Die vorliegende Erfindung betrifft Steroid-Verbindungen mit einem
zusätzlichen Ring E, der mit dem Ring D des Steroidskeletts verbunden ist, die östrogene
Aktivität aufweisen.
Es besteht weiterhin ein Interesse an neuen Verbindungen mit einer
Affinität für den Östrogen-Rezeptor. Dies rührt von der Entdeckung von zwei distinkten
Untertypen von Rezeptoren, die als ER&agr; und ER&bgr; bezeichnet werden (siehe
sowohl Mosselman et al., FEBS Letters 392 (1996) 49–53 als auch EP-A-O 798
378). Verbindungen, die für solche Untertypen von Rezeptoren selektiv sind, ermöglichen
es, ein selektivere Östrogen-Rezeptor bezogene Behandlung anzugeben. Vorteile können
beispielsweise durch die unterschiedliche Verteilung von Rezeptor-Untertypen in
menschlichem Gewebe erhalten werden. Dies ermöglicht Behandlungen mit einer geringeren
Last an Östrogen-bezogenen Nebenwirkungen. Beispiele von Östrogen-bezogenen medizinischen
Behandlungen, die aus selektiven Verbindungen Vorteile ziehen können, sind diejenigen
für die Empfängnisverhütung, für die Therapie von menopausalen Beschwerden, Osteoporose,
und Östrogen abhängiger Tumorkontrolle.
In der EP 0 869 132 sind östrogene
Steroid-Verbindungen beschrieben, die die Formel (I) besitzen:
– R7 H, C1-4-Alkyl, C2-5-Alkenyl oder
C2-5-Alkynyl ist, wobei die Alkyl-, Alkenyl- oder Alkynylgruppe mit 1
bis 3 Halogenatomen substituiert werden kann, die unabhängig aus der Gruppe aus
Fluor- oder Chlor-Atomen gewählt werden können;
– R11 H, C1-4-Alkyl, C2-4-Alkenyl, C2-4-Alkynyl
oder C1-4-Alkyliden ist, wobei die Alkyl-, Alkenyl-, Alkynyl- oder Alkyliden-Gruppe
mit 1 bis 3 Halogenatomen substituiert werden kann, die unabhängig aus der Gruppe
aus Fluor- oder Chlor-Atomen gewählt werden können;
– E zusammen mit Kohlenstoffatomen 16 und 17 des Steroidskeletts einen
vier- bis sieben-gliedrigen Ring darstellt, wobei der besagte Ring &agr; in cis-Konfiguration
in Bezug auf das Steroidskelett ist, optional umfassend eine oder zwei endozyklische
Bindungen und mit RE substituiert, was verschiedene Bedeutungen haben
kann.
Es ist weiterhin in EP 0 869 132
beschrieben, dass jegliche Alkyl-, Alkenyl-, Alkynyl- und Alkyliden-Gruppe in der
Steroid-Verbindung mit der Formel (I) verzweigt oder unverzweigt sein kann. Falls
R6 oder R11 mit dem Steroidskelett über eine Einzelbindung
verbunden ist, umfasst das substituierte Kohlenstoffatom des Steroidskeletts entweder
ein Wasserstoffatom oder ist in einer doppelten Kohlenstoff-Kohlenstoffbindung involviert.
Verbindungen können unterschiedliche Chiralitätszentren enthalten und können als
Enantiomere und Diastereomere bestehen. Hydroxy-Gruppen können mit Acyl- oder Alkyl-Substituenten
gedeckelt sein, was zu Prodrugs einer Verbindung gemäss Formel I führt.
Es ist nun gefunden worden, dass eine Steroid-Verbindung, die die
Formel I aufweist und deren Symbole und Terme die oben beschriebenen Bedeutungen
aufweisen und die dadurch gekennzeichnet ist, dass RE eine &bgr;-Hydroxy-Gruppe
oder ein Prodrug davon ist, unerwarteterweise, eine konsistent bessere Selektivität
für den Östrogen-Rezeptor &agr; kombiniert mit einer hohen Östrogen &agr; Potenz
aufweist. Solch eine Verbindung, im Nachhinein als eine Verbindung gemäss der Erfindung
bezeichnet, ist nicht nur sehr schwach aktiv auf dem Östrogen-Rezeptor &bgr;, sondern
in der Tat im allgemeinen ein Antagonist zu dem Östrogen-Rezeptor &bgr;, was zu der
sehr hohen Selektivität für den Östrogen-Rezeptor &agr; beiträgt und weiterhin eine
selektive Behandlung basierend auf der Blockade des Östrogen-Rezeptors &bgr; gestattet.
Die Verbindungen gemäss dieser Erfindung umfassen bereichsmässig die oben genannten
Enantiomere und Diastereomere und jedes der individuellen (R) und (S) Enantiomere,
im wesentlichen frei, das heisst verbunden mit weniger als 5%, vorzugsweise weniger
als 2%, insbesondere weniger als 1% von dem anderen Enantiomer und Mischungen von
solchen Enantiomeren in jeglichen Proportionen umfassend razemische Mischungen,
die im wesentlichen gleiche Mengen der zwei Enantiomere umfassen.
Ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung ist eine Steroid-Verbindung
wie oben definiert und weiterhin dadurch gekennzeichnet, dass R6 H ist,
R7 ein verzweigter oder unverzweigter C1-3-Alkyl ist, der
Ring E ein fünf- oder sechsgliedriger Ring ohne Doppelbindungen ist, der ein Wasserstoff
an der Position 22 in S-Stereokonfiguration aufweist, welche Konfiguration in anderen
Worten &bgr; ist in Bezug auf das Steroidskelett gemäss der üblichen Bedeutung in
der Steroid-Stereochemie-Nomenklatur.
