Die vorliegende Erfindung betrifft allgemein Betulinolderivate und
insbesondere Verfahren zur Herstellung dieser Betulinolderivate.
Das Betulinol ist eines der am häufigsten vorkommenden Triterpene
und stellt bis zu 24 Prozent der äusseren Rinde der weissen Birke (Betula alba)
sowie 35 Prozent der äusseren Rinde und ca. 5 Prozent der inneren Rinde der weissen
Manchuria-Birke (Betula platyphylla) (Hirota et al., J.S.C.I. Japan, 47:922 (1944))
dar. Es ist auch in freiem Zustand in den Rinden folgender Bäume zu finden: der
gelben und schwarzen Birke (Steiner, Mikrochemie, Molisch-Festschrift, S. 405 (1936)),
Corylus avellana, Carpinus betulus (Feinberg et al., Monatsh, 44:261 (1924); Brunner
et al., Monatsh, 63:368 (1934); sowie Brunner et al., Monatsh, 64:21 (1934)), und
Lophopetalum toxicum (Dieterle et al., Arch. Pharm., 271:264 (1933)). Das Exudat
der Rinde des Trochodendron aralioides, das den japanischen Vogelleim darstellt,
enthält Betulinpalmitat (Shishido et al., J.S.C.I. Japan, 45:436 (1942)). Das Betulin
ist auch aus Hagebutte (Zimmermann, Helv. Chim. Acta, 27:332 (1944)) extrahiert
worden sowie aus den Samen des Zizyphus vulgaris Lamarck var. spinosus Bunge (Rhamnaceae)
(Kawaguti et al., J. Pharm. Soc. Japan, 60:343 (1940)). Ruhemann et al., Brennstoff-Ch.,
13:341 (1932) beschreibt die Anwesenheit von Betulin, Alobetulin und eines "Oxyalobetulins"
in der verseifbaren Menge eines Benzenalkoholextraktes mitteldeutscher Braunkohle.
Des weiteren ist folgende Gruppe höherer Derivate aus Birkenrindenextrakt identifiziert
worden: (a) Betulinol, (b) Betulinsäure, (c) Betulinaldehyd, (d) Betulonsäure, sowie
(e) Betulonaldehyd (Rimpler et al., Arch. Pharm. Und. Ber. Dtsh. Ppharmaz Jes, 299:422-428
(1995); Lindgren et al., Acta Chem., 20:720 (1966); und Jaaskelainen, P. Papperi
Ja Puu-Papper Och Tra., 63:599-603 (1989)).
V. Pouzar et al., Collect. Czech. Chem. Comm., 41:3459 (1976) beschreibt
ein Verfahren zur Herstellung eines Betulindiethers, welches die Umsetzung des entsprechenden
Dialkohols mit Methyljodid beinhaltet.
Das aus der Birkenrinde extrahierte Betulinol wurde erstmals 1899
als Antiseptikum angegeben.
Später zeigte sich, dass die aus Extrakten von Hyptis emory und Alnus
oregonu abgetrennten Verbindungen, die als pentazyklische Estirene und deren Derivate
identifiziert sind, das Wachstum von Karzinosarkomen hemmen (Sheth et al., J. Pharm.
Sci., 61:1819 (1972) und Sheth et al., J. Pharm. Sci., 62:139-140 (1973)). Es wurde
angedeutet, dass die Betulinsäure das wichtigste antitumorale Mittel in der Terpenoidenmischung
ist (Tomas et al., Planta Medicina, 54:266-267 (1988) und Ahmat et al., J. Indian
Chem. Soc., 61:92-93 (1964)). Insbesondere zeigte die Betulinsäure eine zytotoxische
Wirkung gegenüber der Zelllinie CO-115 des Dickdarmkarzinoms (DL 50 = 0,375 mg/ml)
(Ukkonen et al., Birch bark extractive kemia kemi, 6:217 (1979)).
