Die Erfindung wird nachstehend anhand der in den Figuren dargestellten
Zeichnungen und Diagrammen näher erläutert. Es zeigt:
1 eine schematische Darstellung eines
Lautsprecherarrays zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens mit einzelnen,
schwarz markierten Stereophonie-Lautsprechern innerhalb des Lautsprecherarrays;
2 ein Diagramm für die Auslenkung einer
Phantomschallquelle in Abhängigkeit von der Pegeldifferenz, und
3 ein Diagramm für die Veränderung der
Lokalisation einer aus virtueller Tonquelle und Phantomschallquelle zusammengesetzten
erfindungsgemäßen Kombinationsquelle in Abhängigkeit von der Pegeldifferenz und
für unterschiedliche kritische Frequenzen.
In 1 ist ein Lautsprecherarray aus dicht
nebeneinander angebrachten Lautsprechern abgebildet, wie dies zur Erzeugung einer
Wellenfeldsynthese an sich bekannt ist. Im dargestellten Beispielsfall sind insgesamt
15 Lautsprecher vorgesehen. Das Frequenzband des wiederzugebenden Tonsignals wird
in einen tieffrequenten Bereich unterhalb einer kritischen Frequenz und in einen
hochfrequenten Bereich oberhalb der kritischen Frequenz mit Hilfe von nicht dargestellten
Tief- und Hochpässen aufgespalten.
Im Unterschied zum Stand der Technik werden nur unterhalb der kritischen
Frequenz alle Lautsprecher des Lautsprecherarrays mit kohärenten Signalen betrieben,
so daß durch geeignete Faltungen der zugehörigen Lautsprechersignale ein Schallfeld
einer virtuellen Tonquelle entsteht. Der Ort der virtuellen Tonquelle ist in
1 mit „Virtual source position" bezeichnet.
Das Schallfeld ist durch konzentrische Kreise um den Ort der virtuellen Tonquelle
als Kreismittelpunkt angedeutet. Oberhalb der kritischen Frequenz
werden lediglich einige wenige, als Stereophonie-Lautsprecher bezeichnete Lautsprecher
des Lautsprecherarrays verwendet, um beim Hörer eine Phantomschallquelle zu erzeugen.
Im dargestellten Beispielsfall werden drei Lautsprecher des Arrays als Stereophonie-Lautsprecher
verwendet, die in 1 mit schwarzer Einfärbung markiert
sind. Es handelt sich dabei um einen Lautsprecher in der Mitte des Arrays sowie
um jeweils den vorletzten Lautsprecher an beiden Enden des Arrays. Der Lautsprecher
in der Mitte des Arrays ist zur Wiedergabe des stereophonen Center-Signals, während
die beiden seitlichen Lautsprecher zur Wiedergabe des stereophonen Rechts- bzw.
Linkssignals vorgesehen sind. Der Schalleinfall der drei Stereophonie-Lautsprecher
auf zwei verschiedene Positionen eines Hörers ist in 1
durch gestrichelte Pfeile angedeutet. Die daraus resultierende Phantomschallquelle
nimmt der Hörer am Ort der virtuellen Tonquelle („Virtual source position")
wahr, wie in 1 mit durchgezogenen Pfeilen vom Ort des
jeweiligen Hörers zu dem Ort der virtuellen Tonquelle angedeutet ist. Die Phantomschallquelle
wird durch die ihr zugeordneten Eigenschaften wie Richtung, Lokalisationsschärfe
etc. beschrieben. Durch die Übereinstimmung der Wahrnehmungsorte für die virtuelle
Tonquelle und die Phantomschallquelle verschmelzen beim Hörer virtuelle Tonquelle
und Phantomschallquelle zu einem einzigen Hörereignis, das im folgenden als „Kombinationsquelle"
bezeichnet wird.
Die Wahrnehmung der Phantomschallquelle und damit auch der Kombinationsquelle
hinsichtlich Ort und Qualität hängt von einigen einstellbaren Parametern ab, die
im folgenden näher betrachtet werden sollen.
Parameter #1:
Dieser Parameter ist die Übergangsfrequenz oder kritische Frequenz
zwischen Hoch- und Tiefpass sowie die Eigenschaften von Hoch- und Tiefpass. Diese
Frequenz wird derart gewählt, dass der Tiefpass die Erzeugung von „Spatial
Aliasing" bei der virtuellen Quelle verhindert. Das bedeutet, dass diese Frequenz
von mehreren Parametern wie Abstand der Lautsprecher, Quellen- und Hörposition abhängt.
Dabei ist es von wesentlicher Bedeutung, dass das Verhältnis der Energien zwischen
dem vom Tiefpass und dem vom Hochpass bearbeiteten Signal nie eine gewisse Schwelle
unterschreitet. Bei der Verschmelzung von virtueller Tonquelle und Phantomschallquelle
zur Kombinationsquelle muss die tieffrequente, virtuelle Quelle wesentlich richtungsentscheidend
sein. Das heißt, dass der Absenkung der Übergangsfrequenz Grenzen gesetzt sind.
