Verwendung von Copolymerisaten zur Verringerung von Ausfällungen und Belägen durch anorganische und organische Verunreinigungen im Bayer Prozess zur Gewinnung von Aluminiumhydroxid
Verwendung von wasserlöslichen Copolymerisaten, gebildet aus monoethylenisch ungesättigten Säuregruppen tragenden Monomeren a) und mindestens einer ungesättigte Doppelbindungen enthaltenden hydrophoben Komponente b) in den Bayer Prozesslaugen als Mittel zur Verringerung von Ausfällungen und Belagsbildungen durch anorganische und organische Verunreinigungen.
Beschreibung[de]
Die Erfindung betrifft die Verwendung von Copolymerisaten aus monethylenisch
ungesättigten Säuregruppen tragenden Monomeren und ungesättigten hydrophoben Komponenten
zur Verhinderung bzw. Reduzierung von anorganischen und organischen Ablagerungen
aus stark alkalischen wässerigen Prozesslaugen.
Im Bayer Prozess (Ullmanns Encyklopädie, 4. Auflage, 1974) zur Gewinnung
von Aluminiumhydroxid (Aluminiumtrihydrat oder Gibbsit) aus Bauxit besteht ein technisches
Problem in der unerwünschten Bildung und Anreicherung von Natriumaluminiumsilikat
aus den verwendeten Rohstoffen.
In der ersten Stufe des Prozesses wird Bauxit mit einer Natriumhydroxidlösung
gekocht, wobei Natrium-Aluminat in Form einer übersättigten Lösung entsteht. Verunreinigungen
wie Eisenoxide, Silikate, Titanverbindungen werden als unlösliche Bestandteile in
der sog. Rotschlammflockung abgetrennt. Es verbleiben jedoch in der Natrium-Aluminat
Lösung beachtliche Mengen von gelösten Verunreinigungen des Bauxit, vor allem gelöste
Silikate und Kieselsäure.
Im sogenannten Ausrührprozess kristallisiert bei langsamer Abkühlung
aus der übersättigten Lösung von Natriumaluminat das Aluminiumhydroxid aus, zur
Beschleunigung werden Al(OH)3 Impfkristallen zugesetzt. Die geforderten
Teilchengrößen unter 45 &mgr;m liegen in der Regel unter 10 Gew.%, und unter 90
&mgr;m sind es 55 bis 65 Gew.%. Steigt die Fraktion der Feinteilchen an, so wird
insbesondere der sich anschließende Trockenprozess stark verzögert. Da ca. 70 bis
80% der gewonnenen feinteiligen Aluminiumhydroxidkristalle dem Prozess wieder als
Impfkristalle zugesetzt werden, würden sich die feinen Teilchen in ungewünschter
Weise anreichern.
Die nach der Kristallisation anfallende gebrauchte Natronlauge (Spent
liqour) wird im Bayer Prozess im Kreislauf geführt, wodurch sich anorganische und
organische Bestandteile anreichern.
Je nach dem Herkunftsgebiet des Bauxit-Erzes ist die Zusammensetzung
des Bauxits unterschiedlich. Im allgemeinen besteht Bauxit aus Oxiden und Hydroxiden
von Aluminium und Eisen und enthält als Nebenbestandteile Kieselsäure, Titandioxid
und zahlreiche anorganische und organische Verunreinigungen wie etwa die Oxide des
Vanadiums, Chroms, Phosphors, Arsens, Fluors, Schwefels, Calciums, Mangans, Kupfers,
Zinks, Berylliums, Galliums und der seltene Erden und häufig organische Bestandteile
wie Huminsäuren.
Während des Kochprozesses lösen sich Silikate und teilweise auch SiO2
in der heißen Natronlauge. Die löslichen Silikate (z.B. Kaolin) reagieren mit dem
Natriumaluminat und Soda unter Bildung unlöslicher Verbindungen. Solche unlöslichen
Verbindungen bestehen aus Natrium-Aluminiumsilikat und werden in der Literatur teilweise
als „desilication products", (DSP) bezeichnet, die sich als Belag in Behältern
und Rohrleitungen der Prozessanlagen abscheiden.
Von der chemischen Zusammensetzung her variieren die DSP-Beläge sehr
stark in Abhängigkeit vom Verfahren und von einer Produktionsstätte zu nächsten.
Auch die Temperatur und die Laugenzusammensetzung beeinflussen die Zusammensetzung
der Beläge.
