Die Erfindung bezieht sich auf ein Zeichengerät mit einer aus einer
Bereitschaftsstellung in eine Einstichposition bewegbaren Drehspitze zum Zeichnen
und Messen von Bögen, Kreisen und/oder Winkeln. Unter Zeichengerät wird hierbei
insbesondere ein rechtwinkliges Zeichendreieck oder Zirkeldreieck oder ein Lineal
bzw. Zirkellineal verstanden.
Ein derartiges Zeichengerät ist beispielsweise aus DE 36 07 919 C1
bekannt. Es umfasst eine Drehspitzenvorrichtung mit einem Tellerplättchen, welches
eine Drehspitze aufweist. Das Tellerplättchen wird an den Flanken eines auf dem
Zeichengerät angeordneten Sattelbogens mittels einer Nut- und Federeinrichtung gehalten
und kann auf diesem eine Wippbewegung ausführen. Dadurch kann die Drehspitze aufwärts
und abwärts, d.h. zwischen einer Bereitschaftsstellung und einer Einstichposition
direkt vor der Zeichen- oder Geradenziehkante des Zeichengerätes bewegt werden.
Mittels in das Zeichengerät eingebrachten Durchgangslöchern können z.B. Winkel im
Schwenkverfahren oder auch Kreise und Bögen gezeichnet werden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein besonders einfach herstellbares
Zeichengerät der eingangs genannten Art bereitzustellen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch die Merkmale
des Anspruches 1. Dazu ist eine die Drehspitze tragende Wippe an das Zeichengerät
einstückig angeformt.
In vorteilhafter Ausgestaltung ist auch die Drehspitze wiederum an
die Wippe angeformt. Die Drehspitze ist zweckmäßigerweise im Bereich einer
Zeichenziehkante des Zeichengerätes vorgesehen und dabei vorzugsweise an das mit
der Zeichenziehkante fluchtende Freiende der Wippe einstückig angeformt. Die Wippe
wird durch zueinander beabstandet und vorzugsweise parallel verlaufende Gerätefreischnitte
oder -ausnehmungen, z. B. in Form von zwei Längsschlitzen gebildet.
Bei der bevorzugten Ausführungsform, bei der die die Wippe bildenden
Gerätefreischnitte sich bis zur Zeichenziehkante erstrecken und diese somit quasi
einschneiden, ist die lichte Weite der Gerätefreischnitte in diesem Bereich der
Zeichenziehkante derart gering bemessen, dass die Wippe gerade noch frei beweglich
und damit aus der Bereitschaftsstellung oder Ruheposition in die Funktionsstellung
oder Einstichposition der Drehspitze elastisch bewegbar oder verschwenkbar ist.
Durch diese möglichst schmale Ausführung der Gerätefreischnittsbreite ist gewährleistet,
dass beim Zeichnen eines Striches entlang der Zeichen- oder Geradenziehkante keine
Linieneinmuldungen oder -einbuchtungen im Bereich dieser Freischnitte links und
rechts der Wippe entstehen.
Durch Anordnung von Durchgangslöchern oder Punkt-Lochreihen entlang
der Zeichenziehkante können insbesondere Kreise mit praktisch beliebigem Radius
mit ein und demselben Zeichengerät um den den Kreismittelpunkt bildenden Einstichpunkt
der Drehspitze gezogen werden. Dabei können links und rechts eines an der Zeichenziehkante
vorgesehenen Null- oder Bezugspunktes, an dem die Drehspitze in das Zeichenblatt
einsticht, Einstecklöcher für ungerade oder gerade Radien vorgesehen sein.
Zum Zeichnen von Kreisen oder dergleichen wird die elastisch bewegbare
oder verformbare, an das Zeichengerät zweckmäßigerweise einstückig angespritzte
Wippe durch Fingerdruck oder -betätigung niedergedrückt. Dadurch sticht die senkrecht
oder lotrecht zur Geräteebene des Zeichengerätes verlaufende Drehspitze in das Zeichenblatt
ein, so dass das Zeichengerät in eine Fixierstellung gebracht wird. Durch Einstecken
eines Zeichenstiftes in das gewünschte Einsteckloch im Zeichengerät kann dann in
einfacher Art und Weise ein Kreis oder ein Kreisbogen gezeichnet werden. Auch kann
in der Fixierstellung eine Winkelgerade entlang der Ziehkante gezeichnet werden.
Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin,
dass durch einstückige Anformung einer eine Drehspitze tragenden Wippe an ein Zeichengerät
in Form eines Winkeldreiecks, eines Lineals oder einer Maßstabs- und Winkelschablone
eine besonders einfache Fertigung des Zeichengerätes im Spritzverfahren bei hoher
Funktionalität und einfacher Handhabbarkeit erreicht wird.
Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand einer
Zeichnung näher erläutert. Darin zeigen:
- Fig. 1
- in einer Draufsicht ein Winkeldreieck mit einer angeformten elastisch bewegbaren
Drehspitzenwippe,
- Fig. 2
- in einer Darstellung gemäß Fig. 1 ein Lineal mit elastisch verformbarer
Wippe,
- Fig. 3
- einen Auschnitt III aus Fig. 1 in größerem Maßstab mit einer durch
Freischnitte gebildeten Wippe mit Drehspitze,
- Fig. 4
- einen Ausschnitt IV aus Fig. 2 in größerem Maßstab mit elastisch
verformbarer Wippe, und
- Fig. 5
- die Zeichengerätewippe nach Fig. 4 in einer Vorderansicht.
Einander entsprechende Teile sind in allen Figuren mit den gleichen
Bezugszeichen versehen.
Fig. 1 zeigt ein Zeichengerät 1 in Form eines Winkeldreiecks mit bezogen
auf dessen vergleichsweise langen Zeichen- oder Geradenziehkante 2 mittig vorgesehener
Drehspitzenwippe 3. Die Wippe 3 ist einstückiger Bestandteil des Zeichengerätes
1. Sie ist durch zwei sich bis zur Zeichenziehkante 2 erstreckende Gerätefreischnitte
4 gebildet. Die Gerätefreischnitte 4 verlaufen im Ausführungsbeispiel parallel und
gemäß Fig. 1 mit über deren gesamter Länge gleicher lichter Weite oder Freischnittsbreite
b (Fig. 2).
Vorzugsweise nimmt jedoch die Freischnittsbreite b und damit die lichte
Weite der Gerätefreischnitte 4 zur Geräteziehkante 2 hin ab, wie dies in Fig. 2
dargestellt ist. Im vorderen, der Geräteziehkante 2 zugewandten Freischnittsabschnitt
4a ist dabei die lichte Weite b' geringer als die lichte Weite oder Freischnittsbreite
b im sich darin anschließenden hinteren, sich in die Geräteebene 5 hineinerstreckenden
Freischnittsabschnitt 4b. Die Freischnittsbreite oder lichte Weite b' im vorderen
Abschnittsbereich 4a der Gerätefreischnitte 4 ist dabei möglichst minimiert, um
eine Linienunterbrechung oder -einwölbung eines entlang der Zeichenziehkante 2 gezogenen
Zeichenstriches zu vermeiden. Die lichte Weite b' ist derart bemessen, dass ein
Verklemmen oder Verkanten der Wippe 3 beim Verschwenken um die Schwenkachse 6 in
Richtung des Schwenkpfeils 7 im Freischnittsbereich durch Aneinanderreiben der durch
die Freischnitte 4 gebildeten Freischnittskanten gerade noch zuverlässig vermieden
ist.
Am Freiende 8 der Wippe 3 ist vorzugsweise zentriert eine zumindest
annähernd senkrecht oder lotrecht zur Geräteebene 5 verlaufende Drehspitze 9 an
die Wippe 3 angeformt. Die Drehspitze 9 ist an der der Zeichenebene zugewandten
Unterseite der Wippe 3 an diese angeformt und erstreckt sich somit in Richtung auf
die Zeichenebene.
Links und rechts benachbart zur Wippe 3 sind im Bereich der Zeichenziehkante
2 eine Anzahl von Durchgangslöcher 10 in das Zeichengerät eingebracht. Diese Durchgangslöcher
10 dienen zur Aufnahme der Spitze eines Zeichenstiftes. Durch Niederdrücken der
Wippe 3 mittels Fingerdruck, d. h. mittels des Bedienfingers wird die Wippe 3 um
die Achse 6 verschwenkt und dabei elastisch verformt, so dass die Drehspitze 9 in
die Zeichenunterlage oder das Zeichenblatt einsticht. Auf diese Weise wird das Zeichengerät
1 auf der Zeichenunterlage fixiert, so dass durch Einstecken des Zeichenstiftes
in eines der Durchgangslöcher 10 und durch Verdrehen des Zeichengerätes 1 um den
Einstichpunkt der Drehspitze 9 ein Kreis oder Bogen gezeichnet werden kann. Bei
Lösen des Fingerdrucks schwenkt die Wippe 3 automatisch federelastisch zurück in
die dargestellte Ausgangs- oder Ruheposition.
