiedlichsten
Oberflächen, wie beschichtetes Holz, Glas, Metallen, Kunststoffen wie ABS, PC, PC/ABS,
PVC und PC auf. Er verfügt über eine schnelle Trocknung und ist alterungsstabil.
Des Weiteren erfüllt er die DIN 53160 Teil 1 und 2 (speichel- und schweißecht) und
die DIN EN 71 Teil 3 (frei von löslichen Schwermetallen).
Der in der zweiten Sprühdose 2 enthaltene Effektlack umfasst
bei diesem Ausführungsbeispiel die genaue folgende Zusammensetzung (in Gewichtsprozent):
10 % Acrylharz (BMA/MMA) als Bindemittel;
41 % Butylacetat (85 % in Butanol),
16 % Methylisobutylketon,
7 % aromat. Kohlenwasserstoffe (z.B. Shellsol A (Aromatenhaltiges Spezialbenzin))
und
6 % Methylethylketon als Lösemittelkombination;
10 % Pigmentpaste;
8 % Kieselsäure (gefällte Variante); und
2 % Plastifizierer und Stabilisatoren) als Additive.
Es handelt sich herbei um einen einkomponentigen, physikalisch trocknenden
Effektlack. Der Effektlack besitzt eine gezielte Lösemittelkombination, die in die
Lackschicht des ersten Auftraglackes eindringt und bis zu einer steuerbaren Tiefe
anlöst (je nach Trocknungsgrad des ersten Auftraglackes). Der gewählte Anteil an
gefällter Kieselsäure in Kombination mit dem Lösungsmittel beeinflusst die Trocknung
Grundierungslackes und des Effektlackes so, dass Bereiche des Grundierungslackes
noch erweicht bleiben, während der Effektlack im Trocknungsprozess seine verbliebenen
Lösemittel sehr schnell freigibt, was durch den hohen Anteil an zum Teil freiliegender
Kieselsäure mit ihrer sehr hohen Partikeloberfläche ermöglicht wird.
Das Auftragen des Effektlackes erfolgt mit einer Schichtdicke von
etwa 15 &mgr;m. Der Effektlack weist ferner einen Festkörper von 25 % auf, wodurch
in Kombination mit dem ersten Auftraglack die Narbentiefe unterstützt wird. Aufgrund
der gewählten Zusammensetzung des zweiten Auftraglackes ist die Parzellen-Größenbildung
steuerbar. Je nach Auftraghäufigkeit lassen sich große Parzellen (grobes Bild) oder
kleine Parzellen (feines Bild) erzeugen. Bei zwei- oder dreifachem Auftrag wird
das Parzellenbild immer kleiner. Es entsteht somit eine immer feinere Lederoptik.
Die Erfindung ist selbstverständlich im gesamten Bereich des Anspruches
1 ausführbar und nicht auf die obige Ausführungsform beschränkt.
Sowohl beim Grundierungslack als auch beim Effektlack werden hochwertige
Pigmente eingesetzt, die für eine sehr gute Lichtechtheit sorgen. Diese Pigmente
sind frei von Schwermetallen. Des Weiteren sind durch deren Kombination alle Farben
nach den gängigen Farbfächern einstellbar.
Der Effektlack erfüllt die DIN 53160 Teil 1 und 2 (speichel- und schweißecht)
und die DIN EN 71 Teil 3 (frei von löslichen Schwermetallen).
Bei dem vorliegende Ausführungsbeispiel sind des Weiteren die organischen
und/oder anorganischen Farbpigmente die gleichen (gleiche Farbe) wie die organischen
und/oder anorganischen Pigmente des Grundierungslackes. Der Effektlack erzeugt beim
Trocknungsvorgang eine Narbenstruktur, wodurch erhöhte Parzellen und zwischenliegende
Narbenrisse entstehen, die eine Lederoberfläche in ihrer Struktur imitieren. Das
Bilden dieser Struktur beruht auf der raschen Trocknung und der erhöhten Oberflächenspannung.
Zusätzlich erzeugt die Kieselsäure beim Trocknungsvorgang eine schwammartige Struktur,
wodurch der Effektlack nach dem Trocknen eine andere Mattierung aufweist, als der
Grundierungslack. Darüber hinaus kann dies auch so eingestellt sein, dass durch
die schwammartige Struktur die Färbeneigung des Effektlacks geringer und somit das
Farbaufnahmeverhalten größer ist.
Der in der dritten Sprühdose 3 enthaltende Deckschichtlack
umfasst als Bestandteile:
Acrylharz als Bindemittel.
Es besteht auch die Möglichkeit, mittels der ersten Sprühdose
1 eine Decklackschicht 14 aufzubringen. Dann sind Decklackschicht
und Grundierungslack identische aufgebaut.