Am meisten bevorzugt ist die Verbindung gemäss Formel II, was (7&agr;,
16&bgr;, 17&agr;, 22S)-7-Propyl-16,24-cyclo-19,21-dinorchola-1,3,5(10)-trien-3,17,22-triol
ist, welche den Codenamen Org 41621 trägt:
Verbindungen gemäss der Erfindung vermögen daher eine direktere, mit
anderen Worten selektive Modifikation der Aktivität von Östrogen &agr; oder &bgr;
Rezeptoren in einem Organismus zu bewirken.
Ein Prodrug ist definiert als eine Verbindung, die in den Körper eines
Rezipienten in eine Verbindung nach Formel I übergeht, wobei RE eine
&bgr;-Hydroxy-Gruppe ist. Um Prodrugs der Verbindungen gemäss der vorliegenden Erfindung
herzustellen, werden die Hydroxy-Gruppen an der Position 3, 17 und auf dem Ring
E gewandelt in Äther (alkyl*oxy) oder Ester wie acyl*oxy, Phosphat, Sulfat, Sulfonat
oder aromatisches Carboxylat, wobei die Kohlenstoffkettenlänge von den Gruppen,
die mit einem Asterisk (*) bezeichnet sind, nicht als scharf begrenzt anzusehen
ist. Eine Acyl-Gruppe wird abgeleitet von einem linearen oder verzweigten Alkan*
und ein aromatisches Carboxylat wird im allgemeinen ein Phenyl, Pyridinyl oder Pyrimidyl
umfassen. Die Länge der Alkyl- und Acyl-Gruppen wird in Abhängigkeit von den erwünschten
Eigenschaften der Prodrugs ausgewählt, wobei die längerkettigen Prodrugs mit beispielsweise
Lauryl- oder Caproyl-Ketten für fortgesetzte Abgabe und Depotpräparationen geeigneter
sind. Es ist bekannt, dass solche Substituenten spontan hydrolysieren oder enzymatisch
hydrolysieren bis zu den freien Hydroxy-Substituenten auf dem Skelett der Verbindung.
Solche Prodrugs werden eine biologische Aktivität entfalten vergleichbar zu den
Verbindungen, in die sie in dem Körper der Rezipienten gewandelt werden. Die aktive
Verbindung, zu der ein Prodrug gewandelt wird, wird die Eltern-Verbindung genannt.
Das Einsetzen der Aktion und Dauer der Aktion als auch die Verteilung in dem Körper
von einer Prodrug kann sich von solchen Eigenschaften der Eltern-Verbindung unterscheiden.
Sowohl für medizinische Therapien als auch für physiologische, medizinische
und pharmakologische Experimente werden solche selektive Verbindungen, wie sie nun
gefunden worden sind, verzweifelt benötigt. Es ist ein Aspekt der Erfindung, dass
eine Verbindung der Erfindung für die Therapie durch Verabreichung der Verbindung
an einen Rezipienten eingesetzt werden kann, welcher ein Mensch oder ein Tier sein
kann, vorzugsweise ein Säugetier. Die unterschiedliche Verteilung von &agr; und
&bgr; Rezeptoren über unterschiedliche Gewebe eines Organismus liefert Ziele für
eine selektivere Interferenz mit der Funktion der unterschiedlichen Gewebe. Es ist
bekannt, dass Spezies-abhängig, Östrogen-Rezeptoren &agr; predominant in vaginalen
Gewebe und Leberegewebe exprimiert werden, wohingegen &bgr; Rezeptoren predominant
in Prostatagewebe, Epithel-Zellschichten von Rattenblasen, vaskulären endothelialen
weiche Muskelzellen und gewissen Gehirnregionen, wie dem basalen Vorderhirn, dem
Neokortex und dem Hippocampus exprimiert werden. Gewebe, bei dem beide
Rezeptoren vorhanden sind, beispielsweise die Hypophyse, der Hypothalamus, der Thymus,
der Uterus, die Eierstöcke und die Knochen.
Das Östrogen-Rezeptor-Affinitäts-Profil von den Verbindungen der vorliegenden
Erfindung macht sie geeignet als verbesserte Östrogene oder Anti-Östrogene unter
verminderten Östrogenbezogenen Nebenwirkungen. So beschreibt die Erfindung ein Verfahren
für die selektive Modifikation der Aktivität von Östrogen-Rezeptoren durch das Einbringen
einer Verbindung der Erfindung in Kontakt mit Östrogen-Rezeptoren. Solch ein Verfahren
kann eine Behandlung des menschlichen oder tierischen Körpers sein, aber es kann
auch ein nicht-medizinisches Verfahren sein. Das letztere Verfahren kann ein experimentelles
Verfahren sein, wie ein Assay für selektive Verbindungen oder ein in vitro Laboratorium-Verfahren,
um Information über Östrogen-Rezeptoren oder mit diesen wechselwirkenden Verbindungen
zu erhalten. Vorzugsweise können diese Verbindungen für selektive Östrogen-Rezeptor
&agr; oder &bgr; bezogene Verhütungsmittel, experimentelle oder medizinische Behandlungen
eingesetzt werden, wie solche für die Behandlung oder Vermeidung von Östrogen-Rezeptor
bezogenen Störungen, durch die Menopause begründete Beschwerden, Osteoporose, kardiovaskuläre
Störungen, Modulation der Hypophyse-Hormon-Steuerung, gutmütige Prostata-Hypertrophie,
Östrogen-abhängige Tumorkontrolle, Darmkrebs, Endometriose oder zentrale Nervensystem-Störungen.
Ein wesentliches gemeinsames Merkmal von diesen selektiven Verfahren und Behandlungen
ist die, dass diese das Einbringen von einer Verbindung der Erfindung in Kontakt
mit Östrogen-Rezeptoren umfassen.
Die Erfindung bezieht sich auch auf den Einsatz einer Verbindung gemäss
der Erfindung für die Herstellung eines Medikamentes für eine selektive Östrogen-Rezeptor
bezogene Behandlung und von einem Medikament für die Behandlung von Östrogen-Rezeptor
&agr; bezogenen Störungen, umfassend die Verabreichung von einer Verbindung gemäss
der Erfindung (in einer geeigneten pharmazeutischen Dosisform) en einen Patienten.