Sehr häufig sind DSP jedoch physikalische Mischungen verschiedener
Verbindungen, weshalb Abweichungen in der Zusammensetzung normal sind. So können
mehrere Schichten verschiedener Zusammensetzung übereinander wachsen, wobei auch
Eisen- und Titanhaltige Beläge neben Calciumcarbonat enthalten sein können.
Ein Teil dieser unerwünschten anorganischen Bestandteile wird im Rahmen
einer Vorentkieselung der Bauxitmaische nach der Nassmahlung entfernt, dabei wird
die Maische mehrere Stunden bei hoher Temperatur stehen gelassen. In dieser Zeit
kristallisieren silikathaltige Nebenbestandteile aus; der SiO2-Gehalt
der Lauge nimmt ab. Ein weiterer Teil der Nebenbestandteile geht mit der Rotschlammflockung
aus dem System. Es bleiben aber immer noch lösliche Silikatanteile in der Prozesslauge,
mit der Folge von unerwünschten Belagsbildungen auf Rohren, Wänden und in Kesseln
der gesamten Produktionsstätte, wobei natürlich Wärmetauscher besonders betroffen
sind.
Die Belagsbildungen verursachen beträchtliche Probleme und Kosten
durch erhöhten Energieverbrauch, durch niedrigere Qualität des Produktes, durch
aufwendige Reinigungsarbeiten und die dadurch verursachten Stillstände der Produktionsanlagen.
In der Praxis ist man daher bestrebt, die unerwünschten anorganischen
und organischen Bestandteile nach Möglichkeit am unkontrollierten Ausfallen zu hindern,
und den Prozess der Ausfällung gezielt in eine Entkieselungsanlage zu verschieben.
In der Literatur finden sich zahlreiche Ansätze zur Lösung des Problems, insbesondere
durch die Zugabe von bestimmten polymeren Substanzen in die Prozesslauge. Keines
dieser polymeren Zusatzmittel hat sich jedoch bisher bewährt, da entweder die Wirksamkeit
zu gering war oder die Produkte unter den stark alkalischen Bedingungen des Bayer
Prozesses nicht beständig waren. Hierbei ist insbesondere zu beachten, dass aufgrund
der Kreislaufführung der Prozesslauge die Zusatzmittel über lange Zeiträume im System
verbleiben.
EP 0 582 399 A2 beschreibt
eine Methode zur Veränderung der Morphologie von sich ausscheidenen silikatischen
Materialien in Bayerprozesslaugen, wobei Ammonium- oder Aminverbindungen zugeführt
werden. Die morphologischen Strukturänderungen beziehen sich auf die Abrundung der
Ecken und Kanten der Kristalle, und die Verhinderung des Kristallwachstum. Aus den
Beispielen geht hervor, dass relativ hohe Dosierungen der erfindungsgemäßen Produkte
(500 ppm–5000 ppm) bei ca. 230°C/30 min erforderlich sind. Das Verfahren
der EP 0 586 070 A2 setzt für den
o.g. Zweck polymere quaternäre Ammoniumverbindungen, beispielsweise Poly-DADMAC
oder Polyacrylamide ein. Aufgrund der alkalischen Bedingungen der Bayer Prozesslauge
sind derartige Verbindungen nur begrenzt haltbar.
In der WO 97/41075 wird bezüglich des Bayer-Prozesses die Veränderung
der Morphologie der Beläge auf Basis DSP, Titanaten und Silikaten beschrieben. Beansprucht
wird die Verwendung eines Hydroxamsäurepolymers mit einem Molekulargewichtsmittel
von 1.000–10.000.
Gemäß der US 5,415,782 werden
hochmolekuare Polyacrylamide bzw. Acrylamid/Acrylsäurecopolymere zur Veränderung
der morphologischen Eigenschaften eingesetzt. Die veränderten morphologischen Eigenschaften
dieser silikathaltigen Materialien sorgen für eine geringere Ablagerungstendenz
in der modifizierten Form an den Oberflächen des Systems während des Prozesses.
Im Verfahren der WO 02/070411 wird zur Reduzierung von Belägen durch
alkalischen Kreislauf-Laugen der Einsatz von Copolymeren aus 30–99 Gew.% ethylenisch
ungesättigten Carboxylsäuren und 1–70% Isobutyl(meth)acrylaten beschrieben.
