Die vorliegende Erfindung besteht aus einem Vorrichtungssystem und
einem Verfahren zur Simulation und Reproduktion verschiedener Stimmungen von Musikinstrumenten.
Insbesondere Handharmonikas und Akkordeons, die zur Gruppe der Handzuginstrumente
gehören, haben eine vom Hersteller oder Reparateur vorgegebene Stimmung, die vom
Spieler nicht verändert werden kann. Der Gesamtklangeindruck eines Instrumentes
wird dabei besonders vom so genannten Schwebeton bestimmt. Er besteht aus zwei oder
drei gleichen, übereinander gelagerten Tönen, die auf etwas unterschiedlichen Frequenzen
eingestimmt sind. Dabei bestimmt der Frequenzabstand zwischen den Tönen die Sehwebung,
die durch eine regelmäßige Überlagerung bestimmter Obertöne entsteht. Dieser Schwebeton
kann auf die unterschiedlichste Art und Weise gestimmt werden, von langsam schwebend
mit geringem Frequenzabstand, bis schnell schwebend mit großem Frequenzabstand.
Außerdem nimmt im aufsteigenden Verlauf einer Tonleiter die Schwebung an Geschwindigkeit
zu. Was langsam oder flach, schnell oder schart gestimmt ist, wird sehr subjektiv
wahrgenommen. Somit kann der Hersteller den Schwebeton nicht auf die individuellen
Wünsche jedes einzelnen Spielers einstimmen, sondern muss versuchen, mit der Stimmung
seiner Instrumente einen Durchschnittsgeschmack zu treffen, der je nach Musikrichtung
sehr unterschiedlich sein kann, und sich auch nach veränderlichen Trends richtet.
Da es nahezu unzählige Möglichkeiten gibt eine Stimmung zu gestalten,
andererseits das Stimmen dieser Instrumente aber sehr aufwändige Handarbeit ist,
bei der Stahl mit verschiedenen Spezialwerkzeugen bearbeitet werden muss, besteht
ein allgemeines Interesse, sich vor Anschaffung oder Reparaturauftrag verschiedene
Stimmungen in einer Simulation anhören zu können. Im Reparaturbereich, wo die Instrumente
in Zeitintervallen von etwa 10 bis 20 Jahren gestimmt werden, wird durch das Stimmen
und Vorspielen einzelner Töne versucht, dem Kunden einen ungefähren Eindruck von
den verschiedenen Möglichkeiten zu vermitteln. Dieses Verfahren ist sehr zeit- und
arbeitsintensiv, und darüber hinaus wenig zufriedenstellend im Hinblick auf eine
Entscheidungshilfe. Im Handel, d.h. beim Verkauf von neuen oder gebrauchten Handzuginstrumenten,
werden individuelle Wünsche bei der Stimmung nur selten berücksichtigt. Wenn überhaupt,
werden nur einige grobe Kategorien angeboten, für die man nur in den seltensten
Fällen ein Klangbeispiel, z.B. in einem anderen Instrument, bereit hält.
Als Folge davon, ist es nur einem kleinen Teil der Akkordeon- und
Handharmonikaspielern bekannt, dass man den charakteristischen Schwebeton unterschiedlich
klingen lassen kann. Bei der Suche nach einem bestimmten Klangideal werden deshalb
oft nur verschiedene Instrumententypen ausprobiert, ohne die Möglichkeit zu nutzen,
den Schwebeton zu variieren.
Aufgabe der Erfindung ist es, Instrumentalspielern eine effektive
Entscheidungshilfe mit einer praxisnahen Simulation zur Verfügung zu stellen, mit
der sich eine individuelle Stimmung in einem Musikinstrument reproduzieren lässt.
Das Vorrichtungssystem und das Verfahren mit den Merkmalen aus den
Ansprüchen 1-11 erfüllen exakt diese Aufgabe.
Ein alltägliches Problem im Reparaturbetrieb, nämlich die Auswahl
einer Stimmung für ein bestimmtes Instrument, lässt sich damit nicht nur verbessern,
sondern es kann durch diese Erfindung eine Dienstleistung in einer völlig neuen
Qualität angeboten werden.
In einem Anwendungsbeispiel wird hierzu auf einem Server, der mit
einem internetprotokollbasierenden Netz verbunden ist, ein Softwareprogramm installiert,
das die im Folgenden beschriebenen Merkmale aufweist:
Nachdem ein Anwender eine Verbindung zum Server aufgenommen hat, lädt er sich ein
Programm herunter, mit dem er auf seinem Rechner verschiedene Stimmungen simulieren
kann. Merkmale verschiedener Stimmungen sind dabei zum Beispiel die Anzahl der Obertonschwingungen
einzelner Töne im Schwebetonregister, sowie die Steigungskurve, die die nach oben
schneller werdende Schwebung darstellt. Diese Merkmale können optisch z.b. durch
Grafiken oder Frequenzangaben dargestellt werden. Auch gespreizte, verschieden temperierte
oder harmonische Stimmungen, wie sie z.B. für historische Tasteninstrumente Verwendung
finden, können hiermit simuliert werden. Bei jedem Klangbeispiel wird dabei der
gesamte Tonumfang des entspreehenden Instrumentes hörbar. In einem Anwendungsbeispiel
hat der Nutzer auch die Möglichkeit, interaktiv, wie auf einem realen Instrument
zu spielen sowohl einstimmig als auch polyphon.
Insgesamt sind die Möglichkeiten hierbei natürlich von den Hard- u.
Softwarekomponenten des Anwenders abhängig. Die entsprechenden Schnittstellen werden
im System resp. im Softwareprogramm bereitgestellt.
Nachdem eine Stimmung ausgewählt und ein einfacher Bezahlvorgang abgewickelt
wurde, bekommt der Anwender eine Tabelle angezeigt, die die genauen Frequenzdaten
für jeden einzelnen Ton der ausgewählten Stimmung enthält, wahlweise in Cent, realen
oder relativen Hertzangaben. Mit Hilfe dieser Frequenztabelle, die in verschiedenen
Dateiformaten ausgedruckt werden kann, lässt sich nun die gewünschte Stimmung in
ein reales Instrument einstimmen.
Anwender bzw. Nutzer dieser Erfindung können zum Beispiel Handharmonika-
oder Akkordeonspieler sein, die sich anhand der erstellten Tabelle eine individuelle
Stimmung in ihr Instrument machen lassen wollen. Aber auch für Stimmer, d.h. Reparateure
oder Hersteller, die ihren Kunden einen besonderen Service anbieten wollen, kann
diese Erfindung ein nützliches Werkzeug sein.
Ein wesentlicher Vorteil dieses interaktiven Onlinesystems besteht
für den Anwender darin, dass er keine Investitionskosten hat. Dies ist für den einzelnen
Instrumentalspieler die wichtigste Voraussetzung, da er diese Dienstleistung nur
sehr selten nutzen wird. Die Erstellung der für eine individuelle Stimmung erforderliehen
Tabelle kann gegen eine geringe Gebühr erfolgen, da der Markt hierfür sehr groß
ist.
In einem weiteren Anwendungsbeispiel sind alle oben genannten technischen
Eigenschaften in einem einzelnen Gerät verfügbar.