Angesichts der antagonistischen Wirkung von einer Verbindung gemäss der Erfindung
auf den Östrogen-Rezeptor &bgr; liefert die Erfindung auch die Herstellung eines
Medikamentes zur Behandlung von Östrogen-Rezeptor &bgr; bezogenen Störungen, umfassend
die Verabreichung an einen Patienten einer Verbindung gemäss der Erfindung (in einer
geeigneten pharmazeutischen Dosisform).
Weiterhin bezieht sich die Erfindung auf den Einsatz einer Verbindung
gemäss der Erfindung in der Herstellung von einem Medikament mit verhütender Aktivität.
Somit bezieht sich die Erfindung auch auf die medizinische Indikation der Verhütung,
das heisst ein Verfahren der Verhütung mit der Verabreichung an ein Subjekt, welches
eine Frau oder ein weibliches Tier ist, von einem Progestogen und einem Östrogen,
wie es auf diesem Gebiet üblich ist, wobei das Östrogen eine Verbindung gemäss dieser
Erfindung ist (in einer geeigneten pharmazeutischen Dosisform).
Schliesslich bezieht sich die Erfindung auf den Einsatz einer Verbindung
gemäss der Erfindung für die Herstellung eines Medikamentes mit einer selektiven
östrogenen Aktivität, wobei solch ein Medikament im allgemeinen für den Bereich
der HRT (Hormonersatztherapie; HRT für hormone replacement therapy) geeignet ist,
wobei es mit der Menopause verbundene Beschwerden lindert, insbesondere eine Anti-Osteoporose
Aktivität aufweist.
Die Dosierungsmengen der vorliegenden Verbindungen wird die der üblichen
Höhe bei Östrogen-bezogenen Verbindungen sein, beispielsweise in der Grössenordnung
von 0.01 bis 100 Milligramm je Verabreichung.
Zu diesem Zweck können Dosiseinheiten mit Mengen einer Verbindung
gemäss der Erfindung in derselben Grössenordnung wie die oben erwähnte Behandlungsdosen
hergestellt werden. Daher bezieht sich die vorliegende Erfindung auch auf eine pharmazeutische
Zusammensetzung mit einer Verbindung der Erfindung gemischt mit einem oder mehreren
pharmazeutisch verträglichen Hilfsstoffen.
Die Verbindungen gemäss der Erfindung können durch verschiedene im
Stand der Technik bekannte Verfahren der organischen Chemie ganz allgemein hergestellt
werden, und speziell in der Kunst der Chemie der Steroide. Siehe beispielsweise:
Fried, J. und Edwards, J. A., „Organic Reactions in Steroid Chemistry", Bände
I und II, Van Nostrand Reinhold Company, New York, 1972; und C. Djerassi, „Steroid
Reactions", Holden-Day, Inc., San Francisco, 1963.
Für die Synthese einer Verbindung gemäss der Erfindung sind Steroide
mit einem zusätzlichen 16,17 anellierten Ring zu synthetisieren. Verfahren, um dies
durchzuführen, sind in EP 0 869 132 beschrieben
worden. Für die Verbindungen dieser Erfindung muss eine zusätzlichen Hydroxy-Funktion
auf dem anellierten Ring eingeführt werden. Zu diesem Zweck ist es geeignet, die
Anellierungs-Reaktion in solch einer Weise durchzuführen, dass
geeignet angeordnete Doppelbindungen aus der Synthese-Prozedur hervorgehen, beispielsweise
durch den Einsatz einer gut bekannten Olefin-Metathese-Prozedur, wobei Übergangsmetallkatalysatoren
eingesetzt werden, die beispielsweise von Ruthenium, Molybdän oder Wolfram abgeleitet
werden, um einen 16&agr;, 17&agr;-bis ungesättigtes Fragment in einen ungesättigtem
anellierten 5- oder 6-gliedrigen Ring zu schliessen. Der so synthetisierte Olefinring
ist zuerst stereoselektiv epoxidiert worden. Dies kann durchgeführt werden mit Agentien
wie Persäuren (vorzugsweise in einem gepufferten Medium) oder katalytischen Systemen
unter Einsatz von Metallkomplexen in Gegenwart von oxidierenden Agentien (wie Wasserstoffperoxid
oder t-Butylhydroperoxid). In den vorliegenden Fällen ergibt Perbenzoesäure mit
Natriumbikarbonatpuffer im allgemeinen gute Ergebnisse. Die Epoxide können fast
regionenselektiv reduktiv mit Hydridreagentien zu den erforderlichen Beta-Alkoholen
geöffnet werden. Hydroxy-Gruppen können auch in einfacher Weise durch Anwendung
von einer Hydroborierung/Oxidierungs-Prozedur synthetisiert werden. In Fällen, in
denen die &agr;-Hydroxy-Verbindungen erhalten werden, kann eine Mitsunobu Inversion
in einfacher Weise zu den &bgr;-Alkoholen führen, die die erwünschten sind. Die
Hydroxy-Verbindungen können in Prodrugs gewandelt werden, solche wie Alkylether,
Acylester, Karbonate, Sulphonate oder Phosphate, durch Reaktion mit dem geeigneten
Alkylhalid oder Säurechlorid, je nach Wunsch.