Die alkalische Prozeßlauge ist in Kontakt mit metallischen Oberflächen, wobei die
Belagsbildung bevorzugt an bereits existierenden Belägen erfolgt, wodurch eine Reduzierung
der Oberflächenbedeckung an der Metalloberfläche erfolgt.
Die WO 2004/003040 A1 beschreibt wasserlösliche, Säuregruppen tragende
Copolymerisate mit hydrophoben Anteilen u.a. aus der Gruppe der ungesättigten Kohlenwasserstoffe
und der Terpene, sowie deren Verwendung in Wasser führenden Systemen u.a. zur Vermeidung
von organischen/anorganischen Ablagerungen bzw. als Dispergierhilfsmittel für Pigmente.
Aufgabe der Erfindung war es deshalb ein Zusatzmittel für den Bayerprozess
bereitzustellen, das unter den Bedingungen der stark alkalischen Bayerprozesslauge
stabil ist und sowohl die Ausfällung der Belagsbildner aus dieser Lauge als auch
deren Ablagerungen auf den Oberflächen reduziert oder nach Möglichkeit verhindert.
Ferner soll das Mittel die Bildung fest haftender Beläge unterdrücken, um den Reinigungsaufwand
an den Oberflächen zu verringern. Darüber hinaus ist für das Mittel eine Wirkung
auf den Kristallisationsprozess des Aluminiumhydroxids im Sinne einer höheren Reinheit
und einer verbesserten Teilchenverteilung anzustreben.
Die Aufgabe konnte durch die Verwendung von wasserlöslichen Copolymerisaten,
gebildet aus monoethylenisch ungesättigten Säuregruppen tragenden Monomeren
a) und mindestens einer der folgenden, ungesättigte Doppelbindungen enthaltenden
hydrophoben Komponenten b)
b1) ein acyclisches, monocyclisches und/oder bicyclisches Terpen, insbesondere
Terpenkohlenwasserstoff,
b2) ein ungesättigter, offenkettiger oder zyklischer, normaler oder isomerer
Kohlenwasserstoff mit 9–30 Kohlenstoffatomen,
b3): ein ungesättigter Fettalkohol oder eine ungesättigte Fettsäure mit jeweils
8–30 Kohlenstoffatomen und deren Ester mit gesättigten aliphatischen Alkoholen,
Aminen und Säuren
in den Bayer Prozesslaugen als Mittel zur Verringerung von Ausfällungen und Belagsbildungen
durch anorganische und organische Verunreinigungen gelöst werden.
Die Säuregruppen tragenden, ungesättigten Monomere a) aus denen die
erfindungsgemäß einzusetzenden Copolymerisate aufgebaut sind, sind ausgewählt aus
den Monocarbonsäuren wie beispielsweise Acrylsäure, Methacrylsäure, Crotonsäure,
Isocrotonsäure, Vinylessigsäure, Maleinsäurehalbester, Maleinsäurehalbamide, den
Dicarbonsäuren wie beispielsweise Maleinsäure, Fumarsäure, Itaconsäure, und den
Sulfonsäuren wie beispielsweise Vinylsulfonsäure, Allylsulfonsäure, (Meth)allylsulfonsäure,
2-Acrylamido-2-methyl-1-propansulfonsäure.
Bevorzugt werden die Monocarbonsäuren eingesetzt; insbesondere ausgewählt
aus der Gruppe Acrylsäure, Methacrylsäure und Vinylessigsäure. Insbesondere bevorzugt
wird von den Monocarbonsäuren Acrylsäure.
Sofern Sulfonsäuren vorhanden sind, sind diese bevorzugt aus der Gruppe
Vinylsulfonsäure, (Meth)allylsulfonsäure und 2-Acrylamido-2-methyl-1-propansulfonsäure
ausgewählt.
In einer weiteren, bevorzugten Ausführungsform sind in den erfindungsgemäß
einzusetzenden Copolymerisaten Monocarbonsäuren und Sulfonsäuregruppen enthaltende
Monomere kombiniert, wobei der Anteil der sulfonsäuregruppenhaltigen Monomere 0,1
bis 40 Gew.%, vorzugsweise 1 bis 25 Gew.% beträgt.
Die Säuregruppen in den erfindungsgemäß einzusetzenden Copolymerisaten
können teilweise oder völlig neutralisiert sein. Sie liegen für gewöhnlich als Alkali-
oder Ammonium- oder Aminsalze vor, wobei die Alkalisalze bevorzugt sind. In einer
bevorzugten Ausführungsform sind sie zu 1 bis 75% neutralisiert, besonders bevorzugt
zu 2 bis 50% und ganz besonders bevorzugt zu 5 bis 30%.
