Bei Gärvorgängen in Brauereien entsteht Gärungskohlendioxid. Auch
bei anderen Fermentationsprozessen, chemischen Prozessen und Energieumwandelprozessen
entsteht CO2. Des Weiteren kann CO2 aus natürlichen Quellen
gewonnen werden. In Brauereien und Getränkeabfüllanlagen kommt CO2 für
verschiedene Anwendungen, vor allem als Schutzgas und als Zusatzstoff zur Anwendung.
Es ist Stand der Technik, das Gärungskohlendioxid zurückzugewinnen,
um es in der Brauerei, aber auch bei anderen Prozessen, wie beispielsweise der
Getränkeabfüllung zu verwenden. Die interne Rückgewinnung von CO2 spart
Kosten, da alternativ CO2 von ausreichender Reinheit aus anderen Quellen
zugekauft werden müsste. Zudem ist bekannt, dass die Freisetzung von CO2
einen negativen Einfluss auf die Klimaentwicklung der Erdatmosphäre hat, so dass
eine Verringerung des CO2 Ausstoßes auch aus ökologischen Gründen vorteilhaft
ist. Es ist bekannt, dass der Gasstrom aus den Gärprozessen in Brauereien neben
CO2 weitere Gase, insbesondere O2 und Inertgase (wie z. B.
N2) enthält. Im Folgenden werden diese von CO2 verschiedenen
Gase als Fremdgase bezeichnet. Zudem kann der Gasstrom mit weiteren leicht flüchtigen
Begleitstoffen verunreinigt sein, welche durch Aktivkohle absorbiert werden können,
mit Wasserdampf und Aerosolen. Stand der Technik sind CO2-Rückgewinnungsanlagen
in unterschiedlichsten Ausführungen, bei denen CO2 aus dem Gasstrom
(im Folgenden Produkt-CO2 genannt) gewonnen wird. In der Figur ist schematisch
eine CO2-Rückgewinnungsanlage dargestellt anhand derer ein Verfahren
nach dem Stand der Technik erläutert wird. Dem Ballon 1 kommt eine Pufferfunktion
bezüglich des durch 3 angesaugten Gasstroms zu. Im Gaswascher 2 werden wasserlösliche
Komponenten aus dem CO2-haltigen Gasstrom entfernt. Anschließend wird
das Gasgemisch mit Hilfe von zwei- bis dreistufigen Verdichtern 3 auf den Systemdruck
oder Verflüssigungsdruck zwischen 16 bis 20 bar komprimiert. Im Anschluss an den
Verdichtungsprozess wird das CO2 über einen Trockner 4 geführt. Hier
wird dem Gasstrom der mitgeführte Wasserdampf entzogen, um Eisbildung bei der Verflüssigung
zu vermeiden. In den nachgeschalteten Aktivkohlefilter wird der CO2haltige
Gasstrom von den verbliebenen Verunreinigungen (z. B. Ethanol, H2S)
weitgehend gereinigt. Die im CO2-haltigen Gasstrom mitgeführten Fremdgase
passieren den Aktivkohlefilter. Im Verflüssiger 6 wird das CO2 kondensiert,
um ein möglichst geringes Lagervolumen zu erreichen. Der CO2 Verflüssiger
6 ist ein Wärmetauscher, aus dem die bei der Verflüssigung des CO2 freiwerdende
Kondensationswärme durch ein Kältemittel oder Kälteträger abgeführt wird. Das Produkt-
CO2 wird bei Systemdruck kondensiert. Gleichzeitig werden während der
CO2-Verflüssigung die Fremdgase, also vor allem O2
und N2
weitgehend abgetrennt, da sie unter den Systembedingungen nicht kondensieren. Dabei
werden die Systembedingungen so gewählt, dass möglichst viel CO2 kondensiert
und möglichst wenig Fremdgase in dem flüssigen CO2 enthalten sind. Nach
der Verflüssigung wird das CO2 in isolierten Lagertanks 7 gestapelt
und bei Bedarf in ein Leitungsnetz eingespeist. Die nicht kondensierten Fremdgase
werden mit einem Anteil an CO2 aus dem Verflüssiger 6 abgeblasen. Die
Reihenfolge der Systemkomponenten kann variieren. Entscheidend für die Kondensationstemperatur
des CO2 ist ausschließlich der Partialdruck des CO2. Dies
bedeutet, dass der zur Verflüssigung notwendige CO2-Partialdruck im
Verflüssiger 6 durch die Verdichter 3 und durch das Abblasen der Fremdgase aus
dem Verflüssiger 6 eingehalten werden muss. Ein höherer Anteil nicht kondensierbarer
Gase im Verflüssiger 6 bedeutet also bei konstanter Kondensationstemperatur, dass
ein höherer Systemdruck/ Verdichtungsenddruck im Verflüssiger 6 notwendig ist bzw.
bei gleichbleibendem Systemdruck, dass eine tiefere Kondensationstemperatur gewählt
werden muss, um das CO2 zu kondensieren.