Eine pharmazeutische Zusammensetzung mit einer oder mehreren Verbindungen
gemäss der Erfindung kann mit oder ohne Kombination mit pharmazeutisch verträglichen
Hilfsstoffen hergestellt werden, solche wie sie in dem Standardwerk Gennaro et al.,
Remmington's Pharmaceutical Sciences, (18te Ausgabe, Mack Publishing Company, 1990,
siehe insbesondere Teil 8: „Pharmaceutical Preparations and Their Manufacture")
erläutert werden. Eine Mischung von einer oder mehreren Verbindungen gemäss der
Erfindung und einer oder mehreren pharmazeutisch verträglichen Hilfsstoffen kann
in feste Dosiseinheiten gepresst werden, wie Pillen oder Tabletten, oder können
in Kapseln oder Zäpfchen verarbeitet werden. Durch das Mittel von pharmazeutisch
geeigneten Flüssigkeiten können die Verbindungen auch als ein Injektions-Präparat
in Gestalt einer Lösung, Suspension, Emulsion, oder als ein Spray vorgesehen sein,
beispielsweise ein Nasenspray. Die Verbindungen gemäss der Erfindung können auch
in einem Implantat, einem Vaginalring, einem Patch, einem Gel, und jeder anderen
Präparation für fortdauernde Abgabe eingebunden werden. Für die Herstellung von
Dosiseinheiten, beispielsweise Tabletten, wird der Einsatz von konventionellen Additiven
wie Füllstoffe oder Trägern, Farbstoffen, polymerischen Bindern und ähnlichem betrachtet.
Im Allgemeinen können alle pharmazeutisch verträglichen Additive, die nicht in die
Funktion der aktiven Verbindungen oder Wirkstoffe eingreifen, eingesetzt werden.
Geeignete Träger, mit denen die Kompositionen verabreicht werden können, umfassen
Lactose, Stärke, Zellulosederivate und ähnliches, oder Mischungen davon in geeigneten
Mengen.
Beispiele
Die in den Beispielen gewählten Synthesewege sind in den folgenden
Schemata I und II dargestellt. Die benutzten Nummern, um die Verbindungen zu identifizieren,
sind durch die Strukturformeln nach diesen Schemata vorgegeben.
Schema ISchema IIVerbindung 2
Zu einer Lösung von 5.65 Milliliter von Vinyltributyltin in 50 Milliliter
von trockenem THF ist bei –50° Celsius tropfenweise 12 Milliliter von
1.6 M BuLi in Hexan hinzugefügt worden. Nach dem Umrühren für eine zusätzliche halbe
Stunde ist eine Lösung von 6.2 Gramm von 16&agr;-Allyl, 7&agr;-Ethylestron-3-O-Methylether
(1) in 20 Milliliter von trockenem THF bei –50° Celsius hinzugefügt worden.
Nach Umrühren für eine zusätzliche halbe Stunde ist die Mischung in sat.NH4Cl gegossen
und mit Ethylacetat ausgezogen worden. Konzentrierung der organischen Phase gefolgt
von Silicagel-Chromatographie ergaben 4.2 Gramm von „2" als ein Öl, Rf
0.47 (Toluen/Ethylacetat 95/5), für „1" Rf 0.65. NMR (CDCl3)
&dgr; 5.80 (m, 1, CH allyl), 6.07 (m, 1, CH vinyl) 0.98 (s, CH3), 0.93 (t, 3, ethyl),
3.78 (s, 3, CH3).
Verbindung 3
Zu einer Lösung von 4.2 Gramm von „2" in 80 Milliliter von
Methylenchlorid sind 0.32 Gramm Benzylidenetriscyclohexylphosphinoruthenium-Dichlorid
(Grubbs Metathese Katalysator) hinzugefügt worden. Nach dem Umrühren für 1 Stunde
ist ein zusätzlicher Anteil von 0.3 Gramm Katalysator hinzugefügt worden. Nach Vervollständigung
der Reaktion (2 Stunden) ist die Mischung konzentriert und das Residuum durch Säulenchromatographie
gereinigt worden, um 3.5 Gramm von „3" zu liefern, Rf 0.29 (Heptan/Ethylacetat
8/2, für „2" Rf 0.55). NMR (CDCl3) &dgr; 5.72 (m, CH=)
6.02 (m, 1, C=) 0.99 (s, 3, CH3), 0.89 (t, 3, CH3) 3.77 (OCH3)
0.92 (m, 3, CH3).
Verbindung 4
Eine Mischung von 0.4 Gramm von Steroid „3" und 0.5 Gramm von
NaHCO3 in 12 Milliliter von Methylenchlorid ist mit 0.34 Gramm von m-Cl-Perbenzoesäure
behandelt worden. Nach dem Umrühren für mehrere Stunden bei Umgebungstemperatur
ist das Reaktionsprodukt mit Wasser verdünnt, und mit Natriumthiosulfat-Lösung behandelt
worden, um das residuelle Peroxid zu zerstören. Die organischen Materialien sind
in Ethylacetat ausgezogen und schliesslich durch Chromatographie gereinigt worden,
um 110 Milligramm des gewünschten &bgr;-Epoxid „4" zu liefern; Rf
0.50 (Toluen-Aceton 9/1); NMR (CDCl3) &dgr; 0.98 (t, 3, CH3),
0.92 (t, 3, CH3), 3.65+3.70 (2*m, Epoxid CH's).
Verbindung 5
Eine Lösung von 80 Milligramm von Steroid „4" in 3 Milliliter
von THF ist mit 10 Milligramm von LiAlH4 refluxiert worden. Nach 2 Stunden
war das Startmaterial verschwunden. Die Mischung ist unter Hinzufügung von 30 Mikroliter
von sat. Na2SO4 Lösung und 0.20 Gramm von Na2SO4
gequencht, für 15 Minuten umgerührt und über Celite gefiltert worden. Das Filtrat
ist konzentriert und das Residuum über eine kurze Silicasäule passiert worden, um
55 Milligramm von „5" zu ergeben; Rf 0.24 (Toluen-Aceton 9/1);
NMR (CDCl3) &dgr; 4.04 (m, 1, CHOH), 3.78 (s, 3, OCH3)
2.85 (m, 2, CH2 bei C6), 0.92 (s, 3, CH3).