Beispielhaft sind als hydrophobe Komponenten b) für b1) zu nennen:
Natürliche und synthetische Terpene, beispielsweise Pinene wie alpha-Pinen und beta-Pinen,
Terpinolen, Limonen (Dipentene), beta-Terpinen, gamma-Terpinen, alpha.-Thujene,
Sabinene, delta.-.sup.3-carene, Camphen, beta-Cadinen, beta.-Caryophyllene, Cedrene,
Bisalbone wie alpha.-Bisalbone, beta.-Bisalbone, gamma-Bisalbone, Zingiberene, Humulen,
(alpha.-Caryophyl-1ene), alpha-Zitronellol, Linalool, Geraniol, Nerol, Ipsenol,
alpha-Terpineol, D-Terpineol-(4), Dihydrocarveol, Nerolidol, Farnesol, alpha.-Eudesmol,
beta-Eudesmol, Zitral-, D-Citronellal, Carvon, D-Pulegone, Piperitone, Carvenone,
Bisabolene, beta-Selinene, alpha-Santalene, Vitamin A, Abetinsäure und Mischungen
dieser Mittel, sowie Extrakte aus natürlichen Vorkommen wie beispielsweise Orangenterpen.
Von Terpenen werden bevorzugt: Pinene, Nerol, Citral- und Citronellal, Camphen,
Limonen/Dipentene und Linalool. Besonders bevorzugt werden Limonen/Dipentene und
Pinene.
Als ungesättigte Kohlenwasserstoffe b2) sind beispielhaft zu nennen
Decen, Hexadecen, beispielhaft sind für b3) zu nennen ein Fettsäuremonoalkylester,
ein Fettsäureamid oder ein Fettsäuremonoalkylamid einer ungesättigten Fettsäure,
ein Mono- oder Polyester einer ungesättigten Fettsäure mit Polyolen, ausgenommen
Polyethylenglykole, ein Mono- oder Polyamid von ungesättigten Fettsäuren und aliphatischen
Polyaminen mit zwei bis sechs Stickstoffatomen, Ölsäure, Ölsäureoctylester, Glycerinmono-
und -trioleat und Sorbitanoleate.
Der Anteil der Komponente b) im Copolymerisat liegt im allgemeinen
bei 0,01 bis 30 Gew.%, bevorzugt bei 0,1 bis 20 Gew.% und besonders bevorzugt 0,2
bis 10 Gew.%.
Die erfindungsgemäß einzusetzenden Copolymere können darüber hinaus
zur Modifizierung der Eigenschaften auch noch bis zu 40 Gew.% weitere säuregruppenfreie
Comonomere c) einpolymerisiert enthalten. Beispielsweise sind hier Acrylsäure- und
Methacrylsäureester und Amide bzw. substituierte N-Alkyl Amide zu nennen.
Die gewichtsmittleren Molekulargewichte Mw der erfindungsgemäßen Copolymerisate
liegen in einem Bereich von 750 bis 500.000 g/mol bevorzugt 1.000 bis 100.000 g/mol
und besonders bevorzugt zwischen 1.500 und 10.000 g/mol.
Die Zugabe der erfindungsgemäß zu verwendenden Polymere in die Bayer
Prozesslauge erfolgt für gewöhnlich in Form von wässrigen Lösungen.
Die Herstellung der erfindungsgemäß einzusetzenden Polymere erfolgt
nach für den Fachmann bekannten Methoden, etwa beispielsweise nach dem Verfahren
der radikalischen Polymerisation in wässriger Phase.
Es wurde nun überraschend gefunden, dass die erfindungsgemäß zu verwendenden
Polymere in den stark alkalischen Prozesslaugen des Bayer-Verfahrens
zur Herstellung von Aluminiumhydroxid eine sehr gute belagsverhindernde Wirkung
besitzen. Die Belagsverhinderung bezieht sich dabei nicht nur auf die sogenannten
DSP sondern auf alle Arten von Belägen, wie z.B. unlösliche Ca- und Mg-Verbindungen,
eisenhaltige Beläge und Titanverbindungen. Die entstehenden Ausfällungen lagern
sich nicht mehr oder nur noch in geringem Maße ab und sind mit geringem mechanischen
Aufwand leicht wieder zu entfernen. Ferner führt die Verwendung der erfindungsgemäß
einzusetzenden Polymere auch zu einer mengenmäßigen Verringerung von Ausfällungen
der Belagsbildner.
