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Dokumentenidentifikation DE102004013028A1 06.10.2005
Titel Vorrichtungssystem und Verfahren zur Simulation und Reproduktion verschiedener Stimmungen von Musikinstrumenten
Anmelder Jung, Joachim, 33647 Bielefeld, DE
Erfinder Jung, Joachim, 33647 Bielefeld, DE
DE-Anmeldedatum 18.03.2004
DE-Aktenzeichen 102004013028
Offenlegungstag 06.10.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 06.10.2005
IPC-Hauptklasse G10G 7/02
IPC-Nebenklasse G06F 19/00   
Zusammenfassung Die Erfindung umfasst ein Vorrichtungssystem und ein Verfahren zur Simulation und Reproduktion verschiedener Stimmungen von Musikinstrumenten, insbesondere Handzuginstrumente. Da das Stimmen dieser Instrumente sehr aufwändige Handarbeit ist und eine Stimmung auf unterschiedlichste Art gestaltet werden kann, soll die vorliegende Erfindung eine effektive Entscheidungshilfe bei der Auswahl bieten und eine einfache Reproduzierbarkeit der ausgewählten Stimmung ermöglichen.
In einem Anwendungsbeispiel wird dazu auf einem Server eine Software installiert, die es einem Anwender ermöglicht, über ein internetprotokollbasierendes Netz verschiedene Stimmungen derart zu generieren, dass dabei der gesamte Tonumfang des betreffenden Musikinstrumentes hörbar wird. Für die Auswahl einer Simulation können verschiedene Parameter vom Anwender verändert werden.
Nach Auswahl einer bestimmten Stimmung wird eine Tabelle mit den dazugehörigen Frequenzen für jeden einzelnen Ton erstellt, anhand der die gewünschte Stimmung in ein reales Instrument eingestimmt werden kann.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung besteht aus einem Vorrichtungssystem und einem Verfahren zur Simulation und Reproduktion verschiedener Stimmungen von Musikinstrumenten.

Insbesondere Handharmonikas und Akkordeons, die zur Gruppe der Handzuginstrumente gehören, haben eine vom Hersteller oder Reparateur vorgegebene Stimmung, die vom Spieler nicht verändert werden kann. Der Gesamtklangeindruck eines Instrumentes wird dabei besonders vom so genannten Schwebeton bestimmt. Er besteht aus zwei oder drei gleichen, übereinander gelagerten Tönen, die auf etwas unterschiedlichen Frequenzen eingestimmt sind. Dabei bestimmt der Frequenzabstand zwischen den Tönen die Sehwebung, die durch eine regelmäßige Überlagerung bestimmter Obertöne entsteht. Dieser Schwebeton kann auf die unterschiedlichste Art und Weise gestimmt werden, von langsam schwebend mit geringem Frequenzabstand, bis schnell schwebend mit großem Frequenzabstand. Außerdem nimmt im aufsteigenden Verlauf einer Tonleiter die Schwebung an Geschwindigkeit zu. Was langsam oder flach, schnell oder schart gestimmt ist, wird sehr subjektiv wahrgenommen. Somit kann der Hersteller den Schwebeton nicht auf die individuellen Wünsche jedes einzelnen Spielers einstimmen, sondern muss versuchen, mit der Stimmung seiner Instrumente einen Durchschnittsgeschmack zu treffen, der je nach Musikrichtung sehr unterschiedlich sein kann, und sich auch nach veränderlichen Trends richtet.

Da es nahezu unzählige Möglichkeiten gibt eine Stimmung zu gestalten, andererseits das Stimmen dieser Instrumente aber sehr aufwändige Handarbeit ist, bei der Stahl mit verschiedenen Spezialwerkzeugen bearbeitet werden muss, besteht ein allgemeines Interesse, sich vor Anschaffung oder Reparaturauftrag verschiedene Stimmungen in einer Simulation anhören zu können. Im Reparaturbereich, wo die Instrumente in Zeitintervallen von etwa 10 bis 20 Jahren gestimmt werden, wird durch das Stimmen und Vorspielen einzelner Töne versucht, dem Kunden einen ungefähren Eindruck von den verschiedenen Möglichkeiten zu vermitteln. Dieses Verfahren ist sehr zeit- und arbeitsintensiv, und darüber hinaus wenig zufriedenstellend im Hinblick auf eine Entscheidungshilfe. Im Handel, d.h. beim Verkauf von neuen oder gebrauchten Handzuginstrumenten, werden individuelle Wünsche bei der Stimmung nur selten berücksichtigt. Wenn überhaupt, werden nur einige grobe Kategorien angeboten, für die man nur in den seltensten Fällen ein Klangbeispiel, z.B. in einem anderen Instrument, bereit hält.