Parameter #2:
Dieser Parameter ist die Anzahl und die Positionen der Stereophonie-Lautsprecher.
Die Anzahl und die Positionen der Stereophonie-Lautsprecher haben Einfluss auf die
Größe der Hörzone. Das heißt, dass es z.B. durch die Einbeziehung zusätzlicher Stereophonie-Lautsprecher
möglich sein kann, die Hörzone zu vergrößern bzw. positiv zu verändern. Die Position
der Stereophonie-Lautsprecher ist abhängig von der Position der wiederzugebenden
virtuellen Tonquelle. So könnte in Abhängigkeit von der Position der virtuellen
Tonquelle absichtlich nur ein Teil der insgesamt zur Verfügung stehenden Stereophonie-Lautsprecher
aktiviert werden. Das heißt, dass jede einzelne wiedergegebene Ursprungsquelle verschiedene
Stereophonie-Lautsprechern benützen kann. Sind Stereophonie-Lautsprecher und Array-Lautsprecher
identisch, wie in 1, ergibt sich daraus eine große
Anzahl unterschiedlich einsetzbarer Stereophoniebasen.
Die Anzahl (und Position) der Stereophonie-Lautsprecher bestimmt auch
den Grad der Hörbarkeit von Kammfiltereffekten durch die Existenz mehrerer kohärenter
Schallquellen. Das heißt, dass die beste Lösung immer aus einem Kompromiss zwischen
möglichst wenigen am Hörplatz relevanten Stereophonie-Lautsprechern und möglichst
optimaler Hörzone bestehen muss.
Parameter #3:
Dieser Parameter ist gegeben durch die Pegel- und Laufzeitdifferenzen
zwischen den Stereophonie-Lautsprechern und der Lautstärkeverteilung der Phantomschallquelle.
Pegel- und Laufzeitdifferenzen zwischen den Stereophonie-Lautsprechern bestimmen
die wahrgenommene Richtung der Phantomschallquelle. Durch geeignete Wahl dieser
beiden Parameter kann der Lokalisationsfehler in einer begrenzten Zone minimiert
werden. Bei der Wahl der Pegeldifferenzen ist grundsätzlich zu beachten, dass die
Lautstärkeverteilung der Phantomschallquelle in der gesamten Hörzone möglichst optimal
ist. Bei der Wahl der Laufzeitdifferenz ist grundsätzlich zu beachten, dass bei
einer ortsnahen oder – identischen Aufstellung von Array- und Stereophonie-Lautsprechern
Laufzeitunterschiede zwischen Hoch- und Tiefpasssignal besonders im Übergangsbereich
der Hoch- und Tiefpassfilterung störend hörbar werden. Somit gelten für die Stereophonie-Lautsprecher
die Originallaufzeiten der virtuellen Tonquelle als Referenzzeiten.
Die Abschätzung der Hörereignisrichtung einer Phantomschallquelle
in Abhängigkeit von Laufzeit- und Pegeldifferenzen der Lautsprechersignale am Hörort
ist Grundlage für die Optimierung der Lautsprecherparameter. So muss in Kenntnis
der Theorie der Phantomschallquellenwahrnehmung für bestimmte Pegel-
und Laufzeitverhältnisse zwischen den Stereophonie-Lautsprecher-Quellsignalen die
Hörereignisrichtung innerhalb der gesamten gewünschten Hörzone berechnet werden.
Der Lokalisationsfehler errechnet sich aus der Differenz dieser Hörereignisrichtung
und der Richtung der virtuellen Quelle. Mithilfe dieser Berechnung kann die optimale
Wahl der Parameter zur Minimierung des Lokalisationsfehlers getroffen werden. Die
Abschätzung der Hörereignisrichtung einer Phantomschallquelle beruht z.B. auf der
Anwendung eines Vektor-Lokalisationsmodells.
Dabei ist zu beachten, dass die dazu benötigte grundlegende Beziehung
zwischen Pegeldifferenz der Lautsprechersignale und Auslenkung der Phantomschallquelle
abhängig von der Frequenz und Bandbreite des Signals ist. 2
zeigt ein Diagramm für die Auslenkung einer Phantomschallquelle („Phantom
source shift in degrees") in Abhängigkeit von der Pegeldifferenz („Level
difference &Dgr;L"). Während für breitbandige Signale (graue durchgezogene Kurve)
die Beziehung von etwa 7,3 %/dB im linearen Bereich bis 50% Auslenkung gilt, verändert
sich dieser Wert für Hochpasssignale (schwarze durchgezogene Kurve) bei einer Übergangsfrequenz
von 2500 Hz auf etwa 11,6 %/dB (100% entspricht voller Auslenkung, das heißt Auslenkung
um die halbe Basisbreite). Die untere gestrichelte Kurve entspricht der theoretischen
Kurve zur Auslenkung von Breitbandsignalen. Die obere gestrichelte Kurve entspricht
der theoretischen Kurve zur Auslenkung von Hochpasssignalen.