Besonders überraschend ist, dass durch die erfindungsgemäßen Produkte
die Zusammensetzung der DSP-Beläge verändert werden kann. Die in der Literatur beschriebene
substratgesteuerte Auskristallisation des DSP an der Metalloberfläche ist ein Mechanismus
der Belagsbildung. Bei Einsatz der erfindungsgemäßen Polymere wurde jedoch gefunden,
dass auch der Mechanismus der Auskristallisation der Belagsbildner aus der Lösung
ohne Mitwirkung von Metalloberflächen beeinflusst wird. Die Belagsverminderung geht
einher mit einer Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Beläge. So kann
der Gehalt an SiO2 von 40 auf 20% im DSP reduziert werden, während gleichzeitig
der Carbonatanteil im DSP von 4–7% auf 2–3% abgesenkt wird.
Überraschend ist auch, dass die Zugabe der erfindungsgemäßen Polymere
im nachfolgenden Ausrührprozess die Ausbeute an auskristallisiertem Aluminiumhydroxid
nicht verringert, obwohl sie eigentlich als die Ausfällung verhindernde Substanzen
eingebracht werden. Die Teilchengrößenverteilung des entstehenden Aluminiumhydroxids
wird positiv beeinflusst, d.h. die Feinanteile werden zugunsten gröberer Anteile
zurückgedrängt. Die Reinheit des auskristallisierten Aluminiumhydroxids wird durch
die erfinderischen Polymere verbessert, da weniger Belagsbildner in der Kristallisationsstufe
ausfallen.
Im Zuge der Rotschlammflockung und -abtrennung wurde bemerkt, dass
das erfindungsgemäß einzusetzende Polymer auch eine vorteilhafte Verflüssigung des
Rotschlamms bewirkt, der nach seiner Ausfällung in Form von konzentrierten wässrigen,
schwer handhabbaren Suspensionen vorliegt. Diese etwa 45 bis 70 Gew.%igen Schlämme
werden durch die zuvor beschriebenen Polymere besser handhabbar und sind somit leichter
zu entsorgen.
Die Dosierung der erfindungsgemäß einzusetzenden Polymere zur Bayer
Prozesslauge kann jeder Stufe des Prozesses erfolgen. Aufgrund der Kreislauffahrweise
der Prozesslauge, bei der die Polymere teilweise mitgeführt werden, besteht die
optimale Dosierung im Ersatz der in anderen Prozessstufen ausgetragenen Polymerbestandteile.
In einer bevorzugten Ausführungsform erfolgt die Dosierung unmittelbar vor Wärmeaustauschern
oder Verdampfern.
Zur Erlangung einer guten Wirkung sollte das erfindungsgemäß einzusetzende
Polymer in der Prozesslauge in Mengen von 1 ppm bis 5.000 ppm vorhanden sein, bevorzugt
von 50 bis 500 ppm.
Die folgenden Beispiele sollen die Erfindung näher beschreiben ohne
sie jedoch einzuschränken.
BeispieleHerstellung des künstlichen Spent liquor
In einem Becherglas mit Weichwasser werden nacheinander Natriumhydroxid-Plätzchen
und Natriumcarbonat gegeben und unter Rühren gelöst. Dabei wird die Temperatur auf
108°C erhöht. Man rührt solange bis eine klare Lösung entstanden ist. In 4 Portionen
wird danach die abgewogene Menge an Aluminumhydroxid zugegeben. Zwischen den Zugaben
wird jeweils gewartet, bis die Lösung fast klar ist. Nachdem alles gelöst ist, wird
das durch Verdampfung verlorene Wasser ersetzt. Die Lösung wird heiß über ein Papierfilter
der Marke Blauband abgenutscht, um noch vorhandene Feststoffe zu entfernen.
Einwaagen: 293,58 g NaOH, 75,87 g Na2CO3, 1782,75 g vollentsalztes
Wasser, 183,75 g Al(OH)3.
Zu diesem künstlichen Spent liquor wird kurz vor Beginn der Prüfung
noch Wasserglas gegeben, um eine Sio2 -Konzentration von 1,2 g/l einzustellen.
Prüfmethode
In ein Becherglas werden 200 ml des künstlichen Spent liquors eingefüllt
und die erforderliche Menge an Wasserglas zugesetzt.