Verbindung 6
Zu einer Lösung von Natriumethanethiolat (hergestellt aus 0.7 Milliliter
Ethanethiol und 0.27 Gramm von einer 60% NaH-Dispersion) in 9 Milliliter von DMF
sind 120 Milligramm von Steroid „5" hinzugefügt worden. Die Mischung ist
für 3 Stunden refluxiert worden. Dann ist das Reaktionsprodukt in Wasser gegossen
und mit Ethylacetat ausgezogen worden. Chromatographie des organischen Materials
ergaben 80 Milligramm von „6", Mp 224-226; Rf 0.30 (Toluen-Aceton
8/2); NMR(CDCl3) &dgr; 4.00 (m, 1, CHOH), 7.12 (ar H1), 6.20 (ar H2),
6.54 (ar H4).
Verbindung 7
Zu einer Lösung von 2.7 Gramm von Steroid „3" in 20 Milliliter
Methylenchlorid und 3 Milliliter Pyridin, sind bei 0° Celsius 1.9 Milliliter
von Trimethylsilylchlorid hinzugefügt worden. Nach dem Umrühren für eine halbe Stunde
ist das Reaktionsprodukt in Wasser gegossen und mit Ethylacetat ausgezogen worden,
um 3.3 Gramm von im wesentlichen reinen Silyloxy-Derivat „7" zu ergeben,
Rf 0.8 (Heptan-Aceton 8/2); NMR(CDCl3) &dgr; 0.03 (s, 9, TMS),
5.68, 5.91 (2*S, CH olefin).
Verbindung 8
Eine Lösung von 3.2 Gramm von „7" in 25 Milliliter von trockenem
THF ist bei 0° Celsius mit einer Lösung von 2.2 Milliliter Boran-Dimethylsulfid-Komplex
in 20 Milliliter von THF behandelt worden. Das Reaktionsprodukt ist anschliessend
für 2 Stunden bei 45° Celsius umgerührt worden. Überschussreagenz ist durch
sorgfältige Hinzufügung von 4.5 Milliliter von abs. Ethanol, gefolgt von 11 Milliliter
von 2N NaOH und 7.7 Milliliter von 30% Wasserstoffperoxid zerstört worden. Das Reaktionsprodukt
ist über nacht umgerührt, mit Wasser verdünnt und mit Ethylacetat ausgezogen worden.
Das so erhaltene Rohprodukt ist durch Säulenchromatographie gereinigt worden und
ergab 1.7 Gramm von dem gewünschten &agr;-Alkohol „8". Rf 0.36
(Heptan-Aceton 8/2); NMR(CDCl3) &dgr; 4.42 (m, 1, CHOH), 0.12 (s, 9,
TMS), 0.79 (s, 3, CH3).
Verbindung 9
Eine Lösung von 1.6 Gramm von „8" und 1.3 Gramm von Triphenylphosphin
in 60 Milliliter Toluen sind mit 0.84 Gramm von p-Nitrobenzoesäure und 0.8 Milliliter
Diethylazodicarboxylat bei 0° Celsius behandelt worden. Nach dem Umrühren für
1 Stunde war die Reaktion vollständig abgelaufen. Die Mischung ist auf sat.aq. NaHCO3
Lösung gegossen und mit Ethylacetat ausgezogen worden. Chromatographische Reinigung
ergaben 2.9 Gramm &bgr;-Nitrobenzoat, Rf 0.64 (Heptan-Aceton 8/2); NMR(CDCl3)
&dgr; 5.34 (m, 1, CHOC(O)Ar), 0.91 (s, 3, CH3), 0.95 (t, 3, CH3),
3.80 (s, 3, OCH3). Dieses Material ist in einer Mischung von 40 Milliliter
von THF-Methanol (1/1 v/v) gelöst und mit 4 Milliliter von 2N NaOH Lösung behandelt
worden. Nach dem Umrühren für 15 Minuten ist das Reaktionsprodukt in Wasser gegossen
und das Produkt in Ethylacetat ausgezogen worden. Nach dem Passieren durch eine
kurze Silicasäule sind 1.3 Gramm von &bgr;-Alkohol „9" erhalten worden; Rf
0.64 (Heptan-Aceton 8/2); NMR(CDCl3) &dgr; 4.31 (m, 1, CHOH).
Verbindung 10
Eine Lösung von 1.3 Gramm von „9" in 30 Milliliter Aceton ist
mit 2 Milliliter von 2N HCl behandelt worden. Nach 1 Stunde ist die Mischung durch
Hinzufügung von gesättigtem NaHCO3 neutralisiert und konzentriert worden.
Das Residuum ist mit Wasser verdünnt und mit Ethylacetat extrahiert worden, um 1.0
Gramm von „10" zu ergeben, Rf 0.10 (Heptan-Aceton 8/2); NMR(CDCl3)
&dgr; 0.90 (t, 3, CH3) 0.95 (s, 3, CH3), 4.48 (m, 1, CHOH).
Verbindung 11
Zu einer Lösung von Natriummethanethiolat (hergestellt aus 0.7 Milliliter
Ethanethiol und 0.3 Gramm einer 60% NaH Dispersion) in 9 Milliliter von DMF sind
120 Milligramm des Steroid „10" hinzugefügt worden. Die Mischung ist für
3 h refluxiert worden. Dann ist die Reaktion in Wasser gegossen und mit Ethylacetat
ausgezogen worden. Die Chromatographie des organischen Materials ergab 80 Milligramm
von „11", Mp 143–145° Celsius (Äthanol-Wasser); Rf 0.41
(Toluen-Aceton 7/3); NMR(CDCl3) &dgr; 4.45 (m, 1, CHOH), 0.93 (s, 3,
CH3) 0.90 (t, 3, CH3), 6.62+7.10 (AB, 2, H1, 2), 6.53 (d,
1, H4).