Mit dem bisher meist eingesetzten Kältemittel NH3 wird
die Verflüssigung bei -20° C bis -30° C und den entsprechenden Kondensationsdrücken,
also um 15 bis 20 bar durchgeführt. Dies führt bei der Verflüssigung von CO2
aus einem Gasgemisch mit einem hohen Fremdgasanteil zu einer geringen Ausbeute
an CO2. Mit NH3 als Kältemittel ist es auch unter idealen
Bedingungen (16 bar, -30° C) nicht möglich, den Anteil CO2 im abgeblasenen
Gas auf weniger als 79,5% zu reduzieren. Dies bedeutet gleichzeitig auch einen
Energieverlust, weil auch das nicht-kondensierte CO2, das dann abgeblasen
wird, zuvor verdichtet und gereinigt wurde.
Eine Verflüssigung von CO2 mit einem hohen Fremdgasanteil
ist bei tieferen Temperaturen mit NH3 als Kältemittel unwirtschaftlich.
Das Kältemittel NH3 wird bei tieferen Verdampfungstemperaturen im Unterdruck
geführt, was bedeutet, dass das Kältemittel anfällig ist gegen Verunreinigungen
durch Wasserdampf und Gas aus der Umgebungsluft. Dadurch sind technische Vorrichtungen
zur Entlüftung des Kältemittelkreislaufs notwendig. Zudem ist es auf Grund des
hohen spezifischen Volumens von NH3 bei geringen Verdampfungstemperaturen
erforderlich, die Kältemittelverdichter an den daraus resultierenden hohen Kältemittel-Saugvolumenstrom
anzupassen, was mit erheblichen Kosten beim Anlagenbau verbunden ist. Eine Erhöhung
des Systemdruckes (Produktseite) ist technisch anspruchsvoll, da die Druckbehälterverordnung
und ergänzende technische Richtlinien mit steigenden Betriebsdrücken (hier über
20 bar) höhere Qualitäten für z. B. Schweißnähte und Behälter vorschreiben.
Aus DE 197 40 035 ist bekannt, dass der Anteil CO2 in dem
Gasstrom zu Beginn des Gärprozesses sehr gering ist und somit die Rückgewinnung
von CO2 nach dem Stand der Technik zu Beginn des Gärprozesses relativ
ineffektiv ist. Es wird in DE 197 40 035 daher vorgeschlagen, das während des Gärprozesses
im Gärtank entstehende Gasgemisch bis zur Erreichung eines bestimmten Anteils an
CO2 in die Umgebungsatmosphäre abzuleiten. Dies ist aus den oben genannten
ökologischen Gründen unerwünscht. Ausserdem gehen dadurch, wie oben erwähnt, maßgebliche
Mengen CO2 der Rückgewinnung verloren.
Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren anzugeben, das eine Verflüssigung
von CO2
auch bei Gasgemischen mit einem geringeren Volumenanteil an CO2
unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ermöglicht und durch Reduktion des Volumenanteils
von CO2 im abgeblasenen Fremdgas eine Erhöhung der Ausbeute an zurückgewonnenem
CO2 im Vergleich zu aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren erreicht.
Zur Lösung dieser Aufgabe wird CO2 als Kältemittel im Verflüssiger
eingesetzt. Im Temperaturbereich zwischen -35°C und -55°C, bevorzugt -50°C, zeichnet
sich CO2 durch einen vergleichsweise hohen COP (coefficient of performance)
und eine hohe volumetrische Kälteleistung aus. Eine Verringerung der Verflüssigungstemperatur
und eine Erhöhung des Verflüssigungsdrucks bei konstanter Eingangsreinheit des
CO2-haltigen Gasstroms führen zu einer höheren Produktausbeute, da die
Volumenanteile von CO2 im abgeblasenen Gas abnehmen. Die Verwendung
von CO2 als Kältemittel erlaubt es, die Kondensationstemperatur des
CO2 aus dem Gasgemisch bis auf -55°C, bevorzugt -50°C, abzusenken. Wird
die CO2-Verflüssigung mit CO2 als Kältemittel im Temperaturbereich
-35° bis -55°C., bevorzugt -50° C, durchgeführt, ist es möglich, die CO2-Ausbeute
bei der CO2-Rückgewinnung bei mäßig steigendem Energie- und Investitionsaufwand
im Vergleich zu bisher bekannten Anlagen entscheidend zu erhöhen. Die Verwendung
von CO2 als Kältemittel erlaubt es, den Anteil CO2 im abgeblasenen
Gas unter idealen Bedingungen (20 bar, -50° C) auf 35% zu senken. Dies ist eine
deutliche Verringerung gegenüber dem oben beschriebenen Stand der Technik.