Im Unterschied zu der Abhängigkeit von der Pegeldifferenz sind die
Gesetzmäßigkeiten zur Auslenkung in Abhängigkeit von der Laufzeitdifferenz der Lautsprechersignale
nicht in diesem Masse frequenzabhängig.
Parameter #4:
Als weitere Parameter sind unter Umständen weitere variable Größen
wie Richtwirkung und Qualität der Stereophonie-Lautsprecher in Betracht zu ziehen.
Einige in der Praxis der Lautsprecherarrays auftretende Problem wie mangelnde Qualität
der Array-Lautsprecher können durch eine Wiedergabe im Sinne der Erfindung wesentlich
vermieden werden. Da die Stereophonie-Lautsprecher in ihrer Anzahl im Vergleich
zu den Array-Lautsprechern kleiner sein können, kann auch der Anspruch steigen,
der an diese Lautsprecher gestellt werden kann. So ist schon die Trennung von Hoch-
und Tieftönern eine wesentliche Chance zur Verbesserung der Qualität. Außerdem kann
z.B. der Einsatz von Hochtönern sinnvoll sein, die eine richtungsunabhängigere Wiedergabe
auch hoher Frequenzen erlauben.
Einige der vorstehenden Parameter können zur Optimierung von wahrgenommener
Eigenschaften variiert werden, nämlich:
Variation Parameter #1:
Es wird variiert die Differenz (im folgenden sogenannter „Lokalisationsfehler")
zwischen den jeweils einzeln wahrgenommenen Richtungen von virtueller Tonquelle
und Phantomschallquelle. Diese Differenz ist verantwortlich für die Wahrnehmung
der Richtung, der Lokalisationsschärfe, der Homogenität sowie der Stabilität der
Kombinationsquelle. Der Hörereignisort der Kombinationsquelle soll demjenigen der
virtuellen Quelle entsprechen. Außerdem soll die Lokalisationsschärfe und Homogenität
optimal sein.
3 zeigt Ergebnisse eines Experiments,
mit dem ermittelt wurde, welcher Lokalisationsfehler für ein bestimmtes Signal ohne
Einbussen toleriert werden kann. Das Diagramm nach 3
zeigt die Veränderung der Lokalisation einer aus virtueller Tonquelle und Phantomschallquelle
zusammengesetzten Kombinationsquelle in Abhängigkeit von der Pegeldifferenz und
für unterschiedliche kritische Frequenzen. Und zwar gilt die oberste, schwarze durchgezogene
Kurve für ein variiertes Hochpasssignal, während die unterste, auf der horizontalen
Achse zwischen den Werten –1,5 und –3 verlaufende schwarze durchgezogene
Kurve für ein Tiefpasssignal mit einer Hörereignisrichtung von 0° gilt. Die
resultierende Auslenkung der Kombinationsquelle ist mit gestrichelter Kurve für
eine Übergangsfrequenz zwischen Hoch- und Tiefpass von 1700 Hz dargestellt. Die
durchgezogene graue Kurve (horizontaler Ast auf der horizontalen Achse zwischen
den Werten 0 und –1,5; linear ansteigender Ast zwischen den Werten –1,5
und –2,5; horizontaler Ast zwischen den Werten –2,5 und –3) gilt
für eine resultierende Auslenkung der Kombinationsquelle bei einer Übergangsfrequenz
zwischen Hoch- und Tiefpass von 2500 Hz.
Am Beispiel weibliche Sprache kann für ein durchschnittliches Signal
folgende Aussage getroffen werden: Liegt ein Lokalisationsfehler von über ca. 7,5–10
Grad vor, beginnt sich die Hörereignisrichtung in Richtung der Phantomschallquelle
zu bewegen. Die Veränderung der Gesamtlokalisation liegt nun bei ca. 2 Grad, das
entspricht ungefähr der Lokalisationsunschärfe natürlicher Schallquellen: Es steigt
auch die Unschärfe der Lokalisation der Kombinationsquelle. Die Homogenität der
Lokalisation ist bei diesem Lokalisationsfehler noch nicht beeinträchtigt, das Hörereignis
zerfällt also noch nicht in verschiedene Bestandteile. Es kann also für durchschnittliche
Signale und eine Übergangsfrequenz von etwa 2500 Hz ein maximaler Lokalisationsfehler
von 7,5–10 Grad definiert werden.
Variation Parameter #2:
Es werden variiert die Eigenschaften der Phantomschallquelle wie Lokalisationsschärfe,
Stabilität, Klangfarbe, etc. Insbesondere geht es um die Auswirkung von Kammfiltereffekten
durch Überlagerung mehrerer kohärenter Lautsprechersignale.
Variation Parameter #4:
Es werden variiert gewünschte Position und Größe der sogenannten „Hörzone",
d.h., die Zone, in der die genannten Eigenschaften bis zu einem zu definierten Maß
akzeptabel sind.