Der Deckschichtlack erfüllt die DIN 53160 Teil 1 und 2 (speichel-
und schweißecht) und die DIN EN 17 Teil 3 (frei von löslichen Schwermetallen).
Das Erweichen des Grundierungslacks zusammen mit der schnellen Trocknung
des zweiten Auftraglackes erzeugt eine starke Erhöhung der Oberflächenspannung.
Diese führt durch die besondere Zusammensetzung der beiden Lacke zu einer gezielten
Narbenbildung (Lederoptik). Im Vergleich hierzu unterliegen herkömmliche Reißlacksysteme
einem vorwiegend unkontrollierten Reißverhalten. Die Gesamtlackschicht weist eine
Dicke von 50 bis 60 &mgr;m auf.
Im Folgenden wird nunmehr anhand der 2
die Verwendung des Lack-Sprühdosensets näher erläutert.
Auf ein Trägersubstrat 9, z.B. einem Mobiltelefongehäuse
aus Kunststoff, wird mittels der ersten Sprühdose 1 eine Grundierungslackschicht
10 aufgetragen. Bevorzugt wird das Trägersubstrat 9 in einem Abstand
von 30 cm mit dem Grundierungslack besprüht. Der Grundierungslack weist sehr kurze
Zwischentrocknungszeiten auf, so dass mehrere Schichten in relativ kurzen Abständen
appliziert werden können. Dies ist wichtig bei senkrechten Flächen und für ein schnelles
Endergebnis.
Nach zumindest teilweiser Trocknung der Grundierungslackschicht
10 wird mittels der zweiten Sprühdose 2 eine Effektlackschicht
11 aufgetragen. Diese bildet bei Ablüften/Trocknen eine gerichtete parzellenförmige
Struktur aus, die eine Lederoberfläche in der Optik sehr nahe kommt. Das Bilden
der Struktur beruht auf der raschen Trocknung der Effektlackschicht und einer erhöhten
Oberflächenspannung. Neben den erhöhten Parzellen 12 entstehen Risse
13 einer Rissnarbung, an denen die Effektlackschicht
11 unterbrochen wird und die Grundierungslackschicht 10 zu sehen
ist. Die erzeugte Narbung selbst wird von der Grundierung dominiert, d.h. von der
Lackmenge und Schichtstärke, die zur Erzeugung der Grundierungslackschicht
10 aufgesprüht wurde. Die Grundierungslackschicht 10 und die Effektlackschicht
11 weisen nämlich ein unterschiedliches Dehnungsverhalten auf.
Die Zusammensetzung der beiden Lacke sind so aufeinander abgestimmt,
dass sich eine gleichmäßige und zielgerichtete Rissstruktur ausbildet. Dies ermöglicht
insbesondere im Heimwerker- und Hobbybereich auch einem Ungeübten relativ schnell
positive und optisch ansprechende Ergebnisse zu erzielen.
Nach Trocknung der Effektlackschicht 11 wird mittels der
dritten Sprühdose 3 eine Decklackschicht 14 aufgetragen. Die Decklackschicht
14 kann ein reiner Klarlack sein, der zum Oberflächenschutz dient. Aufgrund
der Struktur der Effektlackschicht 11 ist das Eindringverhalten hinsichtlich
der Grundierungslackschicht 10 größer. Die Effektlackschicht
11 weist im Bereich der Risse 13 nämlich einen geringeren Auftrag
des Decklacks auf. Dies kann bei eingefärbtem Decklack ausgenutzt werden. Insbesondere
ist im Bereich der Decklackschicht 10 eine erhöhte Glanzgebung gesichert.
Die Parzellen 12 der Effektlackschicht 11 saugen sich stärker
mit dem Decklack voll, wodurch eine Mattierung verbleibt. Dadurch ist ein Mattierungsunterschied
oder bei Einfärbung ein Farbunterschied zwischen Parzellen 12 und Rissen
13 gewährleistet. Auch der Glanz weist im Vergleich Unterschiede auf.
Durch die sorgfältige Abstimmung der Inhaltsstoffe, insbesondere der
Sprühdosen 1 und 2, kann eine Oberflächenveredelung auch auf schwierigen
Geometrien durchgeführt werden. Aufgrund der gezielten Kombination der hier eingesetzten
Lacke besteht selbst im Handwerker- und Hobbybereich sehr schnell die Möglichkeit,
eine gleichmäßige und großen Teilen vorher bestimmbare Narbenoptik zu erzielen.
Die Anforderung an das Könnend es Anwenders hat sich daher aufgrund der gezielten
Zusammensetzung erheblich reduziert.