Als Folge davon, ist es nur einem kleinen Teil der Akkordeon- und Handharmonikaspielern bekannt, dass man den charakteristischen Schwebeton unterschiedlich klingen lassen kann. Bei der Suche nach einem bestimmten Klangideal werden deshalb oft nur verschiedene Instrumententypen ausprobiert, ohne die Möglichkeit zu nutzen, den Schwebeton zu variieren.

Aufgabe der Erfindung ist es, Instrumentalspielern eine effektive Entscheidungshilfe mit einer praxisnahen Simulation zur Verfügung zu stellen, mit der sich eine individuelle Stimmung in einem Musikinstrument reproduzieren lässt.

Das Vorrichtungssystem und das Verfahren mit den Merkmalen aus den Ansprüchen 1-11 erfüllen exakt diese Aufgabe.

Ein alltägliches Problem im Reparaturbetrieb, nämlich die Auswahl einer Stimmung für ein bestimmtes Instrument, lässt sich damit nicht nur verbessern, sondern es kann durch diese Erfindung eine Dienstleistung in einer völlig neuen Qualität angeboten werden.

In einem Anwendungsbeispiel wird hierzu auf einem Server, der mit einem internetprotokollbasierenden Netz verbunden ist, ein Softwareprogramm installiert, das die im Folgenden beschriebenen Merkmale aufweist:

Nachdem ein Anwender eine Verbindung zum Server aufgenommen hat, lädt er sich ein Programm herunter, mit dem er auf seinem Rechner verschiedene Stimmungen simulieren kann. Merkmale verschiedener Stimmungen sind dabei zum Beispiel die Anzahl der Obertonschwingungen einzelner Töne im Schwebetonregister, sowie die Steigungskurve, die die nach oben schneller werdende Schwebung darstellt. Diese Merkmale können optisch z.b. durch Grafiken oder Frequenzangaben dargestellt werden. Auch gespreizte, verschieden temperierte oder harmonische Stimmungen, wie sie z.B. für historische Tasteninstrumente Verwendung finden, können hiermit simuliert werden. Bei jedem Klangbeispiel wird dabei der gesamte Tonumfang des entspreehenden Instrumentes hörbar. In einem Anwendungsbeispiel hat der Nutzer auch die Möglichkeit, interaktiv, wie auf einem realen Instrument zu spielen sowohl einstimmig als auch polyphon.

Insgesamt sind die Möglichkeiten hierbei natürlich von den Hard- u. Softwarekomponenten des Anwenders abhängig. Die entsprechenden Schnittstellen werden im System resp. im Softwareprogramm bereitgestellt.

Nachdem eine Stimmung ausgewählt und ein einfacher Bezahlvorgang abgewickelt wurde, bekommt der Anwender eine Tabelle angezeigt, die die genauen Frequenzdaten für jeden einzelnen Ton der ausgewählten Stimmung enthält, wahlweise in Cent, realen oder relativen Hertzangaben. Mit Hilfe dieser Frequenztabelle, die in verschiedenen Dateiformaten ausgedruckt werden kann, lässt sich nun die gewünschte Stimmung in ein reales Instrument einstimmen.

Anwender bzw. Nutzer dieser Erfindung können zum Beispiel Handharmonika- oder Akkordeonspieler sein, die sich anhand der erstellten Tabelle eine individuelle Stimmung in ihr Instrument machen lassen wollen. Aber auch für Stimmer, d.h. Reparateure oder Hersteller, die ihren Kunden einen besonderen Service anbieten wollen, kann diese Erfindung ein nützliches Werkzeug sein.