Die Verwendung chemotherapeutischer Mittel bei der Behandlung verschiedener
Krebsarten ist zu einem festen Bestandteil der Krebsbehandlung geworden, besonders
wenn sich die Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Diese chemotherapeutischen
Mittel wirken jedoch nicht nur auf die bösartigen Zellen, sondern haben auch Nebenwirkungen
auf Zellen, die kein Ziel darstellen, insbesondere auf die schnell wuchernden Zellen
des Gastrointestinaltraktes sowie des Knochenmarks. Bei Anwendung in den hohen Konzentrationen,
die zur wirksamen Eliminierung der Krebszellen häufig nötig sind, führen diese zytotoxischen
Medikamente zu unerwünschten und häufig schwerwiegenden Nebenwirkungen. Obwohl das
Konzept der gesteuerten Chemotherapie recht alt ist, ist nur eine geringe Anzahl
antineoplastischer Medikamente und Toxine erfolgreich mit monoklonalen und poliklonalen
Antikörpern kombiniert worden.
Es besteht daher weiterhin der Bedarf an chemotherapeutischen Mitteln
und besonders an gesteuerten chemotherapeutischen Mitteln. Die vorliegende Erfindung
hat zum Ziel diesen Bedarf zu lösen.
Erfindungsgemäss ist ein Verfahren vorgesehen zum Synthetisieren eines
Diethers der Formel:
in welcher R Alkyl ist,
wobei das genannte Verfahren folgendes umfasst: Bereitstellung eines Dialkohols der Formel:
und Alkylieren des Dialkohols mit einem Nitril der Formel:
R-C≡N
unter wirksamen Bedingungen zur Bildung des Diethers.
Die erfindungsgemäss gebildeten Diether können zur Behandlung von
an Krebs leidenden Patienten eingesetzt werden.
Die 1 ist ein Fliessschema gezeigt, in
welchem ein Verfahren zur Herstellung von Betulinol dargestellt ist.
Die vorliegende Erfindung bildet einen Diether der Formel:
R ist eine Alkylgruppe. R kann ein nicht substituiertes Alkyl sein oder kann mit
einer beliebigen Anzahl und Kombination von bekannten Substituenten wie Sulfo, Carboxy,
Cyano, Halogen (z.B. Fluor, Chlor), Hydroxyl, Alkenyl (z.B. Allyl, 2-Carboxyallyl),
Alkoxy (z.B. Methoxy, Ethoxy), Aryl (z.B. Phenyl, p-Sulfophenyl), Aryloxy (z.B.
Phenyloxy), Carboxylat (z.B. Methoxycarbonyl, Ethoxycarbonyl), Acyloxy (z.B. Acethyloxy),
Acyl (z.B. Acethyl, Propionyl), Amino (einschliesslich nicht substituierter, monosubstituierter
und disubstituierter Amine, sowie zyklischen Aminogruppen (wie Piperidin und Morpholin)
und ähnlichen substituiert sein.
Die Alkylgruppe kann geradlinig, verzweigt oder zyklisch sein. Einige
anschauliche Beispiele geeigneter Alkylgruppen umfassen Methyl, Ethyl, n-Propyl,
Isopropyl, n-Butyl, Isobutyl, terc. Butyl, n-Pentyl, Neopentyl, Cyclopentyl, n-Hexyl
und Cyclohexyl. Vorzugsweise ist R Methyl wobei dann der Diether Betulinol-Dimethylether
(auch "Cornelon" genannt) ist.
Der durch die vorliegende Erfindung gebildete Diether hat mehrere
optisch aktive Kohlenstoffatome. Bevorzugt ist der Diether optisch rein und besonders
bevorzugt hat jedes der Chiralzentren des Diethers die Ausbildung derjenigen, die
auf natürliche Weise im Betulinol vorkommen, wie in folgender Formel gezeigt ist:
Das Verfahren gemäss der vorliegenden Erfindung umfasst die Alkylierung
eines Dialkohols der Formel:
mit einem Nitril der Formel:
R-C≡N
Der Dialkohol, das Ausgangsmaterial dieser Reaktion, kann Betulinol
sein wie das aus natürlichen Produkten extrahierte Betulinol. Die Verfahren zur
Abtrennung von Betulinol aus verschiedenen Substanzen sind allgemein bekannt. Das
Betulinol kann z.B. aus der äusseren Schicht der Rinde der weissen Birke Betula
alba durch Sublimation abgetrennt werden (Lowitz, Crell's Annalen, 1:312 (1788)
und Mason, Silliman's Am. J., 20:282 (1831), die hier durch Bezugnahme mit aufgenommen
werden) oder durch die Extraktion mit einem Alkohol wie Ethanol (Hunefeld, J. Prakt.