Dieser Sachverhalt ist in Tabelle 1 anhand von Beispielen für die
Zusammensetzung des abgeblasenen Gasstroms bei unterschiedlichen Systembedingungen
dargestellt. Ein geringer Anteil CO2 im abgeblasenen Gasstrom bedeutet
geringe CO2-Verluste. Die Massenbilanz des Gesamtsystems ist abhängig
von der CO2-Konzentration in dem der Rückgewinnungsanlage zuströmenden
Gasstrom und den Systembedingungen im Verflüssiger. Die in dem CO2-haltigen
Gasstrom mitgeführten Fremdgase müssen im Verflüssiger mit möglichst wenig CO2-Anteil
aus dem System abgeblasen werden, um eine technisch und wirtschaftlich sinnvolle
Massenbilanz für das System zu erreichen. Die hier beschriebene Erfindung ermöglicht
es, unreine CO2-Gasströme mit hohem Fremdgasanteil wirtschaftlich erschließen
zu können.
Das neue Verfahren bietet zudem für die Betriebssicherheit entscheidende
Vorteile, da Kältemittel und das gewonnene CO2 derselbe Stoff sind.
Dies bedeutet, dass auch im Falle eines Überströmens des CO2 in den
Kältekreislauf ein Austausch des Kältemittels nicht notwendig wäre. Das Produkt-CO2
bleibt in einem solchen Fall rein, was besonders für lebensmittelproduzierende
Anwender der Technik von entscheidender Bedeutung ist.
Zusammensetzung des abgeblasenen Gases bei unterschiedlichen Systembedingungen im
als ideal angenommenen Verflüssiger
Druck
Temperatur
Volumenanteil CO2
Volumenanteil Fremdgase
Beispiel 1
16 bar
- 30°C
79,5%
20,5%
Beispiel 2
20 bar
- 30°C
71,5%
28,5%
Beispiel 3
20 bar
-50°C
35%
65%
Beschreibung der Zeichnung
Die Zeichnung zeigt eine schematische Darstellung einer Vorrichtung
zur Durchführung des Verfahrens.
Im Folgenden werden die einzelnen Komponenten der Zeichnung erläutert.
Schaumabscheider und Gasballon
Das durch die Gärprozesse entstehende CO2 wird durch einen
Schaumabscheider geleitet. In diesem wird mitgeschleppter Schaum vom strömenden
Gas getrennt. Der Schaum sammelt sich in dem Abscheider und kann mit einer Wasserbesprühung
niedergeschlagen und ausgespült werden.
Nach dem Schaumabscheider strömt das CO2 durch die Gasumschaltestation
in einen Ballon, in dem es zwischengespeichert wird. Die Gasumschaltestation leitet
das Gas entweder ins Freie oder zur Rückgewinnungsanlage. Bei Störungen oder abgeschalteter
Rückgewinnungsanlage wird das CO2 abgeblasen.
Dem Ballon 1 kommt eine Pufferfunktion zu. Da die entstehende Gasmenge
im Normalfall kleiner als die Liefermenge des nachgeschalteten Verdichters ist,
werden durch den ausgleichenden Gaspuffer die Schaltvorgänge des Verdichters reduziert.
Der Druck im Gasballon 1 wird durch einen Druckaufnehmer überwacht. Innerhalb eines
Druckintervalls wird der Verdichter 3 zugeschaltet. Bei Überschreiten eines maximalen
Drucks wird Gas über die Gasumschaltestation abgeblasen. Bei Unterdruck werden
Gaswascher 2 und Kompressor abgeschaltet.
Gaswascher und Verdichter
Bevor das CO2 durch den Verdichter 3 angesaugt wird, durchströmt
es den Gaswascher 2. Im Gaswascher 2 sollen wasserlösliche Komponenten aus dem
CO2 entfernt werden. Es gibt über 200 verschiedene wasserlösliche Verunreinigungen,
die das CO2 aus den Gärtanks enthält. Die wichtigsten sind Ethanol,
DMS, H2S und flüchtige Hopfenöle.
Das Gas durchströmt den Gaswascher 2 dem Wasserstrom entgegengesetzt
von unten nach oben. Der Gaswascher 2 kann mit oder ohne Füllkörperschicht ausgeführt
sein. Das verunreinigte Wasser wird kontinuierlich abgeschlämmt und durch Frischwasser
ersetzt.
Dem Gaswascher 2 ist ein Demiesterrohr nachgeschaltet. Das Demiesterrohr
trennt das mitgerissene Wasser vom Gasstrom und leitet es in den Gaswascher 2 zurück.