Die Lösung wird nach Zusatz der belagsverhindernden Substanzen für
8 Stunden unter Rühren bei ca. 108°C im offenen System gekocht. Das verdampfte
Wasser wird ständig ersetzt, so dass der Flüssigkeitsspiegel nie tiefer als 5 mm
absinkt.
Zur Erfassung der entstehenden Trübung erfolgt in den ersten 5 Stunden
eine Extinktionsmessung bei 440 nm.
Nach Ablauf der Zeit lässt man die Lösung ohne Rührung abkühlen und
filtriert über zwei Blaubandfilter. Das Filtrat wird mit vollentsalztem Wasser mehrmals
gespült. Die Filterrückstände werden bei 70°C 4 Stunden lang getrocknet und
ausgewogen.
Die Filterrückstände werden über induktiv gekoppelte Plasma-Emissionsspektroskopie
(ICP) und/oder nasschemisch analysiert.
Der folgenden Tabelle 1 ist die Zusammensetzung und Charakterisierung
der in den Beispielen und Vergleichsbeispielen eingesetzten Polymere (Polymere der
Vergleichsbeispiele V2 bis V6, erfindungsgemäße Polymere B1 bis B6) zu entnehmen.
Die Polymere sind durch die Monomerzusammensetzung und durch das Molekulargewichtsmittel
bestimmt. Vergleichsbeispiel V1 wurde ohne Polymerzusatz durchgeführt. Tabelle 2
zeigt die Ergebnisse der Wirksamkeitsprüfung mit diesen Polymeren bei unterschiedlichen
Einsatzkonzentrationen. Hier wurde jeweils die Menge an ausgefallenem Belagsbildner
und dessen Zusammensetzung bestimmt.
Tabelle 1Tabelle 2
Die Versuchsergebnisse zeigen, dass die erfindungsgemäßen Copolymerisate
die Ausfällung von Belagsbildnern deutlich reduziert. Die Ausfällungen sind von
lockerer Struktur und neigen nicht zur Bildung fester Beläge. Völlig überraschend
ist darüber hinaus die Veränderung der Zusammensetzung der Ausfällungen. Insbesondere
werden die Anteile von SiO2 und Carbonat zugunsten von Al2O3
verschoben. Diese Veränderungen werden als Ursache für die positiven Wirkungen der
erfindungsgemäßen Polymerisate vermutet.
Beispiel 7: Einfluss der erfindungsgemäßen Polymere auf
die Bildung von Aluminiumhydroxid
Der Einsatz von chemischen Hilfsmitteln im Bauxitaufschluss mit Natronlauge
zur Herstellung von Aluminiumhydroxid kann zu Beeinträchtigungen der Aluminiumhydroxid-Kristalle
im Ausrührprozess führen. D.h. das Kristallwachstum wird gestört werden, und das
produzierte Hydroxid ist in seinen Kornfraktionen zu fein. Beurteilt werden üblicherweise
die Kristallfraktionen < 45 &mgr;m und < 90 &mgr;m.
Versuchsvorbereitung:Benötigte Utensilien
– Bayer Prozesslauge. Musternahme unmittelbar vor Eintritt in die Ausrührkessel
(Nach der Sicherheitsfiltration (z.B. Kelly-Filter)
– Gewaschene Aluminiumhydroxid Kristalle aus dem Betrieb (Impfkristalle)
– Laborausrührgerät (Rollausrührer im Wasserbad)
Versuchsdurchführung:
Zu je einem Liter Bayer Prozesslauge werden 130 g Impfkristalle gegeben.
Anschließend dosiert man in je eine Flasche 100 bzw. und 200 ppm (bezogen auf den
Flascheninhalt) des erfindungsgemäß zu verwendenden Copolymers B3. Zur besseren
Vergleichbarkeit der Ergebnisse werden 2 Proben ohne Copolymer in oben beschriebener
Weise vorbereitet. Die Flaschen werden verschlossen und in den Rollenausrührer platziert,
der durch ein Wasserbad temperiert wird. Über einen Zeitraum von 19 Stunden, wird
die Temperatur des Wasserbades von 72°C auf 62°C gleichmäßig abgesenkt.
Nach Abschluss der dabei in den Flaschen stattfindenden Kristallisation (bzw. Ausrührung)
werden die Flascheninhalte mittels einer Vakuumnutsche in die flüssige und feste
Phase getrennt. Zur Bestimmung der Partikelgrößen, wird das abgetrennte Aluminiumhydroxid im
nassen Zustand laseroptisch vermessen.