Verbindung 13
Zu einer Lösung von 29 Milliliter von 1M Allylmagnesiumbromid in Äther
sind 80 Milliliter von trockenem THF hinzugefügt worden. Bei –50° Celsius
sind 10 Gramm von 7&agr;-Propyl, 16&agr;-Allylestron-3-O-Benzylether „12"
in 40 Milliliter von THF hinzugefügt worden. Nach dem Umrühren für eine halbe Stunde
ist es der Mischung erlaubt worden, Raumtemperatur zu erreichen und ist in 300 Milliliter
von sat aq NH4Cl gegossen worden. Das Produkt ist mit Ethylacetat ausgezogen
und durch Chromatographie über Silicagel gereinigt worden, um Stereoisomere zu entfernen,
um 7.2 Gramm des gewünschten 16&agr;,17&agr;-Diallyl-Derivats „13" zu erhalten.
Rf 0.26 (Heptan-Ethylacetat 9/1); 17&bgr;-allyl Isomer Rf
0.45. NMR(CDCl3) &dgr; 0.88 (t, 3, CH3), 0.96 (s, 3, CH3),
6.08 (m, 1, CH Allyl), 5.80 (m, 1, CH Allyl), 4.95–5.20 (m, 4, 2* CH2
Allyl) 5.02 (CH2OBz).
Verbindung 14
Ein Anteil von 40 Milligramm von Benzylidenetriscyclohexylphosphinoruthenium
Dichlorid (Grubbs Metathese Katalysator) ist eine Lösung von 450 Milligramm von
„13" in 10 Milliliter Methylenchlorid hinzugefügt worden. Nach dem Umrühren
für 1 Stunde sind zusätzliche 400 Milligramm Katalysator hinzugefügt worden. Nach
2 Stunden ist das Lösungsmittel entfernt und durch 20 Milliliter Toluen ersetzt
worden und die Mischung ist mit 5 Gramm Alumina-Basic bei 60° Celsius umgerührt
worden, um den Katalysator zu absorbieren. Nach Filtrierung über Celite und Waschen
mit Toluen und Ethylacetat sind 400 Milligramm von fast reinem „14" erhalten
worden; Rf 0.34 (Heptan-Ethylacetat 8/2); Rf „13" 0.45.
NMR(CDCl3) &dgr; 0.02 (s, 2, CH2O), 5.97 (s, 2, CH=CH), 0.97
(s, 3, CH3)
Verbindung 15
Zu einer Lösung von 340 Milligramm von „14" in 0.5 Milliliter
Methylenchlorid sind 8 Mikroliter von Pyridin hinzugefügt worden, 0.14 Milliliter
von 30% aq H2O2, gefolgt von 2 Milligramm Methyltrioxorhenium.
Nach dem Umrühren für 1 Stunde war die Epoxidation vervollständigt, im wesentlichen
führend sowohl zu dem gewünschten &bgr;-Epoxid als auch zu einigem &agr;-Isomer.
Die Mischung ist in Wasser und sat. Na2S2O3 gegossen
und mit Ethylacetat ausgezogen worden. Die Chromatographie ergab 230 Milligramm
von „15" und 80 Milligramm des unerwünschten &agr;-Epoxids. Rf
0.36 (Toluen-Ethylacetat 95/5; für die Referenz: Rf Verbindung „14":
0.39). NMR(CDCl3) &dgr; 3.31, 3.38 (m, 2, CH(O)CH).
Verbindung 16
Eine Mischung von 4.2 Gramm von „15" und 350 Milligramm von
LiAlH4 in 20 Milliliter von trockenem THF ist für 2 Stunden refluxiert
worden. Dann ist die Mischung abgekühlt und nachfolgend mit 1 Milliliter von sat
aq. Na2SO4, 28 Milliliter von Ethylacetat und 8 Gramm von
Na2SO4 behandelt worden. Nach dem Umrühren für eine halbe
Stunde bei Umgebungstemperatur ist das Reaktionsprodukt über Celite gefiltert worden
und das Filtrat ist konzentriert und chromatographiert worden, um 3,4 Gramm von
„16" zu ergeben, Mp 147–148 Celsius, Rf 0.20 (Toluen-Ethylacetat
8/2; Rf „23" 0.55). NMR(CDCl3) &dgr; 4.25 (breites
s, 1, CHOH), 0.90 (s, 3, CH3), 0.86 (t, 3, CH3), 5.02 (s,
2, OCH2Ar).
Verbindung 17; (=7&agr;, 16&bgr;, 17&agr;, 22S)-7-Propyl-16,24-cyclo-19,21-dinorchola-1,3,5(10)-trien-3,17,22-triol
Eine Lösung von 3.3 Gramm von „16" in 200 Milliliter von Ethanol
ist in Gegenwart von 300 Milligramm von 5% Pd/C hydrogeniert worden. Nach Vervollständigung
der Reaktion ist der Katalysator über Celite gefiltert, und das Lösungsmittel konzentriert
worden. Das Residuum ist mit Ether, und dann mit Wasser trituriert worden, um 1.7
Gramm von „17" zu ergeben; Mp 146–147° Celsius, Rf 0.53
(Toluen-Ethylacetat 1/1; Rf „16" 0.60). NMR(CDCl3)
&dgr; 4.26 (breites s, 1, CHOH) 7.14, 6.62 AB, 2, H1, H2), 6.54 (d, H4).
Tests für östrogene Aktivität In Vitro
Die Verbindungen sind für ihre Östrogen-Rezeptor-Aktivität in einem
Binding Assay und in einem Transaktivations-Assay unter Einsatz von menschlichem
Östrogen-Rezeptor &agr; oder &bgr; getestet worden.
Competitive Bindung zu cytoplasmischen menschlichen Östrogen-Rezeptor
&agr; oder &bgr; aus rekombinanten „Chinese Hamster Eierstock" (CHO) Zellen
sind eingesetzt worden, um die relative Bindungsaffinität (=RBA) (Potenzverhältnis)
von einer Testverbindung im Vergleich zu (17&bgr;)-Estradiol (E2) für Östrogen-Rezeptoren
&agr; oder &bgr; zu bestimmen „ die in dem Zytosol von rekombinanten CHO
Zellen vorliegen, stabil transfektiert mit dem menschlichen Östrogen-Rezeptor &agr;
(hER&agr;) oder &bgr; Rezeptor (hER&bgr;).