Chem., 7:53 (1836) und Hess, Poggendorf's Annalen, 46:319 (1839), die hier durch
Bezugnahme mit aufgenommen werden). Es sind weitere Betulinolquellen und Verfahren
für deren Abtrennung und Reinigung beschrieben worden, z.B. in Sheth et al., J.
Pharm. Sci., 61:1819 (1972) (rohe Pflanzen und Extrakte von Hyptis emory) und Sheth
et al., J. Pharm. Sci., 62:139-140 (1973) (Alnus oregonu), die hier durch Bezugnahme
mit aufgenommen werden.
Bei einem bevorzugten Verfahren wird das Betulinol aus der nicht verseifbaren
Substanz aus Blumenseife abgetrennt, wie z.B. durch das in 1
dargestellte Verfahren. Kurz, die ursprünglichen zerkleinerten Blätter, Holz und
Bestandteile eines Sulfat-Kochvorgangs (NaOH, Na2SO4, Na2S2O3,
Na2SO3) werden in einen Kochtopf gegeben in Batch- oder durchgehender
Fahrweise. Bei einer Temperatur von 110°C bis 120°C und wahlweise unter
erhöhten Druck, löst sich das Lignin (Holzbestandteil) auf. Die Rohzellulose stammt
aus Papierlauge und besteht aus Lignin, Zellulose und Schwarzlauge. Die Schwarzlauge
ist eine Zusammensetzung aus Schwarzlauge mit Harzsäuresalzen und nicht verseibaren
Stoffen. Die Rohzellulose wird bei der Herstellung von Papier verwendet, während
die Sulfatseife von der Schwarzlauge durch Zentrifugieren oder durch einen Absetzvorgang
abgetrennt wird. Durch Behandlung der Sulfatseife mit Schwefelsäure entsteht flüssiges
Harz. Die nicht verseifbaren Stoffe werden als Rohbetulinol abgetrennt. Die Umkristallisierung
des Rohbetulinols wie z.B. in Aceton, Ethylacetat, Isopropanol, Butanol, Ethanol
und ähnlichen führt zu reinem Rohbetulinol. Der nach dem Zentrifugieren oder dem
Absetzen vorliegende Schwarzlaugenrückstand kann vorteilhaft wieder aufbereitet
werden, wie in 1 gezeigt ist.
Auch wenn die Reinheit des als Ausgangsmaterial der Synthese des Diethers
verwendeten Betulinols in der Praxis der vorliegenden Erfindung nicht kritisch ist,
wird vorzugsweise ein Betulinol verwendet, das eine Reinheit von mindestens 92-94%
und einen Schmelzpunkt von 241-243°C aufweist. Ein Betulinol mit derartigen
Eigenschaften kann unter Anwendung der zuvor beschriebenen, bevorzugten Abtrennungs-
und Reinigungsverfahren erhalten werden.
Nach Erhalt des Dialkohols wird mit einem Nitril der Formel R-C≡N
alkyliert. Die Identität des eingesetzten Nitrils hängt von der Identität der im
Diether erwünschten R-Gruppen ab. Wenn z.B. Betulinol-Dimethyl-Ether gewünscht wird
ist das Nitril Acetonitril. Andere zur Verwendung bei der Herstellung anderer Diether
geeignete Nitrile umfassen Propionylnitril, Butyrylnitril, Pentanoylnitril, Hexanoylnitril,
Benzylacetonitril und ähnliche. Vorzugsweise liegen der Dialkohol und das Nitril
in einem Molverhältnis von mindestens 1:2, besonders bevorzugt in einem Molverhältnis
von ca. 1:20 bis 1:60, und ganz besonders bevorzugt in einem Molverhältnis von ca.