Das erfindungsgemäß eingesetzte Polymer zeigt keinen negativen Effekt
auf das Wachstum von Alumiumhydroxidkristallen im sog. Ausrührprozess (Kristallisationsprozess)
einer Aluminiumhydroxid Produktion. Die Partikelgrößenverteilung wird sogar positiv
beeinflusst, indem weniger unerwünschte feinteilige Kristalle zugunsten gröberer
Kristalle gebildet werden. Dies ist insofern überraschend, als dass die erfindungsgemäßen
Polymere von ihrer Funktion her eher in Richtung einer Vermeidung von Ausfällungen
wirksam sind.
Anspruch[de]
Verwendung von wasserlöslichen Copolymerisaten, gebildet aus monoethylenisch
ungesättigten Säuregruppen tragenden Monomeren a) und mindestens einer der folgenden,
ungesättigte Doppelbindungen enthaltenden hydrophoben Komponenten b)
b1) ein acyclisches, monocyclisches und/oder bicyclisches Terpen, insbesondere Terpenkohlenwasserstoff,
b2) ein ungesättigter, offenkettiger oder zyklischer, normaler oder isomerer Kohlenwasserstoff
mit 9–30 Kohlenstoffatomen,
b3): ein ungesättigter Fettalkohol oder eine ungesättigte Fettsäure mit jeweils
8–30 Kohlenstoffatomen und deren Ester mit gesättigten aliphatischen Alkoholen,
Aminen und Säuren
in den Bayer Prozesslaugen als Mittel zur Verringerung von Ausfällungen und Belagsbildungen
durch anorganische und organische Verunreinigungen.
Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die monoethylenisch
ungesättigten, Säuregruppen tragenden Monomeren aus monoethylenisch ungesättigten
Monocarbonsäuren bestehen.
Verwendung nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass die
Säuregruppen tragenden Monomere aus der Gruppe Acrylsäure, Methacrylsäure, Vinylessigsäure,
bevorzugt Acrylsäure ausgewählt sind.
Verwendung nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die
monoethylenisch ungesättigten, säuregruppentragenden Monomeren aus monoethylenisch
ungesättigten Monocarbonsäuren und monoethylenisch ungesättigten Sulfonsäuren bestehen.
Verwendung nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die
Säuregruppen teilweise oder völlig neutralisiert sind.
Verwendung nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die
copolymerisierbare hydrophobe Komponente ein acyclisches Terpen und/oder ein monocyclischer
und/oder bicyclischer Terpenkohlenwasserstoff ist.
Verwendung nach Anspruch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der
Anteil der hydrophoben Komponente b) im Copolymerisat 0,01 bis 30 Gew.% und der
Anteil der sauren Monomerkomponente a) 99,99 bis 70 Gew.% beträgt.
Verwendung nach Anspruch 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das
Copolymerisat ein gewichtsmittleres Molekulargewicht von 750 bis 500.000 g/mol aufweist.
Verwendung nach Anspruch 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das
Copolymerisat in der alkalischen Prozesslauge in Mengen von 1–5000 ppm eingesetzt
wird.
Verwendung nach Anspruch 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das
Copolymerisat in die Bayer Prozesslauge nach der Stufe der Aluminiumhydroxidkristallisation
zugegeben wird.
Verwendung von wasserlöslichen Copolymerisaten, gebildet aus monoethylenisch
ungesättigten Säuregruppen tragenden Monomeren a) und mindestens einer der folgenden,
ungesättigte Doppelbindungen enthaltenden hydrophoben Komponenten b)
b1) ein acyclisches, monocyclisches und/oder bicyclisches Terpen, insbesondere Terpenkohlenwasserstoff,
b2) ein ungesättigter, offenkettiger oder zyklischer, normaler oder isomerer Kohlenwasserstoff
mit 9–30 Kohlenstoffatomen,
b3): ein ungesättigter Fettalkohol oder eine ungesättigte Fettsäure mit jeweils
8–30 Kohlenstoffatomen und deren Ester mit gesättigten aliphatischen Alkoholen,
Aminen und Säuren
zur Verflüssigung von konzentrierten wässrigen Suspensionen von Rotschlamm aus dem
Bayer Prozess zur Gewinnung von Aluminiumhydroxid.