Die heute eingesetzten Maschinen oder Vorrichtungen zum Langziehen
von Geweben verfügen über eine kraftschlüssige Verfahrensweise, die das Gewebe zwischen
Walzenkombinationen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durch Friktion solange
lang zieht, bis ein Teil der Einwebung – der Kettfäden – aus der Längsrichtung
in die Querrichtung gewechselt hat, wobei sich dabei das Gewebe längt. Dabei kommt
es zu keiner „Streckung" im Sinne dieser Erfindung, sondern ausschließlich
zu einem Langziehen der Kettfäden aus der Auslenkung (Einwebung) heraus.
Gleichzeitig muss die Einwebung des Schussmaterials sich erhöhen,
was zwangsläufig zu einer Reduzierung der Gewebebreite führt. Gleichzeitig verdichten
sich hauptsächlich in beiden Randbereichen der Gewebe die Anzahl Kettfäden pro Einheit.
Während des Langziehens reduziert sich die tatsächliche Prozessbreite
aber um mindestens bis zu 15% der eingesetzten Breite und wird im Verlaufe des Prozesses,
vor dem Trocknen, wieder breit gezogen auf eine danach erforderliche neue Weiterverarbeitungsbreite.
Die größte mechanische Bewegung spielt sich in den Randzonen beider
Seiten der Gewebebahn ab, wodurch etwa 25% je Seite – damit sind die mechanisch
physikalischen Grenzen der Volumendichte erreicht – der Gewebebreite betroffen
sind und dieses wird durch breit ziehen wieder korrigiert. Hauptsächlich müssen
die Kettfäden in den Randzonen immer umgekehrt reagieren. Dadurch verlieren die
Seiten der Gewebebahnen zum Teil erheblich ihre Dimensionsstabilität, d. h. Überdehnung
und Stauchvorgang der Kett- wie auch der Schussfäden, sowie eine Verdickung der
Randbereiche. Zu bemerken ist, dass dadurch eine erhebliche qualitative Differenz
zwischen den Seiten und der Mitte der bearbeiteten Gewebebahn entsteht, die sich
bei der Weiterverarbeitung und Endanwendung entsprechend negativ bemerkbar macht.
Für nachfolgende Beschichtungsvorgänge eine erhebliche Erschwernis,
weil voluminösere Teile mehr Chemikalien aufnehmen und dadurch die Flächenuniformität
leidet.
Dadurch ergeben sich die in der Literatur bekannten Flatterkanten,
die eine enorme Qualitätseinbusse darstellen und das Handling während z. B. Beschichtungsvorgängen
erschweren, schlussendlich eine höhere Verlustquote nach sich ziehen.
Zusätzlich zu den negativen qualitativen Eigenschaften, ist diese
Methode auch noch teuer, weil durch das Langziehen die nutzbare Breite sich um bis
zu mindestens 10% reduziert und dieser Breitenverlust muss beim Kauf des Gewebes
berücksichtigt werden.
Die in den Schutzansprüchen 1 bis 4 aufgeführte Vorrichtung der Walzenpaare
mit den Haken-Zahnreihen löst die vorangeschilderte Problematik komplett.
Die geforderte Eigenschaft einer gezielten minimalen Dehnung des Gewebes
in Längsrichtung wird durch die Form und die Anordnung der hakenförmigen Zahnreihen
erreicht, die es erlaubt, das Gewebe bzw. die Garne in kleinsten Bereichen zu strecken,
weil Abstände und Zuordnung der hakenförmigen Zähne so gewählt sind, dass die Ansatzpunkte
der streckenden Kräfte, unterhalb der Faserlänge liegen und somit gezielt auch die
Fasern in den Streckprozess einbezogen sind, wodurch eine irreversible Streckung
der Längsrichtung des Gewebes erzielt wird.
Das Strecken von Geweben muss im nassen Zustand erfolgen.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in Schutzanspruch 1 bis
4 dargestellt.
Es zeigt ein Gewebe im Eingriff zwischen den Zahnreihen Z1, Z2 sowie
Z3, Z4 und den Angriffspunkten A–C–B. Es ist ersichtlich, dass aus der
geraden Strecke A–B, durch den Eingriff der Haken-Zähnreihen die Strecke A–C–B
wird. Diese Streckung läuft ab in einem Bruchteil einer Sekunden, quasi explosionsartig,
und zwingt die Kettfäden über die gesamte Breite des Gewebes in den Streckvorgang,
wodurch die irreversible Streckung erzielt wird.
Ein weiterer entscheidender Vorteil den diese Erfindung ergibt ist,
dass das Gewebe beim Strecken in voller Breite erfasst ist und keinerlei Kräfte
auf die Schussfäden ausgeübt werden und somit die Ausgangsbreite, ohne Verluste,
bestehen bleibt.
Ein weiterer aber ebenfalls herausragender Vorteil den diese Erfindung
bringt, ist die absolute Dimensionsstabilität über die Breite und voller Länge des
Gewebes. Es ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal.
Damit ist das Ziel durch diese Erfindung erreicht, dass im Gewebe
eine ganz geringe, eine fast an der Bruchgrenze liegende geringe Dehnung erzielt
werden kann, sogar die Reißkraft sich noch erhöht, die ursprüngliche Gewebebreite
und auch die Dimensionsstabilität der Fläche voll erhalten bleibt.