Die östrogene und anti-östrogene Aktivität von Verbindungen sind in
einem in vitro Bioassay mit rekombinanten „Chinese Hamster Eierstock" (CHO)
Zellen bestimmt worden, stabil co-transfektiert mit dem menschlichen Östrogen-Rezeptor
&agr; (hER&agr;) oder &bgr; (hER&bgr;), dem Ratten Oxytocin Promoter (RO) und dem
Luciferase Reporter Gen (LUC). Die östrogene agonistische Transaktivierung (Potenzverhältnis)
von einer Testverbindung, um die Transaktivierung von der Enzymluciferase zu stimulieren,
die durch die Östrogen-Rezeptoren hER&agr; oder hER&bgr; vermittelt wird, wird mit
dem Standard Östrogen Estradiol verglichen. Die antiöstrogene Aktivität (Potenzverhältnis)
einer Testverbindung, um die Transaktivierung der Enzymluciferase, die durch die
Östrogen-Rezeptoren hER&agr; oder hER&bgr; vermittelt werden, durch das (17&bgr;)-Estradiol
zu verhindern, wird mit dem Standard ICI 164.384 (=(7&agr;,17&bgr;)-N-Butyl-3,17-dihydroxy-N-methylestra-1,3,5(10)-trien-7-undecanamid)
verglichen.
Ergebnisse:
Verbindung „17" hat in den Antagonist-Assays ein Selektivitätsverhältnis
Er&agr;/Er&bgr; von <0.1/67.
Eine Verbindung des Standes der Technik gemäss Formel III, aber ohne
22-Hydroxy und mit R7 &agr;-Propyl, R11 Wasserstoff und 6-gliedrigem
Ring E, die benannt wird (7&agr;, 16&bgr;, 17&agr;)-7-Propyl-16,24-cyclo-19,21-dinorchola-1,3,5(10)-trien-3,17-diol,
hat ein ER&agr;/ER&bgr; Verhältnis in dem Bindungsassay von 15/7 und in dem Antagonist-Transaktivations-Assay
0.3/<0.1.
Test für die Verhinderung von Ovariektomie-induzierten Knochenverlusten
bei Ratten (Anti-Osteoporose-Test).Einführung
Ovariektomie von Ratten induziert Knochenverluste, die auf die Östrogendefizienz
zurückgehen. Die Verabreichung von Östrogen-Verbindungen verhindert diese Wirkung.
Der Test wird eingesetzt, um eine Verbindung für anti-osteoporotische Aktivität
in ovariektomisierten (OVX) Ratten zu evaluieren. Die Wirkung auf die Knochenmasse
kann durch periphere quantitativ berechnete Tomographie (pQCT) evaluiert werden,
oder durch quantitative Analyse von Röntgenbildern. Plasma-Osteocalcin und urinäres
Deoxypyridinolin, Kalzium und Phosphat ergeben Information über den Knochenmetabolismus.
Das Ansteigen vom Uterusgewicht und die Abnahme von Körper- und Thymus-Gewicht reflektieren
die östrogene Wirkung.
Testtier
Reife jungfräuliche 225–250 Gramm schwere weibliche Wistarratten.
Stamm: Hsd/Cpd:Wu, SPF-gezüchtet durch Harlan, CPB, Zeist, Die Niederlande.
Experiment
Am ersten Tag des Experimentes sind die Ratten gewogen und über die
Käfige in Abhängigkeit ihres Körpergewichts verteilt worden, wobei die Ratte mit
dem geringsten Körpergewicht in den ersten Käfig und die schwerste Ratte in den
letzten Käfig gesetzt worden war. Behandlungen werden über die Ratten zufallsverteilt.
Sham-Operation und Ovariektomie werden unter Äther-Anästhesie durchgeführt.
Nach Aufwachen aus der Anästhesie, innerhalb von 24 Stunden, sind die Vehikel, die
Referenz-Verbindung oder die Test-Verbindung einmal oder zweimal täglich für 4 Wochen
verabreicht werden. Während dieser Zeitdauer werden die Ratten wöchentlich gewogen.
Nach 4 Wochen ist eine Autopsie durchgeführt worden. Bei der Autopsie sind die Ratten
mit Äther betäubt worden und Blut ist aus der abdominalen Aorta abgenommen worden.
Beide Femur, die Wirbel L1L2L3L4 (optional), der Uterus, der Tymus, die Leber, die
Nieren, die Nebennieren, die Schilddrüse, und die Hypophse sind herausgeschnitten
worden. Die Messung von Knochenmineraldichte und -geometrie aus dem rechten Femur
ist durch pQCT an dem Tag der Autopsie auf frischem Gewebe durchgeführt worden.
Trabekuläre Knochenmineraldichte des metaphysealen Anteils des Femurs (FBMDDIS mg/cm)
wird mit einer pQCT (Gerät zur peripheren quantitativen Computertomographie; XCT
960A, Stratec, Birkenfeld, Deutschland) durchgeführt.
Interpretation der Ergebnissen
Die Ovariektomie bewirkt eine statistisch wesentliche Abnahme in der
distalen Knochendichte und dem trabekulärren Knochenvolumen des Femurs und eine
statistisch signifikante Erhöhung im Plasma-Osteocalcin und urinärem Deoxypyridinolin
Niveau (P<=0.05, 2 weg ANOVA).
Testverbindungen sind als aktiv betrachtet worden, wenn die mittleren
Knochendichtewerte des distalen Femurs im Vergleich zu den ovariektomisierten Kontroll-Gruppen
signifikant erhöht waren. Wirkungen von Verbindungen auf das urinäre Deoxypyridinolin
Niveau reflektiert eine Wirkung auf die Knochenresorption, Wirkungen auf das Plasma-Osteocalcin
Niveau reflektiert eine Wirkung auf den Knochenübergang, und dies kann helfen, den
Mechanismus der Aktion zu verstehen.