Bei der Ausführungsform nach den Figuren 2, 4 und 5 erstrecken sich
die die Wippe 3 bildenden Gerätefreischnitte 4 nicht durchgängig bis zur Zeichenziehkante
2. Auch ist bei dieser Ausführungsform die Drehspitze 9 zweckmäßigerweise
im mittleren Bereich 11 der Wippe 3 angeordnet und dort an diese angeformt. Hierbei
ist - ebenso wie bei der Ausführungsform nach den Figuren 1 und 3 - die Dicke d
der Wippe 3 geringer als die Gerätedicke D des Zeichengerätes 1 im übrigen, die
Wippe 3 umgebenden Gerätebereich. Die Länge L der Drehspitze 9 entspricht dann zweckmäßigerweise
der Differenz zwischen der Gerätedicke D und der Dicke d der Wippe 3.
Wie aus Fig. 5 ersichtlich ist, ist die Wippe 3 zweckmäßigerweise
in deren mittleren Bereich ausgemuldet, wobei die Mulde 12 auch mit Rippen 13 versehen
sein kann. Die Mulde 12 und/oder die Rippen 13 ermöglichen eine besonders vorteilhafte
Handhabung beim Niederdrücken der Wippe 3 zum Einstecken der Drehspitze 9 in die
Einstechposition.
Durch geeignete Wahl des Gerätematerials, vorzugsweise Kunststoff,
durch Bemessung der Materialdicke d der als einstückiger Bestandteil des Zeichengerätes
1 ausgeführten Wippe 3, durch geeignete Anordnung der Freischnitte 4 und/oder durch
Auslegung der Freischnittsbreite b, b' der die Wippe 3 zweckmäßigerweise bildenden
Gerätefreischnitte 4 kann auf einfache Art und Weise die zum Niederdrücken der Wippe
3 und damit zum Einstecken der Drehspitze 9 in das Zeichenblatt erforderliche, durch
Fingerdruck aufzubringende Kraft vorgegeben oder bestimmt werden. Dabei ist die
erforderliche Kraft um so geringer, je dünner die Wippe 3 und damit je kleiner die
Dicke d der Wippe 3 ist. Zudem wird durch die jeweils bestimmte Dicke d der Wippe
3 auch die Länge L der Drehspitze 9 vorgegeben oder festgelegt.
Die als einstückiger Bestandteil des Zeichengerätes 1 ausgeführte
Wippe 3 mit daran angeformter Drehspitze 9 läßt sich im Spritzgußverfahren
besonders einfach in einem Arbeitsgang bei der Herstellung des Zeichengerätes fertigen.
Durch diese einteilige Ausführung des Zeichengerätes 1 mit elastisch bewegbarer
Wippe 3 und daran angeformter Drehspitze 9 ist ein nachträglicher, zeitaufwendiger
Zusammenbau eines aus mehreren Einzelteilen bestehendes Zeichengerätes mit Drehspitzenvorrichtung
vermieden.
Die Ausgestaltung der Wippe 3 gemäß Fig. 3 kann auch bei dem
in Fig. 2 dargestellten Lineal vorgesehen sein. Auch kann die Ausgestaltung der
Wippe 3 nach den Figuren 4 und 5 bei dem Winkeldreieck gemäß Fig. 1 vorgesehen
sein.
Bezugszeichenliste
- 1
- Zeichengerät
- 2
- Zeichen-/Geradenziehkante
- 3
- Drehspitzenwippe
- 4
- Gerätefreischnitt
- 4a,b
- Freischnittsabschnitt
- 5
- Geräteebene
- 6
- Schwenkachse
- 7
- Schwenkpfeil
- 8
- Freiende
- 9
- Drehspitze
- 10
- Durchgangsloch
- 11
- mittlerer Bereich
- 12
- Mulde
- 13
- Rippe
- b,b'
- Freischnittsbreite / lichte Weite
- d
- Dicke der Wippe
- D
- Gerätedicke
- L
- Länge der Drehspitze