Das CO2
nach Gaswascher 2 und Demiesterrohr ist 100 % mit Wasser gesättigt.
In diesem Zustand wird es bei geringem Druck und geringer Temperatur durch den
Verdichter 3 angesaugt.
Um CO2 in größeren Mengen stapeln zu können, muss es in
den flüssigen Aggregatzustand überführt werden. CO2 lässt sich bei einem
Druck von 16 - 20 bar wirtschaftlich verflüssigen. Die Kompression wird mit Hilfe
von 2- bis 3-stufigen Verdichtern realisiert. Möglich sind auch 1-stufige Verdichter.
Üblich ist der Einsatz von trockenlaufenden Hubkolbenverdichtern. Auch Schraubenverdichter
oder jeder andere Typ von Verdichter 3 sind möglich. Jeder Verdichterstufe ist
bevorzugterweise ein wassergekühlter Zwischenkühler und ein Kondensatabscheider
nachgestaltet.
Reinigung des CO2
Im Anschluss an den Verdichtungsprozess wird das CO2 über
einen Vorfilter, in dem Wassertröpfchen abgetrennt werden, durch einen Trockner
4 geleitet. Hier muss dem Gas das Wasser entzogen werden, um Eisbildung bei der
Verflüssigung zu vermeiden.
Es stehen zwei Adsorptionsfilter (Füllmaterial: Kieselgel oder Zeolithe)
zur Verfügung, die im Wechselbetrieb regeneriert werden. Das aus dem Trockner 4
strömende Gas wird durch eine Messsonde überwacht, die bei Überschreiten des Drucktaupunktes
von -50°C auf den anderen Trockner 4 umschaltet.
In den nachgeschalteten Aktivkohlefiltern 5 werden dem die wasserunlöslichen
Geruchsstoffe bzw. solche, die den Gaswascher 2 passiert haben entzogen. Hier ist
wichtig, dass dem CO2 die wasserlöslichen Geruchsstoffen soweit als
möglich entzogen wurden, da sie den Kohlefilter sonst unnötig belasten. Die zwei
Aktivkohlefilter werden im Wechselbetrieb betrieben und regeneriert.
Sowohl die Trockner 4 als auch die Aktivkohlefilter werden mit CO2
regeneriert. Dies ist zwar energetisch ungünstig, folgt aber aus der technologischen
Vorgabe, dass das CO2
und damit die CO2-Rückgewinnungsanlage
sauerstofffrei gehalten werden müssen.
Im Regenerationszyklus wird zunächst erhitztes CO2 im Gegenstrom
durch den Trockner 4 geleitet, um die Feuchtigkeit aus dem Trocknungsmittel zu
entfernen. Anschließend wird der Behälter wieder mit kaltem Spülgas gekühlt.
Verflüssiger und Lagertank
In dem Verflüssiger 6 wird das CO2 verflüssigt, um ein
möglichst geringes Lagervolumen zu erreichen. Der CO2-Verflüssiger 6
ist ein Wärmetauscher, in dem das Kältemittel verdampft und das Produkt-CO2
bei Systemdruck verflüssigt wird.
Neben der Volumenreduzierung erfüllt der Verflüssiger 6 eine zweite
wichtige Aufgabe. Es werden die nicht kondensierbaren Gase, vor allem O2
und N2 weitgehend abgetrennt. Diese Gase reichern sich im Dom des Verflüssigers
an, da sie relativ zu CO2 eine geringere Dichte haben. Die sich im Dom
sammelnden Fremdgase müssen über ein Ventil abgeblasen werden.
Auf diese Weise wird sowohl eine erhöhte Sauerstoffkonzentration im
flüssigen CO2
vermieden, als auch der Erhalt der Verflüssigungsfunktion
gewährleistet. Die Fremdgase im Verflüssiger 6 bewirken zwei nachteilige Effekte.
Ohne Abblasen würde durch das zunehmende Volumen der nicht kondensierbaren Gase
das CO2 von den Wärmetauscherflächen des Verflüssigers verdrängen und
den Wärmeübergang behindern. Weiterhin würden die sich aufgrund der steigenden
Partialdrücke vermehrt im CO2 lösenden Fremdgase die Verflüssigungstemperatur
des CO2 absenken. Deshalb werden die Fremdgase in einem einstellbaren
Intervall abgeblasen.
Da diese Gase den gesamten Prozess mit durchlaufen, ist es aus energietechnischer
Sicht erstrebenswert, ihren Anteil von vornherein gering zu halten.
Nach der Verflüssigung wird das CO2 in isolierten Lagertanks
7 gestapelt und bei Bedarf über einen Verdampfer in ein Leitungsnetz eingespeist.