Die minimale aktive Dosis (kurz MAD genannt) ist die Dosis, bei der
eine mittlere proportionale Differenz in der trabekulären Knochenmineral zwischen
40 und 60% erreicht werden kann.
Druckschriften
– Wronski T. J. und Yen C. F.: "The ovariectomised rat as an animal model
for postmenopausal bone loss"; Cells and Materials, Supp. 1 (1991): 69–76.
– Yamazald I. und Yamaguchi H.: "Characteristics of an ovariectomised
osteopenic rat model"; J. Bone Min. Res. 4 (1989): 12–22.
– Ederveen A. G. H. und Kloosterboer H. J.: "Tibolone, a Steroid with
a tissue-specific hormonal profile, completely prevents ovariectomy-induced bone
loss in sexually mature rats"; J. Bone & Mineral Research Vol 14, pp 1963–1970,
1999.
Ergebnis
Verbindung „17" (Org 41621): Osteoporose Test oral 30 Mikrogramm/Kilogramm.
Verbindung des Standes der Technik (7&agr;, 16&bgr;, 17&agr;)-7-Propyl-16,24-cyclo-19,21-dinorchola-1,3,5(10)-trien-3,17-diol:
190 Mikrogramm/Kilogramm per oral.
Test für östrogene Aktivität In Vivo
In vivo östrogene Aktivität ist durch das Mittel des Allen Doisy Tests
bestimmt worden, beschrieben in F. Allen, L. A. Doisy, J. Amer. Med. Assoc., 81,819–821
(1923)
Ergebnis
Verbindung „17" (Org 41621): Allen Doisy sc 5 Mikrogramm/Kilogramm,
oral 30 Mikrogramm/Kilogramm. Verbindung des Standes der Technik (7&agr;, 16&bgr;,
17&agr;)-7-Propyl-16,24-cyclo-19,21-dinorchola-1,3,5(10)-trien-3,17-diol: Allen
Doisy sc 24 Mikrogramm/Kilogramm, oral 125 Mikrogramm/Kilogramm.
Anspruch[de]
Steroid-Verbindung mit der Formel (I):
wobei:
– gestrichelte Bindungen optionale Doppelbindungen darstellen;
– R6 H, =CH2, oder -CH3, oder -CH2-CH3
ist;
– R7 H, C1-4-Alkyl, C2-5-Alkenyl oder C2-5-Alkynyl
ist, wobei die Alkyl-, Alkenyl- oder Alkynylgruppe mit 1 bis 3 Halogenatomen substituiert
werden kann, die unabhängig aus der Gruppe aus Fluor- oder Chlor-Atomen gewählt
werden können;
– R11 H, C1-4-Alkyl, C2-4-Alkenyl, C2-4-Alkynyl
oder C1-4-Alkyliden ist, wobei die Alkyl-, Alkenyl-, Alkynyl- oder Alkyliden-Gruppe
mit 1 bis 3 Halogenatomen substituiert werden kann, die unabhängig aus der Gruppe
aus Fluor- oder Chlor-Atomen gewählt werden können;
– E zusammen mit Kohlenstoffatomen 16 und 17 des Steroidskeletts einen vier-
bis sieben-gliedrigen Ring darstellt, wobei der besagte Ring &agr; in cis-Konfiguration
in Bezug auf das Steroidskelett ist, optional umfassend eine oder zwei endozyklische
Bindungen, oder ein Prodrug davon, wobei die besagten Prodrugs Verbindungen sind,
bei denen die Hydroxy-Gruppen mit einer der folgenden Gruppen gedeckelt sind: Äther,
Ester, Acyl, Phosphat, Sulfat, Sulfonat und aromatisches Carboxylat.
Steroid-Verbindung gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
R6 H ist, R7 C1-3-alkyl ist, der Ring E ein fünf-
oder sechs-gliedriger Ring ohne Doppelbindungen mit einer Hydroxy-Gruppe an der
Position 22 in S Stereokonfiguration.
Steroid-Verbindung gemäss Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
dass die Verbindung gemäss Formel (II) ist:
Formel II, genannt (7&agr;, 16&bgr;, 17&agr;, 22S)-7-Propyl-16,24-cyclo-19,21-dinorchola-1,3,5(10)-trien-3,17,22-triol.
Steroid-Verbindung nach einem der Ansprüche 1 bis 3 zum Einsatz in
einer Therapie.
Verfahren zur selektiven Modifikation der Aktivität von Östrogen-Rezeptoren
durch in Kontakt bringen einer Verbindung gemäss einem der Ansprüche 1 bis 3 mit
Östrogen-Rezeptoren, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren ein nichtmedizinisches
Verfahren ist.
Verfahren gemäss Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren
eine selektive Modifikation der Aktivität von Östrogen-Rezeptoren &agr; durch in
Kontakt bringen einer Verbindung gemäss einem der Ansprüche 1 bis 3 mit Östrogen-Rezeptoren
&agr; ist.
Verfahren gemäss Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren
eine selektive Modifikation der Aktivität von Östrogen-Rezeptoren &bgr; durch in
Kontakt bringen einer Verbindung gemäss einem der Ansprüche 1 bis 3 mit Östrogen-Rezeptoren
&bgr; ist.
Verwendung der Steroid-Verbindung gemäss einem der Ansprüche 1 bis
3 für die Herstellung eines Medikamentes für eine selektive Östrogen-Rezeptor bezogene
Behandlung.
Verwendung gemäss Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die selektive
Östrogen-Rezeptor bezogene Behandlung die Prävention oder Behandlung von peri-menopausalen
oder postmenopausalen Beschwerden ist.
Verwendung gemäss Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Östrogen-Rezeptor
bezogene Behandlung eine Behandlung zur Verhütung ist.
Pharmazeutische Komposition mit der Steroid-Verbindung gemäss einem
der Ansprüche 1 bis 3 und ein pharmazeutisch verträglicher Hilfsstoff.