1:40 vor. Die Reaktion kann durchgeführt werden ahne Einsatz eines Lösemittels,
wenn das Nitril eine Flüssigkeit ist, in welcher der Dialkohol löslich ist, als
auch wenn das Nitril Acetronitril ist. Falls das Nitril ein Feststoff oder eine
Flüssigkeit ist, in welcher der Dialkohol nicht löslich ist, kann die Reaktion in
einem Reaktionslösemittel durchgeführt werden, vorzugsweise in einem solchem, in
dem sowohl der Dialkohol als auch das Nitril ausreichend löslich sind und mit welchem
keines der beiden reagiert. Geeignete Lösungsmittel sind z.B. Ketonlösemittel wie
Aceton sowie Chlorkohlenwasserstoff-Lösemittel wie Methylenchlorid und Chloroform.
Die Reaktion kann bei einer Temperatur von etwa der Umgebungstemperatur bis etwa
der Rückflusstemperatur des Nitrils oder des Reaktionslösemittels, vorzugsweise
bei ca. 30°C bis ca. 70°C, und besonders bevorzugt bei ca. 50°C durchgeführt
werden. Die Reaktionsdauer hängt weitgehend von der Reaktionsfähigkeit des Nitrils,
der Konzentration der Reaktionspartner und anderen Faktoren ab. Im Allgemeinen wird
sie während einer Zeitdauer von ca. 5 Minuten bis ca. 12 Stunden, vorzugsweise von
ca. 5 Minuten bis ca. 1 Stunde und besonders bevorzugt ca. 20 Minuten lang durchgeführt.
Nach der Reaktion wird der Diether abgetrennt. In Fällen, in denen
der Diether nicht im Reaktionsmittel (d.h. im Nitril oder im Reaktionslösemittel)
löslich ist, wird die Abtrennung besser durch Abfiltern des ausgefällten Diethers,
vorzugsweise nach dem Abkühlen der Reaktionsmischung durchgeführt. In anderen Fällen
kann der Diether als Öl oder Niederschlag abgetrennt werden, indem der Reaktionsmischung
ein Lösemittel hinzugegeben wird, in welchem der Diether nicht nennenswert löslich
ist, normalerweise ein Alkan wie Petrolether oder ein Ether wie Diethylether.
Nachdem der Diether aus der Reaktionsmischung abgetrennt worden ist,
kann er gereinigt werden z.B. durch Waschen mit einem Lösemittel wie Aceton, Acetonitril,
Methanol und ähnlichen. Es kann eine zusätzliche Reinigung durch Standardtechniken
wie der Rekristallisierung oder der Chromatographie durchgeführt werden.
Beispiel - Herstellung von Cornelon
Das Betulinol wurde in Acetonitril gelöst in einem Molverhältnis von
1:40 zwischen dem Betulinol und dem Acetronitril. Die Lösung wurde auf 50°C
erhitzt und es wurde 20 Minuten langt gerührt. Der als "Cornelon" bezeichnete kristalline
Rückstand wurde mit Acetonitril gewaschen, gefiltert und bei 60°C getrocknet.
Es wurde ein Cornelon mit einer Ausbeute von 80-95% erhalten und durch HPLC untersucht.
Anspruch[de]
Ein Verfahren zum Synthetisieren eines Diethers der Formel:
in welcher R Alkyl ist,
wobei das genannte Verfahren folgendes umfasst:
Bereitstellung eines Dialkohols der Formel:
und
Alkylieren des Dialkohols mit einem Nitril der Formel:
R-C≡N
unter wirksamen Bedingungen zur Bildung des Diethers.
Ein Verfahren nach Anspruch 1, wobei R Methyl ist.
Ein Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Dialkohol und das Nitril jeweils
in einem Molverhältnis von ca. 1:20 bis ca. 1:60 vorliegen.
Ein Verfahren nach Anspruch 1, wobei die genannte Alkylierung bei einer
Temperatur von ca. 30°C bis ca. 70°C durchgeführt wird.