Ein wesentlicher Vorteil dieses interaktiven Onlinesystems besteht für den Anwender darin, dass er keine Investitionskosten hat. Dies ist für den einzelnen Instrumentalspieler die wichtigste Voraussetzung, da er diese Dienstleistung nur sehr selten nutzen wird. Die Erstellung der für eine individuelle Stimmung erforderliehen Tabelle kann gegen eine geringe Gebühr erfolgen, da der Markt hierfür sehr groß ist.

In einem weiteren Anwendungsbeispiel sind alle oben genannten technischen Eigenschaften in einem einzelnen Gerät verfügbar.


Anspruch[de]
  1. Vorrichtung oder Gerätesystem zur Simulation und Reproduktion verschiedener Stimmungen von Musikinstrumenten.
  2. Vorrichtungssystem zur Simulation und Reproduktion verschiedener Stimmungen von Musikinstrumenten, bestehend aus

    a) einem digitalen Rechen-/Softwareprogramm welches auf einem Server installiert ist, und über

    b) ein Netz

    c) einen oder mehrere Anwender gleichzeitig mit den zur o.g. Simulation notwendigen Daten versorgen kann.
  3. System nach Anspruch 1 oder 2, bei dem der Anwender für die Simulation einer Stimmung unter verschiedenen, in ihrem Verlauf festgelegten Stimmungen auswählen kann.
  4. System nach Anspruch 1 oder 2, bei dem der Anwender für die Simulation einer Stimmung anhand folgender Parameter eine individuelle Auswahl treffen kann:

    d) Obertonschwingung eines bestimmten Tons (z.B. im simulierten Schwebetonregister einer Handharmonika oder eines Akkordeons) die sich aus dem Frequenzabstand zwischen einem bestimmten Grundton und einem Oberschwebeton ergibt;

    e) Obertonschwingung wie unter a), die sich aus dem Frequenzabstand zwischen einem bestimmten Grundton und einem Unterschwebeton ergibt;

    f) Obertonschwingung wie unter a), die sich aus den Frequenzabständen zwischen einem bestimmten Grundton, einem Ober- und einem Unterschwebeton ergibt;

    g) Verlauf der Steigungskurve für den gesamten Tonumfang.
  5. System nach Anspruch 4, bei dem die Auswahlparameter optisch dargestellt werden.
  6. System nach Anspruch 1 oder 2, das über eine Schnittstelle für ein externes Keyboard (Klaviatur) verfügt.
  7. System nach Anspruch 1 oder 2, bei dem der Anwender eine interaktive Simulation nutzen kann, die die Auswahl und Dauer der Töne wie auf einem realen Instrument ermöglicht, dadurch gekennzeichnet dass sich das impulsgebende Aktivelement

    h) auf dem Bildschirm des Anwenders befindet, oder

    i) auf der Tastatur der Anwenders integriert ist.
  8. System nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die ausgewählte Stimmung in einer festgelegten Tonabfolge simuliert wird.
  9. System nach Anspruch 1 oder 2, bei dem nach Auswahl einer Stimmung eine Frequenztabelle mit den Daten für jeden einzelnen Ton errechnet wird, wobei die Daten in verschiedenen Maßeinheiten, wie z.B. Hertz oder Cent, erstellt werden.
  10. System nach Anspruch 2, bei dem ein Bezahlvorgang integriert ist.
  11. Verfahren zur Simulation und Reproduktion verschiedener Stimmungen von Musikinstrumenten, mit folgenden Schritten:

    j) Bereitstellen eines Anwendungsprogramms zur Simulation und Reproduktion verschiedener Stimmungen von Musikinstrumenten auf einem Server

    k) Zugriff eines Anwenders auf das oben genannte Programm, mit Herunterladen einer Simulationsanwendung

    l) Simulieren verschiedener Stimmungen, sowie Auswahl einer Stimmung

    m) Erstellen einer Stimmtabelle

    n) Stimmen eines Instrumentes nach o.g. Tabelle
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